Regina Reinsperger: Wilhelm Busch und die Reinkarnations-Idee




Wilhelm Busch ist am 15. April 1832 in Wiesensahl bei Stadthagen geboren. Im Jahr 2007 feierte man daher seinen 175. Geburtstag und am 9. Januar 2008 gedachte man seines 100. Todestages. Busch ist als humoristischer Dichter bekannt und gilt aufgrund seiner wunderbaren Bildergeschichten als einer der Pioniere des modernen Comic. Die Meisten von uns kennen Buschs Bildergeschichten schon aus Kindertagen: „Max und Moritz“ oder die Geschichte vom Raben „Hans Huckebein“ oder von den beiden Hunden „Plitsch und Plum“ und ihren kindlichen Herrchen. Später las man dann mit Vergnügen „Die fromme Helene“ oder auch die zunächst wegen „Blasphemie“ verbotene Geschichte „Der Heilige Antonius von Padua“.
Auch viele humorvoll-weise Gedichte Buschs aus seinen Werken „Kritik des Herzens“, „Zu Guter Letzt“ und „Schein und Sein“ sind bekannt. So zum Beispiel aus „Schein und Sein“:

So war´s

Der Teetopf war so wunderschön,
Sie liebt ihn wie ihr Leben.
Sie hat ihm leider aus Versehn
Den Todesstoß gegeben.

Was sie für Kummer da empfand,
Nie wird sie es vergessen.
Sie hielt die Scherben aneinand
Und sprach: So hat´s gesessen!


Dass Wilhelm Busch sich auch zeitlebens nicht nur mit dem Tod, sondern auch mit dem Reinkarnations-Gedanken auseinandersetzt hat, ist den meisten Busch-Fans unbekannt, man vermutet es nicht, da er starke evangelische Wurzeln hatte: vom 9. – 15. Lebensjahr lebte er bei seinem Onkel, der evangelischer Pfarrer war und ihn und seinen Freund persönlich unterrichtete; in späteren Jahren lebte er mit seiner Schwester, einer Pfarrerswitwe, zusammen in deren „Pfarrwitwenhaus“ und war deren zwei Söhnen Vaterersatz.

In „Kritik des Herzens“, 1874 veröffentlicht, erschien folgendes Gedicht:

Also hat es Dir gefallen
Hier auf dieser schönen Welt,
So dass das Vondannenwallen
Dir nicht sonderlich gefällt.
Lass dich das doch nicht verdrießen.
Wenn du wirklich willst und meinst,
Wirst du wieder auferspriessen;
Nur nicht ganz genau wie einst.

Aber, Alter, das bedenke,
Dass es hier doch manches gibt,
Zum Exempel Gicht und Ränke,
Was im ganzen unbeliebt.


Im 1904 veröffentlichten Gedichtband „Zu guter Letzt“ findet sich dies:

Seelenwanderung

Wohl tausendmal schon ist er hier
Gestorben und wieder geboren,
Sowohl als Mensch wie auch als Tier,
Mit kurzen und mit langen Ohren.

Jetzt ist er ein armer blinder Mann,
Es zittern ihm alle Glieder,
Und dennoch, wenn er nur irgend kann,
Kommt er noch tausendmal wieder.


Posthum erschien 1909 der Gedichtband „Schein und Sein“ und darin finden sich wieder zwei Gedichte:

Unbillig

Nahmst du in diesem großen Haus
Nicht selbst Quartier?
Missfällt es dir, so zieh doch aus.
Wer hält dich hier?
Und schimpfe auf die Welt, mein Sohn,
Nicht gar zu laut.
Eh du geboren, hast du schon
Mit dran gebaut.

Tröstlich

Die Lehre von der Wiederkehr
Ist zweifelhaften Sinns.
Es fragt sich sehr, ob man nachher
Noch sagen kann: Ich bin´s.

Allein was tut´s, wenn mit der Zeit
Sich ändert die Gestalt?
Die Fähigkeit zu Lust und Leid
Vergeht wohl nicht so bald.


Kurz vor seinem Tod schrieb Wilhelm Busch dann seinen Lebenslauf:

Mein Lebenslauf

Mein Lebenslauf ist bald erzählt,
In stiller Ewigkeit verloren
Schlief ich, und nichts hat mir gefehlt,
Bis ich sichtbar ward geboren.
Was aber nun? – Auf schwachen Krücken,
Ein leichtes Bündel auf dem Rücken,
Bin ich getrost dahingeholpert,
Bin über manchen Stein gestolpert,
Mitunter grad, mitunter krumm,
Und schließlich musst´ ich mich verschnaufen.
Bedenklich rieb ich meine Glatze
Und sah mich in der Gegend um.
O weh! Ich war im Kreis gelaufen,
Stand wiederum am alten Platze,
Und vor mir dehnt sich lang und breit,
Wie ehedem, die Ewigkeit.


Im Internet finden sich verschiedene Links zu Wilhelm Busch und auch sein Lebenslauf ist ausführlich dargestellte. Als Beispiel seien zwei Quellen genannt:
Die Wikipedia-Seite: http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Busch
und: http://www.wilhelm-busch-seiten.de/
Bildquelle (Ausschnitt): Wikipedia