Rudolf Steiners Einflüsse auf Kunst und Design
von Regina Reinsperger

In Kürze wird es eine Ausstellung des Vitra Design Museums in Weil am Rhein in Kooperation mit dem Kunstmuseum Wolfsburg und dem Kunstmuseum Stuttgart geben. Das Kunstmuseum Wolfsburg präsentiert vom 13. Mai bis 3. Oktober 2010 die Ausstellung: „Rudolf Steiner – Die Alchemie des Alltags“ und zeitgleich die Ausstellung „Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart“. Die Ausstellung wird dann vom 5. Februar bis 22. Mai 2011, also im Gedenkjahr zum 150. Geburtstag Rudolf Steiners im Kunstmuseum Stuttgart zu sehen sein und ab November 2011 im Vitra Design Museum.
Das Vitra Design Museum schreibt in seiner Ausstellungs-Ankündigung folgende lesenswerte Zeilen:

„ Rudolf Steiner gilt als einer der einflussreichsten und zugleich umstrittensten Reformer des 20. Jahrhunderts. Er gründete die Waldorf-Schulen und trat für ein ganzheitliches Menschenbild ein, das heute in vielen Formen unseren Alltag prägt – ob in Biokosmetik, einem gesteigerten Umweltbewusstsein oder in Produkten aus biologisch-dynamischer Landwirtschaft. Steiner inspirierte Künstler wie Piet Mondrian, Wassily Kandinsky oder Joseph Beuys, gilt als Begründer der „organischen Architektur“ und entwickelte selbst im Möbeldesign eine einzigartige Formensprache. Mit der Ausstellung „Rudolf Steiner-Alchemie des Alltags“ hat das Vitra Design Museum die erste große Retrospektive über diesen universellen Denker und Künstler realisiert.

Steiners architektonisches Hauptwerk ist das Goetheanum in Dornach (1924- 1928). Allein dieser Bau gilt als architekturgeschichtlicher Meilenstein, da niemals zuvor das Material Beton in einer solchen Weise skulptural eingesetzt wurde. Von Dornach aus verbreitete sich Steiners so genannte Anthroposophie, die Mensch, Natur und Kosmos in einen engen Zusammenhang stellt. Seine Gedanken vermittelt Steiner in über 5000 Vorträgen und zahlreichen Büchern, die heute in der mehr als 300 Bände umfassenden Gesamtausgabe vorliegen. Mehrere hundert Waldorfschulen weltweit, zahlreiche Kliniken und therapeutische Einrichtungen sowie Bankinstitute und hunderte von landwirtschaftlichen Betrieben zeugen davon, wie nachhaltig sich diese Gedanken seitdem ausgebreitet haben.
Um das vielschichtige Werk Steiners zu zeigen, nähert sich ihm die Ausstellung zunächst über seine Entstehungszeit. Dabei wird deutlich, dass Steiners künstlerisches Werk vom Jugendstil ebenso geprägt ist wie vom Kubismus und Expressionismus, und dass viele seiner Gedanken auch von anderen Vertretern der Lebensreform-Bewegung um 1900 propagiert wurden. In einem zweiten Bereich wird gezeigt, wie Steiner aus diesem Umfeld eine völlig neue Alltagsästhetik destillierte. So entwickelte er aus einer langjährigen Tätigkeit als Goetheforscher das Prinzip der Metamorphosenlehre in Architektur und Design, übernahm weitere Anregungen von Goethe in seine Farbenlehre und entwickelte mit der Eurythmie eine neue Bewegungskunst. Schließlich zeigt die Ausstellung in einem dritten Teil, wie Steiner auch konkrete Veränderungen des Alltags anstrebte und dabei nach einer Verbindung von Kunst und Leben suchte, die Joseph Beuys später als „soziale Plastik“ bezeichnete.

Natürlich berücksichtigt die Ausstellung auch die Kritik, die an Steiner vorgebracht wurde – ob sie sich nun auf das Erziehungsmodell der Waldorfschulen oder auf den Glauben an eine „geistige Welt“ bezieht. Vor allem aber lässt sie Steiners eigene Werke für sich sprechen und trägt dazu eine bislang einzigartige Fülle an Exponaten zusammen. Unter ihnen sind 45 Möbel, 46 Modelle, 18 Skulpturen, über 100 Original-Zeichnungen und –Pläne, aber auch Dokumente wie Briefe an Steiner von Franz Kafka, Piet Mondrian, Richard Neutra oder Else Lasker-Schüler sowie Vergleichswerke von Wassily Kandinsky, Lyonel Feininger, Antoni Gaudi, Erich Mendelsohn oder Frank Lloyd Wright. Unter den Höhepunkten der Ausstellung sind ein monumentales Modell des Goetheanum sowie zwei polygonale Farbkammern, die 1913 von Steiner entworfen und für die Ausstellung eigens als begehbare Räume nachgebildet wurden.
In ihrer Gesamtheit zeichnen alle Exponate das Bild einer Person, deren Weltanschauung und Ästhetik zu polarisieren vermag, deren kulturhistorische Bedeutung jedoch unbestritten ist. Selbst manche Tendenzen in Design und Architektur der Gegenwart scheint Steiner vorweg genommen zu haben – etwa die Inspiration an Wachstumsprozessen und Verantwortung, religiöse Sinnsuche oder ein aus den Fugen geratenes Wirtschaftssystem erfährt ein ganzheitliches Weltbild wie das Steiners wieder stärkere Beachtung.

Die Ausstellung wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes sowie durch Firma Wala, Mahle Stiftung und Iona Sichting. – Ein Großteil der Leihgaben stammt aus dem Rudolf Steiner Archiv sowie der Kunstsammlung am Goetheanum, die die Vorbereitung der Ausstellung durch Recherchen maßgeblich unterstützt haben.“


Quellen:

http://www.design-museum.de
http://www.kunstmuseum-wolfsburg.de
http://www.kunstmuseum-stuttgart.de