Das Nierentier entspringt seinen Fesseln
Ja, mag sein, dass dieser Rausch den freigewordenen Kräften aus Leber und Niere entspringt, mag sein, dass - wie Ron Dunselman in seinem phantastischen Buch über die Drogen anschaulich schildert - vor allem Licht-, chemischer und Formäther verantwortlich sein mögen für die erlebten intensiven sinnlichen Erfahrungen, mag sein, dass dieser Rausch den halluzinierten Anteilen mancher Psychosen ähnelt. Das Nierentier entspringt seinen Fesseln und dann verschlingt es seinen Eigentümer. Aber es ist und bleibt etwas anderes, ob man nach Madagaskar reist oder ob man dort lebt. Und es ist etwas anderes, ob man sich entschlossen hat, in Madagaskar zu leben - oder ob man dort geboren und aufgewachsen ist. Wenn der Rausch in manchen Anteilen einer Psychose ähneln sollte, so ist es ein Wahn mit Rückfahrtticket. Und es ist nicht wirklich ein Wahn, es ist - bei allen Gefahren, oder gerade wegen der Gefahren - eine Erfahrung, aus der man zumindest im Nachhinein auch geistige Erkenntnisse schöpfen kann. Natürlich ist er ein geistiger Ausnahmezustand. Es hat seinen Grund, dass der weitaus größte Teil der User dies in einem Lebensalter - zwischen 18 und 21 - erprobt, in dem die bürgerliche Sozialisation noch so wenig gegriffen hat wie die Sicherheit des eigenen Ich. In diesem Alter lebt man den Ausnahmezustand ohnehin. Ist es da nicht erklärbar, dass die Grenzen dieses Ich ausgelotet werden ?
Zudem verweist eine lange indianische und schamanistische Tradition mit ihren Kulten auf eben dieses Ausloten von den Grenzen zur anderen, -wilden" Seite des Bewusstseins. In der indianischen Kultur und in deren Pflanzenkulten, wie sie in modischer, aber dennoch realistischer Form in den letzten 30 Jahren vom inzwischen verstorbenen Carlos Castaneda [1] überliefert wurden, ist die Drogenerfahrung ein integraler Bestandteil des kulturellen Lebens und der Initiation nicht nur in geistige Erfahrung, sondern überhaupt ins Erwachsenenleben hinein. Schließlich konstituiert und stabilisiert sich Bewusstsein und Selbstbewusstsein auch gerade an dem Anderen, an dem Nichtsein und Anderssein. In einer E-Mail im Rahmen einer anthroposophischen Diskussionsrunde zu diesem Thema im Internet wies Lorenzo Ravagli auf diesen Umstand nachdrücklich hin [2] .
Das Nierentier ist kein Totem, aber es ist eine Kraft. Es springt einen an, und man darf ihm nicht den Rücken kehren. Dann fällt es einen an. Es trägt in sich nicht nur die Entfesselung der Sensorik schlechthin, sondern auch das ureigene "Wilde" des Users- seine unausgeloteten Seiten. Dazu zählen nicht nur die Naturkräfte, sondern auch die psychischen Instabilitäten. Diese Begegnung mit dem eigenen Tier heute, in unserer Kultur zu handhaben, ist tatsächlich ein befremdlich erscheinendes Anliegen. Jedem begegnet seine eigene leibgebundene Wildnis dabei in anderer Form. Daher eignet sich der LSD- Trip auch wenig zur Einbindung in die zeitgenössische Spaßgesellschaft. Denn man kann diesen Rausch nicht wirklich beherrschen. Es ist nicht absehbar, welche Wendungen ein lysergsäuretrunkener Spaziergang jenseits der markierten Wege und Zäune unseres Weltdorfs nehmen kann.
Und es ist nicht vorhersagbar, ob der zeitweilige Verlust der inneren Führung tatsächlich zur Stärkung oder aber zu einer heillosen, alptraumhaften und niederschmetternden Erfahrung führen wird. Man kann das Nierentier nicht ohne Risiken entlassen. Denn es ist der Spiegel auch der unbekannten Seiten von uns selbst.
_________________________
[1] alle Arbeiten Castanedas sind beim Fischer- Verlag erhältlich
[2] (Beitrag von Lorenzo Ravagli von diesem leider zurückgezogen)
Die Egoisten
- EgoBlog
- Aktuell
- Impressum
- Karte
- Beef
- Die Stille
- Nicht- Bemühen
- Schulungsweg Garvelmann
- Lotosblumen
- Rand der Wolken
- Vergewisserung
- Ungeborenheit
- Fallgruben
- Fäden
- Sprituell rational
- Nichts Niemand
- Reines Beobachten
- Die Ruhe
- Leuchtendes Gewand
- Fühlorgane
- Belohnungssystem
- Aletheia
- Kraft des Lebens
- Zweiblättriger Lotos
- Das dritte Auge
- Meditationstext
- HP Dieckmann
- Klassischer Übungsweg
- Personal
- Benesch
- Benesch
- Beneschs Tabakregie
- Siebenbürgen
- Schillernder Eindruck
- Heiligsprechung
- Tanzende Dörfler
- Selbstbekenntnis
- Weltanschauung
- Leprich
- Birk
- Hirnwurst
- Jugendbewegung
- Benesch und die SS
- Benesch Material
- Macht Kirche
- Persönlichkeitsstörung
- Aufgefallen
- Satire
- Vorgesetzter
- Marburg
- Jugendterror
- König Benesch
- Zeitzeugen
- Vogel Strauss
- Antiamerikanische
- Amerika Amerika
- Gewissenlosigkeit
- Anthro & Nazi
- Beneschs Lebenslauf
- Kritik der Kritik
- Artfremde Gesinnung
- Bauernschulung
- Benesch- Rede 1941
- Weitere Irrtümer
- Besprechung
- Pressererklärung
- Lorca
- Die DDR lebt
- Burse
- NS „ Christentum“
- Briefwechsel
- Kamerad Benesch
- Australia
- Siebenbürgen
- ..Lüge Spiritualität
- Werbung für Schroeder
- Benesch zum 100.
- Mosmuller
- Scaligero
- Ken Wilber
- Norbert Glas
- Judith von Halle
- Aleister Crowley
- Das Rätsel Tomberg
- Andrew Cohen
- Hirsch im Mann
- Albert Steffen
- Männlein zw. Beinen
- Alterssprechstunde
- Killerkartoffeln
- Ravagli- Kritik
- Benesch
- Chefkoch
- Gäste
- H-J Bracker
- Adam Michaelis
- Christoph Keller
- Th Reinsperger
- Ingrid Haselberger
- Ralf Sonnenberg
- Tom Mellett
- H-P Dieckmann
- Regina Reinsperger
- Marburg
- Amerika
- König sein
- Jugendterror
- Robert Gassner
- Zeitzeugen
- Marburg
- Vogel Strauss
- Gewissenlosigkeit
- Vorgesetzter
- Ehre heisst Treue
- Emil Bock
- Emil Bock 2
- 700 Reichsmark..
- Gralshüter Ohlendorf
- Strahlende Realität
- Wilhelm Busch
- Werbung Schroeder
- Märchen
- Verbot der AG
- Sonnenenergie
- Tageszeitung
- Kricke
- Judentum
- Lorca
- Autismus
- Wiedergefundenes Licht
- Aufmerksamkeit
- Tag des Gedenkens
- Kunst & Design
- Geschichten vom Sterben
- Giftküche
- Beilagen