Burghard Schildt

Burghard Schildt: Gewahrsein

Auf ein von mir eingebrachtes Zitat von Ramana Maharshi („"Ich bin nicht die sieben Bestandteile dieses physischen Körpers. Ich bin nicht die fünf Wahrnehmungsorgane: Ohren, Haut, Augen, Zunge und Nase mit ihren jeweiligen Funktionen von Hören, Tasten, Sehen, Schmecken und Riechen. Ich bin nicht die fünf Tätigkeitsorgane: Mund, Beine, Arme, After und Genitalien mit ihren jeweiligen Funktionen von Sprechen, Fortbewegung, Geben und Nehmen, Ausscheidung und sexueller Aktivität. Keiner der fünf bin ich und auch nicht die fünf Lebensenergien mit ihren jeweiligen Funktionen. Ich bin weder der Verstand noch der unbewusste Zustand von Nicht- Wissen, in dem es weder Sinnesobjekte noch Aktivitäten des Geistes gibt und in dem nur die latenten Eindrücke zurück bleiben.
All das bin ich nicht. Wenn man das oben Erwähnte als "Das bin ich ganz und gar nicht" zurückweist, ist das, was danach als einziges übrig bleibt, das reine Gewahrsein; das ich tatsächlich bin
.“) antwortete Burghard Schildt:

„Steiner sagt, das Denken selbst ist jenseits von Subjekt und Objekt.
Das reine Gewahrsein ist nicht durch Anderes *bedingt*. Also ist es ein Durch-sich-selbst-Sein. Daher ist es autonom. Ist es autonom, ist es jedoch ebenso das Ganze des Weltgeschehens.
Aber das Weltgeschehen selbst wiederum, es umfasst all dasjenige, von dem Maharshi sagt: „All das bin ich nicht.“ Also ist das „reine Gewahrsein“ von Ramana Maharshi ein Sein zwischen allem Anderen, ein zwischen „den Noten“ des übrigen Weltgeschehens Sein.

Wie kann so ein Ich all dasjenige, das es nicht ist, dahingehend umwandeln, dass es, ohne dabei seine Autonomie zu verlieren, es als seine Verschiedenheit gewahrt? Als diejenige Verschiedenheit, die einer jeglichen Note durch Melodie und Ordnung Bedeutung erteilt. Gedeutet wird anhand des Denkens. Es ist ebenso wie das reine Gewahrsein ein durch sich selbst Seiendes. Mithin ist es nicht durch Anderes bedingt. Daher ist es autonom. Als das ist es ebenso das Ganze des Weltgeschehens.

Also kann reines Gewahrsein anhand des Denkens, unter Aufrechterhaltung der Autonomie und Verschiedenheit des Weltganzen, solche Kompositionen erschaffen, in denen es sich mit zuvor noch *übrigen* Klängen im Vorgang des Weltgeschehens in so einer Autonomie gewahrt, wie es sich sonst lediglich im reinen Gewahrsein seiner selbst gewahr wurde.
Denkend erzeugt „man“ Zusammenhang all desjenigen, das das reine Gewahrsein nur gewahrt. Indem man das tut, erzeugt man dasjenige Selbst, das zugleich reines Gewahrsein und alles übrige Weltgeschehen ist. Die autonome Philosophie benennt so ein Selbst mit dem bedeutenden Wort Mensch.
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Burghard Schildt: Anderes anders denken

- Denn, wer Anderes bewirkt, ohne dabei zugleich sich selbst zu bewirken, der zerwirkt das Andere und zugleich sich selbst als das Andere.

anderes
Bild: Burghard Schildt, Anderes anders denken, 60x80 cm, ca 1995

Die derzeitige Gesellschaftsverfassung der BRD, in der wir zu leben haben, sie enthebt mehr und mehr die Menschen ihrer Besonderheit, und es besteht nach wie vor die Aufgabe der Herausbildung einer „Neuen Gesellschaft“ innerhalb der Bestehenden. So einer „Neuen Gesellschaft“ in der Gesellschaft, die sich Selbst bewirkt, dadurch auf die Bestehende „zunächst“ ohne Einwirkung sich zeigt und sie damit anerkennt. Ihr „sich Selbst bewirken“ birgt die im Besonderen des Lebens auftauchenden Zeitfragen „unter einem Hut“, und durch ihre Anerkennung ist die bestehende Gesellschaft dazu herausgefordert, aus sich heraus ihren Zusammenhang mit so einer „Neuen Gesellschaft“ in der Gesellschaft, zu erfragen. Die Menschen, sie werden ihre bestehende Gesellschaft zunehmend erleiden. Im Erleiden wie Ertragen wird ihnen die Kraft erwachsen, die dann auch die Aufgaben tragen kann, die durch die kommende, „Neue Gesellschaft“ in der Gesellschaft auftauchen werden.

Man wird so eine neue „Gesellschaft in der Gesellschaft“ anfänglich bloß betrachten können. Aber im Betrachten wird ein Empfinden aufleuchten. Ein Empfinden, das in Folge, mehr und mehr, lang gewohnte Empfindungen außen vor lässt und man wird in der bestehenden Gesellschaft aufeinander in so einer Art und Weise einzuwirken trachten, dass man aneinander wird lernen können, wie so eine „Neue Gesellschaft“ betrachtet werden will.
Und, man wird zu der Betrachtung eines weiteren, vertieften, Vorganges gelangen. Eines Vorganges, der sich jedoch nun allein „innerhalb“ eines Betrachters selbst abspielt.

Man wird empfinden, dass Empfindungen, die im Betrachten der „Gesellschaft in der Gesellschaft“ aufleben, tiefer berühren. So tief, bis vorläufig kein Zusammenhang mehr sich zeigt zu den gewohnten Empfindungen eines Betrachters in dessen gewöhnlichen Lebensgewohnheiten. Dennoch, man hat die neuen Empfindungen selbst erlebt. Das neu Empfundene wird dadurch zu so einem Selbstempfinden, das sich zunächst, wie ohne Zusammenhang, zu lang gewohnten Selbstempfindungen des Betrachters darlebt.

Die „gewohnten“ Empfindungen beginnen dann anders aufeinander einzuwirken. Aus dem, dass es anders geschieht, entspringt ein gegenseitiges in Fragestellen gewohnter Empfindungen im Empfindungsleben. Dadurch werden in Folge die Vorstellungen, die gewohnten Empfindungen ihren bisherigen Zusammenhang verliehen, aufgehoben.
Indem die Vorstellungen aufgehoben werden, taucht die Infragestellung des Denkens auf, das der Bildner solcher Vorstellungen war. Man beginnt zu erahnen, dass es eines anderen Denkens bedarf. Eines Denkens, das anders andere Vorstellungen bildet. Vorstellungen, anhand derer, in Aufrechterhaltung jeglicher Besonderheit, Zusammenhang sich bildet und erhebt.

Anderes Denken führt in die Umwandlung gewohnter Empfindungen in unbe-"wohnte" Empfindungen, die als solche Zusammenhang zu denjenigen Empfindungen aufzuzeigen beginnen, die in Betrachtung der „Neuen Gesellschaft“ in der Gesellschaft bereits auflebten.
Man steht der „Neuen“ zwar immer noch als ein Betrachter gegenüber, aber man erfährt betrachtend ein Selbstempfinden durch dasjenige, das einem zuvor gänzlich fremd, wie ein, das gewöhnliche Selbstempfinden schier nicht Berührendes, entgegen stand. Als ein Selbstempfinden nun so, als käme man, sich selbst findend in der „Neuen Gesellschaft“, wie von "Außen" auf sich zu. Dadurch entfacht sich das dem „anderen Denken“ dazugehörige soziale Vertrauen.

Es beginnt der Entschluss zu reifen, in der „Neuen Gesellschaft“ mittätig leben zu wollen. Darauf hin sucht man zunehmend diejenigen Menschen auf, die bereits in der „Neuen Gesellschaft“ leben. Das führt zu Begegnungen, in denen man sich, nahezu als ein bereits Anderer, nun anders vor Herausforderungen gestellt erlebt. Vor diejenigen Herausforderungen nun, die, indem man ihnen nachgeht, dann auch solche Früchte tragen, die man hineintragen kann in die „Neue Gesellschaft“, ohne das sie dadurch Schaden ertragen muss.

Mit jeglichem Eintritt erneuert sich die „Neue Gesellschaft“ in der Art und Weise, dass für mehr und mehr Menschen, die auf sie aufmerksam werden, der stets sich weitende Zusammenhang der „Neuen Gesellschaft“ in der Gesellschaft mit dem Ganzen des Lebens Erlebnis werden kann.

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Burghard Schildt: Magie & Selbstgeburt Teil 6 und 7

Wo ertönt das Wort? Ertönt? Das Wort ist mir hier zu harmlos! Warum? Tönen kommt aus dem lat. Tonare und das bedeutet: Donnern! Und, der Donner ist zugleich der Blitz. Wer blitzt und donnert?
Donar! Bei den nordischen Völkern auch Thor genannt, bei den südlichen Zeus. Genauer, Zeus von Dodona. Die Ergänzung rührt daher, Dodona, das ist eines der ältesten griech. Heiligtümer und ist der Sage nach von alten Ägypter „inspiriert“. Die wiederum benannten das so: Sonne. Oder: Aton. A – Ton, also nun noch genauer gefragt, wo ertönt, wo blitzt und donnert das Sonnenwort Ich?

Burghard Schildts magische Selbstgeburt in Worten findet noch einen sechsten und siebten Teil, bei den Egoisten als PDF- Download. Weiterhin sind Burghards Arbeiten in seinem Blog „Blog B“ nach zu lesen.

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Burghard Schildt: Selbstgeburt & Magie der Moderne - Textfolge V

„Noch eine Folge! Der Schildt wiederholt sich hier doch eh schon andauernd! Stimmt!

Wiederholung ist das Brandsiegel der Magie. Wer einen Vorgang bezeugen kann, der schildert ihn aus dessen verschiedensten Blickwinkeln. Er ist sich der Einseitigkeit eines jeglichen gewiss. Dazu kommt, das zu schildernde, das sind Vorgänge, die nie in Zuständen verharren. Daher kann es keine Fassung geben, die endgültig dem Quellstrom seine Richtung weist. Dadurch ergibt sich jeweils die Aufgabe, verschiedenste Vorgänge so zu erfassen, dass sie dem Strömen der einen Quelle als zugehörig erscheinen. Und, als so eine Zuhörerschaft, ihr aufeinander hören als das Zusammenklingen jeglicher Verschiedenheiten gewahren, anhand derer die Magie ihre Einheit durch Verschiedenheit erzeugt...“

weiter zum ganzen Textteil
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Burghard Schildt: Magie der Moderne – IV >Eine Zwischenbetrachtung<


Lieber Leser, Du befindest dich jetzt bereits in Text IV einer offenkundig wachsenden Textfolge, die jeweils überschrieben ist mit dem Titel „Magie der Moderne“. Dadurch wird weiterhin offenkundig, die Textfolgen I-IV sind Zustände eines „Gewächses“, das in Entwicklung begriffen
ist. Das sich dabei Entwickelnde, das wird in Textfolge III mit Substanz bezeichnet. Was für ein Gewächs ist das? Denn, mit dem Wort Gewächs bezeichnet man bisher doch das Lebewesen „Pflanze“.

Die Pflanzen jedoch, die man so kennt, entwickeln die sich? Oder sind sie allein noch in Entfaltung ihres bereits entwickelten Wesens begriffen? Warum frage ich danach? Nun, indem ich danach Frage, dabei schwebt mir ein Schillersatz vor Augen, dieser hier. „ Suchst du das Höchste, das
Größte? Die Pflanze kann es dich lehren. Was sie willenlos ist, sei du es wollend, das ist´s!“ Schiller geht es darum, das willentlich zu sein, was die Pflanze bereits ist. Doch, wie kann man sich dahin entwickeln, das willentlich zu sein, was das Lebewesen Pflanze bereits ist?
Mit dem Wort Lebewesen ist auf eine Fähigkeit verwiesen. Es ist diejenige, seine Entwicklungsschritte aus sich selbst heraus setzen zu können. Das wiederum verweist auf den Begriff Organismus. Der kommt her von den alten Griechen und deren Wort Organon. Und das heißt Werkzeug.

In Textfolge III steht geschrieben, die Werkzeuge jeglicher Entwicklung sind Denken, Fühlen, Wollen, Phantasie. Alle vier sind mithin als Werkzeuge die Glieder eines Organismus. Und, Textfolge III gibt zudem die Antwort auf weiter oben aufgeführte Frage: Was für ein Gewächs ist
das? Die Antwort auf die Frage ist der Name Ich.

Indem ich oben von Gewächsen rede, dabei habe ich nicht allein die bereits erwähnte Textfolge im Blick. Bilder sind auch Gewächse. So manche Malateliers gleichen Gewächshäusern. Meine Erlebnisse mit der Malerei und sich dazu gesellende Reflexionen, führten dahin, dass ich allmählich
davon Kenntnis erlangte, wie Seelensubstanz sich so entwickelt, dass sie als persönlichste Substanz, zugleich mit der unendlichen Substanz, eine Werkgemeinschaft bildet. Ich muss noch, zu den bisher erwähnten Werkzeugen, ein weiteres hinzufügen. Genauer gesagt freilegen, da es den bereits angeführten Werkzeugen wie eingegliedert erscheint. Ein kurzer Blick in die Natur. Alles, was man dort auf Naturgesetzlichkeit reduziert, das ist in einem erweiterten sinnlich-sittlichem Sinne „Absolute Gewissenhaftigkeit“. Die ganze Naturordnung erweist sich dabei als ein Geschehen aus Bildekräften, die Werte und Gesinnungen durchströmen.

Beim Malen von Bildern ist das ebenso. Man findet sich im Empfindungsfluss reiner Aufmerksamkeit. Die hat zwei treue Begleiter. Deren Namen lauten Sympathie und Antipathie. Die beiden haben wiederum einen treuen Begleiter, das Gewissen. Es ist die Stimme, die aus der Selbstgewissheit des Menschen tönt. Die Stimme des Ich in Übereinstimmung mit sich selbst. Sie durchwaltet gewissenhaft jegliches Handeln der Seele aus Selbstbestimmung.

Übereinstimmung, da ist endlich das Passwort. Die Zwischenbetrachtung neigt sich ihrem Ende entgegen. Oft werde ich danach gefragt, woran ich sehe, dass ein Bild „fertig“ ist. Hier habe ich noch nicht einmal angefangen zu erzählen, wie Substanz sich entwickelt und bin schon bei fertigen Bildern. Dennoch, meine jeweilige Antwort lautet: >Wenn ein Bild in Übereinstimmung mit sich selbst ist.< In Betrachtung so eines Gemäldes tritt unmittelbar ein Erlebnis in Kraft. Das hier: Ich.

Aber, nicht ich! Der Maler hat sich, in Betrachtung eines Gemäldes, schon längst vergessen. Also auch alle anderen Bilder, die er bislang malen konnte. Das „Nicht Ich“ Erlebnis, es kann, so es denn gut geht, ebenso in Kraft treten im Anblick einer leeren, weißen Leinwand. Jener Leere, jenen Hör - und Lehrsaal, der in seiner aktuellen Bestimmungslosigkeit und so in Übereinstimmung mit sich selbst denjenigen Raum eröffnet, in dem Gleiches durch Gleiches spricht. Und die Stimme des Gewissens spricht: >Moin, Moin, Burghard. Höre! Erlebst du diese Leere als das Können der unendlichen Seele? Ihr Nichts und Alles in einem, deinem Augenblick. Und so ihr in Übereinstimmung sein mit mir. Also mit der Selbstgewissheit des Gewissens. Erlebst du ihre Güte, indem sie sich dir als denjenigen Freiraum hinschenkt, in dem du so handeln kannst, wie du willst. Frei und zugleich in Übereinstimmung mit ihr. Bleibe dir recht treu in deinem Ideal, dass ein Bild „fertig“ ist, indem es die Übereinstimmung mit sich selbst erlangt. Und so, als ein Gebilde
freier Bildekräfte, also wiederum in Gewissheit, demjenigen Ursprung eingegliedert erscheint, dem es entsprang. Dir weiterhin ein gutes Schaffen, dein Gewissen.< Eine leere Leinwand gleicht mithin einem Springbrunnen. Dem Können des Nichts entspringen
Bildekräfte. Die fallen ins Becken, auch benannt der gebärfreudiger Schoß. Ich kenne Maler, die sehen Bilder als ihre Kinder. Wohl gemerkt, als! Und als das kommen sie aus derselben Region, aus der alle Kinder kommen. Es ist die der Ungeborenheit. Aber aus der kommt nicht alles auf einmal! Das was vorläufig kommt, es bedarf der Wärme, der Nahrung, des Schlafes.

Ebenso ist das beim Bildermalen. Dazu kommt, man muss seine Erinnerungen zügeln. Ein sich entwickelndes als Kind, das will nicht einer Unmenge an Eindrücken ausgesetzt sein. Als Kraftnahrung dient die persönliche Seelensubstanz jeweils desjenigen, der in einen Malprozess
Substanz als Bildekräfte einströmen lässt. Dafür muss man Bildekräfte, unabhängig von den Vorgängen, an den sie sich weiterbildeten, in die Aufmerksamkeit heben können. Eben frei bekommen von den Prozessen, in denen sie zuvor dienten. Sonst können sie nicht anderen Vorgängen zu deren freier Verfügung stehen und alles artet aus in eine Gleichmacherei mechanischer Abläufe. Freigelegte Bildekräfte sind nicht in Zuständen „inkarniert“, sondern allein in der Region der „Ungeborenheit“ erlebbar. So trifft dort wiederum Gleiches auf Gleiches, Inspiration auf Inspiration.

Malend ist man also nicht inspiriert von „Etwas“, das unabhängig von dem Handeln eines Malenden bereits da ist. Man muss persönlichste Substanz zur Verfügung stellen können dafür, dass Anderes sich, seiner Anlage und seinem Wesen nach, in Freiheit entwickeln wie bilden kann.
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Burghard Schildt: Magie der Moderne III

Lieber Leser! Der Text, in den Du gerade eintrittst, er trägt den Titel „Magie der Moderne“. So Du auch die dazu gehörigen Texte, I + II, lesen wirst oder bereits gelesen hast, könnte Dir zur Frage werden, wieso ich mich hier in Text III, im Besonderen mit dem Wort „Seele“ befasse. Das tue ich von daher, ich erlebe mich wie dazu genötigt, da die ganze Universalgeschichte des Menschen, nahezu allerorts von den „Alten Meistern“, als eine Seelenentwicklung geschildert wird. Der Entwicklung wohnt ein Ideal inne. Das ist die „Schöne Seele“. Spricht das Wort Seele zu mir? Nun kommt `s. Nein! Und noch einmal , nein. Das Wort „Seele“ sagt mir gar nichts! Da geht bei mir das Licht aus. Oder umgekehrt. Selbst bei voller Beleuchtung bleibt bei dem Wort Seele alles im Dunkeln. Ebenso ergeht es mir bei dem Wort „Geist“. Und noch so ein Unwort ist für mich das Wort „Leib“. Unworte sind mir diejenigen, die ich nicht mit einer Handlung meinerseits begleiten kann. Genauer, die ich mir nicht als Selbsterfahrung in die Aufmerksamkeit heben kann. Selbsterfahrung bedeutet mir, ich muss tun, wofür das Wort steht. Hier, im Besonderen, geht es um das Wort Seele. Mit dem Wort mache ich also gleich mal das, was ich mit allen Worten mache, die nicht zu mir sprechen. Ich frage mich, wohin und auf was für ein Handeln mich so ein Wort verweist.

Was für Handlungen kenne ich? Zu viele, um sie alle anzuführen, indem ich sie hier ausführe. Aber, ich habe gelernt, dasjenige Handeln, dem alle weiteren Handlungen im Besonderen entspringen, das benennen wir mit den Worten, Denken, Fühlen, Wollen. Und mit denen kann ich etwas anfangen, da ich doch gerade jetzt, indem ich hier Text produziere, das tue, wofür die Worte stehen. Zudem habe mal gelesen, das sei das Tun der Seele. Aber, was besagt das schon, habe mal gelesen. Ich habe
ebenso Sachen gelesen von Leuten, die das Gegenteil behaupten. Denken, Fühlen, Wollen, das sei ein Vorgang innerhalb der „Materie“. Ein Glück! Ich arbeite, seit guten 3o Jahren, künstlerisch als Maler. Und von daher bin ich mir dessen gewiss, meine Bilder, die kommen nicht aus einem Denken, Fühlen, Wollen. Und auch nicht aus der Farbtube. Andererseits, ohne Farben und ohne Denken, Fühlen, Wollen, kann ich keine Bilder in die Welt setzen.

magiemod

Eben schrieb ich das Wort „Bilder“. Es bietet mir jetzt die Gelegenheit, den Schauplatz zu wechseln. Im Folgenden richte ich meine Aufmerksamkeit auf das Wort „Werkstatt“, denn Werkstätten sind die Handlungsräume, in denen Bilder entstehen. Seele wird mir dadurch zum Schauplatz „Werkstatt“. Eine Werkstatt beinhaltet ihr zugehörige Werkzeuge. Die der Werkstatt „Seele“ zugehörigen Werkzeuge sind: Denken, Fühlen, Wollen. Ich muss jetzt noch ein weiteres Werkzeug erwähnen, die Phantasie. Ohne sie ist Entwicklung nicht möglich. Die eben angeführten Werkzeuge können dienen zur Herstellung weiterer Werkzeuge. Pinsel, Farben, Leinwand, eine Staffelei. Aber die schwebt nicht in leerem Raum. Sie steht auf einem Fußboden. Der wiederum auf einem Fundament. Das ruht auf der Erde. Die bewegt sich im Universum. Damit weitet sich der „Werkraum für Seelenentwicklung“ in die endlosen Weiten des Universums. Das wiederum entspricht in seiner Unendlichkeit dem Werkzeug „Phantasie“. Die endlose Weite des Universums, sie ist der Grant dafür, das der Phantasie und damit der Seelenentwicklung keine Grenze gesetzt ist.
Über den Wolken, da muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Bloß dort? Das kann nicht wahr sein!

Die grenzenlose Freiheit bezeugt, jedenfalls mir, bereits der Dreck unter meinen Fingernägeln. Der Dreck ist Farbe. Vom Bildermalen. Das geht nicht ohne Phantasie. Und, wie ich bereits sagte, Phantasie ist grenzenlos. Sie erweist sich so als selbstbestimmt und frei „unter den Wolken, in den Wolken, neben den Wolken, über den Wolken.“ Die Freiheit der Phantasie, sie ist das dazugehörige „Etwas“, worin die weiter oben erwähnte „Schöne Seele“ ihre Selbstbestimmung gewahrt. Alles Weltgeschehen ist in stetiger Erwartung der Phantasie des Menschen. Die ist wiederum der Garant dafür, das unsere Welt, in der Unendlichkeit des Universums, nicht ihr Ende findet in einem Dasein als eine lediglich gesetzmäßige Abfolge von Vorgängen. Also als ein Automat. Nein! Der Mensch ist kein Automat, er ist automobil. Aus Phantasie wird bereits Gewordenes wiederum ins Werden übergeführt. Alles Weitere, eben, wie wiederum „Etwas“ und das nicht allein auf Erden, werden wird, das obliegt der Autonomie des Menschen.

Mithin ist Seele jeweils so ein Werkraum, in dem die Phantasie es ist, der die drei anderen Werkzeuge dienen. Wem nun dient das Werkzeug Phantasie? Es dient, wie oben schon angedeutet, allem übrigem Weltgeschehen. Das besagt, das Werkzeug Phantasie, im Werkraum für Seelenentwicklung, bereits allein dieses Werkzeug, es bezeugt die Universalität der Seele. Also ist Seele ebenso unendlich wie das Universum. Na danke! Jetzt sehe ich ,warum ich weiter oben nichts gesehen habe. Dort schrieb ich: > Das Wort „Seele“ sagt mir gar nichts! Da geht bei mir das Licht aus. Oder umgekehrt. Selbst bei voller Beleuchtung bleibt bei dem Wort Seele alles im Dunkeln.< Seele ist ebenso unendlich wie das Universum. Also unsichtbar. Wer denn könnte sich der Unendlichkeit entgegen stellen, auf das er sie in seinen Blick bekäme? Niemand! Seele und Unendlichkeit, es ist ein und dasselbe Geschehen.

Was ist nun dasjenige der Seele, das in Entwicklung begriffen ist? Es ist dasjenige der Seele, das bei allem Wechsel ihrer „Zustände“ die Kontinuität wahrt. Das besagt, sie kann sich ihren Zuständen gegenüber stellen und ist mithin aus und in sich selbst gründend. Dasjenige nun, das aus und in sich selbst gründend ist, das nennen die „Alten Meister“ Substanz. Weiterhin, woher kommt dasjenige, anhand dessen die Seele sich zu einer „Schönen Seele“ entwickelt? Zum Einen sind das die Werkzeuge Denken, Fühlen, Wollen. Der Gebrauch dieser Werkzeug, der ist hingeordnet auf das Werkzeug Phantasie. Zudem ist es all dasjenige, auf das ich oben mit dem Wort Tube hinweisen wollte. Die gewordene und dadurch bereits gegebene Welt, die einem jeden in seiner Art und Weise bekannt ist. Durch ihre Kontinuität kann Seelensubstanz so erlebt werden, das man sie jeweils als sein Persönlichstes betrachtet und auch danach handelt. Man kann sie ausschließlich personalen Zwecken zuordnen. Jedoch, als „Substanz“ ist sie eins mit derjenigen Substanz, die das Persönliche „und“ die Universalität des unendlichen Seelenlebens ist. Subtanz wäre nicht das, was sie ist, wäre sie teilbar. Die Kriterien Ihrer Entwicklung erzeugt sie in und aus sich selbst, anhand der Werkzeuge, Denken, Fühlen, Wollen, Phantasie.

Wenn „die“ Seele sich selbst einen Namen gäbe, und wer anderes sollte das Unendliche namentlich aussprechen, denn es sich selber, der Name wäre: „Ich“. Das ist nun derselbe Name, anhand dessen jeder Mensch die Besonderheit seiner Person aussagt. Dennoch ist das zugleich der alleinige Name, der allein darin seinen Sinn und Vollzug aufleuchten lässt, indem er sich in sein Können versetzt.

Was ist das für ein Können? Es ist das Können des Ich, unter Aufrechterhaltung seiner Unendlichkeit, in der Endlichkeit seiner Zustände, in seinem Tatenstrom, genannt „Tatort Seele“, also in der Verschiedenheit seines Wesens, sich erleben zu können. Und dabei, in einem jeglichen Anderen, das den Taten und Leiden seiner Phantasie entsprang, sein Können erkennt. Die Entwicklung zur „Schönen Seele“ vollzieht das Ich also aus Selbstanschauung in Gegenseitigkeit mit all dem, das ich oben mit dem Wort Tube benannte. Das ist jeweils der Strom aller, aus dem Tun des unendlichen Seelenlebens quellenden wie gegebenen Sinneswahrnehmungen. Er ist der „Tatort Seele.“ Als das ist er der Handspiegel des Ich. Handspiegel, da er dessen Handlungen widerspiegelt. Die Handlungen der Seele sind, Denken, Fühlen, Wollen, Phantasie. Letztere ist in jeder einzelnen Person Träger des Ideals „Schöne Seele“. Ihr Ideal wiederum ist Einklang als Zusammenklang persönlichster Seelensubstanz mit der Substanz der unendlichen, ewigen Seele. Im Zusammenklingen leuchtet auf das Denken des Wahren, das Fühlen des Schönen, das Wollen des Guten. Zum Ausklang das noch. Nachdem ich die vorherigen Zeilen getippt hatte, begab ich mich alsbald in die „Raucherküche“. Dort lief das Radio und ich hörte, wie die Pianistin Yuja Wang folgenden Satz aussprach:

"Das Besondere an Claudio Abbado ist, dass er so unendlich (!) genau zuhört. Dadurch bringt er jeden dazu, so gut zu spielen, wie er nur kann. Ich höre mir nicht mal selbst so genau zu, aber er hört jede Phrase ganz genau, jede Pedalbewegung. Er spricht fast nie, aber er beobachtet mit den Ohren, ihm entgeht nichts. Am Ende hatte ich das Gefühl, dass er für mich hört. Fast ist es, als klinge ich wie Claudio."
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Burghard Schildt: Selbstgeburt & Magie der Moderne II

Lieber Michael, in dem Text: „Selbstgeburt & Magie der Moderne“, Teil I, der diesem voraus ging, findet sich im 6. Absatz der Wert Bescheidenheit. In Folge, welch eine Freude, veröffentlichst Du deinen Text „Reifeprüfung“. Der ist eingeleitet durch ein Zitat von Steiner, aus GA 270a. Darin ist der Wert Bescheidenheit der Angelpunkt, um den Steiners Sinnen und Minnen kreist. Zudem eröffnest Du mit dem Titel „Reifeprüfung“ erweiterte Bezüge zu Deinem Satz, „Der reife Zeitgenosse steht sich selbst ironisch gegenüber.“, der den Abschluss im Text „ Selbstgeburt & Magie der Moderne“, bildet. Als meine Anknüpfung an die „Reifeprüfung“ folgt hier der Text: „Selbstgeburt & Magie der Moderne II “ Er fußt, ebenso wie andere Textversuche von mir, auf Erfahrungen anhand meiner Tätigkeit als ein sich freischaufelnder Maler. Dadurch hat er Hand und Fuß. Ich kann ihn also als ein weiteres Leseangebot zur Verfügung stellen.

Die Magie der Moderne, so sie denn in Kraft tritt, wirkt unmittelbar herein aus dem Jenseits desjenigen Horizontes, den jemand aktuell mit seiner Aufmerksamkeit zu umspannen vermag. Gelingt es, sie in eine freie Handlung zu überführen, eröffnet sich ein dadurch erweiterter Horizont.

Im Weiteren erzähle ich hier von „inneren“ Vorgängen. Daher die vielen „“. So ein erweiterter Horizont ist anfänglich bloß „tastbar“. Es ist „dunkel“. Man ist „wach“ und zugleich wie „träumend“. Man kann, im Gegensatz zu herkömmlichen Träumen, sich vorsätzlich in so einer Region bewegen. Das „Tasten“ erzeugt „Klänge“ und man empfindet dabei zugleich „Temperatur.“ Die ist wärmer und kälter. Die Wärmere ist Führer.

Dem warmen Klang nachspürend ergeben sich innere „Bewegungsformen“. Die sind mal mehr, mal weniger schwungvoll. Erstere bereiten Schwungkraft. Die anderen laden zum Verweilen ein. Das Verweilen führt in eine Vertiefung. Die Schwungkraft in andere Regionen des geweiteten Horizontes. Geht das wiederum gut, kann es gelingen, dass man zudem unter Aufrechterhaltung einer Vertiefung in die Weite schreitet. Die aufrechterhaltene Vertiefung, sie ist dabei der Garant dafür, das man sich selbst, in den Weiten, nicht aus dem Auge verliert.

Oben Angedeutetes, das beinhaltet eine Voraussetzung. Diejenige, dass man das Empfindungsvermögen frei bekommt davon, worin es sich bei Tage, oder alltäglich, betätigt. Sonst treten Erinnerungen in Kraft, die sich mit noch Unbekanntem bereits vermischen, bevor es in den Blick tritt. Man meint vor einem „Grün“ zu stehen, doch eigentlich ist es ein „Blau“, das man aber zuvor mit dem „Gelb“ einer Erinnerung mischte.

So, unter Aufrechterhaltung des Selbstempfindens, ohne sich jedoch im bereits bekanntem Alltag zu bewegen, erlebt man nun ein gewandeltes Erinnerungsvermögen. Eine, durch den oben beschriebenen Vorgang, nun frei gesetzte Erinnerungskraft, sie bildet ein Empfinden dafür, das man schlicht und ergreifend mit dem Wort Staunen benennt. Man hat unmittelbar das Empfinden, ein zwar noch völlig unbekannter Vorgang, in dem ich mich gerade befinde, mit dem habe ich etwas zu tun. Genauer, der hat etwas mit mir zu tun. Nun ertönen erste Zusammenklänge mit den „Tönen“, die man bereits vor der Horizontweitung in sich trug. Bereits Gewordenes und aktuell Werdendes
beginnen einander zu lauschen.

Das Lauschen eröffnet „innerhalb“ des bereits geweiteten Horizontes wiederum einen weiteren. Es ist der desjenigen Mitfühlens, das sich dadurch ergibt, das man sich dessen gewiss ist, sich in dem Vorgang selbst finden zu können. Der neu aufgetauchte Horizont innerhalb des bereits Erweiterten, der bringt den erweiterten, in den Regionen, die „außerhalb“ des neu Aufgetauchten liegen, wiederum zum Verstummen. Einfach dadurch, dass sich die tastende Aufmerksamkeit des Mitfühlens, anhand einer freien Erinnerungskraft, sammelt und dichtet.

Als so ein „Dichter“ trägt man nun aber manche Qualitäten des Erweiterten, aber nun wieder „schlafenden“ Horizontes, in sich. Der Klangraum des Mitfühlens wird zum Arbeitsplatz. Arbeit bedeutet dort, Gewissenhaftigkeit in Umgestaltung und Neugestaltung von Vorgängen aus der Natur ihres Ursprungs. Dabei entfalten, bilden und gestalten sich weitere Zusammenklänge der inneren und äußeren Natur des Menschen. Unmittelbar kann der gegenwärtige Mensch so einen Gestaltungsvorgang als seiner Natur gemäß erleben. Der Mensch bedarf des rechten Maßes durch seine äußere Natur, auf das seine Innere sich ihrem Wesen gemäß betätigen kann. Ebenso ist auch seine innere Natur Maß dafür, wie und was in der äußeren Natur zu gestalten ist, auf das der Mensch in ihr, mehr und mehr, seiner inneren Natur nach leben kann. Allgemein nennt man das Kultur.
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Selbstgeburt & Magie der Moderne

Der nachfolgende Text, er trägt den Titel: Magie der Moderne.

Damit ist gesagt, heute, hier, jetzt, indem Text gelesen wird. Mancher mag mit dem Lesen begonnen haben, in der Erwartung, dass es im folgenden um Zauberei gehen wird. Nein, wird es nicht. Dann wird`s wohl langweilig? Ja!
Denn, Goethe, er erwähnte einmal, es sei die Langweile, wodurch sich der Mensch von allem anderen Weltgeschehen unterscheiden könne. Unterscheiden, auch das jetzt noch! Kennt man doch Magie eher als das Eingehen können in ursprünglichste, elementare Daseinskräfte. In meinem Wörterbuch der philosophischen Begriffe findet sich unter dem Begriff Magie, neben Anderem, das hier: „...ein Elementares im Lebensprozess der Gottheit: ...Sie ist die Mutter der Ewigkeit, des Wesens aller Wesen und in ihr liegen die Gestalten derselben.“ Zur Wiederholung. Oben steht: Magie der Moderne. Damit ist gesagt, Lesen, das sei also ein Vorgang im Willen des Wesens aller Wesen, dem jegliche auftretende Gestalten, hier, in Gedankengestalt, zugrunde liegen. Wie das?

Nun, ich gestehe, die von mir gewählte Deutung des Wortes Magie, sie ist eine moderne. Die Deutung des Wortes modern wiederum, die entlehne ich meiner Erfahrung mit der modernen Malerei. Also, kurz und bündig, Autonomie der bildnerischen Mittel und Themen. Der moderne Maler stellt sich der Tradition gegenüber. Daher ist er ganz auf sich selbst gestellt. So ist er freier Künstler. Gleiches gilt für die Magie der Moderne. Auf sich selbst gestellt unterscheidet sich der moderne Mensch von allem übrigen Weltgeschehen. Das Unterscheiden macht ihn zum Beobachter. Zu so einem Beobachter, dem es frei gestellt ist, ob er es beim Beobachten belassen, oder ob er frei handeln will.

Der Darsteller der Hauptrolle nun, die Magie, sie trat, hier im Text, bisher nicht als Gegenstand für das Beobachten auf. Ganz einfach von daher, da sie, hier lesend, denkend die geschriebenen Worte deutet, nachdenkend Gedankengänge wandelt, weiterdenkend Zusammenhang erfragt, bedenkend Gedankengestalt bildet. Also sich stets neu als Realität erschafft. Denn, hier gegeben, für das Beobachten, sind lediglich schwarze Zeichen auf weißem Untergrund. In meinem philosophischen Wörterbuch steht auch noch: „Magie....ein Elementares im Lebensprozess der Gottheit, das Vermögen, Ideales in Realität übergehen zu lassen.“ Letzter Satz bietet mir die Gelegenheit, einen meiner Lieblingssätze von Schiller, dem die Magie selbst die Feder führte, einzugliedern. „Jeder individuelle Mensch, kann man sagen, trägt, der Anlage und Bestimmung nach, einen reinen, idealischen Menschen in sich, mit dessen unveränderlicher Einheit in allen seinen Abwechselungen überein zu stimmen, die große Aufgabe seines Daseins ist.“ Abwechselungen, das soll besagen, als Realität. Das besagt, die Magie, sie ist, im Hier und Jetzt denkend, stets in Übereinstimmung mit sich selbst. Das wiederum bezeugt, sie ist selbstbestimmt, also autonom, mithin das Kriterium jeglicher Moderne.

Es gibt mannigfaltigste Weisen der Magie. Möge jeder Leser sich selbst kundig machen. Es gibt sie ebenso, wie es mannigfaltigste Weisen der Kunst gibt. Aber, wer heute, welche traditionelle Weise einer Kunst auch immer es sei, für sein gegenwärtiges Handeln anwendet, also lediglich nachahmt, er rauscht an jeglicher Möglichkeit, anhand der die Magie sich ereignet, vorbei. Warum? Magie ist Kunst. Früher sagte man, eine. Das stimmt so nicht. Magie ist diejenige künstlerische Urhandlung, der jede weitere besondere Weise einer Kunst entspringt. Wer also heute meint, mit irgend einer tradierten Weise der Magie aufwarten zu können, er irrt sich. Das spricht nicht gegen die Tradition, da folgender Spruch in Ewigkeit gilt. >Tradition, sie reicht nicht die Asche weiter, sondern die Glut.<

Der weiter oben angeführte Satz von Schiller, der findet sich in seinen Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschen. Erziehung ist Arbeit! Außer Art und Armut fällt mir unmittelbar kein weiteres deutsches Wort ein, das mit „Ar“ beginnt. Ich stehe mal eben auf und schaue in mein Lexikon. Dabei fällt mir ein, ich habe null Ahnung, was Lexikon eigentlich bedeutet. Na gut, dann schaue ich bei dieser Gelegenheit auch das gleich nach. Schon wunderbar, ein Lexikon scheint ein Buch zu sein, das sich selbst erklärt. Also: Lexikon bedeutet, Wörter auflesen, sammeln, reden. Wörter lesen, schau an! So, meiner Erinnerung nach ist Ar die Sonne. Art > Lage, Fügung, Schicksal. Ar = fügen, passen. Also, passt doch! Meine Annahme trifft zu. Lage, Fügung, Schicksal zu erkunden, das war das Hauptanliegen ehemaliger Magie. Zudem ist Art das Angeborene. Und von Ägypter weiß ich, die Sonne ist die große Mutter. Ihr entstammt jegliche Geburt. Sie selbst ist also die Ungeborene. Oder die Selbstgeburt. Stell die Sonne ab, jegliche Geburt verschwindet. Auch dieser Text hier.

So, ich bringe jetzt Ordnung in eben angeführte Sachverhalte und erhebe sie dadurch zu einem Wesen, genauer, Lebewesen. Hier die Ordnung: Art-Armut-Arbeit. Art, das Angeborene. Dem gegenüber gilt Bescheidenheit. Eben Armut. Mut bedarf es, will man seine Angeborenheit sausen lassen. Will sagen, nicht darauf abzufahren wie mit einem Auto. Denn Angeborenheit ist noch keine Autonomie. So eröffnet Bescheidenheit denjenigen Raum, in dem die Arbeit der Magie auftreten kann. Tritt sie auf, tritt sie ebenso in etwas ein. In die Seelensubstanz desjenigen, der ihr in Armut diese Substanz darreicht. Sie gleicht dabei einer Leier. Die Magie, sie stimmt die Saiten neu. Dadurch sind sie von der Magie bestimmt. Also selbstbestimmt.

Eingangs steht, es sei die Langweile, wodurch sich der Mensch von allem anderen Weltgeschehen unterscheiden könne. Mithin auch von der Art seiner Angeborenheiten. Dadurch tritt nicht irgendwer ein in den Strom des Weltgeschehens, sondern die Magie, die große Mutter selbst, sie tritt in die Seele ein und richtet dort ihre Arbeit aus. So schwebt der Geist nicht mehr über den Wassern sondern bewerkstelligt die Umgestaltung noch nicht befreiter Vorgänge in freie Kunstwerke. Jetzt ist es zwei Tage später. Ja, lieber Leser, das ist Geschwindigkeit. Für Dich war es lediglich der Augenblick auf den nächsten Satzanfang. Der Text fand seinen Abschluss nicht und schlief ein. Indem er schlief, stieß ich auf den neuesten Post von Michael Eggert, den er jüngst in seinen Blog stellte. (http://egoistenblog.blogspot.com/) Indem ich seinen Post jetzt erneut veröffentliche, bildet er zugleich den Abschluss dieses Textes hier. Es ist ein Satz! „Der reife Zeitgenosse steht sich selbst ironisch gegenüber.“ Michael, schönen Dank für Deine Mitarbeit!
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Burghard Schildt: Selbsterkenntnis und Universalität

Der Leiter des "Spiegel" – Hauptstadtbüros, der Journalist Dirk Kurbjuweit, er sieht, der Journalismus, der scheitert an seinen eigenen Kriterien: Denen der Belegbarkeit. Dasjenige, das hinter der „Maske“ sich ereignet, das lässt sich nicht belegen. Das will durch Mitgefühl erlebt werden. Daher schreibt er zudem Romane.
Das steht beispielhaft dafür, wie heute kosmisches Menschengeschehen sich spaltet in einen Verstand an sich und in eine künstlerisch bildende Phantasie für sich.

Als eine der Anleitungen, wie man sich orientieren lernen kann innerhalb so eines Entwicklungsvorganges, dafür schrieb Steiner seine Leitsätze. Daraus das Folgende.

In der allerersten Zeit der Bewusstseinsseelen- Entwicklung erfühlt der Mensch, wie ihm das vorher imaginativ gegebene Bild der Menschheit, seiner eigenen Wesenheit, verloren gegangen ist. Ohnmächtig, es in der Bewusstseinsseele schon zu finden, sucht er es auf naturwissenschaftlichem oder historischem Wege. - Man gelangt dadurch nicht zu einem wirklichen Erfülltsein mit der menschlichen Wesenheit, sondern nur zu Illusionen. Aber man bemerkt es nicht; und sieht darin etwas die Menschheit Tragendes. (Auszug aus: Leitsätze 134, 135 )

Jeder anthroposophisch orientierte Leser kann zudem „wissen“, der Mensch, er leitet sein „Handeln“ nicht von der Erde aus. Er leitet es universell.
Das dazugehörige „Organ“ ist das Denken. Das Denken des Menschen. Der Mensch erzeugt denkend seine Universalität. Also seine Selbsterkenntnis als Welterkenntnis.

Selbsterkenntnis ist der Weltengrund, der das selbstbestimmte Handeln eines jeden Menschen begründet.

Heute ist Selbsterkenntnis zugleich Selbstbewusstsein. Also ein Vorgang in der Bewusstseinsseele. Die Bewusstseinsseele selbst ist ein in Entwicklung sich Findendes.

In seiner Bewusstseinsseelen- Entwicklung findet sich der Mensch in der Herausforderung, das Denken so zu ergreifen, dass er denkend sich als denjenigen gewahrt, der, in Aufrechterhaltung des Selbstbewusstseins, wiederum imaginativ in solchen Empfindungen leben kann, die ihn sein Wesen, als das lebendige Wesen des Universums selbst, erkennen lassen.
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Burghard Schildt: Reine Erfahrung

Indem ich, für mich, deine letzten zwei Beiträge zusammenfasse, ergibt sich mir das.

Bodo v. Plato: „Je mehr ich mich intensiv mit ihm (Rudolf Steiner) beschäftige, umso mehr entfaltet sich, was ich selbst bin.
Georg Kühlewind: „In der geistigen Welt ist nichts zwischen den Wesen“.

Nicht umsonst wies Steiner darauf hin, alles soll Kunst werden. Er selbst bezeichnete sich gelegentlich als Begriffskünstler. Das wirft zugleich ein Licht auf eine viel geplagte Frage. Was ist Kunst?

Kunst, das ist die "Handlung", die so in die Erscheinung tritt, dass, indem der "Betrachter" (Leser) Willen will, sich so auswirkt, dass der Betrachter sich als sich selbst wollend empfindet. Mithin eben immer und allein die Handlung, die sich in der Wirklichkeit des alleinigen Willen vollzieht, also, künstlerisch handelnd, sich in einem Willen findet.

Und, das „Nichts“ selbst, das ist dabei immer anwesend als derjenige gewollte Wille, oder freie Wille, oder der idealische Mensch, oder der „Kreator“, der sich entgegen zu stellen vermag den Kreaturen der Wille"welt". Und, so stets in Betrachtung aus Gegenüberstellung, sich aus Freiheit neu bedeutet und zu einer immer umfassenderen Freiheit umerschafft.

Wollen wir also, hier bei Facebook, in unserem weiteren Austausch, nicht weiterhin Unverbindlichkeiten unterliegen, käme es mit deinen beiden obigen Beiträgen uns gelegen und entgegen, endlich und anfänglich uns in demjenigen Wesen zu finden, das Gedanken als den Gedankenstrom gestaltet, der fließend zugleich die Quelle bezeugt, der er entspringt.

In der Hoffnung, dass wir uns hier nicht weiterhin dem Schweifen haltloser Wesen hingeben werden, noch abschließend ein Auszug aus einem Text v. mir, der, meiner Ansicht nach, oben Gesagtes bekräftigt. Und, daher gar nicht genug wiederholt werden kann.

Das „Nichts“ ist dort benannt mit dem Begriffspaar:
Reine Erfahrung – Bestimmungslosigkeit

Reine Erfahrung ist der Vollzug einer Willenskraft, die frei gesetzt wird, durch ein sich betätigen in einer Umkehrung derjenigen Willensrichtung, die in der Vorstellungsbildung tätig ist. Der Wille ist alltäglich ausgerichtet auf die Sinneserfahrung. Er betätigt sich in ihr, ist dadurch aber ein, durch Sinneserfahrung, bestimmter Wille. Wille ist es, was in den alltäglichen Sinneserfahrungen des Lebens tätig ist, sich in diesem, seinem Tätigsein jedoch nie erschöpft und allem Geschaffenen zum Trotze, steht's nach Entgegensetzung strebt. In der Umkehrung der Willensrichtung wird der gebundene Wille wiederum zu einem reinen Willen. Reiner Wille in der Erfahrung ist das Erscheinen seiner Bestimmungslosigkeit.

Die reine Erfahrung entspringt aus der willentlich erzeugten Entgegensetzung, die sich selber trägt und tritt auf diese Art und Weise in die Erscheinung. Reine Erfahrung ist, jenseits einer Selbst - oder Fremdbestimmung, einerseits bestimmungslose Erfahrung, andererseits erfahrene Bestimmungslosigkeit, im Ganzen eine Bestimmungslosigkeit in der willentlich erzeugten Erfahrung, die zugleich die Freiheit des Willens erfährt, der diese Erfahrung ist.

Diese Willenserfahrung ist die Erfahrung der Freiheit aus Freiheit, oder, die "ästhetische Erfahrung", als eine höhere Erfahrung in der Erfahrung. Freiheit aus Bestimmungslosigkeit ist jenseits jeglicher Besonderung, daher tritt sie auf wie ein reiner Begriff. Die „Ästhetische Erfahrung“ selbst, das ist mithin der Begriff der Freiheit in seiner Erscheinung.

Bereits ein nächster Schritt wäre nicht mehr allein "Ästhetische Erfahrung", sondern ein Tätigsein mit "altbekannten Werkzeugen", die, aus ästhetischer Erfahrung, dann aber als "höhere Werkzeuge" auftreten. Dabei gilt, aus Vertiefung in Freiheit, zur Erhöhung des Menschen. Diese "Werkzeuge" sind Staunen, Mitgefühl, Gewissenhaftigkeit.

Das sind "höhere" Sinnesorgane, durch welche "höhere Welten" der Sinneswelt staunend geschaut, mitfühlend erforscht und durch gewissenhaft künstlerisches Handeln, dann in einer umgestalteten Sinneswelt erscheinen.
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