Web & Kultur

Dein Blog gehört dir nicht

Kerstin Hoffmann aka „PR-Doktor“ und Kommunikationsberaterin, denkt in ihrem „Kommunikationsblog“ laut und vernehmlich über die Frage nach, welche Rechte Nutzern auf sozialen digitalen Plattformen wie Twitter, Facebook oder Blogger an den von ihnen eingebrachten Beiträgen eigentlich verbleiben: „Wir alle – oder jedenfalls viele von uns – publizieren fleißig im Netz. Für uns selbst oder als Teil der Kommunikationsstrategie unserer Kunden. Was wir dabei gerne vergessen: Wir veröffentlichen zu großen Teilen auf fremden Plattformen.“

So gibt es schon mal keine Garantie, „dass dieser Content morgen noch dort stehen wird. Dass es das Social Network noch geben wird.“ Jederzeit ist es möglich, „die Teilnahmebestimmungen so zu ändern, dass wir damit nicht mehr einverstanden sind und uns freiwillig verabschieden.“ Aber generell ist uns nicht bewusst, „welche umfassenden Rechte sich viele Betreiber auf das geistige Eigentum der Teilnehmer vorbehalten.“ Bislang verzichtet Facebook noch darauf, mit den von mir eingestellten Fotos oder Grafiken Werbung zu produzieren, die sich an meine Kontakte oder bestimmte Interessengruppen wenden könnte. Meine Frau war immerhin sehr erstaunt, bei einem völlig anderen System und Provider (Gmx) per Werbeeinblendung dazu aufgefordert zu werden, Facebook beizutreten, um endlich „Freund“ von mir werden zu können. Das ist doch schon mal personenspezifische Werbung, die sich offensichtlich aus meinen bei Facebook hinterlegten Personendaten speist. Hoffmann hat auch rechtliche Bedenken in Bezug auf die Inhalte von Blogs „auf einer fremdgehosteten Plattform wie Blogger.de oder Wordpress.com.“ Die Rechte sind eindeutiger, wenn man auf derlei Dienste verzichtet und lieber unter fester Internet-Adresse auf eindeutig gemietetem Webspace hostet: „Was auf meinem Webspace liegt, gehört mir.“

Zumindest ansatzweise. Ich habe schon Artikel von mir übersetzt in italienischen Zeitschriften entdeckt, ein amerikanischer Chor ist - unentgeltlich- mit einer Grafik von mir als Bühnenhintergrund auf Tournee gegangen, gelegentlich lese ich einen Artikel, der mir von Anthroposophen empfohlen wird, der inhaltlich völlig auf einem Text von mir basiert, meine Fotos finden sich überraschend auf fremden Wänden. Es gibt keine besonders ausgeprägte Kultur der Achtung von geistigem Eigentum. Man kann den Gedanken natürlich auch aufgeben, dass es etwas wie geistiges Eigentum überhaupt geben würde. Ich fände ein paar anthroposophische Argumente für diesen Standpunkt. Das blanke Abkupfern hinterlässt aber schon einen bitteren Nachgeschmack, einfach, weil man es als respektlos empfindet. Wenigstens ein Verweis auf den Urheber sollte schon möglich sein.

Zugespitzt könnte man auch fragen, ob es etwas wie Identität im digitalen Zeitalter noch gibt. Man sollte die Persona, die man z.B. bei Facebook gibt, heute ebenso kontrollieren wie sich bewusst sein, dass digitale Identität immer eine Art von Inszenierung ist und sein sollte. Das naive Sich-Ausschütten sollte spätestens dann eingestellt werden, wenn einem bewusst wird, dass die preis gegebenen persönlichen Informationen stetig ausgelesen werden. Man kann die von einem selbst gesammelten Informationen nicht kontrollieren- z.B. nicht wissen, inwiefern sie weiter verkauft und mit weiteren im Netz befindlichen Daten zusammen geführt und abgeglichen werden. Das Netz ist eben nicht nur ein öffentlicher Ort, sondern einer, der sorgfältig gemäht, gemolken, abgehorcht und der Verwertung zugeführt wird.

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Buzz
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Gefahr der Computer

Bevor es in die Osterpause geht, möchte ich noch ein Zitat von den Blogpiloten einbringen, eine wahrhaft universelle Interpretation unserer vagen Positionierung (manchmal von Bedenken getragen, aber eher theoretisch) gegenüber der modernen Technik: „Die Gefahr der Computer besteht nicht darin, dass sie eines Tages so klug werden wie die Menschen, sondern darin, dass wir bereit sind, ihnen bis dahin auf halbem Wege entgegenzukommen.”
(Bernard Avishai)
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Hans-Peter Dieckmann: Und die Nilpferde kochten in ihren Becken

Seit den 1970er Jahren begleiten mich von Zeit zu Zeit Bücher von Jack Kerouac und William S. Burroughs, wobei ich mir zu den Romanen von Burroughs etwa seit “Naked Lunch“ immer eher nur ein Lesen von Abschnitten zugemutet habe. Wer in abscheuliche Höllenwelten hineinschauen möchte, gewinnt dafür bei ihm auf tausenden von Seiten viele Gelegenheiten; sicher: sie sollen auch verdrängte persönliche, gesellschaftliche und archetypische Realitäten aufdecken, leisten das nach meinen Eindrücken teils sogar wirklich, doch … Burroughs arbeitete nach seinem bekannten “Naked Lunch“ oft mit der so genannten Cut-up-Methode: Texte oder auch Tonbandaufzeichnungen werden bei ihr zerschnitten und zufällig zusammengesetzt, was laut ihm zu sehr interessanten Nebeneinanderstellungen führen kann, von denen aber nur einige literarisch verwertbar sind. Einem Interviewer erläuterte er: „Sie fragen sich, wie sich die Sequenzen und Rhythmen ordnen, nun, sie tun es überhaupt nicht. Die Cut-ups ergeben neues Material, aber sie sagen einem nicht, was man damit tun soll.“

Das ist der springende Punkt. Wenn Burroughs über seine Bücher reflektierte, ist er für mich immer noch viel spannender und manchmal anregender als in seinen Romanen; zum Teil nahm er dabei einen bemerkenswert nüchternen Beobachterstandpunkt ein, der seine Höllenwelten vergleichsweise hell kontrastiert.

weiter..
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Der Todestag Rudolf Steiners

zeitzeichen
Die WDR- Radio- Sendung „Zeitzeichen“, die übrigens auch per Podcast regelmäßig auf dem Computer zu empfangen ist (unabhängig von den Sendezeiten), erinnert an den 30. März, den Todestag Rudolf Steiners.

Der Beitrag der Autorin Helene Pawlitzki wird am besagten Tag um 9.05 Uhr im WDR5 zu hören sein. Ein wenig hat Rudolf Steiners manchmal eigensinnige Sprachwahl auch schon auf den WDR abgefärbt, der in der Anthroposophie eine der „wirkmächtigsten“ esoterischen Richtungen sieht. In normalem Deutsch sagt man vielleicht „einflussreich“.

Für die, die den WDR nicht empfangen können, bietet sich der Podcast an - oder ein Mithören im Internet (für Windows).

Dank an Ute Reifenberg für den Hinweis!
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museum kunst palast düsseldorf

kunstpalast
Interessante Fotografier- Digital- Filter wurden auch hierbei angewendet. So waren die Fotofarben etwa in den 70ern. Der Spiegel vor dem Kunstpalast ist dagegen echt. Link zum Bild
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Dekade der Stagnation

Im Rahmen der Transmediale gab der frühere Science- Fiction- Autor und Medientheoretiker Bruce Sterling der Zeitschrift de:bug ein interessantes Interview. Er spricht darin von gesellschaftlichen Sieben- Jahres- Rhythmen, in denen sich die westliche Welt -keineswegs kongruent - entwickele:

„Es wird in absehbarer Zukunft nicht weniger Kapitalismus geben. Kapitalistische Systeme durchlaufen aber immer verschiedenartige Phasen, die etwa sieben Jahre lang sind. Wir hatten den DotCom-Boom in den 1990ern, darauf folgte der “war on terror” der Bush-Administration. Wie wir die nächste Phase nennen werden, ist mir noch unklar, aber da sie noch bis in die Mitte des nächsten Jahrzehnts reichen wird, ist noch viel Zeit, um sich darüber Gedanken zu machen. Vielleicht “Stagnation” oder “Depression”, denn die Historiker werden die jetzige Dekade wohl eher mit “Terrorismus” verbinden. Die Finanzkrise beendet diese Phase, wird aber ihre Auswirkungen erst in den nächsten Jahren zeigen.“

Wohin geht es also bis 2015? Nach dem Ende des Kalten Krieges ist die westliche Welt offensichtlich orientierungslos in eine Fülle von illusionären Blasen getappt. Das so lange determinierende Ost-West- Feind- Schema wurde durch einen dämonisierten Terrorismus ersetzt, der durch schwere strategische, wirtschaftliche und politische Fehler des Westens erst zu der Bedeutung aufgeblasen worden ist, die er in und nach der Bush- Ära erlangte. Die völlig überzogenen Erwartungen an die Technik des Internet - die „DotCom-Blase“ führte zu schweren wirtschaftlichen Verwerfungen, die nahtlos durch obskure Finanzmanipulationen ergänzt wurde. Als Konsequenz aus diesen globalen Illusionen, die nacheinander zerplatzten, ohne dass sich etwas wie Lerneffekte gezeigt hätten, hat sich eine globale Wirtschaftskrise entwickelt, die zumindest die USA und Europa in erheblichem Maß durch extreme Schulden in ihrem politischen Spielraum lähmt. Gesellschaftliche Verwerfungen im Sinne einer zugespitzten Spaltung sind die Folge und werden weiter zunehmen. Der Gestaltungsspielraum ist gering, ohne dass Rezepte zum Gegensteuern sichtbar wären. Im Gegenteil. Heute schlägt eher die Stunde der Populisten, die in der schwelenden Krise ihr eigenes Süppchen kochen.

Aber selbst in simplen technologischen Fragen wie der Überwindung des klimatisch bedenklichen Verbrennungsmotors zeigen sich nicht einmal ansatzweise produktive Ideen. Statt tatsächlich bahnbrechender Neuerungen baut man weiter auf eine mehr als hundert Jahre alte Technik und laviert damit vor sich hin- wohl wissend, dass die Klima- Bedingungen sich stetig verschlechtern. Das Lavieren ist,wenn man der Wikipedia- Definition vertraut („das taktische, berechnende Abwägen von Vor- und Nachteilen zwischen u.U. widerstreitenden Interessen bzw. das Ausweichen vor Entscheidungen gegenüber potentiellen Verbündeten und/oder Gegnern“) geradezu generell das Herzstück etwa Merkelscher Politik.

An diesen Beispielen zwischen Geistlosigkeit und Illusion lässt sich meines Erachtens erkennen, dass Sterling mit seiner Diagnose einer „Dekade der Stagnation“ völlig richtig liegt. Rezepte hat auch er nicht.
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Das Slow Media Manifest

Auf der Suche nach einer zeitgenössischen Konzeption für nachhaltige Internet- Medien (zum Beispiel ein Blog) ist das „Slow Media Manifest“ entstanden. Für Webmaster und aufmerksame Nutzer ist das ein interessantes Instrument, um für die Qualität von Blogs Massstäbe zu entwickeln. Implizit enthalten ist auch ein Blick auf den mündigen Netzbürger. Nehmen wir als Beispiel dafür mal einige Punkte des Manifests heraus:

6. Slow Media sind diskursiv und dialogisch: Sie suchen ein Gegenüber, mit dem sie in Kontakt treten können. Die Wahl des Mediums ist dabei zweitrangig. Das Zuhören ist bei Slow Media ebenso wichtig wie das Sprechen. “Slow” bedeutet hier: aufmerksam und zugewandt sein und auch eigene Positionen aus einer anderen Perspektive betrachten und hinterfragen zu können.

7. Slow Media sind soziale Medien: Um Slow Media bilden sich lebendige Gemeinschaften oder Stämme, gleich ob es sich um einen lebenden Autor handelt, der mit seinen Lesern in den Austausch tritt, oder einen verstorbenen Musiker, um dessen Musik sich eine aktive Deutungsgemeinschaft bildet. So fördern Slow Media die Vielfalt und respektieren kulturelle und lokale Besonderheiten.

8. Slow Media nehmen ihre Nutzer ernst: Slow Media treten ihren Nutzern selbstbewusst-freundschaftlich gegenüber und haben ein gutes Gespür dafür, für wieviel Komplexität und Ironie ihre Nutzer bereit sind. Slow Media sehen weder belehrend auf ihre Nutzer herab noch begegnen sie ihnen unterwürfig-anbiedernd.


Ein solches humanistisches Manifest ist auf dem Hintergrund der heutigen Bedeutung des Internet, was die Masse der Kommunikation betrifft, zu betrachten. 2009 gab es 234 Millionen Websites insgesamt, aber 47 Millionen waren allein in diesem Jahr neu entstanden. 1,73 Milliarden Menschen der Weltbevölkerung nutzen das Internet, was einer Steigerung von 18% in diesem Jahr entspricht. Es existieren 1,26 Millionen Blogs. 4 Milliarden Fotos sind bei Flickr gespeichert.

So wird es Zeit, angesichts eines wuchernden Mediums über Qualitätskriterien nachzudenken.
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Das Wabern im globalen Dorf

lucy
Quelle des Bildes

Vielleicht ist es Zeit, sich einmal wieder mit dem frühen Theoretiker Marshall McLuhan zu beschäftigen, der klug, aber etwas drastisch angesichts der neuen elektronischen Medien über deren Einfluss auf den Menschen gedacht hat. Für ihn fand die elektronische Revolution schon in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts statt, eine Revolution („For the past 3500 years of the Western world, the effects of media — whether it’s speech, writing, printing, photography, radio or television — have been systematically overlooked by social observers.“), die eine schockartige, unkontrollierte und unmittelbare Erweiterung der menschlichen Sinne und Kommunikation mit sich bringen würde, aber auch die Gefahr einer kollektiven und globalen Gleichschaltung.

Das Ganze ist inzwischen - 50 Jahre später- zwar tatsächlich eingetreten- einschließlich der Gleichschaltung via globaler kultureller Events, TV- Shows und Internet- Medien, hat aber doch nicht zu dem kollektiven Identitätsverlust geführt, den McLuhan befürchtet hatte: „In the past, the effects of media were experienced more gradually, allowing the individual and society to absorb and cushion their impact to some degree. Today, in the electronic age of instantaneous communication, I believe that our survival, and at the very least our comfort and happiness, is predicated on understanding the nature of our new environment, because unlike previous environmental changes, the electric media constitute a total and near-instantaneous transformation of culture, values and attitudes. This upheaval generates great pain and identity loss, which can be ameliorated only through a conscious awareness of its dynamics. If we understand the revolutionary transformations caused by new media, we can anticipate and control them; but if we continue in our self-induced subliminal trance, we will be their slaves.“
Aber die Abhängigkeit des Menschen von diesem Medium ist- auch in wirtschaftlicher Hinsicht- heute mehr und mehr eine Tatsache. Die Grundgedanken McLuhans sind hier in einem Interview mit dem Playboy nachzulesen- eine Vision aus dem Jahr 1969.

Natürlich ist die Erweiterung der Sinne und des Leibes durch diese Medien heute festzustellen, die McLuhan so beschrieb: „Alle Medien sind Ausdehnung menschlicher Fähigkeiten – seien sie psychisch oder physisch. – Das Rad ist eine Ausdehnung des Fußes. Das Buch ist eine Ausdehnung des Auges, Kleider sind eine Ausdehnung der Haut, die Medien unserer Zeit sind eine Ausdehnung des Zentralnervensystems. Indem Medien die Umwelt verändern, schaffen sie in uns eine ganz bestimmte Konstellation sinnlicher Wahrnehmung. Die Ausdehnung nur eines Sinnes verändert die Art, wie wir denken und handeln, die Art, wie wir unsere Körper wahrnehmen. Wenn diese Verhältnisse sich wandeln, wandelt sich der Mensch.“ (Quelle Blogpiloten) Aber der Mensch wandelt sich nicht nur, er integriert auch die neuen Fähigkeiten. Vor allem ändert sich auch die Verantwortlichkeit des Einzelnen. Die aktuelle Katastrophe in Haiti mobilisiert durch die Medien ein globales Gefühl dafür, verantwortlich zu sein. Das gilt aber nicht unbedingt für den Obdachlosen, der Tag für Tag vor dem Bäcker sitzt, bei dem ich meine Brötchen hole. Der ist halt noch nicht medial präsentiert und vermarktet.

Es sind nicht nur die integren Berichte über Katastrophen in aller Welt, nicht nur die musikalischen Mega- Events, nicht nur die grassierenden Gerüchte und albernen Verschwörungstheorien, die durchs Internet wabern, was in diesem Zusammenhang auch einen Bezug zu Rudolf Steiner herstellt. Ich finde dieses seltsame - von Regierungen uniform gepuschte - Angstsyndrom so auffällig, sei es nun vor Klimakatastrophen oder vor Hühner-, Schweine- und Ziegengrippe- Epidemien. Gerne und breit werden Untergangsszenarien aller Art verbreitet. Vielleicht illustriert so etwas Rudolf Steiners mehrfach und drastisch geäußerte Bedenken vor der von ihm so genannten „Öffentlichen Meinung“: „Die öffentliche Meinung ist weniger wert, als was sich der einzelne als Meinung, wenn er fortschreitet, erringen kann. Sie ist untermenschlich.“ (GA 141, Seite 134).

Hier, meint Steiner, sind die Dämonen der heutigen und künftigen Zeit wirksam. Das „globale Dorf“ (ein Begriff von McLuhan) wird heute von Szenarien durchwabert, deren negative Energien er „luziferische“ nennt: „Und sie wirken in einer verschwommenen, durcheinanderflutenden Gedankenmacht der öffentlichen Meinung. Man versteht auch die Funktion der öffentlichen Meinung nur, wenn man weiß, dass sie in dieser Art in die Menschheit hineinkommt.“ (GA 141, Seite 128). So weit muss man natürlich nicht gehen. Man kann es durchaus dabei belassen, die drohende Uniformität im globalen Dorf, die durch weltweite, manchmal gut gemeinte Kampagnen angestossen wird, mit Interesse und einiger Verwunderung als die Schattenseite des heute technisch möglichen globalen Dialogs zu betrachten.
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Vergoogelt

Wie das Blog von Google Mail heute berichtet, ändert Google seine Technik in Bezug auf Einblenden von Werbung beim Erhalt von Emails. Auch vorher waren die Werbeeinblendungen „Zielpersonen- orientiert“, da sich der Inhalt der Werbung an dem der Mail orientierte. Viele im Internet verschickte Emails enthielten aber offensichtlich keinerlei für Werbung relevante Informationen. Wir sind eben viel exotischer als Werbeleute glauben.
Jetzt wird diese Funktion erweitert auf schon archivierte Emails: „When you open a message in Gmail, you often see ads related to that email. Let's say you're looking at a confirmation email from a hotel in Chicago. Next to your email, you might see ads about flights to Chicago. But sometimes, there aren't any good ads to match to a particular message. From now on, you'll sometimes see ads matched to another recent email instead.“

Bei diesem Prozedere ist vielen Nutzern unwohl. Denn immerhin werden Inhalte von ihren privaten und geschäftlichen Korrespondenzen dabei analysiert. ,Im Google- Blog wird daher auch eilig versichert, dass da nichts wirklich gelesen wird, sondern „nur“ digital gefiltert: „The process is entirely automated: no humans are involved in selecting ads, and no email or personal information is shared with advertisers.“

So weit, so gut. Ich glaube ohne weiteres, dass da tatsächlich keine Armee von heimlichen Mit-Lesern sitzt, die sich durch Milliarden Emails arbeitet. Das Problem ist ein ganz anderes: Die technische Kommunikation vergoogelt zunehmend. Seit langem verfolgt man die Neigungen Googles zum digitalen Monopol. Ob in Sachen Suchmaschine, Nachrichten, Fotografie, Blogs, Office, Datenspeicherung, Landkarten oder Email: Die Krake wächst, und zwar auf innovationsfreudige Art und Weise. Google wächst eben vor allem deshalb, weil es so gut ist und weil es etablierten analogen Medien das Wasser abgräbt. Nachdem sich Google in einem Geschäftszweig etabliert hat, zieht dann - wie das aktuelle Beispiel von Googlemail zeigt- die Werbemaschine erst richtig los.

Es gibt aber noch ein anderes Problem. Das ist in meinen Augen die Neigung von Google zu Gadgets und Plugins. Manche Anwendungen sind trotz der simplen optischen Anmutung mit Funktionen überfrachtet. Ich will auch gar nicht die All-in-One-Informationsportale wie iGoogle nutzen, die mir Mails, Fotos, News, YouTube- Filme, Börse und Wetterbericht auf einen Blick liefern. Wahrscheinlich überfordert mich das. Mein Gehirn blockiert eher in einem Blitzlicht gleichzeitiger Informationen. Zugleich werden die Funktionen - auch die von Googlemail - den für mich nicht transparenten Filtern von Google gegenüber geöffnet, die vielleicht nur den Werbeeinblendungen dienen sollen, aber womöglich auch zu kapern sind*. Macworld berichtete jedenfalls, dass auch Googlemail- Konten ausländischer Journalisten in China umgelenkt und kopiert worden sind- aller Voraussicht nach von regierungseigenen Hackern: „The hijacked Gmail accounts used by the journalists in Beijing had been set to forward all e-mails to a stranger’s address, the Foreign Correspondents’ Club of China said in an e-mail to members. The group did not name the news organizations hit by the attack or say when the hijacking occurred. “We remind all members that journalists in China have been particular targets of hacker attacks in the last 2 years,” the group’s e-mail said.“
Vielleicht sind es Googles offene Tore, die zur Spionage geradezu einladen.

* Ich bin da etwas vorsichtig, weil gerade selbst meine Kreditkarte gehackt worden ist, mit Abbuchungen von interessanten Vereinen wie der „Katzennothilfe Grossbritannien“.
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Erklärung von Google

Die Erklärung von Google (in deutscher Sprache, im Google- Produkt- Blog) zu den Attacken auf Mail- Accounts in China und der darauf folgenden schwer wiegenden Entscheidung von Google, die Firmenpolitik in China zu ändern, lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig:

„Die Angriffe und die groß angelegten Überwachungsaktivitäten, die wir bei unserer Untersuchung aufgedeckt haben, in Verbindung mit den Versuchen, die Meinungs- und Redefreiheit im Internet im Laufe des vergangenen Jahres weiter zu beschränken, haben uns zu der Entscheidung veranlasst, unser Engagement in China neu zu bewerten. Wir haben beschlossen, dass wir nicht länger bereit sind, unsere Suchergebnisse auf Google.cn zu zensieren.“

Das nennt man eine Flucht nach vorne im ganz grossen Stil.
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Blasen

Blasen gibt es nicht nur im Finanz- oder Kunstmarkt. Man findet sie ebenso in der anthroposophischen Szene, allerdings geht es nicht um Spekulations-, sondern um Wortblasen. Nach meinen höchst persönlichen Eindrücken wächst die Zahl der verblasenen Hülsenprodukte- sei es als Artikel, Buch oder Vortrag- in den letzten zehn Jahren. Es ist eine Zumutung, derartige Bücher zu lesen. Aber gehen wir nicht ins Detail.

Es gibt aber auch richtig giftige Gewächse, die nicht nur eine Zumutung sind, sondern an der absolut letzten Geschmacksgrenze operieren. So die durchgeknallte, ultrarechte Website Gralsmacht. Verantwortlich für die merkwürdigen Schriftstücke ist Herwig Duschek. Die Definition für „Gralsmacht“ lautet: „Der Begriff „Gralsmacht“ bezeichnet die Avantgarde der Menschheit, die über eine völlig neue Technik (Äther-Technik, Grals-Technik, „Vril“) verfügt und zwischen ca. 1942 und ca. 1945 – aus Mitteleuropa kommend – weltweit Basen mit derzeit ca. 3 Millionen Menschen aufgebaut hat. Die „Gralsmacht“ steht im Zeichen der Kulturauferstehung – während unsere Zivilisation immer mehr dem Abgrund zusteuert.“ Ah, eine Avantgarde mit okkulten Fähigkeiten! Eine Art Supermenschen, verborgen unter uns! Wie krank ist das denn?

Schauen wir auf den dieswöchigen Artikel, der sich anbietet, in einer sehr bestimmten Situation gemachte Äußerungen Rudolf Steiners nach dem Ersten Weltkrieg bezüglich des „deutschen Volkstums“ auf die zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zu beziehen: „R. Steiner prophezeite am 3. 10. 1919, also vor 90 Jahren den Tod des Deutschtums in Mitteleuropa: Für Mitteleuropa stehen die Dinge so, dass es sich handelt um Leben und Tod des Volkstums. Damit ist die Trennung des Volkes von seinen geistigen Impulsen und Aufgaben gemeint. Diese Trennung ist dann ca. 1946 eingetreten..“ Nein, das ist eine Lüge. Die deutsche Entfremdung hat nicht nach der Überwindung der nationalsozialistischen Ära begonnen- der Faschismus w a r diese Entfremdung- genau dann war Deutschland auf das entschiedenste „von seinen geistigen Impulsen und Aufgaben“ getrennt.

Unvermittelt wird in dem Artikel nun umgeschwenkt auf den Selbstmord von Robert Enke: „Betrachtet man den „Selbstmord-Kult“ um Robert Enke, der einen Tag nach der „Mauerfall- Jubelfeier-Show“ am 10. 11. 2009 begann und in dem Logen-„Volkstrauer“-Fest am 15. 11. 2009 im Hannoverschen Stadion kulminierte, dann erscheint dies wie ein abgespultes Programm. Gleichzeitig stellt sich die Frage: wurde Robert Enke ge-selbstmordet?“ „Gralsmacht“ behauptet nun, weiterhin zusammenhanglos, Robert Enke sei mittels „Mind- Control“ ferngesteuert gewesen, ja seine Depression sei eine „induzierte“ gewesen. Nun folgen Ausführungen über ein obskures Gerät, das „drahtlos aus der Entfernung die Gehirnwellen eines Menschen messen, analysieren, verändern und dann wieder ins Gehirn zurückspeichern kann.“: „Es zeigte sich nämlich, dass das Einspeisen von Emotionsclustern in das Gehirn ein viel machtvolleres Instrument ist als das übertragen bloßer verbaler Suggestionen.“ Erzeugt würden mit solchen Geräten Phänomene wie „Verdummung bis zur Debilität“. Auch das Problem mit der „Erzeugung innerer Stimmen und anderer akustischer Halluzinationen“ deutet uns nun an, dass sich hiermit die Probleme der Autoren dieses ganzen Artikels mehr als nur andeuten.

Die wirre, psychisch kranke „Gralsmacht“ ist ein giftiges Gewächs für und von verwirrten Zeitgenossen. Die hier konstruierten Zusammenhänge auch zu Äußerungen Rudolf Steiners entspringen weniger der Einsicht als reiner Paranoia.
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Slumdogs

"Gesetze erlassen ist für Politiker das gleiche wie Wasser lassen", erwiderte Narayan. "Beides geht den Gully runter."
Am Wahltag stellten sich die Wahlberechtigten vor dem Wahllokal auf. Wie üblich kontrollierte Thakur Dharamsi die Stimmenabgabe. Sein System, unterstützt von den anderen Grundbesitzern, hatte schon seit Jahren reibungslos funktioniert. Der Wahlbeamte wurde beschenkt und fortgeführt, um den restlichen Tag mit Speisen und Getränken bewirtet zu werden. Die Türen öffneten sich, und die Wahlberechtigten marschierten durch. "Streckt eure Finger aus", sagte der Aufseher, der die Warteschlange beaufsichtigte.
Die Wähler gehorchten. der Sekretär am Schreibtisch schraubte eine kleine Flasche auf und markierte jeden ausgestreckten Finger mit wasserunlöslicher schwarzer Tinte, um Betrug zu verhindern.
"Und jetzt macht eure Daumenabdrücke hier drauf", sagte der Sekretär.
Sie drückten ihre Daumen auf das Register, um zu bestätigen, daß sie gewählt hatten, und gingen dann wieder heim.
Anschließend wurden die leeren Stimmzettel von den Männern des Grundbesitzers ausgefüllt. Nach Schließung kehrte der Wahlbeamte zurück, um den Transport der Wahlurnen zur Abzählunsstelle zu überwachen und zu bezeugen, daß die Wahl auf faire und demokratische Weise verlaufen war."

Wer Slumdog Millionär geliebt hat, wird auch dieses Buch lieben. Es ist allerdings wesentlich detaillierter und breiter angelegt, und es wird natürlich auch nicht von Gewinnshows und musikalischen Tanzeinlagen unterbrochen. Auf etwa 850 Seiten wird das Schicksal zweieri Unberührbarer - beide Schneider- geschildert, die aus den Dörfern um Mumbai herum in die Stadt fliehen müssen, um sich in der gigantischen Metropole durch zu schlagen. Sie leben in einem dieser wuchernden Slums, aber das ist die einzige ihnen verbliebene Chance. "Charme und die Tragödie eines ganzen Kontinents" (Klappentext) werden auf wunderbar lebendige Weise aufgerollt. Etwas für lange Winterabende.

Rohinton Mistry: Das Gleichgewicht der Welt
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Puschel

Vor Jahren habe ich einmal auf einem Waldorfbasar in Trier seltsame Roben bewundert, die der Werkstatt einer anthroposophischen Kleider- Manufaktur entsprungen waren. Man wagt es nicht, dafür den Begriff "Mode" zu verwenden. Denn diesen schweren, lila- und bordeauxfarbenen Gewändern entströmte der Geruch des 19. Jahrhunderts. In Anthropotantenkreisen war so etwas, wie man alten Fotos entnehmen kann, auch noch am Anfang des 20. Jahrhunderts chic. Man trug dazu schwere goldfarbene Broschen mit der Form von Planetensiegeln und auf dem Kopf gelegentlich eine Art Turbane. Ich bewunderte so ein Ding in Trier, das in dunkelstem Lila gehalten war, dazu eine Art - farblich abgesetzter- Schal, der vorne genau dort, wo man den Schambereich vermuten könnte (wenn es einen gäbe) in einem wollenen Puschel zusammen geführt wurde. Das gab dem Ganzen unfreiwillig eine bizarr erotische Note, machte aber auch klar, dass Modemachern wie Trägerinnen jede Selbstironie fremd war.

Die Damen und Herren, die Auren und Ätherleiber via Kleidung visualisieren möchten (aus welchen Gründen auch immer), gibt es erstaunlicherweise noch immer. Sie hatten, wie die Nachrichtenagentur NNA berichtet, gerade ihre Tagung in Dornach: "Kulturtagung am Goetheanum machte Zusammenhänge zwischen dem Ich und seinen Hüllen deutlich". Der Text von Wolfgang G. Voegele hat etwas von Realsatire, ist aber sicherlich so nicht gemeint. Was aber genau meint er, wenn er tiefschürfend schreibt "Die Veranstaltung machte deutlich, wie sich in der Bekleidung menschliches Bewusstsein spiegelt oder gegebenenfalls auch verhüllt"? Verhüllte Körper kennen wir, mehr oder weniger, aber verhülltes Bewusstsein? Klingt wie eine Art Drogenwirkung.

Dann aber geht es im Text gleich ans Eingemachte, nämlich um Ost und West und um (in diesen anthroposophischen Augen) hüllenlose "Ich Kerne": "Anthroposophie versöhne die gegensätzlichen Auffassungen: im Osten Geist als Widersacher der (sinnlichen, materieverhafteten) Seele; im Westen ein materialistisches Menschenbild, das keinen Ich-Kern mehr, nur noch Hüllen kenne.". Oh, wie furchtbar. Gut, dass wir Dornach haben, wo die Ich-Kerne nur so ins Kraut schiessen. Ersaunlicherweise wird in der Folge anscheinend ein Loblied auf Tattoos gesungen, zumindest wenn man zufällig ein Angehöriger eines "Naturvolkes" ist: "Die Bekleidungskunst habe zu allen Zeiten versucht, die naturgegebenen übersinnlichen Hüllen fantasievoll abzubilden oder neu zu gestalten. Körperbemalung und Tätowierung der Naturvölker machten die visionären Klänge und Muster der menschlichen Aura sichtbar."

Dornacher schätzen solche Körperbemalungen eher weniger, sondern setzen mehr auf die Aura- ähnlichen Roben mit Wollpuschel: "Ausgehend von Steiners Annahme, dass das aurische Farbenerleben in Zukunft wieder möglich sein werde, prognostizierte Speckner eine zunehmende Individualisierung der Mode und Bekleidungskunst: „Je mehr unter den Menschen das aurische Farbensehen wieder Platz greift, umso mehr werden schreiende Gegensätze zwischen der Aura eines Menschen und seiner Kleidung wieder wahrnehmbar. Geschmackvolle Menschen werden sich aus wohlverstandenem Eigeninteresse davor hüten, deplatzierte Missverhältnisse in ihrer Hülle zu zeigen (…) Während die Pariser Modeßene jedes Jahr der Welt ihre Vorstellungen eines einheitlichen „Look“ diktiert, werden die aurischen Unterschiede, die ja zu den physischen noch hinzukommen, ein starker Anreiz zu individueller Bekleidungskunst sein“, so Speckner."

Anscheinend hat sich die "Bühnenkostümabteilung des Goetheanum" während dieser Vorträge auf der Bühne als Model verdingt und historische und hypermoderne Kleidungsstücke für Aura- Sehende dargeboten: " vier Personen - zwei Paare- ließen sich mit ägyptischen beziehungsweise griechischen Gewändern bekleiden, die ausnahmslos nach historisch gesicherten Vorbildern angefertigt waren. Dadurch konnte die Entstehung der einzelnen Faltenwürfe, aber auch die in diesen Gewändern mögliche Beweglichkeit nachvollzogen werden. Eine selten zu sehende Demonstration, die mit viel Beifall bedacht wurde." Das glauben wir unbesehen. Es muss sehr komisch gewesen sein. Auf mich wirkt die Schilderung eher wie ein DDR- Parteitag unter Einwirkung halluzinogener Substanzen.
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Rastaman

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Schon wieder das Ende der Zeitung?

"We think that over a long enough period of time, most people will have personalized news-reading experiences on mobile-type devices that will largely replace their traditional reading of newspapers. Over a decade or something. And that that kind of news consumption will be very personal, very targeted", wird der Google-Chef Schmidt in dem bemerkenswerten Blogbeitrag von "Indiskretion Ehrensache" zitiert. Es geht dabei um die Frage, wie der Kampf zwischen Internet- News und den traditionellen Zeitschriften ausgehen wird. Schmidt setzt natürlich auf personalisierte digitale Newspapers- ein Beispiel dafür mag in den Augen Schmidts iGoogle sein, bei dem man beliebige Quellen wie Nachrichten, Mails, RSS-News, Flickr- Lieblingsfotografen und Youtube-Videos auf einer einzigen Startseite stimmig kombinieren kann. Angeheizt wird die Debatte durch die Erwartung an ein bald erscheinendes digitales Tablett der Firma Apple. Die Tastatur ist in den berührungsempfindlichen Bildschirm integriert, das Gerät wird aber auch durch vielfältige Fingerbewegungen gesteuert. Wie das (gut) funktionieren kann, haben wir bereits am iPhone schätzen gelernt. Nun also soll Apple, Gerüchten zufolge, vor dem Erscheinen des Geräts mit Verlagen verhandeln, um ein professionelles digitales Newspaper auf dem Tablett präsentieren zu können. Wird das das oft prophezeite Ende der klassischen Zeitung sein?

apple_tablet

Eine andere Frage ist, wie ein anthroposophisches Internet- Medium aussehen könnte, das den Potentialen der kommenden Technik entspricht. Ich stelle mir ein vernetztes News- Blog vor, mit angeschlossenem Diskussions- Forum. In dem Blog werden zeitnah News aus dem anthroposophischen Umfeld präsentiert, unter auswählbaren Kategorien. Vorträge kann man sich ansehen und im Forum diskutieren. Persönlichkeiten werden interviewt, Initiativen vorgestellt. Entscheidend wäre eine Mischung aus Redaktion, freien vor Ort tätigen Mitarbeitern und einem lebendigen Forum. Bei all dem kommt es auf eine ansprechende und User- freundliche Technik der Präsentation an. Zumindest die grossen Verlage werden in diesen Tagen darüber grübeln, wie die digitale Plattform der Zukunft aussehen kann. Das für alle Seiten Fragliche an der Sache ist und bleibt ja, wie sich so etwas im Internet finanzieren lässt.

Dazu hier ein weiterer Beitrag von netzpolitik.org.
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Mephisto positioniert sich neu

„Mitra war ein hagerer, hochgewachsener junger Mann mit stechendem Blick, hauchdünnem Oberlippenbärtchen und einem Goatie. Er hatte etwas von einem Mephisto, aber als Upgrade: ein Dämon auf der Höhe der Zeit, der den archaischen Dienst am Bösen aufgegeben hat und den Weg des Pragmatismus beschreitet, auch das Gute nicht scheut, wenn man damit schneller zum Ziel kommt.“

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Viktor Pelewin, Das fünfte Imperium, Luchterhand
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Hans-Peter Dieckmann: Der Integrale Yoga von Sri Aurobindo

SriAurobindo
In seinem „Überblick mit Anmerkungen aus meiner anthroposophischen Sicht“ bemüht sich Hans-Peter Dieckmann darum, den Entwickler des „Integralen Yogas“ in einer Biografie vor-, aber auch die spezifischen Entwicklungsschritte dieses Schulungsweges in konkreten Schritten und mittels Zitaten Aurobindos darzustellen. Abschließend wird diese Lehre aus anthroposophischer Sicht betrachtet. Dieckmann sieht dabei „viele unmittelbare Bezüge zu den Stufen des anthroposophischen Schulungsweges (..), bis hinauf zur Arbeit auf der Ebene des (anthroposophisch formuliert) Geistmenschen, auf der es neben der Entwicklung der Intuition ganz ähnlich wie bei Aurobindo zum anderen Pol hin um Umwandlungen bis in den physischen Leib geht. Aurobindos zum Teil recht konkrete Schilderungen machen mir etwas von einer Seinsweise deutlich, die für die meisten Menschen noch in ferner Zukunft liegt. Was er mit vielen und keineswegs immer gelösten Problemstellungen vorweggenommen hat, erwuchs aus seiner Biographie: bei aller Beispielhaftigkeit unverwechselbar – und ist so gesehen auch im anthroposophischen Sinne ein moderner Einweihungsweg.“

Zum Text als PDF- Download
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Mein iPhone und sein Dämon

Nun ja, zu Rudolf Steiners Zeiten beeindruckte Technik vor allem durch Grösse, Schnelligkeit und reine Effizienz am industriellen Arbeitsplatz. In einer sehr fernen Zukunft, meint Steiner, werden wir noch auf ganz andere Weise für diese Technik zu zahlen haben: Sie wird sich, „lebendig“ geworden, gegen uns wenden:
„Schaut Euch die riesenhaften Maschinen an, welche die menschliche Technik heute mit allem Scharfsinn konstruiert! In ihnen schafft sich der Mensch die Dämonen, die in Zukunft gegen ihn wüten werden. Alles, was der Mensch heute an technischen Apparaten und Maschinen sich erbaut, wird in Zukunft Leben gewinnen und sich dem Menschen in furchtbarer Weise feindlich entgegenstellen.“
iphone

„Riesenhaft“ ist mein iPhone nicht gerade, wenn man es für sich betrachtet. Es ist ein etwas fettes und schweres Handy mit zahlreichen Organizer- Funktionen. Es ermöglicht mir, Termine, Adressen, Fotos, Musik, Lieblingsfilme, Dokumente, Navigation, Wecker und was noch zu meinem Alltag gehören mag, mit mir herum zu tragen. „Riesenhaft“ ist es dennoch aus zwei Gründen. Zunächst ist es durch „Apps“ (Mini- Applikationen) auf denkbar leichte Weise zu erweitern. Es gibt Zehntausende davon. Praktisch ist z.B. eine App wie AroundMe, die sofort und überall Apotheken, Parkplätze, Restaurants usw. um mich herum anzeigt und mich auf einer Karte auch hinführt. Das iPhone ist eine wunderbare Allrounder- Maschine, die auf denkbar kleinstem Raum ziemlich beliebig erweiterbar ist.

„Riesenhaft“ ist das iPhone aber auch deshalb, da es ja Teil des globalen Netzwerks ist und überall Zugang zu Emails und Internet hat. Es ist insofern nur eines von Millionen Endgeräten, die an diesem Netzwerk partizipieren. Die Maschine, der Apparat ist eigentlich nicht das iPhone, sondern das Netz zwischen den Geräten- seien es Computer, Handys, Navigationsgeräte oder eben ein Zwitter wie das iPhone.

Die Apparate, von denen Rudolf Steiner sprach, waren Dinosaurier der Mechanik. Was wir heute vor uns haben, ist eine Art weltweites neuronales Netzwerk, eine mechanisierte, dynamische, globalisierte Intelligenz. Natürlich hat mein iPhone z.B. auch einen direkten Zugang zu Wikipedia. Es hat Zugriff auf das wachsende lexikalische Wissen. Der kleine Dämon in meiner Hand hat eben einen mächtigen Schatten.

Im Gegensatz zu Steiners Vorstellung von Technik als etwas, was nur „nach dem Nutzen“ entwickelt wird und keinesfalls danach, ob „etwas schön und edel“ ist, erscheint mir das iPhone als das alles zugleich. Es ist sicherlich auch ein schönes und edles Gerät. Das Bedürfnis, am wachsenden globalen „Mind“, einer technischen Weltmaschine teilzuhaben, aber auch selbst aktiv daran mitzuwirken, wird durch dieses angenehme und praktische Gerät eben auch auf ästhetische Art befriedigt. Heute entzünden sich rationale Zweifel an dieser Technik an konkreten Fragen danach, ob und wie weit man dann auch überall zu orten ist und in wie weit man seine persönliche Daten, die man mit sich herum trägt, denn auch noch schützen kann. Es gibt auch noch einige Zweifel, was man alles, wenn man die Dinge technisch löst, selbst verlernt. Meine Generation ist z.B. noch mit Karten aufgewachsen. Meine Generation hat sich in Bezug auf die Orientierung Vorstellungen gebildet. Wer nur diese winzigen Ausschnitte auf einem iPhone-Display und die verbalen Anweisungen der Navigationssysteme kennt („Halten Sie sich rechts“), entwickelt solche Orientierung natürlich nicht mehr. Die entsprechenden Hirnareale werden faktisch arbeitslos. Wie abhängig wollen wir uns machen?
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King of Pop

teufel
„King of Pop“ war schon der richtige Ausdruck für ihn- König einer Seifenblase.
Es ist schlimm genug, wenn Männer nicht erwachsen werden können und ihr Leben in einer Rummelplatzattrappe wie der Neverland- Ranch, zwischen Sauerstoffgeräten, Affen und kleinen Jungen verbringen. Eigentlich nicht einmal nicht erwachsen, sondern vollkommen infantil.

Aber wenn sie auch noch mit der Rolle, die sie auf der Bühne darstellen, rettungslos verwachsen, und im Bemühen, sich durch zahllose Schönheitsoperationen dem Fake ihrer selbst immer weiter anzunähern, allmählich zur Maske erstarren, deren sämtliche Gesichtsmuskeln wie mit Beton ausgegossen wirken, sind sie schließlich wie nicht von diesem Planeten. Michael Jackson, dessen „Herzinfarkt“ sich am Ende wahrscheinlich als euphemistische Bezeichnung für ein toxisches Bewusstseinsexperiment heraus stellen wird, war am Ende - wenn auch auf in der Erscheinung andere Art- so grotesk wie Elvis Presley. Gerade die völlige Verzeichnung macht Beide zu ewigen Pop- Ikonen. Denn von grotesken Verzeichnungen im Stil einer Comic- Welt lebt eben dieses Business.

Vermutlich wird in den nächsten Monaten jeder, der eine Klampfe tragen kann, Michael Jackson- Lieder klimpern. Keine Gartenparty ohne Peter Pans Oldies. Er wird auf ewig König seiner Seifenblase bleiben.
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Steiner online

Es fällt auf, dass in letzter Zeit immer mehr Seiten kommen, in denen Teile oder nahezu das ganze Werk Steiners online verfügbar gemacht werden. Nehmen wir mal die umfangreiche Scan- Arbeit Rudolf Saackes, anthroposophieonline: „Die Initiative zur freien Verwaltung des literarischen und künstlerischen Nachlasses des Begründers der Anthroposophie, Rudolf Steiner, lädt Sie ein, die Früchte der Anthroposophie zu genießen. Damit wir der Welt Hefe werden mögen.“ Die Initiative sitzt jetzt anscheinend in Dänemark.

Das Rudolf Steiner Online Archiv dagegen wird bei der Brigham Young University präsentiert: „Das Rudolf Steiner Online Archiv möchte eine wachsende Sammlung kostenloser und frei zugänglicher, zugleich aber lesbarer und möglichst fehlerfreier Versionen der Texte Rudolf Steiners zur Verfügung stellen. Jeder soll, unabhängig von materiellen oder geographischen Umständen, in die Lage versetzt werden, sich selbst ein Bild vom „Ereignis Rudolf Steiner“ zu machen und der geistigen Herausforderung, welches das „Abenteuer Anthroposophie“ darstellt, in individueller und schöpferischer Weise zu begegnen. Das Archiv möchte so zu einem Organ jenes Freien Geisteslebens werden, dessen Bedeutung Steiner so nachhaltig herausgestellt hat.“ Wie dem auch sei, Steiner wird immer leichter erreichbar, und zwar durchaus nicht nur in dürftigen Kompilationen, sondern im vollen Original. Mir persönlich ist ein gediegenes Buch angenehmer..

Barbara weist noch auf eine Seite namens Uranos-Archiv hin, auf der manche seltenen und bislang unveröffentlichten Vorträge Rudolf Steiners angeboten werden - teilweise von mitgeschriebenen, aber nicht autorisierten Texten.
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Philippe Jaroussky

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Ja, ich weiss, es ist so etwas wie Händeljahr, und natürlich macht die Website der Deutschen Grammophon darum ein ordentliches Getöse. Bei mir ist schon seit drei Jahren Händeljahr, quer durch eine Reihe von Opern. Digitalisierte Fernsehauftritte, Konzerte, Reportagen, Biografien. In Frankreich scheint ein regelrechter Barockmusik-Boom ausgebrochen zu sein, wenn man Auftritte des dortigen Barock- Countertenor- Stars Philippe Jaroussky ansieht. Empfehlenswert finde ich den neuen Download- Service von Amazon- man installiert ein Ladeprogramm, und dann hat man die Aufnahmen schon in iTunes oder Mediaplayer. Bezahlt wird wie üblich, Preise auch. Aber die Qualität ist überzeugend, wenn sie auch nicht an die der Deutschen Grammophon heran reicht. Dafür hält die DG sämtliche Einkäufe zum späteren erneuten Download ständig online zur Verfügung- ich habe das ein Jahr lang beobachtet. Das ist ein guter Service.

Aber kehren wir zurück zum Countertenor- Star Jaroussky. Es gibt ja in den letzten 10 Jahren eine immer grössere Breite in der Art der Interpretation von Händel. Die stark in den Vordergrund geschobenen, ätherischen oder auch dynamischen Frauenstimmen können ebenso wie vernuschelte Chöre und transusige Stardirigenten auf Dauer in Ermüdung versetzen. Da ist so eine Aufnahme von Rolando Villazon, den man sonst eher in seichten Gewässern an der Seite von Netrebko vermutet, schon erfrischend. Seine Händel- Aufnahme ist momentan zu Recht ein Klassik- Hit, auch wenn man sonst nicht viel von ihm hält.

Also greifen wir in Sachen Stimmen doch tatsächlich mal zu einem fantastischen Countertenor wie Philippe Jaroussky. Der steht stimmlich zwischen den Höhen der Damen und dem Dean Martin des Händelvortrags, Villazon. Besonders empfehlen für Anthroposophen & andere Hartgenossene kann ich „Beata Vergine“-früh- barocke Preisungen der Jungfrau. Hört man „Stabat mater dolorosa“, ist man in einer anderen Welt. Oder nehmen wir seine Monteverdi- Duette zu dessen Theater der Liebe. Das eine oder andere sollte man gehört haben, bevor man stirbt. „Beata Vergine“ würde ich bei denen vorziehen, die gerade nicht der Frühlingshafer sticht.

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Esoterische Übungen Teil 3

Sebastian Gronbachs neues Blog anschauen und sich vorstellen, Horst Köhler würde daraus vorlesen: „Menschen haben Sex. So machen Menschen das eigentlich seit es Menschen gibt und wenn ich mich so umsehe, ist das bisher doch eigentlich ganz gut gelaufen. Also: Goethe, Mutter Teresa, Rudolf Steiner... ohne Sex wären sie nicht. Aber Sex ist ja nicht nur eine Reproduktionsmethode. Sex ist ja mehr. Wie kommen wir zu diesem Mehr? Ich denke, wir kommen über eine Frage dahin, der sich eine zweite Frage anschließt.“
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Die Geschichte der Autobombe

saccovanz

Auch der Krieg globalisiert und individualisiert sich- vor allem aber wendet er sich gegen die Zivilisten, deren Tod als eine Art Fanal benutzt werden soll. Je ziviler die Opfer und je mehr es sind. desto besser. Auch wenn der erklärte Krieg zwischen Staaten oder staatlichen Enklaven ständig geführt wird, wird der zum Terror miniaturisierte Krieg zum global gegenwärtigen Phänomen. Mike Davis, über dessen großartiges Buch „Planet der Slums“ hier bereits berichtet wurde, geht in „Eine Geschichte der Autobombe“ auf eben diesen Terror, der sich im 20. Jahrhundert entwickelte, ein.

Davis, der häufig aus einer gewissen politischen und gesellschaftlichen Emphase heraus schreibt, hält sich bei diesem Thema persönlich weitgehend zurück und entwickelt einfach eine gewisse Chronologie des schrecklichen Phänomens. Das Entsetzliche dieser Attentate benötigt nicht nur nichts neben seiner reinen Faktizität- jede einseitige Kommentierung, Instrumentalisierung, Kontextualisierung wäre geradezu obszön.

In Sri Lanka - so Davis- hielt man die dort bombenden „Tamil Tigers“ „für übermenschlich grausam und gerissen - für allgegenwärtig wie böse Geister.“ Diese Allgegenwärtigkeit erinnert an ein globales Phänomen, das Rudolf Steiner den „Krieg aller gegen alle“ nannte. Rudolf Steiner schrieb: „Man weiss, daß auf dem Grunde der menschlichen Seele durch Verkehrung der edelsten Opferwilligkeit der Wunsch entstehen kann, den Mitmenschen zu töten.“ (Gesamtausgabe 145, Seite 144 f). Das weist auf die Doppelbödigkeit des Terrorismus hin: Denn im Sinne ihrer Angelegenheiten sind die Terroristen natürlich ganz und gar idealistisch. Diesem schrecklichen Idealismus unterliegen wir prinzipiell alle. In Steiners Ansicht liegt nur eine Art Schleier, eine „Betäubung“ über dem „Wunsch (..), den anderen zu töten“, über „Wünsche(n), die auf Vernichtung, auf Zerstörung des menschlichen und sonstigen auf dem physischen Plan wirkenden Zusammenseins hingehen.“ (dito)

Die Gründe für die Verirrungen des Idealismus in den Terror sieht Steiner vor allem in einer wachsenden Individualisierung im Sinne einer inneren Verhärtung: „Wenn die Menschen immer mehr und mehr voneinander isoliert werden, ein jeder sich immer mehr in seinem eigenen Ich verhärtet, wenn die Trennungslinien, die Seele von Seele scheiden, immer stärker werden, so dass sich Seele und Seele immer weniger verstehen kann, dann werden die Menschen in der äußeren Welt immer mehr zu Streit und Hader kommen, der Streit aller gegen alle auf der Erde wird an die Stelle der Liebe treten.“ (Gesamtausgabe 112, S. 206). Vom zeitlichen Rahmen sagt Rudolf Steiner auch ganz konkret: „Wenn man die Dinge so weiter laufen läßt, so werden wir am Ende des 20. Jahrhunderts stehen vor dem Krieg aller gegen alle! Da mögen die Menschen noch so schöne Reden halten, noch so viele wissenschaftliche Fortschritte gemacht werden, wir würden stehen vor diesem Krieg aller gegen alle. Wir würden eine Menschheit heran rücken sehen, welche keine sozialen Instinkte mehr hat, um so mehr aber reden würde von sozialen Dingen.“ (Gesamtausgabe 206, Seite 92)

Der Beginn des hier angesprochenen Terrors lag bereits zu Lebzeiten Steiners. Der erste Anschlag ereignete sich - als Rache für die Verhaftung der Anarchisten Sacco und Vanzetti - im September 1920 in der Wall Street in New York, direkt gegenüber von J.P. Morgan & Company. Es handelte sich um einen mit Sprengstoff beladenen Pferdewagen. Die Explosion tötete und verletzte zahlreiche Menschen. Auch damals strömten entsetzte New Yorker aus den Hochhäusern und flohen. Auch damals wurde der nationale Notstand erklärt. Es war bis dahin undenkbar gewesen, dass ein einzelner Mensch mit wenigen möglichen Mittätern einen derartig verheerenden Anschlag ins Zentrum einer Stadt und eines Staates würde tragen können. Auch die Absicht, nationale Symbole zu treffen, klang bereits in diesem ersten Anschlag dieser Art an.

Die eigentliche Geschichte der Autobombe aber setzte nach diesem Fanal erst 1947 ein, und zwar bereits in Palästina. Der Anschlag wurde von einer „rechtszionistische(n) Guerilla“ mit de Namen „Stern Gang“ gegen eine britische Polizeistation in Haifa verübt. Neben den Briten war die palästinensische Bevölkerung Ziel der Terroristen. Palästinensische Extremisten nahmen die Technik in der Folge auf und nutzten sie ihrerseits. Vietnam und Algerien waren die nächsten Haupteinsatzorte. Von da an wanderte diese Variante des Terrors praktisch dauernd um den Planeten. Die Stationen werden von Davis akribisch aufgeführt. Er spricht in diesem Zusammenhang von einer „unumkehrbare(n) Globalisierung“, von einem Phänomen „wie ein hartnäckiger Virus“, das dazu neigt, „sich unendlich zu vermehren.“ So gab es alleine zwischen 1992 und 1999 bereits 25 grosse Anschläge in 22 verschiedenen Städten. Weit über 1000 Menschen wurden getötet, weit über 10000 verletzt. Vielleicht erscheint die Formel Rudolf Steiners vom „Krieg aller gegen alle“ als übertrieben. Er ist aber ohne Zweifel ein ganzes Stück näher gerückt.
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Palm Beach Country Club

Nein, nicht die Sonne bringt es an den Tag, sondern die so genannte Finanzkrise, die einem Tsunami gleich die virtuellen Grundmauern eines globalen kapitalistischen Traumschlosses bloß legt. Darunter werden die eigentlichen Akteure im Zockerspiel sichtbar. In Deutschland ist es der scheinbare Biedermann Merckle, der sich beim milliardenschweren Jonglieren im eigenen Steuersparmodell verfangen hat und nun den Banken und dem Staat unverfroren droht, „die mit geschätzten drei bis fünf Milliarden Euro verschuldete Beteiligungsgesellschaft VEM Vermögensverwaltung in die Insolvenz gehen (zu) lassen“ und damit Zehntausende von Arbeitsplätzen aufs Spiel zu setzen. Der „schwäbische Milliardär Adolf Merckle (Ratiopharm, Phoenix)“ hat sich mit Krediten, die durch Aktien gesichert waren, nun aber kaum noch etwas wert sind, verzockt, aber auch durch wüste Spekulationen auf den VW- Kurs, mit denen er „einen dreistelligen Millionenbetrag verloren hat.“ (dito) Nun geht es ihm anscheinend vor allem darum, bei den zur Zeit nicht gerade liquiden Banken Überbrückungskredite in Milliardenhöhe heraus zu quetschen, um nicht an sein Privatvermögen heran zu müssen.

In den USA ist das Rad, an dem gedreht wird, natürlich etwas grösser. Wie die FAZ heute (13.12.2008, Nr. 292, Seite 21, „Der 50-Milliarden-Dollar-Schwindel“) berichtet, ist der „prominente Wertpapierhändler und ehemalige Verwaltungsratsvorsitzende der elektronischen Börse Nasdaq, Bernhard Madoff“ gerade vom FBI verhaftet worden. Er soll Kunden in einem „atemberaubenden Betrug“ um 50 Milliarden Dollar betrogen haben. Sein Betrugsmodell auf höchstem Niveau war eine Art Schneeballsystem, in dem es lediglich darum ging, mit dem Geld immer neuer Investoren die nicht existierenden Investitionsgewinne vorzutäuschen. Sein Unternehmen zählte bis jetzt „zu den größten Maklern an der elektronischen Börse Nasdaq und beschäftigte Hunderte von Wertpapierhändlern“, und zwar bereits seit 1960. Neue Kunden akquirierte Madoff gerne im exklusiven Palm Beach Country Club beim Golfen. Einer dieser Kunden benötigte in der Folge der Finanzkrise 7 Milliarden Dollar, worauf das Traumschloss Madoffs zusammen brach.

Man fragt sich wieder, ob die Grundlagen der Wertschöpfung der kapitalistischen Systeme eigentlich von dieser Welt sind, wenn einer der grössten und angesehensten Strippenzieher zu seinen Geschäften der letzten 50 Jahre lediglich zu sagen hat: „Es ist alles eine große Lüge.“ (FAZ)

In Bezug auf das, was wir vielleicht einmal euphemistisch als „Altersvorsorge“ bezeichnet haben oder auch als „Wertanlage“, lässt sich dieser Tage vielleicht auch mit Rilke sagen:

„Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.“
(Link)
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Obamas nicht privates Privatleben

obama_priv
Nun hat also auch Barack Obama ein Flickr- Album, das öffentlich zugänglich ist. Die Fotos aus der Wahlnacht wirken auf mich vollkommen surreal. Dieses Sofa, diese Füße auf dem Tisch, dieses ganze Interieur! Zudem zeigt sich der Mann vollkommen fertig- sehr unpräsidial. Ob es sich um eine spezielle PR- Aktion oder um eine Orgie von Photoshop- Montagen handelt, ist mir noch nicht ganz klar. Ersteres wäre eine ganz neue Aufstellung als privater Mensch- der Gegenentwurf zu Bush Junior auf seiner Ranch. SPIEGEL online hält die Seite für echt.
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Mantren & Blogs

Im aktuellen Programmheft des Goetheanums, herausgegeben von der Anthroposophischen Gesellschaft, findet sich auch ein Interview mit Heinz Zimmermann, einem ehemaligen Vorstandsmitglied, der sich insbesondere mit „Meditation, Gesprächskultur und geisteswissenschaftlichem Studium“ beschäftigt. Das Bedürfnis nach meditativer Vertiefung des Lebens kommt - so Zimmermann - insbesondere an „Wendestellen der Biographie“ auf, also in Krisen, in denen man nach Neuorientierung sucht. Allerdings gilt heute seiner Meinung nach, dass diese „Wendestellen“ häufig nicht mehr wirklich erlebt, sondern „durch Entertainment, die Einflüsterungen der Konsumwelt“ zugedeckt werden.

Da ist er wieder, der alte anthroposophische Reflex. Das Zurückzucken vor Technik und Zeitgeist, die Schuldzuschreibungen. Seitdem Rudolf Steiner in der Schallplatte den Untergang des Abendlandes zu entdecken glaubte, wird dieser Reflex in jeder zweiten anthroposophischen Ansprache neu zelebriert.
Man solle - so Zimmermann- die „Wirkung nicht unterschätzen“- nicht nur in Bezug auf die „Bilderflut durch TV, Printmedien und Kino“, sondern auch in Bezug auf die „Unverbindlichkeit des Wortes in e-mails und Blogs“. Eigentlich glaube heute „fast jeder Mensch an die Existenz einer übersinnlichen Welt“ - dieses Gefühl aber „durch ein geschultes Denken auf eine solide Basis zu stellen“, daran mangele es. Die mediale Überflutung mache es so schwierig, „in der Meditation Bilder durch eigene Anstrengung“ aufzubauen. Das Arbeiten an Meditationsmantren ist für Zimmermann ein konkreter Gegenpol zu den Zerstreuungen der Gegenwart.

Nun sind Mantren - wenn man sie in Gegensatz zum Bloggen stellt- keinesfalls in sich verbindlich. „Denkend empfinde ich mich eins mit dem Strom des Weltgeschehens“ ist ein Mantram, das geradezu typisch zeigt, dass es auf der gegenständlichen Ebene nicht nur unverbindlich, sondern sogar widersinnig erscheint: Man „empfindet“ nicht, wenn man denkt, und schon gar nicht einen „Strom“ jedweder Art. Auf der Alltagsebene ist ein Mantram weniger als nichts- es enthält keine impliziten Informationen. Ein Mantram ist ein Hinweisschild, nicht mehr. Auf der Ebene, auf die es hinweist dagegen beginnt es sich zu enthüllen. Es ist insoweit „wahr“, wie man es wahr macht.

Vergleicht man die Informationsflut, die Zimmermann beschwört, mit dem Charakter eines Mantrams, würde ich Zimmermanns Beurteilungen also ganz anders sehen: Die Medien füttern uns mit Informationen und haben daher einen hohen Grad von Verbindlichkeit. Sie binden uns. Das Mantram sticht gerade durch seine Unverbindlichkeit hervor. Daran ist nichts fertig. Es ruft uns allenfalls auf, seinen Sinn nicht nur zu entschlüsseln, sondern im Sinne einer Dynamik zu realisieren.

In dieser Hinsicht folgt diese Tätigkeit den Worten des Neuen Testaments (1. Kor. 4, 20) „Gottes Reich steht nicht in Worten, sondern in Kraft“. Georg Kühlewind* macht darauf aufmerksam, dass diese „Kraft“ (dynamis) auch noch eine andere Bedeutung hat, denn dynamis hat auch den Sinn von Bedeutung.
Wenn man sich auf der Bedeutungsebene bewegt, hat man die Unverbindlichkeit der Zeichen zeitweise überwunden. Man ist selbst ein Teil der Aletheia, der Unverborgenheit geworden. Aber das Mantram selbst - in dieser Hinsicht möchte ich Zimmermann widersprechen- enthält diese Bedeutung nur dann, wenn man sie realisiert. Die „geistige Erfahrung“ entspringt diesen Zeichen durchaus nicht von selbst.

* Georg Kühlewind, Das Reich Gottes
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Esoterik- Star Tolle oder Mr. Spock in Oprahs Spirit Channel

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Der Mann mit dem Mausgesicht im Foto (und dem starken deutschen Akzent) ist der Esoterik- Star Eckhart Tolle, der sich mit seinem Bestseller „Jetzt!“ nicht nur in die Esoterik- Charts geschossen hat, sondern sich sogar in der Show der US- Moderatorin Oprah Winfrey wiederfand, und zwar nicht nur einmal, sondern in einer zehnteiligen Serie. Oprahs unglaubliche Karriere kann man nachlesen, die Show mit Eckhart Tolle („Oprah´s Spirit Channel“ ) aber sogar wahlweise hören oder sehen, für den iPod oder den grossen Bildschirm. Dieser so genannte Podcast ist in allen möglichen Formaten hier zu haben. Sie und Tolle sprechen geschlagene 10 Stunden live miteinander, nicht gerechnet die zahlreichen öffentlichen Meditationsrunden und -anweisungen. Während der Esoterik- Show konnten sich Zuschauer weltweit per Skype- Bild- Telefon einwählen und meist dümmliche Fragen stellen- so wie auf dem Bildschirmfoto oben zu sehen.
Tolle wirkt - auf dem Höhepunkt seiner Karriere- wie eine Maus, die sich im Raumschiff Enterprise verlaufen hat („An der Seite des draufgängerischen Captain Kirk stehen Mr. Spock, Erster Offizier sowie Wissenschaftsoffizier, und der Schiffsarzt Dr. Leonard McCoy. Mr. Spock, Halbvulkanier, gilt nicht nur aufgrund der spitzen Ohren und Augenbrauen als Exot auf dem sonst von Menschen bevölkerten Raumschiff: Das wesentliche Merkmal der Rasse der Vulkanier ist deren streng logische Denkweise. Im Gegensatz dazu vertritt der manchmal mürrische aber herzliche Dr. McCoy ein humanistisches Weltbild“ ) und nun Rede und Antwort stehen muss. Oprah neigt dazu, ihn in Grund und Boden zu reden. Erleuchtet hin oder her: Tolle sagt immer dasselbe. Wer ein Buch von ihm gelesen hat, braucht die Sendung nicht zu sehen. wer ihn dort gesehen hat, will ihn wahrscheinlich sowieso nicht mehr lesen.
Für Menschen mit Schlafstörungen ist der Podcast durchaus zu empfehlen.
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Trostkultur


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Unsere beliebte Achse des Guten - den Duft des politisch Korrekten verbreitend- ruft, wir folgen: Nämlich einem Link zur TAZ, der uns zu einem Artikel von Barbara Dribbusch ("Heiliger Dunstabzug") führt. Darin geht es, kurz gesagt, um alberne westliche Touristen, die sich in ihren Hightech- Klima- Goretex- Klamotten im Himalaja auf Berge quälen und in ihrer Eigentumswohnung die "Free- Tibet"- Fahne hissen. Da bekommt der ordinäre deutsche Alltagsort einen "sakralen Touch", während Himalaja- Trekking- Touren den Charakter einer Lourdes- Wallfahrt annehmen. Frau Dribbusch sieht die westliche Sucht, im Hochgebirge zu klettern, als Ausdruck des Wunsches, einerseits "näher bei Gott" zu sein, andererseits aber selbst einen "Hauch von Unsterblichkeit" abzubekommen. Die spirituellen Sehnsüchte sind für Dribbusch (politisch korrekt!) nichts als eine Form von "Trostkultur", und zwar in dem Fall der Himalaja- Besteigungen eine, die mit einem gewissen Mangel an Sauerstoff und Komfort in der Höhenluft zusammen hängt: "Vielleicht ist die im Westen oft bewunderte Spiritualität der Einwohner im Himalaja gar nicht in erster Linie Zeichen besonderer Religiosität, sondern nur eine angepasste Introvertiertheit, mit der sich in extremen Höhenlagen gut überleben und zusammenleben lässt. Zivilisationsmüde Trekker ziehen ihren spirituellen Mehrwert gerade aus den Unwirtlichkeiten der Himalajaregionen, die den dort lebenden Menschen so zu schaffen machen - das ist das Paradox der Trostkulturen, die sich der Westen baut."
Nun hat jede religiöse und spirituelle Regung in ihren Untergründen den Charakter eines gewissen Trostes. Das gilt sicherlich auch für viele Anthroposophen, die sich gern in Trutzburgen ihrer eigenen argumentativen Kurzschlüsse einbunkern, sich auf "Missionen" zur spirituellen Erweckung begeben oder einfach irrtümlich Aussagen von Rudolf Steiner wie "Ja, aus dem Göttlichen ist dieser Mensch geboren*" persönlich nehmen. Und so hat mancher Zweigabend durchaus etwas, bei dem man den "Hauch von Unsterblichkeit" Einzelner ebenso wahrnehmen kann wie gewisse Symptome der Höhenkrankheit, die man sonst nur im Himalaja erlebt. Um Zivilisationsmüdigkeit, "angepasste Introvertiertheit" und verquere Selbstbilder zu erleben, muss man nicht weit reisen.
Hinzufügen muss man allerdings auch, dass "Trostkultur" nicht nur ein Kennzeichen spirituell orientierter Randgruppen ist. Getröstet werden auch die Extremen, die politisch Korrekten, die ewig Renitenten. Der Sinn dieser Tröstungen ist offensichtlich die Selbstvergewisserung. Insofern betreibt Frau Dribbusch, praktisch gesehen, genau das selbst, worüber sie sich lustig macht.

*Rudolf Steiner, "Inneres Wesen des Menschen", Wien, 9.4.1914
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Apples und andere Besucher

apple


In unseren Blog hinein finden zur Zeit nur etwa 7,5% Apple- Benutzer. Von den Windows- Usern dagegen benutzen immer noch sehr viele den berüchtigten Internet- Explorer 6. Das sind dann die, die bei mir anrufen, weil die Seitenleiste in der Darstellung verschwunden ist, die gesamte Komposition der Website zerstört erscheint oder ein Ausdruck unmöglich ist. Allerdings sind die Firefox- Nutzer bereits in der Mehrzahl. Auch auf Macs, übrigens. Das hauseigene Safari wird kaum genutzt. Es gibt tatsächlich auch damit spezifische Probleme- so sind eine Reihe von Markierungen nicht sichtbar. Das bedeutet, dass die Links als solche nicht zu erkennen sind. Seit Wochen haben wir treue Besucher mit einer IP- Adresse, die sie als Angehörige der amerikanischen Streitkräfte ausweisen. Seit einem kleinen China- Olympia Beitrag vom 1.4. in diesem Blog darf ich wöchentlich auch einige chinesische Besucher verzeichnen. Ist da der chinesische Zensor auf digitalem Kontrollgang oder haben wir dort tatsächlich anthroposophische Fans?
Wer mit dem Gedanken spielt, das System endlich zu wechseln und sich in die Riege der Macianer einzureihen, aber noch von den Kosten der Anschaffung zurückschreckt, könnte einmal einen Blick in den firmeneigenen Trödelmarkt Apples zu werfen. Dort finden sich die Rückläufer von aktuellen Bestellungen, die allesamt von Technikern generalüberholt sind. Daher haben diese Geräte volle Garantie, sind aber teilweise erheblich preiswerter. Die momentane Fülle von Angeboten weist aber auch darauf hin, dass bei Apple eine ganz neue Linie von Geräten kurz vor der Markteinführung steht- es sieht nach Ausverkauf aus.
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Die Olympische Farce

OlympcGames2008
Canaillo hat in seinem Blog noch schnell dieses überaus treffende Logo für die diesjährigen Spielchen bereit gestellt, um uns auf die Farce des Jahres einzustimmen. Nun sind wir ja durchaus dankbar, dass die Kalte-Kriegs-Antagonismen wie Links- Rechts, Demokratie-Diktatur, Osten-Westen, ja selbst SPD-CDU nicht mehr stimmig sind. Das neue Jahrtausend verschwimmt in seinen Kategorien - vor allem in den moralischen - bis zur Unkenntlichkeit. So reiht sich zwischen Demokratie und Diktatur zum Beispiel seit längerem der Begriff der gelenkten Demokratie- ein Euphemismus dafür, dass man ein offensichtlich diktatorisches Regime aus Opportunitätsgründen nicht mehr so deutlich benennen mag (schließlich zählen doch wirtschaftliche Interessen) und daher eben auf schwammige Nomenklatur ausweicht.

So schwammig reagiert vor allem das Internationale Olympische Komitee (IOC), mag China nicht ins Körbchen zu den Diktaturen legen, keilt aber in ganz unerwartete Richtungen aus. In der FAZ (26.3.2008, Seite 30, Sport) eiert der Vizepräsident Bach herum, die Olympische Charta schreibe "die politische Neutralität" vor. Die Athleten könnten sich zu China äußern wie sie wollten- allerdings: "Die olympischen Stätten müssen frei von jeder politischen Betätigung sein". Aha. Sollen die Athleten vor den Stadien demonstrieren? Wir sind da sehr gespannt auf die Reaktion der chinesischen Obrigkeit. Über Pressekonferenzen und die Möglichkeit, sich darin zu äußern, mag Bach nicht spekulieren. Er hält dies für "hypothetische Einzelfälle". Einschränkungen der Meinungsfreiheit und der Berichterstattung von Journalisten nennt Bach "bedauernswert". Das IOC mag Länder generell nicht gern "in Gut und Böse" einteilen. Das mögen wir alle nicht. Daher haben wir ja den Begriff der gelenkten Demokratie erfunden. Was nun die Menschenrechte betrifft, keilt Bach aus, gäbe es ja noch andere Kandidaten, die ein theoretischer Bann des IOC treffen könne: "Wie gehen sie dann mit einem Land um, das auf einem fremden Kontinent einen nicht von den Vereinten Nationen legitimierten Krieg führt, das die Todesstrafe verhängt und auf dessen Territorium aufgrund ausdrücklicher Intervention seines Präsidenten der Geheimdienst foltern darf?"

Herr Bach, solch ein Land würden wir boykottieren.
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Kinder, Glauben, Waldorfschule: Alles Birkenstock?

Ingo Bading präsentiert in seinem Blog umfangreiche Daten von Befragungen ehemaliger Waldorfschüler und Mitgliedern der Christengemeinschaft. Dabei kommen dann solche Interpretationen heraus: "Alle Daten deuten darauf hin, daß diese Menschengruppe der der Anthroposophie und den Waldorf-Schulen Nahestehenden viel weniger durch ein bestimmtes "Lehrgebäude" oder etwas ähnliches definiert ist, sondern eher durch ein Lebensgefühl, eine Welthaltung. Und zwar ist das eine Gemeinsamkeit, die eben doch eindeutig überkonfessionell ist. Ich kennzeichnete es schon ziemlich platt - aber, wie ich finde, immer noch treffend mit den Worten: "Öko, Öko, Öko, Birkenstock, Birkenstock, Birkenstock.""

Aber das ist ja nicht alles. Der Besuch von Waldorfschulen scheint dazu zu führen, später lieber selbst Kinder haben zu wollen: "Eine leicht überdurchschnittliche Geburtenrate insgesamt jedoch bei einem so überdurchschnittlich großen Anteil von Konfessionslosen muß mehr oder weniger zwangsläufig heißen, daß auch die Konfessionslosen unter den Waldorf-Schul-Absolventen eine Geburtenrate aufweisen, die deutlich über der sonstiger Konfessionsloser liegt und sich fast an konfessionell Gebundene annähert - -".

40% der Waldorfschüler werden später als Eltern zu Religionslosen: "Von den 692, die Kinder haben, gehören 60 % einer Religions- oder Glaubensgemeinschaft an und 40 % keiner." Aber die Verbundenheit zu Anthroposophie ist ein weiteres Kapitel: "In ihrer Verbundenheit gegenüber der Anthroposophie unterscheiden sich konfessionslose Ex-Waldorf-Schüler und christliche Ex-Waldorf-Schüler kaum. (1, S. 137) Aber die Daten dazu scheinen nicht sehr genau ausgebreitet zu sein. Einzige deutlichere Ausnahme: Die Mitglieder der Christengemeinschaft, die in der Regel eine hohe Verbundenheit mit der Anthroposophie aufweisen. Es muß also derzeit für mich noch ungeklärt bleiben, ob gerade diese Gruppierung - im Vergleich zu allen anderen Ex-Waldorf-Schülern - noch einmal besonders betont Christen oder nicht doch viel eher besonders betont Anthroposophen sind."

In dieser Manier sammelt und interpretiert Bading weitere dieser Daten. Wen´s interessiert..
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Kids with Camera

Das ist ein Projekt mit Kindern aus Kalkutta, deren Eltern Nutten, Zuhälter oder Dealer sind. Sie alle entstammen einem der Rotlichtmilieus von Kalkutta und haben keine Lebensperspektive.

kidacamera

Die Fotografin Zana Briski ist im Laufe ihrer Reportagen in diesen Milieus bei diesen Kindern hängen geblieben, hat eine TV-Reortage gemacht - und sie hat diese Kinder Fotografieren gelehrt. Auf dieser Website sieht man einige dieser Aufnahmen, aber auch die Kinder selbst. Die Fotos stammen aus der Wirklichkeit dieser Kinder. Zana Briski hat ihnen aber im Laufe der Zeit nicht nur internationale Ausstellungen geboten, sondern für einige auch eine reguläre Schulausbildung vermitteln können.
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Blogs

putzerfische

Blogs gehören natürlich zum Internet inzwischen dazu, und nicht nur das: Sie sind zu einer Kulturform geworden.

"Eine Studie des Singapore Internet Research Centre unter etwa 1200 englischsprachige Bloggern (Koh et al. 2005, S. 2ff) teilte die Blogs in zwei Kategorien ein: 73 Prozent der Befragten führten ein so genanntes personal Blog, 27 Prozent ein non-personal Blog. Die Blogger der zweiten Gruppe schreiben vor allem, um „zu kommentieren“ und „Informationen zu liefern“. Ihr Ziel ist zudem, ein möglichst großes Publikum zu erreichen. Auch soziodemographisch unterscheiden sich die beiden Gruppen: Non-personal-Blogger sind zum Großteil Männer, die eine höhere formale Bildung als Personal-Blogger haben. Außerdem haben sie im Schnitt mehr Leser, aktualisieren ihr Blog häufiger und verbringen mehr Zeit damit."Wikipedia

Wie auch in dem Artikel beschrieben wird, sind Blogs keineswegs einheitlich; ja, der Begriff ist eine rein technische Bezeichnung und trifft die zahlreichen Varianten kaum. Es kommt eben immer auf das an, auf was sich die Blogs fokussieren. Die einen dienen lediglich als Visitenkarte, konzentrieren sich auf eine Familie oder auch auf einen Ort. Es gibt manche, die richten ihr Interesse auf eine Firma oder eine Aufgabe, auf Organisationen und Institutionen. Und manche richten ihr Interesse eben auf Anthroposophie. Wenn ich ein Bild finden wollte dafür, würde ich diese Blogs als Putzerfische bezeichnen. Sie sind klein und unbedeutend, fressen dem Grossen, den sie umgeben, aber die Schmarotzer und das Ungeziefer vom Leib. Man möchte denken, so ein Blog sei unangenehm und seine Tätigkeit schädige den Grossen. Ihre Tätigkeit mag manchmal unangemessen wirken, aber im Grunde retten sie ihren Wirtsfischen das Leben, ermöglichen ihnen die Weiterentwicklung. Man sollte Putzerfische vielleicht nicht zu gering achten. Sie schwimmen im Schatten, sie rudern im Dunkel der Flossen ihres Herrn, sie schwimmen im Kielwasser. Ihre Funktion aber ist nützlich.

In unserem kleinen Blog ging es in zahlreichen kleinen Putzaktionen keineswegs um Ungeziefer. Insofern hinkt der Vergleich. Sehr wohl aber um Themen, die nach meiner Ansicht "in der Luft lagen" und die es verdienten, aufgegriffen zu werden. Am Anfang stand zum Beispiel die Atlantishistorie von Uehli (inzwischen staatsanwaltlich indiziert) mit hanebüchenen, rassismus- verdächigen Textstellen. Dann gab es etwa m die seltsame Physiognomik von Norbert Glas mit ihren noch seltsameren Aussagen über Mulatten und Nägelbeißer. Wir haben den anthroposophischen Sexdoktor, der in die Niederungen des Kleinen Männleins herunter steigt. Schließlich ging es längere Zeit auch um den Pfarrer Benesch und dessen unschöne SS- Vergangenheit. Nie aber hat ein Artikel so viel Polemik auch in thematisch verwandten Blogs hervor gerufen wie die um den amerikanischen Guru Cohen, von der sich erstmals eine Reihe von anthroposophischen Persönlichkeiten betroffen fühlte und auf die eine oder andere Weise ausdrückte, ich werfe lediglich mit Dreck. Bedenkenswert daran ist der persönliche Tenor der Vorwürfe einerseits. Bemerkenswert aber auch, dass die Aufregung gerade an einem nicht- anthroposophischen Autor so heftig entsprang. Vergleichbar nur mit dem Aufruhr, der durch einen polemischen Artikel über Aleister Crowley entstand. Die damaligen Kritiker entstammten allerdings absolut nicht anthroposophischem Kontext, sondern bestanden durchweg aus Personen und Gruppierungen, mit den man lieber keinen "integralen Dialog" führen möchte. Aus anderen Gründen wünsche ich für mich dies auch nicht mit Andrew Cohen zu tun. Nicht mehr als dies sagt ja ein Blog: Das gilt für mich, das ist meine Sicht. Dass man daran erinnern muss, ist auch bemerkenswert.
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Bei Kim ists ausgeIPODet

kim

Ja, nun ist es so weit. Das Embargo gegen unseren Lieblings- Schurkenstaaten beginnt zu greifen, wie das Handelsblatt berichtet. Und zuerst einmal werden keine iPods mehr nach Nordkorea geliefert werden. Aber wahrscheinlich toppt Kim noch locker den Spleen von Karl Lagerfeld, eigene Koffer mit Extra-Einschüben für seinen Mengen von iPods anfertigen zu lassen; Herr Lagerfeld bevorzugt für jede musikalische Richtung einen eigenen iPod. Herr Kim möglicherweise einen pro Song. Man weiss es natürlich nicht. Aber hart treffen wird es den Staat schon, wenn der Diktator außer seinen Frauen und seinem Fressen keinen Spass mehr hat. Was ist noch verboten? Cognac, Basketbälle, Caviar, teure Füller und Plasma- Fernseher. Alles Dinge, die in jeder Reisbauernhütte dort zum Standard gehören. Ein Volksaufstand ist bei diesem Embargo jedenfalls nicht auszuschliessen.
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