Peter Hammerschmidt, Umriss der zu erwartenden Arbeit über Klaus Barbie
11.Aug.2011 22:27 Uhr Abgelegt in:Nationalsozialismus | Hammerschmidt
„Intelligent, anpassungsfähig, verschwiegen und zuverlässig“ – so charakterisierte der Bundesnachrichtendienst seinen Agenten „ADLER“ in dessen Abschaltmeldung vom 14.03.1967.
Ein halbes Jahr – von Mai bis Dezember 1966 – hatte „ADLER“ in Diensten des westdeutschen Geheimdienstes gestanden und seine Vorgesetzten – für ein monatliches Salär von 500DM – mit Informationen über linksgerichtete Entwicklungstendenzen in Bolivien versorgt.
Bereits zwölf Jahre zuvor, im November 1954, war der deutsche Agent, der nun für den BND in Südamerika spionierte, vom Ständigen Militärgericht in Lyon aufgrund seiner während des Zweiten Weltkrieges begangenen Kriegsverbrechen zum dritten Mal (nach 1947 und 1952) in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden: Doch Klaus Barbie, dem „Schlächter von Lyon“, der sich in seiner Funktion als Gestapo-Chef zwischen 1942 und 1944 am Mord tausender Mitglieder der französischen Résistance schuldig gemacht hatte, gelang im Frühjahr 1951 unter dem Falschnamen „Klaus Altmann“ die Flucht auf der so genannten „Rattenlinie“ nach Übersee – das Resultat einer vierjährigen Protektion durch den amerikanischen Heeresgeheimdienst CIC (Army Counter Intelligence Corps): Als der „Eiserne Vorhang“ über Europa niederging, verschob sich in Anbetracht der globalen Gefahr eines sowjetischen Kommunismus die Definition nationaler Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten. Getreu der Devise „My Enemy’s Enemy is my friend“ rekrutierten U.S. amerikanische Geheimdienststellen vermeintliche Kommunismus-Experten des NS-Regimes; unter ihnen der wegen Kriegsverbrechen gesuchte Barbie, der trotz seiner Eintragung auf internationalen Fahndungslisten im April 1947 offiziell vom CIC angeworben und im weiteren Verlauf vor deutschen und französischen Ermittlungen protektiert wurde.
Erst als die französische Regierung ihre Auslieferungsbemühungen im „Fall Barbie“ zu Beginn der 1950er Jahre intensivierten, wurde den Amerikanern ihre „Hot Potato“ (wie Barbie in den Akten bezeichnet wurde) zu heiß: Barbie wurde mit Hilfe einer von der CIA initiierten Fluchtroute nach Bolivien geschleust, wo der „Schlächter“ auch weiterhin mit internationalen Geheimdienstbehörden – mit CIC, CIA, BND und dem Servicio Especial de Seguridad (SES) – in Kontakt stand: Die kontinuierliche Protektion eines Kriegsverbrechers, dessen NS-Vergangenheit weder Funktionsträger des CIC noch die des BND vor einer Rekrutierung zurückschrecken ließen. Stattdessen hielt der BND in der oben zitierten Abschaltmeldung über die ND-Eignung seines Agenten fest:
„Die aufgrund seiner Tätigkeit im letzten Krieg gemachten Erfahrungen, gereichten ihm für seine nachrichtendienstliche Mitarbeit zum Vorteil.“
Erst 1983 – 38 Jahre nach der Kapitulation Hitlerdeutschlands – sollte Barbie an Frankreich ausgeliefert werden.
1991 starb der „Schlächter von Lyon“ in seiner Gefängniszelle an Krebs.
Das anvisierte Dissertationsvorhaben erhebt den Anspruch, die Beziehungen zwischen Barbie und internationalen Geheimdienstbehörden erstmals umfassend auf Basis des mittlerweile zugänglichen Aktenmaterials in deutschen, französischen, britischen, bolivianischen und U.S. amerikanischen Archiven zu analysieren.
Im Mittelpunkt der Analysen stehen – vor dem Hintergrund der an die globalpolitischen Entwicklungen angepassten Sicherheitsinteressen der jeweiligen politischen Kulturen – die Motive des Fraternisierungstrends zwischen NS-Eliten und westlichen Geheimdiensten nach 1945.
_________________
(Peter Hammerschmidt, Website: http://peterhammerschmidt.jimdo.com/forschungen/dissertation/)
Ein halbes Jahr – von Mai bis Dezember 1966 – hatte „ADLER“ in Diensten des westdeutschen Geheimdienstes gestanden und seine Vorgesetzten – für ein monatliches Salär von 500DM – mit Informationen über linksgerichtete Entwicklungstendenzen in Bolivien versorgt.
Bereits zwölf Jahre zuvor, im November 1954, war der deutsche Agent, der nun für den BND in Südamerika spionierte, vom Ständigen Militärgericht in Lyon aufgrund seiner während des Zweiten Weltkrieges begangenen Kriegsverbrechen zum dritten Mal (nach 1947 und 1952) in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden: Doch Klaus Barbie, dem „Schlächter von Lyon“, der sich in seiner Funktion als Gestapo-Chef zwischen 1942 und 1944 am Mord tausender Mitglieder der französischen Résistance schuldig gemacht hatte, gelang im Frühjahr 1951 unter dem Falschnamen „Klaus Altmann“ die Flucht auf der so genannten „Rattenlinie“ nach Übersee – das Resultat einer vierjährigen Protektion durch den amerikanischen Heeresgeheimdienst CIC (Army Counter Intelligence Corps): Als der „Eiserne Vorhang“ über Europa niederging, verschob sich in Anbetracht der globalen Gefahr eines sowjetischen Kommunismus die Definition nationaler Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten. Getreu der Devise „My Enemy’s Enemy is my friend“ rekrutierten U.S. amerikanische Geheimdienststellen vermeintliche Kommunismus-Experten des NS-Regimes; unter ihnen der wegen Kriegsverbrechen gesuchte Barbie, der trotz seiner Eintragung auf internationalen Fahndungslisten im April 1947 offiziell vom CIC angeworben und im weiteren Verlauf vor deutschen und französischen Ermittlungen protektiert wurde.
Erst als die französische Regierung ihre Auslieferungsbemühungen im „Fall Barbie“ zu Beginn der 1950er Jahre intensivierten, wurde den Amerikanern ihre „Hot Potato“ (wie Barbie in den Akten bezeichnet wurde) zu heiß: Barbie wurde mit Hilfe einer von der CIA initiierten Fluchtroute nach Bolivien geschleust, wo der „Schlächter“ auch weiterhin mit internationalen Geheimdienstbehörden – mit CIC, CIA, BND und dem Servicio Especial de Seguridad (SES) – in Kontakt stand: Die kontinuierliche Protektion eines Kriegsverbrechers, dessen NS-Vergangenheit weder Funktionsträger des CIC noch die des BND vor einer Rekrutierung zurückschrecken ließen. Stattdessen hielt der BND in der oben zitierten Abschaltmeldung über die ND-Eignung seines Agenten fest:
„Die aufgrund seiner Tätigkeit im letzten Krieg gemachten Erfahrungen, gereichten ihm für seine nachrichtendienstliche Mitarbeit zum Vorteil.“
Erst 1983 – 38 Jahre nach der Kapitulation Hitlerdeutschlands – sollte Barbie an Frankreich ausgeliefert werden.
1991 starb der „Schlächter von Lyon“ in seiner Gefängniszelle an Krebs.
Das anvisierte Dissertationsvorhaben erhebt den Anspruch, die Beziehungen zwischen Barbie und internationalen Geheimdienstbehörden erstmals umfassend auf Basis des mittlerweile zugänglichen Aktenmaterials in deutschen, französischen, britischen, bolivianischen und U.S. amerikanischen Archiven zu analysieren.
Im Mittelpunkt der Analysen stehen – vor dem Hintergrund der an die globalpolitischen Entwicklungen angepassten Sicherheitsinteressen der jeweiligen politischen Kulturen – die Motive des Fraternisierungstrends zwischen NS-Eliten und westlichen Geheimdiensten nach 1945.
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(Peter Hammerschmidt, Website: http://peterhammerschmidt.jimdo.com/forschungen/dissertation/)
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