Rudolf Steiner

Grüße aus dem Devachan

devachankl
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Rudolf Steiners Einflüsse auf Kunst und Design

Von Regina Reinsperger

wolfsburg
In Kürze wird es eine Ausstellung des Vitra Design Museums in Weil am Rhein in Kooperation mit dem Kunstmuseum Wolfsburg und dem Kunstmuseum Stuttgart geben. Das Kunstmuseum Wolfsburg präsentiert vom 13. Mai bis 3. Oktober 2010 die Ausstellung: „Rudolf Steiner – Die Alchemie des Alltags“ und zeitgleich die Ausstellung „Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart“. Die Ausstellung wird dann vom 5. Februar bis 22. Mai 2011, also im Gedenkjahr zum 150. Geburtstag Rudolf Steiners im Kunstmuseum Stuttgart zu sehen sein und ab November 2011 im Vitra Design Museum.
Das Vitra Design Museum schreibt in seiner Ausstellungs-Ankündigung folgende lesenswerte Zeilen:

„ Rudolf Steiner gilt als einer der einflussreichsten und zugleich umstrittensten Reformer des 20. Jahrhunderts. Er gründete die Waldorf-Schulen und trat für ein ganzheitliches Menschenbild ein, das heute in vielen Formen unseren Alltag prägt – ob in Biokosmetik, einem gesteigerten Umweltbewusstsein oder in Produkten aus biologisch-dynamischer Landwirtschaft. Steiner inspirierte Künstler wie Piet Mondrian, Wassily Kandinsky oder Joseph Beuys, gilt als Begründer der „organischen Architektur“ und entwickelte selbst im Möbeldesign eine einzigartige Formensprache. Mit der Ausstellung „Rudolf Steiner-Alchemie des Alltags“ hat das Vitra Design Museum die erste große Retrospektive über diesen universellen Denker und Künstler realisiert.“

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Der selbstverliebte Mystiker

„Ein gut Teil Egoismus über dieses Leben hinaus kann uns so aus der Geisteswissenschaft erwachsen, und darin liegt eine Gefahr. So kann es geschehen, dass die in der Seele zu unrecht aufgefasste Geisteswissenschaft eine Versucherin werden kann, das ist die Verlockung der Geisteswissenschaft. Sie liegt in ihrem Wesen. (..) Wir können also beobachten, dass die Liebe auftritt zu etwas, was in uns selber ist.
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Der Mensch hat vielfach versucht, den Impuls der Liebe zu etwas, was in uns selbst ist, in einem höheren Sinne zu überbrücken. Wir finden zum Beispiel bei Mystikern das Bestreben, den Trieb der Selbstliebe im Sinne der Liebe zur Weisheit zu entwickeln und diese in einem schönen Licht erstrahlen zu lassen. Sie versuchen durch Vertiefung in das eigene Seelenleben in sich den Gottesfunken zu finden, ihr höheres Selbst als diesen Gottesfunken zu empfinden. (...)

Man interpretiert es nun so, weil man sich geniert, sich einzugestehen, dass man es doch nur selbst ist, dieser Geistessame.“

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Rudolf Steiner, Die Liebe und ihre Bedeutung in der Welt, Zürich, 17. Dezember 1912
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Sich mit den Fehlern des anderen Menschen liebevoll zu befassen

„Dasjenige, was der Menschheit einzig und allein Heil bringen kann gegen die Zukunft hin – ich meine der Menschheit, also dem sozialen Zusammenleben -, muss sein ein ehrliches Interesse des einen Menschen an dem anderen. Dasjenige, was dem Bewusstseinsseelen – Zeitalter besonders eigen ist, ist Absonderung des einen Menschen vom anderen. Das bedingt ja die Individualität, das bedingt die Persönlichkeit, dass sich innerlich ein Mensch von dem anderen absondert.

Aber diese Absonderung muss einen Gegenpol haben, und dieser Gegenpol muss in dem Heranzüchten eines regen Interesses von Mensch zu Mensch bestehen. Sie finden unter den elementarsten Impulsen, die angegeben werden (zur Geistesschulung), die Entwicklung einer Gesinnung zur Positivität. Die meisten Menschen der Gegenwart werden geradezu mit ihrer Seele umkehren müssen von ihren Wegen, wenn sie diese Positivität entwickeln wollen, denn die meisten Menschen haben noch nicht einmal einen Begriff von dieser Positivität.

Sie stehen von Mensch zu Mensch so, dass sie, wenn sie an anderen Menschen etwas bemerken, das ihnen nicht passt – ich will gar nicht sagen, das sie tiefer betrachten, sondern das ihnen von oben her betrachtet, ganz äußerlich betrachtet, nicht passt -, so fangen sie an abzuurteilen, aber ohne Interesse dafür zu entwickeln. Es ist im höchsten Grade antisozial für die zukünftige Menschheitsentwicklung, solche Eigenschaften an sich zu haben, in unmittelbarer Sympathie und Antipathie an den anderen Menschen heranzugehen.

Dagegen wird die schönste, bedeutendste soziale Eigenschaft der Zukunftsentwicklung sein, wenn man gerade ein naturwissenschaftliches , objektives Interesse für Fehler anderer Menschen entwickelt, wenn einen die Fehler anderer Menschen viel mehr interessieren, als das man sie versucht zu kritisieren. Denn nach und nach…wird sich der eine Mensch ganz besonders immer mehr und mehr mit den Fehlern des anderen Menschen liebevoll zu befassen haben.“

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Aus: Rudlof Steiner, „Geschichtliche Symptomatologie“ GA 185, Seite 96ff.
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Weihnachten

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„Im Winter aber, wenn die Schneedecke sich über die Erde breitet, wenn die vegetative Tätigkeit schlummert, da wissen wir, dass die höchsten göttlichen Wesenheiten, die da schaffend, wirkend, webend sind im kosmischen All, dass diese um uns sind, dass das höchste göttliche Leben, göttliches Bewusstsein in der Erde wirkt. So ist es, wenn es Winter ist, nicht, wenn es Sommer ist. Daher hat jenes alte Bewusstsein überall, wo es tätig sein konnte, jenes Fest, das andeuten soll, dass der Mensch sich vereinigt fühlt mit dem Geistigen der Erde, das Weihnachtsfest, in die Mitte des Winters gelegt.“

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Rudolf Steiner, GA 143, Seite157f
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Das Unsterbliche


„Der Mensch lebt zwar zwischen Geburt und Tod durchaus in dem, was in ihm sterblich ist, was in seinem Wesen vergänglich ist. Und man möchte sagen: nur leise und intim tritt auf dasjenige, was im Menschenwesen unsterblich ist, tritt der unsterbliche Teil zutage.

Ja, man kann sagen, so leise und intim tritt dieses Unsterbliche auf, dass im gewöhnlichen Leben die menschliche Seele nicht die Kraft, die Ausdauer, vor allen Dingen aber nicht in einem höheren Sinne entwickelte Aufmerksamkeit genug hat, um zu beobachten, was sich da intim und leise als das Unsterbliche in ihr ankündigt.“

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Rudolf Steiner, GA 64, Seite 259
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Tiefwinter

Ich bin ja jedes Jahr doch etwas darauf eingestellt und vorbereitet auf die speziellen Schwierigkeiten, die nach der Mitte des November entstehen und in der Adventszeit kulminieren. Ich meine damit gewisse Unwägbarkeiten, die unvermittelt aus Leuten, mit denen man im (Arbeits-) Zusammenhang steht, so heraus brechen können- manchnal in einer derart drastischen Art, dass man doch staunt. Hatten wir nicht eben noch einvernehmlich Absprachen getroffen- warum jetzt diese unverhältnismäßige Wut? Warum läuft eine Person, mit der man umzugehen hat, plötzlich offenkundig vor die Wand, schüttet ein Füllhorn von Attacken aus und redet sich um Kopf und Kragen? In der Zeit, wenn die Glöcklein an den Kränzen klingeln, werden nicht selten hektisch und sinnlos die Ellenbogen ausgefahren. Manchmal scheint die vorweihnachtliche vorgebliche Innigkeit wie eine Soße, die über dem nackten inneren Beben liegt. Natürlich sind nicht alle betroffen, natürlich sorgt man für Erklärungen: Depression wegen Lichtmangels, zum Beispiel. Vorweihnachtsstress.

Von Rudolf Steiner gibt es keine Erklärung, wohl aber eine Schilderung, die sich auf den antiken Menschen bezieht:

"Ebenso wie sich der Mensch in der Hochsommerzeit über sich hinausgehoben fühlte zu dem göttlich-geistigen Dasein des Kosmos, so fühlte sich der Mensch in der Tiefwinterzeit wie unter sich herunterentwickelt. Er fühlte sich gewissermaßen wie von den Kräften der Erde umspült, von den Kräften der Erde mitgenommen. Er fühlte so etwas, wie wenn seine Willensnatur, seine Instinkt- und Triebnatur durchsetzt und durchströmt wäre von Schwerkraft, von Zerstörungskraft und anderen Kräften, die in der Erde sind.

Das Frostige, das fühlen wir ja auch noch heute, denn das bezieht sich auf die Körperlichkeit, aber der alte Mensch fühlte seelisch als Begleiterscheinung des Frostigen das Dunkle, das Finstere. Er fühlte gewissermaßen, als ob sich überall, wo er ging, aus der Erde heraus das Finstere höbe und ihn wolkenförmig einschlösse, nur bis zur Körpermitte herauf allerdings. Er fühlte, wie wenn die Erde ihn in Anspruch nähme, wie wenn er umgarnt würde von den Kräften der Erde in bezug auf seine Willensnatur
." (GA 223, Seite 78f)

In diesem Zusammenhang spricht Steiner in bezug auf den tiefen Winter von einer regelrechten "Versuchung". Mag sein, dass uns das heute als übertrieben erscheint. Aber ein wenig antik sind wir, scheint mir, doch noch.
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Porträt

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"Einen Menschen seinem Ich nach unmittelbar, wie er in der Wirklichkeit drinnensteht, schildern, porträtieren, gibt keine Kunst. Der Künstler muß mit dem Ich einen Prozeß machen, wodurch er dieses Ich aus der Spezialisierung heraushebt, in der es heute im Erdenprozesse lebt, er muß ihm eine allgemeinste Bedeutung verleihen, etwas Typisches geben. Das tut der Künstler ganz von selber. Die Veränderungen, die da der Künstler vornimmt mit dem, was da ist, die sind ein gewisses Zurückführen zur Verlebendigung der Sinne."

(Rudolf Steiner, GA 170, Seite 150)
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Der tief in die Materialität gestiegene Leib des Mannes

Wann ist man ein Mann?

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„Wie die Frauenform nicht bis zu dem normalen Punkt heruntergestiegen ist, um den entsprechenden Geist in der Materie auszudrücken, sondern sich auf einer früheren Stufe kristallisiert hat, so hat der männliche Leib den normalen Punkt übersprungen und ist gerade so weit darüber hinausgegangen, als die Frauenform davor stehengeblieben ist.

Daher ist der männliche Leib tiefer heruntergestiegen in die Materialität, als es das normale Verhältnis gewesen wäre, und stellt das auch schon in seiner äußeren Gestalt dar. So stellt der Frauenleib eine ins Geistige, der männliche Leib dagegen eine ins Materielle verzeichnete Gestalt dar. Die wahre Gestalt würde in der Mitte liegen.“

Rudolf Steiner, GA 116, Seite 109f
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Der "geistige" Frauenleib

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„Die Frau hat, als die Einheit (der Geschlechter) in die Zweiheit trat, einen physischen Leib sich herausgebildet, der nicht vollständig aus der früheren Gestalt in die, wenn wir so sagen können, normale materielle Gestalt übergegangen ist, (daher) ist der Frauenleib auf einer geistigeren Stufe stehen geblieben. Er ist zwar materiell, dicht geworden, aber er hat in dieser Materialität eine frühere, geistigere Gestalt festgehalten.

Der Frauenleib hat gleichsam zurückgehalten eine frühere geistige Gestalt, ist nicht vollständig in die Materie hinuntergestiegen. Das ist er zwar in Bezug auf das Materielle, aber nicht in bezug auf die Form. Daher ist für den, der die Tatsachen des Lebens wirklich empfindet, oder imaginativ erkennen kann, der menschliche Frauenleib nur in bezug auf Kopf und Gliedmaßen einigermaßen eine wahre Gestalt, ein Ausdruck seines ihm zugrunde liegenden Geistigen, das heißt nur in Kopf und Gliedmaßen drückt sich etwas aus, was als materielle Erscheinung dem dahinter liegenden Geistigen ähnlich ist.“ (Rudolf Steiner, GA 116, Seite 108)

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Der "wirkliche Geistesforscher"

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„Dasjenige, was besonders geeignet macht, in die wirkliche geistige Welt einzudringen, das ist Regsamkeit des Geistes, das ist Aktivität des Geistes, das ist ein gewisser Eifer in dem Verfolgen wirklicher Gedanken, in dem Sichüben an Herstellung von Verbindungen entfernt liegender Gedanken, das ist eine gewisse Regsamkeit in schnellem Ergreifen von Gedankenzusammenhängen, das ist eine gewisse Liebe zur inneren geistigen Aktivität.

Zwischen einer medialen Veranlagung und der Veranlagung für wirkliches geistiges Erkennen ist ein Unterschied wie zwischen Tag und Nacht. Das ist die eine Bedingung, die besonders erfüllt werden muß, wenn wirkliches geistiges Forschen möglich sein soll. Eine andere Bedingung ist die, daß die Seele eines wirklichen Geistesforschers möglichst wenig zugänglich sein darf für Suggerierbarkeit, daß sie möglichst skeptisch, möglichst kritisch gegenüberstehen muß auch den Dingen des äußeren Lebens.

Der wirkliche Geistesforscher wird es mit Freude erleben, daß gerade diejenigen, die ihm nahetreten, über kurz oder lang auch ihm gegenüber zu einem selbständigen Urteil, zu einer gewissen inneren Freiheit kommen, und daß sie nicht durch blinde Anhängerschaft, durch Suggerierfähigkeit sich zu ihm halten, sondern durch die gemeinsamen Interessen gegenüber der geistigen Welt.“

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Rudolf Steiner, GA 67, Seite 219ff
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Regina Reinsperger: Rudolf Steiner und die Sonnenenergie

„….Man kann ja hoffen, dass man, wenn die Erde einmal sehr arm wird an Kohle, direkte Sonnenwärme durch irgendeine Umwandlung wird zum Heizen benutzen können; aber heute geht das eben noch nicht, dass man Sonnenwärme unmittelbar zum Heizen benützt. Es wird vielleicht gar nicht mehr lange dauern, so wird man darauf kommen, wie man es machen kann….“ - sagte Rudolf Steiner am 24. Oktober 1923 in einem Vortrag vor den Arbeitern des Goetheanum-Bau in Dornach.

Für „den gläubigen Anthroposophen“ ergibt diese Stelle, dass Rudolf Steiner die Solartechnik hellsichtig vorausgesehen hat. Hat er das wirklich? Dazu ein wenig Geschichte der Solartechnik bis ca. 1920 ganz kurz gefasst und ohne Anspruch auf Vollständigkeit

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Mein iPhone und sein Dämon

Nun ja, zu Rudolf Steiners Zeiten beeindruckte Technik vor allem durch Grösse, Schnelligkeit und reine Effizienz am industriellen Arbeitsplatz. In einer sehr fernen Zukunft, meint Steiner, werden wir noch auf ganz andere Weise für diese Technik zu zahlen haben: Sie wird sich, „lebendig“ geworden, gegen uns wenden:
„Schaut Euch die riesenhaften Maschinen an, welche die menschliche Technik heute mit allem Scharfsinn konstruiert! In ihnen schafft sich der Mensch die Dämonen, die in Zukunft gegen ihn wüten werden. Alles, was der Mensch heute an technischen Apparaten und Maschinen sich erbaut, wird in Zukunft Leben gewinnen und sich dem Menschen in furchtbarer Weise feindlich entgegenstellen.“
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„Riesenhaft“ ist mein iPhone nicht gerade, wenn man es für sich betrachtet. Es ist ein etwas fettes und schweres Handy mit zahlreichen Organizer- Funktionen. Es ermöglicht mir, Termine, Adressen, Fotos, Musik, Lieblingsfilme, Dokumente, Navigation, Wecker und was noch zu meinem Alltag gehören mag, mit mir herum zu tragen. „Riesenhaft“ ist es dennoch aus zwei Gründen. Zunächst ist es durch „Apps“ (Mini- Applikationen) auf denkbar leichte Weise zu erweitern. Es gibt Zehntausende davon. Praktisch ist z.B. eine App wie AroundMe, die sofort und überall Apotheken, Parkplätze, Restaurants usw. um mich herum anzeigt und mich auf einer Karte auch hinführt. Das iPhone ist eine wunderbare Allrounder- Maschine, die auf denkbar kleinstem Raum ziemlich beliebig erweiterbar ist.

„Riesenhaft“ ist das iPhone aber auch deshalb, da es ja Teil des globalen Netzwerks ist und überall Zugang zu Emails und Internet hat. Es ist insofern nur eines von Millionen Endgeräten, die an diesem Netzwerk partizipieren. Die Maschine, der Apparat ist eigentlich nicht das iPhone, sondern das Netz zwischen den Geräten- seien es Computer, Handys, Navigationsgeräte oder eben ein Zwitter wie das iPhone.

Die Apparate, von denen Rudolf Steiner sprach, waren Dinosaurier der Mechanik. Was wir heute vor uns haben, ist eine Art weltweites neuronales Netzwerk, eine mechanisierte, dynamische, globalisierte Intelligenz. Natürlich hat mein iPhone z.B. auch einen direkten Zugang zu Wikipedia. Es hat Zugriff auf das wachsende lexikalische Wissen. Der kleine Dämon in meiner Hand hat eben einen mächtigen Schatten.

Im Gegensatz zu Steiners Vorstellung von Technik als etwas, was nur „nach dem Nutzen“ entwickelt wird und keinesfalls danach, ob „etwas schön und edel“ ist, erscheint mir das iPhone als das alles zugleich. Es ist sicherlich auch ein schönes und edles Gerät. Das Bedürfnis, am wachsenden globalen „Mind“, einer technischen Weltmaschine teilzuhaben, aber auch selbst aktiv daran mitzuwirken, wird durch dieses angenehme und praktische Gerät eben auch auf ästhetische Art befriedigt. Heute entzünden sich rationale Zweifel an dieser Technik an konkreten Fragen danach, ob und wie weit man dann auch überall zu orten ist und in wie weit man seine persönliche Daten, die man mit sich herum trägt, denn auch noch schützen kann. Es gibt auch noch einige Zweifel, was man alles, wenn man die Dinge technisch löst, selbst verlernt. Meine Generation ist z.B. noch mit Karten aufgewachsen. Meine Generation hat sich in Bezug auf die Orientierung Vorstellungen gebildet. Wer nur diese winzigen Ausschnitte auf einem iPhone-Display und die verbalen Anweisungen der Navigationssysteme kennt („Halten Sie sich rechts“), entwickelt solche Orientierung natürlich nicht mehr. Die entsprechenden Hirnareale werden faktisch arbeitslos. Wie abhängig wollen wir uns machen?
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Das melodiöse Empfinden

„Das melodiöse Erleben ist dasjenige in der Menschennatur, welches den Kopf des Menschen dem Gefühle zugänglich macht. Der Kopf des Menschen ist sonst nur dem Begriffe zugänglich. Sie schieben gewissermaßen durch die Melodie das Herz in den Kopf. Sie werden in der Melodie frei, wie sonst im Vorstellen. Das Gefühl wird abgeklärt, gereinigt. Es fällt alles Äußere von ihm fort, aber zu gleicher Zeit bleibt es durch und durch Fühlen.“
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Rudolf Steiner, Gesamtausgabe 283, Seite 138
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Blüte & Schmetterling

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Wenn man in Steiners Gesamtwerk etwas passendes zu warmen Sommerabenden sucht, empfiehlt sich vielleicht der Vortragszyklus „Der Mensch als Zusammenklang des schaffenden bildenden und gestaltenden Weltenwortes“ an. Denn hier geht es um die Natur im weitesten Sinne, um Korrespondenzen zwischen Mensch und Tier, Tier und Pflanze - und vor allem um eine konkrete Poesie, eine eigentlich von Steiner geschaffene neue Kunstform, die eine Imagination der geschaffenen sinnlichen Welt darstellt. Nehmen wir als Beispiel eine kurze Textstelle, in der es um die Schmetterlinge geht:

„Was Sie nun hier haben unter dem Einfluss des außerirdischen Kosmos, diese ganze Entwickelung vom Keim durch Raupe, durch Puppe zum Schmetterling, das können Sie nun da verfolgen: Indem der Same irdisch wird, der Erde anvertraut wird (...), entwickelt sich die Pflanzenwurzel, das erste, was aus dem Keim entsteht.

Und statt dass die Raupe kriecht in den Kräften, die vom Mars ausgehen, entsteht das Blatt, das in Spiralstellung herauf kriecht. Das Blatt ist die unter den irdischen Einfluss gekommene Raupe. Sehen Sie sich die kriechende Raupe an, dann haben Sie dasjenige, was im Oberen entspricht dem Unteren, dem Pflanzenblatte, das sich herausmetamorphosiert aus dem, was Wurzel geworden ist durch den Samen, der aus dem Sonnenbereich in den Erdenbereich versetzt worden ist.

Gehen Sie weiter hinauf, dann haben Sie, zusammengezogen immer mehr bis oben, wo der Kelch ist, dasjenige, was Puppe ist. Und endlich entwickelt sich der Falter in der Blüte, die ebenso farbig ist wie der Falter oben in den Lüften. Der Kreislauf ist geschlossen.
Wie der Schmetterling sein Ei legt, so entwickelt sich in der Blüte wiederum der Same zu dem Künftigen. Sie sehen: wir blicken hinauf in die Luft zum Schmetterling, wir verstehen ihn als die in die Luft erhobene Pflanze.“ (S. 72)
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Der lebendige (wahre, tolle, ewige) Rudolf Steiner

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Mieke Mosmuller hat ihre eigene Art, Denkmäler zu bauen. In „Der lebendige Rudolf Steiner“ baut sie eines für Rudolf Steiner. Man sollte meinen, davon seien in den letzten 100 Jahren genügend erschienen. Aber dies ist nun halt das vorerst ultimative, denn die Erkenntnisse Mieke Mosmullers basieren auf dem „reinen Denken“. Sie erklärt in dem Buch nicht genau, worum es sich dabei handelt. Es handelt sich aber offenbar um eine ganz bestimmte meditative Qualität, die sie um die gefühlten 50 Mal erwähnt, stets mit dem Anspruch einer gewissen geistigen Objektivität. Nach eigenem Bekennen hat Frau Mosmuller „1983 mit dem Lesen der Bücher und Vorträge Rudolf Steiners angefangen“, 1987 dann „überkam mich das erste Mal die Erfahrung des reinen Denkens“.
Überkam?

Ich selbst benutze den Begriff auch- in dem Sinn, dass damit die meditative Erfahrung schlechthin angesprochen wird. Es sind Evidenzerlebnisse dabei möglich, eine automatisierte Objektivität verbinde ich damit nicht. Frau Mosmuller versteht ihre Erfahrungen als derart essentiell, dass damit eine ganz neue, umfassende Annäherung an Rudolf Steiner selbst möglich wird. Heraus kommt allerdings eine keineswegs originelle Arbeit mit neuen Einsichten, sondern eine Devotionalie, die manche der zahllosen Vorgänger locker in den Schatten stellt.

Mosmuller beginnt mit dem Referieren gängiger Vorurteile gegen Steiner. Dem stellt sie ein anderes, „erwärmtes“ Lesen der Arbeiten Steiners gegenüber. Sie grenzt sich gegenüber Anthroposophen ab, die Steiner blind verehren, aber vor allem auch gegen solche, die Teilaspekte aus seinem Werk heraus gliedern, um etwa die christlichen Aspekte seines Werks zu leugnen. Auch kritische „Spötter“ unter den Anthroposophen finden nicht ihre Zustimmung. Selbst ernannte „neue Eingeweihte“ wie Judith von Halle sieht Mosmuller mit grosser Skepsis. Ihre „Begeisterung“ für den „einzigartigen“ Rudolf Steiner wird von keiner der genannten Strömungen adäquat geteilt. Mosmuller bemüht sich, mit ausführlichen Zitaten die Grösse des „eingeweihten“ Steiners zu beweisen und kommt von nun an, in sich steigerndem Furor, immer wieder auf die genannten Gruppierungen innerhalb der Anthroposophie zurück. Insbesondere die Gruppe um die Info3- Redaktion wird namentlich genannt. Dass der alberne Herr Gronbach seine Erleuchtungen auch vor dem Computerbildschirm erfährt, erwähnt Mosmuller immer wieder. Dabei bleibt es aber nicht. Auch die anthroposophische Gesellschaft an sich, schreibt Mosmuller, sei „seit 1925 eine Mumie“. „Anthroposophie“ sei seitdem zu einem „Ungeheuer“ geworden, das lediglich „wie Gift wirkt“- ein „Nichts“, das erfüllt sei „mit Ahriman und Vernichtung seines Erzfeindes: Rudolf Steiner“.

Abschnittweise, sprunghaft und äußerst subjektiv geht Mosmuller durch die Lebens- und Schaffensperioden Steiners durch. Die bekannten Konflikte zu seinen Lebzeiten nehmen breiten Raum ein. Es soll bewiesen werden: Eine innere Opposition hat sich schon zu Lebzeiten Steiners positioniert und ist sofort nach seinem Tod vollends zutage getreten. Das ist natürlich völlig offensichtlich und benötigt keine 50 Seiten Anlauf. Natürlich - so Mosmuller- habe sich Rudolf Steiner nicht karmisch mit der Anthroposophischen Gesellschaft verbunden. Im Grunde sei in ihr von ihm keine einzige Spur mehr zu finden.

Um dieses Manko zu beheben, setzt sie dem ihre „Beziehung zum lebendigen Rudolf Steiner“ entgegen. Diese sei nur durch das „reine Denken“ zu finden, das damit implizit über jeden Zweifel erhaben sei: „Da gibt es keinen Zweifel mehr, da gibt es reines Denken“. Dies obwohl sie zwei Seiten später (S. 127) selbst zugibt: Das reine Denken habe „noch nicht die Möglichkeit, rein Geistiges außerhalb seiner selbst zu erkennen“. Es müsse erst durch eine „Ohnmacht“ hindurch gehen. Der Individualität Steiners will sie sich aber dennoch jetzt annähern, indem sie lange Zitate von Aristoteles, Thomas von Aquin und Steiner aneinander reiht. Das hätte eine schöne Arbeit werden können, wenn sie nicht von vornherein die Absicht gehabt hätte, mittels gewisser Übereinstimmungen eine Karma- Reihe dieser Entelechie „zu beweisen“ oder dem Leser eben zu suggerieren. Die ganze dünne Essenz dieser verkrampften, uninspirierten Bemühungen ist die Erkenntnis, dass wir heute, wenn wir „über ihn denken wollen, (..) ihn noch viel größer zu sehen wagen (müssen), als er als Rudolf Steiner war. Denn er ist nicht mehr „Rudolf Steiner“, kein Mann, keine Frau. Er ist das Wesen, das die menschliche Intelligenz retten muss, sie für die Götter erhalten muss.“ (S. 163)

Es ist erstaunlich, dass ein Buch wie dieses, das die menschliche Intelligenz zu retten sich kämpferisch anhebt, das sich prallvoll von „reinem Denken“ als Prinzip und Methode gibt, derart konventionelles, völlig uninspirierendes Wortgestrüpp produziert, das allenfalls dazu taugt, Heiligenbildchen wie in Lourdes zu prägen und eine trunkene Anhängerschaft zu schaffen. In mancher Hinsicht hat die Frau ja recht. Es finden sich in manchen ihrer Diagnosen, auch in der (bei ihr lediglich behaupteten) Kraft des reinen Denkens, die ich ihr nicht absprechen möchte, interessante Ansätze. Aber ihre mangelnde Systematik, ihr Furor, ihre blossen Behauptungen und die Tatsache, dass sie vollkommen gängige, konventionelle Einstellungen zu Rudolf Steiner, die etwa die Hälfte aller Anthroposophen durchaus kennen und oft auch teilen, zu einmaligen, neu geschöpften Erkenntnissen aufbläst, schaffen ein seltsam irreales, altbackenes und devotes Büchlein, das keinen frischen Wind aufkommen lässt, sondern eine bleierne Müdigkeit hinterlässt.

Falls nun Herr Niederhausen und die anderen Anhänger von Frau Mosmuller mich als satanischen Kritiker einstufen sollten, auf einer Stufe mit den Herren Hau, Gronbach und Heisterkamp, muss ich das wohl hinnehmen. :-) Überflüssig ist das Buch trotzdem.
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Durchgangsstation

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Die Anthroposophie war ja nun immer in einer schwierigen Position. Unter Theosophen und aus theosophischen Weltbildern entwachsen, ohne deren Vokabular je ganz abzulegen, hatte es Anthroposophie schwer, im brodelnden, gewalttätigen, aber auch enorm verdichteten, evolutionären 20. Jahrhundert ernst genommen zu werden. Die alten Zöpfe hängen, ellenlang, immer noch über dem dünkelhaften alten Rock. Inmitten weltweiter gesellschaftlicher, technischer, wirtschaftlicher Umbrüche beschäftigt sich die Anthroposophische Gesellschaft nach wie vor am liebsten mit sich selbst. Selbst die grossen Redner und Autoren in dieser Nische sind in den 80er, 90er Jahren des letzten Jahrhunderts allmählich abhanden gekommen, die Tochtergesellschaften und -organisationen gewannen zwar eine gewisse gesellschaftliche Anerkennung, emanzipierten sich aber auch so weit von der spirituellen Mitte ihrer Mutter, dass mancherorts eher Widerwillen herrscht, wenn die örtlichen Zweige (wegen Geldmangels) in den Räumlichkeiten der Schulen, Kindergärten und Heime tagen möchten.

Ein tiefes Misstrauen herrschte nach der teilweise vollzogenen Emanzipation von den theosophischen Spökekiekern gegenüber allem, was Anthroposophen unter „atavistischen hellseherischen Fähigkeiten“ (Rudolf Steiner in „Wie erwirbt man sich Verständnis für die geistige Welt“, GA 154, S. 25) einzuordnen beliebten. Dies um so mehr, als Anthroposophie in vielen gesellschaftlichen Kreisen ihrerseits genau unter dieser Rubrik subsumiert und abgelehnt wurde. Diese Einordnung von außen und die Abgrenzungen nach innen haben die anthroposophische Bewegung nun schon hundert Jahre lang zermürbt. Vielleicht ist es das, was eine breitere kulturelle Akzeptanz verhindert hat: Die dauernde Verteidigungshaltung, die ständige Selbstreinigung und Abgrenzung.

Heute, 2009, steht die Bewegung, wie die „medienstelle anthroposophie“ berichtet, aufgrund des ständigen Mitgliederschwundes und der zunehmenden Überalterung, vor ernsthaften finanziellen Problemen: „Dem erheblichen Finanzbedarf steht dabei eine seit Jahren schwindende und stark überalterte Mitgliedschaft der Anthroposophischen Gesellschaft gegenüber. Mit knapp 46.000 Mitgliedern weltweit (davon ca. 16.000 in Deutschland) ist deren Zahl derzeit wieder auf den Stand von 1989 gesunken. Eine Einrichtung wie das Goetheanum brauche aber die doppelte Mitgliederzahl, um überleben zu können, war aus dem Vorstandsumfeld zu hören. Angesichts dieser Lage konfrontierte der Vorstand die Mitgliedschaft mit drastischen Einspar-Szenarien: Abschaffung der Bühne, Einstellung einzelner Institute oder starke Reduzierung des Veranstaltungsbetriebs seien einige der Optionen.“

Auch die Besucherzahlen auf der Mitgliederversammlung selbst erreichte dieses Jahr mit „nur 300 Mitgliedern ... einen historischen Tiefstand“. Als einen kleinen Teil solcher Auflösungs- oder zumindest Krisenerscheinungen sehe ich seit langem anbiedernde Versuche wie die von Info3 und deren Redakteur Sebastian Gronbach, sich spirituellen Walli-Walla-Strömungen anzunähern und damit den Salto mortale rückwärts in die theosophische Ära zu vollziehen. Aber tragfähige neue Konzepte sind zugegebenermaßen rar und von vielen der verbliebenen Anthroposophen ja auch gar nicht erwünscht. Man macht es sich lieber heimelig mit neo-katholizierenden spirituellen Randerscheinungen wie Judith von Halle.

Steiner selbst kam es darauf an, dass die „geisteswissenschaftliche Strömung“ (die anthroposophische Bewegung) bewirken solle, zumindest „einen gewissen Kreis von Menschen“ zu gewinnen, der davon überzeugt sei, dass „in der Gegenwart Geisteswissenschaft auftreten“ muss, „denn man muss durch die Geisteswissenschaft durchgehen, man muss durch das Verständnis der Geisteswissenschaft durchgehen, um weiterzukommen“ (Rudolf Steiner, dito). Diese Formulierung „Durchgehen“ mag - ich verstehe das jetzt mal so- auch als ein gewisser Trost angesehen werden. Die anthroposophische Bewegung, wie wir sie heute kennen, ist eben eine Durchgangsstation, eine singuläre Erscheinung, ein Transit. Die Dynamik von Steiners Werk wird die Krise der Erscheinungsform überstehen. Immerhin hat das Werk das schreckliche 20 Jahrhundert überlebt, ohne komplett von der Bildfläche zu verschwinden. Die Provinzialisierung ihrer Gesellschaft, der kommende weitere Rückbau von Institutionen ist vielleicht - hoffentlich- der Beginn von neuen Erscheinungsformen und auch einem neuen Selbstverständnis. Die ewige Abgrenzung, Selbstzerfleischung und Fragmentarisierung in sich selbst beglückende Kleinstgrüppchen wird so oder so ein Ende haben müssen.
Aber Anthroposophie neu zu denken, ohne ihren Kern zu verraten, wird in naher Zukunft in Ermangelung tragfähiger Konzepte sicherlich weiterhin eine Herausforderung sein.
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Der Wind der Erzengel

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„Also die Archangeloi können Sie zum Beispiel nicht in irgendeiner Wassermasse daherbrausen fühlen ihrem physischen Leibe nach, sondern Sie können sie nur in Wind und Feuer wahrnehmen, und zu diesem dahinbrausenden Wind und zu diesem Feuer müssen Sie also hellseherisch in der geistigen Welt das geistige Gegenstück suchen. Das ist nicht mit seinem physischen Leib auch nicht einmal mit seinem Ätherleib vereint.“

Rudolf Steiner, GA 110
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Schicksalsergebenheit

Schicksalsergebenheit ist eines der Dinge, die ich schlecht kann. Für Rudolf Steiner war das einer der Grundpfeiler geistiger Entwicklung. Er erwartete sogar Dankbarkeit gegenüber dem Leben im weitesten Sinne: „Und es ist viel für das Leben, wenn diese Dankbarkeit für das Erdendasein in die menschliche Seele einzieht. Diese Dankbarkeit tritt bei gewissen Seelenvertiefungen immer ein, wenn man nicht aus der Emotion heraus, sondern aus der reinen Seele heraus das Leben beurteilt.“ („Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge. Band V“)

Ja, die reine Seele. An der wird es immer gemangelt haben. Ich bin einer von denen, bei denen die ganze Versammlung lacht, wenn ich dazu komme, zu gestehen, dass ich mich eigentlich für sehr schüchtern halte. Ich bin einer von denen, von denen man meint, dass sie nach Macht und Einfluss verlangen, aber es kommt nie dazu. Man kann willensstark, aber dennoch völlig unfähig zu jeglicher Karriere sein. Es reicht schon, wenn man Seilschaften nicht pflegen kann oder mag. Oder wenn man Intrigen nicht rechtzeitig zu wittern vermag. Bei mir reichte es eigentlich schon, dass ich solche Intriganten ekelhaft finde. Aber es ist sicherlich nicht förderlich, wenn man schon diese einfachen Mittel zur Karriereplanung lieber ausschlägt.

Ich habe Dinge aber nie einfach geschehen lassen, sondern wollte sie immer zumindest mit gestalten, wenn nicht beherrschen. Ich lernte aber wenigstens irgendwann, dass man nicht zu viel wollen darf, weil man sonst endlose Widerstände hervor ruft. Wenn man etwas erreichen will, muss man warten können.

Ich wollte oft, griff aber dabei auch oft daneben. In meiner Ausbildungszeit setzte ich alle Hebel in Bewegung, um nicht an die mir zugewiesene Schule, sondern an einen anderen Typ zu kommen. Das gelang dann auch. Die Ausbildung wurde aber ein Alptraum, weil ich dort ein völliger Fremdkörper blieb. Man setzte mir richtig zu- etwa, als man meine Waldorf- Sympathien entdeckte. Aber es gab viele Gründe, sich hier nicht wohl zu fühlen. Die mir ursprünglich zugewiesene Ausbildungsschule habe ich später einmal besucht. Natürlich fühlte ich mich dort sofort gut aufgehoben. Man merkt in Fachgesprächen schnell, ob es wenig oder viel Mühe macht, sich zu verständigen. Manchmal geht es auch fast gar nicht. Am Ende ging die Sache gut aus, aber ich hatte daran zu knabbern: Hätte ich nicht eingegriffen, wäre es deutlich leichter gegangen.

Ja, ich opponierte gerne. Nie über die Grenzen des Konstruktiven hinaus, aber prinzipiell schon viel. Wenn dann tatsächlich die üblichen Nackenschläge kommen ( etwa die Trias Pleite - Scheidung - Krankheit), kann diese Opposition-gegenüber-dem-Leben etwas Prinzipielles bekommen- etwas, das zum Problem werden kann. Ich denke, dass wir konstitutionelle Oppositionelle sind. Einfach deshalb, weil wir uns der Tatsache bewusst sind, sterbliche Wesen zu sein. Die Opposition gegenüber dieser Tatsache bildet uns erst als Individuen aus. Sie bringt erst die Blüte unserer Kulturschöpfungen und individuellen Leistungen hervor. Aber die Opposition ist etwas, an dem man letztlich natürlich scheitert. Der Abgott unseres Individualismus zerbricht nun einmal letztlich an der Tatsache, dass wir vergänglich sind.

Vielleicht ist es eine Form von Zermürbung- ich bin nicht sicher. Vielleicht ist es auch eine spirituelle Einsicht: Ich versuche mich etwas mit dem Leben, so wie es auf mich zu kommt, anzufreunden. Die Dinge wirklich anzunehmen, wie sie sind. Das Beste aus Situationen machen, aber aus dem heraus, was notwendig ist, nicht aus dem, was man sich vorher vorgenommen hat. Es gibt sogar soziale Techniken dazu, die in sozialen Arbeitsfeldern trainiert werden. Letztlich steht man aber immer wieder vor dem Improvisieren. Es ist dann eine Frage der inneren Haltung: „Starke Duldsamkeit“, „Willensfreie Aufmerksamkeit“ oder ähnliche absurde Bezeichnungen wären treffend. Manchmal geht das sogar in ausgesprochen schwierigen Situationen und vor wichtigen Entscheidungen gut. Hinterher, wenn man es ausbaden muss, wird es vielleicht wieder schwieriger mit der „Dankbarkeit für das Erdendasein“.

Ich arbeite daran.
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Das Hören einer Symphonie

„Und der Ton, der lebt eigentlich im ganzen Organismus. Der Ton lebt uns. Der Ton lebt nicht nur im Ohre, das Ohr ist nur ein Wahrnehmungsorgan für den Ton. Indem wir einen Ton erleben, erleben wir ihn mit dem ganzen Organismus. Eine Symphonie erleben wir immer mit dem ganzen Organismus.

Wenn wir einem Musikstück zuhören, so ist eigentlich der innere Vorgang der folgende: Wir versetzen unseren ganzen Atmungsprozess in eine ganz bestimmte Rhythmik, in ganz bestimmte musikalische Vorgänge, die eben durch die Komposition veranlasst werden. Diese Gestaltungen unseres luftförmigen Inneren schlagen an die Formen des Gehirns an; wie sie da zurück gestossen werden, das gibt uns den musikalischen Eindruck. Es ist eigentlich immer ein Abtasten des Lichtes durch den Ton.“

Rudolf Steiner, Das Sonnenmysterium und das Mysterium von Tod und Auferstehung, GA 246, Dornach, S. 98
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Religion & Folklore

„Nun leben wir aber (…) gegenwärtig in einem Entwickelungszyklus des menschlichen Werdens, in welchem die Menschen gleichsam mündig werden sollen so, dass nicht mehr in der alten Weise die Religionsstifter auftreten werden und an den Glauben der Menschen appellieren werden. Das sind vergangene Zeiten, obwohl selbstverständlich diese alten Zeiten in unsere Gegenwart hereinragen und gegenwärtig nur angefangen werden kann mit einer kleineren Anzahl von Menschen, sozusagen das neue Leben zu erleben, und die Menschen nur schwer nachkommen, sich sogar darnach sehnen, die überlieferten Vorstellungen aufzuschnappen, die noch von den alten Religionsstiftern herkommen.“

Rudolf Steiner „Wie erwirbt man sich Verständnis für die geistige Welt?“ GA 154, S. 18


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Das nach dem Religiösen Schnappen ist uns auch hundert Jahre nach diesen Worten Rudolf Steiners gut bekannt. Fundamentalisten beherrschen sogar mehr denn je in der Weltgeschichte diese angeblich so aufgeklärte Gegenwart. Islamische und -vor allem in den USA- radikal tele-visionierte christliche Massenkontingente bestimmen keinesfalls allein das Bild. Die im weitesten Sinn ausgefransten asiatischen Strömungen feiern im Westen in zahllosen Ausformungen eine Renaissance nach der anderen. Vor allem aber bestimmen Unsummen von kleinen und winzigen religiösen Gruppen, teilweise mit sektierischen Einschlägen, das Bild, das zu einem Flickenteppich wird.
Selbstverständlich befriedigen auch die grossen christlichen Kirchen religiöse Grundbedürfnisse. Aber auch hier pilgert man in ein tibetisches Retreat und hisst an gewissen Jahrestagen die Tibetfahne. Religion ist zum Cross-Over-Event geworden, passt sich der Globalisierung an, ist aber eben immer noch das, wonach Menschen in Bezug auf „die überlieferten Vorstellungen“ (Steiner) schnappen wie Fische, denen der Sauerstoff knapp wird.

Phänomene wie der Judith-von-Halle- Hype deuten an, dass auch innerhalb der - eigentlich an Rudolf Steiner orientierten - anthroposophischen Bewegung ähnliche Bedürfnisse vorliegen, die immer wieder ein Objekt der Verehrung bestimmen. Das von Steiner geforderte „mündig werden Sollen“ sieht sicherlich anders aus. Aber natürlich muss man die Frage auch an sich selbst stellen. An welcher Stelle sucht man Tröstung und Gewissheit? Das sind die Stellen, an denen die emanzipierte „Bewusstseinsseele“, die der Anthroposoph theoretisch sucht, ihren Glanz einbüßt. Durch die dünne Haut der Selbstkritik drängt sich das religiöse Gewissheitsbedürfnis hindurch. Eine gefährliche Stelle. Denn der Trostbedürftige ist in dieser Situation vielleicht auch anfällig für politische Einflussnahmen. Ist nicht auch der Obamaismus eine Form politischer Erweckungsbewegung? Sicherlich eine harmlose Form, aber zweifellos auch eine Massenbewegung. Natürlich können politische Bewegungen einen quasi-religiösen Impetus haben. Obama spielt damit, und er hat damit die Wahl gewonnen. Ist er ein Zyniker oder glaubt er, was er darstellt? Ich bin mir nicht sicher, was davon schlimmer wäre.

Aber kehren wir zum gemeinen Anthroposophen wie du und ich zurück. Wir sind manchmal traditionell (eher selten, denn wir lieben Festlegungen nicht sehr) in dem Verein Mitglied, schöpfen manchmal die religiöse Sahne ab und geniessen sie, lieben manchmal einfach den Lifestyle, bauen uns eine Privatidylle zwischen Drogeriemarkt dm, Lebensratgebern aus der Szene, etwas Literatur, einem Jahreszeitentisch und dem Weihnachtsbasar. Wir trinken, weil Rudolf Steiner vom Spiessergetränk Kakao gesprochen hat, lieber Kaffee. Religiös wird es, wenn bestimmte Axiome für das eigene Handeln aus angeblich tradierten Äußerungen Steiners bezogen werden, vielleicht ohne auch nur wirklich nach zu lesen, in welchem Kontext Steiner so etwas geäußert haben soll. Wenn aber aus dem Gelesenen Handlungsanweisungen heraus gelesen werden, wird ein quasi-religiöser Katechismus daraus. Man muss also, um nicht auf diesen Bodensatz herunter zu fallen, innere Distanz zu den anthroposophischen Inhalten pflegen, auch und gerade als Anthroposoph. Um nicht in private Mythologien oder idiotische Normen zu verfallen, muss die innere Freiheit stets geübt werden. Das religiöse Bedürfnis übt einen gewissen Sog aus.

Nebenbei bemerkt - gewise skeptische, areligiöse, materialistische Diskussionskreise strahlen dieselbe religiöse Inbrunst aus, mit der Standpunkte verteidigt und attckiert werden wie das von ihnen Kritisierte. Das ist keine Frage des Standpunkts, der Riss geht mitten durch uns selbst - selbst dann, wenn wir das Gegenteil behaupten.

Steiner hatte übrigens für sich auch eine bestimmte Übung, von der er immer wieder, aber wie nebenbei, berichtet hat. Das war sein Ehrgeiz, gerade materialistische Autoren wie Haeckel oder Nietzsche derart von innen her zu verstehen, dass er ihre Standpunkte vollkommen vertreten konnte. Das hat er auch in Büchern getan- und ist zu seiner Zeit auch deshalb schwer missverstanden worden. Den eigenen Horizont in der Weise zu erweitern, sich gerade in Personen, Bewegungen und Autoren, die einem fern zu stehen scheinen, herein zu arbeiten, bis deren Antriebe und Absichten einem vollkommen vor Augen stehen und zumindest situativ zu den meinen werden, scheint aber ein probates Mittel zu sein gegen die Sogkräfte der eigenen Folklorisierung. Ja, Anthroposophie kann auch Folklore sein. Jeder muss sie für sich selbst aus diesem Missverständnis befreien.
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"Das macht mir die Flügel frei"

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Endlich habe ich den Briefwechsel bei Amazon erschwinglich und gebraucht bekommen: „Rudolf Steiner, Marie Steiner- von Sivers: Briefwechsel und Dokumente 1901-1925“. Es ist eine Ausgabe aus dem Jahr 1967, die ehemalige Besitzerin hat es mit ihrem Namen markiert. Enthalten ist außer dem Briefwechsel auch die berühmte autobiografische Skizze Steiners für Edouard Schure, das Dokument von Barr. Ich kannte es nur in Auszügen. Steiner berichtet darin auch - ansatzweise- von seinen persönlichen Lehrern.

Die Briefe an und von Marie Steiner beleuchten den Werdegang einer Art Popstars seiner Zeit. Mit der Bekanntschaft mit Marie von Sivers beginnt Rudolf Steiner auf eine Art Tournee zu gehen, die bis zu seinem Lebensende andauert. Seine Briefe berichten von den Erfolgen, den Umständen und den Widrigkeiten. Er wird - spätestens ab 1907- ständig umlagert und von Menschen bedrängt, die seinen Rat suchen. Er hasst es, bei Leuten unterwegs privat nächtigen zu müssen, kann sich aber nicht recht dagegen wehren. Auch wenn er wesentlich lieber in Hotels absteigt, nötigen ihn seine Anhänger immer wieder zur Unterkunft in ihrem Haus. Immer wieder sorgt er sich um seine Stimme, die in einem ungeheizten Raum zu versagen droht. Immer wieder hat ein Zug Verspätung, fällt eine Fahrgelegenheit aus. Rudolf Steiner wünscht sich Gummistiefel für einsetzenden Schneefall unterwegs und erhält sie.

Während seiner Reisen begründet er Zweigniederlassungen („Logen“), wenn die nötige Mindestzahl von Interessenten vorhanden ist. Aber Intrigen, Machtkämpfe, Eitelkeiten der örtlichen Protagonisten lähmen die Fortschritte unentwegt. Rudolf Steiner beschreibt die personellen Widrigkeiten ausführlich und schimpft, waschecht, am liebsten und drastischsten über die Wiener. Zwischendurch hängt er Skizzen seiner neuen Erkenntnisse, in Text und in einer Art Mindmaps, an die Briefe an seine Frau daran. In diesen Dokumenten wird die Entstehungsgeschichte seiner Weltsicht Stück für Stück deutlich. Zuhause in Berlin managt Marie Steiner das Verlagsgeschäft, bei dem ebenfalls alles Denkbare schief geht. Häufig entpuppen sich die Verleger als Windhunde. Und schließlich wird das Verhältnis zu den Protagonisten der Theosophischen Gesellschaft ausführlich beleuchtet. Die Gründe für die Ablösung werden hier ganz persönlich und konkret deutlich. Man sollte den Kontext allerdings halbwegs kennen, um den Inhalt der Briefe in dieser Hinsicht zu verstehen.

Nicht zuletzt stellen diese Briefe auch eine Art „Szenen einer Ehe“ dar. 1903 geht Steiner plötzlich dazu über, Marie von Sivers zu duzen: „Es war mir oft, als ob ich Dich im Auditorium suchen müsste.“ Zwei Tage später schreibt er: „Du verstehst mich; und das gibt mir Kraft, das macht mir die Flügel frei.“ Marie nennt ihn, obgleich noch mehr als Vorbild und eine Art Lehrer, „Du Guter, Bester..“ Er hält sie auch tatsächlich zu Meditationen an, während sie ihre innere „Unordnung“ beklagt.

Ein Jahr später erkennt sie eines seiner persönlichen Probleme: „Lerne den Menschen etwas abschlagen.“ Er kann sich schlecht wehren und beklagt sich selbst dann nicht, wenn ihn jemand in einer verrauchten Kneipe sprechen lässt. Im August 1904 ist Marie für Steiner „meine Liebe“ und er schreibt von dem „schönen Bande, das uns bindet“. Oder er gesteht: „Ich werde mich mit Dir, meine Liebe, immer sicher fühlen. Du aber musst bei mir sein.“ Er beschwört Marie geradezu: „Aber wir dürfen auch nicht im geringsten gebrochen werden“- selbst wenn sich im Umkreis Missverständnisse häufen sollten.

Ab 1905 werden die Briefe und Berichte sachlicher, weniger zärtlich. Allmählich beginnt die Tournee Steiners sich zu entwickeln. Es stellt sich (auch) eine Art Arbeitsbeziehung zwischen ihm und Marie ein. Ihre Arbeitsüberlastung und Kränklichkeit machen ihn dauernd besorgt. Aber auch sie macht sich Sorgen um ihn. Über längere Zeit bleibt vor allem dies die Art, in der sich Beide ihrer Zuneigung versichern. Um 1914 werden seine Mitteilungen telegrammähnlich - „Gut angekommen herzliche Grüße. Steiner“. Ab 1920 werden sie wieder ausführlicher. Der letzte Brief Marie Steiners an Leopoldine Steiner erfolgt nach Rudolf Steiners Tod: „Aber die Welt ist tot, seitdem er gegangen ist.“
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Verschämter Materialismus

„So mag es auch heute viele geben, die zwar nichts wissen wollen vom Materialismus, die aber gleichwohl den Geist ganz materiell auffassen. Auch viele Theosophen denken sich den Geist als feinverteilte Materie. Auch in der Theosophie verbirgt sich viel verschämter Materialismus.“

Rudolf Steiner, München, 3.12.1907 („Die Erkenntnis der Seele und des Geistes“)
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Ein immanentes Paradoxon jeglicher Esoterik, was Steiner da beklagt. Natürlich bildet man sich gegenüber nicht-sinnlichen („esoterischen“) Inhalten Vorstellungen, die man aus der sinnlichen Erfahrung überträgt. Woher denn sonst soll man diese Vorstellungen entlehnen? Aber wie befreit man sich davon, damit auch Erwartungen zu verknüpfen, die einen in der eigenen geistigen Arbeit auf absolut vertrocknete Wüstenpfade führen?

So mancher findet seine Erleuchtung in platter Verkennung jeder simplen esoterischen Grundvoraussetzungen- als sich selbst erfüllende Prophezeiung. So mancher redet sich seine Alltagsvorstellungen so lange schön, bis sie irgendwie in Engelglanz und Schalmeiengedudel verklärt vor seinem inneren Auge erscheinen. Schade um die verschwendete Zeit.

Auch in der Sprache werden sinnliche Vorstellungen transportiert. Formulierungen wie „feinstofflich“ finden sich daher bei Steiner selbst häufig. Er unterliegt also selbst dem, was er oben beklagt, was seine Sprachwahl betrifft. Man muss einfach immer bedenken, dass man sich in dieser sprachlichen Hinsicht in einem Umfeld von Hinweisen, Metaphern und Symbolik bewegt. Wenn man Steiner wörtlich nehmen möchte, bleibt man an diesen Vorstellungen kleben und verfehlt seine Intention.
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Schwierigkeiten des inneren Lebens

„In unserer gegenwärtigen Kultur ist es außerordentlich schwierig, sich den Forderungen eines Lebens zu unterwerfen, das die übersinnliche Welt erschliesst. Zwei Vorbedingungen fehlen in unserer Kultur ganz und gar.

Die erste Forderung ist die Isolation, das, was man in der Geheimwissenschaft die höhere menschliche Einsamkeit nennt, die zweite ist die Überwindung eines in unserer Zeit in bezug auf die innersten seelischen Eigenschaften aufs höchste gestiegenen, der Menschheit zum großen Teil unbewußten Egoismus. Der Mangel an diesen beiden Vorbedingungen macht den Entwickelungsgang des inneren Lebens geradezu zu einer Unmöglichkeit. Isolation oder geistige Einsamkeit ist heute deshalb so schwer möglich, weil das Leben immer mehr und mehr zerstreut, zersplittert, kurz, äußere Sinnlichkeit fordert.

In keiner Kultur haben die Menschen jemals so im Äußerlichen gelebt wie gerade in unserer.“

Rudolf Steiner, Gesamtausgabe 54, Seite 202ff („Die Welträtsel und die Anthroposophie“)

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Gilt diese Diagnose Steiners heute, 100 Jahre später, noch?
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Plastizität und Musikalität

„Alles Plastisch-Bildnerische arbeitet auf die Individualisierung der Menschen hin, alles Musikalisch-Dichterische dagegen auf die Förderung des sozialen Lebens. Die Menschen kommen in einer Einheit zusammen durch das Musikalisch- Dichterische; sie individualisieren sich durch das Plastisch-Bildnerische“ (GA 294, Seite 46), schreibt Rudolf Steiner.

Ich möchte dies auch auf die Erfahrungen in der geistigen Entwicklung beziehen. Denn die Erfahrung der plastizierenden, dynamischen Kräfte ist ein wesentlicher Teil in dieser Entwicklung. In meinen Augen hängt die Entdeckung dieser Dynamik - so seltsam das klingen mag- mit dem Kehlkopf zusammen, ist im Kern also eine Sprach- Gestaltungskraft. In der meditativen Erfahrung werden diese Kräfte zunächst als Dynamik an der Körpergrenze erlebt, vor allem in unteren Kopfbereich. Im asiatischen Raum finden sich viele Plastiken, die solche Erfahrungen wie Markierungspfähle festschreiben- etwa in dieser Darstellung, die ich auf der Insel Hombroich entdeckt habe.

dynamik
Man darf eben nicht den Fehler machen, solche Plastiken nur dekorativ oder als Joga- Übung zu verstehen. Sie entsprechen vielmehr tatsächlichen Erfahrungsebenen. Die Plastizität bedingt allerdings, dass diese (erweiterten) Körpererfahrungen dahin ziehen wie Wolken - sie entsprechen ja nur dem Freiwerden einer inneren Dynamik.

Natürlich bleibt es dabei nicht. Die von Rudolf Steiner angesprochene Individualisierung kann man auch in der Hinsicht verstehen, dass diese Dynamik individuell ergriffen werden will und eine Grundvoraussetzung für eine geistige „Organbildung“ darstellt. Die Plastizität ist ein Vehikel. Sie tritt zurück, indem man in sie eintritt. Eines der „Wahrspruchworte“ Steiners („Denkend empfinde ich mich eines mit dem Strom des Weltgeschehens“) spricht dieses „Eintreten in den Strom“ an. Unabhängig von Kultur und Schulungsweg ist dieses Flüssigwerden in reiner Dynamik eine oftmals beschriebene Konstante einfacher geistiger Erfahrung.

Das innere Musikalisch- Werden dagegen ist nicht nur, wie von Steiner beschrieben, ein Erlebnis der „Einheit“ in sozialer Hinsicht- darin ist auch das Klingend- Werden in höherer Hinsicht beschrieben. Dies ist erst möglich, wenn das Fliessende innehält, transparent wird und das zum Klingen zu bringen vermag, was es umgibt.
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Schönheit

„Die Fähigkeit, sich ganz mit allem, was im Innern ist, zu offenbaren und nichts in sich verborgen halten zu müssen, könnte als „schön“ in den höheren Welten bezeichnet werden. Und es fällt da dieser Begriff völlig zusammen mit dem von rückhaltloser Aufrichtigkeit, von ehrlichem Darleben dessen, was ein Wesen in sich trägt. „Hässlich“ könnte das genannt werden, was den innern Inhalt, den es hat, nicht in der äußern Erscheinung offenbaren will, was das eigne Erleben in sich zurückhält und für andre Wesen sich in Bezug auf gewisse Eigenschaften verbirgt.“

Rudolf Steiner, „Ein Weg zur Selbsterkenntnis des Menschen“, S. 58
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Sex & Verstand. Eine goetheanistisch- phänomenologische Abhandlung

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Nicht selten stellen sich beim Studium der Vorträge Rudolf Steiners bohrende Fragen. Wie etwa ist das genaue Verhältnis von Sex und Verstand zu verstehen, wenn er über das Wirken der Venuskräfte artikuliert:

„Die Form des Geschlechtlichen rührt von den Geistern der Form her. (Das wollen wir so genau gar nicht wissen)
Aber damit ist nicht auch schon der Zug der beiden Geschlechter für einander, die Neigung derselben zu einander gegeben. Diese kommt davon, dass sich in dem Leben der beiden Geschlechter besondere Wesenheiten verkörpern, welche von einem fremden Schauplatze herabsteigen: von der Venus.
(Eine gute Erklärung für mancherlei überaus befremdliche menschliche Beziehungskisten)

Durch sie wird jetzt die Liebe in ihrer untergeordnetsten Form, als Neigung der Geschlechter, der Erde einverleibt. Diese Liebe ist dazu berufen, sich immer mehr zu veredeln, und später die höchsten Formen anzunehmen. (Aber das hat, Gottseidank, ja noch etwas Zeit)
So wie nun die Venuswesen das Element der getrennten Geschlechter abgeben, so bewirken sie andrerseits auch, daß der Verstand fruchtbar werden kann. Er erhält die Hälfte der an der Geschlechtskraft ersparten Produktionsfähigkeit.“ (Rudolf Steiner, Gesamtausgabe 262, Seite 83f)
(Nun stellt sich uns die bohrende Frage, wie sich das 50:50- Verhältnis von Sex und Verstand genau verteilt. Ist es möglich, dass es eine gewisse zeitliche Staffelung im dem Sinne gibt, dass am Anfang eher 100% auf Sex entfallen, und der Verstand quasi später nachrückt? Auch das würde uns manche spezifische Beziehungsprobleme phänomenologisch erklären.)

Ein Blick in den Sternenhimmel zeigt uns nun deutlich - dafür muss man nicht astrologisch geschult sein - dass die ohnehin verheerende Wirkung der Venuskräfte von stellaren Begleitern wie dem zunehmenden Mond noch verstärkt werden. Was genau ist die Aufgabe des Mondes dabei?

Rudolf Steiner erklärt uns:
„Das Phantasieleben des Menschen hat außerordentlich viel zu tun mit den Mondphasen. Und wer einen Kalender führen würde über das Auf- und Abfluten seines Phantasielebens, der würde eben bemerken, wieviel das zu tun hat mit dem Gang der Mondphasen. Das aber, daß auf gewisse untergeordnete Organe das Mondenleben, das lunarische Leben einen Einfluß hat, das muß eben an der Erscheinung des Nachtwandelns studiert werden.“ (Gesamtausgabe 323, Seite 51f)
(Bei einer himmlischen Konstellation von Mond und Venus könnte es also geschehen, dass man bei ausgesetztem Verstand, unter dem Einfluss hemmungsloser außerirdischer Kräfte, schlafwandlerisch, sich die ganze Angelegenheit fantasievoll schönredend, in die nächstbeste Venusfalle tappt, ohne dass man es genau bemerkt. Das soll schon öfter vorgekommen sein.

Gibt es etwas wie einen Schutz gegen solche biografischen Katastrophen? Nicht wirklich. Man kann vielleicht etwas vorbeugen, indem man täglich ein kostenloses Programm wie
Stellarium (Windows, Linux, Mac) konsultiert. Dadurch vorgewarnt, kann man sich drei oder vier Tage im Schlafzimmer einschliessen und den Schlüssel wegwerfen. Nur für den Fall natürlich, dass man den temporären Verlust des Verstandes tatsächlich vermeiden möchte!)

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(Screenshot aus dem Programm Stellarium, Ende Januar 2009)

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Die Kunst des Alterns und die blödesten Fehler dabei

„Heute ist das Alter zu jugendfrisch, man versteht nicht, richtig alt zu werden. Man versteht nicht, hinein zu wachsen mit seinem Seelisch-Geistigen in den im Laufe des Lebens veränderten Leib. Man trägt hinein dasjenige, was man schon als Kind oder wenigstens als junger Mensch getan hat, in den alten Leib. Da passt es nicht hinein, da passen die Leibeskleider nicht.

Und wenn dann die Jugend heran kommt, so ist es nicht deshalb, dass man sich mit ihr nicht versteht, weil man zu alt geworden ist, sondern im Gegenteil, man versteht sich mit der Jugend nicht, weil man nicht hinein gewachsen ist in das Alter und in dem Alter dadurch wertvoll geworden ist. Die Jugend will das ins Alter hinein gewachsene Alter haben, nicht ein kindsköpfiges Alter.

Man muss in der richtigen Weise für jedes Lebensalter die richtigen Lebenskräfte entfalten können; man muß verstehen, alt zu werden. Das Alter ist nämlich, wenn es richtig verstanden hat, alt zu werden, gerade als Alter recht frisch.“


Rudolf Steiner, Gesamtausgabe 304a, Seite 51
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Die Geschichte der Autobombe

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Auch der Krieg globalisiert und individualisiert sich- vor allem aber wendet er sich gegen die Zivilisten, deren Tod als eine Art Fanal benutzt werden soll. Je ziviler die Opfer und je mehr es sind. desto besser. Auch wenn der erklärte Krieg zwischen Staaten oder staatlichen Enklaven ständig geführt wird, wird der zum Terror miniaturisierte Krieg zum global gegenwärtigen Phänomen. Mike Davis, über dessen großartiges Buch „Planet der Slums“ hier bereits berichtet wurde, geht in „Eine Geschichte der Autobombe“ auf eben diesen Terror, der sich im 20. Jahrhundert entwickelte, ein.

Davis, der häufig aus einer gewissen politischen und gesellschaftlichen Emphase heraus schreibt, hält sich bei diesem Thema persönlich weitgehend zurück und entwickelt einfach eine gewisse Chronologie des schrecklichen Phänomens. Das Entsetzliche dieser Attentate benötigt nicht nur nichts neben seiner reinen Faktizität- jede einseitige Kommentierung, Instrumentalisierung, Kontextualisierung wäre geradezu obszön.

In Sri Lanka - so Davis- hielt man die dort bombenden „Tamil Tigers“ „für übermenschlich grausam und gerissen - für allgegenwärtig wie böse Geister.“ Diese Allgegenwärtigkeit erinnert an ein globales Phänomen, das Rudolf Steiner den „Krieg aller gegen alle“ nannte. Rudolf Steiner schrieb: „Man weiss, daß auf dem Grunde der menschlichen Seele durch Verkehrung der edelsten Opferwilligkeit der Wunsch entstehen kann, den Mitmenschen zu töten.“ (Gesamtausgabe 145, Seite 144 f). Das weist auf die Doppelbödigkeit des Terrorismus hin: Denn im Sinne ihrer Angelegenheiten sind die Terroristen natürlich ganz und gar idealistisch. Diesem schrecklichen Idealismus unterliegen wir prinzipiell alle. In Steiners Ansicht liegt nur eine Art Schleier, eine „Betäubung“ über dem „Wunsch (..), den anderen zu töten“, über „Wünsche(n), die auf Vernichtung, auf Zerstörung des menschlichen und sonstigen auf dem physischen Plan wirkenden Zusammenseins hingehen.“ (dito)

Die Gründe für die Verirrungen des Idealismus in den Terror sieht Steiner vor allem in einer wachsenden Individualisierung im Sinne einer inneren Verhärtung: „Wenn die Menschen immer mehr und mehr voneinander isoliert werden, ein jeder sich immer mehr in seinem eigenen Ich verhärtet, wenn die Trennungslinien, die Seele von Seele scheiden, immer stärker werden, so dass sich Seele und Seele immer weniger verstehen kann, dann werden die Menschen in der äußeren Welt immer mehr zu Streit und Hader kommen, der Streit aller gegen alle auf der Erde wird an die Stelle der Liebe treten.“ (Gesamtausgabe 112, S. 206). Vom zeitlichen Rahmen sagt Rudolf Steiner auch ganz konkret: „Wenn man die Dinge so weiter laufen läßt, so werden wir am Ende des 20. Jahrhunderts stehen vor dem Krieg aller gegen alle! Da mögen die Menschen noch so schöne Reden halten, noch so viele wissenschaftliche Fortschritte gemacht werden, wir würden stehen vor diesem Krieg aller gegen alle. Wir würden eine Menschheit heran rücken sehen, welche keine sozialen Instinkte mehr hat, um so mehr aber reden würde von sozialen Dingen.“ (Gesamtausgabe 206, Seite 92)

Der Beginn des hier angesprochenen Terrors lag bereits zu Lebzeiten Steiners. Der erste Anschlag ereignete sich - als Rache für die Verhaftung der Anarchisten Sacco und Vanzetti - im September 1920 in der Wall Street in New York, direkt gegenüber von J.P. Morgan & Company. Es handelte sich um einen mit Sprengstoff beladenen Pferdewagen. Die Explosion tötete und verletzte zahlreiche Menschen. Auch damals strömten entsetzte New Yorker aus den Hochhäusern und flohen. Auch damals wurde der nationale Notstand erklärt. Es war bis dahin undenkbar gewesen, dass ein einzelner Mensch mit wenigen möglichen Mittätern einen derartig verheerenden Anschlag ins Zentrum einer Stadt und eines Staates würde tragen können. Auch die Absicht, nationale Symbole zu treffen, klang bereits in diesem ersten Anschlag dieser Art an.

Die eigentliche Geschichte der Autobombe aber setzte nach diesem Fanal erst 1947 ein, und zwar bereits in Palästina. Der Anschlag wurde von einer „rechtszionistische(n) Guerilla“ mit de Namen „Stern Gang“ gegen eine britische Polizeistation in Haifa verübt. Neben den Briten war die palästinensische Bevölkerung Ziel der Terroristen. Palästinensische Extremisten nahmen die Technik in der Folge auf und nutzten sie ihrerseits. Vietnam und Algerien waren die nächsten Haupteinsatzorte. Von da an wanderte diese Variante des Terrors praktisch dauernd um den Planeten. Die Stationen werden von Davis akribisch aufgeführt. Er spricht in diesem Zusammenhang von einer „unumkehrbare(n) Globalisierung“, von einem Phänomen „wie ein hartnäckiger Virus“, das dazu neigt, „sich unendlich zu vermehren.“ So gab es alleine zwischen 1992 und 1999 bereits 25 grosse Anschläge in 22 verschiedenen Städten. Weit über 1000 Menschen wurden getötet, weit über 10000 verletzt. Vielleicht erscheint die Formel Rudolf Steiners vom „Krieg aller gegen alle“ als übertrieben. Er ist aber ohne Zweifel ein ganzes Stück näher gerückt.
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Rache "und dergleichen"

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„Wenn wir die Menschheitsentwickelung betrachten, so sehen wir, wie viele Schmerzen der Mensch über das Tierreich ausgestreut hat und wieviele Tiere er getötet hat. Die okkulte Forschung lehrt uns, dass jeder Schmerz, jeder Tod, den der Mensch den Tieren zufügt, dass diese alle doch wiederkehren und auferstehen, nicht durch Reinkarnation. Die Tiere, denen Schmerz zugefügt wurde, werden zwar nicht in derselben Form wiedererstehen, aber das, was in ihnen Schmerz fühlt, das kommt wieder, so daß jedem Schmerze sein gegenteiliges Gefühl zugefügt wird in der Zukunft. Um ein konkretes Beispiel zu gebrauchen:

Wenn die Erde vom Jupiter ersetzt sein wird, dann werden die Tiere in ihrer heutigen Form zwar nicht erscheinen, aber ihre Schmerzen und Leiden werden auferwecken die Empfindungskräfte der Schmerzen. Sie werden leben in den Menschen und sich in den Menschen verkörpern als parasitäre Tiere. Der Mensch wird es einmal erleiden, und das Tier wird in einem bestimmten Wohlgefühl, in einer guten Empfindung den Ausgleich seiner Schmerzen haben.

Das geschieht auch langsam und allmählich schon im Laufe des gegenwärtigen Erdenlebens durch Bazillenarten und dergleichen.“

Rudolf Steiner, Gesamtausgabe 143, Seite 139ff
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Der Karrierist

karrierist

Wenn der Mensch stark seinen Egoismus hinunter drängt in das Unbewußte, wenn er nicht mit einer gewissen Ursprünglichkeit lebt, dann ergreift sein Egoismus auch sein unterbewußtes Bewußtsein, und er leitet ihn dann an, das Leben zu deichseln, sich einzurichten, sich vorher die Bedingungen zu schaffen für ein Späteres. Da sehen wir walten den Astralleib mit seiner Gescheitheit. Da liegen viele gefährliche Seiten für die Entwickelung der Menschenseele, und sehr wichtig ist es, daß man sich dessen bewusst ist, daß man in dem Augenblick, wo man herantritt an dasjenige, was in uns sonst unbewußt wirkt, versucht, nicht zu stark mit seinem Egoismus heranzutreten.

Deshalb muß auch immer wieder und wiederum dieses Absehen von dem Egoismus für die Entwickelung nach der geistigen Welt hin betont werden. Da, unter unserem gewöhnlichen Bewußtsein, waltet wirklich etwas, was durchsetzt sein kann vom Bewusstsein unseres schützenden Geistes aus der Hierarchie der Angeloi. Aber wenn er den Egoismus hinunterdrängt in seinen astralischen Leib, da kommt ihm etwas, jetzt nicht von den regulären Wesen aus der Hierarchie der Angeloi, sondern etwas Luziferisches in das Wirken der Seele hinein, etwas, was den Menschen eine weitere Sphäre umkreisen läßt, als er eigentlich bewußt umkreisen würde nach seiner entsprechenden Entwickelungsstufe.


Rudolf Steiner, Gesamtausgabe 157a, Seite 90
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Die Substanz des Ich

„Und vor dieser Aufgabe steht der Mensch der Gegenwart, die moralische Welt wiederum als eine reale zu erkennen, zu erkennen, daß derselbe Stoff oder dieselbe Substanz, woraus sein astralischer Leib geformt ist, enthalten ist in den moralischen Ideen. Dieselbe Substanz, aus der unser Ich geformt ist, ist enthalten in den religiösen Ideen und in dem religiösen Ideal.“

Rudolf Steiner, Gesamtausgabe 205, Seite 46
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Soziale "Verschuldung" und Profit

„Wie viele Menschen sehen im Geiste, dass sie gar nicht anders da sein könnten in dieser physischen Welt, ohne dass sie der Arbeit der anderen Menschen das, was sie selbst beanspruchen für ihr Leben, verdanken? - Sich verschuldet fühlen der Gesellschaft, in der man drinnen lebt, das ist der Beginn jenes Interesses, das verlangt werden muss für eine gesunde soziale Gestaltung (...)

Es gibt heute etwas höchst Unnatürliches in der sozialen Ordnung, das besteht darin, dass das Geld sich vermehrt, wenn man es bloss hat. Man legt es auf eine Bank und bekommt Zinsen. Das ist das Unnatürlichste, was es geben kann.“

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Steiner, Die soziale Grundforderung unserer Zeit, GA186, S. 46 und 50
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Individualisierung

Der Mensch, der heute mit einem ganz andern Bewusstsein begabt ist, kann sich keine rechte Vorstellung mehr machen von der Zugehörigkeit zu einem Stamme, von dem Sich-Fühlen in dem Körper eines ganzen Stammes drinnen. Aber je mehr die Familie zum Stamme wurde, desto individualisierter wurde der Mensch.
Was wir hier als Prozeß des Sich-Vereinzelns kennenlernen, was wir als fortlaufenden Prozess des Individuellwerdens kennen, das müssen Sie sich vorstellen als an des Menschen Blut gebunden“, behauptet Rudolf Steiner in GA 96, Seite 283 ff.

Zu Steiners Zeiten war also die Familie der Ort, die Institution, die soziale Form, die am wesentlichsten auf die zunehmende Individualisierung vorbereitete. Denn sie war ein Fortschritt gegenüber solchen sozialen Gebilden, die Stammes- oder Clan- ähnliche Formen hatten, in strikt organisierten gesellschaftlichen Systemen, die meist durch die Geburt bereits determiniert erschienen.

Die Familie schrumpfte allmählich zur Kleinfamilie und geniesst heute den Status einer gefährdeten Tierart. Nicht zuletzt trägt dazu die (seit Steiners Zeiten) weiter fortschreitende Individualisierung bei, die privaten Glücksvorstellungen, die beruflichen Anforderungen, die Vorstellungen von Karriere, der soziale Absturz, die schlichte Entfremdung voneinander.

Je länger ich als Lehrer arbeite, desto jüngere Kinder finde ich als stark geprägte Individualitäten vor. Der Lehrer sollte heute gar nicht „erziehen“ wollen (das generelle Bild des idealen „Erwachsenen“ hat er sich auch nur selbst, individuell, gebildet), sondern der sich entwickeln- wollenden Individualität mit Respekt, Akzeptanz, Toleranz begegnen und dann die Hindernisse möglichst aus dem Weg räumen, die sie zu ihrer Reife braucht. Manchmal muss die Institution Schule dazu auch über ihren Schatten springen. Gute Pädagogen springen dauernd über Schatten.

Der Beruf des Pädagogen hat eben darin seinen Reiz. Oft stellen die individuellen Einseitigkeiten und Besonderheiten ein Problem dar- nicht zuletzt für die Kinder selbst. Das gilt sogar für die Begabungen. Ich schrieb in einem Kommentar zu einem Artikel Jelle van der Meulens dazu: „Ich denke gerade an ein hoch begabtes Mädchen, das ich (mit) unterrichte. Sie lässt sich nicht testen, aber ich vermute einen IQ um die 140. Ihr besonderes Trauma ist es, etwas Besonderes zu sein. Sie ist insgesamt emotional so fragil, dass sie ein Gespräch tagelang völlig aus der Bahn werfen kann. Ihre Beziehungen zu Freundinnen sind derartig intensiv, dass sie von Eifersucht vergiftet erscheinen. Ihr ganzes seelisches Leben ist "lose", und die Intelligenz (die sie verleugnet) eilt ihr viele Jahre voran. Ist das nun eine Begabung oder eine Behinderung? Die Grenzen sind fliessend. In diesem, wie in vielen anderen Fällen. Ich möchte die absurde Behauptung aufstellen, dass die "Norm" heute die Ausnahme darstellt. Wir haben alle Schattierungen und Varianten von Förderbedarf. Ich denke, dass die vielen "Spezialitäten" der Entwicklung heute ein Bild der generellen Individualisierung darstellen.“

Individualisierung wird also immer mehr und in immer grösserer Breite zu gewissen Problemen führen - etwa was die Lernfähigkeit, die Speicherkonstanz (Gedächtnis), die emotionale Stabilität, die Aufmerksamkeit, die soziale Kompatibilität betrifft. Die weiter führenden Schulen mühen sich nach Kräften, Kinder und Jugendliche mit ihren erstickenden Normen und engen kognitiven Anforderungen in ein Korsett zu zwängen. Aber es fallen auch immer mehr Kinder und Jugendliche als „ungeeignet“ aus diesem engen Korsett hinaus. Die Schulabbrecherquoten etwa sind weiterhin desaströs. Dabei stellt die Individualisierung natürlich auch eine Chance dar. Wir brauchen Querdenker. Wir brauchen keine geglätteten Mainstream- Banker, die wie Lemminge demselben Kalb hinter her laufen und die Weltgemeinschaft an den Rand des Ruins treiben. Wir brauchen diese individuellen Köpfe dringend, schätzen aber nur tradierte Normen und Vorstellungen aus früheren Jahrhunderten.

Die Kids jedenfalls tun sich - teilweise schon in sehr jungen Jahren- zu ihren eigenen Clans, Sippschaften und Stämmen zusammen. Vielen geben die fragmentarischen familiären Strukturen keinen Halt mehr. Ich habe immer mehr Sorge, dass wir die Chancen kommender Generationen verspielen und uns mit wirkungslosen bildungspolitischen Sonntagsreden zufrieden geben, die lediglich betäuben.
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Neue Ausgabe über Rudolf Steiners esoterische Schulung in niederländischer Sprache

Michel Gastkemper schreibt:

„Ein Jahr vor ihrem Tod im Jahr 1948 entschied Marie Steiner sich, einige wichtige Texte aus der Esoterische Schule, die Rudolf Steiner 1904-1914 leitete, erst im Rahmen der Theosophischen, später der Anthroposophischen Gesellschaft, zu veröffentlichen. Sie erschienen in drei Teilen in kleinen Publikationen 1947, 1948 und 1951. 1961, hundert Jahre nach der Geburt Rudolf Steiners, fing die Herausgabe der lange vorbereiteten Gesamtausgabe Rudolf Steiners an. Fünf Jahre später erschien als GA 245 „Anweisungen für eine esoterische Schulung. Aus den Inhalten der «Esoterische Schule»“. Dieses 175-seitige Buch erlebte fünf Neuauflagen, die letzte im Jahr 1979.

Inzwischen war viel mehr Material aus dieser esoterischen Schule, aus Nachlässen und so weiter, in die Welt gekommen, und in die Hände der Nachlassverwaltung Rudolf Steiners. So wurde eine völlige Neuausgabe vorbereitet. 1984 erschien „Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 1904 bis 1914“ (GA 264), 1987 gefolgt durch „Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule 1904 bis 1914“ (GA 265). Damit war eine neue Situation geschaffen, mit neuen Fragen: War es wohl erlaubt, solche schwerwiegende und schwerverständliche Inhalte zu veröffentlichen?“

weiter..

Link zum besprochenen Text
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Gabrielkraft

„Man bekommt den Einblick auf eine geistige Wesenheit, die aus der übersinnlichen Welt heraus an dem menschlichen Organismus arbeitet. Wir sprechen also von einer Summe von Kräften, die aber dirigiert werden von einer Wesenheit aus der Hierarchie der Archangeloi, Gabriel. Wir sagen daher: an dem menschlichen Organismus hat gearbeitet vom 15. Jahrhundert bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die Gabrielkraft. Und weil da eine spirituelle Kraft im besonderen am Physischen gearbeitet hat, so schlief das Verständnis für das Spirituelle dazumal, und dieses Schlafen des Verständnisses für das Spirituelle brachte die großen Triumphe der Naturwissenschaft hervor.

Jetzt aber ist diese Kraft erwacht – es beginnt das spirituelle Zeitalter.“

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Rudolf Steiner, GA 146, Seite 86
gabriel4


Dieses Zitat ist auf der einen Seite den belichteten Bandys, den Netzwärtern und den Ich-bin-gegen-Anthroposophie-weil-die-bei ADS-kein-Ritalin-Geben-Autoren gewidmet, den Anti-Waldörflern aus Prinzip und den evangelischen Jugendreferenten. Auf der anderen Seite ist so ein Text natürlich Wind auf den geblähten Segeln der Lichtkrieger. Da kann man ihnen Allen nur gute Reise wünschen.
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Unsere unbewussten Fühlorgane

Barbara ist mit ihren Betrachtungen über die „Nebenübungen“ Rudolf Steiners schon viel weiter auf ihrer Oleander- Website. Ich möchte aber noch einmal auf die 5. Nebenübung, „die Unbefangene Empfänglichkeit“ zurück kommen. Worum geht es? Wie Barbara erläutert, handelt es sich dabei darum, durch meditative Übung „offen für alles Neue, Unvorhergesehene zu sein“ und damit „ein immer Lernender“ zu werden. Das Problem sieht Barbara darin, „dass wir Neues normalerweise auf der Grundlage unserer bisherigen Erfahrung beurteilen, was dazu führen kann, dass wir eine neue Idee ablehnen“. Wir betten Erfahrungen eben gern in den uns bekannten Kontext ein. Das, was nicht passt in das vorhandene „Weltbild“, den Kontext unserer Erfahrungen, in unsere Erwartungen, lehnen wir gern ab, haben Angst davor oder nehmen sogar nur selektiv wahr: „Der andere Aspekt ist, dass es sein kann, das man gar nicht merkt, dass man die Welt nur so sehen kann, wie man das gewohnt worden ist. D. h. in dem Fall nimmt man etwas Neues überhaupt nicht wahr.“

Das betrachtet Barbara als einen Extremfall. Aber schauen wir bei der Gelegenheit doch wieder einmal in die Ergebnisse moderner Hirnforschung- in diesem Fall in Manfred Spitzers Buch „Selbstbestimmen“. Er behauptet im Kapitel „Sensationshunger“ (S. 182ff), dass die selektive Wahrnehmung keineswegs der Extrem- oder Ausnahmefall ist, sondern eben die Norm: „Wahrnehmen und das Bewerten von Ereignissen (lassen sich) nicht voneinander trennen.“ Das beweisen schon einfache Experimente mit Hunderten von Studenten, denen man Strichlisten von Foulspiel beim Betrachten eines Fußballmatches gab. Jeder Student war Anhänger einer jeweiligen Mannschaft. Tatsächlich wurden stets vor allem die Fouls der gegnerischen Mannschaft wahrgenommen: „Hierdurch konnte gezeigt werden, dass die Fans der beiden Lager keineswegs das gleiche Spiel sahen und die Dinge deshalb jeweils anders bewerteten. Es war im Grunde so, dass die Fans jeweils ein anderes Spiel sahen!“ Die ersten Experimente dieser Art stammen übrigens aus dem Jahr 1954. Dennoch glauben wir noch immer, dass man erst „objektiv“ wahrnehmen würde und erst danach interessengeleitet bewertet. Nein, unsere Einstellungen bestimmen vielmehr die Wahrnehmung selbst. Es macht demnach auch keinen Sinn, hinterher an die „Wahrheit“ zu appellieren.

Die Sache wird noch schlimmer, wenn unser archaisches Panik- und Emotionssystem, der Mandelkern, ins Spiel kommt. Hierbei handelt es sich um sehr alte, tief verankerte Mechanismen: „Negative Aspekte einströmender Information werden im Mandelkern entsprechend bewertet, bewirken die Emotionen der Furcht und Angst und werden sehr schnell mit Verhaltensstrategien assoziiert, die mit Kampf oder Flucht in Verbindung stehen.“ Es ist ein System wie ein Fühlorgan, das im Gehirn ununterbrochen die Umgebung auf potentiell gefährliche Aspekte abtastet: „Dies geschieht, noch bevor das visuelle System genau wahrgenommen hat.“ Die selektive Bewertung von Reizen geschieht also vor dem eigentlichen bewussten Sehen! Man kann sich vorstellen, dass es solche Art von Organen bereits vor der Ausbildung der Sehfähigkeit gegeben hat. Diese Zeit gab es nach Rudolf Steiner in der menschlichen Entwicklung durchaus. „Ursprünglich, als nur der physische und der ätherische Leib in der Anlage vorhanden waren, war hier, wo jetzt die Augen sind, nichts. Diese Stelle erwies sich aber besonders empfindlich für die der Erde zugesandten Sonnenstrahlen. Und das, was die Sonne zuerst als Eindruck bewirkte, das war Schmerz. An dieser Stelle waren zwei Leidenspunkte, Schmerzstellen, die dauernd verletzt wurden. So bildete sich an jenen empfindlichen Stellen Schorf, und aus diesem Schorf formte sich nach und nach der herrliche Wunderbau des Auges, allerdings nach langer Entwickelung.“ (GA 101, S.95)
Steiner weist auch auf eine vor- menschliche Zeit hin, in der die menschliche Gestalt molchartige Formen hatte und noch ganz und gar auf archaische Organe der beschriebenen Art angewiesen war. Ich berichte in meinem Artikel „Das dritte Auge“ darüber: „In dieser Zeit entwickelte sich für dieses Wahrnehmen, bei dem es noch keine Trennung zwischen Innen und Außen gab, eine Art Organ, das wohl mit einem lichtempfindlicher Fühler zu bezeichnen ist. Rudolf Steiner nennt es ein "heute nicht mehr vorhandenes Auge". In den Mythen der Frühzeit tauchte dieses Ur-Auge auf in der Gestalt des Zyklopen.
In der weiteren Entwicklung bis weit in die so genannte lemurische Zeit hinein wurde dieses Licht-Fühlorgan, das Seelisches unmittelbar mit den Wahrnehmungen verknüpft hatte, allmählich abgelöst durch die Entwicklung der Augen. Durch diese wurde das wahrzunehmen gelernt, was tatsächlich farbig um die Wesen herum vor sich ging.“

Ich möchte nun keinesfalls behaupten, dass Übungen zur Unbefangenheit eine völlige Illusion seien. Allerdings glaube ich, dass das Beherrschen derart archaischer Mechanismen und Reflexe nicht dauernd und kaum im gewöhnlichen Bewusstsein zu realisieren sein dürfte. Steiner formuliert in seinen harmlos erscheinenden „Nebenübungen“ sehr anspruchsvolle Übungsformate. Es ist tatsächlich das Erreichen einer inneren Zeugenschaft notwendig, die es möglich macht, nicht nur die Umgebung und die Fakten, sondern auch die eigenen Reaktionen, Reflexe und Mechanismen zu überblicken und zu beherrschen. Denkbar ist dies nur in der grössten Ruhe und Gelassenheit. Die Anteilnahme und Gegenwärtigkeit der Aufmerksamkeit wird in reinen Übungssituationen gleichsam wie im Labor erprobt. Die „Nebenübungen“ erheben darüber hinaus den Anspruch, eine solche innere Haltung in den gesamten Alltag hinein zu tragen und damit über unsere menschlichen und tierischen Erbschaften hinaus zu wachsen.
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Größenwahn

„Wenn man sich nun klar ist, daß es die Besonnenheit auf das eigene Selbst, auf das Ich ist, was die Sinneswahrnehmungen herauf hebt über die bloßen visionären und halluzinatorischen, traumhaften Erlebnisse, dann wird man auch verstehen, warum es von dem Geistesforscher als eine Notwendigkeit hingestellt wird, daß behufs der Erkenntnisimaginationen solche Übungen gemacht werden, die zunächst die innere Intensität des Ich-Gefühls nicht herabstimmen, sondern sie sogar erhöhen, steigern. Das Ich-Gefühl muß gesteigert werden, die Besonnenheit auf sich selbst muß kraftvoller werden.

Damit wird bei Menschen, welche nicht zugleich die von mir oftmals geschilderten Vorkehrungen treffen, um ein solches verstärktes Ich-Gefühl ohne moralische, ohne psychische Einbuße zu ertragen, schon etwas von seelischem – nicht pathologischem – Größenwahn erzeugt. Das ist überhaupt etwas, was man zunächst bei «Übern» zu übersinnlichen Erkenntnissen leicht bemerken kann, weil sie hinüberhuschen möchten über die nötigen Vorkehrungsmaßregeln, dass sie nicht bescheidener werden, sondern wirklich in eine Art Größenwahn verfallen. Ein solcher Größenwahn wütet vielfach unter denen, die sich nun aus diesen oder jenen Untergründen heraus zur Anthroposophie bekennen.“

Rudolf Steiner, GA 78, Seite 90f
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Verholzt

holz
Ein Ätherleib, welcher wenig stark verknüpft ist mit dem physischen Leib, kann immer mehr neue Begriffe aufnehmen, weil er elastisch ist. Ein Ätherleib der fest mit dem physischen Leib verbunden ist, lernt eine gewisse Summe von Begriffen, dann hat der physische Leib eine bestimmte Form erhalten, die zwingt er dem Ätherleib auf. Und so kommt es, daß viele Persönlichkeiten in unseren gebildeten und gelehrten Kreisen heute das, was sie eingeprägt haben dem Gehirn, in späteren Lebensaltern nicht mehr ändern können und steif und unelastisch sind mit Bezug auf ihre Begriffe. Der physische Leib des Menschen beginnt nach und nach zu verholzen, weil die Kräfte des Ätherleibes und Astralleibes verarmen. Ein Gehirn, welches also verholzt, kann nur wenig Begriffe aufnehmen, weil es bei seinen Begriffen bleiben will. Wir müssen uns unseren Astralleib und Ätherleib beleben durch Aufnahme von spirituellen Begriffen und Ideen.
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Quelle: Rudolf Steiner, GA 12, Seite.60f
Foto: Michael Eggert. Link
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Der Storch bringt doch die Kinder!

stoerche
„Die Kinder werden nicht angelogen durch das Storchenmärchen. Es ist da nur ein Bild gebraucht, das wahrer ist als das, was die heutigen Menschen den Kindern beibringen wollen, daß nämlich das Kind nur von Vater und Mutter stammt.
Das Storchenbild – oder irgendein anderes – weist darauf hin, dass im Kinde etwas ist, was aus Wolkenhöhen herabkommt. Das Kind schaut da in Storchenmärchen der Kinder Regionen, die jenseits der Trivialität sind, und baut sich das auf, woraus künftig erst das herauswachsen soll, was spätere Wahrheit ist.

Das Storchenbild für etwas Unwahres zu halten, ist nur eine Phantasielosigkeit, eine Ohnmacht, für den Vorgang, der als Reinkarnation den Kindern nicht zu schildern ist, ein passendes Bild zu finden, diesen Vorgang in ein entsprechendes Bild zu kleiden.

Aber – wird eingewendet – die Kinder glauben heute nicht daran. – Das kommt daher, weil die Menschen, die den Kindern so etwas sagen, selbst nicht daran glauben. Ist es uns selber aber ein Bild für das Reale, Wahre, was dahintersteht, wenn wir Phantasie genug haben, die Wahrheit umzusetzen in ein Bild, so werden die Kinder es auch glauben. Und es ist eigentlich schön, dem Kinde zu sagen: Da wird gegeben ein Teil vom Vater und ein Teil von der Mutter, ein Drittes aber tragen aus Himmelshöhen andere Wesenheiten herunter, die in ihren Schwingen es tragen, es Vater und Mutter zutragend. Wenn wir das sagen, so ist das Bild sehr zutreffend, und wir reden von einer Wahrheit.“

Rudolf Steiner, GA 127, Seite 40f
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Cahnheim

duesseldorf

Vor 30 Jahren schon habe ich in anthroposophischen Kreisen spezifische - geradezu provokante- Äußerungen über den Düsseldorfer Raum gehört. Um es einmal neutral auszudrücken, ging es darum, Steiner habe sich dahin gehend geäußert, in Düsseldorf herrsche ein ausgesprochen negatives Energiefeld und werde sich in Zukunft quasi institutionalisieren. Ja, man sprach von einem „schwarzen Loch“ in spiritueller Hinsicht. Nun habe ich erst vor einigen Jahren gehört, diese Äußerungen beruhten nicht nur auf Tratsch und einer Art übler Nachrede gegenüber einer Region, sondern solche Äußerungen Rudolf Steiners fänden sich in den Briefen an Eliza von Moltke.

Nun sind diese Briefe („Helmuth von Moltke 1848-1916. Dokumente zu seinem Leben und Wirken. Band 2“. Basel 1993) auch eine Besonderheit von einer durchaus befremdlichen Art. Die von Thomas Meyer verantwortete Herausgabe zeigt Rudolf Steiner nämlich nicht als spirituellen Methodenlehrer wie in seinem sonst publizierten Werk, sondern als reinen Spiritualisten, der auch nach dem Tod Moltkes Mitteilungen aus dessen Mund in brieflicher Form an Moltkes Frau weiter gibt. Steiner lernte den deutschen Generalstabschef bereits 1904 kennen. Er begleitete das Ehepaar Moltke durch Jahre hindurch, auch in der chaotischen Zeit des Kriegsausbruchs 1914. Moltke war durch die Umstände, den deutschen Dilettantismus, durch die Illusionen und chaotischen Entscheidungen des Kaisers zutiefst beunruhigt: „Ich habe die Eindrücke dieses Erlebnisses nicht überwinden können, es war etwas in mir zerstört, das nicht wieder aufzubauen war...“

Moltke, geprägt durch das Kulturerbe der Klassiker und Idealisten, kam auch mit dem primitiven Machtstreben des wilhelminischen Reichs nicht zurecht. Für ihn war der Krieg ein reines Unglück und von Anfang an der moralische Niedergang, als der er sich dann erwies.

Zugleich schwankte Moltkes Einfluss in der Heeresführung. Er traf Rudolf Steiner im November 1914 und konnte sich über die ihn quälenden Umstände ihm gegenüber ausführlich äußern. Steiner begleitete Moltke von nun an brieflich und auch persönlich bis zu dessen Tod 1916. Auch Steiner hat vermutlich intime Einblicke in das politische Entscheidungsklima dieser Zeit durch Moltke erhalten. Somit sah er recht deutlich die totale Insuffizienz der politischen Führung und die möglichen katastrophalen Folgen.

Ein Brief Steiners an Moltke endet mit den Worten „Diese Zeilen schreibe ich an Sie, Excellenz (…), nachdem meine Seele viel bei Ihnen geweilt hat.“ Ein halbes Jahr später, im Juni 1916, starb Moltke, schwer gezeichnet durch weitere interne politische Intrigen, an einem Herzanfall. Steiner sprach an der Bahre des Verstorbenen und „weilte“ auch weiterhin bei ihm.

Die folgenden Botschaften des Verstorbenen - intime Zeugnisse für dessen Ehefrau- beinhalteten Betrachtungen über Beziehungen Moltkes zu Lebzeiten, auch zum Kaiser und auch in karmischer Hinsicht. Sie reflektierten immer wieder die tragischen Umstände dieser Zeit.
Aber es finden sich auch kryptische Aussagen darin, die nicht einmal mit wohlwollender Interpretation als eindeutig in ihrem Sinn zu verstehen sein können. So auch die Bemerkung (16.2.1921) über Düsseldorf: „Was euch jetzt verwirrt: darin lebt ein Wesen, das von dem finstern Erden- Innern ist. Der Doktor wollte es 1908 nach Düsseldorf tragen. Doch es heftete sich zu stark an Cahnheim. Der Doktor trug dahin nur die leeren Steine. Seit jener Zeit wollte sich der in Cahnheim sitzende Geist rächen. Doch dessen Bewußtsein wußte nichts davon. Das handelte unter Zwang. Aber dieser Geist ist auf Erden zurückgeblieben. Er ist erdenverwandt.
Da waltet ein verwirrungsstiftendes Wesen. Befreiung ist notwendig.“

Vermutlich haben diese kryptischen Bemerkungen mit Düsseldorf nur indirekt zu tun. Steiner hatte im April 1909 seinen bedeutenden Vortragszyklus „Geistige Hierarchien und ihre Widerspiegelung in der physichen Welt“ in Düsseldorf gehalten. Zum unerklärlichen Begriff „Cahnheim“ kann man daran denken, dass Düsseldorf ursprünglich ein kleines Fischerdorf am Rhein gewesen ist. Vermutlich deutet Steiner geistige Widerstände gegen seine Intentionen in Bezug auf den Vortragszyklus an. Die Gerüchte über Düsseldorf, die ich oben angesprochen habe, sind anscheinend durch eine Art Stille-Post-Tratsch entstanden.

In dieser Hinsicht kann man die Publikation dieser merkwürdigen Briefe vielleicht begrüssen. Ansonsten haben sie meist rein privaten, familiären Charakter. Daher ist die Publikation im Perseus - Verlag durchgeführt worden, nicht im Rahmen der Gesamtausgabe.
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Stufen der Aufmerksamkeit

mantram

„Die Methoden, die angewendet werden, um das Geistig-Seelische in uns selbst von dem Physisch-Leiblichen zu scheiden, werden technisch bezeichnet als Konzentration und Meditation.

Diese sind nicht irgendwelche wunderbare geistige Verrichtungen. Sie sind nur aufs höchste gesteigerte geistige Verrichtungen, die auch in ihren niederen elementaren Graden im gewöhnlichen Leben vorkommen. Meditation ist eine ins Unbegrenzte gesteigerte Hingabe der Seele, wie wir sie etwa erleben in den schönsten Empfindungen des religiösen Lebens, und Konzentration ist eine ins Unbegrenzte gesteigerte Aufmerksamkeit.

Im gewöhnlichen Leben bezeichnen wir als Aufmerksamkeit, wenn wir nicht schweifen lassen unsere Vorstellungen und unser Gefühlsleben in beliebiger Weise über die Gegenstände, die auf uns Eindruck machen, sondern wenn wir uns aufraffen, mit unserer Seele unser Interesse auf einen einzelnen Gegenstand besonders hinzulenken, ihn herauszuheben aus dem Feld unseres Wahrnehmens.

Diese Aufmerksamkeit, sie kann ins Unbegrenzte gesteigert werden, namentlich dadurch, daß durch eine innere Willkür unserer Seele gewisse besondere Vorstellungen, welche durch die Geisteswissenschaft gegeben werden können, insofern sie besonders brauchbar sind, in den Mittelpunkt unseres Seelenlebens gerückt werden. Dadurch kann das ganze Seelenleben – mit Außerachtlassung alles übrigen, aller Sorgen und Bekümmernisse, aller Sinneseindrücke, aller Willensimpulse, aller Gefühle und alles Denkens –, kann der gesamte Umfang der Seelenkraft durch eine bestimmte Zeit hindurch einzig und allein auf diese, in den Mittelpunkt des Seelenlebens gerückten Vorstellungen gelenkt werden. Wir müssen dabei ins Auge fassen, daß es nicht darauf ankommt, die Seelenkraft auf den Inhalt desjenigen, was wir so in der Konzentration vor uns haben, zu lenken, sondern auf die Tätigkeit, auf die innere Aktivität und Verrichtung in der Entwickelung der Aufmerksamkeit, der Konzentrationsfähigkeit.

Auf dieses Zusammennehmen, auf das Konzentrieren der Seelenkraft kommt es an. Und oftmaliges, je nach der individuellen Anlage des Menschen allerdings verschieden langes, oft monatelanges, jahrelanges, jahrzehntelanges Üben der Seele in dieser konzentrativen Tätigkeit, ist notwendig, damit die Seele dazu kommt, innerlich sich zu erkraften, innerlich sich zu erraffen, um innerliche Kräfte zu entwickeln, die sonst schlummern in der Seele und die aus ihr hervorgeholt werden durch diese ins Unbegrenzte gesteigerte Aufmerksamkeit, durch die Konzentration. ..“

Rudolf Steiner, 154, Seite 108 f
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Steiner über China

Nachdem die Olympische Farce glücklich zum Ende gebracht worden ist, bleibt auf Seiten der Gäste vor allem Verblüffung. Verblüffung darüber, wie perfekt die Choreographie der Massen, wie dreist die Inszenierung der Macht ungeachtet aller inneren Widersprüche dieses Systems gelungen ist. Nichteinhaltung journalistischer Unabhängigkeit, brutale Umsiedlung von Anwohnern, Ausnutzen der Ärmsten, Unterdrückung ganzer Völker- die Hochglanzoberfläche überdeckte die chinesischen Realitäten nicht einmal im Ansatz. Doch Folgen hatte das nicht. In der Wahrnehmung der Medien galt die Inszenierung in ihrer ganzen Künstlichkeit im Nachhinein als „gelungen“. Vielleicht bleibt im Westen Verblüffung darüber, wie mächtig eine „gelenkte Demokratie“ (eines dieser Unworte der Gegenwart) sich doch präsentieren konnte, voller Brüche, doch bislang ungebrochen.
Schauen wir angesichts dieser Verblüffung einmal auf bald 100 Jahre alte Anmerkungen Rudolf Steiners zu dieser spezifischen chinesischen Dynamik:

Da „haben wir das erste Erstaunen des Abendlandes gegenüber dem, was wie eine gebundene Spiritualität in diesen älteren Kulturen erhalten ist. Wir stehen jetzt einer anderen Epoche gegenüber, der Epoche, in welcher noch eine ganz andere gebundene Spiritualität das Abendland wird in Verwunderung setzen können, nämlich derjenigen Spiritualität, die zwar durchaus nicht der Mission der nachatlantischen Zeit angehört, die ihr aber wie ein Erbgut von früher geblieben ist, die verhüllt war bis in unsere Epoche herein innerhalb des dem Abendlande recht unbekannten chinesischen Geisteslebens. Und es wird nur eines Umstandes bedürfen, um sozusagen das, was da geschehen wird, geradezu zum Überwältiger zu machen der europäisch abendländischen Geisteskultur, so dass diese etwa ihre eigentliche Mission, ihre eigentliche Bedeutung und Aufgabe würde vergessen können. Es wird der Mensch, der immer mehr und mehr in die Zukunft hineinlebt, sich klar machen müssen, daß auf unserem Erdenrund gebundenes Geistesgut, spirituelle Erkenntnis, die aus der alten atlantischen Zeit zurückgeblieben ist, in einem viel höheren Maße noch vorhanden ist, (...), wenn einmal das Chinesentum frei werden wird in seiner geistigen Kultur. Man wird erkennen, daß da ein Strom spirituellen Lebens herausfließen muss, der in einer wunderlichen Weise die Menschen auch äußerlich unterrichten wird von dem, wovon sie sich ja allerdings unterrichten können, wenn sie in das spirituelle Leben eindringen wollten auf dem Wege, den die Geisteswissenschaft eröffnet.

Wenn aber der weitaus größte Teil der Menschheit gegenüber dem, was die Geisteswissenschaft der Menschheit bieten kann in «Schlafhaubigkeit» verbleiben wird, so wird einmal, wenn sich, in einer allerdings nicht für das europäisch abendländische Bewußtsein geeigneten Weise, spirituelles Geistesgut aus dem Chinesentum heraus ergießen wird, dieser Teil der Menschheit dadurch verblüfft sein und sehen wird, dass sich eine solche Kultur nicht begreifen läßt mit dem philiströsen pedantischen Stile des Abendlandes, sondern nur, wenn man sich hineinvertieft in das, was aufgebaut ist auf der alten Chinesenkultur, was als alte Taokultur vorhanden war. (...)

Aber was da frei wird, das wird noch auf andere Weise wirken: es wird
durch seine Macht, durch seine Selbstverständlichkeit, durch seine Größe wirken, es wird verblüffen, es wird schockieren. Es wird sich über das, was sich die Menschheit in der christlichen Kultur erobert hat, so ergießen, daß man gegenüber dem, was da kommen wird an eingerosteter, an «einchinesisierter» Kultur, die richtige Perspektive, den richtigen Standpunkt wird haben wollen. Das wird so sein, dass man sich sagt: Diese Spiritualität war da, sie bedeutete einstmals die geistige Kultur unserer Erde. Aber eine jede Zeit hat ihre eigene Mission, und die europäisch abendländische Kultur hat die Aufgabe, aus dem Umkreise des Weltendaseins alles dasjenige herauszusaugen, was herausgesaugt werden kann aus dem Geistigen, so dass dieses Geistige sich zeigt trotz und hinter der sinnlichen Welt, hinter dem, was Augen sehen und Hände greifen können und was sich uns darstellt als Offenbarung aus den geistigen Welten. Man wird verstehen müssen, daß eine andere Mission aus der anderen Zeit da ist, und dass wir feststehen müssen auf dem Boden, den das Christentum gezimmert hat. Das ist das, was den anderen Standpunkt geben wird. So wird man freudig aufnehmen, was aus den alten Zeiten herüberlebt, aber man wird es durchglänzen, durchleben mit dem, was aus der neueren Zeit, aus der nachatlantischen christlichen Kultur in den Seelen sich allmählich erhoben hat. Die Schwachen aber werden sagen: Wir nehmen die Spiritualität da, wo sie uns gebracht wird, denn wir wollen nur den sensationellen Einblick haben in die geistigen Welten.“

Das Archaische dieser Spiritualität und Kultur entlädt sich heute offenbar vor allem in wirtschaftlicher Macht und einer medialen Grossmachtinszenierung. Zu der spezifischen Kraft und Zähigkeit kommt eine über Jahrzehnte währende Geduld- so etwa im Verhältnis zu Taiwan, das ähnlich wie Hongkong zweifellos irgendwann wieder einverleibt werden wird. Aber das chinesische Wachstum geht in vieler Hinsicht voran auf Kosten von Volk und Land. Das Bildungsniveau und das Einkommen stagnieren auf dem Lande, Korruption und Umweltverschmutzung werden sich auf lange Sicht gegen das System wenden. Im Grunde handelt es sich ja um feudale Strukturen. Die wirkliche Zerreissprobe steht noch bevor. Gut möglich, dass sich nach dieser zu erwartenden Krise erst das zeigt, was von Steiner als Dynamik des spezifischen „chinesischen Geisteslebens“ beschrieben wurde. In wirtschaftlicher Hinsicht haben wir diese Dynamik bereits kennen gelernt.

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Zitat: Rudolf Steiner GA 133 Seite 37 ff
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Rudolf Steiner: Irrtümer der Geistesforscher

„Wenn der Geistesforscher seine Erlebnisse zum Ausdruck bringen will, so ist er genötigt, das in einer übersinnlichen Sphäre Erlebte durch die Mittel des sinnlichen Vorstellens darzustellen. Sein Erleben ist dann nicht aufzufassen, wie wenn es gleich wäre seinen Ausdrucksmitteln, sondern so, daß er sich dieser Ausdrucksmittel nur bedient wie der Worte einer ihm notwendigen Sprache.

Man muß den Inhalt seines Erlebens nicht in den Ausdrucksmitteln, das heißt, in den versinnlichenden Vorstellungen suchen, sondern in der Art, wie er sich dieser Ausdrucksmittel bedient. Der Unterschied seiner Darstellung von einem phantastischen Kombinieren sinnlicher Vorstellungen liegt in der Tat nur darin, daß phantastisches Kombinieren der subjektiven Willkür entspringt, die Darstellung des Geistesforschers aber auf dem durch Übung erlangten Einleben in die übersinnliche Gesetzmäßigkeit beruht. Hier aber ist auch der Grund zu suchen, warum die Darstellung des Geistesforschers so leicht mißverstanden werden können.

Es kommt nämlich bei ihm wirklich weniger darauf an, was er sagt, sondern wie er spricht. In dem «Wie» liegt der Abglanz seiner übersinnlichen Erlebnisse. Die unbefangene Logik wird im Prinzip immer entscheiden können: wenn das wahr ist, was der Geistesforscher sagt, dann ist der Welt- und Lebensverlauf, so wie diese sich sinnenfällig abspielen, verständlich. Man kann in diesen Aussagen Hypothesen, regulative Prinzipien (im Sinne der Kantschen Philosophie) sehen. Man wende sie nur an auf die sinnenfällige Welt, und man wird schon sehen, wie diese in ihrem Verlaufe alles bestätigt, was vom Geistesforscher behauptet wird. –Dies gilt natürlich nicht anders als im Prinzip; im einzelnen können natürlich die Behauptungen der sogenannten Geistesforscher die größten Irrtümer enthalten.“

Rudolf Steiner, GA 35 Seite 127f
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Korrektur

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Rudolf Stoner

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Obiges habe ich gerade in der Apple- Werbung entdeckt. Na, oder besser in einer Persiflage der Apple- Werbung im Netz.
Aber auch sonst im amerikanischen Netz - so berichtet unser Amerika Korrespondent Tom Mellett, finden sich ähnliche Seiten, die uns nicht unerheblich inspiriert haben, so etwa das berühmte uncyclopedia („the content-free encyclopedia that anyone can edit“ ), eine offensichtliche Kopie von Wikipedia. Dort finden wir die von uns bewunderten Notizen über Rudolf Steiner und lesen: „Rudolf Steiner (called "Rudolf Stoner" by his friends) was a smoking, drinking, alcoholic hippy. An intelligent and peaceloving German (who'd've guessed it) who, while puffing on a syspicious narcotic-resembling substance, decided to found a cult and, later, a school. The primary location for such a school, was, of course, a cigarette factory, Steiner named his cult/religion/school after the factory in which the newly founded cult/religion/school resided“. Aha. Das spätere Leben und Wirken Stoners verläuft dann so: „After writing 2.5 million books and earning over $600 million in book contracts (but spending a large portion of the royalties on drugs, cigarettes and tie-dye so that all that was left in his will was a small canvas shop) Steiner chose to retire. While enjoying retirement, Steiner stole three LSD soaked sugar cubes from his next door neighbor. His most influential visions followed: "The future will be a racial apocalypse. Christ will return in the year 1970. Followers of Stiener will be given a lifetime supply of weed. Everyone else will be sent to hell"“
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Die Welt als Kino

kino

„Und das dritte Tier, es ist die Schlaffheit des Denkens, es ist die Bequemlichkeit des Denkens, es ist jenes Denken, das aus der ganzen Welt ein Kino machen möchte, ein Kino aus dem Grund, weil man dann nicht zu denken braucht, sondern weil alles abrollt vor einem und die Gedanken nur dem Abrollenden zu folgen brauchen.“

Rudolf Steiner, „Esoterische Unterweisungen für die Erste Klasse der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum 1924“, Erste Stunde
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Renommieren

Mancher Post- Intellektuelle, der auf dem Jahrmarkt der okulten Eitelkeiten Tiefschürfendes, aber zugleich Flachgeistiges zur Schau stellt, wird sich über dieses Zitat ärgern. Sei´s drum. Auch in diesem Fall gilt: Renommieren will immer nur der Andere.

„Okkulte Erlebnisse verlaufen nicht so, daß man damit renommieren kann. Wenn man anfängt zu renommieren damit, dann hören sie sogleich auf. Sie müssen wirklich in innerer Ruhe und Gelassenheit verlaufen. Und am besten ist es, wenn überhaupt niemand zunächst von einer solchen Erlebnisfolge etwas bemerkt als derjenige, der sie hat.“

R. Steiner, Gesamtausgabe No 236, Seite 126
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Die Mittagsfrau und die Sphinx



Nein, hier handelt es sich nur am Rande um eine weitere Besprechung von Julia Francks gleichnamigem Roman. "Die Mittagsfrau" ist bei Franck eine stimmige Metapher für die
mittag
Protagonistin des Romans, deren gebrochene Geschichte sich durch das 20. Jahrhundert zieht. "Die Mittagsfrau" stellt in diesem Zusammenhang eine Art Dämon dar, eine archaische Gestalt aus der Sagenwelt des slawischen Raums, die den Menschen den Verstand raubt und sie mit einer Sichel tötet: "Die Mittagsfrau, die "Pschespolnitza", vefolgte trotz ihres allgemeinhin gruseligen Tuns gute Absichten. Sie sieht aus wie eine alte böse Hexe, streift an heisen Sommertagen übr Flachs- und Getreidefelder, holt sich diejenigen, die zur Mittagszeit keine Pause machen." Die "guten Absichten" bestanden darin, dass die Hexe sich einem Gespräch mit den Bauern keineswegs verweigerte; im Gegenteil. Die Bauern ihrerseits pflegten das Gespräch mit ihr hingebungsvoll. Denn wenn die zwölfte Stunde vorbei war, hatte die "Mittagsfrau" keine Macht mehr. So stand sie als Patin vor einer reichhaltigen Sagenwelt, initiierte Legenden und Überlieferungen, war vielleicht sogar der Anlass für die Schaffung der Mittagspause. Eine Legende aus Trebendorf illustriert dies:

"Es durfte in früheren Zeiten niemand in der zwölften Stunde mittags draußen auf dem Felde sein. Die alte Brozyna von Trebendorf hatte sehr verwachsenen Flachs auf dem Felde beim Wäldchen. Diese blieb eines Tages in der Mittagsstunde auf dem Flachs wieten. Da kam zu ihr die Mittagsfrau und frug die Frau, was sie hier mache. Die Brozyna erschrak vor der großen weißen Frau, denn sie hatte eine große Sichel mit einer langen Stange auf der Schulter zu hängen.

Aber die Brozyna faßte Mut und erzählte der Mittagsfrau die ganze Stunde vom Flachs. Sie zog die Worte recht lang und sprach etliche hundertmal: "Das ist so und das so, meine Muhme", und immer so von a bis z, immer von dem Flachs, bis die zwölfte Stunde durch war. Und als die Stunde durch war, sagte die Mittagsfrau: "Der Teufel hat Euch den Verstand gegeben", und verschwand dann. Hätte diese Frau nicht die zwölfte Stunde das Gespräch ausgehalten, so hätte ihr die Mittagsfrau mit der Sichel den Kopf abgerissen."


Nun hat sich - ganz nebenbei- auch Rudolf Steiner einmal diesem mythischen Wesen gewidmet. Wie gewohnt, sieht er den Kontext für dieses bäuerliche Gespensterphänomen - das er möglicherweise ja aus dem Sagenraum seiner Kindheit kannte- sehr viel weiter als irgend jemand sonst. Denn für ihn verweist die Sage direkt zurück auf die Sphinx:

"Nicht nur sind die physischen Gestalten der Tiere stehengeblieben, sondern auch die Anlagen zur ätherischen und astralischen Gestalt. Gerade wie der Löwe, damals als er sich abspaltete, anders aussah als jetzt, so werden auch gewisse seelisch-geistige Gestalten, die auf einer gewissen Stufe stehenbleiben, im Laufe der Zeit anders, sie verkommen. Ja, es ist ein Gesetz der geistigen Welt, dass dasjenige, was auf der geistigen oder seelischen Stufe stehenbleibt, immer mehr in die Dekadenz kommt. Sagen wir zum Beispiel, daß, wenn die Sphinx stehenbleibt, sie dann verkommt, eine Gestalt bekommt, die etwas wie eine Karikatur ihrer ursprünglichen Gestalt zeigt. Die Sphinx ist daher bis auf unsere Zeit auf dem Astralplan so erhalten geblieben. Den Menschen, der als Eingeweihter oder sonst irgendwie auf eine reguläre Weise hinaufkommt in die höheren Welten, den interessieren diese dekadenten Gestalten wenig, die da sozusagen herabgekommenes Gesindel der geistigen Welt sind. Aber denen, die mit einer niederen Hellsehergabe ausgerüstet herausgeführt werden in Ausnahmefällen in die astrale Welt, denen treten solche dekadenten Gestalten entgegen. Dem Ödipus ist die wahre Sphinx entgegengetreten, aber gestorben ist sie auch heute nicht, nur tritt sie in anderer, besonderer Gestalt dem Menschen entgegen. Wenn Menschen in der Landbevölkerung, die auf einer gewissen Stufe in der Entwickelung zurückgeblieben sind, im Sommer in der heißen Glut der Sonne mittags auf dem Felde ruhen und einschlafen, und etwas bei ihnen eintritt, was man nennen könnte einen latenten Sonnenstich, und wenn durch diese Einwirkung auf den physischen Leib sich der Astralleib und der Ätherleib aus einem Teil des physischen Leibes loslösen, dann sind solche Menschen auf den Astralplan versetzt, und sie sehen diesen dekadenten letzten Nachkommen der Sphinx. In einigen Gegenden nennt man sie Mittagsfrau. Und wie die alte Sphinx den Menschen, die sie erlebten, Fragen stellte, so stellt auch die Mittagsfrau Fragen.
(R. St., Gesamtausgabe BD. 106, Seite 148f )

Was wir daraus lernen? Im Sommer nicht in der Mittagszeit einschlafen!

Bildquelle: Spreewald
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Intentions- Sinn

Zu den "höheren Sinnen" zählte Rudolf Steiner (neben Wort- und Ichsinn) auch den Gedankensinn. Während der Wortsinn vermittelt, dass "das Wort nicht nur ein Klang ist, sondern dass es ein Wort ist" (dieses und die folgenden Zitate aus Karl König: "Der Kreis der zwölf Sinne"), dass menschliche Sprache - selbst wenn man sie nicht versteht- eindeutig kein "Geplätscher" darstellt, ist das eine. Wir wissen unmittelbar - nicht durch Schlussfolgern, sondern durch Wahrnehmung- dass Worte und Gesten eine Bedeutung haben. Wie jeder Sinn kann auch der Wortsinn übertragen und generalisiert werden. Denn auch Kunst und Architektur sprechen ja. Allerdings erschliesst sich mit der Wahrnehmung eines Sprechenden noch nicht die Intentionalität des Gesprochenen. Diese vermittelt der Gedankensinn, der somit eng mit dem Wortsinn verbunden ist. Wie bei jeder Sinneswahrnehmung handelt es sich um ein Wechselspiel von Nachvollzug (im Sinne der heute viel diskutierten "Spiegelneuronen") einerseits und einer distanzierten Einbettung in den eigenen Kontext, in die eigene Erfahrungswelt andererseits. Wahrnehmung ist immer auch ein Prozess der Fokussierung, Relativierung, Kontextualisierung. Bei dem Gedankensinn ist das besonders augenfällig, denn wir müssen ja ein Verhältnis finden zu den Gedanken der Mitmenschen.

Rudolf Steiner schildert den Gedankensinn so: "Insofern wir ein Lebensorganismus sind, können wir wahrnehmen die Gedanken des andern. Wiederum sind wir dazu veranlagt gewesen, viel geistiger die Gedanken des andern wahrzunehmen, als wir sie eigentlich jetzt wahrnehmen. Gewissermaßen im einfachen Dem-andern-Gegenübertreten sind wir veranlagt gewesen, seine Gedanken innerlich nachzufühlen, sie nachzuleben. Es ist ein grober physischer Abglanz, wie wir heute die Gedanken des andern ja sogar nur auf dem Umweg der Sprache wahrnehmen. Und höchstens, wenn wir uns ein wenig dressieren auf die Gestikulationen und auf das Mienenspiel und auf die Physiognomie des anderen, können wir noch einen Nachklang von dem wahrnehmen, wozu wir veranlagt waren. Die ganze Denkdisposition eines Menschen wahrzunehmen, waren wir veranlagt, indem wir ihm gegenübertraten, sie nachzuleben und die einzelnen Denkäußerungen aus den einzelnen Gesten, einzelnen Mienen wahrzunehmen." (R. St., Gesamtausgabe 170, Seite 247 f ).

Allerdings kann auch diese Fähigkeit bis zu einem gewissen Grad degenerieren und reduziert werden auf eben diese Kontextualisierung: "Es gibt allerdings Menschen, die namentlich in bezug auf den Ichsinn, aber auch in bezug auf den Gedankensinn sich so verhalten, daß man sagen kann, die Menschen stecken so stark in ihren mittleren Sinnen, im Wärmesinn, Sehsinn, Geschmackssinn und Geruchssinn drinnen, daß sie auch die anderen Menschen oder deren Gedanken so beurteilen. Dann hören sie aber gar nicht die Gedanken oder die Worte des andern, sondern sie nehmen sie so wahr, wie zum Beispiel eben, sagen wir, Moselwein oder Essig oder irgendein anderes Getränk oder eine Speise wahrgenommen wird. Ein solcher Mensch lebt gewissermaßen, sagen wir, ohne Kopf, das heißt er gebraucht seine «Kopfsinne» auch in einer ähnlichen Weise, wie die mehr schon dem Animalischen zugeneigten Sinne." (R. St, GA 206, Seite 14 f). Moselwein oder Essig: Da werden die Gedanken der Mitmenschen auf "geschmackliche" Fragen reduziert und nicht mehr in ihrer Intentionalität beurteilt, sondern nur noch, ob sie mir "schmecken", ob sie mir nützlich sind. Es findet vorab eine Art Selektion nach Nützlichkeit und Bequemlichkeit, eine interne Zensur statt. Was nicht passt, fällt der Schere im Kopf zum Opfer.

Es gibt eine Behinderungsform, bei der nicht nur das emotionale Leben Anderer, sondern auch deren Intentionen für die Betroffenen zum vollkommenen Rätsel werden, und zwar bei ausgebildeter Intelligenz. Dabei handelt es sich um den Asperger- Autismus. DIE ZEIT schreibt: "So wie Legastheniker wegen ihrer Leseschwäche mit dem Alphabet kämpfen, sind Menschen mit dem Asperger-Syndrom nicht in der Lage, soziale Zeichen für Ablehnung oder Sympathie zu verstehen." Solche Kinder können sich nur auf den Wortsinn verlassen und nehmen daher alles Gehörte wortwörtlich. Die Formulierung "Geld auf den Kopf hauen" wirkt für sie daher reichlich befremdlich, wie so vieles. Allerdings ist das Syndrom überaus komplex und vielschichtig.
Daher greift auch der angesprochene Vergleich mit einer Teilleistungsstörung wie der Legasthenie nur sehr bedingt.

Meinen Beobachtungen nach findet man aber auch einen schwach ausgebildeten Gedankensinn ohne ausgeprägtes autistisches Syndrom, als reine Teilleistungsstörung. Diese Schüler hören und lesen die Worte, vernehmen aber nicht die darin enthaltene Intentionalität. Sie verstehen daher auch weder Ironie noch Humor. Sie haben Probleme mit Textaufgaben, da hierbei meist die eigentliche Aufgabenstellung gar nicht explizit ausgesprochen wird.Die Tatsache, dass die Intention des Gesagten (z.B. in einer ironischen Äußerung) im Gegenteil dessen liegen kann, was durch die Worte ausgesagt wird ("Da hast du aber einen tollen Aufsatz geschrieben"), erschliesst sich für diese Schüler nicht. Sie haben auch Schwierigkeiten, eine Aufforderung zu entschlüsseln, wenn diese nicht eindeutig als solche benannt wird. Und natürlich hinkt ihr Textverständnis generell hinter dem ihrer Altersgenossen hinterher. Allerdings kann manches in dieser Hinsicht durch Schlussfolgern und Nachahmen allmählich kompensiert werden. So wie ein Autist nach Jahren plötzlich trocken bemerken kann: "Das war jetzt ein "Scherz", oder?" und allmählich aus dem Mienenspiel Anderer (manchmal) auf vermutlich damit ausgedrückte Gefühlslagen schliessen kann, lernen die "Gedankensinnlosen" allmählich - aus Gründen der Wahrscheinlichkeit- dass mit einer bestimmten Äußerung eines Lehrers eine Aufforderung verbunden ist. Bis dahin ist es ein weiter Weg, und ein häufig missverstandener. Denn diese Kinder werden häufig als "faul" oder "dumm" oder -vor allem- "begriffsstutzig" fehlinterpretiert.

Die Häufigkeit des Auftretens entspricht nach meiner Beobachtung der der Legasthenie- also etwa 4 oder 5 Prozent eines Jahrgangs. Es fällt den Kindern oft schwer, Freundschaften zu schliessen, weil sie so "seltsam" reagieren. Ein weiteres Problem scheint mir damit verbunden zu sein, dass diese Schüler die Lautstärke ihrer Stimme nicht beherrschen. Meist sprechen sie viel zu leise. Sie können sich nicht in die Lage eines Anderen (oder einer Klasse) im Raum versetzen und in welchem Maß ihre eigene Stimme diese Mitschüler erreicht. Sie nehmen ihre eigene Stimme wahr und richten die Lautstärke danach. Das Mitvollziehen der eigenen Stimme im Anderen und das Ausrichten der Lautstärke danach ist ihnen nicht möglich. Es ist auch kaum möglich, im erzieherischen Sinn auf dieses Manko einzuwirken. In all den Jahren waren meine Versuche eines diesbezüglichen Trainings jedenfalls meist völlig erfolglos.

Noch gibt es meines Wissens für die angesprochene Problematik weder Kategorisierung noch einen Begriff. Ob sie tatsächlich als Phänomen bei Kindern zu nimmt oder ob ich sie nur immer aufmerksamer beobachte, kann ich nicht beurteilen. Bei aller damit verbundenen Problematik haben die auftretenden, immer wieder kehrenden Situationen ständiger Missverständnisse auch etwas von einem Slapstick.

(Übrigens ist es immer ein besonderer Anlass zu Aufmerksamkeit, wenn zwei Menschen in besonderem Maß "auf derselben Welle schwimmen", d.h. die Intentionalität des Anderen intuitiv und ohne viel Worte und Nachdenken erfassen, und zwar gegenseitig und zeitgleich- oder aber wenn sie eben besonderen Aufwand betreiben müssen, um sich gegenseitig ohne grässliche Missverständnisse auch nur im Ansatz zu verstehen. Beides lässt einen über Beziehung nachdenken.)
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Schwierige Kinder

schwierig
"Kinder, mit denen man keine Schwierigkeiten hat, die sind in der Regel nicht die allergesündesten im späteren Alter. Kinder dagegen, die dem Erzieher etwas unbequem werden, das sind die, welche dann im späteren Leben die mehr brauchbareren, weil die energischeren Naturen sind. Daher wird der verständige Erzieher es schon ganz gern haben, wenn ihm die Kinder auch etwas auf die Finger schauen."


R. Steiner, Gesamtausgabe 310, Seite 25
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Sich nicht suchen heisst: Sich finden

"Der Mensch wird immer mehr Mensch, indem er sich nicht sucht, sondern in Liebe sich wollend der Welt verbindet."
Anthroposoph



Rudolf Steiner, Anthroposophische Leitsätze, S. 117
Vergrößerung der Steffen- Grafik für den Desktop- Hintergrund:
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Sektiererisch

"Was nützt es denn, wenn wir den Leuten wieder und wieder sagen, wir seien keine Sekte, wenn wir uns so verhalten, wie wenn wir eine Sekte wären. Denn, sehen Sie, was vor allem verstanden werden sollte durch die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft, das ist die Bedingung einer Gesellschaft überhaupt in der modernen Zeit. Eine Gesellschaft kann gar nicht eine Sekte sein. Daher darf eigentlich gar niemals, wenn die Anthroposophische Gesellschaft auf ihrem richtigen Boden stehen soll, das "wir" mit Bezug auf die Anschauungen eine Rolle spielen. Immer wieder und wiederum hört man von Anthroposophen der Außenwelt gegenüber sagen: Wir, die Gesellschaft, haben diese oder jene Anschauung. Mit uns geschieht das oder jenes. Wir wollen dies oder jenes. Das war in alten Zeiten möglich, dass in einer solchen Konformität Gesellschaften sich vor die Welt hinstellten. Das ist in unserer Zeit nicht mehr möglich. In unserer Zeit muss gerade innerhalb einer solchen Gesellschaft jeder einzelne Mensch ein wirklich freier Mensch sein. Anschauungen, Gedanken, Meinungen hat nur jeder einzelne. Die Gesellschaft hat keine Meinung. Und das muss schon im sprachlichen Ausdruck, mit dem der einzelne von der Gesellschaft spricht, zum Ausdruck kommen. Das "wir" muss eigentlich schwinden."

Rudolf Steiner, "Die Geschichte und die Bedingungen der anthroposophischen Bewegung im Verhältnis zur Anthroposophischen Gesellschaft", Dornach 1959/2, Seite 157. Vortrag vom 16.6.1923
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The end of the world as we know it

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"Nach der Verwandlung der mineralischen Welt lernt der Mensch diejenige der Pflanzen verwandeln. Das ist ein höherer Grad des Könnens. Ebenso, wie der Mensch heute Gebäude erbaut, wird der Mensch Pflanzen erschaffen und formen können, indem er an der Pflanzensubstanz arbeitet.

Ja, in der Folgezeit wird der Mensch noch höher steigen, indem er nicht nur lebende, sondern sogar bewußte Wesen bilden wird, und er wird sein Vermögen auf das Tierreich ausdehnen. Wird er imstande sein, sich selbst durch seinen bewußten Willen neu zu erschaffen, wird er auf einer höheren Stufe das verwirklichen, was er heute in der mineralischen Sinneswelt vollbringt.

Der Keim zu dieser Reproduktion seiner selbst, befreit von aller Sinnlichkeit, ist das Wort. Das erste Bewußtsein ist dem Menschen mit dem ersten Atemzug zuteil geworden. Das Bewußtsein wird seine Vollendung erreichen, wenn er imstande sein wird, in sein Wort dieselbe schöpferische Kraft einfließen zu lassen, mit der heute sein Gedankenleben begabt ist.

Gegenwärtig vertraut er nur seine Worte der Luft an. Wenn er sich zu einem höheren Bewußtsein erhoben hat, wird er der Luft Bilder mitteilen können. Das Wort wird dann in vollem Sinne eine lebendige Imagination sein. Indem er diesen Bildern Körperhaftigkeit verleiht, wird er das Wort zum körperhaften Träger des Bildes machen. Und wenn der Mensch verstehen wird, das Leben auf das Höchste, was in ihm ist, zu übertragen, werden diese Bilder ein eigenes, wirkliches Leben erlangen, vergleichbar der tierischen Existenz. Dann wird der Mensch letzten Endes sich selbst reproduzieren können."

Rudolf Steiner, GA 94, Seite 99f
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Das Medium ist nicht die Botschaft

"Geradesoviel wie die Mitteilung von Berlin nach Paris mit der Einrichtung des elektrischen Telegraphen, geradesoviel und sowenig hat das, was die menschliche Seele ist, mit den Einrichtungen des menschlichen Leibes zu tun. Nur wenn wir so denken, bekommen wir eine Vorstellung von der Selbständigkeit des Seelenlebens.

Denn es könnte durchaus sein, dass diese menschliche Seele mit allem, was sie in sich hat, eines anderen Leibes, eines anders gestalteten Leibes sich bediente, so wie man die Mitteilung von Berlin nach Paris durch etwas anderes als gerade durch die Einrichtung eines elektrischen Telegraphen übersenden könnte. Und wie der elektrische Telegraph nur die bequemste Art ist innerhalb unserer Verhältnisse, um eine Mitteilung zu machen, so ist auch der in pendelnder Bewegung sich befindliche Leib, der oben ein Haupt hat, für unsere Erdenverhältnisse das bequemste Mittel, dass die Seele sich ausleben, sich äußern kann.

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Aber es ist durchaus nicht der Fall, dass der Leib mit dem, was das Seelenleben ist, irgend etwas mehr zu tun hat, als die elektrischen Telegraphen und ihre Einrichtungen mit der Weitergabe einer Mitteilung von Paris nach Berlin, oder als die Uhr mit der Zeit zu tun hat. Denn man könnte ein ganz anderes Instrument ersinnen, um die Zeit zu messen, als unsere Uhren. Und so ist ein ganz anderer menschlicher Leib denkbar als der, den wir nach den jetzigen Erdenverhältnissen benutzen, um die menschlichen Seelenverhältnisse auszuleben."

Rudolf Steiner, Das Leben zwischen Tod und neuer Geburt..., GA141, S. 65 ff
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Das "reine Denken"

Elisabeth Potschka fragte in den Kommentaren nach dem Begriff des "reinen Denkens", der einen anthroposophischen Terminus technicus darstellt und somit durchaus erläuterungsbedürftig ist. Ein sinnlichkeitsfreies, von allen Inhalten freies Denken erscheint zunächst als Widerspruch in sich. Denn eigentlich kennen wir normalerweise nur die Inhalte des Denkens und erfahren die Tätigkeit des Denkens höchstens insofern, als wir unsere Denkwege im Nachhinein betrachten können. Der Begriff des "reinen Denkens", den Rudolf Steiner geprägt hat, ist somit ähnlich wie die klassischen Zen- Sprüche in sich widersprüchlich.
Oder, anders betrachtet, begibt man sich mit dem Begriff auf eine Ebene, die in anderen spirituellen Zusammenhängen gern mit etwas wie "Flow", "Leere" oder "Jetzt-Erfahrung" (Eckhart Tolle) umschrieben wird.

Rudolf Steiner selbst verweist auf die Analogie zum Yoga und zu darin praktizierten Atemübungen: "Sind Sie im Seelischen so weit gekommen, daß Sie das Denken befreit haben von der äußeren Anschauung, dann ist es damit zugleich reiner Willen geworden. Aber jetzt spüren Sie innerlich, daß Sie nicht mehr so hoch oben denken, sondern dass Sie beginnen, mit der Brust zu denken. Sie verweben tatsächlich Ihr Denken mit dem Atmungsprozesse. Sie regen damit an, was die Jogaübungen künstlich angestrebt haben" (GA 217, Seite 148f).

Das Zusammenfallen von Denken und Wille in dieser Erfahrung erwähnt er mehrfach: "In dem Augenblicke, wo man das Denken noch hat, trotzdem man keine sinnliche Anschauung hat, in dem Augenblick hat man das Denken zugleich als Wille. Es ist kein Unterschied mehr zwischen Wollen und Denken. Wenn das Denken ganz sinnlichkeitsfrei geworden ist, dann hat man das Weltgeschehen an einem Zipfel" (GA 205, Seite 151).

Dass es sich beim "reinen Denken" um eine Übergangssituation meditativer Art handelt, um eine Ausgangssituation in geistiger Arbeit, wird aus folgendem Zitat ersichtlich: "Man lebt mit dem reinen Denken im Übersinnlichen; aber man erlebt nur dieses auf eine übersinnliche Art; man erlebt noch nichts anderes Übersinnliches" (GA 10, Seite 220).
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Heiligenschein

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"Nicht nur eine Ätherströmung geht vom Herzen nach dem Kopfe, sondern darin sind auch Strömungen des astralischen Leibes vorhanden. Nun ist das Gehirn ein höchst eigentümliches Werkzeug der menschlichen Natur; es hat nämlich durch die Art und Weise, wie es sich seit dem letzten Drittel der atlantischen Zeit gebildet hat, die Eigenschaft angenommen, dass es das, was da heraufgeht als astralische Strömung, aufhält, nicht durch sich durchlässt, während es die Ätherströmung tatsächlich durchlässt. Diese astralischen Strömungen aber, die von unten nach oben gehen und vom Gehirn aufgehalten werden, haben eine gewisse Anziehungskraft zu den äußeren astralischen Substantialitäten, die uns in der astralischen Substanz der Erde immer umgeben.

Also das, was wir als astralischen Leib um den Kopf herum finden, ganz in der Nähe unserer Kopfhaut, das hat gleichsam eine Verdickung, etwas wie eine Mütze, die wir als astralische Substanz fortwährend aufhaben. Durch diese astralische Haube dringen nun die Strahlen des Ätherleibes hindurch, da sie ja nicht aufgehalten werden vom Gehirn, und um so heller und glänzender erscheinen sie für den hellseherischen Blick, je reiner sie sind, das heißt, je weniger sie noch enthalten von den Trieben, Begierden und Leidenschaften, von den Affekten der menschlichen Natur. Dadurch gewinnt das, was wir als die Aura des Menschen bezeichnen, eine Art von Kranz von Astralität, durch welchen die Strahlen des Ätherleibes des Menschen hindurchstrahlen. Das ist die Kopfaura, welche von den alten noch hellseherisch begabten Menschen bei solchen Persönlichkeiten wahrgenommen wurde, bei denen durch die Reinheit ihres Wesens dieser Ätheraurateil hellstrahlend war: das, was als der Heiligenschein auch auf den Bildern abgebildet wird. "

Rudolf Steiner, GA 129 Seite196f
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Rudolf Steiner und das iPhone

Rudolf Steiners persönliche Meinung zum 100000. in Deutschland verkauften iPhone an diesem Weihnachtsfest:

iphone apple
www.apple.com

"Wenn das nicht in die Menschenseelen einziehen könnte, was ihnen die Spiritualität bringen kann und was die anthroposophische Bewegung will, dann könnte etwa die äußere Kultur ein wenig fortgehen, aber die Menschen würden zuletzt dahin kommen, dass sie sich sagen würden: Ja, das haben wir nun alles erlangt! Drahtlose Vorrichtungen tragen unsere Gedanken, Vorrichtungen, von denen sich unsere Vorwelt nichts hat träumen lassen, über den ganzen Erdball hin. Aber was haben wir davon?
Die trivialsten, ödesten Gedanken schicken wir von einem Ort zum andern; menschliche Intelligenzkraft bis ins Höchste haben wir anspannen müssen, damit wir nun endlich mit allen möglichen Werkzeugen herüberbringen können von einem Ort der Erde an den andern, was wir nun essen, und angespannt haben wir unsere Kräfte der Intelligenz, um schnell, recht schnell den Erdkreis zu umspannen, aber wir haben in unserem Kopfe nichts darinnen, was wir irgendwie von einem Punkt zum anderen tragen können..

iphone telekom
Denn die Gedanken, die wir tragen können, sind trostlos, und wahrhaftig, sie sind trostloser noch geworden, seit wir sie in unseren modernen Fahrzeugen tragen, gegenüber denen, die wir getragen haben in den alten schneckenartig sich fortbewegenden Fahrzeugen"

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Rudolf Steiner: "Das esoterische Christentum und die geistige Führung der Menschheit" GA 130, S. 200
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Das Fünfte Evangelium

Der gleichnamige Vortragszyklus gehört zweifellos zu den herausragenden Aspekten im Werk Rudolf Steiners, der braven Kirchenleuten so die Zornesröte ins Gesicht treibt, dass sie nur noch unzusammenhängend etwas von "angemaßter Offenbarung" und (schlimme Beschimpfung in diesen Kreisen) "Gnostiker" zwischen den Zähnen hervor quetschen. Für wohlwollende oder zumindest tolerante Leser dagegen gehört gerade dieser Zyklus zu denjenigen, die etwas unmittelbar Berührendes haben. Warum das so ist, wie es zu den Vorträgen kam und wieso sie so abrupt endeten und nicht wieder aufgegriffen wurden, beschäftigt Peter Selg in seiner Studie "Rudolf Steiner und das Fünfte Evangelium". Die Situation der Vortragsreihe 1913 in Kristiania ergibt sich einerseits aus der Tatsache, dass sie im Vorfeld des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges gehalten wurde. Außerdem sei - nach Aussagen des berühmten russischen Schriftstellers Andrej Belyi "die Atmosphäre Norwegens besonders rein" in Steiners Augen gewesen und daher geeignet, "bis ins Letzte durchgeistigte Worte zu sprechen". Eine Art weiteres Evangelium neben die vorhandenen zu setzen, sei - nach Steiners Worten (GA 118, S. 159)- insbesondere für "Anhänger der rosenkreuzerischen Bewegung" (die es offiziell gar nicht gibt) gedacht gewesen. Vor allem aber trug Rudolf Steiner seine Vorträge bei dieser Gelegenheit mit einer geradzu hymnischen Inbrunst vor, gegen die alles Christologische von ihm bis dahin "abstrakt", "theoretisch" und "gedankenmäßig" (GA 148) gewesen sei.
Der Vortragszyklus enthält tatsächlich kaum die gewohnten anthroposophischen Erörterungen. Vielmehr handelt es sich um "Mitteilungen" im Sinne von Erzählungen aus dem Leben Jesu, die man eher von einer mittelalterlichen Nonne erwartet hätte. Rudolf Steiners Ton ist dabei ungewohnt; seine innere Situation bei diesen Vorträgen war auch für ihn eine neue.
Peter Selg nähert sich dieser äußeren und inneren Situation Rudolf Steiners an. Er referiert aus dem Zyklus, um Vorgänger- und Nachfolgevorträge zu extrahieren, die man zu dieser Reihe hinzuzählen könnte. Schließlich beschäftigt er sich mit der Frage, warum diese Vorträge nicht fortgeführt werden konnten.
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Push up

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"Es gibt kein besseres Mittel, die Erotik auf das richtige Maß zurückzuschrauben als eine gesunde Entwickelung des ästhetischen Sinnes für das Erhabene und Schöne in der Natur. Wenn Sie den ästhetischen Sinn ausbilden, dann tun Sie viel mehr, als mit den manchmal fast bis zum Blödsinn getriebenen sexuellen Unterweisungen."

Rudolf Steiner GA 302, Seite 77: Steiner bezieht sich in diesem Zusammenhang auf die Erziehung.

Foto vergrössert Die H&M- Werbung befindet sich in Düsseldorf am Rhein. Ganz nebenbei: Unterwäsche- Werbung hat sich inzwischen zur festen Größe in der vorweihnachtlichen Dekoration der Städte entwickelt.
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Fleisch

"Kriegerische Völker neigen mehr der Fleischnahrung zu als friedfertige Völkerschaften."
Rudolf Steiner GA 145 Seite 26

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Das hab ich mir verdient

Wenn man zufällig in Düsseldorf, Hamburg oder München wohnt, wird man ihr häufig begegnet sein: Der Arroganz des jungen Geldes. Die Arroganz der Macht gesellt sich ebenso hinzu wie die des gesellschaftichen Status. Auch ich habe den gockelhaften Auftritten einiger Happy Few auf Parties oder bei gesellschaftlichen Anlässen beigewohnt - manchmal genervt, meist aber erheitert. Selbstverständlich ziehen sich diese beliebten "games people play" bis in die Niederungen der tiefsten Provinz. Die Arroganz seiner Macht erhöht auch den örtlichen Referatsleiter, Konrektor und dörflichen Bankvorstand. Was solls?

sanitaer

Neben den Klischees der goldenen Wasserhähne, den glücklichen Fernreisen und dem erfüllten "Lebensabend" kann dieser Sammlung illusionärer Selbstbilder noch die spezifische Arroganz der Jugend und der körperlichen Attraktivität hinzu gerechnet werden, nur um die Sammlung komplett zu machen. Erst wenn man ein wenig älter geworden ist, weiß man um die Flüchtigkeit dieser "Besitztümer". Erst wenn man einen derben Schlag ins Gesicht erhalten hat, weiss man um die Brüchigkeit der eigenen Gesundheit- und manchmal auch die der Finanzen. Allen diesen scheinbaren Besitztümern ist gemein, dass den temporären Inhabern auf der Stirn der Gedanke geschrieben steht: Das habe ich mir verdient. Auf einer Hochzeitsfeier Düsseldorfer Geldadelserben ist man geradezu umzingelt von derlei derben Illusionen. Und natürlich spielt auch die Werbung gern mit diesen spießigen Klischees. Die Neigung, das eigene Ich zärtlich zu wiegen und einen temporären glücklichen Lebensumstand als "verdient" zu betrachten, ist nahezu universell und nur durch eintretende Veränderungen in den äußeren Umständen zu erschüttern. In Gesprächen mit wohlhabenden Vertretern der Happy Few allerdings stellt sich in den letzten Jahren heraus, dass eine gewisse Nachdenklichkeit im Wachsen begriffen ist: Die sich schneller drehenden Räder von wirtschaftlichen Unwägbarkeiten, politischen Ortswechseln und globalisierten Fehlspekulationen haben auch in den Bekanntenkreisen der Wohlsituierten nicht zu übersehende Breschen geschlagen. Der Boden unter den Füßen kann sich immer schneller in pekuniären Brei verwandeln.

Auch in diesen Niederungen hat Rudolf Steiner sich moralisch positioniert: "Freude ist in den meisten Fällen im menschlichen Leben etwas, was man nicht verdient hat durch vorhergehende Taten. Wenn wir das Karma untersuchen mit den okkulten Mitteln, dann finden wir durchaus, dass man in den meisten Fällen die Freude, die man erlebt, nicht verdient hat, und dass man die Freude so betrachten soll, dass man sie dankbar hinnimmt als von den Göttern gesandt, als ein Göttergeschenk, und sich sagt, was uns heute an Freude begegnet, das soll uns anfeuern zu arbeiten, dass wir die uns durch die Freude zuströmenden Kräfte in uns aufnehmen und in nutzbringender Weise verwenden. Wir müssen die Freude betrachten als eine Art Abschlagszahlung für die Zukunft".*

Eine schlichte moralische Doktrin. Sie sagt lediglich: "Bilde dir nichts darauf ein" und: "Mach was draus".


*Rudolf Steiner, "Das esoterische Christentum und die geistige Führung der Menschheit", S. 124
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Kollektiv

"Die Folgen der Tat müssen getragen werden, gleichviel von wem."

Rudolf Steiner, Englischsprachiger Textlink: GA 95, Seite 59

"Außer dem Karma, das jeder einzelne hat, gibt es ein allgemeines karmisches Gesetz auf allen Stufen des Daseins. Karma geht durch alle Reiche des Daseins, und es gibt durchaus Dinge im Menschheitskarma, in dem Karma eines Volkes, einer Gesellschaft oder einer anderen Menschheitsgruppe, die wir als ein gemeinschaftliches Karma ansehen müssen, so daß unter Umständen der einzelne mitgerissen werden kann von dem Gesamtkarma.

Englischsprachiger Textlink: GA 107, Seite 175
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Karma schaffen

"Das Wort Karma kommt von oder hängt wenigstens zusammen mit dem Sanskritwort Karnoti, das heißt tun, machen, wirken. Es ist genau derselbe Stamm wie im lateinischen creare, schaffen. Creare, machen und schaffen, ist also genau dasselbe.

Rudolf Steiner Englischsprachiger Textlink GA 54, Seite 293
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Eine ganz individuelle Angelegenheit des einzelnen Menschen

"Nur wissen, dass es Reinkarnation und Karma gibt, und in schönen Redensarten davon sprechen können, ist so gut wie Nicht-Geisteswissenschaft. Täglich, stündlich in ihr leben muss man, die Seele ganz damit durchdringen und ruhig abwarten, was geschieht, dann wird man ihre Wirkung sehen. Wer die geisteswissenschaftlichen Gedanken in sich trägt, wie Nahrung- und Samengedanken, in Stunden von Leid und Freude, in Stunden von Devotion und Erhebung, in Stunden, wo das Leben zu zerreissen droht, wer fühlt, wie sie Lust zur Arbeit, Kraft und Hoffnung bringen, der hat sie recht erfasst. (...) Eine ganz individuelle Angelegenheit des einzelnen Menschen muss die Geisteswissenschaft werden."

Rudolf Steiner, "Weisheit und Gesundheit", Berlin, 14.2.1907
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Steiner & seine Frauen Part 1

Dass sich jeder seinen höchst eigenen Steiner strickt, ist nun nichts neues. Man erlebt es an allen Ecken und Enden, besonders aber in einem vielstimmigen biografischen Rundumschlag wie „Der andere Rudolf Steiner“. Das Schöne ist, dass sich die Annahmen, Urteile, Interpretationen selbst von Zeitgenossen und Freunden Steiners vollkommen widersprechen.
Hier im ersten Teil geht um eine alte Freundin Steiners, Rosa Mayreder. Steiner ist als erotischer Leichtfuss einerseits, als sexfeindlicher Asket andrerseits geschildert worden. Dem wollen wir uns ein wenig annähern.

mayreder
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So ein Käse

Einem Asketen empfahl Rudolf Steiner: "Man kann sich nicht in den Himmel fasten. Die Nahrung muss mit dem Seelenzustand im Gleichgewicht sein. Essen Sie also viel Käse, je mehr er riecht, umso besser; essen Sie viel Wurzeln und vor allem- verkriechen Sie sich nicht!"
(in: Vögele, Der Andere Rudolf Steiner, S. 171.)

Der Tipp Steiners ist auch deshalb praktisch (neben der Wirkung, den etwas abgedrehten Ernst Wagner zu "erden"), dass stinkiger, alter Käse die in ihm befindliche Laktose abgebaut hat und von Zucker und Zuckeralkoholen mithin frei ist. Da ein erheblicher Teil auch der hiesigen Bevölkerung (mit zunehmendem Alter stark ansteigend) - meist ohne es zu wissen- unter mehr oder weniger schwerer Laktoseintoleranz leidet, ist der Hinweis sicherlich vernünftig. Überhaupt besteht ja erst seit relativ kurzer Zeit und vorrangig nur in unseren Breitengraden eine gewisse Möglichkeit, Milch zu verdauen. Im gesamten asiatischen Raum besteht Unverträglichkeit zwischen 80 und 100% (Thailand) in der Bevölkerung. .
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Durch den Magen

"Durch den Magen geht das ungeistig Gegessene und Getrunkene zu Luzifer hin", schimpft Rudolf Steiner in GA 191.
Aber ja, Herr Doktor, das nennt man einfach Geniessen. Solange man es kann, sollte man es nutzen und sich nicht grämen. Wenn es denn aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr geht, lernt aber schon eine gewisse Schattenseite kennen: Man hat einen spezifischen Mix von Gemüsen, Süßigkeiten, Gewürzen, Säuren, die dem eigenen Selbstbild Futter geben. Ich denke, wir alle heizen auch eine Art leibliches Selbstempfinden damit. Das gibt dem die uns spezifische Note. Wenn man wirklich auf gewisse dieser Substanzen verzichten muss (z.B. Zucker) ändert sich das körperliche, aber auch das seelische Selbstempfinden. Vielleicht merkt es nicht jeder Betroffene gleich. Ich will es mal so sagen: Wenn seelische Kräfte nicht mehr durch unsere Ernährungsgewohnheiten an das körperliche Feedback gekoppelt sind, werden sie frei. Sie stehen dann leichter für spirituelle Erfahrung zur freien Verfügung. Insofern erlebe ich eine gewisse Askese schon als hilfreich. Es darf halt nur nichts Selbstkasteiendes haben. Das ist ja nur eine andere Form der plumpen Eigenliebe. Und damit hat man dann dieses Pfund am Hals.

Wenn man (wie ich beruflich) immer mal Familien in unterschiedlichsten sozialen Ambientes besuchen kann, bemerkt man noch etwas Spezifisches: Wie sehr jede Wohnung spezifisch riecht. Die jahrelangen Kochgewohnheiten hinterlassen ihre Spuren. Man kann das manchmal ein wenig zusammen schauen mit den anderen Problemen der Familie. Die Vielfalt der Möglichkeiten der Reichen hinterlässt auch beim Essen eine so grosse Indifferenz, dass man nichts mehr riechen kann. Da gehen Thailand, Italien, Brigitte & Kerner ein un- identifizierbares Gemisch ein. Man riecht also vor allem die Armut.
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Rudolf Steiner & Annie Besant

..digital bearbeitet.
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Fälschungen

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"Hadrian". Grafik von Michael Eggert

Als sei das Gesamtwerk Rudolf Steiners nicht komplex genug, sind vielfach tradierte angebliche Äußerungen von ihm offensichtlich gefälscht- so jedenfalls die Autoren einer schon vor längerer Zeit auch hier zur Verfügung gestellten Publikation. Der Aufsatz zeigt in jedem Fall, wie kritisch tradierte angebliche Äußerungen Rudolf Steiners gesehen werden sollten. Hier handelt es sich um den Nachlass von Polzer- Hoditz. Es geht um "esoterische" Sachverhalte wie bestimmte karmische Angaben bezüglich Albert Steffens, Angaben zu Kaspar Hauser und zur inneren Organisation der Anthroposophischen Gesellschaft. Die Autoren schreiben: "Verschiedene Veröffentlichungen aus anthroposophischen Verlagen gehen davon aus, Rudolf Steiner habe Kaspar Hauser als den badischen Erbprinzen bezeichnet. Der unlängst erfolgte Nachweis, dass Kaspar Hauser dies höchstwahrscheinlich nicht war, wirft deshalb die Frage auf, ob sich Rudolf Steiner tatsächlich in diesem Sinne geäussert hat. Dabei stösst man sofort auf «Aufschreibungen» von Ludwig Polzer-Hoditz (1869 - 1945), die auf Gespräche mit Rudolf Steiner zurückgehen sollen. Nachdem diese Texte während Jahren in Typoskriptform unter der Hand zirkulierten und 1980 von Peter Tradowsky auszugsweise publiziert wurden, hat sie Thomas Meyer im Jahre 1994 vollständig abgedruckt.

Die Echtheit dieser Texte wurde immer wieder bezweifelt; nachstehend wird der Nachweis geführt, dass diese Zweifel berechtigt sind und es sich tatsächlich um Fälschungen handelt. Dabei geht es nicht allein um Kaspar Hauser. Die fraglichen Texte enthalten weitere, äusserst problematische Aussagen, auf die einzugehen sein wird. Die Unterstellung, Rudolf Steiner habe derartiges gesagt, muss deshalb in aller Form zurückgewiesen werden."
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Der alte Rhein

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"Einmal sagte mir jemand an den Ufern des Rheines: Das ist der alte Rhein.- Das ist gewiss ein sehr schöner, tief empfundener Ausspruch. Aber was ist eigentlich alt an dem Rhein? Das Wasser, das man fliessen sieht? Gewiß nicht; es fliesst fortwährend und ist im nächsten Augenblick schon nicht mehr da. Das Alte könnte höchstens das Loch sein, das durch das Wasser in der Erde ausgewühlt ist. Das meint man aber auch nicht, wenn man sagt "der alte Rhein". Was also ist es eigentlich, was man mit dem Wort "alter Rhein" bezeichnet? Man sagt ja auch nicht vom Meer, es sei ein "altes Meer", und im Meer sind auch Löcher, die vom Wasser ausgewühlt sind, und im Meer sind auch Strömungen. Wenn im Meer der Golfstrom dahinfliesst, so ist da jeden Augenblick nicht nur das Wasser ein anderes, sondern auch die Löcher sind anders.
Was ist denn überhaupt bleibend im Physischen? Nichts, gar nichts. So ist es mit der ganzen physischen Welt. Ihr eigener Organismus ist fortwährend im Fluss; was Sie heute in sich haben als Fleisch und Blut, das hatten Sie vor acht Jahren noch nicht. Nichts Reales ist bleibend im Physischen, alles ist fliessend, und das, wofür wir das Wort gebrauchen, haben wir gar nicht richtig im Auge.
Es hat nur einen Sinn, vom "alten Rhein" zu sprechen, wenn wir das Bleibende, das sind die Elementarwesen, die wirklich in dem Rhein leben, wenn wir den alten Flussgott "Rhein", das heisst ein geistiges Wesen, meinen. Nur dann haben wir überhaupt etwas Sinnvolles gemeint. Wir müssen mit dem Wort vom "alten Rhein" etwas Geistiges meinen, oder wir reden gedankenlos."

Rudolf Steiner, Okkultes Lesen und okkultes Hören, GA 156
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Steiner in der Sommerfrische

sommerfrische
Rudolf Steiner war nicht gerade alleine in Penmaenmawr, ganz im Gegenteil. Er hielt umfangreiche Vortragsreihen dort 1923- eine davon die überaus bedeutende "Initiations- Erkenntnis". Die Anthroposophische Gesellschaft befand sich wieder einmal in einer Krise und stand vor einem schweren Umbruch. Steiner selbst würde die folgenden zwei Jahre nicht überleben. In dieser Zeit muss er den Aufenthalt in Wales - damit verbunden auch die Berührung mit einer archaischen Naturkraft und eine atmosphärischen Reminiszenz in Bezug auf die megalithische Kultur - ganz außerordentlich genossen haben. Auf dem Bild oben sieht man das Grand Hotel, in dem er Quartier genommen hatte. In einem Vortrag wenig später in Stuttgart (14. 9. 1923) schwelgte er in den erlebten Naturstimmungen, in endlosen Sätzen, in denen er sich nahezu verlor: "Dort in jener Gegend, wo Meer und Land zusammenstossen, jeden Tag die Ebbe und Flut herankommen, wo man ordentlich durchgeblasen wird vom Winde - in dem Hotel, in dessen Parterre wir wohnten, spürte man den Wind nicht nur beim Fenster hereinblasen, sondern man ging auf dem Teppich wie auf Meereswogen, weil unter dem Teppich der Wund durchging -, man wurde schon ordentlich durchblasen, außerdem hat man dort eine so regsame, freudig erregte Natur, dass stündlich oftmals Wolkenbrüche mit Sonnenschein wechseln, man lebt also schon innerhalb einer recht freudig bewegten Natur, da stösst man förmlich darauf, nun auch sich wieder zu erinnern, wie denjenigen diese Natur sich offenbarte, die da einstmals als die Druidenpriester - ich könnte auch sagen Druidengelehrte, es ist ja dasselbe - von ihrem erhabenen Sitz auf diese Natur herunterschauten."

Der "erhabene Sitz" bezog sich wahrscheinlich auf die Exkursion ins nahe Gebirge, wo man mit Steiner Kultstätten dieser Zeit besichtigt hatte. Es folgen wunderbare, fast lyrische Vorträge, die in "Initiationswissenschaft und Sternenerkenntnis" (GA 228) nachzulesen sind.
Man kann Steiners Werk übrigens auch nach den Orten recherchieren, an denen er sie gehalten hat- dazu hier eine umfangreiche Datenbank auf Englisch.

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Die deutsche Seele

Selbst die "deutsche Politik", meinte Rudolf Steiner, neigt dazu, "in träumerischen Idealismus, der mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun haben braucht", auszuschlagen. Unter dem Idealistischen aber lauert nach seiner Ansicht beim Deutschen ein "trübes Fahrwasser", wodurch die Politik "in die Unwahrhaftigkeit kommen kann, namentlich, wenn sie sich den Instinkten überlässt". Nach dem Tod Steiners wurde der Idealismus zur Ideologie, und die Instinkte neigten sich dem endgültig dem Hass, dem dumpfen Rassismus und Militarismus zu. Dem Hochtrabenden wie Abgründigen des Deutschen nähert sich auch einen neue Fotoserie von mir bei Flickr an. Hier ein Beispiel:
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Porträt Steiner

Zur Zeit arbeite ich an einer Reihe von Porträts anthroposophischer Persönlichkeiten, die durch grafische Verfahren stark verfremdet werden. Mein Interesse daran entspringt dem Gedanken, dass gerade Verfremdungen und surreale Verzerrungen dazu dienen können, uns in unserer Blickweise einen neuen Zugang zu den Gesichtern zu verschaffen. Schließlich gibt es eine durchaus geringe Anzahl von fotografischen Porträts z.B. Rudolf Steiners. Diese haben einen "ikonografischen" Charakter angenommen; man hat sie zu oft gesehen, um darin noch etwas wahrzunehmen. Die Verfremdung erlaubt es, den Blick zu erneuern und zu erfrischen- so der Gedanke.

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Download bei Flickr
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Warum Menschen die Rosen lieben

Rudolf Steiners Ausführungen über Rosen und Disteln ist von einem Leser noch einmal angefordert worden. Daher setze ich diese Textstelle gern noch einmal hier ins Netz..

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Die alte Einweihung

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Rudolf Steiner schildert (GA 112, Seite 110), wie die Initiationen in den alten Kulturen kulminierten: "Und in dem rechten Zeitpunkt wurde er (der Schüler) dann, als Abschluss dieser Entwickelung, dreieinhalb Tage in einen todähnlichen Zustand gebracht. Er wurde während dieser Zeit entweder in einen sargähnlichen Kasten gelegt oder an eine Art Kreuz angeschnürt oder dergleichen. Und derjenige, den man als den Einweiher, den Hierophanten bezeichnet, hatte die Fähigkeit, auf den astralischen Leib und namentlich auf den Ätherleib zu wirken..."
Mircea Eliade schildert das ein wenig präziser: "es wird gesagt, dass der Lehrer den Knaben in einen Embryo verwandelt und ihn drei Nächte in seinem Bauch trägt." (Eliade, Das Mysterium der Wiedergeburt, S. 100). Der Einzuweihende ging also in den todähnlichen Schlaf über, indem er zugleich regredierte zu einem Noch-nicht-Geborenen. Er kehrte zurück zu den Müttern, die im Falle der Einweihung der Meister repräsentierte. Im Shatapatha-Brahmana wird z.B. geschildert: "der Lehrer wird in dem Augenblick schwanger, da er die Hand auf die Schulter des Knaben legt, und am dritten Tag wird dieser als Brahmane wiedergeboren."

Nach dem Erwachen nannte man die Initiierten auch die "zweimal Geborenen".
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Mutti

Ich bin immer noch mit Mircea Eliades* Schilderungen von den Pubertätsriten archaischer Völker beschäftigt. Welcher Aufwand damals betrieben wurde, den Jungen von seiner Mutter zu trennen! Nehmen wir die "rituelle Verkleidung" von Jungen als Mädchen und umgekehrt während der Initiationszeremonien. Die Absicht war es, die "Ganzheit" als Mann-Frau erlebbar zu machen. Das bedeutete auch die Trennung von der Mutter. Manchmal sollen die dabei verabreichten Drogen und "bewusstseinserweiternden" und schreckerfüllten so heftig gewesen sein, dass die Initianten ihr Gedächtnis verloren. Sie wussten nachher wirklich nicht mehr, wer ihre Mutter war. Bei australischen Ureinwohner musste der Initiant sein eigenes Blut trinken- um sich von dem seiner Mutter, dem "Erbkörper" endgültig zu trennen und sich zu reinigen. Es ging darum, das "schlechte Blut" auszutreiben. Das Zerreissen der Blutsbande war ein Urmotiv in den Völkern der ganzen Welt; die Methoden gingen bis dahin, den Jugendlichen schwere Wunden zuzufügen. Diese Pubertätsriten haben "die Tendenz..., immer dramatischer zu werden". Warum nur dieser Aufwand, den jungen Menschen von seiner Mutter zu trennen? Ein von unseren heutigen Idealen weit entferntes Motiv. Wir bemerken allerdings schon mit Sorge, dass Verhaltensauffälligkeiten aller möglichen Art sich heute bei Jungen in weit stärkerem Ausmass zeigen als bei Mädchen. Überhaupt wirken Jungen in der ersten Schulzeit infantiler. Ist das Muttis Einfluss bzw. die fehlende Abnabelung?

Im "Heilpädagogischen Kurs" beschreibt Rudolf Steiner die Muttermilch als die "gute Mumie": "Die ganze Mutter lebt in der Muttermilch." Die Kräfte der Milch sind lediglich "in der Organisation um eine Etage höher" gerutscht. Er sagt es nicht, aber meint offensichtlich den Uterus. Er meint also, die nährenden und gestaltenden Uterus-kräfte wirkten sich nun in der Milchbildung aus. Ein schönes Bild. Er meint auch, dass in diesen Kräften das Seelische der Mutter lebe (der "astralische Inhalt"). Leider tendieren diese Kräfte aber dazu, noch "eine Etage höher" zu steigen, nämlich "bis zum Kopf" der Mutter. Dann kommen die von ihm nicht näher spezifizierten "abnormen Erscheinungen" bei einer Mutter zu Tage. Dieses Klammern und Heften, diese Fernsteuerung der Kleinen, diese unaufhörliche Sorge, dieses Verfolgen in Gedanken. Ich vermute mal, dass Steiner dies meint. Das "das-Kind-nicht-erwachsen-werden-lassen-können".

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Wir brauchen also dringend Initiationsriten, scheint es.
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* "Das Mysterium der Wiedergeburt"
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"Anthroposophische Zusammenrottungen"

Man ist ja immer wieder erstaunt über Rudolf Steiners drastische Bemerkungen bezüglich seiner Anthroposophenschar. Ausgerechnet im "Heilpädagogischen Kurs" von 1924 lästert er über die Stimmungslage: "Man kriegt manchmal ein bißchen Schmerzen, wenn man in anthroposophische Ansiedlungen oder Zusammenrottungen kommt. Da ist manchmal eine solche bleierne Schwere. Man kriegt die Leute nicht zum Beweglichwerden. Bleierne Schwere ist da; wenn man eine Diskussion beginnt, macht keiner den Mund auf, weil auch die Zunge bleiern schwer ist. Die Leute machen ein "Gesicht bis ans Bauch". Sie sind so wenig geneigt, zum Heiterwerden, zum Lachen zu kommen!" (S. 102). Die Bemerkungen fielen im Zusammenhang der heilpädagogischen Besprechung von Kindern, die "nicht herauskönnen aus ihrem Körper, die das Seelische nicht hineinbringen, die das Körperliche nicht beherrschen". Hat Steiner seine Anthropotanten auch als pathologische Fälle gesehen?
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Mediale Vielfalt

"Anthroposophie muß sich, wenn sie in der Gegenwart ein Dasein haben will, der Mittel der gegenwärtigen Zivilisation bedienen", schrieb Rudolf Steiner ausgerechnet in "Briefe an die Mitglieder". Damals waren diese zu finden im "Vortrage" und in "Büchern" (S. 23). Heute hat sich dazu u.a. auch das Internet gesellt. Allen Medien ist das Problem gemein, dass Anthroposophie im Einzelnen "jedesmal neu erstehen" muss. Der Schreibende muss die Inhalte den Lesern angemessen präsentieren, aber auch selbst nicht gerade verbohrt sein, ja er sollte "von dem Leben des Geistes berührt" sein. Ach, Rudolf. Ob wir nun Annette, Christoph oder Joseph heissen mögen: Wir Blogger sind natürlich immer und in jeder Situation vom Geiste berührt.
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Was meint er nun wohl wieder?

Unsere heutige Steiner- Interpretation diesmal aus "Eine okkulte Physiologie" (1911), wo er z.B. äußert: "Wir sind also aus uns wirklich herausgekommen, und zwar dadurch, daß wir nicht so tief in unser Inneres hereindringen, wie wir es sonst tun, sondern daß wir nur bis zu den Nervenendigungen gehen. Das bewirkt für ein solches Seelenleben, wenn wir es dahin gebracht haben, schon in den Nervenendigungen in unserem Innenleben kehrt zu machen, daß wir nicht bis zu unserem Blute gehen". Alles klar?

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Doktor Steiner spricht hier meiner Meinung nach von der Möglichkeit geistiger Erfahrung. Er konstatiert eine permanente Informationsflut aus dem "Blut" ans Nervensystem. Schliesslich müssen alle sensorischen Erfahrungen und auch Rückmeldungen aus dem Körper selbst, vom Bewusstsein (der Nervenpol) verarbeitet werden. Das bedingt unser Alltagsbewusstsein. In diesem verarbeiten wir fast ununterbrochen unsere sensorischen Informationen. Das stellt eine Art Reiz- Reaktionsschema dar, in das wir eingespannt sind. Der Weg hinaus, meint Dr. Steiner, ist es, diesen Strom (an den "Nervenendigungen") bewusst zu stoppen, die Informationen bewusst zeitweise abzuschalten. In diesem Augenblick wird sich das Bewusstsein (das "Ich") seiner selbst gewahr, aber nicht als fiktiven Punkt im Inneren, sondern "wir sind also aus uns wirklich herausgekommen"- wir erleben uns im Anderen, und das Andere in uns.
Bemerkenswert die Übereinstimmung mit bestimmten aktuellen Untersuchung im Bereich der Hirnforschung. Dabei hat man meditierende Mönche verschiedener Fakultäten und religiöser Ursprünge im Hirnscan beobachtet. Man stellte dabei fest, dass die Hirnregionen, die Rückmeldungen vom Körper geben, im meditativen Akt ausgeschaltet werden- das Bewusstsein erlebt sich unabhängig von seiner physiologischen Grundlage. Die Mönche gingen wohl - wie Steiner schrieb- "nur bis zu den Nervenendigungen".

Weiteres zum Thema Meditation bei den Egoisten..
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Kaspar- Hauser- Syndrom

Nein, keine Spekulation, kein Verschwörungs- Gemunkel. Dazu sind von interessierter anthroposophischer Seite - wie seit langem bekannt und publiziert- sogar Äußerungen von Rudolf Steiner offensichtlich gefälscht worden. Man brauchte so etwas anscheinend in den internen Grabenkämpfen nach Steiners Tod. So wie nach diesen angeblichen Äußerungen Steiners Kaspar Hauser zum 1a- Okkultisten gemacht wurde, der seit Adam & Eva nicht mehr inkarniert gewesen sein soll, wurde der tatsächliche damalige anthroposophische Vorstandsvorsitzende okkult in den Dreck gezogen. "Hat der Doktor das wirklich gesagt?" wird also noch lange Zeit ein interessantes Studienobjekt bleiben.

Mich interessiert das momentan nicht besonders- mir geht es um die wirklichen Menschen in meinem privaten und beruflichen Umfeld. Es sind ganz normale Leute jeden Alters, denen einfach plötzlich der Boden unter den Füssen weggezogen wird. Nehmen wir eine von vielen Möglichkeiten: Diagnose Brustkrebs. Die moderne Apparatemedizin ist in der Lage, millimetergrosse Tumoren festzustellen. Es wird operiert, es wird bestrahlt, es wird der Organismus mit chemischen Giften überschwemmt. Es werden Metastasen festgestellt, es wird noch einmal operiert. Von nun an wird sehr eng überwacht. Das heisst, die betroffene Person wird alle 6 oder 8 Wochen erneut in den Scan geschickt, um festzustellen, ob diese kleinen, feinen Schatten in der Lunge sich nicht vielleicht doch als neue Metastasierungen heraus stellen.
Kaspar- Hauser- Syndrom bedeutet für mich der Umstand, dass die Person nun in einiger Ausschliesslichkeit auf diese Termine hinlebt. Das ganze Gefühlsleben wird in diesen Rhythmus eingespannt. Euphorie eine Woche lang nach glücklich ausgegangenem Scan. Ernüchterung. Dann steigende Angst vor dem nächsten magischen Datum. 6mal jährlich Euphorie. 6mal jährlich wochenlang Todesangst. In diesen Rhythmen gliedert sich das Leben.

Natürlich ist die moderne Medizin grossartig. Natürlich ist die Überlebenschance gegenüber früheren Generationen erhöht. Aber um welchen Preis für den Einzelnen?
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Rudolf Steiner Design

In einer sehr umfänglichen Dissertation behandelt Reinhold Johann Fäth das Thema Rudolf Steiners Design vor dem Hintergrund der aktuellen kunsthistorischen Forschung. Die Arbeit ist komplett als PDF-Datei herunter zu laden. Das Ausdrucken wird dem Unvorsichtigen allerdings bei 345 Seiten zur Geduldsprobe werden- also besser direkt am Bildschirm lesen. In der Zusammenfassung schildert Fäth seine Arbeit so: "Im Hauptteil wird das bildnerisch-künstlerische Werk Steiners vor der Folie des (post)- modernen Designbegriffes differenziert erfasst und erstmals eine kunsthistorische Gegenstandserfassung für den Werkbereich Möbeldesign unternommen. Die Dissertation präsentiert eine bemerkenswerte Fülle an bislang »unentdeckten« bzw. unveröffentlichten Archivfunden (Entwürfe und Objekte) und schließt damit eine Forschungslücke. Entlang des Fundus an Designentwürfen und –objekten, zugehörigen Selbstinterpretationen und allgemeinen Aussagen Steiners über Gestaltung wird der theoretische Hintergrund der spezifisch Steinerschen Form- und Farbgebung umfassend untersucht und als Spiritueller Funktionalismus im Kontext Kunst expliziert."

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Das klingt bedeutend komplizierter als der Text selbst zu lesen ist; dieser kommt eher leichtfüßig daher und verwöhnt mit Unmengen von Fotos und Materialien zum Thema. Eine Fundgrube auch für Hartgesottene, die schon manchen Steinerschen Stuhl weich gesessen haben.
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Christus

Nachdem Info3 die Frage an seine Autoren gestellt hat, wie sie es eigentlich mit Christus halten, wie ihr persönliches Verständnis von ihm und ihre Beziehung zu ihm ist, fällt mir nur ein vor langer Zeit ins Netz gestellter "Sonnengesang" Rudolf Steiners ein. Manche Dinge sind eben aus berufenem Mund gesagt worden - sei es der von Steiner, Franz von Assisi oder Simone Weil (die grosse leidenssüchtige Mystikerin)- und man hat Hemmungen, dem etwas hinzuzufügen, weil man an diese Worte sowieswo nicht heran reicht. Steiners Text leidet wenig unter seiner üblichen Phraseologie, wahrscheinlich weil er gar nicht von ihm ist. In diesen intimen Esoterischen Stunden, in denen diese Worte fielen, durfte im Allgemeinen nicht mitstenographiert werden. Daher sind sie wohl später aus der Erinnerung aufgeschrieben worden. Daher fehlt der Steinersche Sprachduktus - bis auf einige typische Ausnahmen. Das tut dem Text gut. Das anthroposophische Drumherum und Wortgeklingel fehlt teilweise. Damit wird der Text zu einem Dokument der religiösen Weltgeschichte, er reiht sich in die grossen Zeugnisse ein, die die Realität von Christus schildern, beschwören, oft mit grossem Leid verbunden und in existentieller Not Ihn preisend. Er hat nicht die Innigkeit einer Simone Weil, stellt sich aber neben Franz von Assisi.
Das ist ein mystischer Text, dies sind in persönlicher Inbrunst und Innigkeit gesprochene Worte. Dies nur für die gesagt, die sich über eine solche religiöse Intimität bei Steiner wundern. Und gleichzeitig über eine solche globale Gültigkeit. Denn der Begriff Christus ist in diesem Text eine Variable, die durchaus mit den Begriffen anderer religiöser Kontexte gefüllt werden kann; sie ist universell.
Seit einem Jahr ist übrigens eine umfangreiche Christus-Seite bei den Egoisten mit Texten von Ionescu über Kübler-Ross bis hin zu Simone Weil gelöscht, weil es Copyright - Probleme mit den Kunstverwertern von Beuys gab. Auch ein Jawlensky-Bild-Zitat hat aus diesen Gründen Anstoss erregt. Ich hätte also diese Zitate verschiedenster Autoren in einen Text einbinden müssen, in dem der zitierende Charakter durch entsprechende Relationen eindeutig ist. Mit einem Wort: Das Thema ist liegen geblieben. Vielleicht ist dies ein Anlass, das endlich aufzugreifen..
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Dr. Steiner kündigt seine Wohnung in Berlin

"Bald trat Herr Doktor ein, unter dem Arm mehrere Akten tragend. Er überreichte mir daraus einen Brief und sprach: "Sam, ich muss Sie bitten, heute abend nach Berlin zu fahren, um Dringliches zu erledigen." Ich war erstaunt und erwiderte: "Herr Doktor, ich habe doch noch ein paar Tage Urlaub, die möchte ich doch gerne hier verbringen." Er öffnete eine Akte, den Berliner Wohnungsvertrag. Er habe Fräulein Mücke geschrieben, dass sie die Wohnungen kündige. "Ja, Sam, das müssen Sie mir schon zuliebe tun."
Frau Doktor war aufgeregt; sie hätten doch dort den Saal ausgebaut, und das müsse wieder zu Wohnungen umgebaut werden. Da wiederholte Herr Doktor die Worte, die er beim schwarzen Brett gesprochen: "Ja, Frau Doktor, wenn diese Herren an die Macht kommen, können wir beide den deutschen Boden nicht mehr betreten."

Das sagte er zu Anna Samweber am 10.11. 1923

Aus: Samweber, "Aus meinem Leben", Stuttgart 1981
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