Voltaire meinte in einem Brief an Friedrich den Großen 1760: "Man sagt, dass das Geheimnis des Friedens nur von einem gewissen Herrn von Saint-Germain gekannt werde, welcher ehemals mit den Vätern des Konzils soupiert habe. Er ist ein Mann, der alles weiß und niemals stirbt". Friedrich antwortete, Germain sei für ihn "ein zweites Phänomen und ein Mann, welchen man nicht enträtseln könne".
Der österreichische Gesandte in Belgien, Graf Philipp Cobenzl schrieb in einem Brief "Saint-Germain ist Dichter, Musiker, Schriftsteller, Arzt, Physiker, Chemiker, Mechaniker und ein gründlicher Kenner der Materie. Kurz, er hat eine universelle Bildung, wie ich sie noch bei keinem Menschen fand."
Vielleicht deutet Cobenzl in der Formulierung –übrigens an einen erklärten Gegner Saint-Germains gerichtet- dessen geistigen Hintergrund in der Formulierung "gründlicher Kenner der Materie" an, der durch die alchimistischen Versuche hindurch deutlich an die eigentlich rosenkreuzerischen Impulse anknüpft. Bei anderer Gelegenheit sagte Cobenzl: "Er ist der außergewöhnlichste Mensch, den ich jemals gesehen habe".
Geschickt lässt Giacomo Casanova - sicherlich kein Freund von Saint-Germain, eher ein politischer Gegenspieler - in seinen Memoiren auch seine klaren Vorbehalte anklingen, wenn er schreibt: "Saint-Germain gab sich für einen Wundermann aus; er wollte verblüffen, und oft gelang ihm dies. Er sprach in bestimmten Ton, aber so sorgfältig, dass er nicht missfiel. Er war gelehrt, sprach tadellos die meisten Sprachen; er war ein großer Musiker und Chemiker; hatte ein angenehmes Gesicht und wusste alle Frauen gefügig zu machen, denn er gab ihnen Schminken und Schönheitsmittel und erweckte in ihnen die Hoffnung, nicht etwa sie jünger zu machen –denn so bescheiden war er doch, dass er gestand, dies wäre ihm unmöglich -, wohl aber sie in dem Zustande zu erhalten, in dem er sie vorfand, und zwar mittels eines Wassers, das ihn nach seiner Behauptung viel Geld kostete, trotzdem aber von ihm verschenkt wurde..".
Montesquieu schätzte Saint-Germain dagegen sehr. Er schrieb an ihn 1753: "Ihre Titel nehmen derart zu, dass ich sie nicht mehr behalten kann: Graf von Clavieres, Domherr von Dornik, Ritter eines kaiserlichen Kreuzes, Mitglied der Academie des Inscritions, derjenigen von London, von Berlin und so vielen andren bis zu derjenigen von Bordeaux. Sie verdienen wohl all die Ehre und noch recht viele andre dazu".
Karl von Hessen schrieb: "Was Saint-Germain betrifft, war dieser der größte Geist, den ich jemals kannte". Die Pompadour war zunächst wohl eher an den fabulösen Wassern interessiert, die die Schönheit erhalten sollten. Über den "Jungbrunnen", eine arg materialistische Ver-deutung der Kräfte Saint-Germains, von denen die Rede am Hofe ging, sie ließen ihn niemals altern, hat er sich verschiedentlich lustig gemacht. Sie lernte aber offensichtlich auch seine politischen und menschlichen Fähigkeiten schätzen. Saint-Germain gehörte auch zu ihren persönlichen Beratern.
Die Gräfin von Genlis beschrieb Saint-Germain in ihren Memoiren folgendermaßen: "Er sah damals höchstens wie ein Fünfundvierziger aus, aber nach dem Zeugnis von Leuten, die ihn 30 bis 35 Jahre vorher gesehen, war er sicherlich weit älter. Er war nicht ganz mittelgroß, gut gewachsen und hatte einen sehr leichten Gang. Seine Haare waren schwarz, seine Haut stark gebräunt, sein Gesichtsausdruck sehr geistreich, seine Züge ziemlich regelmäßig. Er sprach fließend Französisch, ohne eine Spur von Akzent, ebenso Englisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch".
Fallen, Intrigen und Doppelgänger
"Ich habe kein Alter"
(angeblich Graf von Saint-Germain)

Schon die Pompadour hat in einem - belauschten – Gespräch versucht, Saint-Germain eine Falle zu stellen, indem sie ihn nach dem Aussehen historischer Personen befragte. Sie wollte hinter Saint-Germains vorgebliches außergewöhnliches Alter kommen. Dieser schilderte ihr die befragten Personen bis in Details des Lebens am Hofe und charakterlicher Eigenheiten. "Wie es scheint, haben Sie das alles mit eigenen Augen gesehen", neckte sie ihn. Saint-Germain antwortete: "Madame, mein Gedächtnis ist stark und funktioniert immer noch gut". Nach einer Pause setzte er lächelnd hinzu: "Zudem habe ich die französische Geschichte eingehend studiert".
Auf diese Weise begegnete Saint-Germain oft den um ihn herum wogenden Gerüchten um den angeblichen "Wundermann". Er wich zunächst aber nicht schroff aus, sondern pflegte auch, zumindest in seinen jüngeren Jahren, diesen Nimbus. Erst als ihm die Pompadour mit dem missverstandenen "ewigen Leben" seiner Person zu nahe rückte, sprach er von dem "dummen Gerede der Leute". Dieser Nimbus, der reichlich Tratsch beinhaltete, der ihm am Hofe die Türen auch zunächst geöffnet hatte, wurde aber auch zu einer Waffe, die man erfolgreich gegen Saint-Germain in Form von Intrigen verwenden konnte. Und dieser gereichte Saint-Germain auch in der Historie zum Nachteil, denn eben diese Geschichtchen sind der Stoff, aus dem "Channeler", Theosophen und selbsternannte Okkultisten bis heute ihre Träume ziehen.
Zunächst traten in Saint-Germains Umkreis angebliche "Wundermänner" und Betrüger auf, die eben das Feld bearbeiteten und die Sehnsüchte bedienten, die niemals Saint-Germain Thema gewesen sind. Dazu gehört der von Saint-Germain scharf verurteilte Cagliostro, der später im Gefängnis endete.
Dann wurde das Gerücht gestreut, Saint-Germain habe persönlich mit Jesus, Caesar und Cleopatra Umgang gehabt und habe längst das Alter eines Methusalem erreicht. Saint-Germain selbst soll nur geäußert haben: "Ach, die Pariser Schafköpfe glauben, ich sei bereits fünfhundert Jahre alt, und ich bestärke sie in dieser Meinung, weil ich sehe, dass sie ihnen so viel Vergnügen macht". Dennoch dementierte er die diesbezüglichen Gerüchte aufs schärfste. Das nutzte aber nichts.
Bereits Casanova wurde nicht müde, Saint-Germain als einen gewieften Hochstapler darzustellen, auch wenn er ihm vordergründig stets einen gewissen Respekt zollte. Casanova war eben ein geschickter Denunziant.
Saint-Germains Ruf wurde aber erst durch einen Gegner und geschickten Intriganten an Ludwigs XV. Hof untergraben, dem Herzog von Choiseul, der für die Außenpolitik zuständig war. Dieser hintertrieb nicht nur die diplomatischen Bemühungen Saint-Germains, er installierte auch in dessen Abwesenheit –Saint-Germain musste nach einer Intrige von Choiseuls nach England fliehen – einen Doppelgänger. Dieser war der Schauspieler und Spion Milord Gower, der Saint-Germain außerordentlich ähnlich sah. Die in Kleidung, Schminke und Aussehen exakte Kopie Saint-Germains trat in der Folgezeit (um 1759) in der Öffentlichkeit auf und erzählte genau die dreisten Lügengeschichten, die die Gerüchte um Saint-Germain scheinbar bestätigten: Er habe Jesus und Pontius Pilatus gekannt, sei Tausende von Jahren alt, sei schon eine Frau gewesen, usw. Die grotesken Prahlereien dieses Hanswurst haben dann Nahrung dazu gegeben, Saint-Germain entweder für einen Betrüger zu halten oder aber für einen esoterischen Supermann.
Diese den Ruf schädigende Inszenierung hatte deshalb so großen Erfolg, da Saint-Germain nicht nur nie seinen wahren Namen offenbart hat, sondern selbst, auf diplomatischen Missionen, auf Reisen, aber wohl auch zum Vergnügen, seine Identität gewechselt hat. Oft waren seine Namen ja im Grunde Sinnbilder –verborgene Hinweise. So deutet "Saint-Germain" vielleicht auf seine inspirierende Quelle des deutschen Volksgeistes, der Name "Welldone" auf seine politische Intention, "Bailli de Solar" auf den Sonnengeist selbst.