Zu Deinen Bedenken bezüglich Judith von Halles möchte ich auch etwas zu
bedenken geben, nicht wegen der Inhalte - zu denen kann ich nicht viel
beitragen, weil ich noch nicht "so weit" bin, sondern um den Umgang
damit. Mit allen braveren und rechtgläubigeren Anthroposophen eint Dich
offenbar die Überzeugung, dass Rudolf Steiners Darstellungen, soweit
sie bis jetzt überliefert sind, des Wissens letzter Schluss seien. Dass
er nicht alles gesagt haben könnte, was für eine spirituelle Tatsache
ausserdem noch hätte gesagt werden können, wird weitgehend verdrängt.
Wie nun, wenn ein weiterer Eingeweihter dort noch ergänzen könnte, wofür
die Zeit inzwischen reif geworden ist? Diese Möglichkeit muss ein
"gesunder Menschenverstand" immerhin offen lassen - auch wenn er in
diesem Falle ein Einweihungswissen nicht gegeben sieht.
Gerade die Behandlung des vorliegenden Themas der Lazarus-Johannes-
-Einweihung demonstriert das sehr schön: Alle Anthros hatten gelernt,
dass sich Elias in dem Täufer reinkarniert habe. Und in seiner Letzten
Ansprache am 28.9.24 (in GA 238) sagt Rudolf Steiner, er sei in
Lazarus-Johannes wieder aufgelebt... Da hat dann eine fürsorgliche
Herausgeberin in einem Zusatz ergänzt eine "verbürgte Mitteilung" an Dr.
Noll, wie sich im Jünger Johannes von oben der Täufergeist, von unten
der Lazarusgeist vereinigt haben. Wieviele "Verbürgte Mitteilungen" sind
uns wohl entgangen, weil niemand nachgefragt hat? Aber wenn J.v.H.etwas
hinzufügt, wird die Sache unübersichtlich - und das ist dann ein Grund
für die Ablehnung.
Dabei ist gerade die spirituelle Aufgabe des Johannes oder Jochanan,
wie er in Ivrith, dem modernen Hebräisch, richtig heisst, noch garnicht
in unsere Bewusstseine eingedrungen - (das sage ich jetzt).
Daskalos, der zyprische Eingeweihte, hat den Jochanan geradezu
als den neuen Avatar unserer Erdenkultur erlebt - und wenn wir ihm wohl
ohne Schwierigkeiten folgen können, wenn wir Jochanan als den
Führungsgeist des Esoterischen Christentums ansehen, dessen Inspiration
wir mehr oder weniger bewusst empfangen, dann anerkennen wir, dass er im
Grunde der Inspirator des ganzen zukünftigen Christentums ist, d.h.
gegenwärtig schon sehr aktiv wirkt, mehr, als uns der Doktor wissen
lässt. Hat er doch für die Zukunft auch noch etwas übrig lassen müssen.
Ich würde Dich gern auch nochmal bitten, das reisserische Schweisstuch
der Veronika vor dem Goetheanum und die Facies der unbekannten
Stigmatisierten herauszunehmen. Dass es sich nicht um Judith v.Halle
handelt, könnte der Leser im Kleingedruckten zwei Seiten weiter
erfahren, aber soweit kommt er nicht, denn vorher hat er schon gedacht:
"Grässlich, diese Judith von Halle!"
Dankbar wäre ich auch, wenn Du dies hier auch in den "Egoisten" bringen
würdest. Ausserdem gebe ich es an einige Freunde weiter, die Deine
Argumentation nicht verstehen.
Liebe Grüsse!
Wolfgang
zur Judith von Halle- Seite bei den Egoisten..