So langsam neigen sich die Ferien dem Ende entgegen, und erwartungsgemäß wird die kleine Halde abzuarbeitender Bücher entsprechend kleiner. Ein besonderes Vergnügen dabei war ein Büchlein, frisch erschienen, und noch nicht einmal zu Ende gelesen, das ich heute empfehlen möchte. Es ist von Douwe Draaisma und heißt so gut, wie es geschrieben ist: "Warum das Leben schneller vergeht, wenn man älter wird".

Nun waren auf meiner privaten Halde einige neue Bücher von Hirnforschern, dieses hier aber sticht aus einer Reihe von Gründen hervor: Es behandelt nur das Gedächtnis und die Erinnerungen , es ist nicht nur auf dem Stand der Forschung und informativ, sondern auch äußerst unterhaltsam, und es ist sogar poetisch im besten Sinne. Man erfährt von den Zusammenhängen zwischen Erinnerungen und dem Geruchssinn, man erfährt von den verschiedenen Erinnerungsarten, die mehr bildlich, mehr filmisch oder eher situativ daherkommen, man erfährt von dem Entstehen der ersten Erinnerungsspuren im Leben des Kindes überhaupt. Zahlreiche Expeditionen in die Literatur, in pathologische Fallgeschichten und in Besonderheiten (z.B. das Erinnern an Situationen im Leben des kleinen Kindes vor der Entwicklung der Sprache) bieten nicht nur Anschauliches, sondern geben wunderbare Denkanstösse.
Oder die ganz persönlich gehaltene Besonderheit der Kränkungen (auch derer, die man Anderen zugefügt hat und die man im Nachhinein voller Scham erinnert), die man ein Leben lang in unglaublicher Detailfülle -ob man will oder nicht- erinnert, als würden sie jetzt gerade wieder erlebt. Draaisma hat die Sensibilität zu schildern, dass solche Situationen aus einem anderen Standpunkt heraus erlebt werden: "Man sieht sich selbst. Man denke zurück an eine Demütigung, und man sieht den eigenen roten Kopf, den Versuch, nicht merken zu lassen, wie verletzt man ist, man sieht, wie andere schallend lachen oder einen mitleidig ansehen. Es ist, als hätte man die Szene nicht selbst aufgenommen, sondern sei einer der Schauspieler in der Szene".
Das entspricht auf frappierende Weise den Schilderungen, die Rudolf Steiner für bestimmte Phasen im nachtodlichen Leben gegeben hat.
Demnächst vielleicht etwas mehr zu diesem Thema. Vorerst gilt: Bitte lesen!