Man kann sich ja etwas antun. Man redet miteinander, geht mal aus, und schon hat man riesigen Haufen Karma angesammelt und kommt,einmal hinein verheddert, schwer wieder heraus. So kann es einem aber auch mit Büchern gehen. Für mich ist Patrick McGraths Buch „Port Mungo“ so ein Fall.

Es handelt sich um eine Künstler- und Ehegesschichte, die aus der Perspektive der Schwester der Hauptperson Jack geschildert wird, eine recht trockene Frau mit einem Problem: Sie liebt diesen Bruder mehr als ihr gut tut. Jack also ist so ein geniales, gut aussehendes Früchtchen, dem alles zuzufliegen scheint, vor allem aber künstlerische Begabung. Viel zu jung lernt er eine reife, exaltierte und ordinäre Kollegin kennen, mit der er nach New York durchbrennt, um dort Karriere zu machen. Aber das Geld läuft ihnen zwischen den Fingern davon, und Jack verwandelt sich allmählich in einen Missionar seiner künstlerischen Visionen.
Abgebrannt verlassen sie New York; Jack und Vera ziehen sich ins Hafenstädtchen Port Mungo irgendwo in Südamerika zurück. Hier kommen zwei Töchter zur Welt, Jack findet seinen künstlerischen Stil, sie aber säuft und beginnt lange Affären mit GottunddieWelt. Nach Jahren geschieht ein Unglück; ihre ältere Tochter kommt bei einem Bootsunfall, verbunden mit Trunkenheit der Mutter, ums Leben. Und jetzt wird die Sache quälend.
Man überlegt sich, diese Katastrophe abzuwenden und das Buch einfach wegzulegen. Verzweiflung, Unglück, trostlose Existenzen. Aber das geht natürlich nicht mehr.
Bringen wirs also hinter uns: Jack geht nach New York zurück, Vera säuft irgendwo, und die jüngere Tochter wird unter seltsamen Umständen von einem weiteren Bruder des Vaters nach England mitgenommen. Als diese als erwachsenes Mädchen zur Abrechnung mit ihren Eltern zu diesen nach New York zieht, eskaliert das Familiendrama weiter. Jack entpuppt sich als dilettantisches, egomanisches und brutales, dazu aber auch erfolgloses Maler-Genie. Es wird nichts mit der Karriere. Aber es wird auch nichts mit der Menschlichkeit: Die Familie findet allmählich heraus, dass der Tod der älteren Schwester mit dem sexuellen Missbrauch durch ihren Vater Jack zusammenhing. Die jüngere Schwester schreitet nun zur Tat, zur Rache. Die saufende Mutter wird völlig rehabilitiert. Bums.
Ah ja, es ist ein Elend. Der Perspektivwechsel im Buch ist so gemein, dass er einen in den Sog zieht. Das ist wirklich gut gemacht. Es ist auch gut geschrieben; ich war lange wütend auf diesen widerlichen Jack, noch Tage nach dm eigentlichen Lesen. Aber die Story selbst ist doch wirklich schrecklich. Dazu noch diese Schilderung aus der Sicht der verdrehten Schwester- man lernt in diesem Buch nicht wirklich sympathische Figuren kennen, sagen wir es mal so. Muss man ja auch nicht.
Eine Kritik fasst es so zusammen: "Patrick McGrath's great topic is morbid, self-obliterating obsession." Exakt. Dabei sieht der Autor ganz lustig aus.

OFF: (War das jetzt eine Empfehlung, Michi? Sagen wir mal so: Eher jein.)