Daniel Kehlmann, "Die Vermessung der Welt"

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Eines der unterhaltsamsten, heitersten, gebildetsten und sprachmächtigsten Bücher der letzten Jahre ist die völlig zu Recht gelobte und gefeierte „Vermessung der Welt“ von dem erst 30jährigen Autor Daniel Kehlmann. Hoffen wir einmal, dass (auch) mit Kehlmann die oft dröge, selbstbezügliche und quälerische deutsche Literatur auf ein anderes Gleis kommt.

„Die Vermessung der Welt“ erzählt vom Leben des eigenbrötlerischen, hoch begabten und unausstehlichen Mathematiker, Physiker und Astronomen Carl Friedrich Gauß auf der einen Seiten und dem schwulen, selbstbeherrschten, zwanghaften Weltenbummler und Selbstdarsteller von Humboldt. Der eine bleibt in seinem Nest stecken und wird trotz aller Begabung und seines weltweiten Rufes doch gezwungen, als schlichter Landvermesser die Hügel in seiner näheren Umgebung zu kartographieren; eine Existenz wie die von Kafka, der als Versicherungsagent sicherlich ähnlich deplaciert sein Brot zu verdienen gezwungen war.

Von Humboldt dagegen macht sich früh auf zur Kartographierung der Welt und bereist diese in einer Fülle komischer Erlebnisse und einer seltsamen . Partnerschaft mit seinem Kumpel Bonpland. Diese Beziehung hat etwas von einer klassischen Kombination grosser unfreiwilliger Komiker mit zahlreichen Running Gags. Auch von Humboldts Forschungen zwischen Menschenfresserei und Läusezählen sind nicht immer von wissenschaftlicher Tiefe, aber stets exakt und fast immer (bis auf die Niederlagen und das Scheitern, das es in von Humboldts Erfahrungsschatz einfach nicht gibt) in Buchform dokumentiert.

Am Ende treffen die beiden genialen Autisten aufeinander und prallen mehr oder weniger hart auf die Realitäten des Lebens auf, die in Krankheit, politischen Umschwüngen, den Schattenseiten ihrer Berühmtheit und dem Zerbrechen ihrer Familien bestehen.

Ein grossartig geschriebenes Buch, das durch den hintergründigen Witz, seine leichte Melancholie im Angesicht der faktischen Lächerlichkeit unserer Bemühungen und vor allem durch die lebendigen Dialoge besticht. Ein Genuss.

Selbst für unseren Altersblog findet sich ein Eintrag: „Er rieb sich die Augen. Wieso war er so alt geworden? Man ging nicht mehr gut, man sah nicht mehr richtig, und man dachte so langsam. Altern, das war nichts Tragisches. Es war lächerlich“ (S. 245).