Jan 2010

27. Januar: Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Von Regina Reinsperger

Dieser Gedenktag ist noch neu, er wurde erst im Jahr 1996 vom damaligen Bundespräsident Roman Herzog in Deutschland als Gedenktag eingeführt und erst im Jahr 2005 von der UNO als internationaler Gedenktag deklariert.
Er ist kein arbeitsfreier Tag, deshalb auch nicht fest im Bewusstsein der Bevölkerung verankert, jedoch findet seit 1996 alljährlich eine Feierstunde des Gedenkens im Deutschen Bundestag statt, über die in allen Nachrichtensendern berichtet wird: man gedenkt überwiegend des Holocaust an den Juden Europas und der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 durch Soldaten der Roten Armee. Nach neueren Statistiken, die Zahlen wurden nach unten korrigiert, sind dort ca. 1.305.190 Menschen ermordet worden. (Jeder dort ermordete Mensch ist ein Mensch zu viel, der sinnlos ermordet wurde, insofern muss man nicht über Zahlen diskutieren, sie sind einfach Ungeheuer-lich.)
Von Auschwitz haben wir auch schon auf den Egoisten-Seiten im Rahmen der Benesch-Recherche gesprochen: dorthin waren auch die 437.500 ungarischen Juden von April bis Juli 1944 abtransportiert worden, nur kurz, bevor die Rote Armee Ende August Ungarn erreichte. In diesen Zahlen sind auch die Juden aus Nordsiebenbürgen und die 6000 Juden aus dem Kreis Sächsisch-Regen enthalten, sofern sie die dortigen grausamen Sammellager überlebt hatten: sie mussten auf einem einfach umzäunten und bewachten Ackerfeld mehrere Wochen bei regnerischem kühlen Wetter kampieren. Dort kam auch Simon Ber aus Beneschs Dorf Birk um, sein Name ist in „The Central Database of Shoa Victim´s Names“ zu finden. Von den 6000 jüdischen Menschen des Kreises Sächsisch-Regen überlebten knapp 300 das KZ Auschwitz.
Nun, der Holocaust an den Juden Europas oder die Euthanasie an geistig behinderten Menschen sind zumeist bekannt, nicht aber die Verbrechen der deutschen Wehrmacht. Diese werden oft auch heute noch geleugnet und alle Schuld auf Waffen-SS-Einheiten abgewälzt, denn bei der Wehrmacht war ja „Jeder-Mann“, also die eigenen Angehörigen. Da der 27. Januar ausdrücklich ein „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ ist möchte ich hier auch an Opfer erinnern, die in Deutschland meistens vergessen werden: Die über eine Millionen zählenden zivilen Opfer der Belagerung von Leningrad, einer Großstadt mit damals ca. drei Millionen Einwohnern, die Zahl der Opfer kommt der in Auschwitz gleich.

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Regina Reinsperger: Im Lichte der Aufmerksamkeit: der Blick aus dem Fenster

Die erste Hälfte der Überschrift ist eine Redewendung, die jedem von uns bekannt ist und im Folgenden möchte ich einige praktische Gedanken zu „Licht“ und „Aufmerksamkeit“ darstellen. Dass der Tag hier bei uns hell ist und die Nacht dunkel, ist eine Lebenstatsache über die man nicht diskutieren muss. Wir bemerken auch, ob die Sonne scheint oder nicht, ob es regnet, schneit oder stürmt und wenn es tagelang trübe ist, stöhnen wir über diese relative Dunkelheit und vermissen die Sonne. Aber beobachten wir auch intime Natur- und Lichtverhältnisse?

Die Maler aller Jahrhunderte haben uns das vorgemacht, es ist äußerst interessant, ihre Bilder unter dem Gesichtspunkt der malerischen Behandlung des Lichtes zu betrachten: zu entdecken, wie differenziert das Licht dargestellt werden kann. Ich denke da zum Beispiel an Rembrandt, El Greco, die Romantiker und Italienreisende des frühen 19. Jahrhunderts, William Turner, Caspar David Friedrich und später die Impressionisten. Bei Vincent van Gogh kann man anhand seines Lebenswerkes die Schritte von der herkömmlichen „Akademiemalerei“ zu seinen wunderbaren, farbigen und lichtdurchfluteten Bildern verfolgen. Auch bei Künstlern im Umfeld des „Blauen Reiters“ in München ist das möglich. Alexei Jawlensky war einer dieser Künstler.

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Vergoogelt

Wie das Blog von Google Mail heute berichtet, ändert Google seine Technik in Bezug auf Einblenden von Werbung beim Erhalt von Emails. Auch vorher waren die Werbeeinblendungen „Zielpersonen- orientiert“, da sich der Inhalt der Werbung an dem der Mail orientierte. Viele im Internet verschickte Emails enthielten aber offensichtlich keinerlei für Werbung relevante Informationen. Wir sind eben viel exotischer als Werbeleute glauben.
Jetzt wird diese Funktion erweitert auf schon archivierte Emails: „When you open a message in Gmail, you often see ads related to that email. Let's say you're looking at a confirmation email from a hotel in Chicago. Next to your email, you might see ads about flights to Chicago. But sometimes, there aren't any good ads to match to a particular message. From now on, you'll sometimes see ads matched to another recent email instead.“

Bei diesem Prozedere ist vielen Nutzern unwohl. Denn immerhin werden Inhalte von ihren privaten und geschäftlichen Korrespondenzen dabei analysiert. ,Im Google- Blog wird daher auch eilig versichert, dass da nichts wirklich gelesen wird, sondern „nur“ digital gefiltert: „The process is entirely automated: no humans are involved in selecting ads, and no email or personal information is shared with advertisers.“

So weit, so gut. Ich glaube ohne weiteres, dass da tatsächlich keine Armee von heimlichen Mit-Lesern sitzt, die sich durch Milliarden Emails arbeitet. Das Problem ist ein ganz anderes: Die technische Kommunikation vergoogelt zunehmend. Seit langem verfolgt man die Neigungen Googles zum digitalen Monopol. Ob in Sachen Suchmaschine, Nachrichten, Fotografie, Blogs, Office, Datenspeicherung, Landkarten oder Email: Die Krake wächst, und zwar auf innovationsfreudige Art und Weise. Google wächst eben vor allem deshalb, weil es so gut ist und weil es etablierten analogen Medien das Wasser abgräbt. Nachdem sich Google in einem Geschäftszweig etabliert hat, zieht dann - wie das aktuelle Beispiel von Googlemail zeigt- die Werbemaschine erst richtig los.

Es gibt aber noch ein anderes Problem. Das ist in meinen Augen die Neigung von Google zu Gadgets und Plugins. Manche Anwendungen sind trotz der simplen optischen Anmutung mit Funktionen überfrachtet. Ich will auch gar nicht die All-in-One-Informationsportale wie iGoogle nutzen, die mir Mails, Fotos, News, YouTube- Filme, Börse und Wetterbericht auf einen Blick liefern. Wahrscheinlich überfordert mich das. Mein Gehirn blockiert eher in einem Blitzlicht gleichzeitiger Informationen. Zugleich werden die Funktionen - auch die von Googlemail - den für mich nicht transparenten Filtern von Google gegenüber geöffnet, die vielleicht nur den Werbeeinblendungen dienen sollen, aber womöglich auch zu kapern sind*. Macworld berichtete jedenfalls, dass auch Googlemail- Konten ausländischer Journalisten in China umgelenkt und kopiert worden sind- aller Voraussicht nach von regierungseigenen Hackern: „The hijacked Gmail accounts used by the journalists in Beijing had been set to forward all e-mails to a stranger’s address, the Foreign Correspondents’ Club of China said in an e-mail to members. The group did not name the news organizations hit by the attack or say when the hijacking occurred. “We remind all members that journalists in China have been particular targets of hacker attacks in the last 2 years,” the group’s e-mail said.“
Vielleicht sind es Googles offene Tore, die zur Spionage geradezu einladen.

* Ich bin da etwas vorsichtig, weil gerade selbst meine Kreditkarte gehackt worden ist, mit Abbuchungen von interessanten Vereinen wie der „Katzennothilfe Grossbritannien“.
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Spiegel des Ich

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Der selbstverliebte Mystiker

„Ein gut Teil Egoismus über dieses Leben hinaus kann uns so aus der Geisteswissenschaft erwachsen, und darin liegt eine Gefahr. So kann es geschehen, dass die in der Seele zu unrecht aufgefasste Geisteswissenschaft eine Versucherin werden kann, das ist die Verlockung der Geisteswissenschaft. Sie liegt in ihrem Wesen. (..) Wir können also beobachten, dass die Liebe auftritt zu etwas, was in uns selber ist.

Der Mensch hat vielfach versucht, den Impuls der Liebe zu etwas, was in uns selbst ist, in einem höheren Sinne zu überbrücken. Wir finden zum Beispiel bei Mystikern das Bestreben, den Trieb der Selbstliebe im Sinne der Liebe zur Weisheit zu entwickeln und diese in einem schönen Licht erstrahlen zu lassen. Sie versuchen durch Vertiefung in das eigene Seelenleben in sich den Gottesfunken zu finden, ihr höheres Selbst als diesen Gottesfunken zu empfinden. (...)

Man interpretiert es nun so, weil man sich geniert, sich einzugestehen, dass man es doch nur selbst ist, dieser Geistessame.“

___________
Rudolf Steiner, Die Liebe und ihre Bedeutung in der Welt, Zürich, 17. Dezember 1912
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Erklärung von Google

Die Erklärung von Google (in deutscher Sprache, im Google- Produkt- Blog) zu den Attacken auf Mail- Accounts in China und der darauf folgenden schwer wiegenden Entscheidung von Google, die Firmenpolitik in China zu ändern, lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig:

„Die Angriffe und die groß angelegten Überwachungsaktivitäten, die wir bei unserer Untersuchung aufgedeckt haben, in Verbindung mit den Versuchen, die Meinungs- und Redefreiheit im Internet im Laufe des vergangenen Jahres weiter zu beschränken, haben uns zu der Entscheidung veranlasst, unser Engagement in China neu zu bewerten. Wir haben beschlossen, dass wir nicht länger bereit sind, unsere Suchergebnisse auf Google.cn zu zensieren.“

Das nennt man eine Flucht nach vorne im ganz grossen Stil.
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Regina Reinsperger: „Aufmerksamkeit“ oder Metamorphose der Sinnesorgane durch Erblindung

In einem der letzten Kommentare wurde gefragt, wie Blinde die Realität wahrnehmen können. Eine Antwort hierauf und wie sich durch eine Erblindung auch die anderen Sinnesorgane kompensatorisch verfeinern, gibt Jacques Lusseyran (1924-1971) in seinem Buch „Das wiedergefundene Licht – Die Lebensgeschichte eines Blinden im französischen Widerstand“ (DTV-Taschenbuch).

Ich selbst habe einen blind geborenen Mann kennengelernt, der die Erfahrungen von Lusseyran bestätigte, und der in einem ihm völlig fremden Raum Anordnung und Größe von Möbeln und Gegenständen und die Lage von Türen und Fenstern völlig korrekt beschrieb. Diese Phänomene, sind unter den Blinden selbst bekannt, sie sprechen jedoch meist mit Außenstehenden nicht darüber. Außerdem haben keineswegs alle Blinden diese Erfahrungen, besonders Menschen, die erst im Alter erblinden, stehen meist völlig hilflos im dunklen Raum und sind auf umfassende Hilfeleistungen angewiesen. - Auch die „gestützte Kommunikation“ (FC=Facilitated Communication), die erst seit Anfang der 90-er Jahre entwickelt wurde, brachte erstaunliche Innenansichten von Schwerstbehinderten zu Tage. Diese Berichte werden heute meist nur unkommentiert zur Kenntnis genommen. Auch Lusseyran ´s Beschreibung über seine Erblindung und das Wiederfinden des Lichtes ist ein Einzelbericht, jedoch so interessant, dass ich ihn selbst zu Wort kommen lassen will. Ich habe jedoch für diesen kleinen Artikel, um die Gedankengänge zu straffen, manchmal die Reihenfolge der Abschnitte aus dem zweiten und dritten Kapitel des Buches ein wenig verändert, nicht jedoch Lusseyran ´s Sätze. Lusseyran beschreibt die Erfahrungen, die er in der Anfangszeit der Erblindung machte. Durch einen Unfall wurde eine operative Entfernung des rechten Augapfels nötig, die Retina des linken Auges war mehrfach gerissen und ebenfalls zerstört. Er war zu dieser Zeit acht Jahre alt und es waren die 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts in Paris. Er beschreibt seine neue Situation in seinem Buch folgendermaßen:..

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Die Intentions- Wahrnehmungs- Behinderung

Er gilt von amtlicher Seite her als sprachbehindert, und man erwartet von ihm, dass er die normale Schullaufbahn mit ein wenig Unterstützung absolviert. Er spricht ganz normal, obwohl er mehrsprachig aufwächst. Und das Meiste versteht er eigentlich auch - so scheint es- normal. Er wird aber immer wieder von ausgeprägten Wutausbrüchen in seiner sozialen Akzeptanz zurück gestossen, ohne dass die Ursache für diese Wut sichtbar wäre. Er geht eigentlich gelegentlich hoch wie ein Vulkan, in blinder und bitterer Ekstase.

Zunächst fällt bei ihm in der pädagogischen Diagnostik auf, dass er Sprache zwar versteht, aber ohne deren Tiefe zu erfassen. Verbindungen von Begriffen im sprachlichen (und dann auch logischen) Kontext sind ihm nicht einsichtig- etwa Gegensätze, Entsprechungen, Ableitungen, Oberbegriffe. Er steht vor einer Welt von Einzelheiten, die auf rätselhafte und für den Jungen nicht einsehbare Weise miteinander verbunden sind. Ich nehme an, so etwas macht einen wütend, weil die Dinge so unerklärlich sind. Man fühlt sich nicht wohl in einer Welt, die zersplittert ist und immer uneinsehbar war.

Ich erinnere mich noch an die Äußerung meines damals 9jährigen Sohnes, der irgendwann, als er etwas verstand, ausrief, „Das Leben wird immer besser!“ Ja, es wird besser, weil man es besser versteht. Man wird in dieser Hinsicht - hoffentlich- im Laufe seines Lebens zum Fachmann. Diese Sicherheit und diese Freude bleibt dem Jungen, von dem ich schreibe, zu grossen Teilen verwehrt. Das grösste Problem ist aber vielleicht, dass dieser Junge die sprachlichen Intentionen nicht versteht. Eine Arbeitsanweisung versteht er den Worten nach, aber er begreift nicht, dass darin etwas wie eine Aufforderung enthalten ist. Er kann auch Inhalte solcher Sätze wieder geben, aber nicht, was damit gewollt ist. Das ist vermutlich etwas, was Rudolf Steiner stets mit dem „Gedankensinn“ bezeichnet hat: Der Sinn für sprachliche und gedankliche Intentionen- der Sinn für die Sinnhaftigkeit.

Darin aber schliesst sich das weitere Problem an, dass dieser Junge natürlich auch nicht die Intentionen von Menschen erkennt. Einmal war der Junge von einem grossen, sehr viel älteren Mitschüler bedroht. Ein anderer junger Mitschüler trat mutig dazwischen und ermahnte den Älteren: „Lass den Kleinen und Schwächeren hier in Ruhe!“. Der Junge, der doch akut bedroht war, ging außer sich vor Wut auf seinen Verteidiger los und schrie: „Ich bin nicht schwach!“ Er hatte die Intention, ihn zu verteidigen, überhaupt nicht erkannt, sondern fühlte sich angegriffen. Den Sinn für die Intentionen von Mitmenschen bezeichnete Rudolf Steiner als „Ich- Sinn“. Gemeint ist unsere alltägliche Grundlage für ein soziales, verstehbares Miteinander.
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Abschied nehmen von dem, was einem das Liebste ist

Im habe im letzten Jahrzehnt öfter Jungen begleitet, deren Mütter gestorben sind oder doch zumindest todkrank waren. Manchmal auch mit Tanten, die einsprangen, an Stelle der leiblichen Mutter. Wie lange der Trauerprozess dauerte und wie schmerzhaft das war. So ein Junge rennt herum wie ein verwundetes Kalb. Er ist nicht traurig, er ist nichts Eindeutiges, sondern es ist mehr wie ein „white noise“ - eine seltsame, giftige Stille- aller Gefühle zusammen. Es ist ein Zustand, wenn man frei im Raum schweben bleibt, weil der Boden einfach weg ist, aber kein Grund zu sehen.

Manchmal betrifft es auch ein Kind selbst, das z.B. aufgrund eines schweren Herzfehlers das vierte Lebensjahr eigentlich nicht hätte erleben sollen. Aber nun sitzt er da, 9 Jahre alt, und lebt. Er selbst findet das nicht seltsam- komisch und nervtötend, ja herzzerreißend ist für ihn der Kult, der darum gemacht wird. Seine Mutter nimmt seit langem Antidepressiva, der Vater ist mit einer Lustigen weg (ein überaus freundlicher, verbindlicher und zärtlicher Mann, wie ich mal bemerken möchte), und dann hat man - das Schlimmste- dem Jungen auch noch einen Trauerbegleiter an den Hals gehetzt, ein spindelinger unscheinbarer grauer Mann, der meint, man müsse pausenlos über den Tod reden, um ihn irgendwie zu bannen. „Das einzig Angenehme an Dir“, lobte mich der Junge (sehr verhalten), „ist, dass Du die Schnauze hältst.“ Das tat ich auch- außer wenn er unversehens selbst eine Frage hatte. Das kam in drei Jahren Bekanntschaft zweimal vor. „Wie geht es weiter, danach?“, fragte er unvermittelt, und wir diskutierten 5 Minuten, was es damit auf sich haben könnte. Er wollte wissen, wie ich es mir vorstellte.

Wenn die Mutter gehen wird, kommen oft Erscheinungsbilder im Verhalten der Jungen zutage, die denen bestimmter Krankheitsbilder wie schweren Erscheinungsformen des ADS ähneln. Die Jungen leben wie unter einer Glocke, betäubt, und sind nicht in der Lage, ihre Aufmerksamkeit thematisch zu fokussieren. Sie schwimmt in den unauslotbaren Meeren von Gefühlen. Manche machen sich auch zum Clown oder gewinnen eine bizarre Leichte, springen wild, laut und unruhig umher und legen es nicht selten auf eine Keilerei an. Wenn irgendetwas passiert es, fällt es ihnen schwer, von dem „Peak“ der Erregung wieder herunter zu kommen- sie sind stunden- und tagelang unter Strom.

Ich denke, dass man vor allem in der Begegnung mit ihrer Trauer innerlich aufrecht sein muss. Diese Jungen fragen in der kleinen Runde sehr präzise, mit wem sie es zu tun haben, auch in dem Sinne, dass es schwierig und provokativ werden kann. Sie brauchen wirklich kein Weichei. Sie brauchen einen Mann, der präsent sein kann, aber auch den Mund halten. Sie brauchen jemanden, der sie auch annimmt, wenn sie unmöglich sind, aber auch sein gelegentliches Genervtsein nicht verbirgt.. Sie brauchen jemand, der zu ihrer Tapferkeit aufsieht, auch wenn sie eigentlich noch gar nicht da ist. Die potentielle Tapferkeit, die jemand sieht, an die jemand tatsächlich glaubt, ist manchmal etwas, was einen tragen kann, wenn man ein kleiner Junge ist und seine Mutter verliert. Aber bis dahin ist ein schweigender Mann auch nicht das schlechteste.

„Wie geht es Dir?“. „Gut“. „Was sollen wir machen?“. „Arbeiten.“
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Sich mit den Fehlern des anderen Menschen liebevoll zu befassen

„Dasjenige, was der Menschheit einzig und allein Heil bringen kann gegen die Zukunft hin – ich meine der Menschheit, also dem sozialen Zusammenleben -, muss sein ein ehrliches Interesse des einen Menschen an dem anderen. Dasjenige, was dem Bewusstseinsseelen – Zeitalter besonders eigen ist, ist Absonderung des einen Menschen vom anderen. Das bedingt ja die Individualität, das bedingt die Persönlichkeit, dass sich innerlich ein Mensch von dem anderen absondert.

Aber diese Absonderung muss einen Gegenpol haben, und dieser Gegenpol muss in dem Heranzüchten eines regen Interesses von Mensch zu Mensch bestehen. Sie finden unter den elementarsten Impulsen, die angegeben werden (zur Geistesschulung), die Entwicklung einer Gesinnung zur Positivität. Die meisten Menschen der Gegenwart werden geradezu mit ihrer Seele umkehren müssen von ihren Wegen, wenn sie diese Positivität entwickeln wollen, denn die meisten Menschen haben noch nicht einmal einen Begriff von dieser Positivität.

Sie stehen von Mensch zu Mensch so, dass sie, wenn sie an anderen Menschen etwas bemerken, das ihnen nicht passt – ich will gar nicht sagen, das sie tiefer betrachten, sondern das ihnen von oben her betrachtet, ganz äußerlich betrachtet, nicht passt -, so fangen sie an abzuurteilen, aber ohne Interesse dafür zu entwickeln. Es ist im höchsten Grade antisozial für die zukünftige Menschheitsentwicklung, solche Eigenschaften an sich zu haben, in unmittelbarer Sympathie und Antipathie an den anderen Menschen heranzugehen.

Dagegen wird die schönste, bedeutendste soziale Eigenschaft der Zukunftsentwicklung sein, wenn man gerade ein naturwissenschaftliches , objektives Interesse für Fehler anderer Menschen entwickelt, wenn einen die Fehler anderer Menschen viel mehr interessieren, als das man sie versucht zu kritisieren. Denn nach und nach…wird sich der eine Mensch ganz besonders immer mehr und mehr mit den Fehlern des anderen Menschen liebevoll zu befassen haben.“

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Aus: Rudlof Steiner, „Geschichtliche Symptomatologie“ GA 185, Seite 96ff.
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In der Warteschleife


Übrigens: Während dieser Herr noch unter der Glasglocke auf Befreiung hofft, würden wir uns freuen, wenn jemand etwas Geld übrig hätte. Eine ältere Anthroposophin aus Köln (eine Freundin) kann ihre Medikamente nicht mehr bezahlen. Näheres per Email, wenn gewünscht.
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Ätherisches Gehirn

Wie Wired.com in einem Artikel berichtet, wird gerade eine neue Generation von Hirnscannern entwickelt, die ihren Fokus auf innere Aktivitäten, die gleichzeitige Dynamik aller Verbindungen richten. Bisher sind solche Aufnahmen nur bei Tierversuchen möglich. Eine neue Generation aber wird entwickelt, um diese neue geradezu ätherische Dynamik, die in diesen Hirnen wirbelt, sichtbar zu machen auch beim Menschen. Ich sage mal so: Wenn man wirklich etwas meditieren will, dann wären diese Gehirnbilder auch ganz gut geeignet.

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Schneespaziergang


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Ingrid Haselberger: Von Angesicht zu Angesicht

Eigentlich hatte ich vor, die Gedanken Georg Kühlewinds zum ersten Brief des Paulus an die Korinther in meinen eigenen Worten zusammenzufassen.
Doch ich habe mich dagegen entschieden. Denn ich möchte allen, die hier mitlesen, nicht nur die Möglichkeit geben, die hier entwickelten Gedanken in logischer Folge nachzuvollziehen, sondern auch die „Melodie“ wahrzunehmen, die in der Art liegt, wie Georg Kühlewind zu seinen Seminarteilnehmern spricht.

Ich zitiere also aus dem einleitenden Vortrag des Seminars „Kunst und Erkennen“, das Georg Kühlewind vom 9.-12.September 2005 in Baruth gehalten hat:

„Sehr verehrte Anwesende,

seit vielen Jahren – ich kann gar nicht sagen, wie vielen – befassen wir uns hier in einer kleinen Gruppe mit der Frage „Kunst und Erkennen“. Ich glaube, wenn wir noch so langlebig wären, könnten wir dieses Thema nie abschließen, weil es Tiefe hat.
[…]
Also ganz kurz gesagt: Unser Alltagsbewusstsein hat zwei Charakteristiken, wenn man darauf schaut. Und das ist auch sehr merkwürdig, dass wir das können. Wir können darauf, wie unser Bewusstsein arbeitet, einen Blick haben. Das ist eine sehr interessante Sache. Denn: Was für ein Bewusstsein ist das dann, das charakterisieren kann, wie das Alltagsbewusstsein arbeitet? Diese Frage lassen wir jetzt offen. Jedenfalls kann man auf das Bewusstsein blicken, und wenn wir das tun, können wir feststellen, dieses Alltagsbewusstsein hat zwei Charakteristika: Es ist dualistisch, und es ist diskontinuierlich.

Konfrontiert mit der Welt oder mit der eigenen Vorstellung?

Dualistisch heißt, wir leben in der Überzeugung, dass ich hier bin, und die Welt ist dort. Sorgfältig voneinander getrennt. Das ist auch die Sichtweise der Naturwissenschaft. Und es ist auch ein Erfordernis der Wissenschaft, dass die Objekte, mit denen sich die Wissenschaft beschäftigt, unabhängig sein sollen von mir als Betrachter; also von meiner privaten Sympathie und Antipathie absolut unberührt.
[…]

Stückwerk: Diskontinuierliches Erkennen

Und das andere ist, dass dieses Bewusstsein diskontinuierlich ist. Das kann man daran sehen, dass wir vereinzelte Dinge wahrnehmen und den Zusammenhang zwischen diesen Dingen nicht durch unsere Sinneswahrnehmung erfahren, sondern durch das Denken. Das Denken konstruiert auch in der Wissenschaft Zusammenhänge zwischen Dingen, die nur ganz unabhängig voneinander erscheinen. Zum Beispiel: ich sehe jetzt diesen Schirm, diesen weißen Sonnenschirm, und daneben sind Stühle. Dass die irgendwie zusammenhängen könnten, das sehe ich nicht. Wenn ich nachdenke, ja dann sage ich schon, jemand hat das Arrangement gemacht, deshalb stehen sie jetzt so, wie sie stehen. Aber das sehe ich nicht. Das muss ich mit dem Denken ergänzen, und das heißt diskontinuierlich.
[…]

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Regina Reinsperger: Autismus- Syndrom

Autistische Menschen haben auch Schwierigkeiten, die Gefühle und Stimmungen, die Meinungen, Wünsche und Absichten anderer Menschen zu erfassen und Schlüsse aus den Äußerungen anderer zu ziehen. Sie können daher nicht erkennen, wem sie vertrauen können und wem nicht. Dieser Komplex setzt voraus, ein Bewusstsein davon zu entwickeln, dass verschiedene Leute verschiedenes Wissen besitzen, je nachdem, was sie gesehen oder erlebt haben. Es setzt eine Vorstellung darüber voraus, dass andere etwas anderes wissen können als ich („theory of mind“ - Normalerweise entwickeln Kinder dies zwischen dem 4 und 7. Lebensjahr). - Viele haben trotz guter Sprachbegabung auch Probleme, die in verschiedenen Situationen sich ändernden Bedeutungen zu verstehen. Die Worte werden verstanden, aber nicht immer die Intention oder die Bedeutung für den Sprecher, da dies eine ganzheitliche Erfassung der Situation auf verbaler und nonverbaler Ebene voraussetzt.

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Post aus Fuji-Muji

Mit diesem klugen Mädchen würde ich zu tun haben, dachte ich, als ich sie zum ersten Mal bei der Einschulung sah. Irgendwann fragte ich die Eltern, ob ich sie testen dürfe, und sie stimmten zu. Das Mädchen aber war ganz und gar nicht einverstanden, sie war sehr erregt, fast wütend, so was mache sie nicht. Da war nicht weiter darüber zu diskutieren, sie konnte sich gar nicht beruhigen. Ihre grosse Sorge war, dass irgendetwas dokumentiert werden könnte, was sie von ihren Mitschülern unterschied. Sie selbst, die seit dem dritten Lebensjahr fließend las, war ein gewisser Fremdling unter Kindern geblieben. Mit den Freundinnen in der Klasse war es denn auch schwierig. Sie verzettelte sich in geradezu leidenschaftliche Freundschaftsbeziehungen zu anderen Mädchen, gepaart mit einer kindlich- abgründigen Eifersucht, die wie ein scharfes Messer wirkte. Es gibt auf diesem Planeten kein anderes so messerscharf urteilendes Wesen wie kluge Mädchen in diesem Alter.

Sie baute sich auf in der Beziehung zu einer Lehrerin- eine aus der Generation der begabten jungen Frauen dieser Tage. Mich mied sie oder bestrafte mich mit kleinen Knuffen beim Vorübergehen. Ich war der Mensch, der ihre Besonderheit offenbar hätte machen könnte. Bisher war es ihr Geheimnis gewesen- dachte sie. Dabei war zumindest jedem Kind auf der Stelle klar, dass sie anders war.
Aber sie fing nach einem Jahr an, Tafel zu putzen, machte Witze und spielte Nachlaufen mit den Jungs. Sie entdeckte neue Seiten an sich, die mit diesem ihrem Intellekt nichts zu tun hatten. Ihre Lehrerin machte Theateraufführungen. Nun konnte sie Rollen annehmen, um diese mit ihrer sicherer gewordenen Persönlichkeit zu erproben und auszufüllen. Dann öffnete die Lehrerin eine kleine Poststation in der Klasse, und sie wurde Erste Postbeamtin. Sie empfing Briefe von Mitschülern, schrieb und spielte Streiche.

Heute haben wir eine zweite Poststation auf einem kleinen Teppich im Nebenraum begründet. Es handelt sich um eine schon lange vor der Zeit aufgegebene Insel namens Fuji-Muji. Es lebt dort ein freundlich aussehender Kannibale mit Knochen im Haar, außerdem sind Krokodile aus Plüsch ständig auf der Pirsch. Glücklicherweise funktioniert der Postverkehr mit dem Schiff. Wir werden nun öfter Berichte aus dieser abgelegenen Welt bekommen, und im Unterricht vielleicht sogar beantworten. Wir werden Karten lesen, detaillierte Zeichnungen des Terrains mit allen wichtigen Orten. Als sich ihr diese Welt eröffnete, führte sie einen kleinen Sprung aus. Vielleicht hatte sie nun das, was ihr noch fehlte, um diese Diskrepanz zwischen dem ausgeprägten Intellekt und ihren Gefühlen in Gestalt von Fantasie auszugleichen. Freuen wir uns auf Post aus Fuji-Muji!
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Dämonen mit Kassenbrille


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Software AG Stiftung

Einer der grossen Geldgeber vieler freier, vor allem anthroposophischer Initiativen in Behinderten- und Altenarbeit, in Jugendhilfe, Förderung alternativer Wissenschaft, Medizin, Landwirtschaft und Umweltschutz ist die Software AG Stiftung. Deren Begründer, Peter M. Schnell, heute 71 Jahre alt, hatte vor 40 Jahren mit zwei Kollegen die Software AG gegründet, mit wenig Geld, aber einigen Software- Patenten. Heute ist dieses Unternehmen milliardenschwer und beschäftigt (FAS, 13.12.2009, Nr. 50, S. 49, „Asien bringt Pepp ins Portfolio“) 2000 Mitarbeiter.
Peter M. Schnell, der Anthroposoph und laut FAS Vater von zwei behinderten Kindern ist, hatte seine Anteile am Unternehmen schon 1992 fast vollständig in die Stiftung eingebracht, damit mit den „erheblichen Vermögenswerten heilsam in der Welt umgegangen“ (FAS, dito) werden könne. Sich „mit Hunderten Millionen Euro ein bequemes Leben“ zu machen, fände Schnell „schrecklich fad“.
Der Vermögensberater der Stiftung, Andreas Rachor, erwirtschaftet für die gemeinnützigen Zwecke jährlich 25 Millionen Euro- eine nahezu konstante Rendite, „abgesehen vom Horrorjahr 2008“. Im Gegensatz zu der Geschäftspolitik der Banken lehnt Schnell im Namen der Stiftung „Derivate ab, also abstrakt konstruierte Geldprodukte“ (FAS, dito). Diese Haltung hat sich in der Finanzkrise bewährt. Die Stiftung bewahrt in ihrer Anlagepolitik auch andere ethische Vorbehalte- „Wir investieren nicht in Rüstung, nicht in die Tabakindustrie, nicht ins Glücksspiel“. Die Unterstützung des biologisch- dynamischen Landbaus verbietet natürlich auch Investments in Richtung Gentechnologie. Im Portfolio finden sich dagegen sehr wohl Aktien von BP, Total, Danone und Unilever, aber auch RWE. Trotz vieler Unkenrufe investiert die Software AG Stiftung in Aktien aus Asien, auch in Banken in Indien und Hongkong.

Projekte und Initiativen, die eine Förderung wünschen, können sich bei der Stiftung hier bewerben. 2007 hatte die Stiftung darüber nachgedacht, neben ihrem Engagement in der Kunsthochschule Alfter, „die deutsche Privatuniversität Witten/Herdecke zu übernehmen.“ (Quelle) Heute ist sie einer der wichtigsten Gesellschafter der freien Universität (Quelle) und hat damit deren Insolvenz vermieden.
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Hans-Peter Dieckmann: Melodie und Stille

Ich war mir nicht sicher, ob das Niveau von Georg Kühlewinds Büchern gewahrt bleiben würde, als die Nachschrift eines von ihm im Jahr 2005 gehaltenen Seminars unter dem Titel “Melodie und Stille“ (Verlag Freies Geistesleben) im Dezember des vergangenen Jahres erschien. Doch zu dieser Veröffentlichung heißt es in den Anmerkungen: “Der Originaltext der Aufzeichnung wurde für die Buchveröffentlichung an wenigen Stellen gekürzt sowie, bei weitestmöglicher Wahrung des authentischen Tones, im Sinne der Lesbarkeit und Verständlichkeit sprachlich bearbeitet.“ Das ist sehr gut gelungen. Mit den Einschränkungen, die sich aus der gedruckten Form ergeben, liegt nun etwas von der anregenden Lebendigkeit der Seminare Georg Kühlewinds vor. Wie zum bestimmt unbeabsichtigten Vermächtnis leuchten in “Melodie und Stille“ noch einmal viele seiner großen Themen zur Einheit verwoben auf: seine Aufmerksamkeitsschulung mit seiner spirituellen Erkenntnistheorie, Psychologie und Linguistik als Bahnen zum Logos, zur Leere und zur Kunst. So sehr Georg Kühlewind Ausführungen etwa von Rudolf Steiner, von (auch modernen) Zen-Meistern und Anstöße aus der Kunst verarbeitet hat und in diesem Seminar mit vielen biographischen Bezügen darstellte, war er immer unverwechselbar und kreativ er selbst.

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Ingrid Haselberger: Offener Brief an Holger Niederhausen

Lieber Holger,

offensichtlich lesen Sie hier mit, also möchte ich mich jetzt einmal direkt an Sie wenden (und hoffe, unser Gastgeber Don Michele hat nichts dagegen).

Ich finde viele Ihrer Gedanken ganz richtig.
Ich möchte zum Beispiel aus Ihrem letzten Aufsatz herausheben:
„Es geht im Grunde nicht darum, was der Einzelne beim Nachdenken einer Unwahrheit erlebt, sondern was mit dieser Unwahrheit gewissermaßen der Wahrheit an sich angetan wird.“
Ja. Sie versuchen in Ihren Aufsätzen, das bemerke ich deutlich, der „Sünde wider den Heiligen Geist“ (Matthäus 12,31) entgegenzutreten. Das ist Ihnen ein Herzensanliegen, und das findet meine Zustimmung – und einen Widerhall in meinem Herzen.

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Unscharf



Die Zukunft ist natürlich so unscharf wie die Glückssymbole auf diesem Bild. Die Egoisten wünschen ihren Lesern für 2010 das Beste. Umso deutlicher ist der Blick zurück auf das zu Ende gehende Jahr. Nach Statistik des Providers (1&1) hatten wir bei den Egoisten in diesem Jahr 361926 Besucher, bei 670706 Seitenaufrufen. 2008 waren es noch 160000 weniger. Darauf stosse ich gern mit einer Tasse Hagebuttentee an, bin aber nach wie vor ziemlich erstaunt. Offensichtlich ist das Thema Anthroposophie doch wesentlich weniger eine Sache einer Nischen- Interessenten- Gruppe, als wir selber glauben. Eine wirklich professionell gemachte Seite, die technisch auf der Höhe und inhaltlich offen ist, mit Chats und diversen freien Diskussionsforen, aber auch einer umfangreichen Informationsmöglichkeit, hätte sicherlich einen sehr grossen Zulauf- natürlich ungleich mehr, als wir paar egoistischen Hobby- Macher. Warum macht das nicht „dm“ oder sonst wer, der das Know-how und das Kapital hat? Eine Zeitschrift wie Info3 bietet ja heute schon einiges, hat aber berechtigte Zweifel, ob weitere Öffnung zur Selbst- Kannibalisierung führen könnte. Aber ansonsten?

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Eine egoistische Verdammung



Holger Niederhausen, einer der zahlreichen selbsterwählten Inquisitoren der anthroposophischen Web- Gemeinde, hat in seinem Jahresrückblick auch die Egoisten mit einer Verdammung bedacht. Zwischen Verdammung und Verdummung besteht ja nur ein marginaler, manchmal kaum erkennbarer Übergang. In vielen Situationen des Lebens finde ich persönlich mich allerdings doch lieber auf der Seite der Verdammten wieder. So manche Anerkennung von doktrinärer Seite wäre geradezu niederschmetternd. So weit gebracht wie Grauer, Info3 und Gronbach haben wir es in Niederhausens Augen zwar nicht, aber immerhin:

„Michael Eggerts Webblog „Egoisten“ erfreut sich unter Teilen der „anthroposophischen Bewegung“ offenbar großer Beliebtheit. Die kurzweiligen, essayistischen Gedanken und Fotomontagen treffen anscheinend ein gewisses Konsumbedürfnis. Wie „ernst“ es Eggert mit der Anthroposophie ist, kann man vielen seiner Blog-Kommentare entnehmen, aber schlaglichtartig auch einer so furchtbaren Kollage wie dieser hier.

Symptomatisch zeigt sich an Eggert und seiner Seite, wie es um ein wirkliches Verständnis der Anthroposophie heute bestellt ist. Mag es zwischendrin viele interessante Gedanken geben – es fehlt jede tiefere Spiritualität, der bloße Intellekt ist in einer unheiligen Allianz mit Ironie und einem alles ertötenden falschen Humor überall zu spüren.

Dass mehrere andere Akteure der „anthroposophischen Bewegung“ mit Eggert und auf seinem Blog „auf Du und Du“ sind, macht die Sache um so schlimmer. Es scheint überhaupt kein Bewusstsein mehr dafür vorhanden zu sein, welchen seelisch-geistigen Boden die Anthroposophie wirklich braucht, um überhaupt keimen zu können!

Schon zu Beginn des Jahres verfasste Eggert auch einen tendenziösen Aufsatz über meine damals noch relativ junge Webseite, worauf ich entgegnete: Eggert und die Wahrheitsfrage. Ein späterer Aufsatz erwiderte dann auf Eggerts Unverständnis in Bezug auf das Buch „Der lebendige Rudolf Steiner“.

Man kann den Eindruck haben, dass Eggert seine besten Impulse immer weiter verliert, was wirklich ein trauriges Geschehen ist – für ihn selbst und für die Anthroposophie. In einem aktuellen Blog-Beitrag vom 13. Dezember schreibt er über Weihnachten:

„Der spirituelle Höhepunkt des Jahres steht vor der Tür, und das nicht erst seit 2000 Jahren, und erst recht nicht erst seit Steiner. Nein, die Menschheit treibt das seit der letzten Eiszeit, mindestens.““
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Regina Reinsperger: Friedrich Benesch und die Toten des Spanischen Bürgerkrieges


Frederico Garcia Lorca

Der Spanier Jaime Padro begleitete Friedrich Benesch 1963 bei seinem Besuch in Toledo und er berichtete, dass Benesch bei der Besichtigung des Alcazar ihnen erklärt habe, dass „die Aura der Opfer noch über dem Gebäude zu sehen sei.“ Fast alle Verteidiger seien ums Leben gekommen.
Um diese Behauptungen Beneschs einordnen zu können, muss man wissen, dass der Kampf um Toledo und den Alcazar in den faschistischen Ländern als „Opferlegende“ medienwirksam ausgebeutet worden war. Toledo wurde nach 1936 zu einer Art Wallfahrtsort für deutsche Spanienreisende und prominente, heute längst vergessene Autoren des dritten Reiches berichteten in ihren Reisenotizen ausführlich über den Alcazar (Dwinger 1937 / Vesper 1942) und es wurde zu einem Sujet in der Jugendliteratur. Die Tatsache, dass dem ehemaligen Kommandeur des Alcazar noch 1955 das deutsche Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, zeigt wie reibungslos sich die antikommunistische Symbolkraft des Alcazar-Mythos auch in der Zeit des kalten Krieges instrumentalisieren ließ.

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