Jun 2010

Harter Hund

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Sommer in Dyck



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Lotosblumen

Das Thema Kehlkopf-Chakra hat auch Rudolf Steiner immer wieder angeschnitten: „Nehmen wir zum Beispiel an, man richtet als solch ergebener Mensch (als Meditant), der sich dann weiter erzieht, den Sinn auf den menschlichen Kehlkopf in irgendeiner Weise, dann erscheint einem der menschliche Kehlkopf in einer merkwürdigen Weise, wie ein Organ, das ganz im Anfang des Werdens ist, das eine große Zukunft vor sich hat, und man empfindet es unmittelbar durch das, was der Kehlkopf selber als seine Wahrheit ausspricht, dass er wie ein Same ist. Und es muss einmal– das weiß man unmittelbar durch das, was der Kehlkopf ausspricht – für die Menschheitsentwickelung etwas kommen, wo der Kehlkopf ganz umgestaltet ist, wo er so sein wird, dass, während der Mensch jetzt durch den Kehlkopf nur das Wort aus sich hervorbringt, er einmal den Menschen gebären wird. Das Organ, das künftig sich dazu entfalten wird, den ganzen Menschen hervorzubringen, wenn er vergeistigt sein wird.“ (GA 134, Seite 38f)

Die Formulierung „ganz im Anfang des Werdens“ kann ich gut teilen. Dem Kehlkopf kann, wenn man meditativ praktiziert, "Raum" entspringen, der sich ausbreitet, aber sich auch wieder in den Ursprungspunkt wie eindreht. Dieser entspringende ätherische Raum ist das eigentliche Arbeitsfeld, er weitet sich bis an die Schlafgrenze, am Ende eigentlich über sie hinaus. Es ist eine Dynamik, wie ein kleiner Sturm, den man an einem Seil festbinden will. Das Seil wird gesponnen aus unserer inhaltsleeren, reinen Aufmerksamkeit. Man merkt auch, dass sich die entspringenden und gleichzeitig saugenden Felder, die etwas atmend- Knetendes an sich haben, gegenseitig entzünden. Sie korrelieren nicht nur, sondern rufen in ihrer Berührung immer neue Dynamik hervor. Schließlich fallen sie in sich zusammen, und der Raum weitet sich, fällt wieder in sich zusammen, bildet Ansätze zu einer ätherischen Gesamtform, zu einem Raum für geistiges Leben, für die Entfaltung, für die Selbsterfahrung. So eine mögliche meditative Erfahrung.

Aber eine Form könnte nur Momentaufnahme sein, denn diese Räumlichkeit ist nicht festzumachen, da sie aus ununterbrochenem Wandel besteht. Man weiss, man kann sich nur mit der Anstrengung im Sinne von Konzentration in der reinen Dynamik halten; normalerweise schläft man hier ein. Aber zugleich ist hier nichts anstrengend, die übliche sensorische Verortung und Verarbeitung ist gar nicht zu bemerken. Man ist an einer Kraft, die schafft, nicht an einem zerbrechlichen neuronalen Spiegelbild tätig.

Man schlüpft dort hinein wie in einen Handschuh. In dem Augenblick, in dem man es tut, geht man ins lebendige Denken hinein. Es ist eine Formkraft. Man bemerkt, dass man sie handhaben kann. Es fühlt sich noch etwas ungeschickt und grob an, aber man kann denkend- phänomenal, wie von innen her, von der Dynamik aus, zum Beispiel Naturobjekte oder auch Mantren ausfüllen. Man wird dann selbst zu Blatt, Wurzel und Blüte (oder zu einem Gebet), man füllt es von innen aus. Die sonst auf den tatsächlichen physischen Leib bezogenen Empfindungen können konkrete Wuchsformen jeder Pflanze nachempfinden, ja nachbilden. Damit können sich immer weitere geistige Forschungsaufgaben ergeben.

Heide Oehms schreibt dazu: „Rudolf Steiner beschreibt in dem genannten Kapitel "Über einige Wirkungen der Einweihung" "Veränderungen im so genannten Seelenorganismus" (S.115).

Dieser wird im Verlauf der Übungen regelmäßiger gegliedert. Er ist ein Gebilde, welches vom Inneren des Kopfes bis zur Mitte des physischen Körpers verläuft. In diesem befinden sich Organe, die Lotusblumen genannt, die bei jedem Menschen vorhanden sind. Sie waren in alten Zeiten beweglich, drehten sich gegen den Uhrzeigersinn und machten damit das traumhafte Hellsehen möglich.
Beim heutigen Menschen sind sie in der Regel unbewegt, und dadurch ist er von der geistigen Welt abgeschnitten. Die Aufgabe eines bewusst beschrittenen Weges liegt darin, diese Organe aus ihrem Schlafzustand durch regelmäßige Strukturierung in eine Rechtsdrehung zu versetzen, was ein wach bewusstes Hellsehen ermöglicht. Die Lotusblumen hellen sich auf und werden zu Sinnesorganen der Seele. Rudolf Steiner beginnt in seiner Beschreibung mit der sechzehn-blättrigen Lotusblume des Kehlkopfes.“

Und weiter, mehr auf das eingehend, was ich oben als „ätherischer Raum“ beschrieben habe: „Wichtig ist es, die Empfehlung ernst zu nehmen, die jeweilige Übung mit den in den esoterischen Stunden angegebenen Strömungen abzuschließen. Diese sind solange vorzunehmen, bis sie spürbar werden. Ein leises Strömen im Ätherleibe wird wahrnehmbar. Zuerst soll der Mittelpunkt an der Stirn erscheinen. Später wird der Mittelpunkt in den Kehlkopf verlegt und danach erst im Herzen gebildet. Dazu werden bestimmte Mantren meditiert. Es genügt nicht ein rein gedankliches Meditieren, sondern willenhaft erlebtes. Dies meint ein Einprägen bestimmter Formeln, das noch beschrieben werden soll. Die Herzlotusblume vermittelt Wahrnehmungen der Seelenwärme und Seelenkälte, ebenso ein tiefes Verständnis für Naturvorgänge: Wachsen und Vergehen, die ebenso Seelenwärme und -kälte ausströmen.“
(Heide Oehms)

Das religiös- moralische Empfinden entwickelt sich weniger durch gezielte Übungen, sondern steigt von selbst wie von unten auf; es ist ja die Essenz des Seins und man muss einfach dorthin kommen. Es ist die Wahrheitssphäre. Hier atmet der Geist mit sich selbst. Man tut nichts persönlich dazu und bringt nichts mit. Das ist eigentlich auch nicht nötig, weil das Religiöse in dieser Sphäre einfach die Realität ist, das Sein selbst.

Hier ist es egal, wer man ist, es gibt keinerlei Qualifikation, nichts Mitgebrachtes. Entweder man betritt diese Sphäre oder man tut es nicht. Man kann (vermutlich) ein sagenhaftes Karma haben, eine wahre Glücks- Marie sein, aber hier an diesem Punkt ist "alles neu". Man kommt nur "neu" hinein, es geht nicht anders. Hier sind alle Menschen gleich und auch wahr.
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Wüstenkind

Sie war eine junge Berberin und sprach nicht viel. Einmal habe ich im Fernsehen gesehen, wie die armen jungen Frauen um Tanger sich ihren Lebensunterhalt verdienen: Mit dem Knacken von Nüssen, was sie bei der endlosen und monotonen Arbeit mit Gesängen begleiten, als wären sie die Baumwollarbeiter von Mississippi, die den Blues entstehen liessen.

Nun aber sass sie hier, und sie sass hier schon vier Jahre, einmal hatte sie wiederholt, aber sie war selbst in Arabisch schlecht. Wie so oft, hatte sie alles mögliche an Kulturschock verkraftet, aber das phonologische Vermögen hatte sich nicht recht angepasst. Sie lebte noch in ihren Sprachklängen, in einem luftigen Sprachgeist, der den Atem der Wüste antrieb; die formalisierten unmelodiösen Sprachcontainer der deutschen Sprachen waren von dieser Luft noch durchdrungen, und daher schrieb sie sehr schlecht. Der Zusammenhang von Graphem und Phonem war bei ihr mit Luftsprüngen begleitet, und das ist im Deutschen nicht vorgesehen.
Schriftsprache überzieht bei uns alle Lerninhalte wie ein Pelz, man muss damit zurecht kommen. Sie aber hatte sich zur unsichtbaren jungen Frau gemacht, zu einem Wüstenkind mitten in einer mitteleuropäischen Schulbaustelle, einer so genannten pädagogischen Kompetenzzentrale. Sie aber spielte die Nichtabwesende, gar nicht Präsente. Sie lächelte gelegentlich.

Ich aber setzte sie in die erste Reihe zu den chaotischen Schülern, den Brüllern und Schreiern, denen, die ihr Ego in den Fäusten haben. Sie war alarmiert. Sie wusste, ich hatte sie jetzt genau im Blick. Sie kam oft dran. Sie konnte nicht mehr von ihrer Kleinmädchenzeit, zwischen kalkigen Wänden, Nussgeruch, Ölgewinnung, blanken Füßen und Ziegenmilch träumen. Düfte überall, Staub und Frauen, die keinen echten einzigen Job kennen.

Manchmal reicht eben auch das: Die Nichtwahrnehmung beachten. Es ist keine Ermahnung nötig, nicht einmal ein Wort. Es reicht der Blick, der sagt: Ich war unsichtbar, und du hast mich gesehen. Ich mag es nicht besonders, dass Du mich fordern wirst, aber es wird sich etwas verändern. Ich habe das nicht alleine gemacht oder gewollt, aber Du hast mich durch einen einzigen Blick anders ins Leben gestellt. Um dieses Blickes willen werde ich lernen.
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Rudolf Steiner No 8 Mosaik



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Standpunkt des gewöhnlichen Begreifens

Auch geistige Arbeit in dem Sinne, wie es anthroposophische Forschung meint, ist auf Verbalisierung und Dialog ausgelegt und angewiesen. Die Erkenntnisse werden erst zu dem, was sie sind, wenn sie formulierbar werden. Auch diese „Wahrnehmung“ benötigt eine Begrifflichkeit, muss diese aber erst schöpfen, da es passende Worte nicht dazu gibt. Sprachliche Konturen nimmt die Sache aber erst an, wenn diese im Dialog entstehen. Daher suchen und finden sich entsprechend Interessierte unabhängig von äußeren Institutionen und Traditionen.
So jedenfalls interpretiere ich folgende Textstelle von Rudolf Steiner:

„Die Menschen sind wiederum in das Stadium eingetreten, wo sie ein Auge brauchen für die geistige Welt, in die sie eintreten nach dem Tode. Und dieses Auge werden sie nicht haben, wenn sie es sich nicht hier auf Erden erwerben.

So wie das physische Auge im vor- irdischen Dasein erworben werden muss, so muss das Auge für das Wahrnehmen des Übersinnlichen nach dem Tode hier durch Geisteswissenschaft, durch geistiges Erkennen erworben werden. Nicht durch Hellsehen, das ist jedes Menschen eigene Sache, aber durch Verstehen mit dem gesunden Menschenverstand dessen, was durch hellseherische Forschung erkundet wird.

Dieses geistige Auge muss sich der Hellseher ebenso erwerben, wie es der andere Mensch auch erwerben muss. Was man durch imaginative Erkenntnis erworben hat, was man erschaut hat, verfällt nach wenigen Tagen. Es verfällt nur dann nicht, wenn man es auf den Standpunkt des gewöhnlichen Begreifens heruntergebracht hat. Man ist gezwungen, diese Sache dann ebenso zu begreifen, wie sie der begreift, dem man sie mitteilt.“

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Rudolf Steiner, GA 218, Seite 326f
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Am Rand der Wolken



Georg Kühlewind hat gelegentlich vom „Funken des Logos“ gesprochen, der „hier“, „im Fleisch“, in jedem von uns „da“ ist - fähig zum Neuanfang in jedem Augenblick. Selbst in scheinbar finalen und unausweichlichen Augenblicken und in absoluter Perspektivlosigkeit kann diese Kraft in uns „beginnen“. Der Trost liegt nicht in unmittelbar veränderten Umständen, sondern in einer anderen Haltung. Sobald sich die eigene Perspektive weitet, indem sie aus der Ruhe heraus eingenommen wird, können sich passende Schritte zeigen. Sobald die Situation so, wie sie ist, angenommen wird, verliert sie die Maske ihrer Unbeweglichkeit und Unabänderlichkeit.

Die Kraft, wenn sie einmal entdeckt wird, führt bis an den Rand des Schlafs. Sich dort zu halten kann nur aus ureigener Konzentration geschafft werden. Es ist dies die Vernunft, die bestehen kann, wenn ihr dazu die vertrauten Grundlage fehlen. Hier muss sie aus sich bestehen, nicht angelehnt an Konstrukte, Vorstellungen und Denkgewohnheiten.

An der Grenze stellt man sich auf raues Wetter ein. Man bewegt sich am Rand einer Wolkenwand. Aber natürlich geht es nicht um meteorologische Zusammenhänge, sondern um die Scheidewand zwischen Licht und Dunkel- zwischen dem, was man an Bewusstheit aufzubringen vermag und dem, in das man versinkt. Wir sind nur so weit, so energisch und so bewusstseinsklar, wie wir eben sind. Mit den Körpergrenzen im biologischen Sinne hat das nicht unbedingt etwas zu tun, sondern mit den Grenzen unserer inneren Kraft. Hier gibt es keinen Stillstand und keine Wiederholung. Was man hat, behält man nicht und dort, wo man sicher ist, verliert man den Boden.

Wir gehen den Wolkenrand entlang- es ist eine Wand von einer Höhe und Tiefe, die mein Fassungsvermögen übersteigt. Wenn man genau hinsieht, bemerkt man, dass sich in der Wand Kräfte ballen, die aus sich selbst immer weitere Wolken entspringen lassen. Die Dynamik hat etwas, dass man „Quellen des Lebens“ dazu sagen mag. Es ist nichts Beängstigendes dabei. Das stellt man sich nur so vor. Der Quell, der sich selbst entspringt und aus nichts gespeist wird, wandert aus dem Gesichtsfeld, aber es wachsen weitere, immer neue aus dem Nebel.

Das ist die Schwelle. Oder eine davon. Man geht benetzt von ihr zurück, erfrischt, erholt, beschenkt. Rudolf Steiner sagte zu den Wolken: „Wir richten den Blick aufwärts und sehen, wie in dem Luftförmigen, in dem ja allerdings die Geister der Bewegung, die Dynamis walten, wie da am Werke sind die Cherubime, damit das Wässerige, das aus dem Bereiche der Geister der Weisheit,
der Kyriotetes aufsteigt, sich zu Wolken ballen kann. (GA 122, Seite120)

Man kann die Schwelle nicht überschreiten, aber man kann sie verinnerlichen. Man kann den Quell in der Mitte entspringen lassen, eine individuell getönte Kraft, die sich im Augenblick ihres Entstehens in Gefühl verwandelt. Es ist nur eine andere Stimmung, eine andere Ebene. In der Tiefe ziehen die Wale vorbei wie riesige Schemen. Sie sind das Gefühl, das sich selbst genug ist. Ein Gefühl, das keine Resonanz ist auf irgendein Ereignis, sondern ein Strom, der aus sich heraus entsteht.

Je näher man der Wolkenwand rückt, desto mehr kann und muss man sich im Alltag begründen. Dass die Aufgaben klarer vor Augen stehen, liegt wohl vor allem daran, dass der innere Blick sich klärt: Die Befangenheiten, das Bestehenwollen, das Aufrührende und Sich-selbst-Berührende, die stumme, verbissene innere Wolkenwand, ist dünn geworden und lässt Licht und Luft in die Dinge, die man anfängt. Und die sind stimmiger als früher, passen sich ein in das, was sich in die Situation fügt. Darum geht es ja: Fügsam zu sein in das, was anliegt; nicht Ausgedachtes, nicht herbei Gesehntes, sondern purer Realismus. Es ist eine gegenseitige Verankerung, nach außen wie nach innen.

Geistige Erfahrung ist die Vernunft, die sich ihrer selbst bewusst wird, aber sich einfügen kann in die Dinge- eine die Komplexität von Prozessen einsehende und sie mit sanftem Willen mit gestaltende Vernunft.
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Leberwurst

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In der Armut sein

„Auf dem Gebiet des Seelisch-Geistigen gibt es kein „Haben“. Es gibt auch kein „Sich-Berufen“ auf etwas, auf Vergangenheit, Geschehnisse, Prinzipien. Denn auf diesem Gebiet der Unvergangenheit gibt es kein „Etwas“.

Die Ergebnisse einer Fähigkeit dürfen nicht verwechselt werden mit der Fähigkeit selbst - und auf der Ebene des Lebens oder der Gegenwärtigkeit gelten allein Fähigkeiten. Das „Gestern“ darf nur als Fähigkeiten weiterwirken.

So besteht das Sein in dieser Sphäre im andauernden Verzichten auf das Eben- Errungene, im Suchen- Bleiben, im steten Überwinden des Gefunden- Habens, im immerwährenden Werden. Wer „hat“, „gefunden hat“, wer nicht verzichtet, fällt aus diesem Bereich heraus. In der Armut sein, in der Armut bleiben ist die einzige Art, in der Gegenwärtigkeit zu weilen. Denn nur die Armut hat die Anziehungskraft für das Immerneue.“

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Georg Kühlewind, Die Erneuerung des Heiligen Geistes, Stuttgart 1992, S. 57
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In keiner Art zu wünschen

„In keiner Art zu wünschen, bevor man das Richtige auf einem Gebiete erkannt hat, das ist eine der goldenen Regeln für den Geheimschüler.“


Rudolf Steiner, GA 10, S.93
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Abgänge

Man kommt ja gar nicht mehr mit, in diesem Tempo, in dem die politische Mitte zerbröselt. Zwischen den Kochs und Köhlers hat mich allerdings nur ein Rücktritt betroffen gemacht, das ist der von Georg Schramm, der „Neues aus der Anstalt“ im Juni verlassen wird. Und um Kabarett handelt es sich ja wohl insgesamt. Die „politische Bühne“ tritt schneller ab als die Kabarettisten kommentieren können, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Koch aus klugem Kalkül, Köhler als beleidigte, aber finanziell gut abgesicherte Leberwurst.

Wie man hört, hat seine Rede in Afghanistan, in der er den Eindruck erweckte, die militärische Präsenz der Bundeswehr dort folge wirtschaftlichen Interessen, einen ganz anderen Hintergrund- nämlich den, dass Köhlers unsäglicher Umgang mit seinen Mitarbeitern, Redenschreibern und Beratern dazu geführt hat, dass diese in Scharen ihre Ämter verlassen hätten- auf der Flucht vor Launen und Tiraden. Dies nicht zum ersten Mal in Köhlers Karriere, diesmal aber mit fatalen Folgen: Er habe quasi nun aus eigener Kraft sprechen müssen, und das habe zu den bekannten Folgen geführt. Ulrich Deppendorf entfuhren darüber direkt nach Köhlers Rücktritt im ARD die Worte, Köhler habe wohl selbst nicht gewusst, was er sagte. Die Kritik danach aber, aber auch das Gelächter, was das für wirtschaftliche Interessen sein könnten (Opiumernte?), hat der Bundespräsident nicht verkraftet. Schade für ihn.

Angela Merkel, die um sich herum alle politischen Schwergewichte aus dem Rennen gehauen hat, machte ein reichlich ratloses Gesicht. Wer wird Nachfolger Horst Köhlers? Wer sucht gerade gerade eine Stelle und ist zu Sonntagsreden in Dauerfolge bereit? Frau Käßmann würde man sich vielleicht wünschen, aber wird sie gradlinig zur Arbeitsstelle finden? Wahrscheinlicher ist wohl ein Jürgen Rüttgers, den man irgendwie unterbringen muss, damit die Koalition in Nordrhein- Westfalen Form annehmen kann. Wenn, dann werden wir es vorab im Blog „Wir in Nordrhein-Westfalen“ erfahren, der seit langem mit Interna aus der CDU- Zentrale gefüttert wird.

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Prosterle



Gerade hatte er einen denkwürdigen Auftritt bei Anne Will, bei dem es ihm gelang, nicht eine einzige Frage zu beantworten und in seinem ununterbrochenen Drucksen und Ausweichen immer wieder zu betonen, aus welchen Gründe Politik - und speziell er- handlungsunfähig sei. Die Globalisierung als trostloser Argumentationsrückzug, als Dachsbau, als Mäntelchen für fehlende Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeit. Es soll nur auf keinen Fall eine Finanz- Transaktionssteuer sein, da ist man sich verdächtig einig. Deutschland wird auch im EU- Parlament wieder mauern. Da muss man sich nicht sorgen, dass die Lobbyisten zu viel Einfluss auf Politiker hätten- offenbar haben wir sie in Personalunion mit der Interessenlage der Finanzwirtschaft gewählt. Das ist der Grund, warum sich die Wähler bei den Wahlen in Bezug auf die FDP halbiert haben.

Das andere ist natürlich der Auftritt. Der pennälerhaft zickige Westerwelle würde sicher bei der Frisörinnung eine gute Figur machen. Und Brüderle in seiner sonnigen Ahnungslosigkeit, aber ausgeprägten Schwatzhaftigkeit, kann man sich im Breisgau mit einem Viertele Wein in der Hand sehr gut vorstellen, aber um Himmelswillen doch nicht in der Öffentlichkeit. Er nähert sich aber stilsicher Heinrich Lübke an, das ist immerhin ein Trost.

Eine Regierung bewährt sich nun einmal in der Krise. Ansonsten treibt die Krise politisches Handeln vor sich her, das in immer geringeren Spielräumen tätig werden kann. In den letzten Monaten hätte die Koalition doch vielleicht ein wenig Einarbeitungszeit gehabt, sollte man denken. Im übrigen rumort die Finanzkrise in heftigen Zuckungen seit 2001. Politisch Handelnde, die die Möglichkeit zum Handeln ausschliessen, sind das allerletzte, was man in einer wirklichen Krise gebrauchen kann.
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Unser Ich, das sich im Geistigen selbständig halten und tragen kann

„In reinen Gedanken denken, ist Denken des esoterischen Schülers, wenn er z.B. über die Weltentstehung oder die Menschwerdung denkt. Dadurch wird vorbereitet, was durch Meditation und Konzentration erreicht wird: eine Lockerung der menschlichen Wesensglieder.

Wird eines dieser Glieder in Verhältnis zu den anderen zu schnell gelockert, so treten grosse Disharmonien und Missverhältnisse hier auf der physischen Ebene auf. Die zu schnelle Lockerung des Ich z.B. bewirkt Nervosität. Erst soll daher das Ich im Astralleib, dann der Astralleib im Ätherleib gelockert werden, dann dieser im physischen Leibe.

Das ist durch das gewissenhafte Studium möglich, wodurch das Ich zuerst einen Halte- und Stützpunkt erlangt, ehe es sich im Astralleibe lockert.

Da die Logik des Denkens auf allen Ebenen die gleiche ist, so ist es notwendig, sich erst auf dem physischen Plan diese Logik anzueignen, um nicht in den höheren Welten in Verwirrung zu geraten. Doch soll man nicht nur Gedanken denken, die aus der Sinneswelt entnommen sind- auch nicht drauflos experimentieren- sondern abstrakte Gedanken, die rein geistige sind.

Dadurch finden wir unser Selbst, unser Ich, das sich im Geistigen selbständig halten und tragen kann. Das ist er erste Schritt, um uns rein im Geistigen zu finden.

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Aus: R. Steiner., Esoterische Stunde, 1.11.1907, Berlin
Quelle ist das neu eröffnete Uranos- Archiv mit auch unveröffentlichten Texten Rudolf Steiners
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Salome Merkel & Rolands schnöder Abgang

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