Anthroposophie

Ingrid Haselberger: Legende- Predella zu einem geplanten Triptychon

Zum Eingang möchte ich, ein wenig abgewandelt, meine eigene Version der alten Geschichte von den blinden Männern erzählen, die von ihrem König ausgeschickt wurden, um zu erforschen, was ein Elefant ist.

elefantus

Es waren zwölf sehr weise Gelehrte, die der König für diese Aufgabe ausgewählt hatte - und sie reisten also in ein Land, von dem sie gehört hatten, daß es dort Elefanten geben sollte, und baten einen Einheimischen, sie zu einem Elefanten zu führen. Er tat es und sorgte dafür, daß das Tier sich ruhig verhielt, während die zwölf blinden Weisen um es herumstanden und auf ihre Art versuchten, sich ein Bild von ihm zu machen. Dazu befühlte jeder einzelne der blinden Männer den Elefanten mit seinen Händen.
Danach kehrten sie zu ihrem König zurück, der sie nun aufforderte, ihm zu berichten, was sie herausgefunden hatten.

Der erste Weise sagte: „Ein Elefant ist etwas dicker als mein Arm und ziemlich lang, und dabei beweglich wie eine Schlange.“ - er hatte den Rüssel des Elefanten betastet.
Der zweite Weise sagte: „Du hast nicht ganz unrecht, ein Elefant ist tatsächlich lang und beweglich, aber er ist sehr viel dünner, als du sagst, viel eher wie ein Seil - und du hast vergessen zu erwähnen, dass er an seinem Ende eine Quaste hat!“ - denn er war am Schwanzende des Elefanten gestanden.
Der erste Weise widersprach und sagte: „Wie kommst du auf Quaste? Nein, an seinem Ende hat ein Elefant ganz im Gegenteil eine Art Öffnung... ähnlich wie ein Schlauch, aber sehr beweglich, fast wie zwei Finger, sodass er damit richtig zugreifen kann!“ - und die beiden wollten gerade einen Streit beginnen, da meldete sich der dritte Weise zu Wort und rief: „Wie seltsam ist alles, was ihr beide da gesprochen habt! Ein Elefant ist ganz und gar nicht wie eine Schlange oder ein Seil, sondern er ist im Gegenteil flach und sehr dünn, fast wie eine Art Tuch oder besser ein großer Fächer, der einen ordentlichen Wind machen kann, wenn er sich bewegt!“ - denn er war beim linken Ohr des Elefanten gestanden. Lebhaft stimmte ihm der vierte Weise zu, der das rechte Ohr des Elefanten betastet hatte – und jeder der beiden fühlte sich bestärkt durch die Bestätigung des anderen.
Der fünfte Weise widersprach allem, was bisher gesagt worden war, und meinte: „Was für Phantastereien ihr da erzählt! Ein Elefant ist etwas sehr Starres und Unbewegliches, er ist wie eine leicht gebogene Stange, die sich zu ihrem Ende hin verjüngt; und dabei ist er wunderbar glatt...“ „Ja, so ist es! Ein Elefant fühlt sich rundherum so an wie ein glattgeschliffener Opal - und meine Hände erinnern sich auch noch gut an seine Spitze, die von Stärke und Kraft zeugt“ pflichtete ihm der sechste Weise bei – denn diese beiden hatten ihre Hände über die beiden Stoßzähne des Elefanten gleiten lassen. Und auch sie wurden sich ihrer Sache noch sehr viel sicherer durch die bestätigenden Worte des jeweils anderen.
Vier weitere Weise ereiferten sich nun und widersprachen den ersten sechs - denn jeder von ihnen hatte ein Bein des Elefanten befühlt, und sie waren sich schnell einig: „Ein Elefant ist wie eine dicke Säule! Und jeder, der etwas anderes behauptet, verdient es nicht, ein Weiser genannt zu werden!“ - Und nicht zuletzt deshalb, weil sie nicht nur zu zweit, sondern sogar zu viert waren in ihrer Einigkeit, schien ihnen das, was sie zu sagen hatten, sehr viel mehr Gewicht zu haben als alles bisher Geäußerte.
Der elfte Weise aber schüttelte zu alledem nur den Kopf - und als der König ihn schließlich nach seiner Ansicht fragte, sagte er: „Majestät, diese Männer haben alle Unrecht. Gleich, wie viele von ihnen sich auch einig sein mögen - ein Elefant ist sehr viel größer als alles, was einer von ihnen begreifen könnte. Er ist eine riesige gewölbte Wand, und wenn man versucht, dieser Wand mit den Händen zu folgen, kommt man gar nicht bis an ihr Ende...“ – denn er war an der linken Seite des Elefanten gestanden und hatte seinen Rumpf betastet.
Und der zwölfte Weise, der an der rechten Seite des Elefanten gestanden war, stimmte ihm zu: „Ein Elefant ist so groß, dass er sich nicht einmal von meinen beiden gewiss nicht kurzen Armen umspannen lässt!“ – und in ehrfürchtigem Ton fügte er hinzu: „Ein Elefant hat keinen Anfang und kein Ende – und wie könnten wir sterblichen, endlichen Menschen uns anmaßen, etwas von der Unendlichkeit zu wissen!“

Der König war eine Weile still und blickte die Streitenden nachdenklich an. Dann lächelte er, gebot ihnen zu schweigen und sprach: „Ihr weisen Männer, ich danke Euch für die Kunde, die Ihr mir gebracht habt. Dank Eurer Hilfe weiß ich nun, was ein Elefant ist: er ist ein riesiges Tier, das man selbst mit zwei wirklich langen Armen nicht umspannen kann. Er hat vier dicke Beine, auf denen sein Körper ruht wie auf vier Säulen, und er hat zwei große, flache Ohren, mit denen er sich wie mit zwei Fächern Kühlung verschaffen kann. Er hat zwei lange, spitze, leicht gebogene und wunderbar glatt geschliffene Stoßzähne. Und dazu hat er noch einen dicken, beweglichen Rüssel, mit dem er Nahrung ergreifen kann, und einen langen, dünnen Schwanz mit einer Quaste hintendran!“

Die weisen Männer schwiegen betroffen --- und nach einer langen Pause sagte einer von ihnen: „Majestät, Eure Weisheit ist doch von ganz anderer Art als die unsere... es ist recht, dass Ihr unser König seid. Mögen die Weisen dieser Welt zu allen Zeiten solche Könige haben!“
Da lächelte der König und sprach: „Mögen die Könige aller Länder dieser Welt zu keiner Zeit damit aufhören, die Fragen, die sie haben, ihren Weisen vorzulegen. Und mögen die Weisen dieser Welt sich zu allen Zeiten auf Reisen begeben, um ihrem König Kunde zu bringen.“
Der König schwieg eine Weile, und sein Lächeln vertiefte sich.
Dann fügte er hinzu: „Und mögen die Könige aller Länder dieser Welt zu keiner Zeit vergessen, dass es Dinge gibt, vor denen sie selber nicht anders stehen als ein einzelner blinder Mann, der seinem König Kunde davon bringen will, was ein Elefant ist.“
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Rudolf Steiner und Spinoza

spinoza

Beim Aussortieren nicht mehr gebrauchter Bücher bin ich über einen fast zerfallenen Spinoza- Band gefallen, mit dem billigen, holzartigen und schon spröden Papier der unmittelbaren Nachkriegszeit. Offenbar hat es mein lange verstorbener Schwiegervater aus der philologischen Fakultät der Münchner Universität. Ich habe mich jetzt festgelesen und grüble über Spinozas Begriff der "Substanz". Erstaunlicherweise (erstaunlich für mich) liegt diese Substanz bei Spinoza sowohl im Verstand ("denkende Substanz") wie auch in allen natürlichen Erscheinungen- alles "nichts anderes (..) als Modi des einzigen, ewigen, unendlichen, durch sich selbst bestehenden Wesens; und aus diesem allen setzen wir als bewiesen ein Einziges oder eine Einheit, außer welcher man sich kein Ding vorstellen kann."

Spinoza vertritt also einen interessanten Monismus, dem nachzugehen mir lohnend erscheint: "Daran erkennen wir, dass wir in Gott bleiben und Gott in uns, dass er uns von seinem Geiste gegeben hat."
Erstaunlich (erstaunlich für mich) aktuell auch seine Überlegungen zur Demokratie - im 17. Jahrhundert - wie: "Wären die Menschen von Natur so gewöhnt, dass sie nur das wahrhaft Vernünftige verlangten, so brauchte die Gesellschaft keine Gesetze, sondern es genügte die Unterweisung in den moralischen Lehren, um freiwillig und von selbst das wahrhaft Nützliche zu tun. Allein die menschliche Natur ist ganz anders beschaffen; denn alle suchen zwar ihren Vorteil, aber nicht nach Vorschrift der gesunden Vernunft, sondern sie begehren in der Regel nur die Dinge im Antrieb von Lüsten und Affekten der Seele, ohne Rücksicht auf die Zukunft und andere Dinge; und sie entscheiden sich danach über den Nutzen." Ja, das ist uns inmitten der Wirtschafts-, Finanz- und Glaubwürdigkeitskrisen unserer Zeit wohl bekannt.

Parallel ein paar Blicke auf das, was Rudolf Steiner über die Persönlichkeit Spinozas geäußert hat, einfach aus Neugier. Da finden wir vor allem tiefen Respekt: "Bei den Ägyptern lebte ein inspiriertes Element, etwas das ganz aus dem Inneren, Seelischen hervorgeht, so wie es dann auf einer hohen Stufe aus dem Inneren von Spinozas Seele hervorgegangen ist." (GA 325, S. 88) Spinoza stand für Steiner in einem (auch „arabistischen“) Strom, der ursprünglich von Aristoteles ausging: "Wenn man den Blick auf jene Persönlichkeiten hinwendet, die aus dem Arabismus, aus der Kultur Asiens heraus auf der einen Seite beeinflusst waren von dem, was im Mohammedanismus als Religion sich ausgelebt hat, auf der anderen Seite aber auch beeinflusst waren von dem Aristotelismus, wenn man auf diese Persönlichkeiten schaut, die dann den Weg herüber über Afrika nach Spanien gefunden haben, die dann tief bis zu Spinoza und über Spinoza hinaus die Geister Europas beeinflusst haben, dann gewinnt man über sie keine Anschauung, wenn man sich ihre Seelenverfassung so vorstellt, wie wenn sie einfach Menschen der Gegenwart gewesen wären, nur dass die so und so viele Dinge noch nicht gewusst haben, die später gefunden worden sind." (GA 237, S. 16) Steiner stellt auch -kurz und bündig - einen karmischen Zusammenhang zwischen Spinoza und Fichte her: "Dieselbe Individualität ist ja Spinoza und Fichte." (GA 158, S. 213)

Steiner sah auch einen Einfluss Spinozas auf Goethe: "Die drei Geister: Shakespeare, Spinoza und der Botaniker Linne` konnten Goethe im Grunde genommen dasjenige geben, was nun nicht in seinem innersten Lebenszentrum war, sondern was er von außen bekommen musste, gerade diese Geister sind es, die den stärksten Einfluss auf ihn gehabt haben. (..) Goethes Weltanschauung hat nichts von einem abstrakten Spinozismus, aber das, was Goethe in seinem Innersten hatte als seinen Weg zu Gott, konnte er nur an Spinoza gewinnen." (GA 188, S. 137)

Auch mit dem Substanzbegriff Spinozas beschäftigt sich Steiner: "Benedikt (Baruch) Spinoza fragt sich: Wie muss dasjenige gedacht werden, von dem zur Schöpfung eines wahren Weltbildes ausgegangen werden darf? Spinoza findet, dass ausgegangen nur werden kann von dem, das zu seinem Sein keines andern bedarf. Diesem Sein gibt er den Namen Substanz. Und er findet, dass es nur eine solche Substanz geben könne, und dass diese Gott sei. Wenn man sich die Art ansieht, wie Spinoza zu diesem Anfang seines Philosophierens kommt, so findet man seinen Weg dem der Mathematik nachgebildet. Wie der Mathematiker von allgemeinen Wahrheiten ausgeht, die das menschliche Ich sich freischaffend bildet, so verlangt Spinoza, dass die Weltanschauung von solchen frei geschaffenen Vorstellungen ausgehe." (GA 18. S. 113)

Angesichts des strikten abstrakt- aristotelischen Denkens Spinozas war für Rudolf Steiner vor allem dessen Verhältnis zum Christentum bemerkenswert: "Spinoza hat ja wirklich aus guten Gründen jenen tiefen Eindruck auf Leute wie Herder und Goethe gemacht, denn Spinoza, wenn er auch scheinbar ganz im Intellektualismus, der aus der Scholastik heraus geblieben ist oder sich umgewandelt hat, noch drinnen steckt, Spinoza fasst doch diesen Intellektualismus so auf, dass der Mensch zuletzt eigentlich nur zur Wahrheit komme – die zuletzt für Spinoza in einer Art Intuition besteht –, indem er das Intellektuelle, das innere denkerische Seelenleben umwandelt, nicht stehenbleibt bei dem, was im Alltagsleben und im gewöhnlichen wissenschaftlichen Leben da ist. Und da kommt gerade Spinoza dazu, sich zu sagen: Durch die Entwickelung des Denkens füllt sich dieses Denken wieder an mit geistigem Inhalt. – Gewissermaßen die geistige Welt, die wir (denkerisch) kennen gelernt haben im Plotinismus, ergibt sich wiederum dem Denken, wenn dieses Denken entgegen gehen will dem Geiste. Der Geist erfüllt als Intuition wiederum das Denken. Und es ist merkwürdig, dass heraus leuchtet aus den Schriften des Juden Spinoza folgender Satz: Die höchste Offenbarung der göttlichen Substanz ist in Christus gegeben. In Christus ist die Intuition zur Theophanie geworden, zur Menschwerdung Gottes, und Christus’ Stimme ist daher in Wahrheit Gottes Stimme und der Weg zum Heil." (GA 74, S. 80ff)

Für Steiner war Spinoza eine Art Äquinoktium zwischen der Vergangenheit im Sinne alter Mysterien und einer Moderne, die in der Folge so erheblichen Einfluss auf Goethe gehabt hatte. Spinoza fasst in Steiners Augen ein letztes Mal - und auf eigenständige Art und Weise- die monistische Essenz der alten Mysterien zusammen: "Die Anreger Spinozas waren die im Südwesten Europas lebenden Nachzügler des Arabismus, der arabisch- (persisch)-semitischen Weltanschauung. Derjenige, der solche Dinge versteht, wird noch nacherleben können, wie das, was dekadent in der Kabbala hervorgetreten ist, sich in den reinen Vorstellungen des Spinoza wieder findet. Und so wird man dann weiter zurückgeführt über den Arabismus nach dem Orient, und man lernt erkennen, wie das, was bei Spinoza auftritt, in Begriffe, in intellektualistische Vorstellungen gebrachte Weltansicht der Vorzeit ist." (GA 325, S. 85)
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Michael Eggert: Die wilde Waldorf- Puppenstube, Ein-Mann-Sekten & hermetische Weltbilder

Zu Christian Grauers Buch Es gibt keinen Gott, und das bin ich! Anthroposophie im Nadelöhr, Basel 2011

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Natürlich hatte ich schon von dem Buch gehört, und zwar in dem Sinne, dass da einer mit seinem anthroposophischen Elternhaus abrechnet. Der Rezensent bekennt, dass er beruflich mit allen möglichen familiären Traumata befasst war und war daher einigermaßen gespannt. Mir ist, glaube ich, wirklich jeder vorstellbare Abgrund bekannt, jedenfalls in dieser Hinsicht. Aber schon in dieser Hinsicht ist Grauers Buch eine Enttäuschung. Die geschilderten Traumata bestehen vor allem darin, dass es keine gab. Zwar litt der junge Grauer unter einem „extrem dogmatische(n), christlich- pietistische(n) anthroposophische(n)“ Elternhaus, bekennt aber selbst, dass er es im Jünglingsalter versäumt hatte, ordentlich dagegen zu opponieren, also z.B. nach Goa zu ziehen oder sich die Gespenster des Elternhaus in nächtelangen Partys in Ibiza aus dem Kopf zu tanzen. Vielmehr pflegte er dieses enge Weltbild „als junger Anthroposoph selbst“. Ich habe in Studentenzeiten staunend auf Tagungen der Christengemeinschaft und anderswo wilde Mädchen erlebt, die lieber auf Sex und Drogen setzten und nach Findhorn abhauten, als „diese bigotte Waldorf- Puppenstube“ noch länger zu ertragen. Grauer dagegen las im „christengemeinschaftlichen Religionsunterricht“ Bücher über das Leben nach dem Tod, formte sich die Welt „zu einer kompakten, geschlossenen Veranstaltung“ und erklärte für sich Steiner zu einem großen Boddhisattwa, einem „Propheten und Eingeweihten“. Die „geistige Welt“, die den Vorträgen Steiners als scheinbar geschlossenes Weltbild entsprang, wurde so für Grauer zu einem „Offenbarungsglauben“.

(…)

Im folgenden Philosophie- Studium stellte Grauer fest, dass er „durchaus positiv voreingenommen gegen Publikationen aus anthroposophischen Verlagen“ war. Aber allmählich - endlich!- dämmerte auch die Erkenntnis, dass „der übermenschliche Anspruch, den ich selber an die Anthroposophie stellte, nicht haltbar war.“
Er erkannte, dass er sein hermetisches Weltbild durch Abschirmung „von allen Einflüssen der Wirklichkeit“ künstlich am Leben hielt, auch wenn er bemerkte, dass es vor allem eines, nämlich „langweilig" war. Sich aus der selbst geschaffenen Hermetik heraus zu manövrieren, kostete Grauer einige Jahre. Die Desillusionierung wurde dann so radikal, wie der naive Glaube vorher gewesen war- was einen nicht sehr überraschenden Reflex darstellt. Bei Grauer waren es dann der Nihilismus Nietzsches, der sich als „beste Medizin gegen dogmatische metaphysische Wahnvorstellungen“ erwies und (ausgerechnet!) die wachsende Freude an dem Komiker Helge Schneider. Aber auch heute noch grollt der Autor Grauer, seine „ästhetische Bewertungsneurose“ und der „Zwang, meine Mitmenschen zu beurteilen“, sei „anerzogen“. Die harten Schemata seiner Urteile bezeichnet er tief bis ins Erwachsenenalter hinein als „meine anthroposophischen Raster“. Das klingt allerdings in den Ohren des kritischen Lesers selbstbeschönigend- eine sehr verbreitete Art und Weise, Schuldzuschreibungen zu vergeben. Grauer beklagt an mehreren Stellen das Pathos und den mangelnden Raum für „Humor und Gelassenheit.“ Das Befolgen seiner virtuellen anthroposophischen „Mission“ bezeichnet er als „besonders gesteigerte Form von Egozentrik und Intoleranz.“ Dabei kommt dieses anklagende, sich über viele Seiten erstreckende Lamento selbst reichlich egozentrisch und pathetisch daher. Es ist halt das Klagelied des Klosterschülers, der seinen Glauben verloren hat und jetzt über die verpassten Jahre jammert.

(...)

Zum ganzen Text als PDF-Download
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Michael Eggert: Buchbesprechung von "Endstation Dornach"


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Nach den furiosen Diskussionen, die vor einem Jahr bei der ersten Ankündigung von „Endstation Dornach“ aufkamen, war zu erwarten, dass es, zum tatsächlichen Erscheinungstermin, abermals hitzig werden würde. So war es denn auch. Die Autoren, Felix Hau, Ansgar Martins, Christian Grauer und Christoph Kühn, wird das nicht gewundert haben. Es ist sogar ein wenig Teil des Kalküls. Wie so oft, kommen die heftigsten Anwürfe von denen, die das Buch gar nicht gelesen haben. Ich habe versucht, in einer neutral gehaltenen Besprechung (allerdings doch auch mit einer gewissen Lust am Mitfabulieren), die Haltung der Autoren, ihre erzählerische Positionierung, heraus zu arbeiten, um gewissermaßen einen freien Blick auf die Inhalte zu bekommen. Jenseits des provokativen Auftritts finden sich nämlich grundsätzliche Auseinandersetzungen mit dem Thema Anthroposophie und Rudolf Steiner, mit neuen, ungewohnten Perspektiven und genau der kräftigen Portion inhaltlicher Substanz, die die Kritiker für sich zu beanspruchen vorgeben. Ein vielgliedriges, multiperspektivisches Buch tritt zutage, wenn man den Lärm der Schützengefechte beiseite schiebt und sich darauf einlässt. Hier meine Rezension als PDF- Download.
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Michael Eggert: Epiphanie

Ich war befremdet, als ein mir bekannter Anthroposoph von seiner Begegnung mit dem Hüter der Schwelle schrieb, und, ja, was dabei heraus kam, irgend so ein imaginiertes Männlein. Das kann es doch nicht sein, dachte ich schon damals, das ist nicht der Punkt. Die Bildlein kann er sich für sein Poesiealbum aufheben, für das Drehbuch für einen Horrorfilm, für ein jesuitisches Fürbittegebet. Weg von diesen Bildereien & Kindereien. Zum Hüter der Schwelle kommt man in einem Zustand der Selbstoffenbarung, in einem Zustand, in dem man seine eigenen Reflexe überschaut, die herrschende Wetterlage mit allen meteorologischen Gegebenheiten. Man überschaut die großen Linien, in denen man sich bewegt. Das Monströse an diesem Zustand ist, dass man die eigene Konstruktion erkennt, das was man ausgelebt hat und noch immer tut, wenn auch vielleicht nicht mehr so enthusiastisch. Das zieht einem den Boden unter den Füssen weg, zumindest für eine Zeit der Unsicherheit. Wir gehen zwischenzeitlich in unserer Biografie schon mal über in einen Zustand des Pralaya, leben in einem Zwischenreich, mit einem Blick, der sich bricht an den Gegebenheiten. Denn man weiß ja zugleich, dass man nicht identisch ist mit dem, was man nun überschauen kann.

Ich bin der Zeuge meiner selbst.
Ich bin nicht identisch mit mir, nicht in jeder Hinsicht.
Ich sehe meine Einseitigkeiten, ich sehe meine Konstellationen.

Es hätte durchaus besser laufen können. Es hätte auch ganz schief gehen können. Es ist so, wie es ist. Ich bin in diesem Augenblick nicht in die Gegebenheiten verwickelt (ich bin ja im Pralaya), aber es ist und bleibt so, wie ich es geschaffen habe. Man kann natürlich die Zeit nicht zurück drehen, es gibt in diesem Sinn keine zweite Chance. Aber zugleich, in diesem losen Zwischenzustand, überwiegt doch die Hoffnung, mitsamt der Blessuren hier Gnade zu finden, eine Gnade, die einfach darin besteht, warm und lebendig auch dort zu bestehen, wo die Eierschalen des Ego abgefallen sind.

Aber nun verweigert sich mir die Nacht. Ich war mir doch sicher, diesmal würde ich ihren großen Strom finden und teilen. Ich warte schon so lange. Aber die Nacht verweigert sich. Ich kann ihren Puls spüren, ihr Strömen und Wellen, ihr unaufhörliches Schaffen. Ihre Wellen schlagen auch in meine Nacht hinein, sie füllen mich aus, ich bilde einen großen Kreis zwischen Kopf und den Handinnenflächen, ich bin ganz angefüllt von ihr. Ich spüre in mir die Quellen sprudeln, für einen Augenblick. Aber dennoch, da bleibt eine Wand. Als könnte ich das Geschehen wie durch eine Membran hören und spüren, aber selbst nicht eintreten. Hier stehe ich, ein wieder Zurückgewiesener. Ich fühle mich wie einer dieser christlichen Mystiker, obwohl ansonsten nichts dafür spricht, einer zu sein. Ich fühle mich so, weil ich mich frage, ob ich nicht genüge. Es ist die moralische Frage an sich selbst, und sofort kochen die Schwächen und Jämmerlichkeiten aus dem sonst gut behüteten Gedächtnistopf auf. Ach je, da ist sie ja, die existentielle Frage, das implementierte Kirchenchristentum. Womöglich suche ich auch nur Gründe, weil man das eben so macht. Man will zumindest einen Zusammenhang, auch wenn man sich selbst dafür auseinander nehmen muss. Ja, es ist eine Reifeprüfung. Man steht vor dem Tor, aber man kennt den Schlüssel nicht, es zu öffnen. Hinter dem Tor rauscht die Nacht, und du fühlst dich mit ihr verbunden. Du hast keine Ahnung, wie es weiter gehen könnte. Womöglich weißt du die richtige Frage nicht, du dämlicher Steinzeitparzival.

Aber wahrscheinlich geht es an diesem Punkt nicht um das Fragen, sondern um das Haften an eine Erwartung, es müsse „weiter gehen“. Es gibt hier kein „Weiter“, es gibt kein „Gehen“. Es gibt kein Davor und Danach, kein Hier und Da. Das alles sind Vorstellungen aus der Welt der Erscheinungen. Hier geht es nur darum, aus der „Verborgenheit in die Unverborgenheit“ (Georg Kühlewind) zu treten:

Das Verborgenste auf der Welt ist das menschliche Ich selbst, weil es alles andere vernimmt. Die Erfahrung des Ich-bin ist der Inbegriff der Paradoxie, sie ist eine freie Tat des Menschen. Sie entspricht der Logos- Epiphanias in Jesus oder der Epiphanias der paradiesischen Urkraft als Gral. Sie wird von Rudolf Steiner in einem entsprechend paradoxen Text beschrieben: „In der Bewusstseinsseele enthüllt sich erst die wirkliche Natur des „Ich“. Denn während sich die Seele in Empfindung und Verstand an anderes verliert, ergreift sie als Bewusstseinsseele ihre eigene Wesenheit. Daher kann dieses „Ich“ durch die Bewusstseinsseele auch nicht anders als durch eine gewisse innere Tätigkeit wahrgenommen werden. Die Vorstellungen von äußeren Gegenständen werden gebildet, so wie diese Gegenstände kommen und gehen; und diese Vorstellungen arbeiten im Verstande weiter durch ihre eigene Kraft. Soll aber das „Ich“ sich selbst wahrnehmen, so kann es nicht bloß sich hingeben; es muss durch innere Tätigkeit seine eigene Wesenheit aus den eigenen Tiefen erst herauf holen, um ein Bewusstsein davon zu haben. Mit der Wahrnehmung des „Ich“ - mit der Selbstbesinnung- beginnt eine innere Tätigkeit des „Ich“. Durch diese Tätigkeit hat die Wahrnehmung des Ich in der Bewusstseinsseele für den Menschen eine ganz andere Bedeutung als die Beobachtung alles dessen, was durch die drei Leibesglieder und durch die beiden anderen Glieder der Seele an ihn heran dringt.“

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Zitate: Georg Kühlewind, Der Gral oder was die Liebe vermag
Rudolf Steiner, die Geheimwissenschaft im Umriss
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Dorian Schmidt: Lebenskräfte- Bildekräfte

An dieser Stelle noch ein Hinweis auf Dorian Schmidts neues Buch „Lebenskräfte- Bildkräfte. Methodische Grundlagen zur Erforschung des Lebendigen“. Hier müssen die Sonntagsanthroposophen, denen es auf warme Gefühle und ebensolche Worte ankommt, einmal weghören, denn es geht um ein Übungsbuch, dem Gefühligkeiten, Spekulatives & Mystisches völlig fremd sind. Schmidt legt Wert darauf, seine Arbeit als „religionsneutral“ zu bezeichnen. Das ist ja auch völlig richtig und sachlich. Wem ein Übungsweg in Bezug auf die Annäherung an das Lebendige fremd geblieben ist, wird mit diesem Buch nicht warm werden. Schmidt entwirft eine Methodik des Übens, geizt auch nicht mit Tabellen und Schemata, allerdings stets im Dienst der Sache, nicht um gegenüber Teilhabern einer Powerpoint- Generation gegenüber zu punkten. An manchen Stellen - gerade zu Beginn des Übungsweges- gehören auch mathematische Aufgaben zum Standard. Im Kern geht es darum, dass „die Wahrnehmung sich in Richtung eines Miterlebend der Lebenskräfte (oder Ätherkräfte oder Bildekräfte) vertieft.“ (S. 22) Die „lahme Ente“ des alltagstauglichen Standarddenkens soll gekräftigt werden, um Beweglichkeit, Flüssigkeit, Kraft, Eindringlichkeit, Weite und Geschwindigkeit zu verbessern. Aber auch Qualitäten wie das Erlernen des „hingebungsvollen Warten(s)“ (S. 24) werden gepflegt. Schmidt verbringt viel Zeit damit, in diesen Prozessen denken, Fühlen und Wollen zu differenzieren und jeweils konkrete Erfahrungen, die sich einstellen können, darzustellen. Er geht dabei sehr angenehm vor; d.h. er hat selbst genügend Übung, um ganz unterschiedliche mögliche Erfahrungen zu umreißen. So ist die „Bandbreite von Möglichkeiten“ in der ersten „Wahrnehmung der Ätherkräfte“ (S. 46) denkbar weit gestreut, je nachdem, welche Sinnesqualitäten beim jeweiligen Übenden dominieren: „Die Ätherkräfte können als reine Kraftimpulse erlebt werden; das entspräche der Sinneswahrnehmung durch den Tastsinn, oder aber als leuchtende, strahlende, innerlich sich bewegende Bilder oder Folgen von Bildern.“ (S. 46) Das erschwert die Verständigung, zumal auch andere Sinnesqualitäten im Vordergrund stehen können. Typisch ist, dass solche Erfahrungen in ihren jeweiligen Spezialitäten gemeinsam haben, dass „das Bild einer wahrgenommenen Ätherkraft Kraft abstrahlt, Kraft spendet, eine Art über- oder ausquellenden Charakter hat.“ (S. 47)

Schmidt verwendet auch viel Energie dafür, denkbare Schwierigkeiten anzusprechen, spezifische und doch typische Hindernisse wie etwa „die fortwährende Kommentierung von Denkergebnissen durch die fühlende Seele“ (S. 52) - alles Aspekte des Alltagsdenkens mit seinen „eindeutig autistische(n) Züge(n)“ (S. 51), die andernorts (etwa bei Carlos Castaneda) als „innerer Monolog“ qualifiziert werden. Die „Verdünnung“ der Ich- Kräfte in die „vielfältigen Seelentätigkeiten“ (S. 54) soll überwunden werden, um sich dann, im folgenden Teil des Buches, konkret auf die Lebensqualitäten der umgebenden Natur einlassen zu können. Dies geschieht nun nicht in einer bloß seelischen Öffnung, sondern in einer qualifizierten Konzentration, einer erhöhten Präsenz. Ausgangspunkte sind zunächst Erscheinungen in einer weitläufigen Landschaft, dann zunehmend konkrete Pflanzen. Für den Naturwissenschaftler wird es befremdlich wirken, dass dabei auch Empfindungen wie die eines „tiefen, offenen Staunens“ auftreten können, die eine Begleitung des Prozesses oder einen Grundakkord anschlagen. Typisch für die einsetzenden ersten Wahrnehmungen des Ätherischen sind „Bewegungen wie Strömen, Strahlen, Verdichten, Spreiten, Einhüllen und vieles andere mehr, insgesamt alles Formbewegungen.“ (S. 59) Schmidt bemüht sich in der Folge, diese Formbewegungen zu spezifizieren.

Etwas bedauerlich an dem sonst ausgesprochen konkreten und hilfreichen Buches ist allenfalls, dass es nicht stringent durch geschrieben ist, sondern mehr eine überarbeitete Kombination von schon bekannten Aufsätzen darstellt; es wiederholt sich Manches. Es wird auch manche Übung nicht in aller Konsequenz ausgearbeitet; Vieles bleibt angedeutet und daher für den, der nicht in konkreter Meditationsarbeit steht, nicht immer ganz nachvollziehbar. Das liegt aber in der Sache selbst; hier liegt ein Werkstattbuch vor, mit vielen Forschungsansätzen und noch mehr Andeutungen, in welcher Richtung es weiter gehen kann. Die Schwerpunkte legt ohnehin jeder selber für sich fest; nicht zuletzt hängt man auch an spezifischen Fragestellungen und Problemen fest. Es kann in dieser Hinsicht nicht das eine, stringente Übungsbuch geben. Dieses hier ist jedenfalls von hohem qualitativem Standard. Es behauptet nichts, sondern gibt Anregungen und weist Wege für den, der tatsächlich praktisch tätig ist. Eine umfangreiche Besprechung (inklusive der üblichen schrecklichen Fragestellung, wie anthroposophisch das denn sei) gibt es bei Die Drei (Wolfgang Kilthau).

Im letzten Teil des Buches (der aber vom Umfang und von der Bedeutung her einiges Gewicht hat, stellt Schmidt den von ihm vertretenen Übungsweg mit dem der Philosophie der Freiheit nebeneinander, untersucht die Querbezüge und die Unterschiede. Das ist wirklich gut und anschaulich gemacht, aber in seiner Nuanciertheit hier, an dieser Stelle, kaum darstellbar.
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Georg Kühlewind: Das ist das Fest

Natürlich, die Tradition gehört dazu. Und natürlich ist dies das Fest, das die Familie zusammen halten könnte - wenn es denn so klappt wie erhofft. Die Erwartungen sind erheblich, und so mancher verdrückt sich lieber in die Partymeile in der Altstadt, sobald die Gans herunter geschlungen ist. Verständlich, wenn das Ominöse dieses Fests tatsächlich erstarrt von Traditionen und Erwartungen war. Alles, was in diesem Jahr ungesagt blieb, steckt jetzt schwer in der Festtagskehle. Womöglich drückt die schwarze Hose, die man nur an diesem Tag im Jahr heraus holt, und zu eventuellen Beerdigungen. Womöglich ertappt man sich am Heiligen Abend bei dem Gedanken, dass eine letztere angenehmer wäre als das Gänsegemetzel. Aber wer weiß? Vielleicht holt Papa dieses Mal nicht wieder das Familienalbum heraus, womöglich bleibt Oma friedlich und die Schwester ist nicht wieder beleidigt, weil sie - wie immer- denkt, sie sei in Bezug auf die Geschenke benachteiligt worden. Es wäre das erste Mal, aber wer weiß?
Nun denn. Es gibt immer Hoffnung. Wenn der Baum steht und leise Rauchfahnen von sich gibt, sind doch alle zumindest für anderthalb Stunden ganz friedlich. Der Jüngste ist heimlich in sein Zimmer gegangen und guckt „Terminator“, wie jedes Jahr. Und endlich, wenn man vor dem abgegrasten Tisch und den weggeworfenen Verpackungsbergen steht, fragt man sich doch zwischendurch, ob das das Fest war, das gemeint war.

Georg Kühlewind machte in seinem Buch „Weihnachten“ (Stuttgart 1989) immerhin darauf aufmerksam, dass man auch in unseren Gegend vor dem 4. Jahrhundert die Epiphanie (6. Januar) feierte als den „Tag der Jordantaufe“. Die ausschließliche Feier der physischen Geburt Jesu kennzeichnet er mit „Die Logosidee ging verloren“. Das andere, innere Weihnachten charakterisiert er als Möglichkeit so:

Das Aufleuchten einer neuen Idee kann auf analoge Weise durch ein zweifaches Geschehen oder durch ein Verschmelzen zweier Bewegungen charakterisiert werden. Je mächtiger die Idee ist, um so mehr ist ihr Gegebeneren, ihr Nich-von-mir-Sein fühlbar, als ob sie als Gnadengeschenk „von oben“ gereicht wäre.

Sie kann uns nur erreichen, wenn eine sehr konzentrierte, aber „leere“ Aufmerksamkeit ihr entgegenkommt, die sie aufnimmt. Diese ist die meditative Aufmerksamkeit, die sich aus den Übungen der intentionalen - auf Themen gerichteten- Aufmerksamkeit metamorphosiert. Der Erwachsene muss sie sich erarbeiten; dem kleinen Kind ist sie vor dem und während des Spracherwerbs gegeben.

Daher ist die Geburt des Kindes ein Bild für die empfangende Aufmerksamkeit, die dem Wort entgegen wächst. Diese wird von der Seele des Meditierenden - Maria - geboren. Eine neue Idee erscheint:
Das ist das Fest. Und ein Fest kann es nicht geben, wenn nicht eine neue Idee erscheint.“

Und dies ist der denkbar grösste Kontrast zu dem traditionsversessenen Heiligen Abend unserer Tage. Vielleicht sollten wir es dieses Jahr einmal anders machen.
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Michael Eggert: Eine Lanze für Judith von Halle brechen

Man wartet natürlich wie gewohnt in Büchern von Frau von Halle auf den Kracher, der die atemlos lauschende Anthroposophenschar in entzückte, spitze Schreie ausbrechen lässt (Verzeihung für die ironische Distanzierung), und das Kapitel kommt natürlich auch erwartungsgemäß- so wie das zu erwartende übertriebene Blutbad im neuen Quentin- Tarantino- Thriller.

tarantino

In diesem Fall geht es um einen - neben den geschilderten Gruppen bestehenden- „schwarzen Geheimbund“, der sein Unwesen zu dieser Zeit getrieben haben soll, nämlich im Dienste von Menschen, „die sich zum Ziel gesetzt hatte(n), den Blick des jüdischen Volkes ganz hinzulenken auf die Erfassung der sinnlichen Welt, doch bei gleichzeitigem Abschneiden aller Bestrebungen, sich dadurch einst mit vollem Bewusstsein wieder mit der Gottheit vereinigen zu können.“ (S. 105). Diese Sekte hatte in der Zeit der Regentschaft des Herodes die Funktion eines „Geheimdienstes“. Zugleich waren auch bei Herodes selbst „unsittliche Exzesse“ wirksam, wodurch Herodes auch in Abhängigkeit zu der benannten Sekte stand, die andererseits sowohl eigene spirituelle wie machtpolitische Ambitionen pflegte. Die Ermordung von Johannes dem Täufer stünde in diesem Zusammenhang, aber auch der Kindermord von Bethlehem. Der Nachwuchs für diese Sekte, deren Methoden im Einzelnen ausgeführt werden, wurde aus dem Pool der Pharisäer rekrutiert. Allerdings ist dieser Geheimbund nach Judith von Halle „letztlich nicht aufgelöst worden“, sondern hat sein antichristliches Anliegen bis in die Gegenwart fortgeführt- insbesondere in der Zeit neuerlicher christlicher Entfaltung, nämlich „mit den Anbruch des 20. Jahrhunderts“ (S. 115).

Zum ganzen Artikel..
Zur neuen Judith-von-Halle-Seite bei den Egoisten
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Goldglanz

Ab und zu blättere ich in alten und ältesten anthroposophischen Büchern, auch in denen, deren Autoren nicht gerade zu meinen Lieblingen gehören. Die liebsten Bücher erkennt man daran, dass sie wild übersaht sind mit Anmerkungen, Unterstreichungen aus verschiedenen Zeiten, Eselsohren und allerlei Kaffeeflecken. Mit so etwas lebt man eben. Womit man lebt, muss etwas sein, das wieder und wieder, zu verschiedenen Zeiten und in beliebigen Abständen, jedes Mal wieder etwas gibt. Ein Buch, mit dem man lebt, ist selbst so lebendig, dass man nicht nur immer neue Entdeckungen darin macht, sondern dass es jedes Mal, bei jedem neuen Lesen, neue Perspektiven eröffnet. Es geht also nicht nur um Inhalte, die man ja nun ausreichend bei einmaligem Lesen erfasst hätte. Informationen erinnert man zwar nicht im Detail, aber das bloße Neufassen würde keine Perspektiven eröffnen; nein, wirklich anregende Bücher stossen eigene Erkenntnisse an, stellen Fragen, machen einen innerlich lebendig und warm. Das wird nur dann der Fall sein, wenn der Autor selbst aus innerer lebendiger Anschauung spricht und nicht nur auf informeller Ebene Fakten zusammen stellt. So schrecklich viele Autoren, die das bei mir vermögen, habe ich nun nicht gefunden; sagen wir: eine Hand voll. Bernhard Lievegoed gehört eigentlich nicht dazu. Immerhin ist seine kleine „Mysterienströmungen in Europa und die neuen Mysterien“ ein zwar orthodox geschriebenes Kompendium Steinerscher Aussagen, aber glücklicherweise so kenntnisreich und knapp zusammen gestellt, dass sich immerhin immer wieder einige Fragen stellen- auch 30 Jahre nach dem ersten Lesen.

In den Vorträgen über die „Ätherisation des Blutes“ schildert Rudolf Steiner, wie durch göttliche Gnade bei den Menschen ein Ätherstrom vom Herzen zur Epiphyse ausgeht, aufsteigt, und wie er von da aus das Gehirn als geistig- ätherisches Licht durchstrahlt. Nur dadurch kommen wir in die Lage, spirituelle Gedanken denken zu können. Anders könnten wir nur Gedanken denken, die von sinnlichen Eindrücken Herrühren und an sie gebunden bleiben. Das weist auf den mikrokosmischen Gral im Menschen. Das goldene Licht des ätherischen Blutes, welches das Haupt durchstrahlt, wurde hellseherisch als Goldglanz um das Haupt herum wahrgenommen, wenn sich dieser Ätherstrom mit den Christus- Ätherkräften verbinden konnte. Er erscheint als der Heiligenschein bei den mittelalterlichen Malern und wird dann zum traditionellen „Zeichen“ der Heiligkeit. Der Heiligenschein ist damit eine letzte Erinnerung an die Wirkung des Gral.“ (S. 29)

Ich denke, die Bemerkung Rudolf Steiners, gegen Ende des 20. Jahrhunderts würde die Menschheit über eine innere „Schwelle“ gehen, darf man heute wohl als gegeben ansehen. Das bedeutet, die Entfaltung des „Ätherkopfes“ - eine aus ursprünglich körperlichen Bezügen gelöste geistige Energie- darf man heute bei sehr vielen Menschen als gegeben ansehen. Sie verbinden nur keine spirituellen Gedanken und Impulse damit, werden sich dieser Fähigkeit auch nicht unbedingt bewusst. Aber sie trägt zu einer inneren Spaltung bei, die heute normal und verbreitet ist und zu einer allgemeinen Psychologisierung des Ichs beigetragen hat: Man schaut heute auf die eigenen willentlichen, seelischen und intellektuellen Impulse, bewertet sie und ordnet sie ein. Man schaut aus einer Beobachter- Position auf die eigenen seelischen Mechanismen und Reflexe, eventuell sogar kopfschüttelnd oder belustigt: „Wieder einmal so oder so reagiert“. Dass die Position des innerseelischen Beobachters bereits eine ist, die frei von diesen individuellen Mustern und Reflexen ist, bemerkt man nicht unbedingt. Es ist dies eine Positionierung, die das (anthroposophisch so bezeichnete) Bewusstseinseelenzeitalter charakterisiert. Mit dieser Fähigkeit sind aber auch sozial intuitive Akte möglich- etwa, Gesprächs- und Handlungsverläufe, biografische Entwicklungen und Zusammenhänge und soziale Prozesse in Gruppen zu begleiten, Trends zu entdecken und wahrscheinliche Weiterentwicklungen zu erahnen. Der Ätherkopf ermöglicht es, Prozesse mit zu verfolgen, ohne komplett in sie involviert zu sein. Damit nähert man sich „Wirklichkeit“ in der Hinsicht an, dass Gewahrsein möglich wird, ohne selbst völlig verstrickt zu sein. Man kann dann auch nicht emotional reagieren, nicht aus den nahe liegenden seelischen Reflexen heraus. Es ist dies eine erheblich vertiefte Fähigkeit, systematisch zu denken, mit voller Konzentration und Hingabe, aber nicht im Sinne eines emotionalen Resonanzkörpers, sondern mit einer gewissen inneren Freiheit und Würde. Man ist an diesem Punkt - auch ohne das mystische Vokabular, das Steiner und Lievegoed verwenden, zu benutzen- nahe am Gewahrsein der geistigen Entität, die im Begriff der Bewusstseinsseele auch angesprochen ist.

In großen Teams- fern jeden spirituellen Themas- bemerkt man oft, wie Menschen aufmerken, sich vielleicht sogar anlächeln, wenn in einem Prozess entweder wirklich ein tragender Kompromiss gefunden ist oder wenn er gerade in Beiträgen gründlich verhindert wird; die Menschen stehen fast kollektiv in den Prozessen von gemeinsamem Diskurs und Lösungsfindung zusammen. Es ist für den Einzelnen nicht immer fassbar, worin dieser Lösungsansatz bestehen könnte, es bleibt im Vagen und Unbestimmten. Wenn aber der erlösende Satz von einem Einzelnen gefunden ist, bemerkt das das Kollektiv sehr wohl. Dies gilt zumindest dann, wenn eine produktive und konzentrierte Haltung in der Gruppe verbreitet ist. Dass das systematische Denken eigentlich bereits eine Fähigkeit ist, die bereits über die intellektuell- konsumierende Haltung hinaus geht, muss nicht bemerkt werden. Ähnliches könnte als Beispiel auch über die Fähigkeit zur Biografiearbeit gesagt werden, sofern diese über bloße seelische Betroffenheit hinaus gehen kann und ebenfalls in ein nüchtern- waches Anschauen der Fäden des Lebens mündet. Selbst persönliche Traumata können in ihrer Konsequenz und Entwicklung, auch in ihren negativen Auswirkungen auf die eigene Entfaltung angeschaut werden. Es geht nicht um „Goldglanz“ und „Heiligenschein“, sondern um die nüchterne Intensität prozessualen Denkens.

Welche sind nun die Bücher, die sich immer wieder neu beim wiederholten Lesen entfalten? Die mit einem Goldglanz. Es geht nicht darum, Antworten zu geben (und „Inhalte“ zu vermitteln), sondern dem, was ohnehin in den Menschen da ist, zur weiteren Entfaltung und Bewusstwerdung mit zu verhelfen.
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Website der Georg- Kühlewind- Stiftung

Bildschirmfoto 2011-11-03 um 11.07.24

„Mit achtzehn Jahren begegnete ich erstmals der Anthroposophie. Ich spürte folgendes: „Interessant, aber das weiß ich schon alles, das lebt alles in mir.“ Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zum zweiten Treffen durch die Werke Wahrheit und Wissenschaft und Goethes Weltanschauung von Rudolf Steiner. Im folgenden wirkten in Hamburg die Vorträge über Das Johannes-Evangelium auf mich. Zehn Jahre lang las ich ein Buch nach dem anderen. Dann spürte ich, dass dies völlig vergeblich ist: ich komme auf dem Weg der inneren Arbeit (Übungen) nicht weiter, es war, als würde das bisher angesammelte Wissen mich überwuchten – und es war wirklich so!

An diesen Punkt angekommen habe ich mit der vollkommenen Anthroposophie beinahe abgerechnet, als ich einen wichtigen Traum hatte und mir ein Buch von Rudolf Steiner einfiel, dass ich bis zu jenem Zeitpunkt nicht verstanden hatte – Die Philosophie der Freiheit. So begann ich dieses Werk bzw. andere erkenntnistheoretische Bücher von Steiner zu studieren. Ich wollte diesen Büchern „eine letzte Chance“ geben. Ich wollte sie streng in sich selber verstehen, ohne daneben andere esoterische Werke zu lesen. Ungefähr ein halbes Jahr später wusste ich, welche Richtung ich wählen muss. Ich sah die Fehler und Missverständnisse (die ich als Verstehen gedacht habe) die ich beging. Ich bin darauf gekommen, dass die Stufe des wahren Verständnisses nicht die Stufe ist, die auch in anderen Wissenschaften erreicht wird, sondern wenigstens diejenige eines lebendigen, erfahrbaren Denkens; nicht die Stufe des Gedachten, sondern der Prozess des Denkens selbst. Von diesem Moment an (ungefähr 1958) trat ich auf den Weg der inneren Schulung. Im Jahre 1969 traf ich den italienischen anthroposophischen Denker Massimo Scaligero. In Wirklichkeit fand das richtige und bedeutungsvolle Treffen nicht persönlich statt, sondern durch seine Bücher nach einem persönlichen Treffen. Aus dem Treffen entwickelte sich eine tiefe und inspirierende Freundschaft, obwohl wir uns in mehreren Fragen nicht einig waren. Jedoch in den Fragen des inneren Weges und der Erkenntnis waren wir uns vollkommen einig.“-

so schreibt Georg Kühlewind in seiner Lebensbeschreibung. Man findet diese Notizen ebenso wie Vorträge (auch in Audio- und Videoformat) auf der Internetseite der Georg Kühlewind- Stiftung, auch in deutscher Sprache. Beim ständigen Link darauf in unserer Seitenleiste muss man jeweils auf das gewünschte Sprachformat umstellen, da das Original natürlich ungarisch vorliegt.
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ruth bamberg: wer eigentlich stellt steiner auf einen sockel?

ein vorwurf der immer wieder in höchst unterschiedlichem anzuge daher kommt: die anthroposophen heben steiner auf einen sockel, sie sind verblendet für die nackten tatsachen, nämlich dass steiner ein rassist war, eine art offenbarungsreligion inaugurierte, weil eine geistige welt angenommen wird die steiner schauen konnte und wir, die anthroposophen nur daran glauben können, weil wir selbstverständlich nicht an die fähigkeiten des meisters herankommen. damit wird allem anthroposophischen tun und lassen fundamentfäule unterstellt.

nehmen wir die kritik mal konstruktiv und wenden den blick nach dem gemeinen anthroposophen, dieser - so mein kenntnisstand -  schert sich im allgemeinen herzlich wenig um einen säulenheiligen namens rudolf steiner. stattdessen gründet er schon mal eine schule, oder eine klinik, oder sammelt 1 000 000 000 unterschriften um auf europaparlamentsebene mitmischen zu können, andere solche beackern höfe, gestalten t-shirts, züge, betreiben drogerieen, banken, bauen brunnen und häuser, pflegen alte, erziehen kinder, schreiben bücher… o.k. das sind vieleicht nicht die anthroposophen, sondern eher ganz normale menschen die zu allem was sonst noch so der fall ist auch kenntnis von rudolf steiner haben. diese haben in wirklichkeit keine zeit vor sockeln stehen zu bleiben und zu glauben.

weiter zum ganzen text..
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Ruth Bamberg: Anthroposophie, Wissen- und Zeitgenossenschaft

„Vom 22. - 23.9 fand die „Fachtagung Anthroposophie im Hochschulkontext - Herausforderung und Chance“ an der Fachhochschule Ottersberg in Kooperation mit der Alanus Hochschule statt.
Im Programm heißt es: "Anthroposophische Konzepte und Theorien haben sich weitgehend isoliert von akademischen Diskursen und zeitgenössischer Kulturpraxis entwickelt. Daher fehlen künstlerischer und wissenschaftlicher Praxis die dialogischen Korrektive, die in einer kritisch konstruktiven Auseinandersetzung mit anderen Positionen gewonnen werden können. Einer solchen Auseinandersetzung möchten wir mit der Initiative zu dieser Tagung Raum bieten. Sie eröffnet einen Dialog über die möglichen Funktionen und Chancen der Anthroposophie im Kontext der Hochschulbildung und fragte zugleich nach den Kriterien, an denen die Zukunftsfähigkeit und Weiterentwicklung der Anthroposophie in öffentlichen wissenschaftlichen und künstlerischen Diskursen zu messen ist." Kein einfaches Unterfangen Anthroposophie, Wissenschaft und Zeitgenossenschaft unter einen Hut zu bringen, erwartungsvoll fuhr ich in das etwa 35 km von Bremen entfernt liegenden Ottersberg. Welche Verknüpfungen würden sich zeigen?“

Zum Download des Berichts

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Michael Eggert: Kiffen ist gesünder. Zu Powells „Christus und der Mayakalender"

Es gibt so allerlei, über das man schreiben könnte, bei dem sich aber zwar nicht gerade die Tastatur verklemmt, aber reichlich innere Widerstände aufbauen. So geht mir das mit offensichtlich verschwörungstheoretischen, okkult- suggestiven und anderweitig im Trüben fischenden Büchern. Es ist schwierig, mit Texten umzugehen, die sensationelle Offenbarungen verheißen, wie nun im heutigen Fall mit Robert Powells „Christus und der Mayakalender. 2012 und das Erscheinen des Antichristen“ (Basel 2009).

Der Name des Buches, das im „Informationslücke-Verlag“ erschienen ist, ist Programm und verdeutlicht hinreichend den gesamten Inhalt. Interessant sind die Quellen und die Methodik, mit der das angebliche apokalyptische Geschehen produziert wird. Powell benutzt Textstellen der Apokalypse (selbstredend), Rudolf Steiners, Valentin Tombergs, Daniil Andrejews, Jeane Dixons, Judith von Halles und seiner selbst, je nach Bedarf, je nachdem, ob es passt. Ab und zu wird auch schon mal eine Marienerscheinung o.ä. eingestreut, etwas ägyptische Mystik oder das eine oder andere Buch zum rudimentären, aber zur Zeit top modischen Mayakalender. Gelegentlich betont Powell auch seine eigenen „Forschungsergebnisse“: „Durch meine eigene Forschung war ich in der Lage, Daniil Andrejews Ankündigungen bzgl. der bevorstehenden (..) Offenbarung Christi im Ätherischen und das Kommen des Antichrist „in nicht zu ferner Zukunft“ zu bestätigen.“ Holla.

Nähere oder auch nur ungefähre Angaben zu seinen Arbeitsmethoden macht Powell nicht, aber es klingt gut. Im ersten Teil benutzt er allerlei Zahlenmystik, um zu den gewünschten Jahresangaben zu kommen, die er allen möglichen Quellen entnimmt (auch Rudolf Steiner, natürlich), aber nach vorne oder hinten ausdehnt, variiert und kombiniert. Das Meiste wird aus anderen Texten über den Mayakalender abgeschrieben. Zwischen Templern, Echnaton, Dämonen und Sophienkult streut Powell auch noch Bilder der Milchstrasse hinein. Die sich daraus ergebenden Bezüge sind natürlich beliebig und passen sich notgedrungen in das behauptete apokalyptische Geschehen hinein. Bei dieser Methode könnte man auch einige Micky-Maus-Hefte als Quelle heran ziehen und einbauen- es würde passen, wenn man nur das Nichtpassende passend ausblendet.

Zweifel räumt Powell durch immer weiter addierte beliebige Textfragmente aus - etwa in folgendem Zitat:
Bezüglich des Datums vom 21. Dezember 2012 mag der skeptische Leser einfach sagen, „Warum soll ich den Apokalypse Code für gültig erachten?“ Aber es ist nicht nur der Apokalypse Code, der uns dazu führt, den langjährigen Mayakalender als eine prophetische Voraussage für das Ende der 3 1/2 jährigen Regierungszeit des Antichrist anzusehen, sondern auch das Lesen der Bilder der Offenbarung, die uns deutlich ankündigt, wo wir in der Entfaltung der Weltgeschichte stehen. (..)“ (S. 112). Und wer es an diesem Punkt immer noch begriffen hat, dem wird das Werk des (mir unbekannten) russischen Mystikers Andrejew „als sehr hilfreich“ empfohlen.

„Hilfreich“ im Sinne der sinnfreien Argumentationskette von Powell ist alles mögliche, wenn nur das Ziel erreicht wird, „die metahistorische Offenbarung der Apokalypse in eine verständliche Reichweite der Zeit, in der wir leben, zu bringen“ (S. 113). Das haben nun allerdings seit dem Mittelalter Viele versucht. Auch Powell bezieht die apokalyptischen Bilder auf tatsächliche zeitgenössische Katastrophen: „Wie „erfüllen“ die Ereignisse des 11. September 2001 auf der historischen Ebene die sich öffnende Szene des 13. Kapitels der Offenbarung auf der metahistorischen Ebene? Kehren wir zurück zu den Worten, die die Öffnung der Szene des Kapitels beschreiben: „Und ich sah ein Tier aus dem Meer steigen, das hatte zehn Hörner und sieben Häupter.. Und ich sah eines seiner Häupter, als wäre es tödlich verwundet“ (Offenbarung 13:1-3). Die „tödliche Wunde“, die Johannes vor etwas über neunzehnhundert Jahren sah, kann als die „Wunde“ gesehen werden, die mit der Zerstörung der beiden Türme des World Trade Center, dem Computer beladenen „Haupt“ des Welthandels zugefügt wurde. So kündigte dieses dramatische Ereignis am 11. September 2011 der Welt das Aufstehen des „Tieres“, Satan/ Ahriman, an, auf seinem Weg zur Inkarnation, mit einem seiner Häupter verwundet. Der darauf folgende Krieg gegen den Terror, der beabsichtigt, die Menschheit in einem Zustand ständiger Angst zu halten, ist genau das, was die Atmosphäre schafft, die das Tier für seine Inkarnation als Antichrist braucht.“ (S. 116) Diese merkwürdigen apokalyptischen Kurzschlüsse folgen dabei - ohne das zu be- oder vermerken- einer Dämonisierung, die auch Bin Laden in seiner Dschihad- Ideologie betrieb. Powell muss sich in seinen hektischen Argumentationsmanövern offenbar doch an den Duktus des in seiner Zielgruppe beliebten Anti- Amerikanismusses halten. Die beigefügte Bemerkung, das „Haupt“ des World Trade Centers sei „Computer beladen“ (was für ein schreckliches Deutsch!), mixt noch eine Prise Technikphobie mit hinein.

Die „Qualität“ der beliebigen assoziativen Querbezüge, die Powell herstellt, zeigt sich an allen Ecken und Enden. Auf Seite 124 springt er von dem „großen roten Drachen“ nahtlos herüber zum Kommunismus, wie überraschend: „Der Name für die Bolschewisten - die Roten - deutet auf das Bild aus der Vision des Johannes.“ Ja, aber wenn ich „die Roten“ bei Google eingebe, erhalte ich auch noch 25 Millionen andere Bezüge, von Rosen über Fußballvereine bis hin zu roten Zahlen. Mithin könnten wir spontan ein Buch schreiben über den Bezug der Finanzkrise zur Apokalypse. Und auch wir könnten mit geschwellter Brust hinein schreiben: „Die Visionen der Offenbarung sind wahr.“ (S. 125). Alles wird wahr, wenn man es nur passend zurecht strickt. Nur wer diese Strickmuster dann in seinen Weltkosmos übernimmt, hat zwar ein unanfechtbares Erklärungsmodell für Alles, aber auch ein echtes Problem.

Unser Ratschlag zum besprochenen Buch: Kaufen Sie es nicht, wenn Sie einen assoziativen Rausch suchen. Kiffen ist gesünder. Folgt man diesem Buch aber doch, muss man mehr Sorge um die eigene geistige Integrität als Angst vor dem kommenden Antichristen haben.
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Wolfgang Garvelmann: Der esoterische Schulungsweg der Anthroposophie

„Leider hat sich herausgestellt, dass auch unsere Anthroposophische Gesellschaft als eine Schicksalsgemeinschaft von solchen Einflüssen nicht verschont wird. Sei es durch die Entstehung einer gruppenseelenhaften, elitär kühl ästhetisierenden Gemeinschaftsmentalität, sei es durch Katastrophen, die nach jahrzehntelangen Heilungsphasen immer wieder neue Wunden aufreissen und die Erfüllung der eigentlichen Aufgaben verhindern. Ich denke an die z.T. selbsterlebten Anfeindungen von Ita Wegman, einer der engsten Mitarbeiterinnen von Rudolf Steiner, an den Kampf gegen den Nachlassverein, der dem Goetheanum für Jahre die Bücher Rudolf Steiners entzog, und jetzt derzeit die völlig aufgebauschten Querelen um Judith von Halle, welcher Machtgier und spirituelle Verführung unterstellt werden bis zu einer direkten Verweigerung von klärenden Gesprächen mit ihr. All diese genannten Geschehnisse wären zweifellos zu heilen gewesen durch eine tolerante Gesprächsbereitschaft und durch die Ehrlichkeit der Herzen, die in sich selbst den eigenen Neid und die eigene Eifersucht erkannt hätten – stattdessen aber die ideologischen Notwendigkeiten einer Wahrheitsverteidigung vorschoben – möglicherweise sogar durch eine „naive“, weil unerkannte und unkontrollierte, Inspiration durch geistfeindliche Mächte…“

Zum ganzen Aufsatz von Wolfgang Garvelmann..
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Widersprüchlichkeit

Die Logik geht darauf aus, wenn sie irgendwo einen Widerspruch findet, ihn zu beseitigen. Aber die Logik weiß heute noch nicht, was sie damit tut:
Die Logik selber tötet für das menschliche Auffassen mit dem Hinwegräumen des Widerspruches das Leben.
Deswegen kommt der Mensch nur zu einer Auffassung des Lebendigen, wenn er über die Logik hinaufsteigen will zu Imagination, Inspiration und Intuition.


Rudolf Steiner, GA 188, Seite 105

Das Leben selbst ist allerdings auch widersprüchlich, unser Leben, wir. So zum Beispiel stehen uns unsere Fähigkeiten häufig im Weg, eben weil wir uns auf sie verlassen. Man macht sie gern zu einem „Persönlichkeitsmerkmal“, in unserem konstruktivistischen Eigenheimbau, den wir „Ich“ nennen.
Etwas ganz anderes ist das, was man an Reife entwickelt. Dazu gehört auch, dass man sich der eigenen Gespaltenheit und Widersprüchlichkeit bewusst ist. Der innere Widerspruch ist ja durchaus auch ein in vieler Hinsicht antreibendes und kreatives Moment. Es produziert nur immer wieder Chaos im Leben.

Der Übergang zu „Imagination, Inspiration und Intuition“ mag vieles erhellen und verändern- die Widersprüche bleiben. Sie stecken bei uns bis in die Wurzeln hinein fest. Man kann das nicht extrahieren und womöglich auch nicht befrieden. Man muss den „Widerspruch des Lebens“ vielleicht auch annehmen lernen- als etwas, was dazu gehört.
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Kronzeuge Albert Steffen?

Wie sehr ich es begrüsse, dass Bodo von Plato stellvertretend für den Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft auf der diesjährigen Generalversammlung der deutschen Gesellschaft eine Art Paradigmenwechsel in Bezug auf die Aufarbeitung der anthroposophischen Bewegung zum Nationalsozialismus eingeleitet hat, habe ich schon im egoistenblog erläutert. Von Plato hatte übrigens nicht vor, eine innere Verwandtschaft zwischen Anthroposophie und Nationalsozialismus zu behaupten, sondern nur angemerkt, dass teleologische Vorstellungen im Sinne einer Entwicklung des Individuums und der Menschheit auch pervertiert werden können. Bei NNA, der anthroposophischen Nachrichtenagentur, liest sich das so: „Auf dem Podium diskutierten u.a. Bodo von Plato vom Vorstand der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft in Dornach und der Historiker Uwe Werner. Von Plato vertrat dabei die These, dass es so etwas wie eine „anthropologische Disposition“ gebe, die zur besonderen Wirkung des Faschismus auf die Menschen in Mitteleuropa beigetragen habe. Diese Disposition basiere auf „einer tiefen Sehnsucht nach dem, was wir verloren haben“ und verlange nach einem mystischen Verstehen der Gegenwart. Sie sei auch in der Anthroposophie zu erkennen, wobei jedoch diese als Gegenbild des Nationalsozialismus und im Wesen damit unverwandt zu sehen sei.

So weit, so gut. Dass allerdings im selben Bericht und auf derselben Versammlung auch Albert Steffen zum Kronzeugen des Widerstandes gegen Nationalsozialismus stilisiert wurde, stieß mir doch etwas auf: „Hatten Anthroposophen die Situation durchschaut? Erwähnt wurde der Zeitzeuge Albert Steffen, der früh das Geschehen erkannt und es in seinen Dramen künstlerisch verarbeitet habe.“ Das erinnerte mich an einen fünf Jahre alten Beitrag hier bei den Egoisten, in dem dieses Thema behandelt worden war: (Albert Steffen becirct Hitler“) „Immer wieder peinlich: Die Briefe des Vorstands der Anthroposophischen Gesellschaft aus den Jahren 1933- 1935 vor und nach der Auflösung der deutschen Sektion und Einordnung als "staatsfeindlich". Steffen, von Sievers und Wachsmuth beschwören Hitler in einem Brief an "ew. Excellenz", diese "Aufloesung gütigst" rückgängig machen zu wollen und versichern den Diktator "unserer ausgezeichnetesten Hochachtung". Dass zugleich versichert wird, dass die Anthroposophische Gesellschaft nicht "zu irgend welchen freimaurerischen, jüdischen, pazifistischen Kreisen irgend welche Beziehungen oder auch nur Berührungspunkte" gehabt habe, geht aber deutlich über eine reine Anbiederung hinaus.
Wachsmuths an anderem Ort (Ekstrabladet, Kopenhagen, 6.6.1933) geäußerte Sympathie und "Bewunderung" ("es soll kein Geheimnis sein, daß wir mit Sympathie auf das schauen, was z. Zt. in Deutschland geschieht") lässt vermuten, dass es sich nicht nur um strategische Positionierungen der Anthroposophen gehandelt haben kann. Der Höhepunkt ist vielleicht ein Brief Albert Steffens an die Gauleitungen im Deutschen Reich (20.5.1933), in dem selbst Rudolf Steiner persönlich instrumentalisiert wird: Denn Steiner sei "aus katholischer Konfession hervorgegangen und rein arischer Abstammung". Selbst der Totenschein von Steiners Vater wird zitiert, da darin bestätigt wird, es sei "vollkommen ausgeschlossen, daß irgendwie eine jüdische Abstammung möglich ist". Irgendwie.


Mag sein, dass Steffen die nationalsozialistische Katastrophe in Dramen verarbeitet hat. Als Vorstandsvorsitzender hat er offensichtlich eine anbiedernde Haltung eingenommen.
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Mieke Mosmuller, Dickschiff mit Welle vor dem Bug

Manche Schiffe machen eben eine große Welle. Dazu gehört innerhalb der zeitgenössischen anthroposophischen Szene zweifellos Mieke Mosmuller. Ihre Selbstdarstellung alleine macht schon klar, dass niemand aus der gegenwärtigen Anthroposophie ihr das Wasser reichen kann- sie allein hat „Einsichten in Bezug auf das wahre Wesen der Anthroposophie“ (Quelle Verlag) und muss sich quasi zwangsläufig als wahre Repräsentantin „der wahren Anthroposophie und ihres Begründers, des Meisters des Abendlandes“ (...) „gegen die heutige Form und die Vertreter der Anthroposophie“ stellen. Sie tut das mit einem eigenen Verlag und einer Fülle von Schriften. Einen Getreuen, der ihr die Worte von den Lippen abliest, hat sie in Holger Niederhausen gefunden, dessen eifernder schriller Ton auf seiner Website und in den Kommentaren anderer Blogs berühmt- berüchtigt ist. Er macht jeden Ansatz von Kritik an Mosmuller in fleissig produzierten, aber wenig gelesenen Artikeln herunter. Als wäre das nicht genug, spricht Mosmuller von Rudolf Steiner als „Meister des Abendlandes“, als dessen würdige Vertreterin sie sich offenbar alleine sieht. Es ist zu vermuten, dass sie sich im Sinne einer überlieferten rosenkreuzerischen Regel (3 x 33 Jahre) auf einer Mission sieht, das Anliegen Rudolf Steiners zu wahren, aufzugreifen und zu erweitern: „Aber ein volles Jahrhundert ist verstrichen, und ein neuer Impuls muss gegeben werden. Wir können nur selbst aktiv werden und dieser Impuls versuchen zu sein.“ (M.M., „Meditation“, 2010, S. 46). Ein Lektorat spart sie bei ihren Büchern aus, was Interpunktion und Grammatik nicht immer gut tut.

Natürlich hagelt es Kritik, da ihr Impetus als selbstherrlich wahrgenommen wird. Rüdiger Blankertz z.B. bemüht sich um ein Verständnis ihrer Intentionen, schüttelt aber über die Wucht ihres Auftretens auch den Kopf: „Der Verlag macht eine vielfach als aggressiv beurteilte Werbung für das Buch, fordert zum Beispiel telefonisch Besteller auf, Frau Mosmuller zu einer Lesung einzuladen, und dann möglichst eine örtliche Arbeitsgruppe zu bilden, in der ihre Anleitungen erarbeitet und ausprobiert werden könnten.“
Die Verabsolutierung ihrer persönlichen Erfahrungen ist aber der eigentliche Kern seiner Kritik: „Die Lektüre ihres Buches, das für jeden, der sich mit dem Problem des Denkens auseinandergesetzt hat, hoch spannend sein müsste, wird aber leider über weite Strecken zur Tortur, weil sie ihre Darstellungen mit Erzählungen über sehr persönliche ‹geistige Erfahrungen› spickt. Von diesen müsste man doch annehmen, dass der Leser sie anhand ihrer Anleitungen selbst machen werde. Zudem reklamiert sie ausdrücklich, was andere Autoren nur implizit geltend machen, dass ihre ‹Art der Erkenntnis› mit der Steiners völlig ‹kongruent›, und deshalb ihr ‹Erleben seines Werkes› eine fortwährende Evidenzerfahrung sei. Solche Attitüde kann bei Anthroposophen, die meinen, selber etwas Wesentliches in der Vertretung Rudolf Steiners geleistet zu haben, kaum auf Billigung, geschweige denn auf Anerkennung stoßen.“

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zum ganzen Artikel inkl. zahlreicher Links und Verweise
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Hüter & Gezücht

Ein Hüter bringt es vor allem dazu, er selbst zu sein, indem er für das, was von ihm ausgegangen ist, Verantwortung übernimmt und auf heilvolle oder verhängnisvolle Art damit verbunden ist. Es war daher schon immer klar, dass Hüter keine ungefährliche Mission verfolgen- sie haben es schließlich mit dem unkalkulierbarsten aller Wesens zu tun, dem Menschen. Man muss auch nicht an einen Schutzengel glauben, um zu wissen, was Verantwortung ist. Auch diese Verantwortung wandelt sich bis zur Lebensmitte des Menschen vielleicht eher in eine neutrale Begleitung um - hoffentlich- in einem kontinuierlichen Prozess, erwachsen zu werden. Da stünden Engel ziemlich im Weg.

Unseren Kindern gegenüber können wir uns vielleicht als Hüter sehen- ihre Menschwerdung bedarf schließlich auch des Freiraums; sie sondern sich von uns ab und reifen. Wir tun nicht gut daran, dauerhaft ihr Hüter sein zu wollen- sie würden sich bedanken, sich dann aber entweder von uns trennen oder abhängig von uns bleiben Vielleicht ist es schwerer, nicht die Kinder aufzuziehen, sondern uns von ihnen zum richtigen Zeitpunkt im rechten Maß zurück zu ziehen.

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Gegenüber der Natur als Ganzes haben wir uns als schlechte Hüter erwiesen; sie war stets ein Raum der Domestizierung und Ausbeutung. Selbst wenn wir ihr Hüter werden könnten, bliebe sie doch etwas Eigenständiges, von uns autonom Wirkendes und Geschaffenes. Für das, was wir an Technik, Maschinen, abstraktem und mechanischem Geist von uns absondern, gilt es, dies zu begleiten. Das wird sich aus den katastrophalen Verirrungen ergeben - etwa dem missbräuchlichen Gebrauch der Atomkraft - in die wir technisch schon herein geraten sind. In einer fernen Zukunft aber wird es auch eine zunehmende Autonomie des materiellen, technischen Verstandes geben- ein quasi- kreatürliches Novum von ausgesuchter Hässlichkeit- so eine apokalyptische imaginative Darstellung Steiners für eine ferne Zukunft der Existenz. Unsere Kreaturen werden uns zwingen, Engel zu werden:

"Und aus der Erde wird aufsprießen ein furchtbares Gezücht von Wesenheiten, die in ihrem Charakter zwischen dem Mineralreich und dem Pflanzenreich drinnen stehen als automatenartige Wesen mit einem überreichlichen Verstande. Und der Mensch wird, insofern er nicht seine schattenhaften intellektuellen Begriffe belebt hat, statt sein Wesen mit den Wesen die heruntersteigen wollen seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, zu vereinigen, er wird sein Wesen mit diesen furchtbaren mineralisch-pflanzlichen Spinnentieren vereinigen müssen. Er wird selber zusammen leben mit diesen Spinnentieren, und er wird sein weiteres Fortschreiten im Weltendasein suchen müssen in derjenigen Entwickelung, die dann annimmt dieses Spinnengetier."
R. Steiner, GA 204, Seite 244f

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In der Gegenwart schiebt sich die technische Welt an die Stelle der Natur- deren Ressourcen werden z.B. ausgeschlachtet, um die Energie für die synthetische elektronische Cyberworld zu produzieren. Aber auch in der Beschäftigung des Menschen mit seinen Geräten hat sich eine Wegwendung vom natürlichen Bezug ergeben. Diese „Gegennatur“ wird nicht in der Weise, wie sich das Sciencefiction - Autoren vorgestellt haben, plötzlich etwas wie eigenen Willen entwickeln, Gefühl oder Absichten und Wünsche. Es ist dies aber - wenn man Steiner so verstehen mag - auch nur ein Probelauf für die ferne Zukunft, wenn es etwas wie eine Ausstülpung geistiger Mechanik aus dem Menschen geben wird- ein „Gezücht“. Das allerdings werden wir sehr gut hüten müssen.
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"Die Mitglieder sollten das Goetheanum nicht als Bürde betrachten"

In der anthroposophischen Nachrichtenagentur NNA berichtet Christian von Arnim von der diesjährigen Mitgliederversammlung. Immerhin hat es einen Versuch gegeben, den Vorstand der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft zum Rücktritt zu zwingen. Der Antrag wurde auch von Götz Werner unterstützt. Mit diesem Antrag wurde dem Vorstand deshalb das Vertrauen entzogen, weil eine „zu große Veräusserlichung im Wirken des Vorstands zu bemerken (sei), weiter sei das Goetheanum ein Ort „spiritueller Dienstleistungen“ geworden an dem keine „originären Impulse“ mehr erarbeitet würden, „um in die Welt aus-zustrahlen.““ Damit ist eine Phrase, die meines Wissens von Sebastian Gronbach stammt (wobei dieser sich selbst so kennzeichnet) offenbar zu einem generalisierten Vorwurf geworden- ein Synonym für ausbleibende innere Wirksamkeit und Veräußerlichung.

Sergej Prokofieff verteidigte sich im Namen des Vorstands mit seinen üblichen pseudo- esoterischen Behauptungen, etwa, im heutigen Vorstand seien „alle karmischen Strömungen des ursprünglichen von Rudolf Steiner berufenen Vorstands vertreten“. Abgesehen vom fragwürdigen Wahrheitsgehalt stellt sich die Frage, ob eine solche Behauptung irgend eine andere Relevanz haben kann als den Versuch zu starten, sich unabhängig von der erbrachten Leistung eine Art exterritorialer Selbstrechtfertigung zu basteln- eine Unart von Unangreifbarkeit zu schaffen. Auch seine Behauptung, der Antrag sei ein „politischer“ Ansatz besagt an sich nichts, ist in diesem Umfeld aber als Herabwürdigung zu betrachten. Bodo von Platos Replik auf den Antrag dagegen („Das Goetheanum habe einen Forschungs- und Lehrauftrag, aber auf Basis der Anthroposophie. Dazu werde das Goetheanum gebraucht und die Mitglieder sollten das Haus nicht als eine Bürde betrachten sondern als ein Vermächtnis.“) spricht wenigstens ehrlich aus, wie tief die innere Zerrüttung doch fortgeschritten ist. Paul Mackay dagegen zielte mit seiner Antwort weniger auf die innere Zerrüttung, sondern auf die finanzielle. Das Goetheanum ist seit langem - nun aber nicht mehr zu leugnen - finanziell schwer angeschlagen: „Die Diskrepanz zwischen Einnahmen und Ausgaben gebe es schon seit mindestens den achtziger Jahren und könne nicht mehr getragen werden. Wie könne damit umgegangen werden, fragte Mackay.“ In der Tat, diese Frage stellt sich, vor allem wenn die Misswirtschaft bereits seit etwa 30 Jahren besteht.

Am Ende enthielt sich ungefähr ein Drittel der Mitglieder der Stimme oder stimmte für den Antrag. Der bestehende Vorstand wurde einerseits bestätigt, erhielt aber ein Misstrauensvotum. Man sollte vielleicht bedenken, dass der Protest nicht aus identischen Motiven gespeist wird und keinesfalls, wie behauptet, „politischer“ Natur ist. Es drückt sich darin ein Widerwille in Bezug auf die finanziellen Probleme aus - vor allem die Veräußerung an Anteilen von Weleda-, aber wohl auch ein einflussreicher Kreis von „neo- okkultistischen“ Strömungen. Hätten sich diese durchgesetzt, hätte dies möglicherweise diese Kreise in grösseren Einfluss gebracht, denen man eine Reform noch weniger zutraut.
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Burghard Schildt: Selbsterkenntnis und Universalität

Der Leiter des "Spiegel" – Hauptstadtbüros, der Journalist Dirk Kurbjuweit, er sieht, der Journalismus, der scheitert an seinen eigenen Kriterien: Denen der Belegbarkeit. Dasjenige, das hinter der „Maske“ sich ereignet, das lässt sich nicht belegen. Das will durch Mitgefühl erlebt werden. Daher schreibt er zudem Romane.
Das steht beispielhaft dafür, wie heute kosmisches Menschengeschehen sich spaltet in einen Verstand an sich und in eine künstlerisch bildende Phantasie für sich.

Als eine der Anleitungen, wie man sich orientieren lernen kann innerhalb so eines Entwicklungsvorganges, dafür schrieb Steiner seine Leitsätze. Daraus das Folgende.

In der allerersten Zeit der Bewusstseinsseelen- Entwicklung erfühlt der Mensch, wie ihm das vorher imaginativ gegebene Bild der Menschheit, seiner eigenen Wesenheit, verloren gegangen ist. Ohnmächtig, es in der Bewusstseinsseele schon zu finden, sucht er es auf naturwissenschaftlichem oder historischem Wege. - Man gelangt dadurch nicht zu einem wirklichen Erfülltsein mit der menschlichen Wesenheit, sondern nur zu Illusionen. Aber man bemerkt es nicht; und sieht darin etwas die Menschheit Tragendes. (Auszug aus: Leitsätze 134, 135 )

Jeder anthroposophisch orientierte Leser kann zudem „wissen“, der Mensch, er leitet sein „Handeln“ nicht von der Erde aus. Er leitet es universell.
Das dazugehörige „Organ“ ist das Denken. Das Denken des Menschen. Der Mensch erzeugt denkend seine Universalität. Also seine Selbsterkenntnis als Welterkenntnis.

Selbsterkenntnis ist der Weltengrund, der das selbstbestimmte Handeln eines jeden Menschen begründet.

Heute ist Selbsterkenntnis zugleich Selbstbewusstsein. Also ein Vorgang in der Bewusstseinsseele. Die Bewusstseinsseele selbst ist ein in Entwicklung sich Findendes.

In seiner Bewusstseinsseelen- Entwicklung findet sich der Mensch in der Herausforderung, das Denken so zu ergreifen, dass er denkend sich als denjenigen gewahrt, der, in Aufrechterhaltung des Selbstbewusstseins, wiederum imaginativ in solchen Empfindungen leben kann, die ihn sein Wesen, als das lebendige Wesen des Universums selbst, erkennen lassen.
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Helmut Zanders Psychogramm von Rudolf Steiner

Helmut Zanders Psychogramm von Rudolf Steiner betrachtet letzteren aus einem einzigen Blickwinkel heraus: Dem der Autorität. Dieser rote Faden zieht sich vom Verhältnis zu Steiners Vater bis hin zu seiner Philosophie der "Selbsterlösung". Fragt Zander "Tritt der autoritätsbewusste Sohn in die Fussstapfen des autoritätsbewussten Vaters? – Ist es Küchenpsychologie, diese Linie zu ziehen?"- dann möchte man letzteres bejahen.
Ansosnten reichert Zander seine schlichte Hypothese durch allerlei Klatsch an, um das dröge Material etwas aufzusexen. Steiner war, neben seiner Suche nach Autonomie und seinen Rückfällen in autoritäre Strukturen, in Zanders Augen vor allem ein begnadeter Womanizer:

"Mein Liebling! Meine liebe Maus! Meine liebste Mysa-Ita! Es gibt auch den Mann im Anthroposophen, den Charmeur, der in Liebesbriefen an Marie von Sivers und Ita Wegman ganz zärtlich sein konnte. Es gibt auch die grossen Gefühle, es gibt Erotik und Sexualität in Steiners Leben. Der Mensch Steiner war nicht nur der Kopffüssler, zu dem ihn manche Verehrer gemacht haben. Rudolf Steiner hatte eine unerreichbare Jugendliebe, Radegunde Fehr; er war zweimal verheiratet, mit der acht Jahre älteren Anna Eunike, einer Mutter von fünf Kindern, und mit der sechs Jahre jüngeren Schauspielerin Marie von Sivers. Aber er hat in seinen wilden Zeiten vor 1900 auch mit käuflicher Liebe zu tun gehabt, wie seine Freundin, die Wiener Schriftstellerin Rosa Mayreder (die sich wohl eine enge Beziehung zu Steiner hatte vorstellen können), dezent andeutete – und er hat immer wieder innige Zuneigung zu «anderen» Frauen gefasst. Die Beziehung zu seiner letzten grossen Liebe, zu der Ärztin Ita Wegman, hat Marie Steiner als das empfunden, was sie war: als Ehebruch."

Offenbar sollen diese Tratschgeschichten den an anderer Stelle ironisierten "gottgleiche(n) Eingeweihte(n)" auf den Teppich holen. Das wirkt in der Machart schon als recht preiswertes Propagandamaterial, was Zander hier bietet.
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Reinigung

"Das muss der erste Schritt der Einweihung sein: den Menschen während des Tageslebens etwas tun zu lassen, in seiner Seele sich etwas abspielen zu lassen, was fortwirkt, wenn der astralische Leib in der Nacht herausgezogen wird aus dem physischen Leib und Ätherleib.

Also denken Sie sich, bildlich gesprochen, es würde, während der Mensch bei vollem Bewusstsein ist, ihm etwas gegeben, was er zu tun hätte, was er abspielen lassen sollte und was so gewählt wäre, so gegliedert, dass es nicht aufhörte zu wirken, wenn der Tag vorüber ist. Denken Sie sich diese Wirkung als einen Ton, der fort klingt, wenn der Astralleib heraus ist; dieses Fortklingen wären dann die Kräfte, die nun an dem astralischen Leib so wirkten, so plastisch arbeiteten, wie einstmals die äußeren Kräfte am physischen Körper gearbeitet haben.

Alles das, was man genannt hat Meditation, Konzentration und die sonstigen Übungen, die der Mensch vorgenommen hat während seines Tageslebens, sie sind nichts anderes als Verrichtungen der Seele, die nicht in ihren Wirkungen ersterben, wenn der Astralleib herausgeht, sondern die nachklingen und in der Nacht zu bildenden Kräften werden im astralischen Leib. Das nennt man die Reinigung des Astralleibes, die Reinigung von dem, was dem Astralleib nicht angemessen ist.

Das war der erste Schritt, der auch die Katharsis (bei den Griechen) genannt wurde, die Reinigung. Sie war noch keine Arbeit in übersinnlichen Welten. Sie bestand in Übungen der Seele, die der Mensch tagsüber machte, wie eine Trainierung der Seele. Sie bestand in der Aneignung gewisser Lebensformen, gewisser Lebensgesinnungen, einer gewissen Art, das Leben zu behandeln, so dass es nachklingen konnte, und das arbeitete am astralischen Leib, bis er sich umgewandelt hatte, bis sich Organe in ihm entwickelt hatten."

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Rudolf Steiner, GA 104, Seite 46f
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Natur als Konstrukt und Macht

In seinen „Anthroposophischen Leitsätzen“ schreibt Rudolf Steiner: „Und in demselben Maße, in dem die Menschenseele das Mit- Erleben mit den göttlich- geistigen Wesenheiten verliert, taucht um sie herum das auf, was man heute „Natur“ nennt.“ (S. 157)

Natur ist demnach ein zeitgenössisches Konstrukt, das sich in dem Maß bildete, in dem eine ursprüngliche symbiotische Beziehung zum Natürlichen, Elementaren verloren ging. Erst der Zeitgenosse erlebt Natur „um sich herum“. Das Wahrnehmen der Natur ist ein modernes Bewusstseinsphänomen. Erst in der jüngeren Kunstgeschichte ist ja auch die reine Landschaftsmalerei entstanden - in Reinkultur vielleicht erst durch William Turner. Davor war der porträtierte Mensch stets in die natürliche Umgebung, die häufig in der Gestaltung allegorische Züge annahm, eingebettet; er war ein Teil von ihr und sie war ein Ausdruck von ihm.

In der Landschaftspflege kam in derselben Zeit, in der die Landschaftsmalerei entstand, die Anlage des Parks und Gartens auf. Heute steht die Renaturierung im Mittelpunkt der Interessen. Landschaft soll „natürlich“ wirken. Die ursprüngliche Flora und Fauna soll wieder hergestellt werden. Empfindliche Monokulturen sollen schon aus pragmatischen Gründen zurück gebaut werden. Dennoch soll die renaturierte Natur pflegeleicht und beherrschbar bleiben.

Dies allerdings bleibt ein frommer Wunsch. Die Natur greift ständig schmerzhaft in die menschlichen Belange ein- vor allem in Form von Erdbeben, Überschwemmungen, Hitzephasen, Erdrutschen und den viel diskutierten Folgen des „Klimawandels“. In dieselbe Schublade gehören auch Befürchtungen vor weltweiten Pandemien wie Schweine- oder Hühnergrippe.

So scheint es legitim, Rudolf Steiners Ansatz weiter zu denken: Nach einer symbiotisch empfundenen, ursprünglichen Kultur, in der in der Einigkeit mit dem Natürlichen auch das Göttliche wahrgenommen wurde, emanzipierte sich das menschliche Bewusstsein zunehmend aus dem als Natur Wahrgenommenen. Die kultivierte, aber auch extrem materiell ausgebeutete Natur wird heute zwar einerseits in eine gewisse Ursprünglichkeit zurück versetzt, zugleich aber auch als nicht beherrschbare, bedrohliche Gefahr wahrgenommen. Die atavistische Gefahr, die frühe animistische Kulturen in der Natur auch empfanden, kehrt so im modernen Gewand wieder zurück: Die Natur entzieht sich zwar nicht der Nutzung, bleibt aber auch unbeherrschbar. Ihre Macht ist wieder zurück gekehrt. Das Konstrukt Natur entzieht sich den Grenzen, die ihm der Mensch zuweisen wollte. Auch wenn die Götter verschwunden sind, die Macht ist es nicht.
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Die Wochenschrift "Das Goetheanum" wird umgestaltet

In einer Reihe von einzelnen Beiträgen auf der Homepage werden deutliche Veränderungen bei den beteiligten Herausgebern und in der Gestaltung und Ausrichtung der Zeitschrift selbst deutlich. Zunächst wurde die vertretende Herausgeberschaft von Paul Mackay an Bodo von Plato übergeben. Der Grund liegt, wie man schließen darf, in der Notwendigkeit zu Reformen und einer umfassenden Neugestaltung:

"Ich hoffe, dass mit der Übernahme dieser Funktion durch Bodo von Plato ein kräftiger Impuls in der Entwicklung der Wochenschrift gesetzt werden kann, und wünsche dafür alles Gute!"Es handelt sich aber offenbar auch hier um Probleme in der Finanzierung, die die Neuausrichtung bestimmen: "Die Spar- und Umstrukturierungsmaßnahmen am Goetheanum betreffen auch die Redaktion des ‹Goetheanums›."

In diesem Zusammenhang wird bekannt gegeben, dass "Hans-Christian Zehnter von Herausgeberseite nicht in die weitere Entwicklung der Neuausrichtung einbezogen wird." Dafür äußert sich Wolfgang Held, er habe sein Tätigkeitsfeld verlagert: "Seit Jahresanfang habe ich mein Tätigkeitsfeld von der allgemeinen Kommunikation am Goetheanum und der Anthroposophischen Gesellschaft verlagert hin zur Mitarbeit in der ‹Goetheanum›-Redaktion" - wiederum in einer separaten Nachricht. Schließlich gibt es auch inhaltlich eine weit gehende Neuausrichtung: "Die Form des ‹Goetheanums› wird sich ändern, den Verhältnissen, Bedürfnissen und Möglichkeiten entsprechend. Im Laufe dieses Jahres werden sich Schritt für Schritt Konzept und Aussehen des ‹Goetheanums› verändern. Publikationen, die bisher in gesonderter Form erschienen, sollen im ‹Goethe-anum› ihren gemeinsamen Erscheinungsort finden, damit eine umfassende Anregung und Information, ein Austausch über Grenzen hinweg in gebündelter Form stattfinden kann – mit den zur Verfügung stehenden Mitteln und Kräften. Die Veranstaltungskalender des Goetheanum, der Jahresbericht der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, die Broschüren der Studienlandschaft am Goethe-anum, die zahlreichen Ankündigungen, die bisher in Flyern verbreitet wurden, möglicherweise auch ausführlichere Berichte von Sektionen sollen bei ihrer Veröffentlichung auch ihren Zusammenhang zum Ausdruck bringen können, den sie in ihrer Inspiration aus der Anthroposophie und ihrer Beheimatung am Goetheanum haben.
Dafür wird sich der Herausgeber in den kommenden Jahren verstärkt einsetzen.
Als Erstes wird ab dem ‹Goetheanum› Nr. 4/2011 das Nachrichtenblatt für die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft unter seinem bisherigen Titel als Teil ins ‹Goetheanum› integriert, denn schon seit längerer Zeit lässt sich kein überzeugender Grund mehr finden, dass diese Mitteilungen mit zusätzlichem Herstellungs- und Versandaufwand gesondert erscheinen."

Es wird in diesem Karussell der Wechsel nicht ganz klar, an welcher Stelle eigentlich gespart wird. Personell bindet man offenbar, um zu retten, was zu retten ist, die besonders herausragenden Köpfe aus Vorstand und dem Umkreis des Vorstandes in die Herausgabe ein. Zugleich werden diverse Publikationsorgane zusammen geführt. Letzteres kann man nun nicht unbedingt als Schritt in Richtung Qualitätssicherung verstehen. Klar ist aber, dass Ressourcen gebündelt werden, um zu retten, was zu retten ist.

In diesem Zusammenhang werden auch verschiedene Verlage und Verlagslinien unter einem neuen Dach (Futurum- Verlag) gebündelt.

Die Frage, die sich einem Außenstehenden stellt ist die, ob sich das Konzept einer Wochenzeitschrift in Zeiten einer allgemeinen Krise der Print- Landschaft im allgemeinen und einer finanziellen Krise des Goetheanums im besonderen nicht überholt hat. Das große Essay passt besser in eine Monatszeitschrift, die Tagesnews auf eine Website. Ob es dazwischen Platz für ein wöchentlich erscheinendes Blatt noch gibt, wird sich zeigen.
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Archiv in Dornach geht das Geld aus

Der Aufruf des Archivs (nach 500 Menschen, die je 500 Franken spenden) klang ja schon beinahe verzweifelt:

"Um die aktuellen Forschungsarbeiten weiterführen und die vor der Veröffentlichung stehenden nächsten Bände der Gesamtausgabe in der vorgesehenen Zeit und auf bewährt hohem Niveau publizieren zu können, muss das Rudolf Steiner Archiv bis Ende dieses Jahres CHF 250.000.– aufbringen. Die finanzielle Situation ist so angespannt, dass zusätzlich zu den bereits eingeleiteten Sparmassnahmen auch Stellen abgebaut werden müssten. Das wäre aber ein substanzieller Eingriff in die Tätigkeit des Archivs, denn damit würde das Know-how von spezialisierten und mit dem Werk Rudolf Steiners bestens vertrauten Fachkräften verloren gehen. Was einer Grundsatzentscheidung gleichkäme, in wieweit die in der Zukunft noch anstehenden anspruchvollen Aufgaben bei der Herausgabe des Werks Rudolf Steiners überhaupt erfüllt werden können."

Wie inzwischen von Mitarbeitern zu hören ist, hat auch dieser Aufruf keine geeignete finanzielle Basis ergeben, um das derzeitige Defizit abzuwenden. Es soll Anfang 2011 auch Personal abgebaut werden. Wenn in Kernbereichen der Archivarbeit, der Bibliothek und der Herausgabe der Werke Rudolf Steiners die bisherigen Aufgaben nicht mehr erfüllt werden können, stellen sich nun endlich wirklich existentielle Fragen an den Betrieb des Goetheanum. Hier wird ja nun die Arbeit geleistet, hier werden die Grundlagen für die Freie Hochschule geschaffen. Der Scherbenhaufen deutet sich schon lange an- nicht zuletzt bei der Diskussion um Beteiligungsverkäufe in Bezug auf Weleda. Auch in der "Christengemeinschaft" ist die Finanzierung der Gehälter und Pensionen ihrer Pfarrer nicht hinreichend gesichert.

Nimmt man noch das Ausbluten der anthroposophischen Zeitschriften und früher vielfältigen Verlage hinzu, sieht man eine Krise, die keinesfalls nur ein Produkt aktueller Finanz- und Wirtschaftskrisen ist, sondern ein langjähriger Niedergang, der auch Bereiche wie z.B. die Goetheanumsbühne ergriffen hat. Ein strukturelles Problem, das eine grundlegende Neuaufstellung erfordern müsste. Aber es ist nicht einmal eine offene Diskussion darüber zu sehen und zu hören. Statt eine generelle und zentrale Diskussion anzustoßen, werden die defizitären Tochter- Institutionen offenbar mit ihren Problemen allein gelassen.

Noch eine Verdeutlichung: Das Archiv am Goetheanum mit der Bibliothek am Goetheanum beherbergt das Gesellschaftsarchiv und nicht den Nachlass von Steiner (mit Ausnahme einiger weniger Dokumente).
Es gibt zwar in der Nachlassveraltung auch eine Bibliothek, diejenige, die Steiner persönlich gehörte. Finanziell ist das Steiner Archiv unabhängig vom Goetheanum-Betrieb. Die Nachlassverwaltung ist sozusagen eine eigene "Strömung". Marie Steiner hat sich ja bekannterweise aus der Gesellschaft in den 40iger-Jahren mitsamt Steiners Nachlass herausgezogen und dies hat sich bis heute nicht geändert. (Danke für den Hinweis)

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Alle Links und Diskussion beim neuen Egoistenblog
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Nahrungslosigkeit


Im Egoistenblog, der Parallelwelt dieses Blogs hier, ist ein neues Comic erschienen, das sich tiefsinnig über Selbstkasteiung auslässt.
Kommentare eventuell lieber dort hinterlassen, denn hier werden sie in ein paar Tagen abgeschaltet. Ein neues Kommentarsystem wird im Verlauf dieses Monats erprobt. Es ist eine für mich neue Technik, daher ist das Ende offen, denn die nahtlos Implementierung in ein bestehendes System ist immer so eine Sache. Außerdem wird ein Forum eröffnet werden. Für dieses wird allerdings eine Anmeldung nötig sein. Andererseits könnte man vielleicht eine Ecke auch für Gäste freischalten. Wir werden sehen.
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Wandelbarkeit

Wolf- Ulrich Klünker („Anthroposophie als Ich- Berührung“) ist immer noch eine Art Meditationsinhalt für unser Blog, ein Anstoss- Geber, ein Fallstrick, ein Stolperstein. Ich muss gestehen, dass mir die übliche Floskel von der „Krankheit als Weg“, die in gewissen anthroposophischen, aber auch sonst sich alternativ verstehenden Bewegungen grassiert, eine Art Übelkeit eingebracht hat. Das krampfhafte Sinngeben von verzweifelten Lebenssituationen hat etwas von einer Krücke. In diesem Fall haben die hämischen Kritiker recht, die in solchen Sinnstiftungen einen verlogenen Beigeschmack sehen, geschaffen für Leute, die sich den Realitäten von Sein und Nichtsein nicht stellen wollen oder können. Schlimmer und derber wird es noch, wenn man auch in anthroposophischen Ärztekreisen auf die Idee kommt, das Leiden zu heroisieren und paliative Maßnahmen zu verdammen. Leiden - insbesondere extreme Schmerzen- als geistvoll zu betrachten, ist ja meist auch etwas, was man bereitwillig Anderen zumutet und dies von ihnen abverlangt. Aber die, die die Lust an Dornenkronen gefunden haben, haben sich vielleicht auch nicht von ihrem ureigenen archaischen Katholizismus lösen können- sie sehen im Leiden eine Vorbedingung für geistiges Wachstum. Das ist natürlich Unsinn, auch wenn so etwas von anthroposophischen Spitzenärzten behauptet wird- man sollte dergleichen dem Opus Dei überlassen.

Klünker spricht auch von Brüchen - aber eben von einem gewissen Prekärwerden der soliden vegetativen leiblich- seelischen Konstitution, das in biografischen Wendepunkten der Ich- Entwicklung entgegen kommen kann. Die Illusion des „Das-bin-ich-so-bin-ich-geworden“, die naive Selbstgewissheit kann durch eintretende äußere Umstände plötzlich ins Wanken geraten. Die Krise kann ein Ansatz zur Neubesinnung, zur Vertiefung und Sicherung des inneren Friedens sein. Es geht eben nicht immer geradeaus, es geht nicht nach unseren Erwartungen, unseren Selbstbildern und unserer Bequemlichkeit. Manchmal ist es im Nachhinein ganz gut, zeitweilig völlig aus der Spur geraten zu sein:

„Die Korrumpierung ist notwendig, damit das menschliche Bewusstsein zu menschlichem Selbstbewusstsein werden kann; Ich- Entwicklung basiert also (..) darauf, dass die bislang entwickelte menschliche Konstitution problematisch wird. Man kann den Eindruck gewinnen, dass sich hier bis in die Tiefen der leiblich- seelischen Organisation hinein der Satz aus den „Mysteriendramen“ einlöst: „Es muss der Mensch durch Irrtum Wahrheit finden.“ „Irrtum“ auf der leiblich- seelischen Ebene kann auch die Problematisierung der mitgebrachten Konstitution bedeuten- diese wird notwendig, damit das Ich im leiblich- seelischen „Irrtum“, in Krankheit, Leid und Verlust sich selbst finden kann.“ Der Umkehrschluss, dass man durch selbstgewählte Isolation, Schmerzen oder anderes Unwohlsein irgendeine Art von geistiger Fortentwicklung erreichen könnte, wäre der Versuch, etwas durch Selbstkasteiung erzwingen zu wollen -ein schädliches und dummes Unternehmen.

Andererseits ist es wohl ebenso ein Trugschluss, dass sich das In-mir-Gegebene, das Mitgebrachte ewig und drei Tage einfach immer weiter entfalten könnte; ich denke, wir kommen da an einen Endpunkt. Auch unsere Begabungen tragen uns nur bis zu einem gewissen Punkt. Der Bruch erfolgt nicht zwangsläufig- das krampfhafte Weiter- Entfalten führt aber in so vielen Fällen - gerade bei vielen Künstlern zu beobachten- in einen Manierismus, in eine Fülle von Selbstzitaten, in einen Starrsinn, der das Zerrbild von Entwicklung darstellt.

Es ist eine der zentralen Übungen, die Krisen zwar durchzufechten, aber nicht in der Verteidigungshaltung zu verharren, nicht nur auf den Bestand unserer Fähigkeit zu bauen, sondern sich immer neu den Zumutungen zu stellen, sie anzunehmen und das Beste daraus zu machen. Der Mensch besteht vor allem in seiner Wandelbarkeit. Das vor allem ist unsere Beständigkeit als Mensch. Sie muss sich allerdings immer wieder bewähren, denn die Brüche erfolgen meist dort, wo wir es am wenigsten erwarten und wünschen.
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"Befreundet mit der Wirklichkeit"

Es ist eine zu simple Vorstellung, zu denken, *irgendwann* sei es Zeit, das individuelle spirituelle Üben *anwenden* zu wollen- es also in der *Wirklichkeit* zu erproben. Denn wir sind ja nicht nur innig verwoben mit dem, was uns umgibt, sondern ein untrennbarer Teil, ja zum Teil ein Produkt eben dieser *Umgebung*. Immer und überall stossen wir an Partnerschaften, Freundschaften, berufliche Felder, Pflichten und Vergnügungen an. Dies allerdings meist nicht nur und nicht durchgängig in harmonischer Art und Weise. Auch im Widerstand, im inszenierten Konflikt konstituieren wir uns an dieser Umgebung. Das Selbstgefühl intensiviert sich in schmerzhaften Prozessen, in die wir verwickelt sind. Meist fühlen wir uns dabei als Opfer, als Jemand, dem etwas zugemutet wird. Die Attitüde der Empörung - „Was hat man mir angetan!“- ist ein starkes Ich- Gefühl, viel stärker als harmonisches Einvernehmen.

Die Sicht auf die Umgebung, der Blickwinkel, mit dem wir die uns umgebende Wirklichkeit betrachten, ist in wesentlichen Aspekten ein Teil unseres Ego- Konstrukts. Die gestaltende, häufig aggressive, manchmal sogar selbstzerstörerische Energie, mit der wir dieses Konstrukt der Umgebung überstülpen, bleibt aber im Wesentlichen außerhalb unserer Wahrnehmung. Unsere Neurosen determinieren nicht nur uns selbst, sondern auch die uns nahe Stehenden. Wir stehen überall und in alle Richtungen in systemischen Prozessen, deren Wirkungsmechanismen wir so lange nicht kennen, solange wir restlos darin verwickelt sind.

Der (nicht nur anthroposophische) Schulungsweg ist daher nie nur privat. Er ist eine hygienische Maßnahme, um unsere kommunikativen Sackgassen, in die wir uns wieder und wieder verheddern, zu durchschauen. Möglich wird das dadurch, dass die regelmäßige Auszeit aus unseren assoziativen Denkmustern, in die wir in einem inneren Monolog verwickelt sind, in der konzentrierten meditativen Arbeit einen Freiraum schafft. In dem Maß, in dem es möglich wird, in die Formlosigkeit einzutauchen, werden unsere Geformtheiten, unsere Deformationen erst sichtbar. Voraussetzung dafür ist, dass es sich tatsächlich um einen transparenten Prozess handelt, um einen Freiraum. Man kann zweifellos auch allerlei Erfahrungen machen, in denen wir unsere Reaktionsmuster transzendieren und auf illusionäre Weise so vor uns selbst sanktionieren. Eine Erleuchtung, die nichts erhellt, macht noch keinen Frühling. Wenn wir uns mit einer Wolke von Weihrauch umnebeln, sehen wir keinesfalls klarer.

An diesem Punkt möchte ich wieder Wolf- Ulrich Klünker zitieren („Anthroposophie als Ich- Berührung“), der auf dieses Problem ebenfalls eingeht: „Mit anderen Worten: Wenn ich anthroposophisch arbeite, stehe ich anders in der Welt,. und zwar in einem umfassenden Sinne. Die Frage nach einer mehr äußeren „Anwendung“ der Anthroposophie stellt sich dann in neuer Weise. Im Allgemeinen ist zunächst klar, dass der Mensch, der sich selbst durch Anthroposophie verändert, der bis in seine elementaren Leibprozesse hinein eine neue Beziehung zur Welt findet, auf berufliche und andere Anforderungen allmählich sich verändernd reagiert. Es entsteht eine neue Beziehung zu den Dingen und damit eine neue Sachgemäßheit. Diese ist naturgemäß nicht immer in anthroposophischen Begriffen allein zu fassen, sondern bemisst sich an dem jeweiligen Aufgabenbereich. Dann ist es auch nicht wichtig, genau zu wissen, was „anthroposophisch“ daran ist; als „anthroposophisch“ kann dann gelten, dass ein Mensch, der anthroposophisch arbeitet, allmählich immer mehr befreundet mit der Wirklichkeit werden kann.“ (S. 35)
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Ein Vortragsabend mit Maria Thun

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12 Tage mit Rudolf Steiner



Im Archiv von Uranos ist dieses Manuskript der Gräfin Johanna Keyserlingh geb. Skene of Skene erschienen, das aus ganz privater Sicht zwölf Tage schildert, in denen Rudolf Steiner auf ihrem Hof Koberwitz wohnte und dort seinen Landwirtschaftlichen Kurs hielt. Das Manuskript war nicht zur Publikation bestimmt. Es schildert eine Situation, in der Steiner Pfingsten 1924, bereits schwer gezeichnet von seiner Krankheit, dort erschien und faktisch fern vom Dornacher Trubel gesund gepflegt wurde. Er hat diese Situation offensichtlich sehr genossen, suchte selbst dann die Nähe seiner Gastgeber, wenn man ihm höflich sein Essen auf sein Zimmer brachte und ihn zu schonen gewillt war. Man baute eine Schutzmauer um ihn herum auf. Steiner Appetit kehrte zurück, er redete munter drauflos und ließ sich allmählich auf okkulte Fragen seiner Gastgeber ein. Auf einen „Neger“- Witz hätte er wohl verzichten sollen. Steiner begründete spätestens hier auch den Kaspar- Hauser- Mythos. Das Ganze wirkt als Tagebuch der Gräfin glaubwürdig. Sie tritt hier als engagierte Beobachterin auf, nicht als Seherin wie in anderen Publikationen. Zumindest kann man das Büchlein so ansehen, dass es mit einer gewissen Dichte und Authentizität eine Atmosphäre zeichnet, in der sich Steiner in seinem letzten Lebensjahr bewegte. Die Dankbarkeit, mit der er diese warmherzige, grosszügige und aufmerksame Bewirtung honorierte, ist überdeutlich. Gleichzeitig kam er aus der Rolle, die ihn so viel Kraft kostete, auch hier nicht heraus.
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"Rudolf Steiner den Anthroposophen wegnehmen"



Erstaunliche Worte auf der Pressekonferenz des Goetheanums und des Rudolf Steiner Archivs: „Michaela Glöckler eröffnete die Veranstaltung mit einem Hinweis auf den Ausspruch von Markus Brüderlin. Der Leiter des Museums Wolfsburg hatte bei der Ausstellung "Rudolf Steiner und die Kunst der Moderne" bemerkt, "man müsse Rudolf Steiner den Anthroposophen wegnehmen." Von Michaela Glöckler wurde das als positives Zeichen gesehen, dass Rudolf Steiner immer selbstverständlicher in die Spitze des Kulturlebens eingereiht wird.“

Das ist sicherlich eine etwas einseitige Interpretation Michaela Glöcklers, die der Bemerkung Brüderlins die Spitze zu nehmen versucht. Man kann es auch so verstehen, dass Rudolf Steiner als einer der Vertreter der Moderne, inmitten der zahlreichen Initiativen, die von ihm ausgehen, in der organisierten und verwalteten Anthroposophie bis in die heutigen Tage hinein eher ein Hindernis aufgebaut hat. Auch die Art der Verhinderung wird in der Pressekonferenz angedeutet: „Den Abschluss der Statements übernahm Bodo v. Plato, Vorstand am Goetheanum. Er betonte, dass er Verständnis habe für Marcus Bründerlins Forderung, dass Rudolf Steiner nicht den Anthroposophen gehören dürfe. Man finde tatsächlich, so Plato, innerhalb des anthroposophischen Lebens ein ganzes "Mysterium des Sektiererischen und Dogmatischen". Man dürfe aber nicht vergessen, dass es den und diesen Anthroposophen zu verdanken sei, dass Steiners Ideen zugänglich und in ihrer kulturellen Wirksamkeit sichtbar seien.“ Das wird niemand leugnen wollen. Sowohl die Archivarbeit als auch die Wirksamkeit in den „tätigen Feldern“ wie Waldorfpädagogik, Bankenwesen, Kindergärten, Landwirtschaft stellen einen Erfolg dar. Aber die interne Hierarchie, die Isolation und Separierung und auch die schweren inneren Auseinandersetzungen lähmen die Initiativkraft seit langem. Seit der Zeit der Erbschaftsauseinandersetzungen nach Steiners Tod bestimmen immer wieder Klüngelei und Ausgrenzungen das Bild. Dennoch zeigt ein Rückblick und Resümee, wie auf dieser Pressekonferenz dargestellt, das Potential, das durch das Wirken Steiners aufgetan worden ist; ein Potential, das kulturell, politisch und sozial über die Möglichkeiten der Anthroposophischen Gesellschaft weit hinaus reicht.

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Nachtrag: Wie aus den Kommentaren zu diesem Artikel ersichtlich, ist der Text auf der Goetheanum- Seite inzwischen entscheidend modifiziert worden.
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Karmisches Tralala

Die arme Wibke, in ihren Selbstkundungen in Nachfolge von Doktor Steiner gegenwärtig als Reinstein inkarniert, wird im allgemeinen nicht müde, sich von ihren verschiedenen (banalen) Schokoladenseiten zu präsentieren. Diesmal hat sie allerdings bei Facebook auch eine Offenbarung des Channelers Hermann Keimeyer gepostet, die sie outet als ehemalige anthropotantische Steineranhängerin, die nun, in ihrer gegenwärtigen Existenz, sich in ihren Fanatismus so weit herein steigert, dass sie sich für Steiner selbst hält. Das eine ist so bizarr wie das andere, aber lassen wir die Stelle selbst posten:

„Hermann Keimeyer, einer der geringsten Schüler von Rudolf Steiner, was wir immer wieder betonen müssen, - bekam durch eine Eingebung von Rudolf Steiner, also Meister Jesus, im September 2010 die reinkarnationstherapeutische Heilungseingebung für Wibke Reinstein :" Sie war in ihrem letzten Leben eine mir warmherzig verbundene Anthroposophin, die in meinen Mysteriendramen die Rolle der Theodora spielte , - ( nähere Hinweise lese man in G.A.253,Seite 126, Anmerkung von H. Keimeyer) , - das erzeugte in ihr die Wahnidee, daß ich als Rudolf Steiner sie heiraten müßte, - in diesem ihrem neuen Leben als Wibke Reinstein hat sich diese Wahnidee durch das Wirken aller 3 Widersachermächte so umgewandelt, daß sie jetzt sich für mich, also für Rudolf Steiners Wiederverköperung, hält, - durch diese Erklärungen hier sollte sie sich reformieren wollen und das auch in ihren Veröffentlichungen zur Orientierung ihrer Leser bekanntmachen wollen.- Sie bleibt trotz allem mit mir weiter verbunden, nur, - es bereitet mir wesensgemäß Schmerzen in der geistigen Welt , wenn solch ein okkulter Unsinn von ihr vertreten wird wie es hier geschildert wurde, - sie sollte damit aufhören wollen.-"
Ende der Eingebung von Meister Jesus.-

Da stehen wir nun stumm und staunen. Die spröde Facebook - Anthropotante mit dem Hang zur Öffentlichkeit und der doppelt so so alte Visionär mit dem Hang zur Weiblichkeit: Sie werden sich wohl nicht mehr grün sein, in diesem Leben.
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Der Bewusstseinsseelennomade

Entgegen manchen anthroposophischen Vorstellungen bezeichnet der terminus technicus „Bewusstseinsssele“ als vorherrschender Zustand der gegenwärtigen Zivilisation nicht nur Positives, sondern in vielerlei Hinsicht einen eher prekären Zwischenzustand. Die „Empfindungsseele“ bezeichnet demgegenüber einen Zustand, der auf Familie, Clan und Autoritäten setzt, aus einem schlichten Selbstbild heraus agiert, häufig despotisch und unreflektiert agiert, aber auch in Normen, Gesetze und moralische Verbindlichkeiten eingebunden ist. Ein Mafiapate ist auch ein schönes, treffendes Bild für einen Vertreter der Empfindungsseele, in mancher Hinsicht.

Die Bewusstseinsseele ist sicherlich auch nicht nur rational. Sie bezeichnet vor allem einen Zustand möglicher Selbstbeschau- auch in psychologischer Hinsicht: Die Fähigkeit, „wie von außen“ auf das eigene seelische Ganze zu schauen, ist eine Errungenschaft des 20. Jahrhunderts. Sigmund Freud ist und bleibt dafür die Galionsfigur. Die Fähigkeit des „Anschauens“ der eigenen inneren Strukturen ist auch eine Erfahrung der Ohnmacht. Man kann so vieles an sich gar nicht ändern. Nicht an den Verhältnissen, aber auch nicht an sich selbst. Man erlebt es, sich selbst gegenüber so fremd zu sein wie gegenüber Anderen. Der Bewusstseinsseelennomade kostet seine Individualität aus, aber er erleidet sie auch. Man kann erleben, dass man sich intellektuell verrennt, dass man Reaktionsmustern folgt, die man gar nicht gutheisst. Der Nomade der Neuzeit ist zersprungen, er fühlt sich nicht mehr aus einem Guss. Ganz allgemein gehen moralische Standards schon deshalb den Bach herunter, weil sich der Nomade am Widerstand Anderer selbst empfindet. Je gravierender der innere Riss, desto mehr werden Triumph, Erfolg oder Daueropposition zur Haltung.

Dennoch kann sich der „Betrachter“ seiner selbst bewusst werden. Das ist schon deshalb möglich, weil sich die Ohnmacht jederzeit auftun kann wie ein Schlund. Sie kommt von Innen wie von Außen, und man kann sich gegen sie nicht wappnen. In der Verletzlichkeit dessen, für den nichts mehr zählt, in dem prekären Ungleichgewicht liegt zugleich die Fähigkeit, anzuhalten und den Fokus der Aufmerksamkeit auf den Betrachter zu legen. Er lebt aber niemals im Angeschauten, sondern nur in der reinen Aufmerksamkeit. Er ist die Präsenz. In dieser Rückwendung beginnt ein Selbstgewahrwerden, das ganz neue Perspektiven eröffnet. Das ist der Beginn jeder geistigen Erfahrung. Insofern ist der Bewusstseinsseelennomade ein Wesen auf der Kippe.

Steiner sagte dazu: „Darauf hin ist auch die Menschheit organisiert, die nun nicht fertig mitbekommt Gemüt, das schlagkräftig wirkt, nicht fertig mitbekommt Verstand, der durchdringend wirkt, sondern durch die Bewusstseinsseele ausgebildet, ich möchte sagen, etwas viel Abgesonderteres, Individuelleres, mehr auf den Egoismus hin, auf die menschliche Einsamkeit im eigenen Leibe hin Organisiertes mitbekommt, als Verstandes- oder Gemütsseele es waren. Durch die Bewusstseinsseele ist der Mensch viel mehr ein einzelnes Individuum, ein Einsiedler, der durch die Welt wandelt, als er es war durch die Verstandes- oder Gemütsseele. Und das ist auch das wichtigste Charakteristikum schon geworden für unsere Zeit und wird es immer mehr und mehr werden, dass sich die Menschen in sich abschließen werden. Die Bewusstseinsseele gibt den Charakter des Sich- Abschließens von der übrigen Menschheit, des mehr Isoliert-Lebens.

Daher macht es größere Schwierigkeit, mit dem anderen bekannt und namentlich vertraut zu werden; es bedarf erst der Verhältnisse eines umständlichen Kennenlernens, um mit dem anderen vertraut zu werden.“ (GA 168, Seite 94f)
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Indisches Tagebuch

Aus dem Vorwort Norbert Klatts: „Was Hübbe-Schleidens Tagebücher vor allem so interessant macht, ist das Scheitern seiner spirituellen Bemühungen. Sein theoretisches Wissen kann Hübbe-Schleiden praktisch nicht umsetzen. Während sein Guru Ras Bihari Mukherji in der Meditation etwa zu einer Jesus-Vision vordringt, schafft es Hübbe-Schleiden nur, in Händen und Füßen die Kreuzigungsnarben Jesu zu empfinden. Trotz Yoga-Übung und des Einsatzes von Ganja (Haschisch) und Bhang, mit denen die Erfahrung des „Meisters“ erzwungen werden soll, gelingt es ihm nicht, in Indien die angestrebten spirituellen Erfahrungen zu machen. Den von ihm erstrebten Zustand des samâdhi erreicht er nicht. Wenn die publizierten Reiseberichte auch einen anderen Eindruck erwecken und Hübbe-Schleiden in Indien sich gern als „European sannyasi“ und „Yavana-Brahmane“ bezeichnet, so bleibt ihm dennoch die Seele Indiens verschlossen.

Im Rahmen der Wiedergeburtslehre deutet Hübbe-Schleiden seine Erfahrung jedoch nicht als Scheitern. Ihm sind seine Bemühungen in Indien nur ein kurzes Zwischenspiel auf dem Weg durch viele Wiederverkörperungen. Dennoch ist nicht zu verkennen, daß Hübbe-Schleidens religiös-spirituelles Scheitern in Indien zu einer Ernüchterung führte. Für ein weitergehendes Handeln im Dienste der Theosophie, so empfindet es Hübbe-Schleiden, fehlt ihm deshalb die Legitimation, die er im samâdhi zu erlangen gehofft hatte. Deshalb haben auch seine weitgreifenden Pläne für Deutschland, Europa und Amerika keine Chance einer Realisierung. Sogar ein Rückschritt hinter das bisher Erreichte deutet sich an, denn das spirituelle Scheitern in Indien prägte nicht nur Hübbe-Schleidens zukünftiges Verhältnis zu diesem Land, sondern hatte Auswirkungen auch auf die Entwicklung der theosophischen Bewegung in Deutschland.

Die Rolle, die er vor seiner Reise nach Indien in der Theosophischen Bewegung in Deutschland gespielt hatte, nimmt er nach seiner Rückkehr nicht mehr im vollen Umfange auf. Vor diesem Hintergrund und des schwächelnden Zustandes der theosophischen Bewegung in Deutschland, wie ihn Hübbe-Schleiden in den Tagebüchern Annie Besant gegenüber schildert, erscheint nicht nur der Auftritt Rudolf Steiners (1861-1925) als Generalsekretär der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft, sondern auch die spätere Abspaltung der Anthroposophen geradezu als eine notwendige historische Konsequenz. Zurückschauend möchte man die These wagen, daß in Indien im spirituellen Scheitern Hübbe-Schleidens die Entstehung der Anthroposophischen Gesellschaft81 unter Rudolf Steiner, trotz vieler kleiner Ablösungsschritte, bereits im Kern angelegt ist.“

Wilhelm Hübbe-Schleidens „Indisches Tagebuch 1894/1896“ ist tatsächlich ein Tagebuch und kein verkappter Roman, was es als Dokument, weniger als Unterhaltung interessant macht. Der Sprachduktus ist so:
„Nervenzustand sehr erschöpft. Gehirn dem Zusammenbruch nahe, nach den Strapazen der Reise und den Überanstrengungen der T.S. Convention und Congress-Tage. Mittags holte sich eine Krähe aus meinem River-Bungalow zwei Bananen, die ich mir Frühstück zur Erfrischung aus dem Eßhause mitgebracht hatte. Abends kurzer Spaziergang mit Capt. Banon, dann bis spät gearbeitet.“ Das hervorragende und umfassende Vorwort und die zahlreichen Anmerkungen machen es zu einer interessanten Quelle für alle, die mehr über die Theosophische Gesellschaft vor der Konstitution der Anthroposophischen Gesellschaft erfahren möchten.

Es ist als PDF- Download hier zu finden. Es umfasst 670 Seiten.
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Abenteuer Anthroposophie

Rüdiger Sünners gleichnamiger Film in Trailerform- d.h. in 7 Minuten verdichtet. Wirkt dadurch etwas spröde. Den Auftritt von Zander finde ich bemerkenswert. In Bezug auf die Rassenaussagen Steiners teile ich dessen „historische Einbettung“ dieser Ansichten. Heute ist der rassistische Aspekt in gar keiner Form zu leugnen. Ich habe solche Aussagen, nochmals komprimiert, in Norbert Glas´ merkwürdigen phänomenologischen Arbeiten gegeißelt.

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Die ungedeckten Worte

Die wunderbare schöne neue Welt kommt heute im Reiseblatt der FAZ (Nr 191, Seite R1) daher als ein Bericht über Abu Dhabi. Auch hier werden virtuelle, aber dennoch real zu bereisende Urlaubsfantasien wahr, und zwar in einem riesigen Freizeitpark von 200000 Quadratmetern- alles unter einer roten Zeltplane und klimatisiert. Momentan wird gerade gebaut: „Wir besehen uns die Menschen, die über, unter, links und rechts von uns an der Arbeit sind. Sie bilden lange Ketten und reichen sich Materialien an. Sie entstauben und streichen. Sie sitzen auf künstlichen Ahornbäumen und montieren Zweige.“

Aber montierte Ahornzweige gibt es natürlich nicht nur in Golfstaaten mit bizarrem Reichtum, nicht nur in Hollywood- Blockbustern und Spielhallen. So etwas bringen in übertragenem Sinne auch Anthroposophen zustande, die sich pseudo- okkultistisch mit ungedeckten Worten umgeben. So formulierte Georg Kühlewind jedenfalls in seinem kaum verklausulierten Zorn:

Über die Erfahrungen eines Geistesforschers zu sprechen, wenn man sie nicht selbst vollziehen kann, ist nur in dem Sinne berechtigt, dass man sie als den Bericht eines Geistesforschers auffasst, nicht aber sich so auf sie beruft, als wären sie für mich Wirklichkeit. Die ungedeckten Worte, das Reden über Nicht- Erfahrenes, die Verstandeskombinationen von Erfahrungselementen, die keine eigenen Erfahrungen sind, all dies bildet eine isolierende Schicht von unrichtigen Vorstellungen, denen die Wahrnehmungsseite fehlt, die durch Vorstellungselemente aus der Sinnes- oder Vergangenheitswelt ersetzt wird, eine isolierende Schicht, die den so Sprechenden und meistens seine Zuhörer immer mehr von der Realität trennt: von der Realität der Gegenwärtigkeit, des Geistes, von der äußeren und inneren Realität.
Der Missbrauch des Wortes führt zu einem Illusionismus, der das hervorstechende Merkmal hat, das, was nur als Illusion gegeben ist, zu behaupten, wodurch wiederum die Illusion verdeckt und ihre Verwirklichung verhindert wird. Das gilt für die Beteuerung des „esoterischen“ Charakters, der „Wichtigkeit“, der „Weltbedeutung“ usw. Gäbe es das alles, würde man es nicht beteuern müssen. Die Beteuerung ist gerade das Zeichen für die Irrealität der Behauptung
.“ (Kühlewind, Die Diener des Logos, 1981, S. 92)

Derlei Illusionismus begegnet einem in der Szene auch heute noch auf Schritt und Tritt- in den Sonntagsansprachen der diversen Breviere, aber auch in Büchern anerkannter Repräsentanten. Die neuen Medien tragen ihren Anteil dazu bei, dass die frohe Kunde des ungedeckten Worts sich quer durchs Internet verbreitet und durchaus wesentlich mehr Anhänger findet als nüchterne Recherchen. So schart eine Enddreissigerin bei Facebook 360 Anhänger um sich, die an ihren Lippen hängen, weil oder obwohl sie behauptet, die Reinkarnation Rudolf Steiners zu sein. Von den blutenden Wundmalen einer Judith von Halle und ihren visionären Eingebungen ganz zu schweigen. Wir sind heute -technologisch, medial, aber auch spirituell - noch einen Schritt tiefer gesunken als zu Kühlewinds Zeiten vor vielleicht dreissig Jahren. Heute werden vielfach nicht nur Bände mit geraunten „Geheimnissen“, Verschwörungen und geheimen Logen gefüllt, heute bekommt die Ungedecktheit eine eigene Dynamik und nimmt visionären Charakter an. Dort wo das auftritt, taumelt stets eine Gemeinschaft von Gläubigen hinterher. Offensichtlich folgt der illusionären Ungedecktheit eine Art Gärung, der immer fantastischere Erfahrungen und Behauptungen entspringen.
Abu Dhabi ist überall.
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"Rudolf Steiner und die Anfänge der Theosophie"

Robin Schmidts neues Buch „Rudolf Steiner und die Anfänge der Theosophie“ setzt sich mit dem personellen, geistigen und organisatorischen Umfeld der Theosophie des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts auseinander, aus dem sich Rudolf Steiners Anthroposophie entwickelt hat. Auch die Ursprünge der theosophischen Bewegungen - die in Abgrenzung zu in der Mitte des 19. Jahrhunderts verbreiteten spiritistischen Bewegungen entstanden sind- werden detailliert betrachtet. Obwohl man zu diesem Thema einiges gelesen hat und eine Reihe von Fakten bekannt sind, ist die sachliche und gradlinige Darstellung Schmidts erhellend. Anthroposophen blicken gern mit einer gewissen Herablassung auf die theosophische Phase herab. Schmidt dagegen unterlässt solche Bewertungen. Schließlich stellt Anthroposophie ihrerseits zwar eine Abgrenzung von den theosophischen Quellen dar, andererseits waren die persönlichen Bezüge Rudolf Steiners zu einigen Theosophen tief greifend:
„Man darf die Kontakte und den Austausch in diesem Kreis in ihrer Auswirkung für Rudolf Steiner daher nicht zu gering einschätzen; er spricht von einem „freundschaftlichen und intimen Verkehr“, der für ihn biografische und spirituelle Relevanz hatte. Möglicherweise waren das für ihn überhaupt die ersten freundschaftlichen und herzlichen Beziehungen mit Gleichaltrigen, bei denen er sich heimisch und verstanden fühlen konnte“. (S. 101)
Zu diesem interessanten, warmherzigen Kreis gehörte sein Freund Eckstein, aber auch die Frauenrechtlerin Rosa Mayreder und deren Freundin Marie Lang. Die Begegnungen mit dem umtriebigen, geistig beweglichen und höchst aktiven Friedrich Eckstein gehörte nach Steiners Worten zu den „allerwichtigsten meines Daseins“. Er schrieb Eckstein später, „dass ich Ihnen unbegrenzt zu danken habe“. Ähnlich warmherzig schrieb er an Marie Lang, in deren Haus Steiner viele Beziehungen knüpfen konnte. Zu dieser Zeit- 1890- war Steiners Haltung zur Theosophie noch überaus kritisch. Mayreder schrieb, er habe sie ihr gegenüber als „Schwachgeistigkeit“ bezeichnet, die sogar „Gefahren für die geistige Entwicklung“ mit sich bringen könne. Damit waren wohl bestimmte mystische Strömungen um Franz Hartmann gemeint, die nach Steiners Worten „meiner Geistesrichtung völlig entgegengesetzt“ waren.
Dieser ganze Freundeskreis von Architekten, Schriftstellern und Komponisten war offensichtlich wohltuend für Steiner. Er hatte auch nichts dagegen, ab und zu in Kreise „unterzutauchen“ (eine Formulierung in einem Brief von 1891), in denen „recht flott über Yogi, Fakire und indische Philosophie gesprochen“ wurde. Er hatte eben ein verständliches Faible für eine offene Boheme, auch wenn er selbst schon innerlich beschäftigt war - „zwar nicht in mystischer, wohl aber in logisch- ideeller Weise“- mit seinen Arbeiten zur „Philosophie der Freiheit“. Auch 1894 bezeichnet er sich in einem Brief an Eduard von Hartmann als „Feind aller Mystik“.
Dass er wenig später nun ausgerechnet Generalsekretär der Theosophischen Gesellschaft wurde, erscheint vor diesem Hintergrund einigermaßen rätselhaft. Die Schritte dorthin stellt Schmidt dar. Das Spannungsfeld, in das Steiner damit eintrat- voller Intrigen, ständiger Streitigkeiten, Abspaltungen und obskurer Behauptungen- hatte von Anfang an innerhalb der Theosophischen Gesellschaft bestanden. Auch die Auseinandersetzungen zwischen eher „christlichen“ und eher „buddhistischen“ Richtungen bestanden sehr früh.
Schmidt arbeitet das „kulturgeschichtliche Umfeld“ (Buchumschlag) der theosophischen Bewegung heraus, und zwar auf spannende Art und Weise. Es ist einfach auch ein sehr gut geschriebenes Buch, das man ungern weglegt.
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Im kleinen Finger

„Nehmen wir einmal, um es radikal zu sagen, was ich aussprechen will, einen normalen Menschen der Gegenwart, der sich redlich ernährt, seine gehörige Anzahl von Stunden schläft, frühstückt, zu Mittag und zu Abend isst und so weiter, und der auch geistige Interessen hat, sogar hohe geistige Interessen, der Mitglied, sagen wir, einer theosophischen Gesellschaft wird, weil er geistige Interessen hat, da alles mögliche treibt, um zu wissen, was in den geistigen Welten vorgeht. Nehmen wir einen solchen Menschen, der sozusagen im kleinen Finger alles dasjenige hat, was in dieser oder jener theosophischen Literatur der Gegenwart notifiziert wird, der aber sonst nach den gewöhnlichen Usancen des Lebens lebt.

Nehmen wir ihn, diesen Menschen! Was bedeutet all sein Wissen, das er sich aneignet mit seinen höheren geistigen Interessen? Es bedeutet etwas, was hier auf der Erde ihm einige innerliche seelische Wollust bereiten kann, so einen richtigen luziferischen Genuss, wenn es auch ein raffinierter, verfeinerter Seelengenuss ist. Es wird nichts davon durch des Todes Pforte getragen, gar nichts davon wird durch des Todes Pforte getragen.

Denn es kann unter solchen Menschen - und sie sind sehr häufig- solche geben, die, trotzdem sie im kleinen Finger haben, was ein Astralleib, ein Ätherleib und so weiter ist, keine Ahnung davon haben, was vorgeht, wenn eine Kerze brennt. Sie haben keine Ahnung davon, welche Zauberkunststücke aufgeführt werden, damit draußen die Tramway fährt. Sie fahren zwar damit, aber sie wissen nichts davon.

Aber noch mehr: sie haben zwar im kleinen Finger, was Astralleib, Ätherleib ist, Karma, Reinkarnation, aber sie haben keine Ahnung davon, was gesprochen wird, angestrebt wird zum Beispiel heute in den Versammlungen proletarischer Menschen. Es interessiert sie nicht. Es interessiert sie nur, wie der Ätherleib ausschaut, wie der Astralleib ausschaut, es interessiert sie nicht, welche Wege das Kapital macht, indem es seit dem Beginn des. 19. Jahrhunderts die eigentlich herrschende Macht geworden ist.

Das Wissen von Ätherleib, Astralleib, das nützt nichts, wenn die Menschen gestorben sind. Gerade das muss man aus einer wirklichen Erkenntnis der geistigen Welt heraus sagen. Es hat erst dann einen Wert, wenn dieses geistige Erkennen das Instrument wird, um unterzutauchen in das materielle Leben und da im materiellen Leben dasjenige aufzunehmen, was in den geistigen Welten selber nicht aufgenommen werden kann, was aber hinein getragen werden muss.“
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R. Steiner, Die Sendung Michaels, 12.12.1919, S. 166ff
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"Recherchen auf dem Anthroposophenhügel"

Schön angestaubt:

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Neues aus Birk

Über Pfarrer Benesch, der als glühender Nationalsozialist, evangelischer Pfarrer und Dorfherrscher mit angeschlossenen Schlägertrupps bekannt wurde, nach dem Krieg seine Schäflein in den Westen brachte und in der Christengemeinschaft untertauchte, um auf distanzlose Art und Weise zahllosen Menschen persönliche spirituelle Anleitungen zu geben, aber sich auch gern frommen anthroposophischen Studentinnen per direktem Körperkontakt näherte, ist in diesem Blog viel geschrieben worden. Das eigentliche Problem war nicht einmal die Karriere dieser manipulativen Person, nicht nur das Wegducken vor dessen herrischem Auftreten, sondern das lang andauernde, beharrliche Leugnen der Wahrheit über die Vergangenheit Beneschs innerhalb der Christengemeinschaft. Hans-Jürgen Bracker macht nun noch einmal auf eine Blognotiz aufmerksam, die beschreibt, wie es in dem Dörfchen Birk nach dem Weggang Beneschs weiter ging. Nach Jahrzehnte währenden Verfalls scheint sich die Gemeinde nun wieder - mit Unterstützung der ehemaligen Bewohner- etwas zu organisieren und verkauft sogar bäuerliche Produkte. Zwar nicht die legendäre Hirnwurst wie zu Beneschs Zeiten, aber immerhin Kräutersalze:

„Die Feier hat mit dem Gottesdienst in der überfüllten evangelischen Kirche begonnen. Das Thema war „Der Himmel steht über alle“ und wurde zweisprachig geführt. Geleitet wurde die Zeremonie in der Kirche von dem evangelischen Pfarrer Zoran der die besondere Ehre hatte das Ornat seines Vorgängers Friedrich Benesch anziehen zu dürfen. Musikalisch untermalt wurde die Feier von Familie Kaufmann aus Deutschland und Frau Gerte Vöge aus Spanien. Gudrun Kaufmann ist nämlich die Tochter des ehemaligen Pfarrers Benesch und ist wie auch ihre Kusine Gerte Vöge in Birk geboren. Benesch war zwischen 1934 und 1944 Pfarrer in Birk und ist gleich nach dem Krieg nach Deutschland gezogen.“
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"Real Anthroposophy!"

Joel Wendts erster YouTube- Vortrag über „Real Anthroposophy“. Sehr heroisch, sehr amerikanisch und etwas merkwürdig. Aber hat er im Hintergrund tatsächlich Micky Maus auf dem Regal stehen?
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#wir lieben menschen

„#wir lieben menschen“ ist der neue Slogan der (teilweise) anthroposophischen Zeitschrift Info3, die gerade einen Relaunch auch ihrer Website erlebte.
Im ersten Augenblick bleibt unklar, was damit gesagt werden soll. Ob die Mitarbeiter sich selbst als „liebe Menschen“ einschätzen? Oder ob sie einen Slogan der Heilsarmee zweckentfremden und einfach ab jetzt Jeden unbesehen lieben, einfach mal so? Ob sie Idi Amin geliebt hätten, würde er noch leben? Wie so vieles, bleibt der Sinn des Slogans dem Uneingeweihten vorerst im Dunkeln.



Oder leidet die Redaktion, obwohl sie das Christentum erklärtermaßen nicht schätzt, selbst unter einem Jesus- Syndrom? Man weiss es nicht. Wahrscheinlich geht bald einer (ich weiss, wer) auf dem Wasser?
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Der Geist, der nicht schreit

„Der Zusammenhang zwischen der Menschenseele und der geistigen Welt wird gefunden werden in intimen Kräften der menschlichen Seele; in Kräften, welche diese menschliche Seele entwickelt, wenn sie Aufmerksamkeit entfaltet, innere, stille, ruhige Aufmerksamkeit, zu der sich der Mensch erst wiederum erziehen muss, nachdem er im materialistischen Zeitalter gewöhnt worden ist, Aufmerksamkeit auf dasjenige allein zu verwenden, was sich ihm mit Wucht von außen aufdrängt, was gewissermaßen an das Auffassungsvermögen heran schreit.

Der Geist, der im Innern erlebt werden soll, der schreit nicht, der lässt auf sich warten, und man kommt ihm nahe, wenn man versucht, sich vorzubereiten auf dieses Nahekommen.“

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Rudolf Steiner, Gesamtausgabe 175, Seite 36
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Ich bin..


GA 267
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Das Ergreifen des Moments des Aufwachens

„Würde die Geistesgegenwart in ausgiebigerem Sinne bei den Menschen heran erzogen, so würden heute schon alle Menschen reden können von geistig-übersinnlichen Impressionen, denn sie drängen sich eigentlich im eminentesten Maße auf beim Einschlafen und Aufwachen, insbesondere beim Aufwachen. Nur weil so wenig heran erzogen wird, was Geistesgegenwart ist, deshalb bemerken die Menschen das nicht.

Im Momente des Aufwachens tritt ja vor der Seele eine ganze Welt auf. Aber im Entstehen vergeht sie schon wiederum, und ehe sich die Menschen darauf besinnen, sie zu erfassen, ist sie fort. Was sich da abspielt im Momente des Aufwachens, das sind nicht Lebensreminiszenzen. Sie sind sehr gut zu unterscheiden von Lebensreminiszenzen, diese flutenden Gedanken.

Die Gedanken, die ich jetzt meine, sie stellen sich wie ganz objektiv dar gegenüber dem eindringenden Ich und dem astralischen Menschen, und man merkt ganz genau:
man muss passieren den Ätherleib; denn solange man den Ätherleib passiert, bleibt alles traumhaft. Man muss aber auch passieren den Abgrund, den Zwischenraum – möchte ich sagen, wenn ich mich recht uneigentlich, aber dadurch vielleicht deutlicher ausdrücke –, den Zwischenraum zwischen Ätherleib und physischem Leib, und schlüpft dann in das volle Ätherisch-Physische hinein, indem man aufwacht und die äußeren physischen Eindrücke der Sinne da sind.

Man kommt auf dem Wege einer solchen Beobachtung zu der Erkenntnis, dass sich zwischen unserem physischen Leib und Ätherleib, gleichgültig ob wir wachen, ob wir schlafen, immerzu Vorgänge abspielen, die eigentlich im webenden Gedankensein bestehen. Dieses webende Gedankenleben kommt eigentlich so, wie es ist, im Wachzustande nicht zu unserem Bewusstsein. Wenn wir nämlich aufgewacht sind, schlüpfen wir mit unserem Ich und mit unserem astralischen Leib in unseren physischen Leib hinein. Sie werden, indem Sie das Sinneswahrnehmungsleben in sich haben, mit den äußeren Weltengedanken, die Sie sich bilden können an den Sinneswahrnehmungen, durchdrungen und haben dann die Stärke, dieses objektive Gedankenweben zu übertönen.

An der Stelle, wo sonst die objektiven Gedanken weben, bilden wir also gewissermaßen aus der Substanz dieses Gedankenwebens heraus unsere alltäglichen Gedanken, die wir uns im Verkehre mit der Sinneswelt auf die eben angedeutete Weise ausbilden. Gewissermaßen in derselben Region unseres menschlichen Wesens ist beides vorhanden: das objektive Gedankenweben und das subjektive Gedankenweben. Das objektive Gedankenweben, wenn es wahrgenommen wird, wenn wirklich eintritt, was ich geschildert habe als das geistesgegenwärtige Ergreifen des Momentes des Aufwachens, dieses objektive Gedankenweben wird nicht als bloß Gedankliches erfasst, sondern es wird erfasst als dasjenige, was in uns lebt als die Kräfte des Wachstums, als die Kräfte des Lebens überhaupt.

Diese Kräfte des Lebens sind verbunden mit dem Gedankenweben. Sie durchsetzen dann den Ätherleib nach innen; sie konfigurieren nach außen den physischen Leib. Was in dieser Art in uns ist, wir nehmen es als ein innerliches Weben wahr, das aber durchaus ein Lebendiges darstellt. Das Denken verliert gewissermaßen seine Bildhaftigkeit und Abstraktheit. Es verliert auch alles das, was scharfe Konturen sind. Das Weltendenken webt in uns.

Wir erfahren wie wir mit unserem subjektiven Denken untertauchen in dieses Weltendenken.“

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Rudolf Steiner, GA 207, Seite 51ff
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Standpunkt des gewöhnlichen Begreifens

Auch geistige Arbeit in dem Sinne, wie es anthroposophische Forschung meint, ist auf Verbalisierung und Dialog ausgelegt und angewiesen. Die Erkenntnisse werden erst zu dem, was sie sind, wenn sie formulierbar werden. Auch diese „Wahrnehmung“ benötigt eine Begrifflichkeit, muss diese aber erst schöpfen, da es passende Worte nicht dazu gibt. Sprachliche Konturen nimmt die Sache aber erst an, wenn diese im Dialog entstehen. Daher suchen und finden sich entsprechend Interessierte unabhängig von äußeren Institutionen und Traditionen.
So jedenfalls interpretiere ich folgende Textstelle von Rudolf Steiner:

„Die Menschen sind wiederum in das Stadium eingetreten, wo sie ein Auge brauchen für die geistige Welt, in die sie eintreten nach dem Tode. Und dieses Auge werden sie nicht haben, wenn sie es sich nicht hier auf Erden erwerben.

So wie das physische Auge im vor- irdischen Dasein erworben werden muss, so muss das Auge für das Wahrnehmen des Übersinnlichen nach dem Tode hier durch Geisteswissenschaft, durch geistiges Erkennen erworben werden. Nicht durch Hellsehen, das ist jedes Menschen eigene Sache, aber durch Verstehen mit dem gesunden Menschenverstand dessen, was durch hellseherische Forschung erkundet wird.

Dieses geistige Auge muss sich der Hellseher ebenso erwerben, wie es der andere Mensch auch erwerben muss. Was man durch imaginative Erkenntnis erworben hat, was man erschaut hat, verfällt nach wenigen Tagen. Es verfällt nur dann nicht, wenn man es auf den Standpunkt des gewöhnlichen Begreifens heruntergebracht hat. Man ist gezwungen, diese Sache dann ebenso zu begreifen, wie sie der begreift, dem man sie mitteilt.“

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Rudolf Steiner, GA 218, Seite 326f
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In der Armut sein

„Auf dem Gebiet des Seelisch-Geistigen gibt es kein „Haben“. Es gibt auch kein „Sich-Berufen“ auf etwas, auf Vergangenheit, Geschehnisse, Prinzipien. Denn auf diesem Gebiet der Unvergangenheit gibt es kein „Etwas“.

Die Ergebnisse einer Fähigkeit dürfen nicht verwechselt werden mit der Fähigkeit selbst - und auf der Ebene des Lebens oder der Gegenwärtigkeit gelten allein Fähigkeiten. Das „Gestern“ darf nur als Fähigkeiten weiterwirken.

So besteht das Sein in dieser Sphäre im andauernden Verzichten auf das Eben- Errungene, im Suchen- Bleiben, im steten Überwinden des Gefunden- Habens, im immerwährenden Werden. Wer „hat“, „gefunden hat“, wer nicht verzichtet, fällt aus diesem Bereich heraus. In der Armut sein, in der Armut bleiben ist die einzige Art, in der Gegenwärtigkeit zu weilen. Denn nur die Armut hat die Anziehungskraft für das Immerneue.“

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Georg Kühlewind, Die Erneuerung des Heiligen Geistes, Stuttgart 1992, S. 57
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In keiner Art zu wünschen

„In keiner Art zu wünschen, bevor man das Richtige auf einem Gebiete erkannt hat, das ist eine der goldenen Regeln für den Geheimschüler.“


Rudolf Steiner, GA 10, S.93
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Unser Ich, das sich im Geistigen selbständig halten und tragen kann

„In reinen Gedanken denken, ist Denken des esoterischen Schülers, wenn er z.B. über die Weltentstehung oder die Menschwerdung denkt. Dadurch wird vorbereitet, was durch Meditation und Konzentration erreicht wird: eine Lockerung der menschlichen Wesensglieder.

Wird eines dieser Glieder in Verhältnis zu den anderen zu schnell gelockert, so treten grosse Disharmonien und Missverhältnisse hier auf der physischen Ebene auf. Die zu schnelle Lockerung des Ich z.B. bewirkt Nervosität. Erst soll daher das Ich im Astralleib, dann der Astralleib im Ätherleib gelockert werden, dann dieser im physischen Leibe.

Das ist durch das gewissenhafte Studium möglich, wodurch das Ich zuerst einen Halte- und Stützpunkt erlangt, ehe es sich im Astralleibe lockert.

Da die Logik des Denkens auf allen Ebenen die gleiche ist, so ist es notwendig, sich erst auf dem physischen Plan diese Logik anzueignen, um nicht in den höheren Welten in Verwirrung zu geraten. Doch soll man nicht nur Gedanken denken, die aus der Sinneswelt entnommen sind- auch nicht drauflos experimentieren- sondern abstrakte Gedanken, die rein geistige sind.

Dadurch finden wir unser Selbst, unser Ich, das sich im Geistigen selbständig halten und tragen kann. Das ist er erste Schritt, um uns rein im Geistigen zu finden.

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Aus: R. Steiner., Esoterische Stunde, 1.11.1907, Berlin
Quelle ist das neu eröffnete Uranos- Archiv mit auch unveröffentlichten Texten Rudolf Steiners
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Wilfrid Jaensch kreist um die "wahre Natur des Ich"

Schon wieder ein Buch des „Verlages am Goetheanum“? Was ist das denn? Kriegt der Blogautor Prozente oder wenigstens Belegexemplare? Den Zweiflern und Nörglern können wir im reinen Pfingstgeist, der über uns gekommen ist, versichern: Ja, wir verdienen uns dümmlicher und dämlicher denn je und lassen uns auf einer ayurvedischen Menschenfarm mit quecksilberhaltigen Ölen voll schmieren. Zu dem Autor, um den es hier geht, Wilfrid Jaensch, kann man sowieso nichts sagen, und zu seinem Buch („Was ist die wahre Natur des Ich?“) auch nicht. Zum grossen Teil handelt es sich um die Niederschrift eines Vortrags, den Jaensch 2004 im Rahmen der Tagung „Die soziale Frage im Zeitalter der Globalisierung“ im Rudolf-Steiner Haus in Berlin gehalten hat. Er hat sich über das Tagungsthema ebenso wie über das Thema seines Vortrags offenbar geärgert und es den Veranstaltern und Gästen heimgezahlt, indem er sämtlichen Erwartungen nicht entsprochen hat. Jaensch mag Begriffe wie „Globalisierung“ und „soziale Frage“ nicht. Er täuscht begriffliche Willkür vor, wie ein Dribbling vor dem Torschuss, aber Torschüsse mag Jaensch auch nicht. Um „Schnarchen“ zu vermeiden, spannt er Bögen zwischen Ramses II und Computern, um nur mal ein beliebiges Beispiel zu nennen. Aber zwischen den Dribblings bemerkt man, dass Jaensch, indem er keinen Umweg vermeidet, zielstrebig um den Punkt kreist, auf den es ankommt.

Reden wir nicht drum herum, lassen wir ihn selbst zu Wort kommen:
Frei kommt von Freya, der germanischen Göttin der Liebe und des Todes. Ich mache den freien, also tödlichen Satz über den Abgrund. Den Satz der Liebe. Ich stürze mich selbst und mein „Ich denke“ in das kochend fließende eiserne Meer des Lebens. Ich stürze mich selbst vereinigend ion das Leben, in welchem mein „Ich denke“ ertrinkt, erlischt, verbrennt und verschlungen wird. Indem ich selbst verschwinde, höre ich aus dem eisern kochenden Meer des Lebens einen Satz, der nicht mehr der meinige ist. Der Satz lautet: „Ich bin“. Das „Ich“ ist die Selbstaussage des allgemeinen, sich selbst denkenden Lebens, das aus allen einzelnen Lebewesen erschallt.“ (S. 42)

Auf Jaenschs Blog hatten wir ja schon aufmerksam gemacht. Texte, Fotos und Grafiken gibt es bei Facebook, hier eine Veranstaltung mit Jens Prochnow:
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Anthroposophie als Ich- Berührung

Ich habe es versprochen, nun habe ich den Salat: Die Besprechung von Wolf-Ulrich Klünkers neuem Buch „Anthroposophie als Ich- Berührung“ steht noch aus. Es handelt sich um 25 kleine Meditationen, nicht um einen auf den ersten Blick zusammenhängenden Text. Das macht die Besprechung schwer. Andererseits zieht sich dennoch ein roter Faden durch das Buch; es handelt sich um eine Perspektivverschiebung auf alle möglichen Aspekte im Verhältnis von praktiziertem geistigem Leben einerseits und den geistigen, seelischen, leiblichen und sozialen Bedingungen andererseits. Das Buch ist im typisch anthroposophischen Sprachstil gehalten, aber sicherlich in vielen Aspekten übertragbar auf andere Erkenntnis- und Schulungswege, wenn sie denn modern, reif und erwachsen daher kommen.

Das scheinbar Konventionelle in der Sprachgebung täuscht aber: Ständig ist Klünker bemüht, klassische anthroposophische Begriffe auf heutige Phänomene (und auch Krankheitsbilder) zu beziehen. Man merkt Klünker an, wie vorsichtig und sorgsam er dabei vorgeht und dass er sich an keiner Stelle nahe liegende, simple Zuweisungen gestattet. So kommt er z.B. zu einer Betrachtung, in der die klassischen Schritte von Imagination- Inspiration- Intuition heute kein ferne liegendes Ziel mehr darstellen, sondern Selbsterneuerungskräfte sind, die die gesamte innere seelisch- geistige Landschaft beleben sollen und müssen: „Wille und Ich- Aktivität“ sollten „spätestens in der Lebensmitte (..) in das Denken einziehen“, ohne das Horchen auf inspirative Fähigkeit „entindividualisiert sich das menschliche Fühlen“ und ohne eine „Intuition“, die in der Lage ist, umfassend „die eigene Denk- und Gefühlslage“ zu überblicken, gleitet der Wille ins Depressive oder chaotisch Unbewusste ab. Das, was vor hundert Jahren „Schulungsweg“ gewesen sein mag, stellt sich bei Klünker für die Moderne als eine Art Hygiene dar: Meditation ist der Faktor, der verkrustende seelische Prozesse beleben und erneuern kann.

Dabei geht es ihm um eine realistische Selbsteinschätzung. Heute sollte man nicht vor Ehrfurcht erstarren in Erwartung „der „großen“ geistigen Einsicht oder der „objektiven“ Geistwirksamkeit“: Es kommt vielmehr auf das „individuelle geistige Verhältnis, das ich im Laufe meines Lebens ausbilden kann“, an; meine persönliche „Qualifikation geistiger Wirklichkeit“. Anthroposophie versteht Klünker als einen Vermittler für die individuelle Tastbewegung; fertig und abgeschlossen ist hier nichts. Klünker postuliert daher keine scheinbar objektiven „geistigen Tatsachen“, sondern fragt vorsichtig: „Zu welchem Aspekt geistiger Wirklichkeit kann ich mich realistisch in Beziehung setzen?“

Diese Haltung, die ja vor allem dem verbreiteten Kulturpessimismus eine Absage erteilt und auf die Würde und Selbstaktivierung des Individuums setzt, fällt in Klünkers Augen auch als „Anspruch, den die Anthroposophie an sich selbst stellen muss“, auf diese zurück. Denn „niemand will mehr Deutungen, Weltanschauungen vom Menschen sehen, sondern den Menschen selbst.“ Die Zeiten, in denen sich Anthroposophie als „Lehre“ verstand, sind ein für allemal vorbei: „Die Überzeugungskraft liegt nicht im Begriff, sondern im Sein- genauer in demjenigen Begriff, der im Menschen Sein geworden ist.“

In diesem Sinne bewegt sich Klünkers Buch an der Nahtstelle der individuellen und kollektiven Schwellen. Ein zentrales, immer wieder kehrendes Thema ist auch das der Krankheit. Die „mitgebrachte leiblich- seelische Konstitution“ des Menschen stellt heute für das sich emanzipierende Ich nicht immer eine dauerhaft tragende Grundlage dar. In der Nähe der Schwelle kann sich das, was wir als „Krankheit“ zu bezeichnen gewohnt sind, durchaus auch als Chance erweisen, inneren Suchbewegungen Kraft und Raum zu vermitteln; Krankheit kann Chance sein und sollte so auch verstanden werden. Ein -vielleicht temporär- prekäres Verhältnis zur Leiblichkeit kann Anstoss zu einem Aufbruch werden.

Klünkers Buch löst das ein, was der Autor vertritt: Eine freie, unbefangene Positionsbestimmung von anthroposophischer Arbeit und Kultur heute. Anthroposophie versteht sich hier als ein praktizierter Weg jenseits der Katechismen und begrifflichen Einbahnstrassen. Daher finden sich zwar bei Klünker mehr Fragen als Antworten, aber auch mehr Anregungen als anderswo. Es ist eine Freude, so etwas zu lesen.
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Wolf-Ulrich Klünker: Über Inkarnationsstörungen und Geisterfahrung

In seinem neuen Buch (März 2010) schreibt Wolf- Ulrich Klünker:
„Darüber hinaus zeigt sich immer deutlicher das Problem, dass die mitgebrachte leiblich-seelische Konstitution nicht mehr die ganze Biographie über für das Ich eine tragfähige Grundlage bildet. Die individuell vorgefundenen seelisch-leiblichen Gegebenheiten können sich als für das Ich nicht handhabbar, als Gegenkraft für Ich-Intentionen oder als krankheitsanfällig darstellen. Das Ich kann sich innerhalb eines solchen Leib-Seelen-Gefüges nur schwer greifen. Solche Schwierigkeiten sind früher ungefähr von der Lebensmitte an für manche Menschen biographisch relevant geworden. In-zwischen ist schon an Kindern und Jugendlichen spürbar, dass sich geistige Individualität und Leib-Seelen-Konstitution widersprechen können. Daraus entstehen zuweilen Krankheitssymptome, die im Hinblick auf die zugrunde liegende (in dem beschriebenen Sinne „konstitutionelle“) Ursache recht wenig aussagefähig sind. Vielmehr kann hier ein Inkarnationsproblem vorliegen, das darauf hinweist, dass das Ich gegenwärtig und zukünftig vor der Aufgabe steht, die eigenen seelisch-leiblichen Existenzvoraussetzungen selbst mitzugestalten.

Zu den biographischen Erfahrungen gehört auch immer öfter, dass das eigene Selbstgefühl gefährdet ist – entweder als Folge oder auch als Ursache der leiblich-seelisch konstitutionellen Schwächung. Wenn das Selbstgefühl unsicher wird, beginnen die inneren Beziehungen zur Welt und zu anderen Menschen zu schwanken: es fehlt der Bezugspunkt im eigenen Innenempfinden. (...)

Es könnte inzwischen für viele Menschen eine innere Situation gegeben sein, die eine solche „klassische“ Beziehung von Ich und Geistselbst im Seelenraum nicht mehr ohne weiteres zulässt. Vielleicht muss dann ein Verhältnis ins Auge gefasst werden, in dem sich das Ich zunächst gleichsam michaelisch-abstrakt mit Geistselbst-Kräften in Beziehung bringt; in dem die fehlende Tragfähigkeit von Selbstgefühl und seelischem Innenraum zunächst so weit wie möglich akzeptiert wird; in dem ein zunächst gewissermaßen „abstrakter“ Wille an der eigenen geistigen Tätigkeit festhält, auch wenn diese erst einmal keine positiven Wirkungen in der eigenen seelischen Befindlichkeit zeigt – denn es könnte sein, dass gerade das fehlende seelische Resonanzerleben Ausdruck davon ist, dass eine tiefer leiblich-seelisch gesundende Kraft im Organismus zu wirken beginnt: eine Kraft aus dem Geistselbst-Bereich, die vielleicht erst in einem zweiten Schritt auch zu einer Konsolidierung des seelischen Selbstgefühls und damit auch der Beziehung zur Welt und zu anderen Menschen führen kann.

Dann aber wäre eine Situation gegeben, in der die Beziehung des Ich zum Geistselbst nicht mehr allein darin besteht, dass eine tragfähige seelische Grundlage geistselbstfähig umgewandelt und so eine Beziehung zur Engel-Dimension aufgenommen wird. Vielmehr würde das Ich in den geistigen Bereich hinein arbeiten, aus dem heraus dann seelisch-leibliche Gesundungskräfte wirken und schließlich auch einen neuen seelischen Innenraum mit befriedigendem Selbstgefühl ausbilden. Die Seele wäre dann zunehmend eine Wirkung der geistigen Tätigkeit des Ich, in der das Ich sich der Geistselbst-Kraft öffnet und damit im seelischen Innenraum gestaltend wirkt, unter Umständen bis in den Organzusammenhang hinein. An diese Geistselbst-Wirkung könnten positive Kräfte aus dem Bereich der dritten Hierarchie anknüpfen: Kräfte, die zur Neugestaltung von Seele und Leib in der Lage sind.“

Okay, die Sprache ist gewöhnungsbedürftig und offensichtlich an Insider gerichtet- schade. Wer heute mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat, kann aber den angesprochenen Sachverhalt - ein wenig befriedigendes Selbstgefühl, eine innere Kluft von hoher geistiger und intellektueller Präsenz in einem manchmal eher infantilen seelischen Innenraum- nicht selten beobachten. Ich habe Klünkers Buch noch nicht gelesen, sondern erst bestellt. Das Zitat stammt aus dem Rundbrief AGiD Aktuell- Mai 2010.
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Zitate von Rudolf Steiner zum Thema Gedächtnis und Erinnerung

„Gewissermaßen ist es so: Wenn wir einen Gedanken haben und den später einmal aus der Erinnerung hervorholen, so kommt bei dieser Arbeit des Sich-Erinnern-Wollens unser Ätherleib in Bewegung, und er passt sich mit seinen Bewegungen dem physischen Leib an, und indem er hineinkommt in jene Bewegungen, die dieser Ätherleib bei dem entsprechenden Gedanken in den physischen Leib gemacht hat, kommt der Gedanke wieder herauf ins Bewusstsein.“ (GA 174b, 161)
„Dieselbe Kraft, die wir seelisch als Erinnerungskraft benützen, dient dazu, unsere aufgenommenen Nahrungsstoffe umzuwandeln in solche Substanzen, die von unserm Leib gebraucht werden können. Sie müssen immer einen inneren Kampf, der im Unterbewusstsein sich abspielt zwischen einem Seelischen und einem Leiblichen, ausführen, wenn Sie sich erinnern wollen an irgendetwas. (GA 191, 33ff)

(zusammen getragen von Regina Reinsperger)
zum ganzen Text..

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Tom Mellett: JvH

Tom L.,

I did not realize that you were going to put up photographs on my journal entry. I have no problem with that; however, I do have a big problem with this particular photograph because it is NOT a photo of Judith von Halle. You got the photo from Michael Eggert's fine German Steiner blogosphere site called Egoisten but unfortunately Michael made a real cyber-ass of himself by putting this photo up and mistakenly identifying her as JvH because at the time there were no photos of Judith available anywhere on the Net

However, presently, there are at least two photographs of JvH on the Net and I would ask you to remove the present false photo and replace it with one or both of the following actual photos of JvH, which appear here on this other German blog



Here are the Image locations: 1 / 2

These photos are far more illuminating and far more germane to the subject at hand, namely "clear thinking," because Judith von Halle is pictured last October lecturing to the Academy of Waldorf Pedagogy at the Free High School of Mannheim, Germany. The title of her lecture is "Modern Spiritual Guidance."

As you can see, even from these poor-quality, grainy and distant photos, she's got a captivating winsome charisma mainly because she looks so serenely self-possessed, genial and warm-hearted. (And that irresistible captivation is, to my mind, the real JvH Flu that's infecting everybody.) Even the author of this German blog, who is not sympathetic to anthroposophy at all, makes the point that JvH is not some "other worldly space cadet." Nor is she some stern dowdy schoolmarm type, either. She is at once adorably child-like and professionally competent; at once bubbly, dainty, baby-faced, yet intellectually authoritative. (You might be interested to know that she never stopped working as a professional architect in Berlin since her Stigmata first appeared 5 years ago. )

To me she looks like a Barbi-Doll with Brains dressed up in all-black Victorian Rudolf Steiner clothing. Jeez Louise, she could be a model for "Rudi's Victorian Secret" line of atavistic fashion. Or else a female Johnny Cash, that is, the "Woman in Black!"

And mark my words, Tom, Judith von Halle is the future of the Anthroposophical Society. She is already an esoteric Super-Star, and she looks the part! Move over, Jesus H. Christ. Now we have "Judith von Halle, Super-Star!" You don't believe me? Well, then, consider the following recent facts:

--- JvH just published a new book entitled: "Anthroposophical Perspectives on Dementia". "Die Demenzerkrankung. Anthroposophische Gesichtspunkte."

--- The book was published by a subsidiary of the Goetheanum publishing House in Dornach.

--- Dr. Michaela Gloeckler, former Vorstand member and presently the Head of the Medical Section at the Goetheanum wrote the foreword to the book.

Now consider the following rumors and gossip --- which in the dialect of Classical Anthroposophese, I shall hereinafter refer to as "Anthropoop." ( I really do need to start a spiritual scientific gossip blog and call it "Father Tom's Anthro-Poop Sheet." Nyuk! Nyuk! Nyuk! 8-)

--- Rumor has it that a therapeutic center to accommodate the healing vision and work of Judith von Halle will soon be built in Dornach, close to the Goetheanum.

--- the multi-billionaire Anthroposophist Goetz Werner, who made his fortune in founding a drug store chain in Germany --- like Walgreen's in the US --- has taken such a shine to Judith von Halle, that he is financing the above healing center for her, as well as bailing out the very financially strapped Goetheanum.

--- how much of the bailout is "quid pro quo" I don't know, but don't be surprised if there is an actual section of the Goetheanum School of Spiritual Science created expressly for Judith von Halle and her charismatic gifts of the spirit for Anthroposophy

---- Many of Judith von Halle's devoted followers believe her to be the direct reincarnation of Edith Maryon, the sculptor without whom Rudolf Steiner could not have carved the Representative of Man group.

Anyway, Tom, I just wanted to give you a real "head's up" on the Judith von Halle phenomenon because it far transcends any previous ideas and mental images you or others may have about her and about Stigmatization. For example, I, as born and baptized Irish Roman Catholic, was flabbergasted to learn that Judith von Halle is not Catholic. Nor is she Protestant. Her parents are Jewish!!! Previously, I had been under the mistaken impression that only Catholics could get the Stigmata.

I'm out here in Hollywood, Tom, already sifting through possible actresses to play JvH in the future movie about her. As of today, I'm settling on Kristen Stewart, whom you can see right now playing punk singer Joan Jett in the "Runaways" movie. What actress would you pick, and what would you like to see represented in the JvH screenplay?

Tom Mellett
Los Angeles, CA
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Die tollenden Alten

„Allmählich kann man ja im Alter den physischen Körper nicht mehr gebrauchen; schon aus dem Grunde nicht, weil sich ungeheuer viel Kalk einlagert, namentlich in die Adern. Aber in demselben Maße, in dem, sagen wir zum Beispiel bis zum 40. Jahre vom Kopf herunter die Entwickelung in den ganzen Körper hineingeht, in demselben Maße geht es wiederum zurück.

Kommt man von den vierziger in die fünfziger Jahre hinauf, so muss man wiederum die Brust mehr gebrauchen, und im Alter muss man wieder mehr den Kopf gebrauchen. Aber jetzt müsste man im Alter wiederum den feineren Kopf, den Ätherkopf gebrauchen. Aber das lernen die Leute in der lateinischen Erziehung nicht. Und gerade diejenigen, die in den letzten Jahrzehnten materialistische lateinische Erziehung genossen haben, die sind am meisten diesem Altersblödsinn ausgesetzt gewesen. Man muss im Alter wiederum auf die Kindheitsstufe zurück. Es gibt ja Leute, bei denen das sehr stark eintritt.

Der Geist bleibt aber ganz erhalten, der Körper wird nur immer schwächer und schwächer. Der Ausdruck: Im Alter wird man kindisch – der hat nämlich seine sehr gute Begründung. Man gelangt wirklich wiederum in die Kindheit zurück. Aber das ist, sobald man Geistesleben in sich hat, kein Unglück, sondern es ist eigentlich ein Glück; denn wenn man noch Kind ist, da kann man nämlich den Atherleib noch benützen. Man benützt denselben Ätherleib, den man als Kind zum Toben benützt hat, dann im Alter zu etwas Gescheiterem.“

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Rudolf Steiner, Gesamtausgabe 350, Seite151f
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Der Todestag Rudolf Steiners

Die WDR- Radio- Sendung „Zeitzeichen“, die übrigens auch per Podcast regelmäßig auf dem Computer zu empfangen ist (unabhängig von den Sendezeiten), erinnert an den 30. März, den Todestag Rudolf Steiners.

Der Beitrag der Autorin Helene Pawlitzki wird am besagten Tag um 9.05 Uhr im WDR5 zu hören sein. Ein wenig hat Rudolf Steiners manchmal eigensinnige Sprachwahl auch schon auf den WDR abgefärbt, der in der Anthroposophie eine der „wirkmächtigsten“ esoterischen Richtungen sieht. In normalem Deutsch sagt man vielleicht „einflussreich“.

Für die, die den WDR nicht empfangen können, bietet sich der Podcast an - oder ein Mithören im Internet (für Windows).

Dank an Ute Reifenberg für den Hinweis!
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Buddha vers. Christus

„Niemals wird von irgendeinem, der aus dem Quell der Rosenkreuzer-Weisheit und -Forschung heraus spricht, gesagt werden, dass irgend etwas bekämpft werden soll vom Inhalt der Schriften des grossen Buddha, dass irgend etwas nicht wahr sei in den Schriften des grossen Buddha. Jeder, der aus dem Quell der Rosenkreuzerei heraus spricht, teilt die Überzeugung Buddhas und der gesamten östlichen Weisheit, keine negiert er. Er sagt: Jawohl, was du, grosser Buddha, durch deine Erleuchtung in deinem Inneren geschaut hast von den grossen Wahrheiten vom Leide des Lebens, es ist restlos wahr; wahr ist es bis zum letzten Häkchen und Jota. -

Nichts, aber auch gar nichts wird davon genommen. Es bleibt alles stehen. Und gerade aus dem Grunde, weil alles stehen bleibt, weil es wahr ist, was Buddha gesagt hat, dass Geburt Leid, Krankheit Leid, Alter Leid, Tod Leid und so weiter ist, deshalb ist uns der Christus- Impuls jenes mächtige und wichtige Heilmittel - weil er es ist, der dieses Leid aufhebt, weil es eben wahr ist, dass die Leiden da sind, wenn nicht ein grosser Impuls die Welt darüber hinaus hebt.

Warum hat Christus gewirkt? Weil Buddha die Wahrheit gesprochen hat.“

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Rudolf Steiner, „Geistige Hierarchien“, Düsseldorf, 12. 04. 1909, vormittags
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Zombies & Demenz- Ein weiteres Buch Judith von Halles



In einem neuen Buch - „Die Demenzerkrankung. Anthroposophische Gesichtspunkte“- geht Judith von Halle, die wir an dieser Stelle schon mehrfach angesprochen haben, über ihre bisherigen thematischen Bezüge wie das Leben Jesu hinaus und widmet sich einem konkreten menschlichen Problem- eben der Demenz. Vielleicht stellt das ja, nachdem Frau von Halle nun auch im Goetheanum auftreten und vortragen darf, auch einen Schritt dar von der Wundererscheinung zur ernsthaften anthroposophischen Autorin. Natürlich ist das reine Spekulation.

Jedenfalls hat das Büchlein auch ein Geleitwort von Michaela Glöckler erhalten und darf somit mit einem gewissen wachsenden Wohlwollen rechnen- auch bei denen, die nicht unbedingt Freunde von Lichtnahrung und Stigmata sind.
Der eigentliche Anlass für Frau von Halles Betrachtungen waren Anfragen bezüglich einer speziellen architektonischen Gestaltung der Umgebung Demenzkranker. Leider geht die Autorin darauf nur kurz am Ende des Buches ein. Praktisch umsetzbar sind ihre diesbezüglichen Anregungen kaum, wünscht sie sich doch runde oder spiralige Räume, die von sehr wenigen Bewohnern in kleinen Wohngemeinschaften bewohnt werden sollen. Die Pfleger sollen nicht im Schichtbetrieb wechseln, sondern kontinuierlich für die Kranken da sein und mit ihnen leben. Das müsste dann wohl eine Art Ordensgemeinschaft sein, die sich nicht nur als medizinisches Personal versteht, sondern bereit ist, ihr eigenes Leben faktisch für die Aufgabe der Betreuung aufzugeben. Frau von Halle weiss sehr wohl, dass das idealistische Utopien sind.


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Ingrid Haselberger: Der Winter kehrt zurück...

- Meine Erfahrungen mit der „dritten Nebenübung“-


Ich folge Steiners Anregung. Zu meiner Verwunderung ist es gar nicht besonders schwierig.
Statt ein muffiges Gesicht aufzusetzen, beobachte ich, was in mir geschieht. Was ist das eigentlich, was da in mir aufsteigt?
Dieses Unbehagen, das ich empfinde, kann eigentlich nicht nur durch Kälte und Schnee verursacht sein. Denn schließlich: den allerersten Schnee in diesem Winter habe ich wirklich freudig begrüßt, und mich auch über die anhaltende Kälte gefreut, sie sogar herbeigesehnt, damit die weiße Pracht nicht allzu schnell wieder dahin ist...

Was ist es also, das mich jetzt vor demselben Anblick unmutig und ungeduldig aufstöhnen lassen will?
Es hat wohl mit Enttäuschung zu tun. 
Ent-täuschung aber bedeutet, daß ich zuvor einer Täuschung erlegen war: ich hatte etwas erwartet, das nun doch noch nicht eingetreten ist. Ich hatte wohl empfunden, daß ich mir nach diesem langen Winter jetzt sofort einen hellen und warmen Frühling "verdient" hätte.
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Die anthroposophische Fallgrube

Dass ich ausgerechnet den bis 1945 äußerst fragwürdigen Autoren und italienischen Anthroposophen Massimo Scaligero auch zur Kritik an der anthroposophischen Methodik heran ziehe, muss schon deshalb befremden, weil er in Deutschland nach wie vor kaum gelesen wird, sein Übersetzer die weitere Arbeit eingestellt hat und seine Bücher durchgängig nur antiquarisch zu haben sind. Von Kritikern wird immer wieder gefordert, Scaligero aufgrund seiner eindeutig faschistischen Vergangenheit völlig zu ignorieren- sein Werk quasi einer internen Bücherverbrennung zu übergeben und den Autor zu vergessen. Allerdings sind seine wenigen übersetzten Bücher aus der Zeit nach 1945 derart dicht, nüchtern und von einer offensichtlichen spirituellen Aufrichtigkeit und Reife, dass ich diesen Forderungen nicht nachgeben möchte. Trotz aller Vorbehalte gegen den Autor sollten diese Arbeiten meiner Meinung nach sogar sehr viel mehr in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gelangen- zumindest für diejenigen, die sich ernsthaft mit meditativen Wegen im Sinne einer Spiritualisierung des Denkens interessieren. Dazu muss man Scaligero keineswegs idealisieren oder die sehr deutlichen Untiefen seiner faschistischen Vergangenheit unter den Teppich kehren.
Die „Fallgrube“, von der im Titel die Rede ist, wird von Scaligero (wiederum: „Traktat über das lebende Denken“) in folgender Weise angesprochen:

„Die Konzentrationsübung verläuft in der richtigen Weise, wenn sie der Gesetzmäßigkeit des von seinem Wesen her wahrgenommenen Denkens entspricht, nicht aber wenn sich Doktrinen der Vergangenheit in ihr ausdrücken, die - in einer Methodik, die früher berechtigt war- dem Denken besondere spirituelle Themen vorgeben, es aber in Wirklichkeit von seiner eigenen reinen Immanenz abbringen. Diese Doktrinen operieren heute mit einem Kanon, der längst gedacht ist, und präsentieren dem Menschen metaphysische Inhalte, die die wirkliche Dynamis des Geistes lähmen.“ (S. 69)

Damit ist gemeint, dass Vorstellungen über die Art und Weise, wie sich spirituelle Erfahrung entwickelt, bereits im Vorfeld des eigenen Übens wie in einer Überlagerung vor das innere Auge legen und damit die sich entwickelnde innere „Immanenz“ praktisch unmöglich machen. Nun hat kaum ein spiritueller Denker durch die publizierten Vorträge ein derart umfassendes Werk wie Rudolf Steiner hinterlassen- ein Werk, das schon vom Umfang her für den Einzelnen kaum zu bewältigen ist. Nur allzu leicht wird die „Dynamis des Geistes“ eben durch diese Inhalte des Werkes, aber auch durch eine unkritische Verehrung dessen, der dergleichen geäußert hat, verhindert. Selbst wenn diese Fallgrube umgangen wird, führt die Bearbeitung des Werks häufig zu einer Metadiskussion esoterischer Inhalte- nicht selten auf hohem abstraktem Niveau. Andererseits verhindern die Vorstellungen darüber, wie „spirituelle Erfahrung“ auszusehen hat, den eigenen realen Erfahrungen zu vertrauen oder sie überhaupt als solche zu erkennen. So entwickelt sich die häufig beklagte typisch anthroposophische Second-Hand-Spiritualität aus geliehenen Vorstellungen oder - in einer Art Salto mortale- eine aufgepfropfte Esoterik, die sich zwar der anthroposophischen Nomenklatur bedient, ihre Quellen aber ganz anderen Richtungen entlehnt. Manchmal entwickelt sich auch eine seltsame Dogmatik, die sich vor allem in der Ablehnung von Erfahrungen Anderer aufbaut und auf eine vorgebliche „Reinheit der Lehre“ pocht.

Die Freiheit, jenseits von Dogmatik, „Inhalten“ und wie auch immer gearteten Vorstellungen dort zu gründen, wo das Denken „noch nicht an ein Objekt“ (Scaligero) gebunden, noch namenlos und formlos sich selbst erfährt, versickert in diesen Fallgruben allzu leicht. Die „Verwirklichung seines Seins, das eins ist mit der Welt“, ist einem Denken, das bereits mit Erwartungen und Vorstellungen besetzt ist, fast unmöglich.

Wenn man Anthroposophie in dieser Hinsicht etwas vorwerfen mag, ist es eben ihre Fülle. Aus ihr muss sich der, der es mit ihr ernst meint, in gewisser Weise auch heraus arbeiten, um sich zu emanzipieren. Der Beginn setzt an einem individuellen Nullpunkt an, an dem „Inhalte“ und Determinationen schweigen.
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Natur & Geist

„Obwohl das reflektierte Denken als denkendes Denken alles zu denken vermag, hat es dennoch nicht die Kraft, den Menschen aus den Fesseln der Natur zu lösen, um sie endlich erkennbar zu machen. Solange sie aber nicht erkannt wird, ist sie nur die falsche oder niedere Natur: so dass der Schmerz, an ihr zu haften und ihr unterworfen zu sein, ausgestanden werden muss.

Aber für das Denken ist es unvermeidbar, an der Natur zu haften, denn nur dadurch kann es das gewöhnliche, gespiegelte Denken sein. Seine innerste Kraft entwickelt es jedoch erst in der Überwindung und Erlösung der Natur, wenn es sich selbst als die Macht erkennen lernt, die der Natur präexistiert.“

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Massimo Scaligero, Traktat über das lebende Denken, S. 65
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Thomas Reinsperger: Nachtodliches Leben und Reinkarnation in Buddhismus und der Anthroposophie



„Ich berufe mich auf meine Notizen von obigem Vortrag und auf den im Internet veröffentlichten Artikel: „Was geschieht, wenn wir sterben“ von Geshe Pema Samten, übersetzt von Oliver Petersen.

Der Sterbevorgang beginnt schon in den letzten Tagen des irdischen Lebens. Die vier Elemente die den menschlichen Körper bilden, beginnen sich schon zu Lebzeiten aufzulösen. Damit sind die alten Elemente Erde (das Feste), Wasser (das Flüssige), Feuer (die Wärme) und Luft, Windenergie (das Bewegende) gemeint.

Das Erdenelement löst sich in das Wasserelement auf, der Sterbende nimmt in einer Art Fata Morgana wahr, als ob Sommerhitze auf einer Straße flimmern würde und seine Kraft lässt nach. Das Wasserelement löst sich dann in das Feuerelement auf, der Sterbende nimmt eine innere Erscheinung von Rauchschwaden wahr, er hört nicht mehr gut und seine Körperflüssigkeiten trocknen aus. Löst sich das Feuerelement im Windelement auf, nimmt der Sterbende das innerlich als „Glühwürmchen“ oder Funkenflug war. Der Körper wird kälter und die Verdauungsfunktion fällt aus. Zuletzt löst sich das Element des Windes in das Element des Bewusstseins auf. Der Sterbende nimmt dies als ein flackerndes Kerzenlicht war. Er kann sich jetzt nicht mehr bewegen, die fünf Sinnesorgane funktionieren nicht mehr. Die Atmung setzt aus. Hier würden die Ärzte nun den Hirntod diagnostizieren. Die geistige Sinneskraft bleibt aber in subtiler Form erhalten und lässt den Sterbenden innere Visionen erscheinen.“

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Rudolf Steiners Einflüsse auf Kunst und Design

Von Regina Reinsperger

In Kürze wird es eine Ausstellung des Vitra Design Museums in Weil am Rhein in Kooperation mit dem Kunstmuseum Wolfsburg und dem Kunstmuseum Stuttgart geben. Das Kunstmuseum Wolfsburg präsentiert vom 13. Mai bis 3. Oktober 2010 die Ausstellung: „Rudolf Steiner – Die Alchemie des Alltags“ und zeitgleich die Ausstellung „Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart“. Die Ausstellung wird dann vom 5. Februar bis 22. Mai 2011, also im Gedenkjahr zum 150. Geburtstag Rudolf Steiners im Kunstmuseum Stuttgart zu sehen sein und ab November 2011 im Vitra Design Museum.
Das Vitra Design Museum schreibt in seiner Ausstellungs-Ankündigung folgende lesenswerte Zeilen:

„ Rudolf Steiner gilt als einer der einflussreichsten und zugleich umstrittensten Reformer des 20. Jahrhunderts. Er gründete die Waldorf-Schulen und trat für ein ganzheitliches Menschenbild ein, das heute in vielen Formen unseren Alltag prägt – ob in Biokosmetik, einem gesteigerten Umweltbewusstsein oder in Produkten aus biologisch-dynamischer Landwirtschaft. Steiner inspirierte Künstler wie Piet Mondrian, Wassily Kandinsky oder Joseph Beuys, gilt als Begründer der „organischen Architektur“ und entwickelte selbst im Möbeldesign eine einzigartige Formensprache. Mit der Ausstellung „Rudolf Steiner-Alchemie des Alltags“ hat das Vitra Design Museum die erste große Retrospektive über diesen universellen Denker und Künstler realisiert.“

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Das Wabern im globalen Dorf


Quelle des Bildes

Vielleicht ist es Zeit, sich einmal wieder mit dem frühen Theoretiker Marshall McLuhan zu beschäftigen, der klug, aber etwas drastisch angesichts der neuen elektronischen Medien über deren Einfluss auf den Menschen gedacht hat. Für ihn fand die elektronische Revolution schon in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts statt, eine Revolution („For the past 3500 years of the Western world, the effects of media — whether it’s speech, writing, printing, photography, radio or television — have been systematically overlooked by social observers.“), die eine schockartige, unkontrollierte und unmittelbare Erweiterung der menschlichen Sinne und Kommunikation mit sich bringen würde, aber auch die Gefahr einer kollektiven und globalen Gleichschaltung.

Das Ganze ist inzwischen - 50 Jahre später- zwar tatsächlich eingetreten- einschließlich der Gleichschaltung via globaler kultureller Events, TV- Shows und Internet- Medien, hat aber doch nicht zu dem kollektiven Identitätsverlust geführt, den McLuhan befürchtet hatte: „In the past, the effects of media were experienced more gradually, allowing the individual and society to absorb and cushion their impact to some degree. Today, in the electronic age of instantaneous communication, I believe that our survival, and at the very least our comfort and happiness, is predicated on understanding the nature of our new environment, because unlike previous environmental changes, the electric media constitute a total and near-instantaneous transformation of culture, values and attitudes. This upheaval generates great pain and identity loss, which can be ameliorated only through a conscious awareness of its dynamics. If we understand the revolutionary transformations caused by new media, we can anticipate and control them; but if we continue in our self-induced subliminal trance, we will be their slaves.“
Aber die Abhängigkeit des Menschen von diesem Medium ist- auch in wirtschaftlicher Hinsicht- heute mehr und mehr eine Tatsache. Die Grundgedanken McLuhans sind hier in einem Interview mit dem Playboy nachzulesen- eine Vision aus dem Jahr 1969.

Natürlich ist die Erweiterung der Sinne und des Leibes durch diese Medien heute festzustellen, die McLuhan so beschrieb: „Alle Medien sind Ausdehnung menschlicher Fähigkeiten – seien sie psychisch oder physisch. – Das Rad ist eine Ausdehnung des Fußes. Das Buch ist eine Ausdehnung des Auges, Kleider sind eine Ausdehnung der Haut, die Medien unserer Zeit sind eine Ausdehnung des Zentralnervensystems. Indem Medien die Umwelt verändern, schaffen sie in uns eine ganz bestimmte Konstellation sinnlicher Wahrnehmung. Die Ausdehnung nur eines Sinnes verändert die Art, wie wir denken und handeln, die Art, wie wir unsere Körper wahrnehmen. Wenn diese Verhältnisse sich wandeln, wandelt sich der Mensch.“ (Quelle Blogpiloten) Aber der Mensch wandelt sich nicht nur, er integriert auch die neuen Fähigkeiten. Vor allem ändert sich auch die Verantwortlichkeit des Einzelnen. Die aktuelle Katastrophe in Haiti mobilisiert durch die Medien ein globales Gefühl dafür, verantwortlich zu sein. Das gilt aber nicht unbedingt für den Obdachlosen, der Tag für Tag vor dem Bäcker sitzt, bei dem ich meine Brötchen hole. Der ist halt noch nicht medial präsentiert und vermarktet.

Es sind nicht nur die integren Berichte über Katastrophen in aller Welt, nicht nur die musikalischen Mega- Events, nicht nur die grassierenden Gerüchte und albernen Verschwörungstheorien, die durchs Internet wabern, was in diesem Zusammenhang auch einen Bezug zu Rudolf Steiner herstellt. Ich finde dieses seltsame - von Regierungen uniform gepuschte - Angstsyndrom so auffällig, sei es nun vor Klimakatastrophen oder vor Hühner-, Schweine- und Ziegengrippe- Epidemien. Gerne und breit werden Untergangsszenarien aller Art verbreitet. Vielleicht illustriert so etwas Rudolf Steiners mehrfach und drastisch geäußerte Bedenken vor der von ihm so genannten „Öffentlichen Meinung“: „Die öffentliche Meinung ist weniger wert, als was sich der einzelne als Meinung, wenn er fortschreitet, erringen kann. Sie ist untermenschlich.“ (GA 141, Seite 134).

Hier, meint Steiner, sind die Dämonen der heutigen und künftigen Zeit wirksam. Das „globale Dorf“ (ein Begriff von McLuhan) wird heute von Szenarien durchwabert, deren negative Energien er „luziferische“ nennt: „Und sie wirken in einer verschwommenen, durcheinanderflutenden Gedankenmacht der öffentlichen Meinung. Man versteht auch die Funktion der öffentlichen Meinung nur, wenn man weiß, dass sie in dieser Art in die Menschheit hineinkommt.“ (GA 141, Seite 128). So weit muss man natürlich nicht gehen. Man kann es durchaus dabei belassen, die drohende Uniformität im globalen Dorf, die durch weltweite, manchmal gut gemeinte Kampagnen angestossen wird, mit Interesse und einiger Verwunderung als die Schattenseite des heute technisch möglichen globalen Dialogs zu betrachten.
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Regina Reinsperger: Im Lichte der Aufmerksamkeit: der Blick aus dem Fenster

Die erste Hälfte der Überschrift ist eine Redewendung, die jedem von uns bekannt ist und im Folgenden möchte ich einige praktische Gedanken zu „Licht“ und „Aufmerksamkeit“ darstellen. Dass der Tag hier bei uns hell ist und die Nacht dunkel, ist eine Lebenstatsache über die man nicht diskutieren muss. Wir bemerken auch, ob die Sonne scheint oder nicht, ob es regnet, schneit oder stürmt und wenn es tagelang trübe ist, stöhnen wir über diese relative Dunkelheit und vermissen die Sonne. Aber beobachten wir auch intime Natur- und Lichtverhältnisse?

Die Maler aller Jahrhunderte haben uns das vorgemacht, es ist äußerst interessant, ihre Bilder unter dem Gesichtspunkt der malerischen Behandlung des Lichtes zu betrachten: zu entdecken, wie differenziert das Licht dargestellt werden kann. Ich denke da zum Beispiel an Rembrandt, El Greco, die Romantiker und Italienreisende des frühen 19. Jahrhunderts, William Turner, Caspar David Friedrich und später die Impressionisten. Bei Vincent van Gogh kann man anhand seines Lebenswerkes die Schritte von der herkömmlichen „Akademiemalerei“ zu seinen wunderbaren, farbigen und lichtdurchfluteten Bildern verfolgen. Auch bei Künstlern im Umfeld des „Blauen Reiters“ in München ist das möglich. Alexei Jawlensky war einer dieser Künstler.

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Der selbstverliebte Mystiker

„Ein gut Teil Egoismus über dieses Leben hinaus kann uns so aus der Geisteswissenschaft erwachsen, und darin liegt eine Gefahr. So kann es geschehen, dass die in der Seele zu unrecht aufgefasste Geisteswissenschaft eine Versucherin werden kann, das ist die Verlockung der Geisteswissenschaft. Sie liegt in ihrem Wesen. (..) Wir können also beobachten, dass die Liebe auftritt zu etwas, was in uns selber ist.

Der Mensch hat vielfach versucht, den Impuls der Liebe zu etwas, was in uns selbst ist, in einem höheren Sinne zu überbrücken. Wir finden zum Beispiel bei Mystikern das Bestreben, den Trieb der Selbstliebe im Sinne der Liebe zur Weisheit zu entwickeln und diese in einem schönen Licht erstrahlen zu lassen. Sie versuchen durch Vertiefung in das eigene Seelenleben in sich den Gottesfunken zu finden, ihr höheres Selbst als diesen Gottesfunken zu empfinden. (...)

Man interpretiert es nun so, weil man sich geniert, sich einzugestehen, dass man es doch nur selbst ist, dieser Geistessame.“

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Rudolf Steiner, Die Liebe und ihre Bedeutung in der Welt, Zürich, 17. Dezember 1912
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Sich mit den Fehlern des anderen Menschen liebevoll zu befassen

„Dasjenige, was der Menschheit einzig und allein Heil bringen kann gegen die Zukunft hin – ich meine der Menschheit, also dem sozialen Zusammenleben -, muss sein ein ehrliches Interesse des einen Menschen an dem anderen. Dasjenige, was dem Bewusstseinsseelen – Zeitalter besonders eigen ist, ist Absonderung des einen Menschen vom anderen. Das bedingt ja die Individualität, das bedingt die Persönlichkeit, dass sich innerlich ein Mensch von dem anderen absondert.

Aber diese Absonderung muss einen Gegenpol haben, und dieser Gegenpol muss in dem Heranzüchten eines regen Interesses von Mensch zu Mensch bestehen. Sie finden unter den elementarsten Impulsen, die angegeben werden (zur Geistesschulung), die Entwicklung einer Gesinnung zur Positivität. Die meisten Menschen der Gegenwart werden geradezu mit ihrer Seele umkehren müssen von ihren Wegen, wenn sie diese Positivität entwickeln wollen, denn die meisten Menschen haben noch nicht einmal einen Begriff von dieser Positivität.

Sie stehen von Mensch zu Mensch so, dass sie, wenn sie an anderen Menschen etwas bemerken, das ihnen nicht passt – ich will gar nicht sagen, das sie tiefer betrachten, sondern das ihnen von oben her betrachtet, ganz äußerlich betrachtet, nicht passt -, so fangen sie an abzuurteilen, aber ohne Interesse dafür zu entwickeln. Es ist im höchsten Grade antisozial für die zukünftige Menschheitsentwicklung, solche Eigenschaften an sich zu haben, in unmittelbarer Sympathie und Antipathie an den anderen Menschen heranzugehen.

Dagegen wird die schönste, bedeutendste soziale Eigenschaft der Zukunftsentwicklung sein, wenn man gerade ein naturwissenschaftliches , objektives Interesse für Fehler anderer Menschen entwickelt, wenn einen die Fehler anderer Menschen viel mehr interessieren, als das man sie versucht zu kritisieren. Denn nach und nach…wird sich der eine Mensch ganz besonders immer mehr und mehr mit den Fehlern des anderen Menschen liebevoll zu befassen haben.“

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Aus: Rudlof Steiner, „Geschichtliche Symptomatologie“ GA 185, Seite 96ff.
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Ingrid Haselberger: Von Angesicht zu Angesicht

Eigentlich hatte ich vor, die Gedanken Georg Kühlewinds zum ersten Brief des Paulus an die Korinther in meinen eigenen Worten zusammenzufassen.
Doch ich habe mich dagegen entschieden. Denn ich möchte allen, die hier mitlesen, nicht nur die Möglichkeit geben, die hier entwickelten Gedanken in logischer Folge nachzuvollziehen, sondern auch die „Melodie“ wahrzunehmen, die in der Art liegt, wie Georg Kühlewind zu seinen Seminarteilnehmern spricht.

Ich zitiere also aus dem einleitenden Vortrag des Seminars „Kunst und Erkennen“, das Georg Kühlewind vom 9.-12.September 2005 in Baruth gehalten hat:

„Sehr verehrte Anwesende,

seit vielen Jahren – ich kann gar nicht sagen, wie vielen – befassen wir uns hier in einer kleinen Gruppe mit der Frage „Kunst und Erkennen“. Ich glaube, wenn wir noch so langlebig wären, könnten wir dieses Thema nie abschließen, weil es Tiefe hat.
[…]
Also ganz kurz gesagt: Unser Alltagsbewusstsein hat zwei Charakteristiken, wenn man darauf schaut. Und das ist auch sehr merkwürdig, dass wir das können. Wir können darauf, wie unser Bewusstsein arbeitet, einen Blick haben. Das ist eine sehr interessante Sache. Denn: Was für ein Bewusstsein ist das dann, das charakterisieren kann, wie das Alltagsbewusstsein arbeitet? Diese Frage lassen wir jetzt offen. Jedenfalls kann man auf das Bewusstsein blicken, und wenn wir das tun, können wir feststellen, dieses Alltagsbewusstsein hat zwei Charakteristika: Es ist dualistisch, und es ist diskontinuierlich.

Konfrontiert mit der Welt oder mit der eigenen Vorstellung?

Dualistisch heißt, wir leben in der Überzeugung, dass ich hier bin, und die Welt ist dort. Sorgfältig voneinander getrennt. Das ist auch die Sichtweise der Naturwissenschaft. Und es ist auch ein Erfordernis der Wissenschaft, dass die Objekte, mit denen sich die Wissenschaft beschäftigt, unabhängig sein sollen von mir als Betrachter; also von meiner privaten Sympathie und Antipathie absolut unberührt.
[…]

Stückwerk: Diskontinuierliches Erkennen

Und das andere ist, dass dieses Bewusstsein diskontinuierlich ist. Das kann man daran sehen, dass wir vereinzelte Dinge wahrnehmen und den Zusammenhang zwischen diesen Dingen nicht durch unsere Sinneswahrnehmung erfahren, sondern durch das Denken. Das Denken konstruiert auch in der Wissenschaft Zusammenhänge zwischen Dingen, die nur ganz unabhängig voneinander erscheinen. Zum Beispiel: ich sehe jetzt diesen Schirm, diesen weißen Sonnenschirm, und daneben sind Stühle. Dass die irgendwie zusammenhängen könnten, das sehe ich nicht. Wenn ich nachdenke, ja dann sage ich schon, jemand hat das Arrangement gemacht, deshalb stehen sie jetzt so, wie sie stehen. Aber das sehe ich nicht. Das muss ich mit dem Denken ergänzen, und das heißt diskontinuierlich.
[…]

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Software AG Stiftung

Einer der grossen Geldgeber vieler freier, vor allem anthroposophischer Initiativen in Behinderten- und Altenarbeit, in Jugendhilfe, Förderung alternativer Wissenschaft, Medizin, Landwirtschaft und Umweltschutz ist die Software AG Stiftung. Deren Begründer, Peter M. Schnell, heute 71 Jahre alt, hatte vor 40 Jahren mit zwei Kollegen die Software AG gegründet, mit wenig Geld, aber einigen Software- Patenten. Heute ist dieses Unternehmen milliardenschwer und beschäftigt (FAS, 13.12.2009, Nr. 50, S. 49, „Asien bringt Pepp ins Portfolio“) 2000 Mitarbeiter.
Peter M. Schnell, der Anthroposoph und laut FAS Vater von zwei behinderten Kindern ist, hatte seine Anteile am Unternehmen schon 1992 fast vollständig in die Stiftung eingebracht, damit mit den „erheblichen Vermögenswerten heilsam in der Welt umgegangen“ (FAS, dito) werden könne. Sich „mit Hunderten Millionen Euro ein bequemes Leben“ zu machen, fände Schnell „schrecklich fad“.
Der Vermögensberater der Stiftung, Andreas Rachor, erwirtschaftet für die gemeinnützigen Zwecke jährlich 25 Millionen Euro- eine nahezu konstante Rendite, „abgesehen vom Horrorjahr 2008“. Im Gegensatz zu der Geschäftspolitik der Banken lehnt Schnell im Namen der Stiftung „Derivate ab, also abstrakt konstruierte Geldprodukte“ (FAS, dito). Diese Haltung hat sich in der Finanzkrise bewährt. Die Stiftung bewahrt in ihrer Anlagepolitik auch andere ethische Vorbehalte- „Wir investieren nicht in Rüstung, nicht in die Tabakindustrie, nicht ins Glücksspiel“. Die Unterstützung des biologisch- dynamischen Landbaus verbietet natürlich auch Investments in Richtung Gentechnologie. Im Portfolio finden sich dagegen sehr wohl Aktien von BP, Total, Danone und Unilever, aber auch RWE. Trotz vieler Unkenrufe investiert die Software AG Stiftung in Aktien aus Asien, auch in Banken in Indien und Hongkong.

Projekte und Initiativen, die eine Förderung wünschen, können sich bei der Stiftung hier bewerben. 2007 hatte die Stiftung darüber nachgedacht, neben ihrem Engagement in der Kunsthochschule Alfter, „die deutsche Privatuniversität Witten/Herdecke zu übernehmen.“ (Quelle) Heute ist sie einer der wichtigsten Gesellschafter der freien Universität (Quelle) und hat damit deren Insolvenz vermieden.
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Hans-Peter Dieckmann: Melodie und Stille

Ich war mir nicht sicher, ob das Niveau von Georg Kühlewinds Büchern gewahrt bleiben würde, als die Nachschrift eines von ihm im Jahr 2005 gehaltenen Seminars unter dem Titel “Melodie und Stille“ (Verlag Freies Geistesleben) im Dezember des vergangenen Jahres erschien. Doch zu dieser Veröffentlichung heißt es in den Anmerkungen: “Der Originaltext der Aufzeichnung wurde für die Buchveröffentlichung an wenigen Stellen gekürzt sowie, bei weitestmöglicher Wahrung des authentischen Tones, im Sinne der Lesbarkeit und Verständlichkeit sprachlich bearbeitet.“ Das ist sehr gut gelungen. Mit den Einschränkungen, die sich aus der gedruckten Form ergeben, liegt nun etwas von der anregenden Lebendigkeit der Seminare Georg Kühlewinds vor. Wie zum bestimmt unbeabsichtigten Vermächtnis leuchten in “Melodie und Stille“ noch einmal viele seiner großen Themen zur Einheit verwoben auf: seine Aufmerksamkeitsschulung mit seiner spirituellen Erkenntnistheorie, Psychologie und Linguistik als Bahnen zum Logos, zur Leere und zur Kunst. So sehr Georg Kühlewind Ausführungen etwa von Rudolf Steiner, von (auch modernen) Zen-Meistern und Anstöße aus der Kunst verarbeitet hat und in diesem Seminar mit vielen biographischen Bezügen darstellte, war er immer unverwechselbar und kreativ er selbst.

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Ingrid Haselberger: Offener Brief an Holger Niederhausen

Lieber Holger,

offensichtlich lesen Sie hier mit, also möchte ich mich jetzt einmal direkt an Sie wenden (und hoffe, unser Gastgeber Don Michele hat nichts dagegen).

Ich finde viele Ihrer Gedanken ganz richtig.
Ich möchte zum Beispiel aus Ihrem letzten Aufsatz herausheben:
„Es geht im Grunde nicht darum, was der Einzelne beim Nachdenken einer Unwahrheit erlebt, sondern was mit dieser Unwahrheit gewissermaßen der Wahrheit an sich angetan wird.“
Ja. Sie versuchen in Ihren Aufsätzen, das bemerke ich deutlich, der „Sünde wider den Heiligen Geist“ (Matthäus 12,31) entgegenzutreten. Das ist Ihnen ein Herzensanliegen, und das findet meine Zustimmung – und einen Widerhall in meinem Herzen.

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Tom Mellett: Christmas Mood


Auf dieser Seite kannst du die Versen des Seelenkalenders paarweise nach ihren jeweiligen Polaritäten sortiert sehen. Wie läuft diese Polarität?

   St.John's ---------->  12- 13
                                 9     15 <------(polar verse)
                                6       19
                                  3    23
       Easter------------> 1- 26 <------ Michaelmas
                                 27 - 52
                                29     49
                               32       45
                                34     42
  Christmas----------> 38- 39
                (this week's verse)

Es gibt eine gleichzeitige Vorwärtsbewegung und Rückwärtsbewegung. Z.B. bewegen Die Verse  1,2,3 . . .  während die entsprechenden Polarvers laufen in Reihenfolge 52,51,50 . . .   Um die Nummer zu rechnen, summiert sich jeder Vers mit seinem Polarvers zu 53.
 
Z.B. Im Weihnachtsvers 38 ist der Polarvers 15.  Im folgenden stelle ich die Verse nebeneinander.

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Weihnachten



„Im Winter aber, wenn die Schneedecke sich über die Erde breitet, wenn die vegetative Tätigkeit schlummert, da wissen wir, dass die höchsten göttlichen Wesenheiten, die da schaffend, wirkend, webend sind im kosmischen All, dass diese um uns sind, dass das höchste göttliche Leben, göttliches Bewusstsein in der Erde wirkt. So ist es, wenn es Winter ist, nicht, wenn es Sommer ist. Daher hat jenes alte Bewusstsein überall, wo es tätig sein konnte, jenes Fest, das andeuten soll, dass der Mensch sich vereinigt fühlt mit dem Geistigen der Erde, das Weihnachtsfest, in die Mitte des Winters gelegt.“

_________

Rudolf Steiner, GA 143, Seite157f
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Grüsse vom Großen Hüter

In einer privaten Email hat Hermann Keimeyer mich vor drei Wochen gefragt: „Wollen Sie auch darüber Witze machen?“. Denn immerhin geht es inhaltlich um die „Sonnenaura der 12 Christusmächte um und in unserer Mutter Erde.“ Leider muss ich als Entgegnung auf die Frage gestehen: Ja, ich will.

Zu Beginn möchte Hermann Keimeyer uns zunächst seine komplizierten privaten Verhältnisse erläutern, indem er darlegt: „Eine Eingebung des Großen Hüters an den Schreiber Hermann Keimeyer, gewidmet seinem neuen Dual., jetzt seit 2009 ist seine Ehefrau Irene, seine "Neue Dualseele" - man kann mehrere " Neue Dualseelen" haben, und wenn sie eine solche sein will, kann dies auch Gudrun Gundersen, werden - die mit vielen Beiträgen in den Webseiten hier vertreten ist .- Dualseelenschaft bedeutet nach Goethe einfach Seelenverwandtschaft.“

Ach so. Das ist praktisch, wenn man mehrere Dualseelen um sich versammeln kann, vor allem wenn es sich um Ehefrau und Freundin handeln sollte. Würde ich meine Frau als „Dualfrau“ bezeichnen, würde sie das verständlicherweise mit Misstrauen erfüllen. Aber insgesamt ein geschickter Schachzug von Herrn Keimeyer, um dem zu erwartenden Ärger halbwegs aus dem Weg zu gehen.

Nach diesem Präludium geht Herr Keimeyer gleich auf alle drei Widersachermächte ein, nämlich „des Teufels, des Satans und des zweihörnigen Tieres - die alles vernichten wollen..“ Offensichtlich sind es diese Widersachermächte, die Herrn Keimeyers private Verhältnisse unterminieren wollen. Er aber versichert sich, damit alles gut geht, gleich der 12-fachen Christuskraft: „Verbinde Dich mit Deinem Neuen Dual in geistiger Arbeit und Meditation und sei Dir bewußt, und das gilt für alle Menschen, daß wir, die 12 Christuswesen, rund um und in dieser unserer Mutter Erde - im Zusammenwirken mit den im Dreifaltigkeitsartikel hier , erwähnten Milliarden und aber Milliarden mikro - und makrokosmischen Engel - Götter - Wesen, von Angeloi bis Seraphim , Sonnenauren riesigen Ausmaßes geschaffen haben, Auren, die n u r durch übersinnliche Wahrnehmung erkennbar sind , die aber bei jeder Meditation michaelischer Art auch im übersinnlichen Herzen gefühlt werden können (...), damit auch diese unsere Mutter Erde einmal Sonne werden kann.“ (Aus Erbarmen für unsere Leser habe ich etwa die Hälfte gekürzt)

Im weiteren Verlauf erläutert Herr Keimeyer weitschweifig, „daß wir also von unten aus den Erdentiefen dauernd mit Licht - Wärme - Lebens - Kräften bestrahlt werden“, was wir gerne zur Kenntnis nehmen, auch wenn uns diese „Grosse Sonnen - Geistes - Licht - Wärme - Farben - Tönende - Leben - Spendende - Auren“ bisher nicht bekannt waren. Herr Keimeyer, nach eigenem Bekunden „einer der geringsten Schüler der weißen Meister“, hat eine Reihe prominenter Fürsprecher, z.B. „Meister Jesus ( identisch mit Rudolf Steiner), Chr.Rosenkreuz, Maria unter dem Kreuz (identisch mit Marie Steiner, ihr Mysterienname ist Maria Logos)“, aber auch „Gautama Buddha, und Melchisedek (dem Führer des Sonnenorakels der Alten Atlantis, dem Begründer der Gralsmysterien, und der Tafelrunde von König Athurs) , weiter mit dem Ur - Michael, und dem Throne Christus“. Dagegen kommen wir natürlich nicht an, denn wir haben als Referenzen eigentlich überhaupt niemanden.

Dafür haben wir aber immerhin eine aktuelle Postkarte von Doktor Steiner erhalten, die wir Herrn Keimeyer und unseren Lesern nicht vorenthalten wollen:

Natürlich kommen unsere empfangenen Botschaften nicht so an wie „diese Imagination begleitende kosmischen Intuition“ Herrn Keimeyers. Aber wir müssen ja auch nicht die tobenden Dualseelen Irene und Gudrun beruhigen.
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Das Unsterbliche


„Der Mensch lebt zwar zwischen Geburt und Tod durchaus in dem, was in ihm sterblich ist, was in seinem Wesen vergänglich ist. Und man möchte sagen: nur leise und intim tritt auf dasjenige, was im Menschenwesen unsterblich ist, tritt der unsterbliche Teil zutage.

Ja, man kann sagen, so leise und intim tritt dieses Unsterbliche auf, dass im gewöhnlichen Leben die menschliche Seele nicht die Kraft, die Ausdauer, vor allen Dingen aber nicht in einem höheren Sinne entwickelte Aufmerksamkeit genug hat, um zu beobachten, was sich da intim und leise als das Unsterbliche in ihr ankündigt.“

___________
Rudolf Steiner, GA 64, Seite 259
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Hans-Peter Dieckmann: Erkenntnis und Selbstbestimmung



Gewöhnlich kommen wir denkend zu Erkenntnissen, aus reinem Nachdenken mit oder ohne Beobachtungsbezug. Sollte man meinen, oder? Ich finde zumindest, das wäre angebracht, denn wir wissen ja was für Urteile entstehen, wenn wir uns durch Emotionen oder zum Beispiel Begehren beeinflussen oder regelrecht hinreißen lassen. Denkend orientiert man sich mehr am Thema und bleibt beweglicher, eben weil man das Thema in den Mittelpunkt stellt und nicht sich selbst mit seinen Vorlieben. Dabei verstehe ich unter Denken noch kein meditatives Denken, sondern einfach ein alltägliches Denken, bei dem es um sachliche Klärungen geht. Selbst wenn dieses Denken keine spirituellen Erkenntnisse berücksichtigt, betätigt es sich bereits im übersubjektiven Geist und kommt ihnen damit entgegen. Zu Änderungen des Verhaltens führen seine Erkenntnisse allerdings nur, wenn sie durch Fühlen und Wollen eine genügende Zustimmung erfahren, die beim Streben nach Objektivität aber schon auf die Bereitschaft gestimmt sind, Erkenntnisse in Taten umzusetzen.

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Ich hatte einen Traum..

Ich hatte einen Traum.. Ich wollte mich selbst erkennen.. und ich erkannte mich.

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Regina Reinsperger: "Ralf Sonnenberg (Hrsg.): Anthroposophie und Judentum"

Unter diesem Titel erscheint in den nächsten Tagen ein 160 Seiten Band in der Schriftenreihe „Kontext“ des info 3 Verlages mit Beiträgen diverser Autoren. Herausgeber ist Ralf Sonnenberg, von dem bereits ein profunder, ausgewogener und sachlicher Beitrag auf den Egoisten-Seiten zu finden ist (siehe unter Autoren).

Sonnenberg, geb. 1968, war von 2001 bis 2007 Mitglied der Redaktion der anthroposophischen Kulturzeitschrift „Die Drei“. Er ist studierter Historiker und Religionswissenschaftler und lebt heute in Berlin. Seine Kompetenz in dem schwierigen und heiklen Thema hat er bereits mit einem Beitrag in dem führenden deutschsprachigen Publikationsorgan des Zentrums für Antisemitismusforschung bewiesen. Im „Jahrbuch für Antisemitismusforschung“ das von Professor Wolfgang Benz herausgegeben wird, erschien 2003 ein Beitrag von Ralf Sonnenberg, der jetzt von ihm überarbeitet und unter der Überschrift „…ein Fehler der Weltgeschichte? – Rudolf Steiners Sicht des Judentums zwischen spiritueller Würdigung und Assimilationserwartung“ in das Buch aufgenommen wurde.

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Solche & solche

Seit Rudolf Steiners Lebzeiten besteht eine der liebsten Beschäftigungen von Anthroposophen darin, sich oder Andere bestimmten Strömungen zuzurechnen. Steiner selbst hat das zum Zwecke der Selbsterkenntnis, eines gedeihlichen, verständnisvollen Zusammenwirkens und einer Integration spezieller Richtungen höchstselbst angeregt. Auch das hat nicht geklappt. Auch Florin Lowndes („Die Belebung des Herzchakras“) hat das vor kurzem wieder versucht. Seine Bücher und Kurse gehören sicherlich zu dem Intimeren, was man in anthroposophischen Kreisen studieren kann. Man sollte sich nicht von seinem Hang zu tabellarischen Auflistungen und einer Systematisierung des Schulungsweges abhalten lassen. Seine Bemühungen (auf die ich gern hier noch eingehen werde), sind substanziell; die Verbindungen, die er erschafft - etwa zwischen den Figuren des Agrippa, eurythmischen Stellungen, Mantren- Zeilen, klassischen Chakren und „Nebenübungen“ Steiners- können, wenn man ihnen folgt, ganz neue Einblicke ergeben, vor allem für die meditative Arbeit. Ich weiss nicht, ob Lowndes bewusst ist, dass auch seine Kurse von manchen Teilnehmern wieder mit albernen exklusiven Wohlfühlschaudern bedacht werden- aber das ist nun einmal die anthroposophische Krankheit, alles mögliche mit Bedeutsamkeit und Exklusivität aufzuladen statt einfach zu arbeiten. Ich möchte das auch nicht verallgemeinern, aber es ist eben ein klassisches Problem.

Lowndes selbst unterscheidet zwischen zwei anthroposophischen Strömungen. Die erste führt über das Studium der „Mitteilungen der Geisteswissenschaft“- also über das esoterische Werk Steiners- als „ein durchaus sicherer“ (Steiner, GA 13) allmählich „in das sinnlichkeitsfreie Denken“ (dito). Es besteht also bei diesem Studium die Gewähr, dass diese Wege quasi schon gegangen worden sind. Lowndes scheut sich nicht, dafür Begriffe wie „Nachahmen“ und „Gewöhnen“ zu verwenden: „Wenn er auch die Beobachtungen in der geistigen Welt nicht selbst gemacht hat- das hat der Verfasser der Mitteilungen getan-, gelangt er durch diese nachahmende Denktätigkeit doch tatsächlich in das sinnlichkeitsfreie Denken.“ (Lowndes, S. 188). Der Weg zum eigenen Schöpfertum ist allerdings, wie man in den letzten hundert Jahren beobachten konnte, mit unselbständigen, traditionellen und wortgläubigen Jüngern gepflastert, die rechthaberisch ihre Standpunkte und Verortungen verteidigen. Es ist offensichtlich schwer, sich in der Masse und Wucht des Steinerschen Gesamtwerks frei zu schwimmen. Die Gefahr ist groß, dass der Jünger an den bloßen Inhalten kleben bleibt und die schöpferische „Kraft des Geistes“ (Lowndes, S. 189) lediglich postuliert.

Der zweite Weg verzichtet auf das so gemeinte „Studium“ und nimmt sich lediglich die „Philosophie der Freiheit“ vor. Über seine frühen philosophischen Schriften hat Steiner selbst bemerkt, dass, wer diese „auf seine ganze Seele wirken lässt, der steht schon in der geistigen Welt“. Diese schwierigen Werke waren in diesem Sinne für Steiner „ein sehr wichtiges Erziehungsmittel“ (GA 350). Man kann von einer unmittelbaren Erziehung des Willens im Denken dabei sprechen, von einem notwendigen Plastischwerden, was über die strenge Logik unmittelbar „das ätherische Denken“ (Lowndes, S. 193) schult: „Dieses Denken ist zugleich Wille; es ist zugleich willenshaftes Denken und denkender Wille“ (dito). Als Vertreter dieses zweiten, moderneren Weges könnte man zum Beispiel Georg Kühlewind und den späten (nach seiner politisch anrüchigen Lebensphase) Massimo Scaligero nennen. Es ist ein Irrtum zu glauben, dieser zweite Weg sei lediglich abstrakt und intellektuell. Das ist er nur, wenn es schief läuft. Wenn er in der Strenge des verwirklichten Denkwillens an neue Erfahrungen heran rührt, wird der Übende tiefere Felder und Ebenen des Seins erfahren:

„Die Logik des Denkens, das denkt, führt- in vollständiger Erfahrung- zur Intuition der Zeitlosigkeit und Körperlosigkeit des Denkens; d.h. zum lebenden Denken: eine Intuition, die jedoch nur ein Aufblitzen des lebenden Denkens ist, noch nicht sein Sein. Denn sein wirkliches Sein ist der Logos selbst. Von ihm geht es aus, ihm ist es im Verborgenen zugewandt: der immer bereit ist, sich dem Denken zu übergeben und in ihm - mit seiner Kraft, seiner Einheit, seiner ewigen Gegenwart- anwesend zu sein.“ (Massimo Scaligero, „Traktat über das lebende Denken. Ein Weg zur Überwindung der abendländischen Philosophien, des Yoga und des Zen“, S. 20)
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Tiefwinter

Ich bin ja jedes Jahr doch etwas darauf eingestellt und vorbereitet auf die speziellen Schwierigkeiten, die nach der Mitte des November entstehen und in der Adventszeit kulminieren. Ich meine damit gewisse Unwägbarkeiten, die unvermittelt aus Leuten, mit denen man im (Arbeits-) Zusammenhang steht, so heraus brechen können- manchnal in einer derart drastischen Art, dass man doch staunt. Hatten wir nicht eben noch einvernehmlich Absprachen getroffen- warum jetzt diese unverhältnismäßige Wut? Warum läuft eine Person, mit der man umzugehen hat, plötzlich offenkundig vor die Wand, schüttet ein Füllhorn von Attacken aus und redet sich um Kopf und Kragen? In der Zeit, wenn die Glöcklein an den Kränzen klingeln, werden nicht selten hektisch und sinnlos die Ellenbogen ausgefahren. Manchmal scheint die vorweihnachtliche vorgebliche Innigkeit wie eine Soße, die über dem nackten inneren Beben liegt. Natürlich sind nicht alle betroffen, natürlich sorgt man für Erklärungen: Depression wegen Lichtmangels, zum Beispiel. Vorweihnachtsstress.

Von Rudolf Steiner gibt es keine Erklärung, wohl aber eine Schilderung, die sich auf den antiken Menschen bezieht:

"Ebenso wie sich der Mensch in der Hochsommerzeit über sich hinausgehoben fühlte zu dem göttlich-geistigen Dasein des Kosmos, so fühlte sich der Mensch in der Tiefwinterzeit wie unter sich herunterentwickelt. Er fühlte sich gewissermaßen wie von den Kräften der Erde umspült, von den Kräften der Erde mitgenommen. Er fühlte so etwas, wie wenn seine Willensnatur, seine Instinkt- und Triebnatur durchsetzt und durchströmt wäre von Schwerkraft, von Zerstörungskraft und anderen Kräften, die in der Erde sind.

Das Frostige, das fühlen wir ja auch noch heute, denn das bezieht sich auf die Körperlichkeit, aber der alte Mensch fühlte seelisch als Begleiterscheinung des Frostigen das Dunkle, das Finstere. Er fühlte gewissermaßen, als ob sich überall, wo er ging, aus der Erde heraus das Finstere höbe und ihn wolkenförmig einschlösse, nur bis zur Körpermitte herauf allerdings. Er fühlte, wie wenn die Erde ihn in Anspruch nähme, wie wenn er umgarnt würde von den Kräften der Erde in bezug auf seine Willensnatur
." (GA 223, Seite 78f)

In diesem Zusammenhang spricht Steiner in bezug auf den tiefen Winter von einer regelrechten "Versuchung". Mag sein, dass uns das heute als übertrieben erscheint. Aber ein wenig antik sind wir, scheint mir, doch noch.
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Porträt



"Einen Menschen seinem Ich nach unmittelbar, wie er in der Wirklichkeit drinnensteht, schildern, porträtieren, gibt keine Kunst. Der Künstler muß mit dem Ich einen Prozeß machen, wodurch er dieses Ich aus der Spezialisierung heraushebt, in der es heute im Erdenprozesse lebt, er muß ihm eine allgemeinste Bedeutung verleihen, etwas Typisches geben. Das tut der Künstler ganz von selber. Die Veränderungen, die da der Künstler vornimmt mit dem, was da ist, die sind ein gewisses Zurückführen zur Verlebendigung der Sinne."

(Rudolf Steiner, GA 170, Seite 150)
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Bjørneboe

Anthroposophie lebt ausschließlich durch die Menschen, die sie vertreten. Es gibt keinen Kanon von Grundannahmen. Wer sie als gegeben hinnimt, hat sie schon aus dem Auge verloren. Vertreten wird sie aber auch von allerlei Extremen. Man muss sich schon die Mühe machen, das für sich zu sortieren.

So macht Jostein Saether in seinem Artikel "Waren Jens Bjørneboe und seine anthroposophischen Freunde während der Naziokkupation von Norwegen zur Kollaboration bereit?" auf diesen Schriftsteller aufmerksam. Dessen Freund Bjerke, mit dem er in die Anthroposophische Gesellschaft eintrat, hatte zuvor Anthroposophie charakterisiert als "als ‚eine Mischung von östlichen Opiumsvisionen und westlichem Christentum, [...] als deutsch-tibetanische Gedankenverwirrung.“ Bjørneboe war in vielerlei Hinsicht ein labiler Typ, was ihn "in Depression, übertriebenem Alkoholverbrauch, (zu) destruktivem und selbstdestruktivem Handeln" (so ein neuer Biograf) trieb. Eben dieser Biograf stellt nicht nur Bjørneboe, sondern dessen anthroposophisches Umfeld schlechthin tendenziös als anti- sozialdemokratisch, deutschtümelnd und rechtslastig dar. Dabei war er von Anfang an in einer erheblichen Distanz zum anthroposophischen Mainstream dieser Jahre, für den vor allem galt: „Mit Rausch und Sexualität ist man in anthroposophischen Kreisen vorsichtig. Und als Bjørneboe ausbricht, kommt es teilweise als eine Folge der Drang, seine Sexualität auszuleben. Er war bisexuell, und seine sexuelle Praxis und das Alkoholkonsum machte es schwierig für ihn da drinnen zu bleiben“.

Wenn Bjørneboe sich kuturpessimistisch äußerte, hat er aber sicherlich stets von sich selbst gesprochen, von seinem Hang zum Abgründigen. Auf der anderen Seite war er aber jemand, für den das "anarchistische Element, mit dem individualistischen Fokus auf Max Stirner, das zusammen zu einem gewissen spiritualistischen Individualismus wird, (..) das Zentrale" war. Für Bjørneboe war der lange anthroposophische Exlurs also vor allem ein Ausdruck seines unbändigen Freiheitswillens- etwas, was sich aber einerseits kaum mit dem damaligen spiessigen Umfeld verbinden konnte, andererseits aber auch selbstzerstörerische Elemente aufwies. Bjørneboe nun als Repräsentanten einer deutschtümelnden, reaktionären lokalen Anthroposophischen Gesellschaft vorzuführen bzw ihn in diesem Sinn zu instrumentalieren, erscheint einem auch als Außenstehendem als reichlich konstruiert.
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Eurythmie- Hirsch


Okay, diesen Eurythmie- Hirsch von mir gibt es schon jahrelang- er kursiert im Netz in einer Mini- Version und wird kontinuierlich seit Jahren herunter geladen. Er ist quasi ein geheimes Insider- Symbol der EGOISTEN selbst, eines der Dinge, die bei uns Dauerinteressenten finden.

Hier der Download des technisch-qualitativ hochwertigeren Bildes für die Fans..
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Anthropunks (Omi, das ist jetzt nix für dich)

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Die Kraft des Lebens

Nein, nicht die vegetativen Kräfte sind gemeint, nicht die pralle juvenile Hier-bin-ich und Nehme-was-mir-gebührt- Energie, das Raumausfüllende, das Naive, das plumpe Ego. Nicht das ist gemeint, was wir hoffentlich im Laufe des Lebens und mit wachsender Erfahrung und Selbstdistanz etwas zu kultivieren bemüht sind- auch weil wir wissen, dass wir "von Natur" nichts als ein schwer erträgliches emotionales Knäuel sind, eine Zumutung für die uns Nahestehenden. Wir kennen inzwischen die Fallen, die wir uns selber stellen, weil wir in jeder einzelnen schon einmal drinnen gesessen haben.

Allerdings kennen wir auch viele "Bemühungen, die das Gegenteil des verfolgten Zwecks erreichen (Beispiel: verbitterte Frömmlerinnen, falsche Askese, gewisse Aufopferungen usw.)" (Simone Weil, "Schwerkraft und Gnade") Es kann keine reine Technik, aber auch kein emotionaler Ausnahmezustand wie eine Askese sein, die es ermöglicht, den "Willen anzuhalten" (dito). Der anthroposophische Weg, das Denken lebendig zu machen, bleibt aber lange eine Phrase, der man sich gern bedient, die aber ein Abstraktum bleibt, denn nichts scheint ferner zu liegen, als ausgerechnet beim Denken anzusetzen, das -so wie es ist- als das von der "Kraft des Lebens" am meisten Entfremdete erscheint, so lange es uns nicht gelingt, es zu erlösen und dorthin zurück zu führen, wohin es gehört:

"Dies ist das Denken, das erst in der Kontemplation, die den Denkakt anschaut, aufleuchten kann: das sich selber denkende Denken, das wirklich ist, weil es das eigene Wesen ausspricht, ein Denken, das sich nicht auf die Spiegelung stützen muss, um sein Leben zu offenbaren, das also auch ohne dialektische Vermittlung erfahrbar ist. Dieses Denken kennt der Mensch noch nicht. Entstünde es in ihm, dann hätte er darin die Quelle aller Denkkraft, die Kraft des Lebens.

Die Kraft des Lebens wäre dann nicht nur ein philosophisches Gleichniswort, sondern eine unmittelbare Wahrnehmung: die Wahrnehmung des Seins, in welchem die Welt wurzelt und das als die - vom Gegenstand nicht gefesselte - Kraft des Denkens hervor sprosst: die Kraft, die alles in sich hat, was denkbar ist von seinem Wesen her, da sie ja selber das Wesen ist." (Massimo Scaligero, "Traktat über das lebende Denken")

Wie sich diese "Auferstehung des Denkens" (Scaligero) im Einzelnen bemerkbar macht, ist offenbar eine individuelle Sache- oder zumindest eine Sache, bei der es unpassend erscheint, sie in hierarchischen Kompetenzmustern wie in den esoterischen Freimaurerbünden zu sehen. Die neu erworbenen Fähigkeiten mögen sich ausleben in sozial- intuitiven Kompetenzen (das verstehen, was sich in Gruppen und sozialen Prozessen "in der Luft liegend" anbahnt), im Erleben eines imaginativen Kraftquells vor dem inneren Auge oder in der Form eines so vertieften Gebets, dass dieses wie ein Samen auf den Boden des unsichtbaren Feldes fällt und so gedeiht, dass der Kontemplierende sich angeschaut fühlen darf. Hier sucht man keine "höheren Wahrnehmungen", ganz im Gegenteil: Das Ziel besteht eher darin, wahrnehmbar zu werden für das Andere.
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Anthroquiz

Etwas ist an diesem Bild verkehrt:


a) Elvis war viel fetter.
b) Das ist nicht Steiners Ohr.
c) Steiner trug ganz andere Klamotten.

Für die jüngeren Freunde vielleicht etwas knifflig, aber fragt doch mal Omi, die weiss das aus dem Zweig!
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Der anthroposophische Salon

Waldos anthroposophischer Lese- und Arbeitskreis war eigentlich eine Galerie. Es hingen eine Menge Bilder an den Wänden, aber es gab auch eine Reihe von Bildhauerarbeiten. Waldo war besonders stolz auf einen grossen verglasten Holzschrank, denn dieser war seine Eintrittsarbeit für den Kunstprofessor Beuys gewesen. Beuys verlangte von seinen engeren Schülern eine handwerkliche Arbeit, bevor sie irgend etwas anderes begannen. Waldo lebte aber nicht wirklich von der Kunst, sondern von der Rahmung von Bildern betuchter Kunden in dieser guten Gegend direkt am Rhein.

Waldo war ein Holländer im künstlerischen Exil, ein gross gewachsener Mann, der mit diesem charmanten Akzent mit allen und jedem redete, immer an einem Projekt dran war und allerlei bewegte. Ich habe immer diese Männer bewundert, die so leicht und direkt mit jedem umgehen können, dass man schon nach wenigen Minuten meinte, mit ihm werweisswie vertraut zu sein. Wir waren in einem Hinterhof an der Stadtgrenze, wo es allmählich ins Bergische Land übergeht Nachbarn. Hier wohnten viele Künstler, aber auch junge Leute und Ältere, die ein gewisses Problem hatten, denn die Psychiatrie war nicht fern. Auf unserem Flur in diesem uralten Haus z.B. lebte eine Dame, die nachts mit einer Kerze, mit Nachthemd und schlohweissen Haaren durch die Gänge schlich. Ihr stiller Ehemann, der auch schon weit über 70 war, fing sie immer wieder ein, bevor sie etwas anstellte, wirre Reden hielt oder gar davon lief. Waldo lebte mit seiner Waldorffamilie in einer riesigen Wohnung unten im Hof- ein offenes Haus, Kinder, Kunst und immer Gäste. Sehr viel später wuchsen ihm die Probleme mit Familie und Freundinnen über den Kopf und er floh nach Amsterdam, um ganz neu anzufangen. Er hinterließ, vermute ich, eine ganze Reihe trauernder Frauen in dieser Stadt. Wenn man ihn kannte, wenn man sah, wie er leichthändig und freundlich, aber auch mit sicherer Hand eine Art Lebensstil um sich verbreitete, konnte man die Frauen verstehen.

Dienstags trafen wir uns im Laden, um "Die Geheimwissenschaft im Umriss" zu lesen: Beuysschüler, Anthroposophinnen, angehende Jungpolitiker bei den Grünen und Niemande wie ich. Es artete regelmäßig in regelrechte Streitgespräche aus, aber wenn es zu arg wurde, gab Waldo heiter eine neue Runde Tee aus, man schluckte, man lachte, man beruhigte sich. Niemand hier gehörte zu den etablierten Kreisen, aber man biss sich gern an diesen Steinertexten die Zähne aus. Selbst wenn der Text verrückt erschien, war er doch anregend und vermittelte etwas wie eine andere Sicht auf die Welt, die den Geist reinigen konnte, weil er die Perspektiven verschob.
Einer, der sich besonders aufregte und die ganze Zeit über Steiners Unsinn schimpfte ("ein Leib ist ein Leib, zu allen Zeiten und in allen Umständen"), verschwand für eine ganze Weile. Er hatte im Haus seiner Eltern in deren Abwesenheit die Decke durchbrochen und durch das Loch einen Felsen befestigt, der nun, vom Dachfirst baumelnd, im Wohnzimmer schwebte. Seine Eltern hatten für solche Aktionen wenig Verständnis und benachrichtigten den Notarzt.
Aber ansonsten pflegten wir unseren wöchentlichen Salon mit Tee, durchforsteten etwa zwei Jahre lang Steiners Werke. Zwischendurch besprachen wir Politisches und begutachteten neue Arbeiten der anwesenden Künstler. Die Belegschaft wechselte, aber der unverwechselbare Stil von Waldo blieb, diese Mischung von Offenheit, Neugier und wachsamer, freundlicher Präsenz, die Räume eröffnete.

Als er ging, zerstoben die Leute mit ihm. Wahrscheinlich war es für mich eine Zeit, in der ich bei ihm in die Lehre ging. Das Raum- Schaffen ist eine Kunst, die man eben nicht an jeder Ecke lernen kann.
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Lieber Herr Eggert

Offener Brief an den Betreiber
der Webseiten unter www.egoisten.de
Michael Eggert
Köln, den 14.10.09
Lieber Michael Eggert,

ich will Ihnen nicht zu nahe treten, aber die satirische Überzeichnung, ja man könnte auch sagen
Lächerlichmachung von Hermann Keimeyer, mit dessen anthroposophischer Geistesforschung, geht
an der Sache völlig vorbei.
Vor Spott in Zusammenhang mit Ergebnissen der Geistesforschung warnt Rudolf Steiner
eindringlich in seiner 1. Klassenstunde, wiewohl er sich auch klar war, dass alles, was sich nicht mit
den Mitteln heutiger universitärer Forschung fassen lässt, unweigerlich den Hohn
agnostisch gesonnener Zeitgenossen auf sich ziehen wird.

Hermann Keimeyer war aber nicht der einzige Geistesforscher seit Rudolf Steiners Lebzeiten,
welcher aus dessen Schulungshinweisen Nektar zu ziehen weiß.

Es begann recht früh, kurz nach Steiners Ableben, dass sich mit Valentin Tomberg ein neuer
anthroposophischer Hoffnungsträger mit eigenständiger Geistesforschung zu zeigen begann.
Die allermeisten Anthroposophen waren aber der felsenfesten Meinung, außer Rudolf Steiner
könne niemand den von ihm aufgezeigten Schulungsweg souverän meistern. Dieses Missverständnis
von R. Steiners Anliegen zieht sich noch heute durch weite Teile der anthroposophischen Bewegung.
Seitdem Tomberg der anthroposophischen Bewegung, aufgrund der heftigen Ablehnung die seiner
eigenständigen Geistesforschung entgegenschlug, den Rücken bot, gab es noch viele
weitere Pioniere auf diesem Felde.

Es lassen sich nennen: Jesaiah Ben Aharon, Heide Oehms, Willi Seiß, Christiane Feuerstack
sowie der zurecht umstrittene Jostein Saether. Außeranthroposophisch war es Stylianos Atteslish,
bekannter unter seinem esoterischen Namen ‚Daskalos’, welcher den Anthroposophen im Interview
mit Günther Zwahlen (vgl. Günther Zwahlen: Daskalos – Ein Nachruf: In: „Das Goetheanum Nr. 34
vom 3. Dezember 1995), Mut machte, Steiner auf seinen von ihm vorgelebten esoterischen Pfaden
zu folgen.
Es wäre in meinen Augen halsbrecherisch für eine esoterische Bewegung, wie die Anthroposophie,
wenn in allem nur auf den verstorbenen Meister gesetzt würde, nicht aber auf eigene Bemühungen,
das dargebotene esoterische Material um eigene esoterische Forschungsergebnisse zu ergänzen (so
auch der mir persönlich bekannte Anthroposoph Dr. Wolfgang Garvelmann in einem an Sie gerichteten
Brief zur Verteidigung der Judith von Halle).

Daher möchte ich dazu ermutigen, sich auch auf Hermann Keimeyers Forschungsergebnisse zumindest
wohlwollend kritisch einzulassen.

Es grüßt Sie recht freundlich

Gez.
Michael Heinen-Anders

PS: Dieser Brief darf auf Ihren Webseiten veröffentlicht werden.Eine Rückmeldung oder Antwort ist
gleichfalls willkommen, sofern gewünscht.
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Anthroposophie in Hongkong

Hier ein paar Hinweise auf die vor einigen Tagen erwähnte Tätigkeit von Peter von Zezschwitz in China.
Auf einer Website skizziert Peter z.B. seine Aktivitäten im Jahr 2002. Die Themen, die Peter in Hongkong präsentierte, entsprechen sicherlich seinen persönlichen Interessen, docken aber auch zugleich an die östliche Tradition an: "On the other Side of the Rainbow, Goethe's Colour Research as a key to qualitative thinking. The Importance of Imagination in a Materialistic World. The Nature of Language and the Language of Nature. The Reality of the Grail and the Biography of Modern Man. Buddha, the Ancient and the New TAO. Re-Incarnation and Karma, Superstition or Reality?" Zugleich bringt Peter einige Fotos von dem dortigen Waldorf- Kindergarten, seinem Wohnort und einer Greenpeace- Mitarbeiterin. In einem Programmheft aus dem Jahr 2006 berichtet er auch über sich selbst und seine Intentionen:

"Peter, designer/artist is one of the few early students of the Hamburg-Altona Waldorf School in the early 30’s. Now a senior designer with extensive experience in Corporate Design Projects, he was Project Designer for major exhibits at the Ontario and Federal Pavilions at Expo’67 in Montreal. He founded the Macintosh Lab at Georgian College in Barrie where he taught Design and related subjects for 21 Years.
He had many speaking engagements, notably the award winning “On the other Side of the Rainbow” which he gave twice at York University in Toronto. Main interests are Dr.Rudolf Steiner’s Spiritual Science (which he called the “Science of the Grail”), the Qabbalah, an esoteric Mystery Tradition which expressed profound Cosmic Wisdom through the 78 cards of the Tarot deck of which 52 remained to be used today in our well-known playing cards with their simplified symbols. His Grail Studies found him giving talks and workshops on Waldorf Education in Canada, the US, Hong Kong and in mainland China (Zhouhai, Shenzhen and Chengdu).
With his keen sense for the Nature Beings, known by both Western and Eastern traditions, the speaker will endeavour to present his inspirational imagery which will help to understand the divine Nature of our children and our environment and help us to raise and educate them without depriving them of their most precious childhood creativity. This series of lecture/video presentations also introduces Dr. Rudolf Steiner’s educational method."
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Rosenkreuzer und Katharer

Nach Jahren hat mich wieder eine Mail des weitgereisten Peter von Zezschwitz erreicht, hier inmitten einer Gruppe während eines Workshops in Zhouhai. Peter ist oft in der Region und hat immer wieder Kurse über den Gral und die Anthroposophie gehalten.



Wir haben uns vor über zehn Jahren - damals gab es die "Egoisten" ja schon - öffentlich über Katharer, Rosenkreuzer und den Gral unterhalten. Es war ein lockerer Email- Wechsel im Verlaufe der Zeit, der damals schon online gestellt wurde. Nun hat Peter anlässlich seiner erneuten Kontaktaufnahme den alten Text wieder einsehen wollen. Es ist eine Materialsammlung mit einigen Zitaten Rudolf Steiners zum Thema, aber auch Originalquellen. Der Artikel ist hier herunter zu laden.
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Neue Bücher von Georg Kühlewind & ein Forschungsprojekt

Auch in diesem Jahr erscheint posthum ein neues Buch von Georg Kühlewind in seinem Stammverlag Freies Geistesleben, und zwar am 11. November. Es hat den Titel "Melodie und Stille: Kunst, Kontinuität und das leere Bewusstsein": "Wie arbeitet unser Bewusstsein, wenn wir erkennen, das heißt in der Wissenschaft, und wie arbeitet unser Bewusstsein in der Kunst? An diesem Leitfaden entwickelte Georg Kühlewind ein Seminar, das sich vom diskontinuierlichen Erkennen zur Kontinuität erkennenden Fühlens in der Kunst bewegt und immer aufs Neue die Erfahrung des leeren Bewusstseins sucht."

Offensichtlich handelt es sich also nicht wie bisher um Aufschreibungen Kühlewinds, sondern um eine Mitschrift von Seminarteilnehmern. Das muss kein Makel sein, ist aber doch nun etwas überraschend. Wird das ab jetzt inflationär? Bekommen wir jetzt eine GA (Gesamtausgabe) Kühlewinds mit gefühlt 365 Bänden? Nein, ich meckere nicht, ich würde sie sowieso lesen.

Aber damit nicht genug. An der Universität Klagenfurt ist ein ganz erstaunliches Forschungsprojekt (hier ein Google- Link) geplant, das die Arbeiten Kühlewinds zum Inhalt hat: "Georg Kühlewind (1924 - 2006), gebürtiger Ungar ("echter" Name: György Székely), ehemaliger Professor der physikalischen Chemie an der TU Budapest, war Autor von 23 Büchern zu Themen wie der Erkenntnistheorie und -Praxis, der Psychologie, der Pädagogik, der Sprachwissenschaft und der Christologie. Er hat die meisten seiner Bücher in deutscher Sprache geschrieben; viele seiner Bücher wurden in verschiedene Sprachen, wie Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch, Holländisch, Georgisch, Rumänisch und Ungarisch übersetzt. Er übte eine intensive, internationale Vortragstätigkeit aus. Er war ein wahrer Polyhistor und „moderner Mystiker“ – mit wissenschaftlichem Anspruch. Er war einer der bedeutendsten Wissenschaftler der modernen Zeit, der – wie das bei wahren Genies meistens der Fall ist – seiner Zeit weit voraus war."

Auf eine wunderbar "unmystische", pragmatische Weise wird der "Übungsweg" Kühlewinds dargelegt: "Das „Übersinnliche“ liegt nicht irgendwo in einem hypothetischen Raum, sondern auf dem Quellgebiet unserer eigenen Erkenntnisfähigkeiten. Üblicherweise werden uns nur die Produkte des Erkennens bewusst – die schon gedachten Gedanken, die schon in Form geronnen Wahrnehmungen. Nur die Vergangenheit des Erkennens – die „Information“ – wird uns bewusst, nicht aber sein Ursprung, seine Gegenwart. Die eigene Gegenwart kann uns aber nicht prinzipiell verschlossen sein – die Unfähigkeit, sie zu erfahren, liegt nur an der gegebenen Konstitution unseres Bewusstseins, an der Schwäche unserer Aufmerksamkeit. Wer sein Denken und Wahrnehmen im Entstehen, im Prozessualen bewusst erlebt, hat seine Erkenntnisgrenzen erweitert, und ist in die Bereich der „Gegenwart“ und des „Lebens“ eingedrungen. Das geht nicht einfach, die entsprechende Stärkung der Aufmerksamkeit muss erübt werden."

Das Projekt besteht nun darin, 17 (!) handschriftlich vorliegende Manuskripte Kühlewinds aufzuarbeiten und zu veröffentlichen, eine Website dazu zu starten und Tagungen sowie Übersetzungen zu initiieren. Man darf wirklich gespannt sein. Andererseits ist es auch bedauerlich, dass Kühlewind erst posthum quasi losgelöst wird aus dem anthroposophischen Interessentenkreis.
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Absetzbewegungen gegenüber Gronbach

Sebastian Gronbachs Buch „Missionen“ und seine Website „Mission Mensch“ gehören sicherlich zu den Tiefpunkten der in dieser Hinsicht nicht armen anthroposophischen Literatur. Die damit verbundene Absicht war, die anthroposophische Bewegung als Ganze mittels Injektionen aus dem Füllhorn okkulter Strömungen aus dem Umfeld des New Age zu reformieren bzw. „voran“ zu treiben. Unterstützt wurde Gronbach von der bis dahin angesehenen Zeitschrift Info3 und deren Redakteuren. Nun hatte sich Gronbach schon vor Wochen öffentlich dahin gehend geäußert, man wolle ihn eventuell aus dem nordrhein- westfälischen Arbeitskollegium heraus werfen. Dazu wird es wohl nicht kommen.

In der Mitgliederzeitschrift „Motive- Aus der anthroposophischen Arbeit in NRW“ treibt Anna- Katharina Dehmelt aber immerhin eine vorsichtige Absetzbewegung gegenüber Gronbach voran- etwas, was in den Augen vieler Mitglieder seit langem erwartet wird. Hintergrund ist, dass das Arbeitszentrum als solches in vorangegangenen Konferenzen „deutlich“ in Frage gestellt wurde: „Das zeigte sich zunächst in scharfer Kritik an der Mitarbeit von Sebastian Gronbach im Kollegium. Wir haben klar gestellt, dass Sebastian Gronbach keinerlei besondere Funktionen für das Arbeitszentrum übernommen hat, insbesondere nicht in der Öffentlichkeitsarbeit oder als Sprecher des Kollegiums. Seine Beiträge im Internet, seit einigen Monaten unter MissionMensch.blogspot.com, sind private Äußerungen und stoßen auch im Kollegium nicht durchweg auf Zustimmung.“ Im weiteren folgen einige diplomatisch- lobende Worte für Gronbach (sein „offene(r) Blick ins Zeitgeschehen..“)

So vorsichtig diese Distanzierung auch ausfallen mag: Die hochfahrenden, ja anmassenden Pläne des Egomanen Gronbach, Kernbegriffe der anthroposophischen Bewegung wie Karma und Reinkarnation, aber auch die christliche Orientierung im Alleingang abzuschaffen, dürften damit doch vorläufig hinfällig sein. So „privat“ Gronbachs Beiträge und seine eigenwillige Positionierung nun eingeschätzt werden - die Äußerungen Anna- Katharina Dehmelts an dieser Stelle und zu diesem Zeitpunkt sind alles andere als das: „privat“: Die „integrale“ „Mission“ mitsamt ihrer speziellen Hybris muss sich andere Betätigungsfelder suchen.
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Der tief in die Materialität gestiegene Leib des Mannes

Wann ist man ein Mann?


„Wie die Frauenform nicht bis zu dem normalen Punkt heruntergestiegen ist, um den entsprechenden Geist in der Materie auszudrücken, sondern sich auf einer früheren Stufe kristallisiert hat, so hat der männliche Leib den normalen Punkt übersprungen und ist gerade so weit darüber hinausgegangen, als die Frauenform davor stehengeblieben ist.

Daher ist der männliche Leib tiefer heruntergestiegen in die Materialität, als es das normale Verhältnis gewesen wäre, und stellt das auch schon in seiner äußeren Gestalt dar. So stellt der Frauenleib eine ins Geistige, der männliche Leib dagegen eine ins Materielle verzeichnete Gestalt dar. Die wahre Gestalt würde in der Mitte liegen.“

Rudolf Steiner, GA 116, Seite 109f
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Der "geistige" Frauenleib



„Die Frau hat, als die Einheit (der Geschlechter) in die Zweiheit trat, einen physischen Leib sich herausgebildet, der nicht vollständig aus der früheren Gestalt in die, wenn wir so sagen können, normale materielle Gestalt übergegangen ist, (daher) ist der Frauenleib auf einer geistigeren Stufe stehen geblieben. Er ist zwar materiell, dicht geworden, aber er hat in dieser Materialität eine frühere, geistigere Gestalt festgehalten.

Der Frauenleib hat gleichsam zurückgehalten eine frühere geistige Gestalt, ist nicht vollständig in die Materie hinuntergestiegen. Das ist er zwar in Bezug auf das Materielle, aber nicht in bezug auf die Form. Daher ist für den, der die Tatsachen des Lebens wirklich empfindet, oder imaginativ erkennen kann, der menschliche Frauenleib nur in bezug auf Kopf und Gliedmaßen einigermaßen eine wahre Gestalt, ein Ausdruck seines ihm zugrunde liegenden Geistigen, das heißt nur in Kopf und Gliedmaßen drückt sich etwas aus, was als materielle Erscheinung dem dahinter liegenden Geistigen ähnlich ist.“ (Rudolf Steiner, GA 116, Seite 108)

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Die Selbstbewusstseinsseele

Das Zeitalter der „Selbstbewusstseinsseele“ (ein Begriff von Georg Kühlewind, im Original heisst das bei Steiner nur „Bewusstseinsseele“) ist für mich dasjenige der Psychologie. Denn die Psychologie vermittelt ja vor allem den Blick auf das eigene Innere: Auf die Gefühle, Reflexe, Fallstricke, biografischen Verwicklungen, Reaktionsmuster, Verkrustungen, Wunden. Dass dieser Blick aber überhaupt möglich ist, bedeutet aber doch, dass ein Teil des Selbst - derjenige, der betrachtet- sich aus diesen seelischen Gegebenheiten schon befreit hat. Auch die eigene Seele - obgleich wir so stark aus ihr heraus leben- kann potentiell zum Ding unter Dingen werden, zu einem Gegenstand der Betrachtung. Das ist immer ziemlich schmerzlich. Aber es ist notwendig, um die Bedingungen unserer eigene Impulse, Antriebe, aber auch Hemmungen durchschauen zu lernen und ihnen nicht ausgeliefert zu sein.

Auf der anderen Seite kann der Part in uns, der das Innere betrachten kann, weiter gestärkt werden: „Das Merkmal zur Möglichkeit der Bewusstseinsseele ist das Reflektieren- können auf das Bewusstsein, auf die Seele selbst, wenn auch nur auf die Vergangenheit der Bewusstseinsprozesse, nicht auf das Erleben der Gegenwart. Dies zu erleben, ist gerade die Bildung der Bewusstseinsseele geeignet, die Erfahrung der freien Aufmerksamkeit durch sich selbst in der Gegenwart - die Vergangenheit wird sofort Objekt der gegenwärtigen freien Aufmerksamkeit.“ (Georg Kühlewind, „Der Gral oder Was die Liebe vermag“, Ostfildern 1997, S. 18)

Das „Gebet“ der Bewusstseinsseele (die nach Steiner heute weltweit zum seelisch- geistigen Normalzustand wird oder geworden ist) ist nichts Mystisches oder Geheimnisvolles, sondern - so Kühlewind- „der Zweifel, ihre Fähigkeit das Fragen“. Je mehr sie sich im Menschen emanzipiert, je mehr sie zur Reife kommt, ist sie frei von inneren und äußeren Mechanismen, Automatismen und Determiniertheiten. Wenn es bei diesen Zweifeln und Selbstzweifeln auf Dauer bleibt, führt diese Revolte allerdings doch zu nichts als Resignation, Verzagtheit und Rückzug ins Private. Auch Zweifel können manieristisch und selbstbezogen wirken. Die Stärkung der autonomen inneren Instanz kann aber auch insofern weiter führen, dass die Aufmerksamkeit - übend verselbständigt- zu einer neuen „geistige(n) Geburt des Menschen“ (Kühlewind, S. 19) führt. Die Aufmerksamkeit selbst wird dabei - ohne Inhalte des zu Betrachtenden- zu einer rein geistigen Erfahrung. Der Betrachter, der auf das Betrachten verzichtet, erlebt einen Zustand reiner Aufmerksamkeit und dabei die eigene geistig autonome Entität. Insofern gilt die alte Mysterienforderung „Erkenne dich selbst“ nicht mehr. Heute heisst es vielmehr „Erschaffe dich selbst“: „Das Selbst erschafft sich in der gesteigerten Aufmerksamkeit, wenn sie stark genug wird, sich selbst zu erfahren..“ (Kühlewind, S. 20).

Diese Erfahrung jenseits der personellen Determiniertheiten, der körperlichen Rückmeldungen, der seelischen Reflexe, der Macht der Gewohnheiten und Erinnerungen beschreibt Kühlewind so: „Die Kraft in den Formen hat gelernt, ohne Formen zu bleiben und ein formfreies Selbst zu werden.“ (S. 21) Das Leben „ohne Form“ ist das Leben des Ich selbst, das sich nun in das hinein versetzen kann, was immer ihm begegnet.
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Floris Schreve: Neo-Nazi elements sold as Anthroposophy

Floris Schreves umfassende Arbeit „A Bridge too Far? Neo-Nazi elements sold as Anthroposophy“ ist eigentlich ein Buch ( etwa 60 Seiten Umfang) und ist - bis auf die Zitate- auf Englisch verfasst. Das Büchlein ist gut lesbar geschrieben, aber auf eine sehr provokative Art. Denn das Thema sind Neo- Nazi- Websites mit anthroposophischem Anstrich, Kritiker wie Helmut Zander und die ganze Pracht von rassistischen Stellen in Steiners Werk. Dennoch bemüht sich Schreve um eine differenzierte Darstellung, auch wenn er Vielen auf den Schlips treten mag.

Er selbst schreibt über sich:

„Floris Schreve (1973) studies art history at the University of Leiden, the Netherlands. He went to a primary Waldorfschool and grew up in an environment with moderate sympathy for the anthroposophy. He published several articles on contemporary art of the Arab world (mainly Iraq). Since a two years he researched the issue of 'races' in the work of Steiner and of contemporary anthroposophists. Most of his contributions (in Dutch) can be found on or on the website of Ramon de Jonghe (Belgium), a critical website on the Belgian Waldorfschools and anthroposophy.“

http://florisschreve.blog-s.nl/
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Das Zerschneiden des Silberfadens

Mit dem Zerschneiden des Silberfadens fällt vor allem die Macht der Gewohnheiten ab, die Vorstellung des Raums, die Erfahrung des sich- selbstempfindenden Individuums. Die Gewohnheiten und die scheinbare Kontinuität der Erinnerungen - also die Erfahrung der persönlichen Zeitlichkeit- konstituieren dabei ganz wesentlich das, was wir als unser Ich bezeichnen. Wie sehr die scheinbar grundlegenden Erinnerungen einen selektiven, ausschnitthaften und unsicheren Charakter haben, wird vor allem deutlich, wenn man mit sehr alten Menschen an der Schwelle umgeht. Das hohe Alter beginnt damit, dass man die in einem selbst abgemalten Lebensphasen rückwärts durchschreitet. (Mein Vater ist zum Beispiel gerade im Jahr 1943 angelangt). Diese Phasen stehen einem alten Menschen dann nicht nur deutlich vor Augen, er lebt zeitweise regelrecht darinnen und vergisst die Jetzt- Zeit fast völlig. Das ist eines der Dinge, die man als jüngerer Mensch gerne als Demenz klassifiziert. Aber es ist doch vor allem und zuerst ein verändertes Zeitempfinden.

Rudolf Steiner meinte, dass dieses Zeitempfinden sich nach dem eingetretenen Tod noch deutlich verändert: „Die Zeit ist innerhalb der Erde gar keine Realität. Um in die Zeit als Wirklichkeit hineinzukommen, muss man aus dem Raume heraus, alles Räumliche wegschaffen, das aber heißt: sterben.“ (GA 236, Seite 243)

An der Schwelle, wo der Silberfaden dünn ist, hat man es schon mit einem ganz anderen Menschen zu tun. Er ist vor allem - da die determinierende Macht der Gewohnheiten gerade abgelegt ist- in Momenten auf eine besondere Art und Weise präsent. Man kennt ihn eigentlich seit Jahren und Jahrzehnten vor allem als Gebilde aus solchen - teils skurrilen- Gewohnheiten und seelischen Reflexen- jetzt, physisch hauch dünn geworden- ist es, als käme frische Luft hinein- ein Staunen, ein Wundern, dass man noch am Leben ist. Wenn die Seele wieder staunen kann, hat sie ihre Jugend wieder gefunden. Aber körperlich schwankt es - es lässt sch nicht ausmachen, in welche Richtung es gehen wird. Zwei Tage später ist der Appetit wieder da, aber auch das Gefühl, dass das Leben einem etwas schulde. Man kann wieder mäkeln.

Die Zeit, meinte Steiner in obiger Textstelle, „erleben Sie erst im seelischen Erleben“. Das kann man als eine meditative Erfahrung verstehen, aber wir wissen auch im Alltag, dass die Zeit sich anders anfühlt, wenn sie in einer todlangweiligen Schulstunde erlebt wird - oder in einem anregenden Gespräch.

Die Macht der Gewohnheiten, die im Laufe des Lebens kontinuierlich anwächst, um dann an der Schwelle abzufallen, ist ein anderer Grund für die häufige Zuschreibung von Demenz, auch wenn diese nüchtern betrachtet nicht nur durch das Individuum konstituiert wird. Denn die Individualität inmitten ihrer Gewohnheiten, die einen existentiellen Charakter angenommen haben, stösst auf die Bedürfnisse eines maschinellen Systems wie die eines Krankenhauses. Die Maschine kann mit Individualismus nicht umgehen, er ist ihr nicht nur fremd, sondern er ist ausschließlich störend. Im Lichte der Maschine muss der alte Mensch, der in seinem häuslichen Kontext vielleicht noch gut funktioniert, skurril, krank und therapiebedürftig erscheinen.

Bevor er reißt, ribbelt der Silberfaden sich langsam auf. Schritt für Schritt wird die Lebenszeit zu einem seelischen Erlebnis. Man ist im Strom der Zeit und löst sich Schritt für Schritt darinnen auf. Sicherlich muss ein ganz anderes Sich-selbst-Erleben damit verbunden sein. Wenn der Im- Zeitstrom- Schwimmende sich losreisst, ist der Silberfaden zerrissen.

„A. Das Leben ist sehr kurz.
B. Mir kommt es sehr lang vor.
A. Es ist kurz, wo es lang, und lang, wo es kurz sein sollte.“

(Novalis, „Dialogen und Monolog 1798“)
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Der "wirkliche Geistesforscher"

„Dasjenige, was besonders geeignet macht, in die wirkliche geistige Welt einzudringen, das ist Regsamkeit des Geistes, das ist Aktivität des Geistes, das ist ein gewisser Eifer in dem Verfolgen wirklicher Gedanken, in dem Sichüben an Herstellung von Verbindungen entfernt liegender Gedanken, das ist eine gewisse Regsamkeit in schnellem Ergreifen von Gedankenzusammenhängen, das ist eine gewisse Liebe zur inneren geistigen Aktivität.

Zwischen einer medialen Veranlagung und der Veranlagung für wirkliches geistiges Erkennen ist ein Unterschied wie zwischen Tag und Nacht. Das ist die eine Bedingung, die besonders erfüllt werden muß, wenn wirkliches geistiges Forschen möglich sein soll. Eine andere Bedingung ist die, daß die Seele eines wirklichen Geistesforschers möglichst wenig zugänglich sein darf für Suggerierbarkeit, daß sie möglichst skeptisch, möglichst kritisch gegenüberstehen muß auch den Dingen des äußeren Lebens.

Der wirkliche Geistesforscher wird es mit Freude erleben, daß gerade diejenigen, die ihm nahetreten, über kurz oder lang auch ihm gegenüber zu einem selbständigen Urteil, zu einer gewissen inneren Freiheit kommen, und daß sie nicht durch blinde Anhängerschaft, durch Suggerierfähigkeit sich zu ihm halten, sondern durch die gemeinsamen Interessen gegenüber der geistigen Welt.“

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Rudolf Steiner, GA 67, Seite 219ff
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Hans-Peter Dieckmann: Zu Ralf Sonnenbergs Artikel “Vergangenheit, die nicht vergehen will“

Ralf Sonnenbergs Artikel ist schon eine Herausforderung für viele Anthroposophen! Das wurde schnell an den Kommentaren auf dieser Website zu ihm deutlich, die von heftiger Kritik bis zu einer Reihe von erfreuten Reaktionen reichen, nach denen es endlich einmal jemand wagt, die Problematik von Rudolf Steiners Rassenlehre ungeschminkt anzusprechen, ohne dabei den differenzierten Blick auf sie und die Anthroposophie mit ihrem Initiator zu verlieren. Natürlich spielen in die Kommentare viele Erfahrungen mit den seit Jahren erhobenen Rassismusvorwürfen gegen die Anthroposophie und den Umgang von Anthroposophen mit ihnen und der Rassenlehre Rudolf Steiners hinein. Die konstruktiven Kommentare zu Ralf Sonnenbergs Artikel münden in die Frage: Wie können wir die Anthroposophie weiterentwickeln?

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Ralf Sonnenberg: Plädoyer wider die ›anthroposophische Korrektheit‹

In diesem zuerst 2003 in der Zeitschrift »Novalis« (Nr. 9/10) erschienenen, zwischenzeitlich aktualisierten »Plädoyer wider die ›anthroposophische Korrektheit‹« fordert Ralf Sonnenberg, Historiker und langjähriger Redakteur der Zeitschrift »Die Drei«, die anthroposophische Bewegung auf, sich den gegenüber Rudolf Steiner erhobenen Rassismus- und Antisemitismus-Vorwürfen ohne Scheuklappen und Fragetabus zu stellen. An Beispielen wie einer Veröffentlichung des Christengemeinschafts-Pfarrers Friedrich Rittelmeyer aus dem Jahre 1934 sowie eines Vortrages Rudolf Steiners über den mittelalterlichen Ahasver-Mythos von 1908 wirft Sonnenberg die Frage auf, inwieweit die Anthroposophie auch heute noch an antijudaistischen Denkfiguren und Stereotypen partizipiert, die zum Teil dem Fundus idealistischer Geschichtsphilosophien des 18. und 19. Jahrhunderts entstammen. Die kritische »Nachlese« Sonnenbergs bezieht sich auf das vor einiger Zeit vom Bund der Waldorfschulen in Auftrag gegebene Erscheinen zweier apologetischer Schriften der Autoren Hans-Jürgen Bader, Manfred Leist und Lorenzo Ravagli, die rassistische und antijudaistische Auffassungen Steiners leugnen.

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Regina Reinsperger: Rudolf Steiner und die Sonnenenergie

„….Man kann ja hoffen, dass man, wenn die Erde einmal sehr arm wird an Kohle, direkte Sonnenwärme durch irgendeine Umwandlung wird zum Heizen benutzen können; aber heute geht das eben noch nicht, dass man Sonnenwärme unmittelbar zum Heizen benützt. Es wird vielleicht gar nicht mehr lange dauern, so wird man darauf kommen, wie man es machen kann….“ - sagte Rudolf Steiner am 24. Oktober 1923 in einem Vortrag vor den Arbeitern des Goetheanum-Bau in Dornach.

Für „den gläubigen Anthroposophen“ ergibt diese Stelle, dass Rudolf Steiner die Solartechnik hellsichtig vorausgesehen hat. Hat er das wirklich? Dazu ein wenig Geschichte der Solartechnik bis ca. 1920 ganz kurz gefasst und ohne Anspruch auf Vollständigkeit

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Scaligero und Evola

Hans-Peter Dieckmann hat in den Kommentaren bereits darauf hingewiesen, wie wenig wir von den Einflüssen auf Massimo Scaligero wissen, wie wenig über die Art, Dauer und Intensität. Die vorliegenden Dokumente sind mehr als dürftig, selbst die fünf in deutsche Sprache übersetzten Bücher Scaligeros sind für mich noch nicht alle greifbar. Ergänzt werden sie durch einige Bruchstücke aus Scaligeros autobiografischen Notizen in „Dallo yoga alle rosacroce“. Aus diesen Bruchstücken lässt sich aber immerhin ablesen, dass Scaligero nicht immer diesem „rosenkreuzerischen Schulungsweg“ gefolgt ist. Als die Bruchstelle stellt er seinen erzwungenen Gefängnisaufenthalt am Ende des Weltkrieges dar. In der Zelle kam er dazu, etwas für sich auszubilden, in dem Anthroposophie keine „Lehre“ im Sinne aufsagbarer Vokabeln mehr für ihn war, sondern etwas, was ihn im Innersten berührte: „Im Gefängnis kam ich dazu, meine konkrete Methode der Meditation auszubilden. Es war für mich die Möglichkeit, durch klare, reine Gedankenkraft, die Lehre von Rudolf Steiner erfahren zu können (…). Hier konnte ich beginnen, die Kraft der Einsamkeit und Stille mit meinem innersten Wesen zu erleben (…) Ich nahm die Synthese aller meiner vorherigen esoterischen Erfahrungen und begann diese auf die Geisteswissenschaft Steiners auszurichten.“

An dieser Nahtstelle fragt man sich, auf was sich diese „Synthese aller meiner vorherigen esoterischen Erfahrungen“ eigentlich bezieht. Aus manchen der übersetzten Bruchstücke wird deutlich, dass sich diese Synthese auf Fragen bezieht, die denkbar weit entfernt sind von dem, was den Inhalt dessen, was Rudolf Steiners Geisteswissenschaft ausmacht, tangiert. Es handelt sich um die „Magia Sexualis“, um die Sexualmagie, um das Erleben einer „Natur, die das Ich mit sich reisst“, um „die höchsten Kräfte, in denen die Widersachermächte wirken“. Der Weg nach Scaligeros innerer Wende 1945 (soweit diese tatsächlich stattgefunden hat) bestand in einer Aufarbeitung einer Positionierung, in der „man“ (..) „geneigt ist, sich für einen geistigen Führer zu proklamieren“ und in einer Arbeit in Bezug auf die „Erlösung des Eros“ („Dallo yoga alle rosacroce“), wobei der Schlüssel „das gereinigte Denken“ sei. Massimo Scaligero war der Auffassung, dass diese spezifische Arbeit schon im Sinne Rudolf Steiners sei, auch wenn dieser „in seinem Werk nicht vom Sexus“ („Dallo yoga alle rosacroce“) spräche. Scaligero ist der Ansicht, dass der Gralsweg derjenige ist, „der das Ich in das Herz der Erde führt“. Für ihn selbst bedeutet dieser so gesehene Weg vor allem - ohne falsche Askese- „die Erlösung der menschlichen Seele von dem Eros.“ Er findet diese Erlösung in einer geistigen „androgynen Wiederherstellung“- schon immer war der Eros für Scaligero „die tiefste Sehnsucht, das verlorene Paradies wieder zu erlangen.“ Im Reinen Denken beginnt der Erlösungsprozess für Scaligero, der in eine „Auferstehung des Fühlens“ mündet, eine Art „Sonnen- Alchemie“, in der der Eros im „Mittelpunkt des Herzens“ frei von der „begehrenden Hitze“ aufersteht. Am Ende erlebt Scaligero „das Fliessen der kosmischen Willensströmung in die Ätherstrukturen seines Denkens und Fühlens“.(„Dallo yoga alle rosacroce“)

Diese sehr spezielle Darstellung, dieses in meinen Augen höchst individuelle Ringen um „absolute Reinheit“ und „ursprüngliche Keuschheit“ („Dallo yoga alle rosacroce“) muss eine Vorgeschichte haben. Den rosenkreuzerischen Schulungsweg aufzufassen als eine Befreiung von der Determiniertheit durch Begierden und Sexualität im Speziellen, verweist auf eine konkrete und schwer wiegende Vorgeschichte.


weiter zum ganzen Aufsatz Michael Eggerts
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Massimo Scaligero: Im Gefängnis

„Es war mein Schicksal und mein Karma, das mich in das Gefängnis „Regina Coeli" gebracht hat. Ich kam in die sog. politische Abteilung des Gefängnisses, aufgrund der Tatsache, dass ich zwei anthroposophischen deutschen Freunden geholfen hatte. Diese Beiden hatten mir dann, als ich im Gefängnis war, allerdings nicht weiter geholfen.
All dieses war eine vorgeburtliche Entscheidung von meinem Ich. Es war für mich wie für jedes Individuum von grosser Bedeutung, das Schicksal so zu durchschauen, dass man die führende Kraft des Ich in den erscheinenden Ereignissen erfahren kann.
Im Gefängnis kam ich dazu, meine konkrete Methode der Meditation auszubilden. Es war für mich die Möglichkeit, durch klare, reine Gedankenkraft, die Lehre von Rudolf Steiner erfahren zu können. Anfangs war es schwierig, mit der neuen Situation umzugehen und sich an sie zu gewöhnen, es gab herumlaufende Tierchen und kalte, nasse Wände. Nach ein, zwei Wochen etwa verbesserte sich meine Lage: Die für mich verantwortlichen Aufseher und Wärter erkannten anscheinend etwas an meiner Persönlichkeit, was sie überzeugte, dass ich nicht ein sog. „politischer" Häftling sei und ich deshalb in eine Einzelzelle gesperrt wurde. Nun hatte ich eine Zeile für mich, es war in der Abteilung 322.“

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Massimo Scaligero: Die Politik als Maya

„Was ich in jener Zeit schrieb, könnte ich in jeder Zeitung, linker, rechter oder Mitte-Ausrichtung wieder veröffentlichen, nur mit dem Ersetzen des Wortes „Faschismus" z.B. durch den Ausdruck „soziale Vision" oder „moralische Instanz".“- ist eine der geradezu zynischen Verharmlosungen Massimo Scaligeros zu seiner faschistischen Vergangenheit. 1972 erschienen, zeigt diese absurde Verteidigungsschrift, dass Scaligero keineswegs zu einer inneren Wandlung durchgestossen war. Im Gegenteil- während der Verfassung seiner spirituellen Arbeiten glaubte er, er könne seine faschistische Ära dadurch rehabilitieren, dass er einfach ein paar Begriffe austauschte.
Die Banalität dieses Versuchs einer Reinwaschung spricht aus dem Text selbst. Er selbst - so stellt er sich dar- war nur eine Randfigur, die angeblich ihren Status nutzte, um Anderen zu helfen. Seine selbstlose Nächstenliebe war auch der einzige Grund für seine Inhaftierung. Dieser Text erinnert nicht nur an Benesch, er ist auch genauso erbärmlich wie dessen Selbstdarstellung. Benesch in seiner herrischen Art machte allerdings nicht einmal den Versuch einer Rechtfertigung, er ließ die Wirklichkeit einfach weg.

Zu Scaligeros Text..
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Hans-Peter Dieckmann: Zu Scaligeros „Die Politik als Maya“

Auf Anregung von Georg Kühlewind und dem Übersetzer einiger Bücher von Scaligero ins Deutsche*, Georg Friedrich Schulz, war ich während der ersten Hälfte der 90er Jahr des vergangenen Jahrhunderts zu einem begeisterten Leser der meditativen Texte von Scaligero geworden. Ich verdanke ihnen wertvolle Anregungen für meine meditative Praxis, was aus einigen Beiträgen von Michael Eggert über diesen wichtigsten Aspekt seiner Nachkriegsarbeiten meines Erachtens gut nachvollziehbar ist. 1994 führte meine Beschäftigung mit Scaligeros Büchern zu einem Arbeitskreis zu seinem “Traktat über das lebende Denken“, den ich zusammen mit einem anderen Leser von Scaligero gründete.

Wie mein Mitbegründer hatte ich der dem “Traktat über das lebende Denken“ beigefügten biographischen Skizze vertraut, die auf Scaligeros Tätigkeit als Chefredakteur einer faschistischen Zeitung von 1932 bis 1944 hinweist, ihn aber vom Faschismus frei spricht.

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Peter Staudenmaier: Über Massimo Scaligero

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„I think most anthroposophists are still unaware of Scaligero's racial writings. Even Italian anthroposophists, who have ready access to the texts themselves. Scaligero denied his own racism in his autobiography (in fact he cast his racial writings from the Fascist era as anti-racist), and lots of anthroposophists have simply taken this at face value. What is a little more surprising is that anthroposophists seem entirely unaware of the existing scholarship on the history of Fascist race policy, which discusses not only Scaligero's role in the racist campaign, but that of other Fascist anthroposophists as well, such as Ettore Martinoli and Aniceto Del Massa. In any case, Scaligero's racist publications are not hard to find in Italy. I think it would be good if anthroposophical admirers of Scaligero would familiarize themselves with this aspect of his work.“

weiter zum Text von Peter Staudenmaier..
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Regina Reinsperger: Verbot der Anthroposophischen Gesellschaft in der NS-Zeit

Wer sich nicht nur mit der Geschichte des europäischen Judentum im 20. Jahrhundert, sondern auch einmal in einer wissenschaftlichen Bibliothek (und nicht nur im Internet) mit der Geschichte des Judentum im Deutschen Reich des 19. Jahrhunderts befasst hat, findet dabei selbstverständlich auch überaus reichliches Material über den Antisemitismus. Man ist erschüttert, wer sich alles negativ über „die Juden“ geäußert hat: angesehene Philosophen, Theologen, Wirtschaftswissenschaftler, Politiker, Journalisten und Bürger, die sogar unzählige „Antisemitische Vereine“ gegründet haben und überaus erfolgreich Mitglieder warben. Selbstverständlich stößt man bei dieser Beschäftigung auch auf die Rassentheoretiker, die sich gern einen wissenschaftlichen Anstrich gaben und nicht nur gegen die „jüdische Rasse“ hetzten. Alles in allem ist es ein beschämendes Thema, ähnlich der Inquisition des Mittelalters.

Nur eins lässt sich nicht finden: Schriften Rudolf Steiners, die den theoretischen Rassismus vorbereitet oder gefördert haben. Ihn dessen zu beschuldigen entspricht der Ebene, die Philosophie des Aristoteles auf seine Äußerungen über das Nicht-Menschsein der Sklaven und das nicht voll entwickelte Menschsein der Frauen und Kinder zu reduzieren oder die Philosophie des Thomas von Aquin an seiner Ansicht über die Frauen zu messen, mit der er aber „im Trend der Zeit“ lag. Da eine weitere Ausführung den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, hier nur ein kurzes Zitat Steiners aus dem Jahre 1909 über die Rassen: „Was wir heute Rassen nennen, das sind nur noch Überbleibsel jener bedeutsamen Unterschiede der Menschen, wie sie in der alten Atlantis üblich waren. So recht anwendbar ist der Rassebegriff nur auf die alte Atlantis. (GA 117, Seite 151)“ „Die alte Atlantis“ entspricht dabei einer wissenschaftlich nicht belegbaren Zeit kurz nach den Dinosauriern, hat also mit unserer realen Gegenwart nicht das Mindeste zu tun. „Aber jetzt schon hört der Rassebegriff auf, in Bezug auf die Entwicklung der Menschheit einen rechten Sinn zu haben. (GA 130, Seite 169)“. Wer sprach sonst solch einen Gedanken aus in einer Zeit, in der Antisemitismus und abenteuerliche Rassentheorien als „normal“ empfunden wurden? Und welcher Rassentheoretiker verkehrte mit den von ihm verachteten Menschen jüdischen Glaubens?

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Das leuchtende Gewand

Nach den Recherchen von Peter Staudenmaier war Massimo Scaligero vor und während des 2. Weltkriegs aktiver Faschist in Norditalien. Seine Schriften, die während und nach seiner Gefangenschaft (1945) entstanden, vor allem in den 60er und 70er Jahre bis zu seinem Tod, haben den Titeln nach spirituellen Charakter. Da sie nur zum geringen Teil übersetzt und - auch antiquarisch- schwer zu bekommen sind, kann ich nur das beurteilen, was ich vorliegen habe, und das ist das sehr anregende Buch „Traktat über die unsterbliche Liebe“. Es geht im Kern um das Verhältnis von Reinem Denken und Sexualität. Scaligero schreibt wie ein Blogger. Er schreibt nur zum geringen Teil zielgerichtet, linear: Seine Methode ist eine kreisende Aneinanderreihung von Meditationen über das Thema- so als wären es separate kleine Betrachtungen. Das Niveau ist schon deshalb hoch, da er offensichtlich aus der Vertiefung heraus schreibt, nicht nur über sie. Das ist also nichts für ungeduldige Leute. Das Thema entwickelt sich von innen heraus- in dem Maß, in dem man es mitvollzieht. Daher schreibt Scaligero, seinen Anspruch formulierend, im Vorwort auch: „Dieses Buch kann nicht einfach gelesen oder studiert werden. Es ist vielleicht nicht einmal der Meditation zugänglich, es sei denn, der Meditierende setzt das Denken so in Bewegung, dass es in seinen eigenen Inhalt eingeht.“ Man kann also nicht erwarten, Rezepte, Anleitungen oder auch nur eindeutige Aussagen Scaligeros zum Thema zu erhalten.

Ich habe mich an manchen Punkten auch gestossen. Scaligero ist keiner, der einfach und simpel irgend eine Art von Askese predigt. Er ist keinesfalls lustfeindlich. Auch wenn er eine Sublimierung der Begierde schlechthin beschreibt und sich im Grunde an die Quellen der Lust begibt, um sie spirituell zu fassen, verbrämt er sie nicht und zieht an keiner Stelle aus seiner Erfahrung heraus moralisierende Schlüsse. Aber selbst das ist nur schwer und über lange mitgehende Denkbewegungen eindeutig bei ihm fest zu machen. Manchmal klingt es auch anders, manchmal rührt er eindeutig an das, was in östlichen Traditionen als Kundalini- Kraft bezeichnet wird.

Aber Scaligero bewegt sich immer wieder an Grundlagen des Denkens überhaupt- etwa an die Beziehung zwischen Bewusstsein und Leben: „Der Widerspruch, der dem Bewusstsein anhaftet, besteht darin, dass es außerhalb seiner selbst das Leben sucht, das es von sich ausgeschlossen hat, um Bewusstsein zu sein. Dadurch, dass es zum Bewusstsein wurde, hat es das Leben zu etwas anderem gemacht. Zwar ist es der Ansicht, es in den Sinnesempfindungen dennoch zu haben, hat es dort aber immer nur so, dass es ihm zur Abstraktion gerät und verloren geht. Es kann das Leben nur berühren, das ihm aus der Tiefe als das noch unberührte oder nichtdialektische Denken entgegenblickt: als jenes Denken, das für einen flüchtigen Moment - im Wahrnehmen selbst- mit dem Lebendigen vereinigt ist.“

Das Bewusstsein kann auf der Ebene des Alltagsdenkens nur existieren, indem es „das Leben von sich“ stösst. Statt der reinen Erfahrung des Lebendigen wird ein Vorstellungsbild oder eine „persönliche Empfindung“ produziert: „Es nimmt das Leben nicht wahr, denn es sucht es außerhalb seiner selbst - unwissend, wie es seine eigene Grenze überschreiten kann. Es sucht es in einem Bild von der Welt, das schon des Lebens beraubt ist.“

In der Empfindung oder Vorstellung verlöscht das Lebendige. Eine „Fortsetzung“ in der Seele „könnte sich nur in der Bewegung des reinen Denkens ergeben, die das Leben tragen kann, weil sie von dessen sinnlichen Manifestationen unabhängig ist.“ Im reinen Denken kann sich die „Verknotung“ des Bewusstseins lösen; es werden „die Kraftlinien des Denkens, das sein eigenes Licht verstrahlt, wirksam: des Denkens, das undialektisch - als objektives Wollen - im leiblichen Willensstrom anwesend ist.“ (S. 153)

Vielleicht wird aus dieser Textstelle deutlich, in welchem Maß hier ein meditativer Text vorliegt, der eigentlich mantrischen Charakter hat und meditativ mitvollzogen werden will. Bei aller Skepsis in Bezug auf die Integrität des Autors: Diese Qualitäten wird man dem Buch gerne zugestehen. Die Erfahrung, die Scaligero an diese Textstelle anschliesst, lautet: „Dadurch ist die Seele selbst wie neu geboren, als zöge sie ein leuchtendes Gewand an, kann sie doch erst jetzt ihre eigene Wahrheit verwirklichen: die Unabhängigkeit vom Begehren. Das ist die Unabhängigkeit, durch die es möglich wird, die Erfahrung selbst als Leben in ihrer wunderbaren Unpersönlichkeit wahrzunehmen.“

So kreist Scaligero in seiner meditativen Praxis, die er in diesem Buch mitvollziehbar darstellt, um seine persönlich- unpersönliche Interpretation einer „Philosophie der Freiheit“. Sonntagsreden erspart er sich und uns. Es ist ein Arbeitsbuch, aus und für die konkrete Arbeit geschrieben.
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Mein iPhone und sein Dämon

Nun ja, zu Rudolf Steiners Zeiten beeindruckte Technik vor allem durch Grösse, Schnelligkeit und reine Effizienz am industriellen Arbeitsplatz. In einer sehr fernen Zukunft, meint Steiner, werden wir noch auf ganz andere Weise für diese Technik zu zahlen haben: Sie wird sich, „lebendig“ geworden, gegen uns wenden:
„Schaut Euch die riesenhaften Maschinen an, welche die menschliche Technik heute mit allem Scharfsinn konstruiert! In ihnen schafft sich der Mensch die Dämonen, die in Zukunft gegen ihn wüten werden. Alles, was der Mensch heute an technischen Apparaten und Maschinen sich erbaut, wird in Zukunft Leben gewinnen und sich dem Menschen in furchtbarer Weise feindlich entgegenstellen.“

„Riesenhaft“ ist mein iPhone nicht gerade, wenn man es für sich betrachtet. Es ist ein etwas fettes und schweres Handy mit zahlreichen Organizer- Funktionen. Es ermöglicht mir, Termine, Adressen, Fotos, Musik, Lieblingsfilme, Dokumente, Navigation, Wecker und was noch zu meinem Alltag gehören mag, mit mir herum zu tragen. „Riesenhaft“ ist es dennoch aus zwei Gründen. Zunächst ist es durch „Apps“ (Mini- Applikationen) auf denkbar leichte Weise zu erweitern. Es gibt Zehntausende davon. Praktisch ist z.B. eine App wie AroundMe, die sofort und überall Apotheken, Parkplätze, Restaurants usw. um mich herum anzeigt und mich auf einer Karte auch hinführt. Das iPhone ist eine wunderbare Allrounder- Maschine, die auf denkbar kleinstem Raum ziemlich beliebig erweiterbar ist.

„Riesenhaft“ ist das iPhone aber auch deshalb, da es ja Teil des globalen Netzwerks ist und überall Zugang zu Emails und Internet hat. Es ist insofern nur eines von Millionen Endgeräten, die an diesem Netzwerk partizipieren. Die Maschine, der Apparat ist eigentlich nicht das iPhone, sondern das Netz zwischen den Geräten- seien es Computer, Handys, Navigationsgeräte oder eben ein Zwitter wie das iPhone.

Die Apparate, von denen Rudolf Steiner sprach, waren Dinosaurier der Mechanik. Was wir heute vor uns haben, ist eine Art weltweites neuronales Netzwerk, eine mechanisierte, dynamische, globalisierte Intelligenz. Natürlich hat mein iPhone z.B. auch einen direkten Zugang zu Wikipedia. Es hat Zugriff auf das wachsende lexikalische Wissen. Der kleine Dämon in meiner Hand hat eben einen mächtigen Schatten.

Im Gegensatz zu Steiners Vorstellung von Technik als etwas, was nur „nach dem Nutzen“ entwickelt wird und keinesfalls danach, ob „etwas schön und edel“ ist, erscheint mir das iPhone als das alles zugleich. Es ist sicherlich auch ein schönes und edles Gerät. Das Bedürfnis, am wachsenden globalen „Mind“, einer technischen Weltmaschine teilzuhaben, aber auch selbst aktiv daran mitzuwirken, wird durch dieses angenehme und praktische Gerät eben auch auf ästhetische Art befriedigt. Heute entzünden sich rationale Zweifel an dieser Technik an konkreten Fragen danach, ob und wie weit man dann auch überall zu orten ist und in wie weit man seine persönliche Daten, die man mit sich herum trägt, denn auch noch schützen kann. Es gibt auch noch einige Zweifel, was man alles, wenn man die Dinge technisch löst, selbst verlernt. Meine Generation ist z.B. noch mit Karten aufgewachsen. Meine Generation hat sich in Bezug auf die Orientierung Vorstellungen gebildet. Wer nur diese winzigen Ausschnitte auf einem iPhone-Display und die verbalen Anweisungen der Navigationssysteme kennt („Halten Sie sich rechts“), entwickelt solche Orientierung natürlich nicht mehr. Die entsprechenden Hirnareale werden faktisch arbeitslos. Wie abhängig wollen wir uns machen?
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Das melodiöse Empfinden

„Das melodiöse Erleben ist dasjenige in der Menschennatur, welches den Kopf des Menschen dem Gefühle zugänglich macht. Der Kopf des Menschen ist sonst nur dem Begriffe zugänglich. Sie schieben gewissermaßen durch die Melodie das Herz in den Kopf. Sie werden in der Melodie frei, wie sonst im Vorstellen. Das Gefühl wird abgeklärt, gereinigt. Es fällt alles Äußere von ihm fort, aber zu gleicher Zeit bleibt es durch und durch Fühlen.“
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Rudolf Steiner, Gesamtausgabe 283, Seite 138
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Steiner online

Es fällt auf, dass in letzter Zeit immer mehr Seiten kommen, in denen Teile oder nahezu das ganze Werk Steiners online verfügbar gemacht werden. Nehmen wir mal die umfangreiche Scan- Arbeit Rudolf Saackes, anthroposophieonline: „Die Initiative zur freien Verwaltung des literarischen und künstlerischen Nachlasses des Begründers der Anthroposophie, Rudolf Steiner, lädt Sie ein, die Früchte der Anthroposophie zu genießen. Damit wir der Welt Hefe werden mögen.“ Die Initiative sitzt jetzt anscheinend in Dänemark.

Das Rudolf Steiner Online Archiv dagegen wird bei der Brigham Young University präsentiert: „Das Rudolf Steiner Online Archiv möchte eine wachsende Sammlung kostenloser und frei zugänglicher, zugleich aber lesbarer und möglichst fehlerfreier Versionen der Texte Rudolf Steiners zur Verfügung stellen. Jeder soll, unabhängig von materiellen oder geographischen Umständen, in die Lage versetzt werden, sich selbst ein Bild vom „Ereignis Rudolf Steiner“ zu machen und der geistigen Herausforderung, welches das „Abenteuer Anthroposophie“ darstellt, in individueller und schöpferischer Weise zu begegnen. Das Archiv möchte so zu einem Organ jenes Freien Geisteslebens werden, dessen Bedeutung Steiner so nachhaltig herausgestellt hat.“ Wie dem auch sei, Steiner wird immer leichter erreichbar, und zwar durchaus nicht nur in dürftigen Kompilationen, sondern im vollen Original. Mir persönlich ist ein gediegenes Buch angenehmer..

Barbara weist noch auf eine Seite namens Uranos-Archiv hin, auf der manche seltenen und bislang unveröffentlichten Vorträge Rudolf Steiners angeboten werden - teilweise von mitgeschriebenen, aber nicht autorisierten Texten.
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Die Mystik des Denkens

Es ist wahr, was dem ursprünglichen anthroposophischen Schulungsweg von New-Agern vorgeworfen wird: Dieser Weg lehnt eine Mystik vor dem Denken ab. Das Ver-inbrunsten von Devotion, Emotion, Engelmystik usw. zum Zwecke höherer Gefühle - vielleicht auch spezifischer „Erfahrungen“- ist hier schlicht nicht das Gewollte. Die mystischen Sehnsüchte sind eben auch etwas, in dem sich das Ego spiegeln kann- sie sind nicht frei von innerer Korruption. Gefühle sind nun einmal keine transparente Instanz- das Denken kann das aber sehr wohl sein.

Wie in den letzten Tagen auch in den Kommentaren beschrieben, wagt die Disziplin des „Reinen Denkens“ auf vielerlei Art den Sprung von der Konzentration in die eigene „Weite“, in das „Fliessende des Denkens“, in die willensgetränkte Selbstrealisation. Den Begriff „Meditation“ für dieses Tun zu verwenden, ist vielleicht etwas gewagt, denn in der gemeinten Art und Weise steigt man lediglich in den Fluss, der die Steine am Ufer bewegt: Das lebendige Denken, einmal erwacht, erscheint als das Normalste der Welt. Als nicht normal dagegen erlebt man das Alltagsdenken, das krampfhaft fixiert auf die Inhalte seiner Betrachtung ist und dabei sich selbst vergisst.

Das Reine Denken ist sich dabei an jedem Punkt seiner selbst bewusst. Auch im übertragenen Sinne, denn die damit verbundenen spezifischen Körpergefühle hängen augenscheinlich mit Kraftfeldern zusammen, die in manchen Kulturen als Chakren bezeichnet werden. In dieser Hinsicht spricht der anthroposophische Schulungsweg sicherlich andere Kraftbereiche an als das in mystischen und ekstatischen Umwelten üblich zu sein scheint. Bei ersterem geht die Entwicklung von oben nach unten, beginnend im Bereich vor der Stirn.

Die Mystik folgt dem lebendigen Denken schon von selbst. In den Tiefenschichten der Ruhe werden die grossen Empfindungen von selber wach. Man „hat“ sie nicht wie eine simple Emotion. Man weiss, sie sind da, und man ist darin zu Hause. Die damit verbundenen Evidenzgefühle allerdings, die bis an den Punkt kommen, an dem man an einen Bereich der Wahrheit heran rühren kann, einer moralischen prima materia, können auch zu Irrwegen führen, wenn man sich dabei zu ernst nimmt und das mystische Erleben personifiziert. Es ist kein persönlicher Verdienst damit verbunden, kein Grund, kein Vorteil, kein Gewinn. Man erfährt eine Art von moralischem Denken, von dem man weiss, dass es da ist, dass man tief damit verbunden ist- aber es ist kein Denken, das man produziert. Das moralische Denken erweist sich als ein Da-sein.

Man könnte das als eine Mystik des Denkens bezeichnen. Man muss nur beachten, an welcher Stelle, unter welchen Vorzeichen und vor allem, in welcher Transparenz diese Mystik auftritt.

„Das in der Finsternis leuchtende Licht ist in der Seele das lebendige Denken, das in den gespiegelten oder abstrakten Gedanken hineinstirbt. Wenn aber das Denken seine eigene Natur vergisst, dann verkommt auch sein Licht. Es nimmt die Form von Instinkten und Leidenschaften an, die sich wollend und fühlend in einer abstrakten Welt bewegen, die im Grunde nichts als das Resultat des gespiegelten Denkens ist, in welchem das Licht erlosch. Dennoch ist es dasselbe Licht, das, wenn es sich aus dem Farben- und Formenspiel der Welt befreien kann, in der Seele als imaginatives Leben oder Licht-Denken aufblüht: ein Leben, vor dem die Finsternis der instinktiven Natur ihren verkehrten Glanz verliert ...“

(Massimo Scaligero, „Traktat über die unsterbliche Liebe“, S. 133)
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Ingrid Haselberger: Von der Reinigung des Denkens

Um nicht nur in seltenen „Sternstunden“ von „blitzartiger Erkenntnis“ überwältigt zu werden, sondern für ein solches Erleben in sich aktiv die Bahn freizumachen, sodaß schließlich ein, wie Michael bzw Georg Kühlewind es so schön beschrieben haben, „angehaltener, dauerhaft gewordener Blitz“ daraus entstehen kann - dazu mag es hilfreich sein, sich einige der „Verunreinigungsquellen“ zu vergegenwärtigen, die unser Denken so gern trüben, Hindernisse, die uns „Scheuklappen“ aufsetzen, durch die das natürliche Licht, das „lumen naturale“ (Descartes) nicht mehr zu dringen vermag.
Aus gegebenem Anlaß möchte ich heute als erstes das folgende Hindernis auf dem Wege ein wenig näher betrachten:

weiter zum ganzen Text
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Zum "Reinen Denken"

Jostein geht in einem aktuellen Blogbeitrag - nicht zuletzt angestossen durch Blog- übergreifende Auseinandersetzungen über Mosmuller, Grauer und andere Autoren- auf das Thema „Reines Denken“ ein. Einerseits ist dieses in seinen Augen eine „Grundlage des hellseherischen Schauens“. Andererseits ist dieses „zu Evidenz führende autonome Denken ... nämlich ein Bewusstseinszustand, in welchem einen die Freiheit zum Schöpfen nicht dirigiert, etwas zu tun, sondern frei lässt, auch nichts zu tun.“ Er grenzt diese Form des intensivierten, bereits spirituellen Denkens - das noch lange keinen imaginativen Charakter haben muss- ab von Alltagsverrichtungen wie „andenken, auffassen, ausfragen, ausdenken, bedenken, besinnen, betrachten, einschustern, entdecken, erdenken, erfinden, erforschen, ergründen, erinnern, erörtern, erwägen, gedenken, grübeln, lernen, nachdenken, prüfen, Rücksicht nehmen, sinnen, spekulieren, studieren, überlegen usw.“ Ziel ist für ihn dabei, „das Denken so anzulegen, dass daraus eine lebendige, dynamische und mächtige Energiequelle entstehen“ kann.

Georg Kühlewind beschrieb in Vorträgen eben diese „Energiequelle“ als etwas wie einen angehaltenen, dauerhaft gewordenen Blitz. Er meinte damit, dass wir bei den gedanklichen Suchbewegungen nach Lösung eines Sachverhalts ab und zu etwas wie eine blitzartige gedankliche Intuition haben, die die Suchbewegungen plötzlich auf eine andere Ebene hebt und die Lösung so „wie Schuppen von den Augen fallen“, nahelegt. Der Unterschied zu den oben von Jostein zitierten denkerischen Alltagsverrichtungen ist der, dass diese immer in einem zeitlichen und logischen Nacheinander verlaufen- eventuell unterbrochen von mäandernden Nebenverläufen, von kreisenden Denkbewegungen. Die gedankliche Intuition dagegen hat kein Nacheinander- sie entsteht blitzartig, überraschend und fasst das, was sich bisher aneinander reihte, in einer kraftvollen Bewegung in eins zusammen.

Das „Reine Denken“ ist ein andauernder Blitz, eine erlebte, praktizierte, realisierte Intuition. Wenn man von gegenständlichen Konzentrationsübungen ausgeht, die - auf verschiedenen Ebenen- einen beliebigen Gegenstand meditativ betrachten, gibt es auf der höchsten Abstraktionsstufe einen Riss, an dem man dazu übergeht, den gedachten Gegenstand in hoher Konzentration quasi leiblich zu realisieren. Es ist eine gedankliche Erfahrung, die derartig gesättigt von Willen ist, dass man selbst zu diesem Gegenstand wird. In diesem Augenblick hört das Nacheinander des diskursiven Denkens auf und man geht in das Erfahren des „Blitzes“ über. Ähnlich ist es bei mantrischen Übungen, bei denen die Worte und mögliche Deutungen und Zusammenhänge sich wie auflösen in eine reine Erfahrung.

Diesen klar bewussten, willensgetränkten Schwebezustand, den man in der Tat - wie Jostein schreibt- als Energie erlebt, mit der man selbst auf das innigste verbunden ist, kann man anfangs nur schwer aufrecht erhalten. Die Unterbrechungen stellen sich schnell ein- etwa durch einen besonders bestechenden Gedanken, den man näher anschauen möchte, oder durch unwillkürliche Assoziationen, die sich doch wieder störend melden. Es ist auch möglich, dass sich der nun gefundene Weg bei späteren Anläufen als nicht mehr gangbar erweist- vielleicht weil man die Sache mit Erwartungen überfrachtet, verkrampft ist oder einfach unbedingt will. Man kann beim Reinen Denken die Ebene jederzeit wechseln. Das ist auch wichtig, um seine Erfahrungen einordnen zu können. Mit wachsender Geschmeidigkeit gelingt aber auch nach und nach der Wechsel von der diskursiven auf die meditative, fliessende Ebene ohne die krampfartigen Anläufe der Anfangszeit. Das Andere, weitere ergibt sich von selbst. Es ist, nebenbei bemerkt, in seinen Themen und in der Ausgestaltung höchst individuell. Da die zeitliche Staffelung in dieser Erfahrung fehlt - überhaupt Zeit- und Körpergefühl zeitweilig verloren gehen- ist es später sehr schwer, sich konkret zu erinnern. Umgekehrt kann man Sachverhalte manchmal aber doch wie komprimiert daraus nehmen und sie z.B. schriftlich wiedergeben. Man ist dann erstaunt, wie breit und komplex es wird, wenn man es in eine zeitliche und logische Ordnung zu bringen versucht. Es war ja eigentlich nur ein zeitloser intuitiver Blitz. Man bemerkt: Diese Komprimierung ist wie ein Bild, das sich erst im Reflektieren in seine Details entfaltet. Rudolf Steiner nennt das daher eine Imagination.

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Blüte & Schmetterling



Wenn man in Steiners Gesamtwerk etwas passendes zu warmen Sommerabenden sucht, empfiehlt sich vielleicht der Vortragszyklus „Der Mensch als Zusammenklang des schaffenden bildenden und gestaltenden Weltenwortes“ an. Denn hier geht es um die Natur im weitesten Sinne, um Korrespondenzen zwischen Mensch und Tier, Tier und Pflanze - und vor allem um eine konkrete Poesie, eine eigentlich von Steiner geschaffene neue Kunstform, die eine Imagination der geschaffenen sinnlichen Welt darstellt. Nehmen wir als Beispiel eine kurze Textstelle, in der es um die Schmetterlinge geht:

„Was Sie nun hier haben unter dem Einfluss des außerirdischen Kosmos, diese ganze Entwickelung vom Keim durch Raupe, durch Puppe zum Schmetterling, das können Sie nun da verfolgen: Indem der Same irdisch wird, der Erde anvertraut wird (...), entwickelt sich die Pflanzenwurzel, das erste, was aus dem Keim entsteht.

Und statt dass die Raupe kriecht in den Kräften, die vom Mars ausgehen, entsteht das Blatt, das in Spiralstellung herauf kriecht. Das Blatt ist die unter den irdischen Einfluss gekommene Raupe. Sehen Sie sich die kriechende Raupe an, dann haben Sie dasjenige, was im Oberen entspricht dem Unteren, dem Pflanzenblatte, das sich herausmetamorphosiert aus dem, was Wurzel geworden ist durch den Samen, der aus dem Sonnenbereich in den Erdenbereich versetzt worden ist.

Gehen Sie weiter hinauf, dann haben Sie, zusammengezogen immer mehr bis oben, wo der Kelch ist, dasjenige, was Puppe ist. Und endlich entwickelt sich der Falter in der Blüte, die ebenso farbig ist wie der Falter oben in den Lüften. Der Kreislauf ist geschlossen.
Wie der Schmetterling sein Ei legt, so entwickelt sich in der Blüte wiederum der Same zu dem Künftigen. Sie sehen: wir blicken hinauf in die Luft zum Schmetterling, wir verstehen ihn als die in die Luft erhobene Pflanze.“ (S. 72)
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Ingrid Haselberger: Evidenzerlebnis

Nehmen wir ein mathematisches Gesetz, beispielsweise den Pythagoreischen Lehrsatz: In allen ebenen rechtwinkligen Dreiecken ist das Quadrat, das sich über der Hypotenuse errichten läßt, gleich groß (d.h. hat den gleichen Flächeninhalt) wie die beiden „Kathetenquadrate“ zusammen.

Wenn ich das lese, sind es zunächst einmal Worte. Ich kann sie, nachdem ich mir Klarheit verschafft habe über die Bedeutung von Begriffen wie „rechtwinklig“, „Dreieck“, „Hypotenuse“ oder „Quadrat“, auswendig lernen (unzählige Mittelschüler tun das), und der Satz läßt sich in all meinen künftigen Berechnungen erfolgreich anwenden, auch ohne daß ich seine Richtigkeit „begriffen“ habe.

Ich kann mir aber auch einen der Beweise dieses „Lehrsatzes“, die zum Beispiel hier angeführt sind, anschauen.

Nehmen wir den ersten, den „geometrischen Beweis durch Ergänzung“.
Ich kann auch hier bloß an der Oberfläche bleiben, mir etwa denken, „aha, das schaut auf den ersten Blick ganz vernünftig aus, es sind offenbar zwei gleich große Quadrate, die irgendwie aufgeteilt werden, na, das wird schon seine Richtigkeit haben“ – und mich damit zufriedengeben.
Ich kann aber auch mit diesem Beweis „mitdenken“. In diesem Fall werde ich dazu kommen, daß mir das zu Beweisende e-vident wird, es leuchtet aus der Zeichnung hervor, läßt sich aus ihr heraus-sehen. Und wenn ich den Beweis in dieser Weise nachvollzogen habe, dann brauche ich den Pythagoreischen Lehrsatz in Zukunft weder zu glauben noch auch auswendigzulernen: denn ich werde jederzeit in der Lage sein, ihn mir wieder e-vident zu machen.

Wenn es mir bloß darum geht, künftig voll Vertrauen mit der Formel a² + b² = c² rechnen zu können, kann ich es bei dieser Art „Evidenzerlebnis“ bewenden lassen.

Ich kann aber auch innehalten, mich vom Inhalt des „Heraus-gesehenen“ ab- und der inneren Qualität dieses Erlebens zuwenden. Damit gehe ich der Emp-findung nach, die ich immer dann habe, wenn etwas mir in dieser Weise „evident“ wird. Ich lenke meine Aufmerksamkeit auf die tiefinnerliche „Gewißheit“, „Erkenntnisfreude“, „innere Helligkeit“, „Stillung der Frage durch die ihr gewordene Antwort“ --- ich brauche viele Gänsefüßchen, weil keines dieser Worte imstande ist, ein solches Erlebnis vollkommen auszudrücken.

Diese tiefinnerliche Empfindung ist zwar von einem ganz bestimmten Gedankeninhalt veranlaßt worden, läßt sich aber dennoch isoliert von diesem Inhalt betrachten.
Und wenn ich versuche, dieses Erlebnis zu beschreiben, dann komme ich vielleicht – wie Ruth - auf Sätze wie diesen: „Wer in diesen Wahrheits- oder Ruhebereich eintritt, ist sich dessen fundamental sicher.“
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Der lebendige (wahre, tolle, ewige) Rudolf Steiner

Mieke Mosmuller hat ihre eigene Art, Denkmäler zu bauen. In „Der lebendige Rudolf Steiner“ baut sie eines für Rudolf Steiner. Man sollte meinen, davon seien in den letzten 100 Jahren genügend erschienen. Aber dies ist nun halt das vorerst ultimative, denn die Erkenntnisse Mieke Mosmullers basieren auf dem „reinen Denken“. Sie erklärt in dem Buch nicht genau, worum es sich dabei handelt. Es handelt sich aber offenbar um eine ganz bestimmte meditative Qualität, die sie um die gefühlten 50 Mal erwähnt, stets mit dem Anspruch einer gewissen geistigen Objektivität. Nach eigenem Bekennen hat Frau Mosmuller „1983 mit dem Lesen der Bücher und Vorträge Rudolf Steiners angefangen“, 1987 dann „überkam mich das erste Mal die Erfahrung des reinen Denkens“.
Überkam?

Ich selbst benutze den Begriff auch- in dem Sinn, dass damit die meditative Erfahrung schlechthin angesprochen wird. Es sind Evidenzerlebnisse dabei möglich, eine automatisierte Objektivität verbinde ich damit nicht. Frau Mosmuller versteht ihre Erfahrungen als derart essentiell, dass damit eine ganz neue, umfassende Annäherung an Rudolf Steiner selbst möglich wird. Heraus kommt allerdings eine keineswegs originelle Arbeit mit neuen Einsichten, sondern eine Devotionalie, die manche der zahllosen Vorgänger locker in den Schatten stellt.

Mosmuller beginnt mit dem Referieren gängiger Vorurteile gegen Steiner. Dem stellt sie ein anderes, „erwärmtes“ Lesen der Arbeiten Steiners gegenüber. Sie grenzt sich gegenüber Anthroposophen ab, die Steiner blind verehren, aber vor allem auch gegen solche, die Teilaspekte aus seinem Werk heraus gliedern, um etwa die christlichen Aspekte seines Werks zu leugnen. Auch kritische „Spötter“ unter den Anthroposophen finden nicht ihre Zustimmung. Selbst ernannte „neue Eingeweihte“ wie Judith von Halle sieht Mosmuller mit grosser Skepsis. Ihre „Begeisterung“ für den „einzigartigen“ Rudolf Steiner wird von keiner der genannten Strömungen adäquat geteilt. Mosmuller bemüht sich, mit ausführlichen Zitaten die Grösse des „eingeweihten“ Steiners zu beweisen und kommt von nun an, in sich steigerndem Furor, immer wieder auf die genannten Gruppierungen innerhalb der Anthroposophie zurück. Insbesondere die Gruppe um die Info3- Redaktion wird namentlich genannt. Dass der alberne Herr Gronbach seine Erleuchtungen auch vor dem Computerbildschirm erfährt, erwähnt Mosmuller immer wieder. Dabei bleibt es aber nicht. Auch die anthroposophische Gesellschaft an sich, schreibt Mosmuller, sei „seit 1925 eine Mumie“. „Anthroposophie“ sei seitdem zu einem „Ungeheuer“ geworden, das lediglich „wie Gift wirkt“- ein „Nichts“, das erfüllt sei „mit Ahriman und Vernichtung seines Erzfeindes: Rudolf Steiner“.

Abschnittweise, sprunghaft und äußerst subjektiv geht Mosmuller durch die Lebens- und Schaffensperioden Steiners durch. Die bekannten Konflikte zu seinen Lebzeiten nehmen breiten Raum ein. Es soll bewiesen werden: Eine innere Opposition hat sich schon zu Lebzeiten Steiners positioniert und ist sofort nach seinem Tod vollends zutage getreten. Das ist natürlich völlig offensichtlich und benötigt keine 50 Seiten Anlauf. Natürlich - so Mosmuller- habe sich Rudolf Steiner nicht karmisch mit der Anthroposophischen Gesellschaft verbunden. Im Grunde sei in ihr von ihm keine einzige Spur mehr zu finden.

Um dieses Manko zu beheben, setzt sie dem ihre „Beziehung zum lebendigen Rudolf Steiner“ entgegen. Diese sei nur durch das „reine Denken“ zu finden, das damit implizit über jeden Zweifel erhaben sei: „Da gibt es keinen Zweifel mehr, da gibt es reines Denken“. Dies obwohl sie zwei Seiten später (S. 127) selbst zugibt: Das reine Denken habe „noch nicht die Möglichkeit, rein Geistiges außerhalb seiner selbst zu erkennen“. Es müsse erst durch eine „Ohnmacht“ hindurch gehen. Der Individualität Steiners will sie sich aber dennoch jetzt annähern, indem sie lange Zitate von Aristoteles, Thomas von Aquin und Steiner aneinander reiht. Das hätte eine schöne Arbeit werden können, wenn sie nicht von vornherein die Absicht gehabt hätte, mittels gewisser Übereinstimmungen eine Karma- Reihe dieser Entelechie „zu beweisen“ oder dem Leser eben zu suggerieren. Die ganze dünne Essenz dieser verkrampften, uninspirierten Bemühungen ist die Erkenntnis, dass wir heute, wenn wir „über ihn denken wollen, (..) ihn noch viel größer zu sehen wagen (müssen), als er als Rudolf Steiner war. Denn er ist nicht mehr „Rudolf Steiner“, kein Mann, keine Frau. Er ist das Wesen, das die menschliche Intelligenz retten muss, sie für die Götter erhalten muss.“ (S. 163)

Es ist erstaunlich, dass ein Buch wie dieses, das die menschliche Intelligenz zu retten sich kämpferisch anhebt, das sich prallvoll von „reinem Denken“ als Prinzip und Methode gibt, derart konventionelles, völlig uninspirierendes Wortgestrüpp produziert, das allenfalls dazu taugt, Heiligenbildchen wie in Lourdes zu prägen und eine trunkene Anhängerschaft zu schaffen. In mancher Hinsicht hat die Frau ja recht. Es finden sich in manchen ihrer Diagnosen, auch in der (bei ihr lediglich behaupteten) Kraft des reinen Denkens, die ich ihr nicht absprechen möchte, interessante Ansätze. Aber ihre mangelnde Systematik, ihr Furor, ihre blossen Behauptungen und die Tatsache, dass sie vollkommen gängige, konventionelle Einstellungen zu Rudolf Steiner, die etwa die Hälfte aller Anthroposophen durchaus kennen und oft auch teilen, zu einmaligen, neu geschöpften Erkenntnissen aufbläst, schaffen ein seltsam irreales, altbackenes und devotes Büchlein, das keinen frischen Wind aufkommen lässt, sondern eine bleierne Müdigkeit hinterlässt.

Falls nun Herr Niederhausen und die anderen Anhänger von Frau Mosmuller mich als satanischen Kritiker einstufen sollten, auf einer Stufe mit den Herren Hau, Gronbach und Heisterkamp, muss ich das wohl hinnehmen. :-) Überflüssig ist das Buch trotzdem.
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Judith von Halle ist endlich angekommen

..nämlich heute Abend im Grossen Saal des Goetheanum, wie man dem Programm entnehmen kann. Vorbei der Rosenkrieg, das Gezicke, die Drohgebärden: Die Anthroposophische Gesellschaft schliesst eine der Ihren wieder in die Arme. Zu Pfingsten keine Kleinigkeit. Auch das Thema ist gewohnt von-Halleisch: „Von der Begegnung mit dem Christus-Wesen in gegenwärtiger Zeit“.
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Anthroposoph sein

Eine pathetische Verortung.




Ein Anthroposoph- bei dem hängt etwas über, dringt über ihn/ sie hinaus. Er kann nicht ganz aufgehen in dem, was der Alltag von ihm verlangt- es ist immer noch etwas, was damit nicht ganz im Einklang steht, was darüber hinaus drängt. Das kann sich ins Skurrile, Eigenwillige, Künstlerische ausleben, vielleicht auch früh in eine bewusste Suchbewegung. Vielleicht gibt es signifikante Erlebnisse, die eigentlich auch als solche sofort erkannt werden. Wenn man etwas Steiner gelesen hat, versteht man das. Das ist vielleicht ein Unterschied zu anderen Menschen- die haben solche Erlebnisse auch, vergessen sie aber oder übersehen sie oder missdeuten sie. Meist werden sie gar nicht erkannt. 

Mit dem Älterwerden ergibt sich eine gewisse Diskrepanz zu sich selbst. Man wird sich selbst zum Wahrnehmungsobjekt und fasst allerlei seelische Konfigurationen scharf ins Auge. Ein Anthroposoph wächst aus sich hinaus- es gibt eine Zeugenschaft auch gegenüber sich selbst. Das muss man realisieren. Man kann sich heute als rein geistiges Wesen erleben. Das ist eben der Zeuge. Er ist nur sich selbst nicht bewusst, sondern ist gebannt vom Blick auf das Feste, Gewordene, Vergangene. Es gilt, dieses Selbsterlebnis zu festigen. Leider verstellen sich die Zugänge für den Adepten immer wieder aufs Neue. Man macht Anläufe über Anläufe, hängt aber auch fest wie an einem Gummiband. Dann bemerkt man, so geht es nicht, man muss es anders versuchen. Seinen Stil finden, seine Augenblicke. Das ist schwierig und frustrierend. Ich denke, Viele bleiben an dieser Stelle hängen. Man darf jetzt auch nicht mehr zu stark an Steiner hängen. Er hat seinen eigenen Sprachduktus, das weckt bestimmte Vorstellungen beim Adepten, die können aber den Blick verstellen.  

Es gibt einen Augenblick, an dem das Üben als solches nicht mehr existiert, sondern zum existentiellen Bedürfnis wird. Es ist dann aber kein Üben mehr und bedarf keiner spezifischen Umgebung oder Form. Der Alltag wird die Übung. Es beginnt eine gewisse Kontinuität in einem erweiterten Körpergefühl. Manche seelischen Eigenschaften wie Aufbrausen, Wütendwerden, In-bestimmten-Situationen-aus-dem-Gleichgewicht-geraten, Sich- Bemitleiden verlieren ihren zwingenden Charakter. Sie sind weiter da, aber man folgt ihnen nicht mehr blind. Das ist der Augenblick, wo eine gewisse Beruhigung der See stattfindet. Der Zeuge wird nicht mehr auf dem Boot von jedem Wind getrieben. Jetzt dringen tiefere Rhythmen aus dem Inneren des Leibes herauf. 

Nun ist es möglich - da das Wogende, Blick-Verstellende abgeklungen ist - ohne störende Wolken einen ersten Blick auf die Sterne zu erhaschen. Es hat etwas von einer Neugeburt. Man kann es jetzt auch sagen: Ja, ich bin Anthroposoph.

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Ita Wegmann und die Anthroposophische Gesellschaft


Die niederländische Ärztin Ita Wegman hatte zusammen mit Rudolf Steiner die Anthroposophische Medizin begründet und war von Rudolf Steiner als Leiterin der Ersten Klasse der Freien Hochschule am Goetheanum vorgesehen, dazu kam es jedoch aufgrund seines Todes im März 1925 nicht mehr. - Am 14. April 1935 wurden Ita Wegman , Elisabeth Vreede und zweitausend weitere Mitgliedern vom Vorstand aus der Anthroposophischen Gesellschaft ausgeschlossen. Ein halbes Jahr später, am 1. 11. 1935, wurden die Anthroposophische Gesellschaft und ihr Schrifttum in Deutschland durch die Nationalsozialisten verboten – auch als innerer Folge der Zwietracht innerhalb der Gesellschaft?
Nach ihrem Ausschluss sagte Ita Wegman folgendes über die Anthroposophie und die Anthroposophische Gesellschaft:

Alle alten Formen, auch die allerletzte Form für die Anthroposophie, sind gründlich kaputt gemacht, und mir kommt es jetzt so vor, als ob man nicht mehr eine Form für das Leben der Anthroposophie zu suchen hat, sondern dass jeder Mensch selber die Form ist, mit der sich Anthroposophie vereinen will. Wo dieses geschehen ist, werden Menschen sich finden und sich vereinen, um ein Glied zu werden des wahren Geistvereins. Die Gesellschaft ist nicht mehr nötig, weil die Anthroposophie schon auf Erden ist. Auf den einzelnen Menschen kommt es jetzt an und die müssen dann zusammen bilden aus ihrer Entwicklung heraus einen höheren Verein, der seine Wurzeln hat in der geistigen Welt. Jede individualistische Entwicklung ist hiermit bewahrt, jede Freiheit des einzelnen Menschen und aus der Einsicht des einzelnen Menschen heraus fühlt er sich mit diesem Geistverein oder Michaelschule verbunden. So hat es mir in meinem Innern geklungen. Auf mein eigenes Darinnenstehen in diesem Impuls, darauf kommt es an. Das andere richtet sich von selbst.

Der Ausschluss Ita Wegmans wurde 1948, 5 Jahre nach ihrem Tod, als unberechtigt zurückgenommen. Ihr Zitat scheint mir heute wieder - oder noch immer aktuell zu sein?

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Zitat Wegman nach: Mieke Mosmuller: “Der lebendige Rudolf Steiner“, Seite 118, und Peter Selg: „Geistiger Widerstand und Überwindung“, Seite 201

Regina Reinsperger
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Raymond Zoller: Durchgangsstation 2

Bezieh mich auf deinen in den „Egoisten“ gelesenen Artikel „Durchgangsstation“:


Bei dem Steinerschen Ansatz geht es ja insgesamt um eine Erkenntnishaltung bzw. laufende Entwicklung einer Erkenntnishaltung; die einzelnen Maßnahmen – darunter auch etwa: Lesen von Texten, Gründen einzelner Vereine und Initiativen usw… - sind tatsächlich nur Durchgangsstationen auf diesem Entwicklungsweg.

Nach Steiners Tod – und teilweise auch schon zu seinen Lebzeiten – vergaß man diesen ursprünglichen Ansatz und ging dazu über, sein Werk als Dogmensystem zu handhaben und mit sektenspezifischem Gehabe zu verwalten und zu vertreten. Das konnte auf Dauer nicht gut gehen. In dem Werk steckte genug entwicklungsfähige Substanz, die auch bei Vernachlässigung des eigentlichen Anliegens, i.e. der Entwicklung der Erkenntnishaltung, eine zeitlang fruchtbar werden konnte; aber irgendwann läuft das sich doch tot. Und inzwischen hat es sich, wie mir schon länger aufgefallen ist, tatsächlich totgelaufen.

Für mich persönlich hat Steiners Werk selbst sich nicht totgelaufen; das ist für mich nach wie vor aktuell; und wollte ich es verleugnen, so müßte ich meine jahrelange Entwicklung verleugnen, an der es untrennbar Anteil hatte. Getrennt habe ich mich von den anthroposophischen Zusammenhängen; doch auch als ich, rein äußerlich, noch stärker damit verbunden war, hatte meine innere Entwicklung nix damit zu tun; da hatte ich keine Chance, mich verständlich zu machen. Übrigens auch nicht mit den Witzenmann-Anhängern, die dem Lippenbekenntnis nach sich der ursprünglich gemeinten Entwicklung der Erkenntnishaltung widmen; bei denen wirkt zwar alles etwas intelligenter; aber im Durchschnitt sind die genau so dogmatisch verhärtet wie die übrigen auch.

Meinem Verständnis nach hätte nicht nur die anthroposophische Gesellschaft als solche, sondern jede Entwicklung von Initiative, jeder einzelne durchgeführte Schritt Durchgangsstation sein sollen zu freiem Erkennen; da aber dieser eigentliche Ansatz nicht zum Tragen kam, gingen die ganzen Zusammenhänge, nachdem die auch ohne übermäßige Erkenntnisentwicklung fruchtbaren Anregungen verblüht waren, in Fäulnis über.

Die – meinem Eindruck nach von starken persönlichen Ambitionen getragene – Info3-Akrobatik und sonstiger Hokuspokus sind nur die alleräußerlichsten Symptome dieses Verfalls.

Sinnvolle neue „tragfähige Konzepte“ kann es nicht geben; ihrem Ursprung nach ist die anthroposophische Gesellschaft konzipiert als „freie Gemeinschaft sich befreiender“ (wenn man det so sagen darf); das Konzept, wenn auch mißverstanden und vergessen, ist im Prinzip da; und da es so gründlich verdrängt wurde, halten „sich befreiende“ – besonders in der derzeitigen Verwesungsphase, wo ja wirklich überhaupt nix mehr zu holen ist – sich von diesen Zusammenhängen in der Regel fern und versuchen, die Sache mit sich alleine abzumachen.

Im Grunde eine fast schon kosmisch zu nennende Katastrophe; aber da kann man nun mal nix mehr machen.

Ich selbst bin inzwischen sogar bemüht, meine Sympathie für Steiner in meinem Umfeld nicht bekannt werden zu lassen; und ich vermute, daß ich nicht der einzige bin, der das notgedrungen so handhabt.
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Raymond Zoller, Odessa
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Goethe und die Rosenkreuzer


Das wunderbare kleine Buch Frank Teichmanns ist posthum erschienen und besteht aus einer Abfolge von sechs Vorträgen. Zunächst knüpft Teichmann an die Anfang des 17. Jahrhunderts erschienen rosenkreuzerischen Grundschriften wie etwa „Die Chymische Hochzeit“ an. Die Wirkung dieser Schriften war im 17. Jahrhundert unglaublich gross; es entstanden als Sekundärliteratur um die 6000 Schriften in dieser Zeit. Als Autor wurde Johann Valentin Andreä vermutet, der sich erst später dazu bekannte. Ein grundlegendes Bild in den Schriften war der „Philosophische Berg“- den man aus verschiedenen Richtungen und unter unterschiedlichen Schwierigkeiten besteigt, auf dessen Gipfel, einmal angekommen, aber jedermann das gleiche Panorama vor sich hat.

Die Einweihung des Christian Rosenkreutz im 14. Jahrhundert ist das eigentliche Thema der Chymischen Hochzeit. Diese grosse, letzte „klassische“ Einweihung des Altertums setzt Teichmann in einen Zusammenhang etwa mit den Mysterien von Eleusis und mit der Platonischen Schule. Die uralte Tradition dieser Art von innerer Schulung klingt eben dann, im 13. Jahrhundert, aus - zu einer Zeit, als sich Rosenkreutz aufmacht, die Tradition mit einer sehr kleinen Gruppe von Anhängern im Verborgenen aufzugreifen und zu verwandeln. Die Tübinger Gruppe um Andreä (1568-1614), dessen Biografie Teichmann ausführlich beleuchtet, machte diese Vorgänge später in ihren bildreichen Schriften publik. Der Spiritus rector dieser kleinen Bewegung hat auf diese Weise spirituelle Impulse in die europäische Kultur einfliessen lassen- Impulse im übrigen, die bis heute wirksam sind. Bekannt ist der Einfluss auf Lessing und Goethe. Letzterer kam in ersten, starken Kontakt mit diesen Ideen durch seinen Hausarzt, der ihn, als er als junger Mensch sterbenskrank wurde, gerettet hatte. Im Faust, an dem er sein Leben lang gearbeitet hat, ist dieser Einfluss deutlich, vor allem aber, ganz explizit, im Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie (hier der ganze Text).

Im Gegensatz zu allen möglichen mystischen Bewegungen richtete sich das Rosenkreuzertum immer auch auf die „Offenbarungen“ und die Erkenntnis der Natur. Das hat Goethe mit 28 Jahren in seiner Reise in den Harz und durch die Besteigung des Brockens umgesetzt. Dieser war, im Wortsinn und in symbolischer Hinsicht, Goethes Philosophischer Berg. Die Harzreise im Winter hat dann nicht nur Gedichte hervor gebracht, sondern vor allem bewirkt, dass Goethe bei dieser Gelegenheit bestimmte Gesteinsformationen vorfand, die in ihm das Interesse an Geologie, an der Farbenlehre weckten, an der Naturwissenschaft überhaupt. Das Ganze in einer Art innerem Aufruhr, weil es etwas war, was ihn zeitlebens nicht mehr loslassen sollte: „Es ist schon nicht möglich, mit der Lippe zu sagen, was mir widerfahren ist“.

Das „faustische Streben“ war in Goethe endgültig erwacht. Das „Märchen“ als die am deutlichsten rosenkreuzerisch inspirierte Schrift Goethes war dann auch das, was Inhalt der allerersten Vorträge Rudolf Steiners war. Nach Teichmann war das zu dieser Zeit Steiners „Detektor, mit dem er die Leute sucht, die sich für Geistiges interessieren“. Mit Steiner wurde die Tradition des Rosenkreuzertums somit neu aufgegriffen und fortgeführt. Die Besonderheiten dieser Bewegung heute und im Rahmen des anthroposophischen Schulungsweges stellen den Ausklang dieses Buches dar, das man auch als ein besonderes Vermächtnis Frank Teichmanns verstehen darf.
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Durchgangsstation


Die Anthroposophie war ja nun immer in einer schwierigen Position. Unter Theosophen und aus theosophischen Weltbildern entwachsen, ohne deren Vokabular je ganz abzulegen, hatte es Anthroposophie schwer, im brodelnden, gewalttätigen, aber auch enorm verdichteten, evolutionären 20. Jahrhundert ernst genommen zu werden. Die alten Zöpfe hängen, ellenlang, immer noch über dem dünkelhaften alten Rock. Inmitten weltweiter gesellschaftlicher, technischer, wirtschaftlicher Umbrüche beschäftigt sich die Anthroposophische Gesellschaft nach wie vor am liebsten mit sich selbst. Selbst die grossen Redner und Autoren in dieser Nische sind in den 80er, 90er Jahren des letzten Jahrhunderts allmählich abhanden gekommen, die Tochtergesellschaften und -organisationen gewannen zwar eine gewisse gesellschaftliche Anerkennung, emanzipierten sich aber auch so weit von der spirituellen Mitte ihrer Mutter, dass mancherorts eher Widerwillen herrscht, wenn die örtlichen Zweige (wegen Geldmangels) in den Räumlichkeiten der Schulen, Kindergärten und Heime tagen möchten.

Ein tiefes Misstrauen herrschte nach der teilweise vollzogenen Emanzipation von den theosophischen Spökekiekern gegenüber allem, was Anthroposophen unter „atavistischen hellseherischen Fähigkeiten“ (Rudolf Steiner in „Wie erwirbt man sich Verständnis für die geistige Welt“, GA 154, S. 25) einzuordnen beliebten. Dies um so mehr, als Anthroposophie in vielen gesellschaftlichen Kreisen ihrerseits genau unter dieser Rubrik subsumiert und abgelehnt wurde. Diese Einordnung von außen und die Abgrenzungen nach innen haben die anthroposophische Bewegung nun schon hundert Jahre lang zermürbt. Vielleicht ist es das, was eine breitere kulturelle Akzeptanz verhindert hat: Die dauernde Verteidigungshaltung, die ständige Selbstreinigung und Abgrenzung.

Heute, 2009, steht die Bewegung, wie die „medienstelle anthroposophie“ berichtet, aufgrund des ständigen Mitgliederschwundes und der zunehmenden Überalterung, vor ernsthaften finanziellen Problemen: „Dem erheblichen Finanzbedarf steht dabei eine seit Jahren schwindende und stark überalterte Mitgliedschaft der Anthroposophischen Gesellschaft gegenüber. Mit knapp 46.000 Mitgliedern weltweit (davon ca. 16.000 in Deutschland) ist deren Zahl derzeit wieder auf den Stand von 1989 gesunken. Eine Einrichtung wie das Goetheanum brauche aber die doppelte Mitgliederzahl, um überleben zu können, war aus dem Vorstandsumfeld zu hören. Angesichts dieser Lage konfrontierte der Vorstand die Mitgliedschaft mit drastischen Einspar-Szenarien: Abschaffung der Bühne, Einstellung einzelner Institute oder starke Reduzierung des Veranstaltungsbetriebs seien einige der Optionen.“

Auch die Besucherzahlen auf der Mitgliederversammlung selbst erreichte dieses Jahr mit „nur 300 Mitgliedern ... einen historischen Tiefstand“. Als einen kleinen Teil solcher Auflösungs- oder zumindest Krisenerscheinungen sehe ich seit langem anbiedernde Versuche wie die von Info3 und deren Redakteur Sebastian Gronbach, sich spirituellen Walli-Walla-Strömungen anzunähern und damit den Salto mortale rückwärts in die theosophische Ära zu vollziehen. Aber tragfähige neue Konzepte sind zugegebenermaßen rar und von vielen der verbliebenen Anthroposophen ja auch gar nicht erwünscht. Man macht es sich lieber heimelig mit neo-katholizierenden spirituellen Randerscheinungen wie Judith von Halle.

Steiner selbst kam es darauf an, dass die „geisteswissenschaftliche Strömung“ (die anthroposophische Bewegung) bewirken solle, zumindest „einen gewissen Kreis von Menschen“ zu gewinnen, der davon überzeugt sei, dass „in der Gegenwart Geisteswissenschaft auftreten“ muss, „denn man muss durch die Geisteswissenschaft durchgehen, man muss durch das Verständnis der Geisteswissenschaft durchgehen, um weiterzukommen“ (Rudolf Steiner, dito). Diese Formulierung „Durchgehen“ mag - ich verstehe das jetzt mal so- auch als ein gewisser Trost angesehen werden. Die anthroposophische Bewegung, wie wir sie heute kennen, ist eben eine Durchgangsstation, eine singuläre Erscheinung, ein Transit. Die Dynamik von Steiners Werk wird die Krise der Erscheinungsform überstehen. Immerhin hat das Werk das schreckliche 20 Jahrhundert überlebt, ohne komplett von der Bildfläche zu verschwinden. Die Provinzialisierung ihrer Gesellschaft, der kommende weitere Rückbau von Institutionen ist vielleicht - hoffentlich- der Beginn von neuen Erscheinungsformen und auch einem neuen Selbstverständnis. Die ewige Abgrenzung, Selbstzerfleischung und Fragmentarisierung in sich selbst beglückende Kleinstgrüppchen wird so oder so ein Ende haben müssen.
Aber Anthroposophie neu zu denken, ohne ihren Kern zu verraten, wird in naher Zukunft in Ermangelung tragfähiger Konzepte sicherlich weiterhin eine Herausforderung sein.
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Jonas: "Erratischer Block"

„Schon vor einiger Zeit, im Dezember 2008, ist in der deutschen historischen Fachzeitschrift (Historische Zeitschrift, Bd. 287) eine Rezension von Karen Swassjan zu Helmut Zanders Buch "Anthroposophie in Deutschland" erschienen. In prägnanter Weise hat Swassjan dort auf knapp anderthalb Seiten einige Hauptpunkte aus seinem Buch "Aufgearbeitete Anthroposophie - Bilanz einer Geisterfahrt", welches als Antwort auf Zander erschienen ist, zusammengefasst.

Einen Punkt möchte ich gerne herausgreifen...“

zum Text von Jonas..
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Der Wind der Erzengel



„Also die Archangeloi können Sie zum Beispiel nicht in irgendeiner Wassermasse daherbrausen fühlen ihrem physischen Leibe nach, sondern Sie können sie nur in Wind und Feuer wahrnehmen, und zu diesem dahinbrausenden Wind und zu diesem Feuer müssen Sie also hellseherisch in der geistigen Welt das geistige Gegenstück suchen. Das ist nicht mit seinem physischen Leib auch nicht einmal mit seinem Ätherleib vereint.“

Rudolf Steiner, GA 110
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Der kühle Wind



Manche machen wirklich viel Wind, um voran zu kommen. Manche robben auf den Knien hundert Kilometer bis zum heiligen Berg Kailash, umrunden ihn dreimal, um ihr Karma zu reinigen und erfrieren im Schnee. Manche ziehen sich in eine verlassene Höhle im Himalaja zurück, lassen sich Haare und Fingernägel wachsen, rauchen eimerweise Haschisch und bemalen sich. Manche ziehen sich dornenbesetzte Unterwäsche an, schlagen sich den Rücken blutig, pilgern 800 Kilometer bis Santiago de Compostella und stellen fest, dass die Wirte die weitaus schlimmste Heimsuchung waren. Manche besuchen haufenweise blöde Seminare mit pickligen Jungmanagern, lassen sich mit Lügendetektoren piesacken und zahlen 20000 Euro, um ihren Theta- Menschen zu befreien. Manche gehen 35 Jahre lang in einen anthroposophischen Zweig und warten auf „Fortschritte“. Manche blähen ihr Ego so lange auf, bis es so groß ist, dass man es bei einiger Selbsthypnose für Gott halten könnte, wenn man wollte.

Manche aber sitzen in tiefer Flaute in ihrem Segelboot mitten auf dem See. Es gibt nichts zu tun, weil alles bereits getan ist. Die Kombüse ist eingerichtet, die Segel sind aufgezogen. Der Bug ist frisch gestrichen, die Planken sind geputzt. Alles, was zu tun ist, ist getan. Man kann über die Reling ins klare Wasser schauen und die grossen Fische unter dem Boot betrachten. Worauf es ankommt, ist eine Winzigkeit von Wind. Man kann ihn nicht erzeugen. Man muss ihn nur bemerken. Vielleicht kommt er heute nicht mehr auf. Er wird kommen. Jeder, der den kühlen Wind kennt, weiss, wie schnell und überraschend er auffrischen kann. Am Anfang ist er kaum wahrnehmbar. Man muss lediglich für ihn bereit sein. Es ist kaum zu glauben, wie weit einen diese Winzigkeit von Wind doch tragen kann.
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Die armen Seelen

Karen Swassjans viel gelobtes und wenig gelesenes „Weltmacht Rudolf Steiner“ ist nun als Download zugänglich (Danke, Jens!). Teil 2 und 3 sind ebenfalls als PDF zu bekommen. Im ersten Teil, benannt „DAS WELTERKENNEN ALS SELBSTERKENNEN EINES MENSCHEN. ZUM WELTBILD DES JUNGEN RUDOLF STEINER“ geht es, aufs schärfste verkürzt um die Frage, in welcher Beziehung und Relevanz Steiners Frühwerk, insbesondere „Die Philosophie der Freiheit“ zu dem späteren Werk steht: „Es könnte nämlich sein, daß das Verhältnis zwischen Früh- und Spätwerk etwa demjenigen zwischen einem unverdünnten Konzentrat und dessen allmählichen, jedesmal aufs genaueste dosierten homöopathischen Lösungen gleichkäme. Das ganze spätere Werk Rudolf Steiners erschiene dann gegenüber der Philosophie der Freiheit als gewollter und gekonnter Rückzug – der Bedürftigkeiten der sich «esoterisch» stellenden armen Seelen der Zuhörer halber.“



Die Diagnose, dass in der „Philosophie der Freiheit“ die gesamte Anthroposophie wie in einem Keimzustand steckt, kann ich gut teilen. Es geht darin ja nun um eine Grundlegung der Frage nach dem Denken schlechthin- nach dem Instrumentarium des Erkennens und des Bewusstseins. Die Erfahrung des Denkens selbst, seiner Willens- und Gefühlsanteile, seiner Dynamik, die Steiner anregt, führt natürlich an die Grenze dessen, was man „spirituelle Erfahrung“ nennen kann. Insofern kann man das Buch als eine Art Sammlung, Konzentration, Sortieren der Instrumente betrachten, der eine Ausbreitung in der theosophisch- anthroposophischen Sprache folgte. Swssjan konstruiert dabei aber eine sarkastische Note hinein, indem er den Grund für das „Esoterisch-Werdens“ Steiners darin sieht, dass dieser damit lediglich einen Markt „armer Seelen“ bedienen wollte oder musste. Das ist de facto eine zynische Interpretation, der man folgen kann, wenn man unbedingt will.
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Schicksalsergebenheit

Schicksalsergebenheit ist eines der Dinge, die ich schlecht kann. Für Rudolf Steiner war das einer der Grundpfeiler geistiger Entwicklung. Er erwartete sogar Dankbarkeit gegenüber dem Leben im weitesten Sinne: „Und es ist viel für das Leben, wenn diese Dankbarkeit für das Erdendasein in die menschliche Seele einzieht. Diese Dankbarkeit tritt bei gewissen Seelenvertiefungen immer ein, wenn man nicht aus der Emotion heraus, sondern aus der reinen Seele heraus das Leben beurteilt.“ („Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge. Band V“)

Ja, die reine Seele. An der wird es immer gemangelt haben. Ich bin einer von denen, bei denen die ganze Versammlung lacht, wenn ich dazu komme, zu gestehen, dass ich mich eigentlich für sehr schüchtern halte. Ich bin einer von denen, von denen man meint, dass sie nach Macht und Einfluss verlangen, aber es kommt nie dazu. Man kann willensstark, aber dennoch völlig unfähig zu jeglicher Karriere sein. Es reicht schon, wenn man Seilschaften nicht pflegen kann oder mag. Oder wenn man Intrigen nicht rechtzeitig zu wittern vermag. Bei mir reichte es eigentlich schon, dass ich solche Intriganten ekelhaft finde. Aber es ist sicherlich nicht förderlich, wenn man schon diese einfachen Mittel zur Karriereplanung lieber ausschlägt.

Ich habe Dinge aber nie einfach geschehen lassen, sondern wollte sie immer zumindest mit gestalten, wenn nicht beherrschen. Ich lernte aber wenigstens irgendwann, dass man nicht zu viel wollen darf, weil man sonst endlose Widerstände hervor ruft. Wenn man etwas erreichen will, muss man warten können.

Ich wollte oft, griff aber dabei auch oft daneben. In meiner Ausbildungszeit setzte ich alle Hebel in Bewegung, um nicht an die mir zugewiesene Schule, sondern an einen anderen Typ zu kommen. Das gelang dann auch. Die Ausbildung wurde aber ein Alptraum, weil ich dort ein völliger Fremdkörper blieb. Man setzte mir richtig zu- etwa, als man meine Waldorf- Sympathien entdeckte. Aber es gab viele Gründe, sich hier nicht wohl zu fühlen. Die mir ursprünglich zugewiesene Ausbildungsschule habe ich später einmal besucht. Natürlich fühlte ich mich dort sofort gut aufgehoben. Man merkt in Fachgesprächen schnell, ob es wenig oder viel Mühe macht, sich zu verständigen. Manchmal geht es auch fast gar nicht. Am Ende ging die Sache gut aus, aber ich hatte daran zu knabbern: Hätte ich nicht eingegriffen, wäre es deutlich leichter gegangen.

Ja, ich opponierte gerne. Nie über die Grenzen des Konstruktiven hinaus, aber prinzipiell schon viel. Wenn dann tatsächlich die üblichen Nackenschläge kommen ( etwa die Trias Pleite - Scheidung - Krankheit), kann diese Opposition-gegenüber-dem-Leben etwas Prinzipielles bekommen- etwas, das zum Problem werden kann. Ich denke, dass wir konstitutionelle Oppositionelle sind. Einfach deshalb, weil wir uns der Tatsache bewusst sind, sterbliche Wesen zu sein. Die Opposition gegenüber dieser Tatsache bildet uns erst als Individuen aus. Sie bringt erst die Blüte unserer Kulturschöpfungen und individuellen Leistungen hervor. Aber die Opposition ist etwas, an dem man letztlich natürlich scheitert. Der Abgott unseres Individualismus zerbricht nun einmal letztlich an der Tatsache, dass wir vergänglich sind.

Vielleicht ist es eine Form von Zermürbung- ich bin nicht sicher. Vielleicht ist es auch eine spirituelle Einsicht: Ich versuche mich etwas mit dem Leben, so wie es auf mich zu kommt, anzufreunden. Die Dinge wirklich anzunehmen, wie sie sind. Das Beste aus Situationen machen, aber aus dem heraus, was notwendig ist, nicht aus dem, was man sich vorher vorgenommen hat. Es gibt sogar soziale Techniken dazu, die in sozialen Arbeitsfeldern trainiert werden. Letztlich steht man aber immer wieder vor dem Improvisieren. Es ist dann eine Frage der inneren Haltung: „Starke Duldsamkeit“, „Willensfreie Aufmerksamkeit“ oder ähnliche absurde Bezeichnungen wären treffend. Manchmal geht das sogar in ausgesprochen schwierigen Situationen und vor wichtigen Entscheidungen gut. Hinterher, wenn man es ausbaden muss, wird es vielleicht wieder schwieriger mit der „Dankbarkeit für das Erdendasein“.

Ich arbeite daran.
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Das Hören einer Symphonie

„Und der Ton, der lebt eigentlich im ganzen Organismus. Der Ton lebt uns. Der Ton lebt nicht nur im Ohre, das Ohr ist nur ein Wahrnehmungsorgan für den Ton. Indem wir einen Ton erleben, erleben wir ihn mit dem ganzen Organismus. Eine Symphonie erleben wir immer mit dem ganzen Organismus.

Wenn wir einem Musikstück zuhören, so ist eigentlich der innere Vorgang der folgende: Wir versetzen unseren ganzen Atmungsprozess in eine ganz bestimmte Rhythmik, in ganz bestimmte musikalische Vorgänge, die eben durch die Komposition veranlasst werden. Diese Gestaltungen unseres luftförmigen Inneren schlagen an die Formen des Gehirns an; wie sie da zurück gestossen werden, das gibt uns den musikalischen Eindruck. Es ist eigentlich immer ein Abtasten des Lichtes durch den Ton.“

Rudolf Steiner, Das Sonnenmysterium und das Mysterium von Tod und Auferstehung, GA 246, Dornach, S. 98
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Religion & Folklore

„Nun leben wir aber (…) gegenwärtig in einem Entwickelungszyklus des menschlichen Werdens, in welchem die Menschen gleichsam mündig werden sollen so, dass nicht mehr in der alten Weise die Religionsstifter auftreten werden und an den Glauben der Menschen appellieren werden. Das sind vergangene Zeiten, obwohl selbstverständlich diese alten Zeiten in unsere Gegenwart hereinragen und gegenwärtig nur angefangen werden kann mit einer kleineren Anzahl von Menschen, sozusagen das neue Leben zu erleben, und die Menschen nur schwer nachkommen, sich sogar darnach sehnen, die überlieferten Vorstellungen aufzuschnappen, die noch von den alten Religionsstiftern herkommen.“

Rudolf Steiner „Wie erwirbt man sich Verständnis für die geistige Welt?“ GA 154, S. 18



Das nach dem Religiösen Schnappen ist uns auch hundert Jahre nach diesen Worten Rudolf Steiners gut bekannt. Fundamentalisten beherrschen sogar mehr denn je in der Weltgeschichte diese angeblich so aufgeklärte Gegenwart. Islamische und -vor allem in den USA- radikal tele-visionierte christliche Massenkontingente bestimmen keinesfalls allein das Bild. Die im weitesten Sinn ausgefransten asiatischen Strömungen feiern im Westen in zahllosen Ausformungen eine Renaissance nach der anderen. Vor allem aber bestimmen Unsummen von kleinen und winzigen religiösen Gruppen, teilweise mit sektierischen Einschlägen, das Bild, das zu einem Flickenteppich wird.
Selbstverständlich befriedigen auch die grossen christlichen Kirchen religiöse Grundbedürfnisse. Aber auch hier pilgert man in ein tibetisches Retreat und hisst an gewissen Jahrestagen die Tibetfahne. Religion ist zum Cross-Over-Event geworden, passt sich der Globalisierung an, ist aber eben immer noch das, wonach Menschen in Bezug auf „die überlieferten Vorstellungen“ (Steiner) schnappen wie Fische, denen der Sauerstoff knapp wird.

Phänomene wie der Judith-von-Halle- Hype deuten an, dass auch innerhalb der - eigentlich an Rudolf Steiner orientierten - anthroposophischen Bewegung ähnliche Bedürfnisse vorliegen, die immer wieder ein Objekt der Verehrung bestimmen. Das von Steiner geforderte „mündig werden Sollen“ sieht sicherlich anders aus. Aber natürlich muss man die Frage auch an sich selbst stellen. An welcher Stelle sucht man Tröstung und Gewissheit? Das sind die Stellen, an denen die emanzipierte „Bewusstseinsseele“, die der Anthroposoph theoretisch sucht, ihren Glanz einbüßt. Durch die dünne Haut der Selbstkritik drängt sich das religiöse Gewissheitsbedürfnis hindurch. Eine gefährliche Stelle. Denn der Trostbedürftige ist in dieser Situation vielleicht auch anfällig für politische Einflussnahmen. Ist nicht auch der Obamaismus eine Form politischer Erweckungsbewegung? Sicherlich eine harmlose Form, aber zweifellos auch eine Massenbewegung. Natürlich können politische Bewegungen einen quasi-religiösen Impetus haben. Obama spielt damit, und er hat damit die Wahl gewonnen. Ist er ein Zyniker oder glaubt er, was er darstellt? Ich bin mir nicht sicher, was davon schlimmer wäre.

Aber kehren wir zum gemeinen Anthroposophen wie du und ich zurück. Wir sind manchmal traditionell (eher selten, denn wir lieben Festlegungen nicht sehr) in dem Verein Mitglied, schöpfen manchmal die religiöse Sahne ab und geniessen sie, lieben manchmal einfach den Lifestyle, bauen uns eine Privatidylle zwischen Drogeriemarkt dm, Lebensratgebern aus der Szene, etwas Literatur, einem Jahreszeitentisch und dem Weihnachtsbasar. Wir trinken, weil Rudolf Steiner vom Spiessergetränk Kakao gesprochen hat, lieber Kaffee. Religiös wird es, wenn bestimmte Axiome für das eigene Handeln aus angeblich tradierten Äußerungen Steiners bezogen werden, vielleicht ohne auch nur wirklich nach zu lesen, in welchem Kontext Steiner so etwas geäußert haben soll. Wenn aber aus dem Gelesenen Handlungsanweisungen heraus gelesen werden, wird ein quasi-religiöser Katechismus daraus. Man muss also, um nicht auf diesen Bodensatz herunter zu fallen, innere Distanz zu den anthroposophischen Inhalten pflegen, auch und gerade als Anthroposoph. Um nicht in private Mythologien oder idiotische Normen zu verfallen, muss die innere Freiheit stets geübt werden. Das religiöse Bedürfnis übt einen gewissen Sog aus.

Nebenbei bemerkt - gewise skeptische, areligiöse, materialistische Diskussionskreise strahlen dieselbe religiöse Inbrunst aus, mit der Standpunkte verteidigt und attckiert werden wie das von ihnen Kritisierte. Das ist keine Frage des Standpunkts, der Riss geht mitten durch uns selbst - selbst dann, wenn wir das Gegenteil behaupten.

Steiner hatte übrigens für sich auch eine bestimmte Übung, von der er immer wieder, aber wie nebenbei, berichtet hat. Das war sein Ehrgeiz, gerade materialistische Autoren wie Haeckel oder Nietzsche derart von innen her zu verstehen, dass er ihre Standpunkte vollkommen vertreten konnte. Das hat er auch in Büchern getan- und ist zu seiner Zeit auch deshalb schwer missverstanden worden. Den eigenen Horizont in der Weise zu erweitern, sich gerade in Personen, Bewegungen und Autoren, die einem fern zu stehen scheinen, herein zu arbeiten, bis deren Antriebe und Absichten einem vollkommen vor Augen stehen und zumindest situativ zu den meinen werden, scheint aber ein probates Mittel zu sein gegen die Sogkräfte der eigenen Folklorisierung. Ja, Anthroposophie kann auch Folklore sein. Jeder muss sie für sich selbst aus diesem Missverständnis befreien.
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An Karma denken


An Karma denken bedeutet für mich nicht, irgend welche blöden Thesen über das frühere Leben von Leuten oder mir selbst anzustellen. Solche Vorstellungen würden bei mir heillos von Eitelkeiten und Animositäten verfremdet- es entstünden bizarre Freund- und Feindbilder, die nur das zementieren würden, was man sich an Vorstellungen eben so bildet.

An Karma denken, heisst genau das Gegenteil. Wenn man ein Kind diagnostizieren soll, läuft das oft geradlinig in eine Richtung. Die Tests, die Gespräche deuten zum Beispiel darauf hin, dass dieses etwas intelligenzschwache siebenjährige Mädchen mit den schönen dunklen Augen psychotische Züge hat. Sie träumt nachts von augenlosen Hexen, die sie bedrohen und sich ihr nähern. Sie schläft zu wenig, kotet manchmal ein, weint vor Erschöpfung. Sie ist in einem labilen emotionalen Zustand, lernschwach, wirr in ihren sprachlichen Äußerungen.

An Karma denken heißt, anzuhalten und den Blick zu weiten. Man muss das in jeder pädagogischen Diagnostik einmal machen. Ich versetze das Mädchen gedanklich in andere Kulturen, stelle mir ihre Ängste vor. Könnten die Hexen etwas anderes bedeuten, als sie mir -kulturell- erscheinen? Haben sie in anderen Kulturen andere Bedeutungen? Was bedeutet das Augenlose? Ich fliege gedanklich durch Augen. Ich sehe siegreiche Imperatoren vor mir, die als erste Amtshandlung die Augen in den Darstellungen und Statuen ihrer Vorgänger heraus schlagen ließen. Dieses Auslöschen, diese Nichtexistenz, was darf nicht gezeigt werden? Ich denke, das Mädchen kann nicht zulassen, dass es etwas sieht. Es anonymisiert.

Ich suche in andere Richtungen. Das Mädchen hat immer noch diese Alpträume, aber wann? Ich lege ein Tagebuch an und konfrontiere die allein erziehende Mutter damit. Es zeigt sich: Das, was es nicht sehen darf und was sich ihm nachts nähert, tritt immer dann auf, wenn das Mädchen bei seinem Vater nächtigt. Das Mädchen ist wahrscheinlich nicht psychotisch, es befindet sich in einer schizoiden Situation als Opfer, das nicht wahrhaben will, was ihm angetan wird. Erster Hinweis für einen Verdacht, der sich in der Folge verstärkt und auch zu einer völligen Neubewertung der Situation des Mädchens führt.

Es ist immer hilfreich, sich Andere in anderen Kulturen und Zusammenhängen vorzustellen. Manchmal gibt es gewisse Haltungen von Schülern, die sich schwer erklären lassen. Ein Schüler, stark übergewichtig und mit einem leichten Down- Syndrom, lehnte alle Lernangebote ab. Wenn man ihn berührte, fiel er um, wälzte sich auf dem Boden und schrie. Er liebte dramatische Inszenierungen, um damit den Schultag abzubrechen oder zumindest nachhaltig zu stören.

Endlich kam ich darauf, meinen Blickwinkel zu erweitern und an Karma zu denken. Passten irgend welche Vorstellungen? Ich fand eine: Ich sah den Schüler am Hofe eines chinesischen Kaisers. Er selbst war in diesem Gedankenspiel ein hoher Beamter. Was er sah, waren Untergebene. Es war ganz undenkbar, ihm irgend welche Anordnungen zu geben. Das hätte ihm jede Ehre genommen. Das Wahren seiner Rolle und seines Gesichts waren ihm wichtig.
Also näherte ich mich dem realen Schüler als der einfache Schreiber, der ich nun einmal war und bot ihm an, ihm frei eine Geschichte zu erzählen. Es war eine Abenteuergeschichte, er selbst war der siegreiche Held. Von nun an musste ich, ehrerbietig fragend, jedes Mal eine Geschichte erfinden. Ich näherte mich ihm unter Berücksichtigung der höfischen Etiquette. Ich fing aber bald an, die Geschichten auch an die Tafel zu schreiben. Er malte sie ab. Er malte wirklich, mit weichen, fast kalligrafischen Zeichen, feierlich, zeremoniell und langsam. Es stellte sich nicht nur heraus, dass er heimlich längst alle Buchstaben gelernt hatte, sondern auch, dass er sehr schnell - wenn auch in langsamer Art und Weise- lesen lernte. Es hatte ihn nur niemand richtig gefragt. Nach einem Jahr schrieb er immer noch, immer mehr, las fliessend, und ich hatte einige Not, immer weitere Abenteuer zu erfinden. Es war aber bald auch möglich, auf normale Lesebücher zurück zu greifen.

Es geht nicht darum, ob die Vorstellung „stimmt“ oder nicht. Sie hat meinen Blickwinkel, meine Haltung verändert. Sie hat mir einen ungewohnten Zugang verschafft. Selbst wenn die Theorie ein fake sein sollte: funktioniert hat sie. Karma ist kein Friedhof der Vorstellungen. Karma ist der Beginn eines Reichtums von denkbaren Ursachen und Konstellationen. Man fischt in einem Teich und sucht einen Fisch, der auf symbolischer Ebene passen könnte. Das erweist sich häufig als Schlüssel zumindest für eine veränderte Beziehung.
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"Das macht mir die Flügel frei"


Endlich habe ich den Briefwechsel bei Amazon erschwinglich und gebraucht bekommen: „Rudolf Steiner, Marie Steiner- von Sivers: Briefwechsel und Dokumente 1901-1925“. Es ist eine Ausgabe aus dem Jahr 1967, die ehemalige Besitzerin hat es mit ihrem Namen markiert. Enthalten ist außer dem Briefwechsel auch die berühmte autobiografische Skizze Steiners für Edouard Schure, das Dokument von Barr. Ich kannte es nur in Auszügen. Steiner berichtet darin auch - ansatzweise- von seinen persönlichen Lehrern.

Die Briefe an und von Marie Steiner beleuchten den Werdegang einer Art Popstars seiner Zeit. Mit der Bekanntschaft mit Marie von Sivers beginnt Rudolf Steiner auf eine Art Tournee zu gehen, die bis zu seinem Lebensende andauert. Seine Briefe berichten von den Erfolgen, den Umständen und den Widrigkeiten. Er wird - spätestens ab 1907- ständig umlagert und von Menschen bedrängt, die seinen Rat suchen. Er hasst es, bei Leuten unterwegs privat nächtigen zu müssen, kann sich aber nicht recht dagegen wehren. Auch wenn er wesentlich lieber in Hotels absteigt, nötigen ihn seine Anhänger immer wieder zur Unterkunft in ihrem Haus. Immer wieder sorgt er sich um seine Stimme, die in einem ungeheizten Raum zu versagen droht. Immer wieder hat ein Zug Verspätung, fällt eine Fahrgelegenheit aus. Rudolf Steiner wünscht sich Gummistiefel für einsetzenden Schneefall unterwegs und erhält sie.

Während seiner Reisen begründet er Zweigniederlassungen („Logen“), wenn die nötige Mindestzahl von Interessenten vorhanden ist. Aber Intrigen, Machtkämpfe, Eitelkeiten der örtlichen Protagonisten lähmen die Fortschritte unentwegt. Rudolf Steiner beschreibt die personellen Widrigkeiten ausführlich und schimpft, waschecht, am liebsten und drastischsten über die Wiener. Zwischendurch hängt er Skizzen seiner neuen Erkenntnisse, in Text und in einer Art Mindmaps, an die Briefe an seine Frau daran. In diesen Dokumenten wird die Entstehungsgeschichte seiner Weltsicht Stück für Stück deutlich. Zuhause in Berlin managt Marie Steiner das Verlagsgeschäft, bei dem ebenfalls alles Denkbare schief geht. Häufig entpuppen sich die Verleger als Windhunde. Und schließlich wird das Verhältnis zu den Protagonisten der Theosophischen Gesellschaft ausführlich beleuchtet. Die Gründe für die Ablösung werden hier ganz persönlich und konkret deutlich. Man sollte den Kontext allerdings halbwegs kennen, um den Inhalt der Briefe in dieser Hinsicht zu verstehen.

Nicht zuletzt stellen diese Briefe auch eine Art „Szenen einer Ehe“ dar. 1903 geht Steiner plötzlich dazu über, Marie von Sivers zu duzen: „Es war mir oft, als ob ich Dich im Auditorium suchen müsste.“ Zwei Tage später schreibt er: „Du verstehst mich; und das gibt mir Kraft, das macht mir die Flügel frei.“ Marie nennt ihn, obgleich noch mehr als Vorbild und eine Art Lehrer, „Du Guter, Bester..“ Er hält sie auch tatsächlich zu Meditationen an, während sie ihre innere „Unordnung“ beklagt.

Ein Jahr später erkennt sie eines seiner persönlichen Probleme: „Lerne den Menschen etwas abschlagen.“ Er kann sich schlecht wehren und beklagt sich selbst dann nicht, wenn ihn jemand in einer verrauchten Kneipe sprechen lässt. Im August 1904 ist Marie für Steiner „meine Liebe“ und er schreibt von dem „schönen Bande, das uns bindet“. Oder er gesteht: „Ich werde mich mit Dir, meine Liebe, immer sicher fühlen. Du aber musst bei mir sein.“ Er beschwört Marie geradezu: „Aber wir dürfen auch nicht im geringsten gebrochen werden“- selbst wenn sich im Umkreis Missverständnisse häufen sollten.

Ab 1905 werden die Briefe und Berichte sachlicher, weniger zärtlich. Allmählich beginnt die Tournee Steiners sich zu entwickeln. Es stellt sich (auch) eine Art Arbeitsbeziehung zwischen ihm und Marie ein. Ihre Arbeitsüberlastung und Kränklichkeit machen ihn dauernd besorgt. Aber auch sie macht sich Sorgen um ihn. Über längere Zeit bleibt vor allem dies die Art, in der sich Beide ihrer Zuneigung versichern. Um 1914 werden seine Mitteilungen telegrammähnlich - „Gut angekommen herzliche Grüße. Steiner“. Ab 1920 werden sie wieder ausführlicher. Der letzte Brief Marie Steiners an Leopoldine Steiner erfolgt nach Rudolf Steiners Tod: „Aber die Welt ist tot, seitdem er gegangen ist.“
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Tom Mellett: Palmsonntag 2004 in LA



Am nächsten Tage, Palmsonntag (ja, 4/4/04), taucht der echte Hollywood Tom mit dem hellen (oder etwa grellen?) Lächeln sowie seiner Sonntagskleidung auf. Ich stehe auf dem Foto da mit Mary Delle Le Beau, die eine Eurythmistin ist. 1977 habe ich sie in Austin, Texas getroffen, und ich habe auch sie an die Anthroposophie herangeführt. Sie spricht flüssig Russisch. Während der 1990er wohnte sie in Moskau und hat eigentlich das Moskau Eurythmie Ensemble begründet. Seit 1980 hatte ich sie nie mehr gesehen. 2003 bin ich nach LA angekommen, nur zu entdecken, dass Mary Delle hier auch in LA wohnt. Sie wird jetzt Professorin in der russischen Abteilung bei der USC (University of Southern California).

Zum ganzen Text...
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Verschämter Materialismus

„So mag es auch heute viele geben, die zwar nichts wissen wollen vom Materialismus, die aber gleichwohl den Geist ganz materiell auffassen. Auch viele Theosophen denken sich den Geist als feinverteilte Materie. Auch in der Theosophie verbirgt sich viel verschämter Materialismus.“

Rudolf Steiner, München, 3.12.1907 („Die Erkenntnis der Seele und des Geistes“)
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Ein immanentes Paradoxon jeglicher Esoterik, was Steiner da beklagt. Natürlich bildet man sich gegenüber nicht-sinnlichen („esoterischen“) Inhalten Vorstellungen, die man aus der sinnlichen Erfahrung überträgt. Woher denn sonst soll man diese Vorstellungen entlehnen? Aber wie befreit man sich davon, damit auch Erwartungen zu verknüpfen, die einen in der eigenen geistigen Arbeit auf absolut vertrocknete Wüstenpfade führen?

So mancher findet seine Erleuchtung in platter Verkennung jeder simplen esoterischen Grundvoraussetzungen- als sich selbst erfüllende Prophezeiung. So mancher redet sich seine Alltagsvorstellungen so lange schön, bis sie irgendwie in Engelglanz und Schalmeiengedudel verklärt vor seinem inneren Auge erscheinen. Schade um die verschwendete Zeit.

Auch in der Sprache werden sinnliche Vorstellungen transportiert. Formulierungen wie „feinstofflich“ finden sich daher bei Steiner selbst häufig. Er unterliegt also selbst dem, was er oben beklagt, was seine Sprachwahl betrifft. Man muss einfach immer bedenken, dass man sich in dieser sprachlichen Hinsicht in einem Umfeld von Hinweisen, Metaphern und Symbolik bewegt. Wenn man Steiner wörtlich nehmen möchte, bleibt man an diesen Vorstellungen kleben und verfehlt seine Intention.
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Schwierigkeiten des inneren Lebens

„In unserer gegenwärtigen Kultur ist es außerordentlich schwierig, sich den Forderungen eines Lebens zu unterwerfen, das die übersinnliche Welt erschliesst. Zwei Vorbedingungen fehlen in unserer Kultur ganz und gar.

Die erste Forderung ist die Isolation, das, was man in der Geheimwissenschaft die höhere menschliche Einsamkeit nennt, die zweite ist die Überwindung eines in unserer Zeit in bezug auf die innersten seelischen Eigenschaften aufs höchste gestiegenen, der Menschheit zum großen Teil unbewußten Egoismus. Der Mangel an diesen beiden Vorbedingungen macht den Entwickelungsgang des inneren Lebens geradezu zu einer Unmöglichkeit. Isolation oder geistige Einsamkeit ist heute deshalb so schwer möglich, weil das Leben immer mehr und mehr zerstreut, zersplittert, kurz, äußere Sinnlichkeit fordert.

In keiner Kultur haben die Menschen jemals so im Äußerlichen gelebt wie gerade in unserer.“

Rudolf Steiner, Gesamtausgabe 54, Seite 202ff („Die Welträtsel und die Anthroposophie“)


Gilt diese Diagnose Steiners heute, 100 Jahre später, noch?
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Plastizität und Musikalität

„Alles Plastisch-Bildnerische arbeitet auf die Individualisierung der Menschen hin, alles Musikalisch-Dichterische dagegen auf die Förderung des sozialen Lebens. Die Menschen kommen in einer Einheit zusammen durch das Musikalisch- Dichterische; sie individualisieren sich durch das Plastisch-Bildnerische“ (GA 294, Seite 46), schreibt Rudolf Steiner.

Ich möchte dies auch auf die Erfahrungen in der geistigen Entwicklung beziehen. Denn die Erfahrung der plastizierenden, dynamischen Kräfte ist ein wesentlicher Teil in dieser Entwicklung. In meinen Augen hängt die Entdeckung dieser Dynamik - so seltsam das klingen mag- mit dem Kehlkopf zusammen, ist im Kern also eine Sprach- Gestaltungskraft. In der meditativen Erfahrung werden diese Kräfte zunächst als Dynamik an der Körpergrenze erlebt, vor allem in unteren Kopfbereich. Im asiatischen Raum finden sich viele Plastiken, die solche Erfahrungen wie Markierungspfähle festschreiben- etwa in dieser Darstellung, die ich auf der Insel Hombroich entdeckt habe.


Man darf eben nicht den Fehler machen, solche Plastiken nur dekorativ oder als Joga- Übung zu verstehen. Sie entsprechen vielmehr tatsächlichen Erfahrungsebenen. Die Plastizität bedingt allerdings, dass diese (erweiterten) Körpererfahrungen dahin ziehen wie Wolken - sie entsprechen ja nur dem Freiwerden einer inneren Dynamik.

Natürlich bleibt es dabei nicht. Die von Rudolf Steiner angesprochene Individualisierung kann man auch in der Hinsicht verstehen, dass diese Dynamik individuell ergriffen werden will und eine Grundvoraussetzung für eine geistige „Organbildung“ darstellt. Die Plastizität ist ein Vehikel. Sie tritt zurück, indem man in sie eintritt. Eines der „Wahrspruchworte“ Steiners („Denkend empfinde ich mich eines mit dem Strom des Weltgeschehens“) spricht dieses „Eintreten in den Strom“ an. Unabhängig von Kultur und Schulungsweg ist dieses Flüssigwerden in reiner Dynamik eine oftmals beschriebene Konstante einfacher geistiger Erfahrung.

Das innere Musikalisch- Werden dagegen ist nicht nur, wie von Steiner beschrieben, ein Erlebnis der „Einheit“ in sozialer Hinsicht- darin ist auch das Klingend- Werden in höherer Hinsicht beschrieben. Dies ist erst möglich, wenn das Fliessende innehält, transparent wird und das zum Klingen zu bringen vermag, was es umgibt.
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Wolfgang Garvelmann: Brief zu Judith von Halle

„Zu Deinen Bedenken bezüglich Judith von Halles möchte ich auch etwas zu bedenken geben, nicht um die Inhalte - zu denen kann ich nicht viel beitragen, weil ich noch nicht "so weit" bin, sondern um den Umgang damit. Mit allen braveren und rechtgläubigeren Anthroposophen eint Dich offenbar die Überzeugung, dass Rudolf Steiners Darstellungen, soweit sie bis jetzt überliefert sind, des Wissens letzter Schluss seien. Dass er nicht alles gesagt haben könnte, was für eine spirituelle Tatsache ausserdem noch hätte gesagt werden können, wird weitgehend verdrängt.“

weiter..
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An der Zeitmauer


Download des Fotos (im Garten von Schloss Dyck, Kreis Neuss)

Als Neunjähriger ging ich im Traum auf der Zeitmauer spazieren und hatte grosse Angst, dass ich beim Balancieren im Dunkeln in ein Loch in der Mauer fallen könnte. Ich war sicher, ich würde in einen schwarzen Sack stürzen, den ein Jemand für mich bereit hielt. Das war wohl die Angst vor dem Sich-Verfestigen, Erwachsenwerden, Sich-in-die-Dunkelheit-des-Leibseins-Begeben, wie sie Neunjährige nun einmal haben können. Die Alpträume hielten eine Zeitlang an und verwandelten sich allmählich in eine Faszination gegenüber dem eigenen Spiegelbild. Nachdem die Alptraumphase vorüber war, ging die Angst in eine eigentümliche Mischung über zwischen der Faszination, ein körperliches Ich zu sein- und gleichzeitiger Scham davor. Am Ende verging auch der Rest von Abscheu vor meinem So-Sein. Das Abenteuer der Entfaltung dieser Biografie, das Bejahen, das Ausleben konnte beginnen.

Es gibt aber viele dieser Zeitmauern. Vor einer anderen steht man vielleicht in der Lebensmitte. An einem bestimmten, kaum fest zu machenden Punkt beginnt die Zeit schneller zu verlaufen. Vielleicht liegt das daran, dass die Tages-, Wochen-, Monatsrhythmen gefügter werden. Sie sind abhängig von Arbeit, Freizeit, Kindererziehung, wachsenden Gewohnheiten, sich verfestigenden Interessen und Unternehmungen. Aber es liegt wohl auch in einem Nachlassen der Intensität des Empfindens- das Wundern geht verloren. Und es liegt an einem Schwinden der Leistungsfähigkeit des Gedächtnisses. Ab 35 (sagen wir mal) schnurren die Wochen, Monate und Jahre in sich zusammen, als würde ein Band sie zusammen fassen. Die Fülle von Details geht verloren. Es ist, als würde die Zeit immer weniger enthalten oder als würde es immer mehr Mühe kosten, diese Details tatsächlich lebendig zu halten. Im mittleren Alter wundert man sich, wie schnell der Frühling wieder da ist. War das nicht gerade erst? Die Endlichkeit rückt deutlich näher, indem die Zeit zusammen schnurrt. Die Zeitmauer beginnt vor der eigenen Zukunft in die Höhe zu wachsen. Bei sehr alten Menschen beobachtet man, dass sie vor ihr stehen geblieben sind und nur noch in Phasen ihres Lebens zurück blicken, ja in diesen umfassend zu leben beginnen. Möglich, dass sie sich regressiv einrichten in einer Phase ihres Kleinkindseins.

Diese Dinge verlaufen mit einer gewissen Zwangsläufigkeit. Es ist - jedenfalls für mich- eine grosse Hilfe, vielleicht auch ein Trost, aus diesen Gebundenheiten zu gewissen Gelegenheiten auszusteigen. Die Methoden, die der Einzelne zu seiner Tröstung wählt, mögen unterschiedlich sein. Für mich zählt dazu auch die Pflege eines meditativen Lebens. Denn einer der Aspekte der dabei gemachten Erfahrungen ist ja eben das Überwinden der Zeitmauer, das Erleben einer nicht- räumlichen, nicht- zeitlichen individuellen Existenz. Es ist, als ob man von einem Felsen am Meer ins Wasser steigt und mit dem ersten Schwimmzug im Wasser das Erlebnis der eigenen Schwere überwindet, Teil des Wassers wird. In der Versenkung verliert man die Rückmeldung der körperlichen Präsenz im Gehirn- man existiert nicht mehr im Widerstand, sondern ganz aus einem sanften Willen heraus. Es ist keine Ekstase, kein Selbstverlust damit verbunden. Aber es ist ein Zustand ohne Raum und Zeit, und daher bleiben nur die Eckdaten davon im Gedächtnis. Der Trost besteht in der Erkenntnis, dass die Zeitmauern und die Ängste davor so illusionär sind wie die Alpträume, die ich als Neunjähriger hatte.

Rudolf Steiner sprach in diesem Zusammenhang von der Notwendigkeit, sich einen „inneren Zeitbegriff“ (Gesamtausgabe 145, Seite 85) anzueignen, der dann tatsächlich darin bestünde, die Lebenskräfte (das „Ätherische“) zu erfahren. Die Lebenskräfte haben eine individuelle Komponente, die durch die Zeitmauern abgesteckt ist, weisen aber auch darüber hinaus- nicht zuletzt in das, was wir „Natur“ zu nennen gewohnt sind. Es ist lediglich die menschliche Perspektive, die das Erleben der Zeit auf Leiblichkeit und ihre Begrenztheit und auf das Räumliche bezieht und daran festmacht: „Die besondere Schwierigkeit über die Dinge der Geisteswissenschaft zu sprechen, liegt darin, daß wir uns, sobald wir den Blick hinaufwenden in die geistigen Welten, wirklich die ganze Anschauung abgewöhnen müssen, die wir hier entwickeln für das Raumesdasein; daß wir uns ganz abgewöhnen müssen die Raumesanschauung und wissen müssen, daß es Raum da nicht gibt, daß alles in der Zeit verläuft (...)“ (Gesamtausgabe 161, Seite 259).

Jenseits der Zeitmauern beginnt das Erleben des Lebendigen, das sich in Formen fügt, aber sie auch wieder auflöst. Man wird ein Teil dieser Kräfte, die nicht zuletzt auch die eigenen Begrenztheiten schaffen, sie aber auch wieder entziehen. Die scheinbar finale Zeitmauer, der Tod, verliert einen Teil ihres Schreckens.
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Peter Staudenmaiers "Frankfurt Memorandum" in deutscher Übersetzung - korrigiert

Barbara Elers war so unglaublich freundlich, die schwierige Übersetzung von Peter Staudenmaiers Essay zum „Frankfurter Memorandum“ ins Deutsche vorzunehmen. Ich habe die Übersetzung ins PDF- Format umgewandelt und biete den Aufsatz hier zum Download an.

Inzwischen hat es umfangreiche Ergänzungen und Korrekturen durch Peter Staudenmaier gegeben, die ich aus Zeitgründen vorerst in einen Anhang ab Seite 10 des Aufsatzes stelle.
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Schönheit

„Die Fähigkeit, sich ganz mit allem, was im Innern ist, zu offenbaren und nichts in sich verborgen halten zu müssen, könnte als „schön“ in den höheren Welten bezeichnet werden. Und es fällt da dieser Begriff völlig zusammen mit dem von rückhaltloser Aufrichtigkeit, von ehrlichem Darleben dessen, was ein Wesen in sich trägt. „Hässlich“ könnte das genannt werden, was den innern Inhalt, den es hat, nicht in der äußern Erscheinung offenbaren will, was das eigne Erleben in sich zurückhält und für andre Wesen sich in Bezug auf gewisse Eigenschaften verbirgt.“

Rudolf Steiner, „Ein Weg zur Selbsterkenntnis des Menschen“, S. 58
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Neue Judith von Halle- Seite


Bei den Egoisten ist eine neue Judith-von-Halle-Seite eingerichtet worden, auf der die hier erschienenen Artikel- seien sie Pro oder Contra- zentral verlinkt sind. Neben meinen kritischen Beiträgen finden sich ganz anders orientierte Artikel von Wolfgang Garvelmann und Michaela Brückner. Die Leser können sich ihr eigenes Bild machen.
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Meine Schwierigkeiten mit Judith von Halle

Meine Schwierigkeiten möchte ich an einem Beispiel erläutern. Seit einigen Monaten geht Judith von Halle in öffentlichen Auftritten auf Lazarus ein. In ihrer Darstellung handelte es sich bei dem Vorgang der Erweckung des Lazarus keineswegs um einen Einweihungsprozess im Sinne alter Mysterien, wie Rudolf Steiner es darstellte. Vielmehr äußert sie das bei ihr so häufige Konglomerat von kaum verständlichen „übersinnlichen“ Prozessen: Es handele sich um einen „Wesensgliederaustausch“, um eine „Opferung des ätherischen Leibes“ des Johannes, jedenfalls um einen tatsächlichen Tod, dem dann eine rätselhafte Auferstehung folgte, bei der die von Jesus auferweckte Person nicht identisch mit der verstorbenen war.

Rudolf Steiner selbst kommt in dieser Hinsicht ohne derartig komplizierte Prozesse aus. Bei ihm liest man: „Einweihungsgeschichten werden uns zu allen Zeiten unter Verhüllung erzählt. Das Lazarus-Wunder ist nichts anderes als die wunderbare und gewaltige Darstellung, wie der Christus den ersten Eingeweihten des Neuen Testamentes geschaffen hat, wie der Eingeweihte bei seinem Schüler, der dreieinhalb Tage in einem todähnlichen Zustande lag, die Seele wieder zurückrief in den Leib, nachdem sie die Wanderung durch die geistige Welt gemacht hatte, um nachher durch den Christus selbst erweckt zu werden.“ (GA 57, Seite 134)

Die rätselhafte „Auferweckung“ wird bei Steiner also („todähnlicher Zustand“) in ihrer Bildhaftigkeit enthüllt; es handelt sich nicht um ein Wunder, sondern um einen Prozess, der im Sinne der klassischen Mysterien gang und gäbe war und seine Besonderheit dadurch gewann, dass er noch einmal von Christus selbst durchgeführt wurde. Steiner löst die Wunderbilder, die im Neuen Testament „unter Verhüllung“ geschildert wurden, auf. Judith von Halle macht das gerade Gegenteil. Bei ihr kann es nicht wundersam genug sein. Sie besteht auf tatsächlichen Todesvorgängen und einer deplatzierten Auferweckung. Das ist genau das Element, das sie typischerweise herein bringt. Sie macht die Bildhaftigkeit der geschilderten Vorgänge nicht transparent, sondern bleibt in der irrationalen Bildhaftigkeit stecken und lädt diese weiter auf durch hinzu gedichtete Vorgänge, die sie angeblich „schaut“.

Es ist genau das, was ich bei verschiedenen Gelegenheiten als die Katholizisierung der Anthroposophie durch Judith von Halle und ihre wortgläubigen Anhänger bezeichnete. Jostein Saether macht mir das zum Vorwurf: „Das belächelnde Verharmlosen ihres Versuchs, aus der Anthroposophie mit den Stigmata zu leben, das abscheuende Nichterkennen Judith von Halles als eine anthroposophische Geistesforscherin und die arrogante Ablehnung ihrer Forschungsergebnisse führt nur zu einer weiteren Verschärfung der Fronte und zu einer Verharren im karmischen Cliquenwesen, von der die anthroposophische Bewegung trotz Steiners dezidierten Warnungen in dieser Richtung schon genug gelitten hat. U. a. das Pilatusartige des Hände-Waschens, das Lächerlich-Machen und das Verwerfen ins Katholische, das ich in den Beiträgen von Michael Eggert, Jens Heisterkamp und Holger Niederhausen lese, führen nicht weiter.“

In meinen Augen stellt aber die eigentümliche Reaktivierung der Wundergläubigkeit durch Judith von Halle eine reaktionäre, irrationale Positionierung dar, die weit hinter Rudolf Steiner, hinter das 20. Jahrhundert und jede Art der individuellen Spiritualisierung des Denkens zurück fällt und nichts als eine fantastische Gläubigkeit reaktivieren möchte. So etwas ist in meinen Augen ein Sammelbecken für frustrierte Anthroposophen, die sich vergeblich nach Spiritualität verzehren und nun in der Person Judith von Halles nach dem nächst liegenden Strohhalm greifen: Nur leider greifen sie zu kurz und geraten in ein Fahrwasser, mit dem man eine kirchliche Splittergruppe begründen könnte. Nicht nur die katholische Kirche hat offenbar Probleme mit reaktionären Tendenzen und Gruppierungen.

Nun soll die Interessengruppe um Judith von Halle, wenn man den kursierenden Gerüchten glaubt, nicht nur kurz vor der Vollendung einer eigenen Fortbildungsstätte in der Nähe des Goetheanums stehen, sondern längst auch Unterstützung durch prominente Anthroposophen und vor allem potente Geldgeber gefunden haben. Die Namen, die kursieren, gehen von Götz Werner (DM) über Götz Rehn (Alnatura) bis zu Wolfgang Gutberlet (tegut). Wenn sich das bewahrheiten sollte, steht die anthroposophische Bewegung vor ernsthaften Problemen. Es würde sich dann nicht nur um eine innere Zerreißprobe handeln, sondern um eine gewaltige Verschiebung des inneren Gewichts der Bewegung. Denn die genannten Personen sind tatsächlich in vieler Hinsicht bedeutsam- auch in der Öffentlichkeitswirkung.
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Offener Brief an Sergej Prokofieff

Nicht ohne einen gewissen Genuss berichtet Info3 diese Woche vom „Christus-Streit im „Goetheanum“. Es geht natürlich wieder einmal um die stigmatisierte Berliner Anthroposophin Judith von Halle und die unterschiedlichen, konträren Positionierungen in dieser Frage in Bezug auf ihre Person und ihr Wirken. Nun hat auch das anthroposophische Vorstandsmitglied Sergej Prokofieff in Bezug auf diese Frage Stellung bezogen, worauf es unterschiedliche Reaktionen gab. Für Außenstehende mag es genügen, darüber informiert zu sein, dass es durchaus möglich ist, dass in dieser vergleichsweise peripheren und abgelegenen Frage nicht nur inner- anthroposophischer Dissenz besteht- es ist sogar möglich, dass die anthroposophische Gesellschaft darüber zerbricht. Bereits jetzt wird kolportiert, dass es Bemühungen gäbe, in der Nähe des Dornacher Goetheanums eine von-Halle-freundliche Fortbildungsstätte aufzubauen. Dass man sich in der Frage des „wahren Christusverständnisses“ in der heutigen Zeit derartig in die Haare gerät, mag angesichts realer gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Probleme reichlich befremden, ist aber kaum zu leugnen.

Zur Kenntnisnahme drucken wir an dieser Stelle einen Offenen Brief von Wolfgang Garvelmann ab, der sich direkt an das Vorstandsmitglied Sergej Prokofieff wendet und den Streit vielleicht weiter ausleuchtet.

Die Egoisten nehmen die ganze Angelegenheit einfach staunend zur Kenntnis und enthalten sich weiterer Kommentare. Die ganze Sache entwickelt sich allerdings schon in eine Richtung, in der ich mich frage, wann und wo ich in den falschen Zug eingestiegen bin, ob es noch eine Haltestation gibt und ob es nicht dringend Zeit wird, auszusteigen, nach Lourdes zu trampen und ein Kerzlein aufzustellen. Hosianna!

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Der "verbotene" Vortrag

Tom Mellett hat - auch in der amerikanischen Waldorf-Critics-List - darauf aufmerksam gemacht, dass in der bereits vor 10 Jahren in der „Rudolf Steiner Press“ (London) erschienenen Ausgabe von Rudolf Steiners „From Limestone to Lucifer“ ein Vortrag Steiners fehlt. Es handelt sich um einen Zyklus der Vorträge Steiners für die Arbeiter am Goetheanum. In der deutschsprachigen Bibl.-Nr 349 „Vom Leben des Menschen und der Erde. Über das Wesen des Christentums“ finden sich 13 Vorträge. Der dritte vom 3. März 1923 „Farbe und Menschenrassen“ ist, wie man der Inhaltsangabe entnehmen kann, aus guten Gründen weggelassen:

„Hautfarbe und andere Eigentümlichkeiten der schwarzen, der weißen, der gelben, der braunen und der kupferroten Menschenrasse. Malaien, Indianer und Inder. Die weiße Bevölkerung Amerikas. Der Europäer beweist, der Amerikaner behauptet. Die Zukunft der amerikanischen Zivilisation. Anthroposophie muß aus dem Geiste heraus entwickelt werden. In Europa wird die Anthroposophie auf geistige Weise ausgebildet; der Amerikaner bildet sie auf naturhafte Weise aus. Der Spiritismus als amerikanisches Produkt. Über Wilsons Theorien. Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse. Über das erste Kapitel der «Kernpunkte».“

Offensichtlich wurden bereits damals die rassistischen Aspekte des Inhalts dieses Vortrags für die englischsprachige Welt als nicht mehr zumutbar betrachtet. Nun gibt es zu dem Auslassen dieses Textes keine nähere Erklärung bis auf eine kurze Erwähnung in einer Anmerkung auf der Titelseite (so Tom). Es findet also bereits eine stillschweigende „Bereinigung“ der Arbeiten Steiners statt. Bei allem Verständnis für solche Maßnahmen stellt sich doch die Frage, wie eine vernünftige Aufarbeitung schwer erträglicher Textpassagen in Zukunft aussehen kann. Denkbar wären klare Erläuterungen und Stellungnahmen zu Kürzungen. Ehrlicher aber wäre sicher eine kommentierte Ausgabe mit deutlicher Kennzeichnung solcher Aussagen. Ein stillschweigendes Auslassen oder Verfremden von Vorträgen Steiners kann im Sinne der Werktreue keine Lösung sein. Deutliche Stellungnahmen und Kommentierungen sind sicherlich der schmerzlichere Weg. Ob anthroposophische Publizisten auch im deutschsprachigen Raum dazu bereit sind, wird sich zeigen.
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Sex & Verstand. Eine goetheanistisch- phänomenologische Abhandlung



Nicht selten stellen sich beim Studium der Vorträge Rudolf Steiners bohrende Fragen. Wie etwa ist das genaue Verhältnis von Sex und Verstand zu verstehen, wenn er über das Wirken der Venuskräfte artikuliert:

„Die Form des Geschlechtlichen rührt von den Geistern der Form her. (Das wollen wir so genau gar nicht wissen)
Aber damit ist nicht auch schon der Zug der beiden Geschlechter für einander, die Neigung derselben zu einander gegeben. Diese kommt davon, dass sich in dem Leben der beiden Geschlechter besondere Wesenheiten verkörpern, welche von einem fremden Schauplatze herabsteigen: von der Venus.
(Eine gute Erklärung für mancherlei überaus befremdliche menschliche Beziehungskisten)

Durch sie wird jetzt die Liebe in ihrer untergeordnetsten Form, als Neigung der Geschlechter, der Erde einverleibt. Diese Liebe ist dazu berufen, sich immer mehr zu veredeln, und später die höchsten Formen anzunehmen. (Aber das hat, Gottseidank, ja noch etwas Zeit)
So wie nun die Venuswesen das Element der getrennten Geschlechter abgeben, so bewirken sie andrerseits auch, daß der Verstand fruchtbar werden kann. Er erhält die Hälfte der an der Geschlechtskraft ersparten Produktionsfähigkeit.“ (Rudolf Steiner, Gesamtausgabe 262, Seite 83f)
(Nun stellt sich uns die bohrende Frage, wie sich das 50:50- Verhältnis von Sex und Verstand genau verteilt. Ist es möglich, dass es eine gewisse zeitliche Staffelung im dem Sinne gibt, dass am Anfang eher 100% auf Sex entfallen, und der Verstand quasi später nachrückt? Auch das würde uns manche spezifische Beziehungsprobleme phänomenologisch erklären.)

Ein Blick in den Sternenhimmel zeigt uns nun deutlich - dafür muss man nicht astrologisch geschult sein - dass die ohnehin verheerende Wirkung der Venuskräfte von stellaren Begleitern wie dem zunehmenden Mond noch verstärkt werden. Was genau ist die Aufgabe des Mondes dabei?

Rudolf Steiner erklärt uns:
„Das Phantasieleben des Menschen hat außerordentlich viel zu tun mit den Mondphasen. Und wer einen Kalender führen würde über das Auf- und Abfluten seines Phantasielebens, der würde eben bemerken, wieviel das zu tun hat mit dem Gang der Mondphasen. Das aber, daß auf gewisse untergeordnete Organe das Mondenleben, das lunarische Leben einen Einfluß hat, das muß eben an der Erscheinung des Nachtwandelns studiert werden.“ (Gesamtausgabe 323, Seite 51f)
(Bei einer himmlischen Konstellation von Mond und Venus könnte es also geschehen, dass man bei ausgesetztem Verstand, unter dem Einfluss hemmungsloser außerirdischer Kräfte, schlafwandlerisch, sich die ganze Angelegenheit fantasievoll schönredend, in die nächstbeste Venusfalle tappt, ohne dass man es genau bemerkt. Das soll schon öfter vorgekommen sein.

Gibt es etwas wie einen Schutz gegen solche biografischen Katastrophen? Nicht wirklich. Man kann vielleicht etwas vorbeugen, indem man täglich ein kostenloses Programm wie
Stellarium (Windows, Linux, Mac) konsultiert. Dadurch vorgewarnt, kann man sich drei oder vier Tage im Schlafzimmer einschliessen und den Schlüssel wegwerfen. Nur für den Fall natürlich, dass man den temporären Verlust des Verstandes tatsächlich vermeiden möchte!)


(Screenshot aus dem Programm Stellarium, Ende Januar 2009)

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Die Kunst des Alterns und die blödesten Fehler dabei

„Heute ist das Alter zu jugendfrisch, man versteht nicht, richtig alt zu werden. Man versteht nicht, hinein zu wachsen mit seinem Seelisch-Geistigen in den im Laufe des Lebens veränderten Leib. Man trägt hinein dasjenige, was man schon als Kind oder wenigstens als junger Mensch getan hat, in den alten Leib. Da passt es nicht hinein, da passen die Leibeskleider nicht.

Und wenn dann die Jugend heran kommt, so ist es nicht deshalb, dass man sich mit ihr nicht versteht, weil man zu alt geworden ist, sondern im Gegenteil, man versteht sich mit der Jugend nicht, weil man nicht hinein gewachsen ist in das Alter und in dem Alter dadurch wertvoll geworden ist. Die Jugend will das ins Alter hinein gewachsene Alter haben, nicht ein kindsköpfiges Alter.

Man muss in der richtigen Weise für jedes Lebensalter die richtigen Lebenskräfte entfalten können; man muß verstehen, alt zu werden. Das Alter ist nämlich, wenn es richtig verstanden hat, alt zu werden, gerade als Alter recht frisch.“


Rudolf Steiner, Gesamtausgabe 304a, Seite 51
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Rache "und dergleichen"


„Wenn wir die Menschheitsentwickelung betrachten, so sehen wir, wie viele Schmerzen der Mensch über das Tierreich ausgestreut hat und wieviele Tiere er getötet hat. Die okkulte Forschung lehrt uns, dass jeder Schmerz, jeder Tod, den der Mensch den Tieren zufügt, dass diese alle doch wiederkehren und auferstehen, nicht durch Reinkarnation. Die Tiere, denen Schmerz zugefügt wurde, werden zwar nicht in derselben Form wiedererstehen, aber das, was in ihnen Schmerz fühlt, das kommt wieder, so daß jedem Schmerze sein gegenteiliges Gefühl zugefügt wird in der Zukunft. Um ein konkretes Beispiel zu gebrauchen:

Wenn die Erde vom Jupiter ersetzt sein wird, dann werden die Tiere in ihrer heutigen Form zwar nicht erscheinen, aber ihre Schmerzen und Leiden werden auferwecken die Empfindungskräfte der Schmerzen. Sie werden leben in den Menschen und sich in den Menschen verkörpern als parasitäre Tiere. Der Mensch wird es einmal erleiden, und das Tier wird in einem bestimmten Wohlgefühl, in einer guten Empfindung den Ausgleich seiner Schmerzen haben.

Das geschieht auch langsam und allmählich schon im Laufe des gegenwärtigen Erdenlebens durch Bazillenarten und dergleichen.“

Rudolf Steiner, Gesamtausgabe 143, Seite 139ff
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Fragmentarisierung


Gestern rief mich Wolfgang Garvelmann und berichtete, dass es Klagen darüber geben würde, weil ich hier in einem Artikel die blutenden Hände der stigmatisierten Judith von Halle gezeigt hätte. Ihm sei natürlich klar, dass ich nicht die Originale vorliegen habe, aber manche Anthroposophinnen seien eben entsetzt. Nebenbei erklärte er mir, er sei ein Anhänger dieser Dame - er ist organisiert in der „Freien Vereinigung für Anthroposophie Morgenstern“- und ich würde sie sicher ebenfalls zu schätzen wissen, sie sei so warmherzig und integer. Ich habe nun jedes Bild des genannten Artikels mit erläuternden Kommentaren versehen und hoffe, naive Anthroposophinnen nicht weiter zu brüskieren. Anhänger der Frau von Halle bin ich weiterhin nicht. Der Anruf war in dieser Sache nicht der erste. Aber es gibt auch die genau gegenteiligen Ansichten zu denen von Wolfgang Garvelmann. Es kommen sogar detaillierte Schilderungen und Protokolle von Auftritten Frau von Halles ins Haus, in denen sie als geltungssüchtige und autoritäre Matrone dargestellt wird, die bewusst einer Katholizisierung der Anthroposophischen Bewegung zuarbeitet. Von den Zeitzeugen und Stellungnehmenden möchte allerdings niemand genannt werden, daher habe ich auf Berichte verzichtet.

Auf Mieke Mosmullers kritisches Buch zu Judith von Halle habe ich allerdings schon hingewiesen. In dasselbe Horn bläst Holger Niederhausen auf seiner Website- nicht nur in diesem Aufsatz. Er beschäftigt sich auch mit der „Christusleere“ Sebastian Gronbachs, macht aber in einem Aufwasch auch die gesamte gegenwärtige Anthroposophie herunter: „Die Anthroposophie ist tot. Sie starb, weil niemand das reine Denken entwickelte, zu dessen Entwicklung Rudolf Steiner im Grunde immer wieder aufgerufen hatte. Wenn aber die Anthroposophie tot ist, kann sie auch die menschliche Kultur nicht mehr befruchten.“ Niederhausen lässt in seinem pessimistischen, engen Blick offenbar nur die Bücher Mieke Mosmullers gelten: „Man muss es so drastisch beschreiben, wie Mieke Mosmuller es in Ihrem erschütternden Buch „Der lebendige Rudolf Steiner“ tut. Die Anthroposophie liegt als Leichnam am Boden. Sie starb mit Rudolf Steiner – und wurde wie eine Mumie so gepflegt, dass nachfolgende Generationen von „Anthroposophen“ sie mit ihrem eigentlichen Wesen verwechselten – so wie man ihr Wesen schon zu Steiners Zeiten nicht erkannt hatte, sondern immer wieder ein zu äußerliches Verständnis hatte: von der Philosophie der Freiheit, von der sozialen Dreigliederung, von allem...“

Diese Beispiele ließen sich nahezu endlos fortsetzen. Auf staatlicher Ebene würde man von „separatistischen Bewegungen“ mit einem Alleinvertretungsanspruch sprechen, der mehr oder weniger drastisch vorgebracht wird. Fast alle Separatisten beklagen das Ende der Anthroposophischen Bewegung - ob die von Halle-Ecke, ob Niederhausen oder Gronbach - und präsentieren ihre jeweiligen allein selig machenden Lösungen. Man hat den Eindruck, dass die Fragmentarisierung der Bewegung voran schreitet, mit zunehmend schrilleren Tönen.

Wie angenehm ist es dagegen, die Statements von Wolfgang Held in einer ganz anderen Angelegenheit wahrzunehmen. In Themen der Zeit äußert er, der Gedanke, „dass die Anthroposophische Gesellschaft einen Alleinvertretungsanspruch auf Anthroposophie habe und haben wolle, ist sicherlich ein Irrtum. Einzelne Mitglieder mögen so fühlen, aber es liegt nicht in der Natur der Anthroposophischen Gesellschaft.“ Es existiere auch keine „Deutungshoheit“. Dieser Verzicht allerdings führt, wie wir an den oberen Beispielen sehen, zu immer mehr separatistischen Nischen, die eben diese Deutungshoheit mit der ihnen eigenen Autorität besetzen wollen und zu diesem Zweck ihre Anhängerschaft um sich scharen. In diesem Kontext erscheint es als einigermaßen optimistisch, wenn Held behauptet, die „Geisteswissenschaft“ sei „mittlerweile erwachsen geworden“. Held fordert ein „souveränes und freies Verhältnis“ zu Rudolf Steiner, aus einer „engagiert-erkennenden und lebensvollen Begegnung“ mit Anthroposophie heraus und inmitten einer interessierten und kritischen Öffentlichkeit. Als Voraussetzungen für eine solche Haltung sieht Held „die Weltlichkeit, das heißt die Befähigung für die Welt, die Bewährung in der Welt, und das weite Herz für die anthroposophische Gemeinschaft, die Treue zu Rudolf Steiner.“

An der „Treue“ fehlt es den zahlreichen Separatisten wohl nicht, sehr wohl aber am „weite(n) Herz“.
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Fantasie

Es ist mir immer völlig unvorstellbar gewesen, wie es sich anfühlen muss, ohne Fantasie durchs Leben zu gehen. Bei dieser Vorstellung umgibt mich die reine und unmittelbare Trostlosigkeit. Das hat weniger damit zu tun, sich in einer Art Fantastik Alltägliches und Banales schön lügen zu wollen, als eigentlich - ganz im Gegenteil- mittels dauernden inneren Tätigseins, mittels zahlreicher Entwürfe reiner Potentialität Annäherungen an die Wirklichkeit zu erproben. Das gilt gerade auch für das, was nicht unmittelbar verständlich erscheint. Die Entwürfe, die die Fantasie durch ihre Tätigkeit webt, bringen nicht nur einen Schuss Farbe in den Alltag und die Vorstellungen, sondern auch eine Melange von Wille und Gefühl. Es ist, als ob man in dieser Tätigkeit nicht nach-, sondern vordächte. Denn all zu Vieles, was wir erleben, betten wir lediglich in den Kontext unserer Erwartungen ein. Mit der Fantasie lassen wir Luft in die stickigen Räume unserer Weltsichten.

Als Zehn- oder Elfjähriger - noch unbeschattet von den quälenden Selbstzweifeln der Pubertät -, war die kindliche Fantasie auf einem gewissen Höhepunkt. Wir Schüler hatten einen weiten Weg zum Gymnasium in einer anderen Stadt. In der Bahn, besonders aber auf dem langen Fußweg, ließen wir unserer Fantasie freien Lauf. Wochenlang malten wir uns aus, was wäre, wenn Partikel einer kleinen Eruption, einer Explosion oder eines grossen Feuers einen ganzen Kosmos beheimateten. Wenn sich aus den glimmenden Partikeln eine innere Ordnung ergeben würde, die Sonnen und Planeten in Miniaturausgabe hervorbrächte, Leben und Intelligenz. Wir stellten uns vor, dass Zeit relativ wäre und in Relation zu der Winzigkeit dieses Kosmos eine kleine Ewigkeit darstellte. Umgekehrt - die Big-Bang-Theorie kannten wir noch nicht- war vielleicht unsere Zeit, unser Raum, unsere kosmische Ordnung nur eine Variante einer solchen Eruption, von der es gleichzeitig Unzählige gab.

Natürlich spielte neben dem Versuch, Entwürfe von denkbarer Wirklichkeit durchzuspielen, auch der Verlust der Gottesgewissheit eine Rolle. In dem Alter spielte ich auch viele denkbare Götter durch- probeweise gewissermaßen. Man konnte ja nicht sicher sein. War ein Gott vielleicht eifersüchtig, wenn man ihn mit dem falschen Namen anbetete? Gab es überhaupt falsche Namen? Gab es überhaupt einen Gott? Die Fantasie entsprang gerade an dem Punkt, an dem die kindlichen Gewissheiten zerstoben waren.

Aber auch heute noch können mich Weltentwürfe faszinieren. Nehmen wir z.B. eine Animation des Zusammenspiels von Erdinnerem und Erdkruste aus einer Dokumentation des ZDF:


Die Dynamik der ungeheuerlichen Kräfte, der Kontrast zur Zerbrechlichkeit der eierschalendicken Kruste, auf der wir leben: Wir wissen das vielleicht, aber erst die Fantasie lässt das innerlich erleben. Und es wird ganz deutlich, dass diese Existenzform, als die wir unser Leben erfahren, nur temporär sein kann. Eine winzige Episode auf der Haut eines feurigen und dynamischen Planeten. Die Vorstellungen vom Leben, so wie wir es kennen, können in Bezug auf die Lebens- und Erscheinungsformen eines solchen Planeten nur winzige Ausschnitte darstellen. Es ist eigentlich nicht die Sendung gewesen, sondern lediglich dieses Bild, was mich tagelang innerlich bewegte: Unsere Realität ist so relativ.

Rudolf Steiner hat sich vielfältig und in aller Breite zur Fantasie geäußert. Natürlich gibt es die Abarten der Fantastik einerseits und materialistischer Entwürfe andererseits. Meine Kindheitsfantasien in der Verabschiedung des allmächtigen Gottes waren sicherlich und berechtigt materialistischer Natur. Es gibt auch, sagt er, eine „verschlagene Phantasie“, die sich etwa in „Lügenhaftigkeit“ artikuliert. Aber im Kern lebt in der Fantasie doch „eine höhere Geistigkeit“. Die Fantasie ist nicht nur in bildhaftem Sinn ein geflügelter Bote, ein anderer Bruder der Vernunft. Für Steiner lebt in der Fantasie eine tatsächliche Inspiration:
„Es ist dieselbe höhere Geistigkeit, die uns eigentlich von Leben zu Leben wie ein individueller Schutzgeist trägt: der Angelos. Und es ist durchaus eigentlich das Denken des Angelos, das in die geregelte menschliche Phantasie herein spielt.“ (Gesamtausgabe Nr 208, Seite 39) An anderer Stelle führt Steiner aus, dass im Gegensatz zur rationalen Vorstellung, die aus einer antipathischen Gebärde entspringt, die Fantasie gerade aus einem Übermaß an Sympathie entsteht.

Die Fantasie übersteigt unsere kleinen Weltentwürfe. Sie stellt unsere Sicherheiten, Doktrinen, Selbstbilder auf den Kopf, spielt mit ihnen und haucht ihnen neues Leben ein. Die Fantasie ist der kleine Bruder der Imagination.
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In die Schmollecke

Die diesjährige Neujahrsansprache stammt nicht von Bundespräsident Horst Köhler, sondern von Dr. Jens Heisterkamp, der sie im Info3 Blogland zum Besten gibt. Schon der erste Satz zeigt die innere Verwandtschaft der beiden Protagonisten: „Wir leben in einer Zeit des Wandels, der Krisen und Aufbrüche.“ Auch Alle- Welt- Aussagen wie „Alle Welt macht sich derzeit Gedanken über verantwortliches Wirtschaften, nachhaltiges Leben und neues Bewusstsein.“ könnten beinahe auch von Köhler stammen, bis auf das „neue“ Bewusstsein, das wenig zur präsidialen Würde zu passen scheint. Beide Redner werden auch vor allem bei medialer Präsenz aktiv: Köhler, wenn die Kameras auf ihn gerichtet sind. Heisterkamp erfreut sich der neuen medialen Aufmerksamkeit durch Google News., wodurch seine Ansprachen in vielen Newsreadern gepostet werden, zwischen FAZ, Focus und „Themen der Zeit“.

Eine weitere Gemeinsamkeit besteht auch in dem Hang zum Klagen. Köhler bläst gern und ausgiebig Trübsal zu Fragen der Moral, der Bildung und der Wirtschaftslage und reagiert beleidigt, wenn die parlamentarischen Gremien seine diesbezüglichen Aussagen nicht recht zu schätzen wissen. Heisterkamp dagegen beschränkt sich auf das Klagen über den Zustand der Anthroposophischen Gesellschaft: „Genau von diesen Herausforderungen der allgemeinen Kultur hat sich jedoch Anthroposophie als Entwicklungsweg menschlichen Bewusstseins weitgehend abgekoppelt. Die lebendige Auseinandersetzung mit den realen Bedürfnissen der Zeit, wie sie in Waldorfpädagogik oder Medizin unausweichlich (und sinnvoll!) ist, wurde auf spirituellem Gebiet in der Anthroposophie nie wirklich gesucht, sondern weitgehend auf den Stand der Bezüglichkeiten zu Steiners Zeiten eingefroren. Das starke spirituelle Interesse unserer Gegenwart geht weitgehend vorbei an der Anthroposophie – weil sie glaubt, sich damit nicht befassen zu müssen.“ Heisterkamps Diagnose, Anthroposophie heute betreffend, lautet also: Ein „Zustand zeitentrückter Profillosigkeit“. Das ist seltsamerweise ein Begriff, mit dem wir ohne Bedenken auch Horst Köhler bedacht hätten.

Die Köhlerschen Rezepte zur Lösung aller Probleme haben stets etwas von der legendären Hau-Ruck-Rede seines Vorgängers Roman Herzog. Solche Durchhalteparolen sind Heisterkamp fremd. Er empfiehlt- wie übrigens inzwischen mantraartig seit Jahren- den „Dialog“ „mit anderen spirituellen Richtungen“. Lang und breit klagt Heisterkamp über viele Anthroposophen, die ein solches Aufpfropfen vor allem US- geprägter Spiritualität a la Wilber und Cohen nicht gerade schätzen. Ihre Abwehr gegen ein solches Vorhaben denunziert Heisterkamp generell als „in bester fundamentalistischer Manier“.

Als jemand, der die von Heisterkamp geforderte „Weite des Geistes“ exemplarisch im Sinne von Info3 repräsentiert, darf wohl Sebastian Gronbach bezeichnet werden. Die „Mission“, die dieser auf seiner Website und in einem Buch präsentiert, zeichnet sich dadurch aus, dass von einem „Dialog“ keine Rede sein kann. Es handelt sich wohl eher um ein ekstatisches Gebrabbel post- nietzscheanischen Übermenschentums, bei dem humanitäre Grundsätze, die als Essentials von Anthroposophie gelten können - ein selbstverantwortliches Ich etwa, aber auch christliche Werte und der Gedanke der Reinkarnation - längst expressis verbis über Bord gegangen sind. Der vorgebliche Dialog mündet also offenbar in dieser Lesart in der Aufgabe der Kernaussagen von Anthroposophie. Heisterkamp bezeichnet die Zweifel an solchem posthumanistischem Geschwätz als „Dünkel“ und „Angst vor der Verwässerung“. Heisterkamps Adlatus Christian Grauer setzt noch einen drauf und beschreibt die Zweifler generell als das „bornierte spirituelle Spießbürgertum, das sich in den hier wie anderswo nicht enden wollenden Anfeindungen gegen info3 niederschlägt, weil sie unbequeme Fragen stellt, weil sie Ernst macht mit dem "eigenständigen Erarbeiten" und weil sie die Anthroposophie schon für so gereift und salonfähig hält, dass sie mit anderen spirituellen Bewegungen in einen Dialog treten kann, ohne sich dabei selbst zu verlieren.“

Das Spiessbürgertum mag es geben. Es generell auf die Kritiker einer als fremdartig empfundenen Überstülpung US-. dominierter zeitgeistiger Spiritualität anzuwenden, ist aber tatsächlich ein Totschlagargument. „Themen der Zeit“ moniert dies ebenfalls und verdient mit dem Resümee „So mag es wohl sein, dass diese Diskussion Staub aufwirbelt, wie Grauer richtig bemerkt, entscheidend aber wird es sein, wer ihn entfernt, wenn er sich wieder gesetzt hat. Ich komme nicht umhin, zugegeben, dass ich den "alten Anthroposophen" eher zutraue, einen Staubsauger zu bedienen. Sie sollten es dann aber auch tun.“ zweifellos den Staubsauger des Jahres, falls es diesen Preis einmal geben sollte.

Heisterkamp, Grauer, Gronbach u.a. aber eröffnen in meinen Augen keinen Dialog, sondern forcieren mit geballter medialer Präsenz eine weitere „ketzerische“ Totgeburt am Rande der anthroposophischen Bewegung. Es hat viele Abspaltungen, lustvolle Ketzerecken und Trotzburgen in dieser Bewegung gegeben. Hier katapultiert sich ein wichtiges Organ wie Info3, das einmal für kritische, zeitgemäße Anthroposophie stand, systematisch und aus freien Stücken in die Schmollecke.
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Fälschung oder nicht Fälschung?

In einem Anschreiben an mich macht Thomas Meyer vom anthroposophischen Perseus- Verlag auf einen Artikel („Zu den Fälschungsbehauptungen von Matile und Meister“) aufmerksam, in dem er wiederum auf einen Jahre alten Beitrag eingeht, der unter dem Titel „Zu den sog. «Aufschreibungen von Ludwig von Polzer-Hoditz nach Gesprächen mit Rudolf Steiner» sowohl auf der von Heinz Matile betriebenen Website der Albert- Steffen- Stiftung als auch hier bei den Egoisten erschienen ist. Bei den posthum erschienenen „Aufschreibungen“ von Ludwig Polzer- Hoditz (1869-1945) handelt es sich wieder einmal um angebliche Wiedergaben von Gesprächen mit Rudolf Steiner. In dem ganzen Streit geht es natürlich um die Frage nach der Authentizität dieser Äußerungen, die in diesem Fall allerdings als ziemlich bedeutsam einzuschätzen sind. Übrigens sind diese „Aufschreibungen“ erstmalig vollständig von Thomas Meyer publiziert worden (1994).



Matile/ Meister bezweifeln nun die Echtheit, da die vorliegenden Texte „aus einzelnen Papierstücken zusammengeklebt und dann fotokopiert wurden (im bei Meyer abgedruckten Ausschnitt nicht sichtbar)“ und deutliche Differenzen in der Handschrift sichtbar seien, aber auch zeitliche Ungereimtheiten vorlägen. In den angeblichen Gesprächen selbst ging es um die „Einrichtung der drei Klassen der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft und ihre Mitgliederzahl, die vorgesehenen Leiter dieser Klassen und die Aufgaben einzelner Vorstandsmitglieder“, aber auch um die Person Kaspar Hausers und zahlreiche Details- etwa was bestimmte karmische Zuschreibungen betrifft. Das Problem liegt auch darin, dass diese angeblichen Äußerungen Rudolf Steiners schon lange vor der Publikation durch Thomas Meyer in der anthroposophischen Gesellschaft kursierten und z.B. durch den auch in der Angelegenheit Judith von Halle einschlägig bekannt gewordenen Peter Tradowsky in Büchern ausgiebig verwendet worden waren. Insofern war die Publikation durch Thomas Meyer in jedem Fall verdienstvoll. Matile/ Meister geht es aber auch um eine „Art karmische(n) Rufmord(s)“ gegenüber Albert Steffen in diesen Texten.

In seiner aktuellen Replik kontert Thomas Meyer nun zunächst mit Schriftproben von Polzer-Hoditz, um den Vorwurf graphologischer Ungereimtheiten auszuräumen: „Was Matile und Meister nicht bedenken, ist, dass eine Person eine Ziffer oft in verschiedener Weise schreibt. So auch Polzer.“ Weitere Ungereimtheiten muss zwar auch Meyer zugestehen (in Bezug auf Albert Steffen), interpretiert sie aber als „Verwechslungen“ und „ungenaue Erinnerung Polzers“. Eine „Gefälschtheit“ kann er nicht erkennen.
Stattdessen kehrt Meyer die Vorwürfe einfach um: Hatten Matile/ Meister die karmischen Denunziationen im Text beklagt, stimmt Meyer zunächst zu („Den tragischen Konflikten innerhalb der AAG lagen überhaupt auf tieferer Ebene nicht zuletzt ins Persönliche gezogene Karma-Erkenntnisse, unverarbeitete Karma-Mitteilungen oder ganz einfach Karma-Spekulationen zugrunde.“), bezichtigt aber andererseits Steffen selbst „eines zu Persönlich- Nehmens einer Karma-Erkenntnis“. Als wären die Konflikte in der Nachfolge Rudolf Steiners in den Zeiten bis 1945 noch aktuell, bezweifelt Meyer in diesem Zusammenhang auch die „esoterische“ Funktion Steffens im damaligen Vorstand.
So kommt Meyer zu dem Resümee: „Auch wenn die Entstehungsgeschichte und -art der Aufzeichnungen der Gespräche Polzers mit Rudolf Steiner bis heute nicht lückenlos nachgewiesen und geklärt werden kann, auch wenn einzelne ihrer Inhalte nicht leicht zu beantwortende Fragen aufwerfen – ihnen pauschal «Fälschungscharakter» zuzuschreiben und insbesondere Paul Michaelis, dem Erben des Polzerschen Nachlasses, «unlautere Absichten» und Schlimmeres zu unterstellen, ist nach wie vor wissenschaftlich und menschlich unseriös.“

Unser Resümee in dieser Angelegenheit kann nur in dem Erstaunen darüber liegen, dass offensichtlich selbst 70 Jahre alte Konflikte, die damals die Anthroposophische Gesellschaft tatsächlich beinahe zerrissen haben, bis heute nicht aufgearbeitet worden sind. Von Konfliktmanagement kann nicht nur keine Rede sein: Unvermittelt brechen unter der Oberfläche nach wie vor alte und älteste Wunden auf, von denen Zeitgenossen heute nur fassungslos Kenntnis nehmen können. Andererseits entstammen manche tradierte Aussagen Rudolf Steiners - etwa über die Person Kaspar Hausers-, die jahrzehntelang unkritisch und teilweise mit unklaren Absichten publiziert worden sind, solchen Quellen, deren Echtheit eben nicht als gesichert gelten kann.
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Neuausgabe der Polzer- Biografie

In Ergänzung zu meinem Beitrag „Fälschung oder nicht Fälschung“ möchte ich noch auf den Anknüpfungspunkt der jetzigen Diskussion hinweisen. Dieser besteht in der Neuausgabe von Thomas Meyers Polzer- Biografie.
Zu meinem Artikel liegt auch eine aktuelle Replik Thomas Meyers vor:


«Meines Erachtens ist die von Matile und Meister erhobene Behauptung einer pauschalen Fälschung der angeblichen Aufzeichnungen der Gespräche zwischen Polzer und Steiner mit ebensolchem Recht als Behauptung einer «angeblichen» Fälschung zu behandeln. Zu dieser nach Erscheinen der ersten Auflage meiner Biographie verbreiteten rufmörderischen Fälschungs-Behauptung – sie trifft in erster Linie Paul Michaelis, in zweiter Linie meine eigene Person – musste ich in der Neuauflage Stellung nehmen. Die Fälschungstheorie ist von Matile/Meister keineswegs stringent erwiesen worden, in gewissen Punkten sogar jetzt klar widerlegt (Zahlen; Kaspar-Hauser-Gentest etc.).
Dass in einzelnen Punkten Fragen bestehen, die auch ich nicht lösen kann, ist unbestritten.
Das habe ich im Anhang der Neuauflage meiner Polzer-Biographie auf S. 671ff. klar gelegt. Die dort dargestellten fraglichen Punkte rechtfertigen die Unterstellung, Michaelis und/oder Meyer hätten eine Fälschung in Umlauf gebracht, nicht.»


Aus der Ankündigung des Perseus- Verlages zu Polzer- Hoditz: „Ludwig Polzer-Hoditz (1868–1945) gehörte zu den wichtigsten und selbständigsten Schülern Rudolf Steiners. In Prag geboren, erlebte er den kulturellen Reichtum sowie den Niedergang der Donaumonarchie aus nächster Nähe mit. Durch Rudolf Steiner, dessen Schüler er 1908 wurde, und durch seinen Bruder Arthur, Kabinettschef von Kaiser Karl I., war er aber auch an der ersten Aussaat eines neuen sozialen Aufbauimpulses beteiligt: der Dreigliederung des sozialen Organismus. Zusammen mit seiner Frau Berta bewirtschaftete er das Gut Tannbach b. Linz. Schicksalsmäßig mit der Cäsarenzeit des zweiten Jahrhunderts verbunden, erkannte er das unberechtigte Fortwirken römischer Impulse in der katholischen Kirche. Ein von römischen Tendenzen und westlichen Logenintentionen freies Europa aufzubauen gehörte mehr und mehr zu seinen Herzimpulsen. Im «Testament Peters des Großen» sah er dagegen eine Quintessenz antieuropäischer Machtbestrebungen, die bis heute dominierend wirken. Nach Steiners Tod führte Polzer Gespräche mit Masaryk und Benes, verfasste Memoranden, wirkte als Vortragender und pflegte ungewöhnliche Freundschaften. Besonders verbunden war er Otto Lerchenfeld, Walter Johannes Stein, Ita Wegman, Sophie und Menny Lerchenfeld und Paul Michaelis. 1935 griff er mit einer bedeutenden Rede in den tragischen Gang der Ereignisse innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft ein. Vergeblich: Am Todestag von D.N. Dunlop trat er 1936 aus der AAG aus. Vermehrt arbeitete er nun am Brückenschlag zwischen Mittel- und Osteuropa sowie an einer geistgetragenen Verbindung mit dem Westen. Polzer veröffentlichte 1928 sein Werk Das Mysterium der europäischen Mitte und 1937 seine Erinnerungen an Rudolf Steiner. 1942 entstand ein noch unveröffentlichtes karmisches Drama um Kronprinz Rudolf. Ludwig Polzer-Hoditz starb am 13. Oktober 1945 in Wien.“


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Der Karrierist



Wenn der Mensch stark seinen Egoismus hinunter drängt in das Unbewußte, wenn er nicht mit einer gewissen Ursprünglichkeit lebt, dann ergreift sein Egoismus auch sein unterbewußtes Bewußtsein, und er leitet ihn dann an, das Leben zu deichseln, sich einzurichten, sich vorher die Bedingungen zu schaffen für ein Späteres. Da sehen wir walten den Astralleib mit seiner Gescheitheit. Da liegen viele gefährliche Seiten für die Entwickelung der Menschenseele, und sehr wichtig ist es, daß man sich dessen bewusst ist, daß man in dem Augenblick, wo man herantritt an dasjenige, was in uns sonst unbewußt wirkt, versucht, nicht zu stark mit se