Benesch

Pfarrer Konrad Möckel und der radikal nationalsozialistische Benesch

Leider ist das „Kirchenlexikon“ (www.kirchenlexikon.de) nicht mehr online, so dass die Textstellen nur noch im Cache des Internets nachgeschlagen werden können. Zu Benesch findet man z.B. den Bezug zu einem der Widerständler innerhalb der evangelischen Kirche, die die Usurpation ihrer Kirche durch die Nazi- Cliquen nicht hinnehmen wollten:
Konrad Möckel thematisierte alle diese Probleme der Volkskirche in mehreren Aufsätzen, die ihn in Siebenbürgen und darüber hinaus bekannt machten. Heinrich Rendtorff und Erich Stange nahmen seine Schrift "Volkstum und Glaube" (1930) in die Reihe "Kirche und Gegenwart - Praktisch-theologische Untersuchungen" auf. In einer teilweise kontrovers, teilweise gleichsinnig geführten Diskussion mit dem Philosophen Erwin Reisner, später Mitglied der Bekennenden Kirche und nach 1945 Professor an der Kirchlichen Hochschule Berlin, fragte Konrad Möckel, was evangelischer Glaube in der konkreten Situation der ev. Kirche in Siebenbürgen angesichts der weit verbreiteten Überschätzung von "Volkstum" und "Rasse" hieß.

Der siebenbürgische Wandervogel lud Konrad Möckel 1930 zur Mitarbeit bei den Treffen älterer Mitglieder ein. Als Südostdeutscher Wandervogel hatte er sich 1927 neu und straff konstituiert. Er bestand lange Zeit nur aus städtischen Gruppen, in denen sich "aus dem Reich" importierte Anschauungen geltend machten, wie beispielsweise die von Professor Dr.
Hans Hahne, Altertumsforscher und Museumsdirektor in Halle a. d. Saale, der heidnisch-germanische Bräuche neu belebte. Konrad Möckel schätzte den guten Willen der Mitglieder im Wandervogel und entschloß sich zur Mitarbeit, wohl auch um die Selbstfindung der Jugendlichen nicht den ambivalenten Auswirkungen völkisch-nationaler und pseudoreligiöser Ideen zu überlassen. Die vagen Erneuerungsbestrebungen konnten die Jugend begeistern und ältere Strukturen der Volkskirche beleben, sie konnten jedoch die Jugend ebenso gut der volkskirchlichen Tradition abspenstig machen.

Die seit dem Jahre 1922 in Siebenbürgen bestehende, vom Nationalsozialismus inspirierte und in der Weltwirtschaftskrise erstarkte Selbsthilfebewegung des Sparkassenangestellten und Rittmeisters a. D.
Fritz Fabritius bekannte sich 1932 offen zum Nationalsozialismus (Nationalsozialistische Selbsthilfebewegung in Rumänien); die Leitung des Südostdeutschen Wandervogels näherte sich der Selbsthilfe mehr und mehr an. Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler im Jahre 1933 politisierte sie noch mehr. Die Nationalsozialisten, unter diesem Namen vom rumänischen Staat verboten, nannten sich in Nationale Erneuerungsbewegung der Deutschen in Rumänien um (NEDR). Sie war die einzige, modern organisierte Partei innerhalb der deutschsprachigen Bevölkerung in Rumänien und stellte mehr und mehr in allen politischen und kirchlichen Gremien zahlenmäßig starke Fraktionen, in vielen die Mehrheit. Im Jahre 1933 wählte die Kronstädter Kirchengemeinde Konrad Möckel zum Stadtpfarrer.

Das Verhältnis Konrad Möckels zu den Freunden aus dem Wandervogel und aus der Selbsthilfebewegung kühlte sich ab. Mitglied der Selbsthilfebewegung war er selbst nie, stand ihr jedoch bis 1932 nahe. Sie spaltete sich 1935: Die größere, gemäßigte NEDR war im Rahmen der seit dem Ersten Weltkrieg in Rumänien bestehenden Volksorganisation zur Zusammenarbeit auch mit der evangelischen Kirche (in Siebenbürgen) und mit der katholischen Kirche (im Banat) bereit; die kleinere, radikale und kirchenfeindliche Deutsche Volkspartei Rumäniens (DVR) dagegen nicht. Sie bekämpfte vielmehr die traditionell beachtliche Stellung der Kirche innerhalb der Volksorganisation. Die NS-Bewegung der Deutschen in Rumänien spaltete sich nicht zuletzt an der Frage, ob diese volkskirchliche Tradition anerkannt oder abgelehnt werden sollte.

Konrad Möckel gründete mit anderen, jüngeren Pfarrern aus der Jugendbewegung den Frecker Kreis, der sich die geistliche Erneuerung der Volkskirche zum Ziel setzte. Er prangerte die kirchen- und christenfeindliche Tendenz des radikalen Flügels öffentlich an und
wurde daraufhin von dessen Protagonisten scharf angegriffen, besonders von Pfarrer Friedrich Benesch. Weitere Angriffe folgten, als er 1937 auf der Weltkirchenkonferenz in Oxford die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien offiziell vertrat und sich von einer Solidaritätserklärung der Konferenz für die vom NS-Staat bedrängten Kirchen in Deutschland nicht distanzierte. Im gleichen Jahr lernte er in Neuendettelsau die Evangelische Michaelsbruderschaft kennen und trat ihr bei. In den siebenbürgisch-sächsischen Auseinandersetzungen um die Volkskirche erhielt er Unterstützung vom Leiter des Franz-Rendtorff-Hauses in Leipzig, Dr. Herbert Krimm, und von Hans Bernd von Haeften, Legationssekretär an der deutschen Gesandtschaft in Bukarest von 1937-1941. Die Angriffe gegen die Kirche glichen dem Kirchenkampf in Deutschland und spiegelten ihn zugleich in merkwürdiger Umkehrung; denn in Siebenbürgen spaltete sich nicht die evangelische Kirche, sondern die nationalsozialistische Partei der Deutschen in Rumänien, unter anderem wegen der Frage der „Volkskirche“.“

Quelle:
d. XXIX BBKL Nordhausen 2008 ISBN 978-3-88309-452-6
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Neues aus Birk

Über Pfarrer Benesch, der als glühender Nationalsozialist, evangelischer Pfarrer und Dorfherrscher mit angeschlossenen Schlägertrupps bekannt wurde, nach dem Krieg seine Schäflein in den Westen brachte und in der Christengemeinschaft untertauchte, um auf distanzlose Art und Weise zahllosen Menschen persönliche spirituelle Anleitungen zu geben, aber sich auch gern frommen anthroposophischen Studentinnen per direktem Körperkontakt näherte, ist in diesem Blog viel geschrieben worden. Das eigentliche Problem war nicht einmal die Karriere dieser manipulativen Person, nicht nur das Wegducken vor dessen herrischem Auftreten, sondern das lang andauernde, beharrliche Leugnen der Wahrheit über die Vergangenheit Beneschs innerhalb der Christengemeinschaft. Hans-Jürgen Bracker macht nun noch einmal auf eine Blognotiz aufmerksam, die beschreibt, wie es in dem Dörfchen Birk nach dem Weggang Beneschs weiter ging. Nach Jahrzehnte währenden Verfalls scheint sich die Gemeinde nun wieder - mit Unterstützung der ehemaligen Bewohner- etwas zu organisieren und verkauft sogar bäuerliche Produkte. Zwar nicht die legendäre Hirnwurst wie zu Beneschs Zeiten, aber immerhin Kräutersalze:

„Die Feier hat mit dem Gottesdienst in der überfüllten evangelischen Kirche begonnen. Das Thema war „Der Himmel steht über alle“ und wurde zweisprachig geführt. Geleitet wurde die Zeremonie in der Kirche von dem evangelischen Pfarrer Zoran der die besondere Ehre hatte das Ornat seines Vorgängers Friedrich Benesch anziehen zu dürfen. Musikalisch untermalt wurde die Feier von Familie Kaufmann aus Deutschland und Frau Gerte Vöge aus Spanien. Gudrun Kaufmann ist nämlich die Tochter des ehemaligen Pfarrers Benesch und ist wie auch ihre Kusine Gerte Vöge in Birk geboren. Benesch war zwischen 1934 und 1944 Pfarrer in Birk und ist gleich nach dem Krieg nach Deutschland gezogen.“
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Regina Reinsperger: Friedrich Benesch und die Toten des Spanischen Bürgerkrieges


Frederico Garcia Lorca

Der Spanier Jaime Padro begleitete Friedrich Benesch 1963 bei seinem Besuch in Toledo und er berichtete, dass Benesch bei der Besichtigung des Alcazar ihnen erklärt habe, dass „die Aura der Opfer noch über dem Gebäude zu sehen sei.“ Fast alle Verteidiger seien ums Leben gekommen.
Um diese Behauptungen Beneschs einordnen zu können, muss man wissen, dass der Kampf um Toledo und den Alcazar in den faschistischen Ländern als „Opferlegende“ medienwirksam ausgebeutet worden war. Toledo wurde nach 1936 zu einer Art Wallfahrtsort für deutsche Spanienreisende und prominente, heute längst vergessene Autoren des dritten Reiches berichteten in ihren Reisenotizen ausführlich über den Alcazar (Dwinger 1937 / Vesper 1942) und es wurde zu einem Sujet in der Jugendliteratur. Die Tatsache, dass dem ehemaligen Kommandeur des Alcazar noch 1955 das deutsche Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, zeigt wie reibungslos sich die antikommunistische Symbolkraft des Alcazar-Mythos auch in der Zeit des kalten Krieges instrumentalisieren ließ.

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Regina Reinsperger: Bauernschulung

Auch in seinem "zweiten" Leben als Pfarrer der Christengemeinschaft beschäftigt sich Benesch wieder mit der Landwirtschaft. 1975 ist er gemeinsam mit Ärzten und Landwirten Initiator und Gründungsmitglied des Vereins "Internationale Forschungsgesellschaft für Umweltschutz und Umwelteinflüsse auf Mensch, Tier, Pflanze und Erde e.V. Benesch steht mit dieser Gründung in bester "rechter" Tradition: 1958 wurde in Salzburg der "Weltbund zum Schutze des Lebens" gegründet, dessen Präsident von 1974 - 1982 Werner Georg Haverbeck war. Die Deutsche Sektion dieses äußerst rechtslastigen Vereins nannte sich auch: "Aktionsgemeinschaft zur Erhaltung gesunder Lebensgrundlagen für Natur, Landschaft, Tier und Mensch", die Namensähnlichkeit der Vereine ist nicht zu übersehen. Die anthroposophischen Bauern waren und sind zudem im "Demeter Bund" organisiert, warum also noch ein neuer Verein, noch dazu mit derart hochtrabenden Namen?

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Frank Hörtreiter: Presseerklärung der Christengemeinschaft zu Friedrich Benesch

Friedrich Beneschs nationalsozialistische Vergangenheit.

Friedrich Benesch (1907-1991) hat in der Christengemeinschaft eine bedeutende Rolle gespielt – als langjähriger Leiter des Stuttgarter Priesterseminars und als weltweit gesuchter Vortragsredner. Bevor er 1947 zum Priester geweiht wurde, hat er sich als evangelischer Pastor in Siebenbürgen als begeisterter Nationalsozialist betätigt.

Vor einer eventuellen Priesterweihe hat jeder Kandidat den Pfarrern der Christengemeinschaft sein bisheriges Leben zu schildern. In Beneschs Lebenslauf steht von seiner politisch exponierten Tätigkeit nichts. Ob er dem damaligen Leiter der Christengemeinschaft, Emil Bock, unter dem Siegel des Beichtgeheimnisses davon berichtet hat, ist nicht überliefert; mit Sicherheit aber nicht so vollständig und wahrheitsgetreu, dass z.B. sein mehrfacher Versuch, in die SS aufgenommen zu werden, bekannt geworden wäre.

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Regina Reinsperger: Werbung für H.W. Schroeders Benesch Biographie



Werben wir also auch wieder einmal für diese Biographie: heute lag in meiner Post der neue Jahreskatalog 2009 „Die Welt in Worten“ des Johannes Mayer-Verlages Stuttgart. (Nebenbei: das stilisierte Y im Wort Mayer (www.verlag-mayer.de) erinnert an die germanische Weltenesche Ygdrasil oder die Irminsul.) Auf Seite 9 des Kataloges wirbt Mayer ganzseitig mit Zitaten aus einer Rezension des Institutes für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas e.V. an der Ludwig-Maximilian-Universität München. Darin wird die Arbeit Schroeders gelobt:

„Benesch hinterließ keine unmittelbare Erklärung seines frühen nationalsozialistischen Engagements und seiner abrupten Abkehr von diesem. Sein Biograf war somit auf Andeutungen und Schlussfolgerungen des Proträtierten angewiesen. Er löste die heikle Aufgabe…mit der um Lückenlosigkeit bemühten Leidenschaft des Forschens bis ins Detail.“ Und: „Dass Hans-Werner Schroeder neben der charismatischen Benesch Gestalt ohne Scheu deren problematische Seite sichtbar macht, gibt seinem Werk Gediegenheit und Zuverlässigkeit.“

Dass ein Verlag mit solch einer Rezension wirbt, die sich den Anschein „objektiver Wissenschaftlichkeit“ gibt, ist legitim. Der normale Leser ist angetan von einer Rezension eines „Universitäts-Institutes“ und übersieht, dass dieses „Institut“ lediglich mit der Universität zusammenarbeitet, rechtlich ist es ein eingetragener Verein, wie auch z.B. der FC Bayern. Wie kommt es nun zu dieser äußerst positiven Einschätzung dieses Buches, bei dem wir schon sehr viele Ungenauigkeiten und sogar einen eklatanten Fehler (s. Artikel „Beneschs Tabakregie“) entdeckt und hier bei den Egoisten besprochen haben.

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Regina Reinsperger: "Keeper of the Grail of the National Socialism" and Friend of the Anthroposophics?


„One is wondering what is about the moral reasoning of Antrophosophics who excuse mass murder and claim that humans can be so mired in an affair that they have no other choice but to commit a crime of this dimension.“

Die englische Übersetzung von Regina Reinspergers Arbeit über den Kriegsverbrecher und „Freund der Anthroposophen“ Otto Ohlendorf ist nun in der Übersetzung von Klaus Popa fertig. Dem Übersetzer gebührt besonderer Dank. Klaus Popa hat mit dem geschulten Blick des Historikers zusätzlich nochmals kritisch gegengelesen.

Download der druckfertigen PDF- Version ( 599 KB)
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Historiker Klaus Popa entdeckt weitere Benesch Rede von 1941

Auf seiner Internet-Seite bringt Klaus Popa wieder Neuigkeiten, die er erst vor kurzem in den Archiven recherchiert hat. Unter der Kapitelüberschrift: „Streifzüge durch die Archivbestände“ präsentiert er unter der Überschrift: „Neuigkeiten aus den Beständen des Bundesarchivs Berlin“ Unterlagen zur NS-Geschichte des rumänischen Banat.
Ganz neu sind die „Neuigkeiten aus den Beständen des Institutes für Zeitungsforschung in Dortmund“ (1). Popa zeigt Original - Zeitungsausschnitte der „Deutschen Zeitung Budapest“ von 1941, aus denen sich das nationalsozialistische Selbstverständnis der Siebenbürger Sachsen in Ungarn, also aus Benesch Heimat, ersehen lässt.

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Brief aus Siebenbürgen



„Ich habe ihren Brief bekommen und mich sehr gefreut darüber, dass es auf dieser Welt noch Menschen gibt, die sich mit der Wahrheit über unsere Vergangenheit beschäftigen. Bezüglich ihrer Frage möchte ich antworten, dass ich Herrn Friedrich Benesch nicht kennengelernt habe.
Der Aufstieg des Nazismus und sein öffentliche Einfluss über die Sächsische Bevölkerung in Sächsisch-Regen begann im Jahre 1930. Die Diskriminierung jüdischer Kinder im Deutschen Kindergarten durch das Personal begann nach 1940. Die Jugendlichen mussten die Uniform des Deutschen Volksbundes tragen und im Stadtzentrum aufmarschieren und Nazi-Parolen und antisemitische Parolen skandieren. Ich erinnere mich an einen Zwischenfall, den mein Bruder erzählt hat, dass junge Juden geschlagen und aus der Stadt gejagt wurden.
Die Mehrheit unserer Bekannten aus der Sächsischen Bevölkerung hat die Beziehung zu uns abgebrochen und auch nicht mehr gegrüßt.
Wie schon mein Bruder berichtete, wurde meine Mutter im Ghetto von Sächsisch-Regen durch die ungarische Gendarmerie gefoltert. – Am Bahnhof musste die jüdische Bevölkerung in Güterwagen einsteigen, ungarische und deutsche Soldaten bewachten sie.“

So ein Brief aus Siebenbürgen, den Frau Dr. Reinsperger auf ihrer Suche nach den Aktivitäten des SS-Gefolgsmanns und Pfarrers der "Christengemeinschaft", Friedrich Benesch, hat übersetzen lassen.
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