Wolf-Ulrich Klünker: Über Inkarnationsstörungen und Geisterfahrung
01.Mai.2010 20:20 Uhr Abgelegt in:Anthroposophie | Bücher
In seinem neuen Buch (März 2010) schreibt Wolf- Ulrich Klünker:
„Darüber hinaus zeigt sich immer deutlicher das Problem, dass die mitgebrachte leiblich-seelische Konstitution nicht mehr die ganze Biographie über für das Ich eine tragfähige Grundlage bildet. Die individuell vorgefundenen seelisch-leiblichen Gegebenheiten können sich als für das Ich nicht handhabbar, als Gegenkraft für Ich-Intentionen oder als krankheitsanfällig darstellen. Das Ich kann sich innerhalb eines solchen Leib-Seelen-Gefüges nur schwer greifen. Solche Schwierigkeiten sind früher ungefähr von der Lebensmitte an für manche Menschen biographisch relevant geworden. In-zwischen ist schon an Kindern und Jugendlichen spürbar, dass sich geistige Individualität und Leib-Seelen-Konstitution widersprechen können. Daraus entstehen zuweilen Krankheitssymptome, die im Hinblick auf die zugrunde liegende (in dem beschriebenen Sinne „konstitutionelle“) Ursache recht wenig aussagefähig sind. Vielmehr kann hier ein Inkarnationsproblem vorliegen, das darauf hinweist, dass das Ich gegenwärtig und zukünftig vor der Aufgabe steht, die eigenen seelisch-leiblichen Existenzvoraussetzungen selbst mitzugestalten.
Zu den biographischen Erfahrungen gehört auch immer öfter, dass das eigene Selbstgefühl gefährdet ist – entweder als Folge oder auch als Ursache der leiblich-seelisch konstitutionellen Schwächung. Wenn das Selbstgefühl unsicher wird, beginnen die inneren Beziehungen zur Welt und zu anderen Menschen zu schwanken: es fehlt der Bezugspunkt im eigenen Innenempfinden. (...)
Es könnte inzwischen für viele Menschen eine innere Situation gegeben sein, die eine solche „klassische“ Beziehung von Ich und Geistselbst im Seelenraum nicht mehr ohne weiteres zulässt. Vielleicht muss dann ein Verhältnis ins Auge gefasst werden, in dem sich das Ich zunächst gleichsam michaelisch-abstrakt mit Geistselbst-Kräften in Beziehung bringt; in dem die fehlende Tragfähigkeit von Selbstgefühl und seelischem Innenraum zunächst so weit wie möglich akzeptiert wird; in dem ein zunächst gewissermaßen „abstrakter“ Wille an der eigenen geistigen Tätigkeit festhält, auch wenn diese erst einmal keine positiven Wirkungen in der eigenen seelischen Befindlichkeit zeigt – denn es könnte sein, dass gerade das fehlende seelische Resonanzerleben Ausdruck davon ist, dass eine tiefer leiblich-seelisch gesundende Kraft im Organismus zu wirken beginnt: eine Kraft aus dem Geistselbst-Bereich, die vielleicht erst in einem zweiten Schritt auch zu einer Konsolidierung des seelischen Selbstgefühls und damit auch der Beziehung zur Welt und zu anderen Menschen führen kann.
Dann aber wäre eine Situation gegeben, in der die Beziehung des Ich zum Geistselbst nicht mehr allein darin besteht, dass eine tragfähige seelische Grundlage geistselbstfähig umgewandelt und so eine Beziehung zur Engel-Dimension aufgenommen wird. Vielmehr würde das Ich in den geistigen Bereich hinein arbeiten, aus dem heraus dann seelisch-leibliche Gesundungskräfte wirken und schließlich auch einen neuen seelischen Innenraum mit befriedigendem Selbstgefühl ausbilden. Die Seele wäre dann zunehmend eine Wirkung der geistigen Tätigkeit des Ich, in der das Ich sich der Geistselbst-Kraft öffnet und damit im seelischen Innenraum gestaltend wirkt, unter Umständen bis in den Organzusammenhang hinein. An diese Geistselbst-Wirkung könnten positive Kräfte aus dem Bereich der dritten Hierarchie anknüpfen: Kräfte, die zur Neugestaltung von Seele und Leib in der Lage sind.“
Okay, die Sprache ist gewöhnungsbedürftig und offensichtlich an Insider gerichtet- schade. Wer heute mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat, kann aber den angesprochenen Sachverhalt - ein wenig befriedigendes Selbstgefühl, eine innere Kluft von hoher geistiger und intellektueller Präsenz in einem manchmal eher infantilen seelischen Innenraum- nicht selten beobachten. Ich habe Klünkers Buch noch nicht gelesen, sondern erst bestellt. Das Zitat stammt aus dem Rundbrief AGiD Aktuell- Mai 2010.
„Darüber hinaus zeigt sich immer deutlicher das Problem, dass die mitgebrachte leiblich-seelische Konstitution nicht mehr die ganze Biographie über für das Ich eine tragfähige Grundlage bildet. Die individuell vorgefundenen seelisch-leiblichen Gegebenheiten können sich als für das Ich nicht handhabbar, als Gegenkraft für Ich-Intentionen oder als krankheitsanfällig darstellen. Das Ich kann sich innerhalb eines solchen Leib-Seelen-Gefüges nur schwer greifen. Solche Schwierigkeiten sind früher ungefähr von der Lebensmitte an für manche Menschen biographisch relevant geworden. In-zwischen ist schon an Kindern und Jugendlichen spürbar, dass sich geistige Individualität und Leib-Seelen-Konstitution widersprechen können. Daraus entstehen zuweilen Krankheitssymptome, die im Hinblick auf die zugrunde liegende (in dem beschriebenen Sinne „konstitutionelle“) Ursache recht wenig aussagefähig sind. Vielmehr kann hier ein Inkarnationsproblem vorliegen, das darauf hinweist, dass das Ich gegenwärtig und zukünftig vor der Aufgabe steht, die eigenen seelisch-leiblichen Existenzvoraussetzungen selbst mitzugestalten.
Zu den biographischen Erfahrungen gehört auch immer öfter, dass das eigene Selbstgefühl gefährdet ist – entweder als Folge oder auch als Ursache der leiblich-seelisch konstitutionellen Schwächung. Wenn das Selbstgefühl unsicher wird, beginnen die inneren Beziehungen zur Welt und zu anderen Menschen zu schwanken: es fehlt der Bezugspunkt im eigenen Innenempfinden. (...)
Es könnte inzwischen für viele Menschen eine innere Situation gegeben sein, die eine solche „klassische“ Beziehung von Ich und Geistselbst im Seelenraum nicht mehr ohne weiteres zulässt. Vielleicht muss dann ein Verhältnis ins Auge gefasst werden, in dem sich das Ich zunächst gleichsam michaelisch-abstrakt mit Geistselbst-Kräften in Beziehung bringt; in dem die fehlende Tragfähigkeit von Selbstgefühl und seelischem Innenraum zunächst so weit wie möglich akzeptiert wird; in dem ein zunächst gewissermaßen „abstrakter“ Wille an der eigenen geistigen Tätigkeit festhält, auch wenn diese erst einmal keine positiven Wirkungen in der eigenen seelischen Befindlichkeit zeigt – denn es könnte sein, dass gerade das fehlende seelische Resonanzerleben Ausdruck davon ist, dass eine tiefer leiblich-seelisch gesundende Kraft im Organismus zu wirken beginnt: eine Kraft aus dem Geistselbst-Bereich, die vielleicht erst in einem zweiten Schritt auch zu einer Konsolidierung des seelischen Selbstgefühls und damit auch der Beziehung zur Welt und zu anderen Menschen führen kann.
Dann aber wäre eine Situation gegeben, in der die Beziehung des Ich zum Geistselbst nicht mehr allein darin besteht, dass eine tragfähige seelische Grundlage geistselbstfähig umgewandelt und so eine Beziehung zur Engel-Dimension aufgenommen wird. Vielmehr würde das Ich in den geistigen Bereich hinein arbeiten, aus dem heraus dann seelisch-leibliche Gesundungskräfte wirken und schließlich auch einen neuen seelischen Innenraum mit befriedigendem Selbstgefühl ausbilden. Die Seele wäre dann zunehmend eine Wirkung der geistigen Tätigkeit des Ich, in der das Ich sich der Geistselbst-Kraft öffnet und damit im seelischen Innenraum gestaltend wirkt, unter Umständen bis in den Organzusammenhang hinein. An diese Geistselbst-Wirkung könnten positive Kräfte aus dem Bereich der dritten Hierarchie anknüpfen: Kräfte, die zur Neugestaltung von Seele und Leib in der Lage sind.“
Okay, die Sprache ist gewöhnungsbedürftig und offensichtlich an Insider gerichtet- schade. Wer heute mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat, kann aber den angesprochenen Sachverhalt - ein wenig befriedigendes Selbstgefühl, eine innere Kluft von hoher geistiger und intellektueller Präsenz in einem manchmal eher infantilen seelischen Innenraum- nicht selten beobachten. Ich habe Klünkers Buch noch nicht gelesen, sondern erst bestellt. Das Zitat stammt aus dem Rundbrief AGiD Aktuell- Mai 2010.
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