Prosterle
01.Jun.2010 14:30 Uhr Abgelegt in:Gesellschaft

Gerade hatte er einen denkwürdigen Auftritt bei Anne Will, bei dem es ihm gelang, nicht eine einzige Frage zu beantworten und in seinem ununterbrochenen Drucksen und Ausweichen immer wieder zu betonen, aus welchen Gründe Politik - und speziell er- handlungsunfähig sei. Die Globalisierung als trostloser Argumentationsrückzug, als Dachsbau, als Mäntelchen für fehlende Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeit. Es soll nur auf keinen Fall eine Finanz- Transaktionssteuer sein, da ist man sich verdächtig einig. Deutschland wird auch im EU- Parlament wieder mauern. Da muss man sich nicht sorgen, dass die Lobbyisten zu viel Einfluss auf Politiker hätten- offenbar haben wir sie in Personalunion mit der Interessenlage der Finanzwirtschaft gewählt. Das ist der Grund, warum sich die Wähler bei den Wahlen in Bezug auf die FDP halbiert haben.
Das andere ist natürlich der Auftritt. Der pennälerhaft zickige Westerwelle würde sicher bei der Frisörinnung eine gute Figur machen. Und Brüderle in seiner sonnigen Ahnungslosigkeit, aber ausgeprägten Schwatzhaftigkeit, kann man sich im Breisgau mit einem Viertele Wein in der Hand sehr gut vorstellen, aber um Himmelswillen doch nicht in der Öffentlichkeit. Er nähert sich aber stilsicher Heinrich Lübke an, das ist immerhin ein Trost.
Eine Regierung bewährt sich nun einmal in der Krise. Ansonsten treibt die Krise politisches Handeln vor sich her, das in immer geringeren Spielräumen tätig werden kann. In den letzten Monaten hätte die Koalition doch vielleicht ein wenig Einarbeitungszeit gehabt, sollte man denken. Im übrigen rumort die Finanzkrise in heftigen Zuckungen seit 2001. Politisch Handelnde, die die Möglichkeit zum Handeln ausschliessen, sind das allerletzte, was man in einer wirklichen Krise gebrauchen kann.
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