Benesch

Missbrauch in der "Christengemeinschaft" und die Reaktion

Im Blog „antroposofieindepers“ von Michel Gastkemper werden ausführlich und mit Quellenangaben die Reaktionen der „Christengemeinschaft“ auf einzelne bekannt gewordene Missbrauchsfälle aufgeführt. Dabei wird auch auf bisher unerwähnt gebliebene Übergriffe des hier ausführlich diskutierten Priesters Friedrich Benesch eingegangen:

„Liebe Mitglieder und Freunde,
wie in den Johanni-Mitteilungen angekündigt, können wir Ihnen in diesem Heft nun jene Persönlichkeiten vorstellen, an die sich, wie es dort hieß, »alle vertraulich wenden können, die Fälle von Missbrauch oder Übergriffe bewusst machen oder zur Aufklärung bringen möchten«.

Zunächst aber möchten wir an dieser Stelle unsere eigene Betroffenheit zum Ausdruck bringen angesichts der uns bisher bewusst gewordenen, von Priestern begangenen Übergriffe gegenüber Menschen, die ihnen anvertraut waren. Auch wenn es nur wenige waren, die in diesem Sinne zu Tätern geworden sind, so wiegen deren Taten doch schwer und können nur als unchristlich bezeichnet werden.

Es ist ja schon ein allgemein-menschliches Ideal, das Ich eines jeden anderen als ein Allerheiligstes anzuerkennen und zu achten. Um wie viel mehr gilt dieses für Priester, deren Auftrag es ist, im Dienste der göttlichen Welt zu begleiten und zu behüten.
Missbraucht ein Seelsorger das ihm entgegengebrachte Vertrauen, um seine eigenen Wünsche und Triebe zu befriedigen, so bringt er die Betroffenen in einen unüberbrückbaren Konflikt: in das Erlebnis, durch einen Priester, der ein Diener des Christus sein sollte, die Entwürdigung des eigenen göttlichen Seins zu erfahren.
Zu den wohl schwierigsten und beschämendsten Ereignissen im Leben der Christengemeinschaft gehört in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass Friedrich Benesch (gest. 1991) über viele Jahre seine Stellung als Priester und Seminarleiter missbraucht und durch sexuelle Übergriffe etlichen Frauen oft noch bis heute andauerndes Leid zugefügt hat.
Aber auch Missbrauch an Unmündigen, Kindern oder Jugendlichen hat es in der Christengemeinschaft gegeben.
Wir möchten als Leitung der Christengemeinschaft öffentlich anerkennen, dass solche Handlungen stattgefunden haben, und allen Opfern unser tiefstes Bedauern und Mitgefühl aussprechen.

Neben all dem Großen, was Priester für das Leben ihrer Gemeinden geleistet haben und fortwährend weiter leisten, dürfen diese dunklen Schatten nicht verschwiegen werden, die auch zum Schicksal unserer Christengemeinschaft gehören.
Wir sind als Leitung der Christengemeinschaft gewillt, in Zukunft in allen Fällen konsequent solche Vergehen aufzudecken und, soweit es geht, zu ahnden. Wir beabsichtigen, durch diese Stellungnahme diejenigen unter uns in ihrer Selbstkontrolle zu stärken, die zu Grenzüberschreitungen dieser Art neigen. Zudem hoffen wir, durch diese Veröffentlichung auch jene zu ermutigen, die helfen können, begangenes oder drohendes Unrecht in unser gemeinsames Bewusstsein zu heben.

Uns ist deutlich, damit eines der problematischsten Felder unseres Christengemeinschafts-Lebens zu betreten. Deshalb haben wir die nachfolgend genannten Persönlichkeiten um Unterstützung gebeten. Ihnen dürfen wir es zutrauen und zumuten, Ansprechpartner zu sein für Menschen, die Hilfe, Beistand und Rat auf diesem Feld suchen. Wir danken ihnen sehr, dass sie sich für diese Aufgabe bereit erklärt haben. (...)“


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Pfarrer Konrad Möckel und der radikal nationalsozialistische Benesch

Leider ist das „Kirchenlexikon“ (www.kirchenlexikon.de) nicht mehr online, so dass die Textstellen nur noch im Cache des Internets nachgeschlagen werden können. Zu Benesch findet man z.B. den Bezug zu einem der Widerständler innerhalb der evangelischen Kirche, die die Usurpation ihrer Kirche durch die Nazi- Cliquen nicht hinnehmen wollten:
Konrad Möckel thematisierte alle diese Probleme der Volkskirche in mehreren Aufsätzen, die ihn in Siebenbürgen und darüber hinaus bekannt machten. Heinrich Rendtorff und Erich Stange nahmen seine Schrift "Volkstum und Glaube" (1930) in die Reihe "Kirche und Gegenwart - Praktisch-theologische Untersuchungen" auf. In einer teilweise kontrovers, teilweise gleichsinnig geführten Diskussion mit dem Philosophen Erwin Reisner, später Mitglied der Bekennenden Kirche und nach 1945 Professor an der Kirchlichen Hochschule Berlin, fragte Konrad Möckel, was evangelischer Glaube in der konkreten Situation der ev. Kirche in Siebenbürgen angesichts der weit verbreiteten Überschätzung von "Volkstum" und "Rasse" hieß.

Der siebenbürgische Wandervogel lud Konrad Möckel 1930 zur Mitarbeit bei den Treffen älterer Mitglieder ein. Als Südostdeutscher Wandervogel hatte er sich 1927 neu und straff konstituiert. Er bestand lange Zeit nur aus städtischen Gruppen, in denen sich "aus dem Reich" importierte Anschauungen geltend machten, wie beispielsweise die von Professor Dr.
Hans Hahne, Altertumsforscher und Museumsdirektor in Halle a. d. Saale, der heidnisch-germanische Bräuche neu belebte. Konrad Möckel schätzte den guten Willen der Mitglieder im Wandervogel und entschloß sich zur Mitarbeit, wohl auch um die Selbstfindung der Jugendlichen nicht den ambivalenten Auswirkungen völkisch-nationaler und pseudoreligiöser Ideen zu überlassen. Die vagen Erneuerungsbestrebungen konnten die Jugend begeistern und ältere Strukturen der Volkskirche beleben, sie konnten jedoch die Jugend ebenso gut der volkskirchlichen Tradition abspenstig machen.

Die seit dem Jahre 1922 in Siebenbürgen bestehende, vom Nationalsozialismus inspirierte und in der Weltwirtschaftskrise erstarkte Selbsthilfebewegung des Sparkassenangestellten und Rittmeisters a. D.
Fritz Fabritius bekannte sich 1932 offen zum Nationalsozialismus (Nationalsozialistische Selbsthilfebewegung in Rumänien); die Leitung des Südostdeutschen Wandervogels näherte sich der Selbsthilfe mehr und mehr an. Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler im Jahre 1933 politisierte sie noch mehr. Die Nationalsozialisten, unter diesem Namen vom rumänischen Staat verboten, nannten sich in Nationale Erneuerungsbewegung der Deutschen in Rumänien um (NEDR). Sie war die einzige, modern organisierte Partei innerhalb der deutschsprachigen Bevölkerung in Rumänien und stellte mehr und mehr in allen politischen und kirchlichen Gremien zahlenmäßig starke Fraktionen, in vielen die Mehrheit. Im Jahre 1933 wählte die Kronstädter Kirchengemeinde Konrad Möckel zum Stadtpfarrer.

Das Verhältnis Konrad Möckels zu den Freunden aus dem Wandervogel und aus der Selbsthilfebewegung kühlte sich ab. Mitglied der Selbsthilfebewegung war er selbst nie, stand ihr jedoch bis 1932 nahe. Sie spaltete sich 1935: Die größere, gemäßigte NEDR war im Rahmen der seit dem Ersten Weltkrieg in Rumänien bestehenden Volksorganisation zur Zusammenarbeit auch mit der evangelischen Kirche (in Siebenbürgen) und mit der katholischen Kirche (im Banat) bereit; die kleinere, radikale und kirchenfeindliche Deutsche Volkspartei Rumäniens (DVR) dagegen nicht. Sie bekämpfte vielmehr die traditionell beachtliche Stellung der Kirche innerhalb der Volksorganisation. Die NS-Bewegung der Deutschen in Rumänien spaltete sich nicht zuletzt an der Frage, ob diese volkskirchliche Tradition anerkannt oder abgelehnt werden sollte.

Konrad Möckel gründete mit anderen, jüngeren Pfarrern aus der Jugendbewegung den Frecker Kreis, der sich die geistliche Erneuerung der Volkskirche zum Ziel setzte. Er prangerte die kirchen- und christenfeindliche Tendenz des radikalen Flügels öffentlich an und
wurde daraufhin von dessen Protagonisten scharf angegriffen, besonders von Pfarrer Friedrich Benesch. Weitere Angriffe folgten, als er 1937 auf der Weltkirchenkonferenz in Oxford die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien offiziell vertrat und sich von einer Solidaritätserklärung der Konferenz für die vom NS-Staat bedrängten Kirchen in Deutschland nicht distanzierte. Im gleichen Jahr lernte er in Neuendettelsau die Evangelische Michaelsbruderschaft kennen und trat ihr bei. In den siebenbürgisch-sächsischen Auseinandersetzungen um die Volkskirche erhielt er Unterstützung vom Leiter des Franz-Rendtorff-Hauses in Leipzig, Dr. Herbert Krimm, und von Hans Bernd von Haeften, Legationssekretär an der deutschen Gesandtschaft in Bukarest von 1937-1941. Die Angriffe gegen die Kirche glichen dem Kirchenkampf in Deutschland und spiegelten ihn zugleich in merkwürdiger Umkehrung; denn in Siebenbürgen spaltete sich nicht die evangelische Kirche, sondern die nationalsozialistische Partei der Deutschen in Rumänien, unter anderem wegen der Frage der „Volkskirche“.“

Quelle:
d. XXIX BBKL Nordhausen 2008 ISBN 978-3-88309-452-6
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Neues aus Birk

Über Pfarrer Benesch, der als glühender Nationalsozialist, evangelischer Pfarrer und Dorfherrscher mit angeschlossenen Schlägertrupps bekannt wurde, nach dem Krieg seine Schäflein in den Westen brachte und in der Christengemeinschaft untertauchte, um auf distanzlose Art und Weise zahllosen Menschen persönliche spirituelle Anleitungen zu geben, aber sich auch gern frommen anthroposophischen Studentinnen per direktem Körperkontakt näherte, ist in diesem Blog viel geschrieben worden. Das eigentliche Problem war nicht einmal die Karriere dieser manipulativen Person, nicht nur das Wegducken vor dessen herrischem Auftreten, sondern das lang andauernde, beharrliche Leugnen der Wahrheit über die Vergangenheit Beneschs innerhalb der Christengemeinschaft. Hans-Jürgen Bracker macht nun noch einmal auf eine Blognotiz aufmerksam, die beschreibt, wie es in dem Dörfchen Birk nach dem Weggang Beneschs weiter ging. Nach Jahrzehnte währenden Verfalls scheint sich die Gemeinde nun wieder - mit Unterstützung der ehemaligen Bewohner- etwas zu organisieren und verkauft sogar bäuerliche Produkte. Zwar nicht die legendäre Hirnwurst wie zu Beneschs Zeiten, aber immerhin Kräutersalze:

„Die Feier hat mit dem Gottesdienst in der überfüllten evangelischen Kirche begonnen. Das Thema war „Der Himmel steht über alle“ und wurde zweisprachig geführt. Geleitet wurde die Zeremonie in der Kirche von dem evangelischen Pfarrer Zoran der die besondere Ehre hatte das Ornat seines Vorgängers Friedrich Benesch anziehen zu dürfen. Musikalisch untermalt wurde die Feier von Familie Kaufmann aus Deutschland und Frau Gerte Vöge aus Spanien. Gudrun Kaufmann ist nämlich die Tochter des ehemaligen Pfarrers Benesch und ist wie auch ihre Kusine Gerte Vöge in Birk geboren. Benesch war zwischen 1934 und 1944 Pfarrer in Birk und ist gleich nach dem Krieg nach Deutschland gezogen.“
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Frank Hörtreiter: Presseerklärung der Christengemeinschaft zu Friedrich Benesch

Friedrich Beneschs nationalsozialistische Vergangenheit.

Friedrich Benesch (1907-1991) hat in der Christengemeinschaft eine bedeutende Rolle gespielt – als langjähriger Leiter des Stuttgarter Priesterseminars und als weltweit gesuchter Vortragsredner. Bevor er 1947 zum Priester geweiht wurde, hat er sich als evangelischer Pastor in Siebenbürgen als begeisterter Nationalsozialist betätigt.

Vor einer eventuellen Priesterweihe hat jeder Kandidat den Pfarrern der Christengemeinschaft sein bisheriges Leben zu schildern. In Beneschs Lebenslauf steht von seiner politisch exponierten Tätigkeit nichts. Ob er dem damaligen Leiter der Christengemeinschaft, Emil Bock, unter dem Siegel des Beichtgeheimnisses davon berichtet hat, ist nicht überliefert; mit Sicherheit aber nicht so vollständig und wahrheitsgetreu, dass z.B. sein mehrfacher Versuch, in die SS aufgenommen zu werden, bekannt geworden wäre.

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„Abschaffung artfremder Gesittung“- Aus dem „Birker Heimatbuch“

Noch einmal ein Textabschnitt aus dem „Birker Heimatbuch“, herausgegeben von Susanne Dienesch im Eigenverlag 1996. Thema ist die Aufgabenstellung der evangelischen Pfarrer in Birk/ Siebenbürgen. Unter ihnen - wieder einmal dominant vertreten- Friedrich Benesch;
„Das Aufgabenprofil eines Pfarrers in Birk ist sehr umfangreich: Er predigt an den Haupt- und Festgottesdiensten, vollzieht die kirchlichen Amtshandlungen bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen, erteilt den Religionsunterricht an der Schule, spendet seiner 1100-Seelen-Gemeinde geistlichen Trost und gibt allen Rat- und Hilfesuchenden wertvolle Fingerzeige und Belehrungen, verwaltet und beaufsichtigt das Kirchenvermögen, steht der deutschen Schule als Lokalschulinspektor vor und führt seine Gemeinde in kultureller, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Bezeichnend ist das Arbeitsprogramm, das Pfarrer Benesch 1934 bei seinem Amtsantritt entwirft..“

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Weitere Korrekturen zur Benesch- Biografie

Als Ergänzung - einzelne Fehler in der Benesch Biografie H.-W. Schroeders betreffend- zum Artikel von Regina Reinsperger zur „Tabakregie“ schickt Hans- Jürgen Bracker eine Nachricht von Susi Burn, die diese auch authorisiert hat.
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Zum heutigen Geburtstag von Friedrich Benesch

Zum heutigen 101. Geburtstag von Friedrich Benesch („Taufname Johann Friedrich Benesch (* 6. Juli 1907 in Sächsisch Regen in Siebenbürgen (damals Österreich-Ungarn); † 16. Juni 1991 in Stuttgart) war ein Naturwissenschafter, Priester der Christengemeinschaft, Anthroposoph und Schriftsteller.“ ) findet sich nun auch eine realistische, nicht beschönigte Biografie bei SPIEGEL - online, wobei diese per Datenabruf bei Wikipedia bereit gestellt wird: „... Erst 13 Jahre nach seinem Tod wurde durch den Historiker Johann Böhm Beneschs „braune Vergangenheit“ bekannt: dass er 1934 Mitglied der „Radikal-nazistischen“ DVR (Deutsche Volkspartei Rumäniens) wurde und dass er 1939 in Halle einen Antrag auf Beitritt zur SS stellte, woraufhin er bis zu seiner Rücknahme dieses Antrags als „SS-Bewerber“ geführt wurde. 1941 meldete die deutschsprachige Bistritzer Zeitung, dass Benesch zum neuen Kreisleiter von Sächsisch-Regen und zum stellvertretenden Gebietsführer des Volksbundes der Deutschen in Ungarn ernannt worden sei. Der Volksbund der Deutschen in Ungarn war nationalsozialistisch ausgerichtet, orientierte sich am Deutschen Reich und organisierte sich ab 1940 nach dem Vorbild der NSDAP und der SS und war im Gebiet Bistritz und Sächsisch-Regen mit am Holocaust beteiligt.

Nach dem Anschluss Nord-Siebenbürgens an Ungarn wurde Benesch erneut von 1940 bis 1944 Dorfpfarrer in Birk, und nach der Flucht aus Siebenbürgen im September 1944 – Benesch war für den Treck aus dem Reener Land verantwortlich – war er von Pfingsten 1945 bis Februar 1947 Pfarrer in Neukirchen bei Halle. Am 30. November 1947 wurde er nach neunmonatiger Ausbildungszeit vom Erzoberlenker Emil Bock zum Priester der Christengemeinschaft geweiht und arbeitete als Gemeindepfarrer in Coburg und Kiel, dann von 1958 bis 1985 in Stuttgart als Leiter des Priesterseminars, wo er bis 1987 als Lehrer und (weltweit auf 28 umfangreichen Vortragsreisen) als Vortragsredner tätig war.“


Auch die Links zu einem Artikel von Regina Reinsperger und zu den Egoisten finden sich dort.
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„Nachweislich radikale Nationalsozialisten“

In der „Halbjahresschrift für südeuropäische Geschichte, Literatur und Politik“ (Heft 1/ Frühjahr 2008, S. 70 ff) geht der Historiker Klaus Popa ebenfalls auf die Benesch- Biografie von Hans- Werner Schroeder ein.
Er erwähnt den Beitrag von Johann Böhm im gleichnamigen Heft aus dem Jahr 2004, in dem dieser erstmalig den „völkisch- nationalsozialistischen Werdegang von Friedrich Benesch“ bekannt gemacht hatte. Erst nach Erscheinen dieses Beitrag „erkannte die anthroposophisch ausgerichtete „Christengemeinschaft“, der Benesch lange Jahre an führender Stelle vorstand, die Notwendigkeit, den Lebensweg ihres Mentors klärend zu durchleuchten.“ Und so kam es in der Folge auch zu dem Bemühen Schroeders, die bis dahin „verborgen gebliebene NS- Hypothek Beneschs in dessen Lebensweg einzugliedern“.

Trotz vieler positiver Ansätze in der vorliegenden Biografie meint Popa , dass manche Einschätzungen Schroeders „schwer nachvollziehbar“ sind. Ein Grund dafür besteht darin, dass Schroeder sich unkritisch auf eine „eindeutig selbstrechtfertigende“ autobiografische Skizze Beneschs aus dem Jahr 1991 bezieht. So behauptet Benesch darin, seine Freunde hätten sich in den frühen 30er Jahren wegen dessen christlichen Bezugs von ihm zurückgezogen und schreibt von seinem „christlichen Bewusstsein“. In Wirklichkeit standen zu dieser Zeit sowohl Benesch wie seine Freunde in einer “radikalen politischen Orientierung“ und nutzten die Evangelische Landeskirche in Rumänien als Trittbrett für ihre nationalsozialistischen Karrieren. Klaus Popa meint daher: „Schroeder lässt auch Äußerungen Beneschs gelten, die bereits in der Zeit, als sie getan wurden, von irregeleiteter Unaufrichtigkeit und Zynismus geprägt waren“. Selbst eindeutige und radikale Bekenntnisse Beneschs zum Nationalsozialismus zeugen bei Schroeder lediglich vom „Selbstbewusstsein“ Beneschs, ja es zeige sich in ihnen „ein ernstes und ernst zu nehmendes Anliegen.“

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Thomas Reinsperger: Benesch zum Hundertsten

Am 6. Juli 2008 ist der 101. Geburtstag von Dr. Friedrich Benesch. Zur Hundertjahrfeier vor einem Jahr haben Hans-Werner Schroeder und seine Freunde in Stuttgart eine Turmalin-Auststellung in den Räumen des Priesterseminars veranstaltet und im Rahmen einer Tagung in den Räumen der CG Stuttgart Beneschs Wirken gedacht und ihn gerade wegen seiner NS-Vergangenheit als "modernen Heiligen" gewürdigt. "Alle Heiligen seien ja tief in ihre Zeit eingedrungen, Benesch eben auch, in die Zeit und die Schuld." Aus diesem Grunde bringen wir nochmal einen Tagungsbericht von Thomas Reinsperger, der für Nicht-Anthroposophische Leser geschrieben worden ist.

zum Text
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Mayers Lapsus



Johannes M. Mayer, der Verleger der kritisierten Benesch- Biografie, nimmt zur von Regina Reinsperger entdeckten peinlichen Verwechslung Schroeders Stellung. Danach ist er offensichtlich nicht nur Verleger, sondern Co- Autor neben H.-W. Schroeder. Schließlich ist der Anspruch hoch; im Internet- Verlagsprogramm (ein Link ist wegen der Struktur dieser Seite nicht möglich) wird das Buch von Schroeder mit den Worten begleitet „Diese gewaltigen Gegensätze müssen heute verstanden werden, und wer sie vor dem tiefen Hintergrund des Zeitgeschehens zu verinnerlichen vermag, wird nicht nur gerechter, sondern wissender das 20. Jahrhundert begreifen können.“
Mayer versucht den Irrtum mit den Worten zu relativieren (Email an Regina Reinsperger): „Herr Schroeder ist an dieser Nennung unbeteiligt – diesen Lapsus muss ich auf meine Kappe nehmen. Die Universitätsbibliothek Marburg hat mir seinerzeit unter Hinweis auf diese Autorenschaft den Text übermittelt, und so ist er leider auf meine Veranlassung hin auch aufgenommen worden. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie diesen Sachverhalt Ihrer Leserschaft im Nachhinein noch mitteilen wollten.“
Machen wir gerne.

Inzwischen ist Herr Mayer offenbar etwas erzürnt und schreibt mir: „die Leser des Buches werden sich über Ihre Feststellung amüsieren. Auf den Seiten 4, 9 und 15 wird ausdrücklich auf meine Mitarbeit am Text hingewiesen. Nicht anders wird es denjenigen ergehen, die das Zitat aus dem Katalog nachlesen wollen. In zwei Zeilen so viele Fehler unterzubringen, ist eine schöne Leistung. Wenn Sie wollen, dürfen Sie meine Zuschrift gern veröffentlichen.“

Stimmt, ich hatte das Internet-Verlagsprogramm (Bildschirmfoto) gemeint und im ersten Blogeintrag nur „Verlagsprogramm“ geschrieben.
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Regina Reinsperger: Nicht jeder Benesch ist ein Benesch

In ihren Untersuchungen zur Qualität von H.-W. Schroeders Benesch- Biografie stösst Regina Reinsperger auch auf merkwürdige Untiefen, die auf eine mangelhafte Überprüfung der Quellen Schroeders auch in eher abgelegenen Details schliessen lassen. Hier geht es um eine Verwechslung von Benesch und Benesch, wie der folgende Text zur „Tabakregie“ verdeutlicht..

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Der Holocaust in Siebenbürgen

Thomas Reinsperger schreibt:

"Ein Zeitzeuge, den ich leider nicht nennen darf, berichtete mir, dass er als Jugendlicher Mitglied der deutschen Levante-Jugend und dort auch Jugendführer war, und dass seine Gruppe mit zur Bewachung der Ziegelei eingeteilt war. Den Bewachungs-Befehl habe der stellvertretende Gebietsleiter Benesch, den sie alle gut kannten, den Jugendführern persönlich erteilt. - Auch das Ehepaar Elvira (*1885 in Birk) und Farkas (*1882) Spierer aus Beneschs Dorf Birk, gingen durch eines dieser Lager bevor sie noch im Jahr 1944 in Auschwitz ermordet wurden.
Über dieses Ghetto in der Ziegelei von Sächsisch-Regen haben Überlebende ausführlich berichtet: so z.B. Radolph L.Braham in seinem Buch in einem Kapitel: „The Ghetto of Szaszregen“, er beschreibt Folter und nennt auch Namen der Täter. Auch der Elie Wiesel – Bericht über den Holocaust in Rumänien hat ein Kapitel „The Holocaust in Northern Transylvania“, in dem auch die Ghettos in den Zentren wie Bistritz oder Sächsisch-Regen beschrieben werden. Der Bericht kann im Internet über Yadvashem angesehen werden. Auch Martha Marmor und ihr Bruder Laszlo Grün waren dort interniert (siehe egoisten-Artikel: „Jugendterror“ und "Siebenbürgen“ ).
Auch Gerlach und Aly berichten in ihrem Buch (3) von Übergriffen Deutschstämmiger und besonders auch die Beteiligung der paramilitärischen „Deutschen Mannschaft“ des VDU bei der Verfolgung und Ghettoisierung der jüdischen Bevölkerung. Die Verstrickung der Siebenbürger Sachsen und ihrer VDU-Führung ist also im Gegensatz zum anfangs erwähnten Zitat aus Schroeders Benesch-Biographie (4, Seite 186) eindeutig belegt."

Der gesamte Artikel als PDF- Download (1,1 MB)
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"Am Abgrund"

Nun hat auch Armin Husemann in der Zeitschrift "Anthroposophie- Vierteljahresschrift zur anthroposophischen Arbeit in Deutschland"* zur Benesch- Biografie Hans-Werner Schroeders Stellung genommen. Für mich ist es die erste Besprechung in einem "offiziellen" Organ, die ohne beschönigende Scheuklappen die Sache auf den Punkt bringt. Husemann schreibt, dass Benesch "seit seiner Jünglings- und Studentenzeit verschiedenen nationalsozialistischen Organisationen" angehört hat. Er war "früh Mitglied der nationalsozialistischen Erneuerungsbewegung in Rumänien und stellte Anträge zur Mitgliedschaft in der SS, was ihm aber als nicht deutschem Staatsbürger versagt wurde". Husemann stellt nicht in Frage, dass Benesch höchst aktiv als nationalsozialistischer Propagandist war. In diesem Sinne "benutzte" er auch seine "Stellung als Pfarrer in Birk", was ihm mit "brausendem Sieg-Heil" seiner Bauern vergolten wurde.
Für Husemann sind diese Zeugnisse aus Schroeders Biografie "ein deprimierendes Erlebnis". Kühn vermutet er im Sinne von Schroeder, dass Benesch angesichts der "Vernichtungsmaßnahmen an Juden" (was für ein Ausdruck!) ab 1942 Zweifel am nationalsozialistischen Staat kamen. Diese Annahme allerdings teile ich nicht.

Die Selbstdarstellung Beneschs nach 1945 aber bezeichnet Husemann als "Abgrund dieser Unaufrichtigkeit sich selbst und den Mitmenschen gegenüber". Er hat natürlich auch erhebliche Schwierigkeiten damit, einen derart verbohrten Nationalsozialisten wie Benesch in seinem Tätigkeitsfeld als anthroposophischer Repräsentant zu sehen. In der Anthroposophie sieht Husemann einen "diametralen Gegensatz gegen jedwedes nationalistische oder rassistische Gedankengut". Aber der Zugang Beneschs zur Anthroposophie bestand ja nicht erst seit 1945. Er hatte sie bereits mit 19 Jahren kennen gelernt, allerdings ausgerechnet den Volksseelenzyklus (GA 121) Steiners und einen Vortrag mit dem Titel "Die germanische Seele und der deutsche Geist" (14. 1. 1915). So rutschte Benesch zeitgleich in einer spezifischen Perspektive in die Anthroposophie hinein, in der er sich auch "in dem völkischen Artamanen-Bund" engagierte. Die beabsichtigte "Kolonisation" der "benachbarten slawischen Länder" war erklärtes Ziel der Artamanen. Benesch hat diese Ziele, indem er in dem Dorf Birk im nationalsozialistischen Sinne als Pfarrer zu wirken begann, faktisch tatsächlich umgesetzt. Husemanns Erschrecken darüber, dass Lesern, "die Anthroposophie nicht kennen", hier und an anderen Stellen der Eindruck aufkommen muss, "Anthroposophie passt zur nationalsozialistischen Entwicklung von Friedrich Benesch wie der Schlüssel zum Schloss", ist daher nur allzu verständlich.

So kommt Husemann zu dem Schluss, dass Schroeder es versäumt, "die Anthroposophie und Rudolf Steiner gegen Beneschs Missverständnisse in Schutz zu nehmen". Das ist kein Wunder, denn wenn Schroeder die unüberbrückbaren Gegensätze zwischen Anthroposophie und Nationalsozialismus explizit heraus stellen würde, wäre die Tätigkeit Benschs als Seelsorger, anthroposophischer Autor, als Priester und Ausbilder nur schwer zu vermitteln. Auch die von Schroeder doppeldeutig und schwärmerisch angebrachte "Naturverbundenheit und -anschauung" Beneschs sieht Husemann durchaus im Zusammenhang mit dessen völkischer "Blut- und Boden- Ideologie". Die Naturbegeisterung Beneschs hatte ihn ja nun auch zum Studium der "Rassekunde" nationalsozialistischer Prägung gebracht. Das, fragt Husemann, soll der von Schroeder vorgebrachte angebliche "jugendliche Goetheanismus" Beneschs sein? Diese vorgeblichen "Kompatibilitäten" in den Interessen Beneschs, sind- so Husemann- "zum Schaden der Anthroposophie und der Christengemeinschaft". Die Versuche Schroeders, Beneschs Biografie von den unübersehbaren Rissen und Unwahrhaftigkeiten zu glätten, können in der Öffentlichkeit nur zu katastrophalen Rückschlüssen in Bezug auf Anthroposophie führen- ein gefundenes Fressen für diejenigen, die darin ohnehin ein rassistisches Gedankengut sehen.

Der im Titel von Husemanns Artikel verwendete Begriff des Abgrunds kann daher nicht nur in Bezug auf die Biografie Beneschs verstanden werden, sondern auch auf die Rezeption durch manche anthroposophischen Kreise, die sich diesen Nationalsozialisten so lange schön schreiben wollen, bis die Anthroposophie selbst daran Schaden nimmt.
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*Anthroposophie 62. Jahrgang, Ostern I/2008, Nr.243, Seite 89 ff
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"Und über allem leuchtet die Liebe und Treue zu Adolf Hitler"

Hans-Jürgen Bracker, der dieses Dokument von Friedrich Benesch entdeckt hat, schreibt dazu: „anbei drei JPG-Dateien von Benesch, aus "Die Burse" 5. Jg., Heft 1 (Juli 1934), S. 46-48-- nach dem "Röhm-Putsch" -- dasselbe Heft, in dem er über die religiöse Lage geschrieben hat. Wohl nur für dieses Heft war er Redakteur, danach ging er sofort nach Siebenbürgen.
Download des Textes hier.
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Wahrheit, Lüge, Spiritualität

Momentan erleben wir eine Kampagne in einer Reihe anthroposophischer Medien - in Biografien, Zeitungsartikeln, Vorträgen, Tagungen -, die den offensichtlichen Zweck haben, den Priester und Autor Friedrich Benesch, dessen nationalsozialistische Vergangenheit vor nunmehr 4 Jahren bekannt geworden ist, wenn nicht zu rehabilitieren, so doch zumindest in beschönigender Art "zu verstehen". Nun hat sich Benesch, der sich zeitlebens ja nie bekannt - mithin eine offensichtliche Lebenslüge gepflegt hat - selbst in Vorträgen sehr deutlich zu den Folgen geäußert, die es hat, wenn man "es mit der Wahrheit nicht genau nimmt". Man verliert dann nämlich etwas, sagt Benesch, "von seiner aufrichtigen, freien Menschenwürde." Es entsteht etwas wie eine Art "Ablagerung von Nicht-ganz-Wahrheit" im Inneren, eine Art "Lähmung" mit Konsequenzen für das ganze innere spirituelle Leben: "Es hat nämlich die Folge, dass man zum Beispiel nicht mehr richtig beten kann, oder dass man beim Meditieren, beim geistigen Üben, beim geistigen Arbeiten, frühzeitig erlahmt".

Lebenslügen haben - so Benesch- Folgen für "die allerintimste eigene menschliche geistige Existenz". Wenn man dieses Verlorengehen des Zusammenhangs mit dem Geist bemerkt, kann man und muss man "diese innere Ehrlichkeit, diese Wahrhaftigkeit vor mir selbst und vor meinen Mitmenschen üben". Nun macht Benesch an diesem Punkt, den man gern auf seine eigenen persönlichen Lebenslügen beziehen möchten, eine signifikante Einschränkung. Von der "Wahrhaftigkeit vor meinen Mitmenschen" spricht er auf einmal in der Folge nicht mehr, sondern reduziert die Wahrhaftigkeit auf die persönliche innere Welt: "Ich brauche sie ja (die Wahrheit, M.E.) nicht immer auszusprechen, sie muss aber in meinem Bewusstsein vorhanden sein."

Das finde ich auch deshalb interessant, weil es Benesch noch im Satz vorher anders darstellt. Da geht es ihm noch sehr deutlich auch um Wahrhaftigkeit vor der Öffentlichkeit und in "rein sozialen Vorgängen". Nun aber schwenkt er um:, Es komme darauf an, eine Kraft zu bekommen, "wenn ich zum Beispiel den Mut habe, im Gebet wahrhaftig zu sein, das heisst, der göttlichen Welt mich so zu präsentieren, wie ich bin, statt vielleicht den Versuch zu machen, irgend etwas von dem, wie ich bin, zu verbergen". Es geht Benesch um die Reinheit in der "Meditation".

Diese Doppelmoral nimmt er in der Folge allerdings auch noch einmal zurück und betont wiederum die "Lähmung in unserem innersten geistigen Sein" für den, der das "nicht-ganz-innerlich-Ehrliche" in sich duldet- diesmal auch wieder in Bezug auf das Leben in der Öffentlichkeit.

Kategorische moralische Forderungen auf schwankendem moralischem Boden- so möchte man Beneschs Worte deuten. Die logischen Brüche in seiner Argumentation, seine Einschränkungen ("Ich brauche sie ja nicht immer auszusprechen") deuten auf sein persönliches Dilemma hin. In diesem Sinn möchte man Beneschs persönliche Einschränkungen einerseits als Akt der Selbsterkenntnis werten und andererseits den heutigen anthroposophischen Autoren ans Herz legen, dieser Doppelmoral nicht weiter zu folgen. Denn - so Benesch - das "nicht-ganz-Wahrhaftige" zerstört das "Verhältnis zur geistigen Welt selber."

Alle Zitate aus: Friedrich Benesch, "Christliche Feste. Johanni und Michaeli" Urachhaus Verlag, Stuttgart 1994, S. 145 ff
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Kritik der Kritik: „Die Drei“ – Joachim von Königslöw und Friedrich Benesch. Von Esther Reck-Kühn



"In der anthroposophischen Monatszeitung „Die Drei“ vom Dezember 2007 setzt sich Joachim von Königslöw, der sein Buch: „Brücken - Mysterien des Überganges“ ebenfalls im Verlag Johannes Mayer veröffentlicht hat, mit Hans-Werner Schroeders Benesch-Biographie auseinander. - Herr von Königslöw nennt zwar die kritischen Punkte in Beneschs Biographie: seine Verstrickung in den Nationalsozialismus, sein Studium der Rassenkunde in Halle und fragt, wieso Benesch „als Christus-Sucher nicht das Menschenverachtende der nationalsozialistischen Rassenkunde wahrgenommen hat“, in der Folge verharmlost er dies jedoch wieder, indem er Beneschs Umwandlungsprozess glorifiziert. Durch das Verfahren der „Heiligsprechens“ gerät der Mensch Benesch, wie er war, mit seiner Zerrissenheit und seinen Abspaltungen in Vergessenheit. Auch in seinem Versagen, seiner Unfähigkeit, sich seinem eigenen Lebenslauf zu stellen, ist er ein Mensch des frühen 20. Jahrhunderts. Aber was veranlasst im Jahr 2007 Autoren in anthroposophischen Zeitschriften zu solch schönfärbender Schwarzweißmalerei? Besonders peinlich ist auch, wie aus Beneschs nationalsozialistischen Propaganda-Texten, mit denen er sich damals völlig identifiziert hat, ein „Keim der Anthroposophie“ herausgelesen wird; hier verwechseln die Autoren ganz offensichtlich nationalsozialistisches und anthroposophisches Gedankengut , da ihnen die nationalsozialistischen Topoi (Topos = ein sprachlicher Allgemeinplatz) offensichtlich unbekannt sind."

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Die DDR lebt!



Nun auch in der "Wochenschrifr für Anthroposophie", "Das Goetheanum" ein Artikel über Friedrich Benesch - oder, genauer gesagt, über Hans-Werner Schroeders umstrittene Biografie. Bernhard Steiner geht in seinem Artikel (4.1.2008, Nr 1/2) von einem Zitat Beneschs aus, das besagt, die "wirkliche Wahrheit ist nicht die Wahrheit, sondern der überwundene Irrtum". Das bezieht B. Steiner auch auf Beneschs Biographie selbst. Seine "Verstrickung in den Nationalsozialismus" habe Benesch nicht nur gegenüber der Öffentlichkeit, sondern "auch gegenüber seinen nächsten Kollegen" verschwiegen. Woher weiss Steiner das? Hat er mit allen gesprochen, oder setzt er das voraus? Emil Bock z.B. hat sehr wohl von den nationalsozialistischen Verstrickungen eines Haverbeck gewusst. Es hat ihn nur nicht interessiert: "Für uns ist es weiterhin nicht von Interesse". Die offene Frage für mich ist, wie dieses "für uns" in diesem Zusammenhang zu interpretieren ist.

Steiner schreibt, Schroeder habe die Biografie "mit viel Fleiß" zusammengetragen. Er lobt Schroeder insbesondere in der Beziehung, dass dieser sich "mit einer Wertung sehr zurückhält". Das archaisch Deutschtümelnde der siebenbürgischen Heimat Beneschs sieht Steiner als etwas wie einen "Strom", in dem etwas "lebte", "das man "Erdenfrömmigkeit" nennen könnte". Von dieser angeblichen Frömmigkeit sei Benesch durchzogen gewesen. Allerdings versteht Steiner zwar Beneschs Einsatz als "Kreisjugendführer für die "Nationalsozialistische Selbsthilfebewegung in Rumänien"" aus diesem Grundtenor heraus, kann aber auch nicht verhehlen, dass darin eine "idealisierende Überhöhung des Deutschtums" zu sehen ist. Die Begeisterung für Hitler erklärt er aus Beneschs Hoffnungen "auf mehr Unterstützung für die Rechte der Deutschen in Rumänien". So wird Beneschs nationalsozialistische Geschichte in wenigen Zeilen auf etwas wie ein frommes Ideal reduziert und verklärt. Die bittere Pille für die Anhänger Beneschs kann mit dieser Verpackung wahrscheinlich besser geschluckt werden. Nach einer schweren Erkrankung habe Benesch dann ein "Christuserlebnis" gehabt. Über die genauen Daten schweigt Steiner sich aus. Das liegt wohl daran, dass die wirklich aktive nationalsozialistische Wirkenszeit Beneschs nach diesem angeblichen Christuserlebnis erst begann. Steiner legt das so zurecht, dass Benesch bis "zur wirklichen Wende in seinem Leben (..) noch Jahre" benötigte. In der Tat. Die wundersame Wendung kam pünktlich mit dem Zusammenbruch des Dritten Reiches.

Warum Benesch da über seine Vergangenheit schwieg? Aus Sensibilität; wegen der "Schamgefühle", die Benesch "wegen ihres intimen Charakters nicht der Öffentlichkeit preisgeben wollte". Da fragt man sich, ob Steiner auch Kriegsverbrecher, die bis zum Schluss hartnäckig leugneten, ob ihrer Frömmigkeit, ihres ausgeprägten Schamgefühls in dieser Weise verteidigen würde. Das anthroposophische Wirken Beneschs wird dann in der weiteren Besprechung in ähnlich glorifizierender Weise gewürdigt, insbesondere der "Beitrag für die Verbreitung der Anthroposophie und des erneuerten Christentums" durch Benesch, der "seinesgleichen sucht".

Nun denn. Die argumentative Mauer ist errichtet und wird in allen möglichen anthroposophischen Medien Stein um Stein weiter erhöht. Der gefallene Engel, der durch die Versuchung ging. Der Idealist, der immer den Christus suchte, selbst in Hitler. Der Saulus, der zum Paulus wurde. Die Einmütigkeit in dieser klischeehaften Argumentation hat in ihrer Konsequenz etwas von Pamphleten der SED. Die Mauer ist errichtet, die DDR lebt. Wenn auch nur in den Köpfen selbstbezüglicher Anthroposophen.
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Lebenslauf Beneschs von Dr. Regina Reinsperger

Regina Reinsperger hat einen fast kompletten "tabellarischen" Lebenslauf Friedrich Beneschs entworfen. Damit liegt ein Überblick über die zeitlichen Abläufe in dieser Biografie vor, mit zahlreichen Querverweisen auch auf Artikel zum Thema Benesch bei den Egoisten. Außerdem unternimmt sie eine historische Einbettung in die geschichtlichen Hintergründe vor, die dabei ebenfalls ausgeführt werden. Somit werden die Lebensschritte Friedrich Beneschs in einen historischen Kontext gestellt.
Schließlich gibt es Seitenblicke auf einige Interna, die im Zusammenhang mit der Biografie stehen, aber erst in der Sichtung der Quellen zum Vorschein kamen. Dazu gehört etwa die Positionierung Emil Bocks zu Haverbeck: "Auch der ehemalige SA- und SS-Mann Werner Georg Haverbeck ( seit August 1931 in der NSDAP-Reichsleitung) wird nach 1945 Priester der Christengemeinschaft. Laut einem Bericht des CG-Pfarrers Georg Blattmann offenbart Haverbeck dem Erzoberlenker der CG seine Biographie in ausführlicher Weise und verschweigt auch nicht seine Tätigkeiten im „Dritten Reich“. Emil Bock daraufhin laut Blattmann: „Es mag für Sie persönlich, lieber Freund, ja ganz wichtig sein, das alles einmal ausgesprochen zu haben. Für uns ist es weiterhin nicht von Interesse. Jetzt gilt nur, welche Impulse uns gemeinsam in die Zukunft führen.“ "
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Das nationalsozialistische „Deutsche Christentum“ – eine Ravagli-Kritik von Esther Reck-Kühn

"Lorenzo Ravagli befasst sich in seinem Artikel „Verschleiertes Leben“ (erschienen im Heft „Die Christengemeinschaft“,Nr.11 vom November 2007) mit der kürzlich über Friedrich Benesch erschienenen Biographie von Hans-Werner Schroeder. Obwohl zum Teil auch kritisch, bringt Ravagli schließlich doch eine aus meiner Sicht nur schwer zu verkraftende „Ehrenrettung“ Beneschs zustande. Er weist auf Probleme in Schroeders Darstellung in methodischer Hinsicht hin und untersucht einige „Bruchstellen“ in Beneschs Leben, um dann hinter dem „Skandalon Benesch“ in subtiler, nebulöser Art auf den „wahren“ Gehalt dieses Lebens hinzudeuten. So, als wäre Beneschs NS-Ideologie schließlich doch nur ein Missverständnis, als hätte sich Benesch selbst nicht ganz verstanden und nur das Beste gewollt. Für welchen NS-Ideologen gilt das aber nicht?
Natürlich wird im Fall Benesch jeder den Standpunkt einnehmen, den er will. Für mich waren Ravaglis Ausführungen eine Anregung. Es lohnt sich, sich intensiver mit der NS – Christologie zu befassen! Im folgenden einige – ganz unsystematische – Bemerkungen hierzu"

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Peter Staudenmaiers Artikel zu Ravagli in deutscher Übersetzung

Nach einem ersten Versuch Elisabeth Potschkas habe ich mich auch daran gemacht, den dichten Stil von Staudenmaiers hier publiziertem Statement ins Deutsche zu übersetzen. Wörtlich geht das nicht- die eine oder andere Nuance mag bei dem Versuch auch untergegangen sein. Der Leser möge das selbst prüfen. Elisabeth gegenüber bedanke ich mich herzlich.

Ich habe den Artikel von Ravagli kurz überflogen und mir scheint, dass seine Sicht auf Benesch genau die ist, die man von ihm erwartet. Der Begriff des „Positiven Christentums“ war im Kern ein nationalsozialistisches Konzept und besonders populär unter den so genannten „Deutschen Christen“, dem harten Kern der Pro-Nazi-Fraktion innerhalb der protestantischen Kirche. Selbst Alfred Rosenberg hat es sich zu eigen gemacht, eine der im Allgemeinen offeneren anti-christlichen und pro-heidnischen nationalsozialistischen Führungspersönlichkeiten. Eine der Absichten, die mit dem Terminus „Positives Christentum“ mitschwangen, war der Versuch der „Ent- Judaisierung“ der christlichen Tradition.

Folglich ist es falsch zu behaupten, Beneschs Aneignung dieser Begrifflichkeit sei ein Beweis für seine innere Distanz gegenüber dem Nationalsozialismus. Dieselbe Logik würde Rosenberg selbst – der heute Held der äußerst rechten Steiner-Fans ist – vom Stigma des Nationalsozialismus befreien. Das gleiche gilt selbst für Hitler. Da Ravaglis Artikel in den Zeitungen der Christengemeinschaft publiziert worden ist, sollte man - zwischen den Zeilen lesend- vor allem seine primären Adressaten ins Auge fassen. Die Art dieser apologetischen Argumentationen findet sich häufig in Ravaglis Publikationen. Ravaglis zuletzt veröffentlichtes Buch etwa stellt unter anderem eine umfangreiche Verteidigungsschrift für Karl Heise dar, dem anthroposophischen und antisemitischen Verschwörungstheoretiker. Und dann seine Arbeit bezüglich Steiners Sicht auf Rassen und Juden (ein Teil von Ravaglis Werk wird im Englischen von Frank Smith unterstützt und vertrieben).

Ich weiß nicht, inwieweit Beneschs Aussagen dem „Positiven Christentum“ oder dem Deutschtum gegenüber von anderen anthroposophischen Strömungen in den 1930ern geteilt worden sind. Es handelt sich hierbei um derart verbreitete Termini, dass es schwierig wird, diese auf einen spezifischen Kontext festzunageln. Ich denke, dass Benesch zu dieser Zeit einem gewissen ‚Mainstream’- Protestantismus ebenso anhing war wie der Anthroposophie. Man würde den Bogen überspannen, wenn man diesen Aspekt direkt auf seine anthroposophischen Quellen beziehen würde. Dennoch sind wir meiner Ansicht nach nicht ausreichend darüber informiert, wann, wie und auf welche Weise sich Benesch überhaupt der Anthroposophie zugewandt hat. Es ist doch wichtig, sich daran zu erinnern, dass er protestantischer Pastor war, bevor er zum Priester der Christengemeinschaft wurde.

Vielleicht ist in dieser Angelegenheit der dabei interessanteste Aspekt, den Aufwand zu betrachten, den Leute wie Ravagli aufbringen, die Geschichte des Nationalsozialismus so umzudeuten, dass Beneschs Verwicklung unterm Strich als „nicht so schlimm“ erscheint. Die Passage, die mich am meisten erschüttert hat, war die atemberaubend naive Frage Ravaglis: „Wäre er aber wirklich Anthroposoph geworden, hätte er die "Philosophie der Freiheit" oder die Vorträge über das Johannes-Evangelium damals auch nur ansatzweise verstanden, hätte er dann Nationalsozialist bleiben können?" Es erweist sich, dass viele Anthroposophen immer noch nicht nicht angefangen haben zu verstehen, was Nationalsozialismus wirklich darstellte, wie er funktionierte und in welcher Weise er mit anderen Weltanschauungen zusammen hing. Das mag einen großen Anteil der Gründe ausmachen, warum der Prozess der Vergangenheitsbewältigung unter Anthroposophen so schwer und so langsam in Gang kommt.
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Der Nationalsozialismus in Siebenbürgen

Dr. Regina Reinsperger schreibt in ihrer Dokumentation über Friedrich Beneschs Propagandaschrift "Der Nationalsozialismus in Siebenbürgen" von 1934:

"Friedrich Benesch beginnt hingegen seine Schrift „Der Nationalsozialismus in Siebenbürgen“ mit einer allgemeinen politischen Positionsbestimmung der NSDAP im Reich. Er schreibt: „Der Nationalsozialismus stand und steht nicht einseitig ganz rechts (also der Deutsch-Nationalen Volks-Partei näher verwandt als der Kommunistischen Partei Deutschlands), sondern er stand und steht ganz radikal über den Parteien. Er ist ebenso scharf gegen die marxistische wie gegen die reaktionäre Front gerichtet.“

Als Gegner des Nationalsozialismus sieht Benesch neben dem Marxismus die „Reaktion“: „nationale Verbände, Wirtschaftsmänner, katholische und evangelische Kirchenpolitik, Hochschulpolitik, monarchistische Verbände usw.“, die ihre „scheinbar nahe Verwandtschaft zum Nationalsozialismus“ „für sich auszuwerten versuchten“. „Der zersetzenden Front des liberalen Marxismus steht in gleicher Entfernung vom Nationalsozialismus die egoistische Front des liberalen Bürgertums zur Seite. Schon aus dem Gang der Entwicklung wird klar, dass der radikale Gegensatz zwischen liberalem Bürgertum und Nationalsozialismus schwerer zu durchschauen ist, als zwischen Nationalsozialismus und Marxismus. Insonderheit dann, wenn dieses Bürgertum nationalliberal ist und unter dem Mantel des Nationalsozialismus seine egoistischen Tendenzen verbirgt.“"


Zum Text..

Der Historiker Klaus Popa, der unsere Arbeit seit Längerem beratend begleitet, schreibt zu diesem Artikel: "Liebe Frau Reinsperger, ich wünsche nur, dass Sie sich weiterhin mit so eingebungsvollen Gegenüberstellungen bzw. Analysen der politischen, zumal der Zustände der radikalnazistischen Bewegung bei den Rumäniendeutschen, in klarer Gleichheit der Erscheinungen mit der NSDAP und allen totalitär-autoritären "Bewegungen" jener Zeit unter Bezug auf Benesch befassen. Sie haben zurecht die klare und auch für Zeitgenossen weitsichtige Sicht- und Interpretationsweise des damaligen Mediascher Bürgermeisters Seiwerth hervorgehoben und leisten damit einen wichtigen Dienst auch bei der Vermittlung der rumäniendeutschen Verhältnisse jener dunklen Jahre. Es freut mich sehr, dass Sie die weitreichnede Bedeutung von Seiwerths Analyse herausgestellt und damit, über die "Egoisten" von M. Eggert, einem breiteren Publikum zugänglich machen. (..)"
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Lorenzo Ravagli über Benesch

Im Novemberheft 2007 von "Die Christengemeinschaft- Zeitschrift zur religiösen Erneuerung" gibt nun auch Lorenzo Ravagli seine Besprechung von Schroeders Benesch-Biografie zum Besten. Der Titel "Verschleiertes Leben" gibt Anlass zur Hoffnung, dass die nationalsozialistische Vergangenheit des Säulenheiligen Benesch nicht wiederum verschleiert wird. Tatsächlich kommt Ravagli in der Betrachtung der Biografie schnell zu dem Schluss, dass diese ein Rätsel darstelle, zu dem "Beneschs Bekenntnis zum Nationalsozialismus" gehöre. Die Schritte Beneschs vom Mitläufer bis hin zum nationalsozialistischen Funktionär stellt Ravagli sorgfältig dar, auch wenn schon bald erste Relativierungen einfliessen ("Wieweit und in welcher Art er sich mit den Zielen dieser Vereinigungen identifizierte, bleibt an dieser Stelle offen"). Man könnte ja auf solche Formulierungen hin auch fragen, wieweit sich Benesch mit der Vereinigung "Christengemeinschaft" tatsächlich identifiziert oder seine bedeutende Rolle dort nur inszeniert hat. Zweifel bringt Ravagli aber nur in Bezug auf Beneschs nationalsozialistische Aktivitäten zum Ausdruck. Auch der Einsatz "für eine Reihe sozialer Belange" bis 1944 -während Beneschs Funktion als ehrenamtlicher "Kreisleiter des "Volksbundes der Deutschen in Ungarn und Stellvertreter des Gebietsführers"- bleibt eine für mich schwer nachvollziehbare Formulierung. Die Aufgaben eines solchen Kreisleiters sind uns im Detail noch nicht bekannt. Im ferngesteuerten Auftrag der SS in einem Gebiet tätig zu sein, in dem Hunderttausende von Juden kaserniert, vertrieben und ermordet worden sind, kann nicht bedeuten, dass lediglich "soziale Belange" von Benesch verfolgt worden sind. Es liegen aber bislang keine Nachweise für aktiv begangene Vergehen Beneschs vor, auch wenn weltweit nach Zeitzeugen, Vermächtnissen und schriftlichen Hinterlassenschaft aus der Region und Zeit gesucht wird.

Dennoch leugnet Ravagli die umfassende Fälschung von Beneschs Lebenslauf nicht: "Im Fall von Benesch aber besteht eine zusätzliche Problematik: die Selbstinterpretation seines inneren und äußeren Werdegangs, die vom Biografen (Schroeder, M.E.) über weite Strecken der Rekonstruktion der ersten Lebenshälfte zugrunde gelegt wird". In dieser Hinsicht wird Schroeders Biografie von Ravagli deutlich kritisiert. Sein Standpunkt ist der, dass man Beneschs "Selbstinterpretation" keinesfalls zur "Grundlage der Deutung der ersten Lebenshälfte" machen kann- eben weil man Beneschs Selbstzeugnissen nicht trauen sollte. Die Frage, wie weit man einem aktiven Nationalsozialisten, dessen Aussagen man in dieser Hinsicht keinesfalls trauen darf, in Fragen der Christologie folgen sollte, stellt Ravagli nicht. Dagegen hat Ravagli Schwierigkeiten mit den Aussagen Beneschs, er sei bereits 1931 "Anthroposoph" geworden: "Wäre er aber wirklich Anthroposoph geworden, hätte er die "Philosophie der Freiheit" oder die Vorträge über das Johannes-Evangelium damals auch nur ansatzweise verstanden, hätte er dann Nationalsozialist bleiben können?"

Am Ende aber schwenkt Ravagli wieder in eine andere Richtung über und interpretiert schwärmerisch- nationalsozialistische Äußerungen Beneschs über "positives Christentum" und "germanische Substanz" so, als riefe Benesch, "über den Nationalsozialismus und Hitler" hinausführend, "nach einem Propheten, der den Begriff des positiven Christentums mit Inhalt füllen kann". Diese Interpretation, Benesch habe sich "jenseits des Nationalsozialismus" positioniert, erscheint jedem, der Beneschs Schriften und Aktivitäten in dieser Zeit studiert, an den Haaren herbei gezogen. Die Rolle des Nationalsozialisten sei für Benesch nichts als eine "Fassade" gewesen: Diesem argumentativen Salto mortale kann und will ich allerdings nicht mehr folgen.
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Der Nationalsozialismus und die Gewissenlosigkeit

"Dieser Text wurde im Juni 1934, also 2 Monate nachdem Benesch in Herrmannstadt sein „Pfarrerdiplom“ erhalten hatte, im Rundbrief der deutschen Burse zu Marburg veröffentlicht. (Schroeder, Seite 460). Für einen frisch „diplomierten“ Pfarrer sind diese Worte doch sehr seltsam, zumal er ja schon 1931 während seines Genesungsurlaubes in den Karpaten ein „Christuserlebnis“ gehabt haben will (Seite 77). Nebenbei zeigt sich in diesem Text, wie die Nationalsozialisten das „Deutsche Volkstum“ interpretierten: als „germanisch nordische Substanz“, die es in der Realität bei der steten Menschendurchmischung Mitteleuropas seit der Römerzeit faktisch nicht gegeben hat. ( Ich erinnere an die Völkerwanderung, Wikinger-, Ungarn- und Hunnen-Einfälle, den 30 jährigen Krieg, die spanisch-niederländischen Kriege im Westen, der Zuzug der Hugenotten, die napoleonischen Kriege, die Zuzüge der Ostarbeiter am Ende des 19. Jahrhunderts ins Ruhrgebiet u.a.m.) Die Nationalsozialisten, die für „das Deutschtum brannten“ , lebten also mit einer Illusion.

Der Historiker Klaus Popa hat auf seiner Internetseite, auf der Texte über die Siebenbürgen im 3. Reich, die führenden Nationalsozialisten in Siebenbürgen und die Vergangenheitsbewältigung der Siebenbürger zu finden sind, einen Text veröffentlicht, der in kurzen knappen Worten zeigt, wie sich das nationalsozialistische „positive Christentum“ vom tradierten Christentum unterscheidet."

zum Text..
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Brief aus Siebenbürgen



„Ich habe ihren Brief bekommen und mich sehr gefreut darüber, dass es auf dieser Welt noch Menschen gibt, die sich mit der Wahrheit über unsere Vergangenheit beschäftigen. Bezüglich ihrer Frage möchte ich antworten, dass ich Herrn Friedrich Benesch nicht kennengelernt habe.
Der Aufstieg des Nazismus und sein öffentliche Einfluss über die Sächsische Bevölkerung in Sächsisch-Regen begann im Jahre 1930. Die Diskriminierung jüdischer Kinder im Deutschen Kindergarten durch das Personal begann nach 1940. Die Jugendlichen mussten die Uniform des Deutschen Volksbundes tragen und im Stadtzentrum aufmarschieren und Nazi-Parolen und antisemitische Parolen skandieren. Ich erinnere mich an einen Zwischenfall, den mein Bruder erzählt hat, dass junge Juden geschlagen und aus der Stadt gejagt wurden.
Die Mehrheit unserer Bekannten aus der Sächsischen Bevölkerung hat die Beziehung zu uns abgebrochen und auch nicht mehr gegrüßt.
Wie schon mein Bruder berichtete, wurde meine Mutter im Ghetto von Sächsisch-Regen durch die ungarische Gendarmerie gefoltert. – Am Bahnhof musste die jüdische Bevölkerung in Güterwagen einsteigen, ungarische und deutsche Soldaten bewachten sie.“

So ein Brief aus Siebenbürgen, den Frau Dr. Reinsperger auf ihrer Suche nach den Aktivitäten des SS-Gefolgsmanns und Pfarrers der "Christengemeinschaft", Friedrich Benesch, hat übersetzen lassen.
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Friedrich Benesch, Anthroposophist and Nazi

Peter Staudenmaier schreibt in seinem -englischsprachigen- Aufsatz:



"This post is about the life and legacy of the prominent anthroposophist Friedrich Benesch, whose Nazi past and its unexpected revelation by non-anthroposophists presents a case study in how Steiner’s followers deal with
their own history.

Friedrich Benesch (1907-1991) was a leading figure in the Christian Community, the forthrightly religious arm of anthroposophy. For thirty years, beginning in the 1950s, he was the head of the seminary in Stuttgart that trains the Christian Community’s priests. A very large proportion of all Christian Community pastors alive today were trained directly by Benesch. He appears to be popular with English-speaking anthroposophists as well; his book Reverse Ritual: Spiritual Knowledge is True Communion, for example, was published by the Anthroposophic Press in 2001, and there’s a plug for several other publications by Benesch currently at the website of the Christian Community in Australia and New Zealand."

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Jeder Unsinn wird geglaubt, solange er eine antiamerikanische Spitze hat



Thomas Reinsperger schreibt: "Aus all diesen Puzzleteilen möchte ich jetzt meine Meinung zusammensetzen:
Benesch hat zwar die Verbindung zu den Siebenbürger Sachsen abgebrochen, er bleibt aber seinem alten, patriarchalischen Denken verhaftet. Er lebt in einer Demokratie, kommt aber nicht dort an. Er bleibt auch in seinen geistigen Erkenntnissen dem Alten verhaftet. Nun konnte er zweifellos charismatisch und mitreißend reden usw., wenn ich aber heute mit zeitlichem Abstand diese Texte lese, so kann ich weder eine Wandlung, noch große zukunftsweisende Erkenntnisse herauslesen. Die Verbreitung der Reinkarnationsidee als solcher ist nicht neu und, wenn man Reinkarnation als solche anerkennt, muss man nicht fortschrittlich sein und auch der von ihm definierte „Goetheanismus“ ist wissenschaftlich angreifbar.
Gerade die am Anfang zitierte Schwedische Volksseele, die über Amerika weint, zu einer Zeit, als Amerika in Deutschland Fortschritt hereinbrachte und zwar geistigen Fortschritt – nun entweder hat Friedrich Benesch eben mal den Leuten erzählt was sie hören wollten – oder er hat eben die rückständigen Teil der Volksseele gesehen, denn den gibt es ja auch, oder haben ihn gar ahrimanische Elementarwesen etwas vorgegaukelt? Inwieweit konnte er auch korrekt interpretieren, was er geistig sah, oder führte seine Verdrängung der eigenen Biographie nicht ins geistig Illusionäre?"

Zum gesamten Artikel..
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Verschwiegene Zeitzeugen?

"Wenn man in den 50er oder 60er Jahren seine Eltern oder Großeltern fragte, wie sie über die Verbrechen des 3. Reiches damals gedacht hatten und was sie heute davon hielten, bekam man meist die stereotype Antworten: „Das habe ich nicht gewusst" , „Da war ich nicht dabei", wenn man sich denn überhaupt getraute zu fragen, denn in den meisten Familien wurde eisern geschwiegen und auch in der Schule endete die „neuere Geschichte" meist mit dem Bismarckreich. Dabei wären die meisten Fragenden schon zufrieden gewesen mit einer Antwort wie: „ Damals habe ich das nicht so gesehen, aber nach dem Krieg habe ich dazugelernt", ganz zu schweigen von dem Satz: „Ich habe nicht so gedacht". Dass man sich nur schwer und unter Lebensgefahr in einer bestehenden Diktatur auflehnen kann, wussten die meisten Jüngeren ohnehin. Sehr oft wurden jedoch die Verbrechen anonymisiert gesehen: „angeordnet denen da oben in der Regierung", als ob z.B. eine Nazi-Organisation wie die Gestapo oder eine KZ-Wachmannschaft oder eine militärische Einheit nicht aus Einzelmenschen bestanden hätte, die, wenn sie sich verweigern wollten, sich wegmelden konnten, ohne dass das zwingend negative Folgen nach sich zog; auch diese Option wurde oft genug wahrgenommen. Als besonders verletzend und verlogen empfanden die meisten Jüngeren das „Schönreden" der Nazi - Zeit und ihrer „Errungenschaften" und nicht zuletzt als drückend und quälend das Verschweigen."

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König Benesch

Bei seiner Vorsprache beim SS - Abschnitt XVIII in Halle am 6.9.1940 gibt Benesch zu Protokoll: "Nach ernster Gewissensprüfung habe ich mich entschieden, die mir von meinen Bauern erwiesene Treue durch meine Treue zu erwiedern und wieder ihre Führung zu übernehmen."

Ja, unter seinen Birker Bauern wollte Benesch König sein. Aber auch nach seiner wundersamen Wandlung zum Priester der Christengemeinschaft blieben deutliche Spuren dieses angemassten Königtums. So Regina Reinsperger in ihrer aktuellen Zusammenfassung.
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A letter from Australia

Hello Hans-Juergen Bracker,

I found your address on the Birk / Petelea website. Over the last 10 years or so I have been following the "Benesch Saga" on the Internet. Initially my interest arose when S. D.* (and my mother) visited me in Australia and gave me a copy of the "Birker Heimatbuch" about that time. Let me introduce myself:

I was born in Birk and have the "honour" of having been christened by Friedrich Benesch at the beginning of 1944. According to my mother, many good Lutheran parishioners were unhappy about this as my father had not voluntarily joined the "German Army". Benesch christened me despite these protests and I think my parents were very grateful.

Needless to say, I have never met Benesch and have no recollection of Birk. All I know about him is hearsay (or inference) of what I heard from Birker Saxons in Austria. The Saxon people in Birk were very hard working and god-fearing Lutherans. Much of their Sunday leisure time revolved around the church - prayer, cultural and youth activities. The "Herr Pfarrer" had enormous influence because he was "ein Gelehrter" and a minister. Either directly or indirectly, he encouraged many young men (and a few women) to voluntarily join the "German" military.

In mid-September 1944 nearly all Saxon families left on the "evacuation trek", headed by Benesch and travelling by wagon, to Austria / Germany. After about 100 km, some 100 people (old, sick and young children) were put on a train with the retreating German army. My family was part of this group. After about 5 weeks they and the others ended up in Upper Austria, whilst the larger group with Benesch got to Southern Germany. As a child, I often heard people say things like: "Benesch hat uns im Stich gelassen." or "Er will nichts von uns wissen." or "Er sagt jeder fuer sich selbst". S. D.* told me that she could not have compiled the "Birker Heimatbuch" earlier, because she needed the "Kirchenbuecher". Somehow it was not possible to get access to them prior to Benesch' death. I am not sure whether he actually had these documents himself or whether he excerpted his influence over the people that had them. I understood that Benesch was a very forceful character, who could be very angry and was not to be approached.

I ask myself, how could a "caring minister" so completely disregard his erstwhile parishioners and forbid all contact? What did Benesch do with the church records - I assume there may be others apart from the "Kirchenbuecher" - that he took to Germany? Did nobody in Germany wonder why Benesch had no contact with any Birkers?

You will find very few Saxons in Birk. They are in Canada (Ontario), USA (Illinois, Ohio), Germany and Upper Austria.

I look forward to reading the biography of Friedrich Benesch that I will purchase when I am in Austria next time.

Kind regards,
S. B.*
____________________
*Namen sind uns bekannt
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Jugendterror



Regina Reinsperger schreibt in ihrem aktuellen Artikel, in dem es um Deportationen, Zeitzeugen, Relativierungen, Ignoranz und stetig wachsende Situationsbeschreibungen zu den wahrscheinlichen "weiteren" Betätigungen des nationalsozialistischen Pfarrers Benesch:geht:
"Johann Böhm, ein kritischer Zeitzeuge, den Schroeder nicht näher befragt hat, berichtet weiter:
“Mit seiner Jugendorganisation übte er (Benesch) im Reener Kreis eine Terrorherrschaft aus. Der Autor dieses Aufsatzes hat dies selber miterlebt.” Ein erster weiterer Zeitzeuge aus Sächsisch -Regen ist der inzwischen verstorbene Laszlo Gruen, der in Targu Mures geboren wurde und im Alter von 14 Jahren mit seiner Familie in Sächsisch Regen lebte. Seine Biographie wurde durch “The Central Europe Center for Research and Documentation” ins Internet gestellt. Er kann Benesch im Gegensatz zu Johann Böhm nicht benennen, wohl aber die Auswirkungen, die die Indoktrination durch die NS - Ideologie bei den Jugendlichen bewirkte."

zu dem Artikel..
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Marburg, die Stadt und ihre Universität in der Weimarer Republik



"Benesch wohnte im Studentenwohnheim „Marburger Burse“ (zur Burse und zum Leiter Professor Mannhardt näheres im folgenden Artikel), in der etwa 1/3 der Studenten Reichsdeutsche waren, 1/3 deutschstämmige aus dem Ausland mit ausländischem Pass und 1/3 Deutsche, die im Ausland lebten. Dort lernte Benesch Corps – Studenten kennen, aber auch solche, die aus der Jugendbewegung kamen und von denen er sich angezogen fühlte. Hans-Werner Schroeder zeichnet also mittels o.a. Heidegger – Buch ein überaus gemütliches, idyllisches Bild von Marburg und seiner Universität, so wie es auch damals schon zahlreiche ehemalige Studenten in ihren Erinnerungen „an die alte Burschenherrlichkeit“ beschrieben."

weiter zu Dr. Regina Reinspergers Artikel..
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Gebietsführer Robert Gaßner – Friedrich Beneschs Vorgesetzter

Frau Dr. Regina Reinsperger schreibt in ihrem Artikel: "Was unterscheidet Robert Gaßner nun von seinem Vizegebietsführer Friedrich Benesch? Oliver Klöck berichtet, dass er einen Brief von Gassner vorliegen habe, den er mit Norbert Wallet in seinem Buch „Vergessene Fährten“ 1993 veröffentlicht hat. Dort schreibt Gassner: „Lassen Sie mich zu Beginn festhalten, dass ich persönlich Schuld auf mich geladen habe, die ich nicht leugne, unter der ich leide und die allein Gott mit mir abrechnen wird.“ Oliver Klöck berichtet weiter: „Gaßner ging offen – wenn auch nicht öffentlich , was menschlich verständlich ist – mit seiner persönlichen Schuld um. Er verharmloste sie nicht, er verdrängte sie nicht. Das halte ich für menschliche Größe.“ "

weiter..
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Flotte Verdrängung

"Das Buch von Herrn Schroeder über Herrn Benesch macht auf mich einen sehr schillernden Eindruck. Zunächst einige Anmerkungen zu Herrn Schroeders Text der Superlative auf der Buchrückseite außen: In suggestiven Sätzen wird die Einzigartigkeit dieser Biografie hervorgehoben – einzigartig durch Beneschs „Geisteskampf“ in der Wendezeit. (..) In Erstaunen versetzt mich die rasante Geschwindigkeit, in der Herr Benesch die Wandlung vom aktiven Nationalsozialisten zum lehrenden Anthroposophen vollzog. Wie lange braucht ein Ätherleib, um nazistische Gewohnheiten und Vorstellungen „auszuschwitzen“? Diese überaus flotte Wandlung dürfte unvergleichlich sein – bei aller damals üblichen Verdrängung. "



So beginnt eine Kritik von Esther Reck – Kühn an der neuen Benesch- Biografie Schroeders.

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Erste Notizen zur Benesch- Biografie

"Was mir beim Lesen so auffiel......". Ein neuer Artikel von Frau Dr. Reinsperger zur Benesch- Problematik. Hierbei handelt es sich um erste Notizen zum Buch "Hans-Werner Schroeder „Friedrich Benesch – Leben und Werk 1907 – 1991“
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Friedrich Beneschs Heiligsprechung?

Thomas Reinsperger beschäftigt sich mit den Reaktionen der "Christengemeinschaft" auf die Fakten um Friedrich Benesch- sei es auf einer Tagung der Christengemeinschaft zu dessen 100. Geburtstag oder auch in der gerade erschienenen Biografie von Hans- Werner Schroeder: "Von den übrigen Rednern der Tagung wurde diese Ausführungen dann weiter untermauert, wiederholt wurde Beneschs Hellsichtigkeit in Bezug auf Elementarwesen geschildert, seine Erlebnisse „der Morgensonne des Auferstehungslichtes“ und seine besondere Fähigkeit: Benesch konnte nach diesen Berichten um sich einen geistigen Kreis schaffen, in dem seine anwesenden Freunde dieselben geistigen Wahrnehmungen hatten wie er, also Elementarwesen sahen, den „Erdengeist“ usw. Entsprechende Darstellungen finden sich auch im Biographie – Buch. Benesch wird als „demütiger Jünger der Anthroposophie“ geschildert, als eben derjenige, der die Wissenschaften goetheanistisch durchdringen konnte und wie Goethe die Urphänomene herausarbeiten konnte usw." Es sieht so aus, als stünde Benesch, der "Amtswalter dieser Mörderbande" in Siebenbürgen, trotz oder gerade wegen der Fakten, die seine menschliche und berufliche Integrität massiv in Frage stellen, innerhalb der Christengemeinschaft kurz vor seiner "Heiligsprechung".
Zum Artikel..
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Ist das Wesentliche restlos gesagt

..eine satirische Ent- Stellung von Worten Friedrich Beneschs. Das in der Entfremdung harmlos erscheinende Dokument entpuppt sich beim Austausch weniger Nomen als Loblied Beneschs auf Adolf Hitler.
Autorin dieser Satire ist Frau Dr. Reinsperger. Um Dr. Benesch das letzte Wort zu geben: "Mit diesem Satze ist das Wesentliche restlos gesagt."
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"Die Christengemeinschaft" zu Friedrich Benesch


Foto aus dem angegebenen Artikel

Aus dem Juniheft der Zeitschrift "Die Christengemeinschaft" kann man online eine Reihe von Artikeln zu Friedrich Benesch laden, die sich mit dessen Biographie beschäftigen und eine Reihe von persönlichen Erinnerungen an ihn in seiner Funktion aus Priester, Mensch und Ausbilder beinhalten. Autoren sind Volker Harlan, Georg Dreißig und Hans- Werner Schroeder. Während Harlan sich mit der wissenschaftlich- goetheanistischen Lehrweise Beneschs beschäftigt, nähert sich Dreißig aus ganz persönlicher Sicht seinem verehrten ehemaligen Lehrer an. So mutmasst er: "Dr Benesch hat von seinen Irrtümern nicht gesprochen, aber auch nicht von den Schmerzen, die es ihn gekostet haben muss, diese zu erkennen und auf dem Scherbenhaufen seiner bisherigen Persönlichkeit ganz neu beginnen zu müssen". Mit diesen Worten geht Dreißig indirekt auf Beneschs nationalsozialistische Vergangenheit ein und gibt eine persönliche Interpretation von dessen Entwicklung. Er nennt dies "den schwersten Kampf", das "Ringen mit sich selbst".

Schroeder dagegen geht polemisch gegen diejenigen Quellen vor (ohne sie zu nennen), die sich bisher mit eben dieser Vergangenheit Beneschs beschäftigt haben. Er habe den ersten Teil der gerade erschienenen Biographie Beneschs auch geschrieben, "um teilweise entstellenden Darstellungen entgegenzutreten, die ohne genügende Hintergrundkenntnisse bereits seit geraumer Zeit verbreitet werden". Schroeder habe dagegen sogar "eine Reise nach Siebenbürgen unternommen, um seine Wirkensstätten aufzusuchen und kennenzulernen und Berichte von Menschen zu sammeln, die ihn gekannt haben". In der zentralen Frage nach den über ein Jahrzehnt andauernden nationalsozialistischen Aktivitäten Beneschs beschränkt sich Schroeder auf den Satz "1940 in Halle wollte er der SS beitreten, was aber unterblieb", und verweist ansonsten auf sein Buch.
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Wenn das Ich entfesselt wird..

"Die menschliche Natur ist kompliziert, und gar vieles geht in dem Menschen vor, das in seinem eigentlichen Geschehen mehr oder weniger unter der Schwelle des Bewusstseins bleibt, und von dem einzig Wirkungen heraufkommen in das Bewusstsein. Wirkliche Selbsterkenntnis kann man nicht gewinnen, ohne sich einen Einblick zu verschaffen in dieses Wirken der unterbewussten, unter der Oberfläche des Bewusstseins wirkenden Seelenimpulse...."
So beginnt ein Auszug aus einem Vortrag Rudolf Steiners zu den Zusammenhängen von Persönlichkeitsstörungen und "Volkstum". Die gemeinte Entfesselung des Ich ist in diesem Zusammenhang (Steiner legt das Thema breit an) durchaus als pathologisch zu bezeichnen. Regina Reinsperger sieht diesen Textausschnitt im inneren Zusammenhang mit einer Art von spezifischer Persönlichkeitsstörung bei Friedrich Benesch. Das Thema ist bei den Egoisten damit keineswegs beendet- im Gegenteil.
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Anthroposophen und Nationalsozialismus

Dankenswerterweise ist in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Info3 Neues zu dem Problemkreis Anthroposophen und Nationalsozialismus erschienen. In einem Artikel beschäftigt sich Peter Staudenmaier ganz konkret mit dem Thema: Er nennt nämlich Namen, die er aus den "die Anthroposophie betreffenden Dokumente aus dem Reichssicherheitshauptamt der SS im Bundesarchiv Berlin sowie der dort befindlichen nationalsozialistischen Personalakten" gewonnen hat. Trotz des offiziellen Verbots der Anthroposophischen Gesellschaft zu dieser Zeit machten eine Reihe von Anthroposophen durchaus Karriere im nationalsozialistischen System.
Auf der anderen Seite findet sich in dem genannten Heft ein Artikel von H.-J. Bracker über die neue, lange erwartete Biographie Friedrich Beneschs (H.-W, Schroeder, Friedrich Benesch. Leben und Werk 1907-1991. 516 S. Stuttgart, Mayer 2007). Mir liegt der Artikel nur in einem Vorentwurf vor. Darin kommt Bracker zu der Beurteilung: "Schroeder ist weder Ankläger noch Verteidiger; er kritisiert Beneschs Umgang mit seiner Vergangenheit und entschuldigt nichts; die Lebenslüge wird erkennbar – aber nicht so deutlich, wie es nötig wäre." Bracker vermisst auch die Beschäftigung mit der Frage "Sind Jähzorn und autoritärer Stil (Beneschs, M.E.) angeborene Charakterzüge oder Relikte seiner NS-Prägung? Was mögen diejenigen empfinden, die ihm vorbehaltlos vertrauten und posthum enttäuscht wurden? Was bleibt von Beneschs moralischer Autorität, gerade als Seelsorger?"
Die Bedeutung der Funktionen und der Ämter Friedrich Beneschs innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft als Autor, Ausbilder und Priester verbieten eine Relativierung seiner Vergangenheit. Neben dem ehrlichen, aber auch offensichtlich Einiges schuldig bleibenden Buch von Schroeder sammelt man durch persönliche Begegnungen Eindrücke. Eine Linie von Relativierung seitens einiger Priester der "Christengemeinschaft" spricht von dem "inneren Wachsen an dem Bösen" seitens Beneschs. Dabei wird die nationalsozialistische Vergangenheit Beneschs verklärt zu einer moralischen Entwicklungsstufe. Die andere Linie, die mir bekannt wurde, ist die persönliche Verunglimpfung der Autoren der Egoisten, diese verfolgten einen "persönlichen Rachefeldzug". Ich bin dagegen der Ansicht, die offene Beschäftigung mit solchen Fragen im Rahmen der anthroposophischen Bewegung, die Arfst Wagner im übrigen seit 1990 betrieben hat, ist nichts als eine Frage der Hygiene.
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Ein Briefwechsel über Benesch

Lieber Freund,
ich schicke Dir zum Fall Benesch noch einige Internetseiten aus dem Blog Terra Canaillo: „anthro cyber home 8: Kronstadt am Seminar: die karma – waschmaschine“ und „dr.benesch und kamerad fritz“ . Aus dem Blog „egoisten“ lege ich Dir die Kommentare zu „Beneschs Bekenntnisse zum Nationalsozialismus“ bei.

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Tagung zum 100. Geburtstag von Friedrich Benesch


Ende Juni beginnt in der Freien Hochschule der Christengemeinschaft in Stuttgart eine umfangreiche Tagung zum 100. Geburtstag von Friedrich Benesch (1907- 1991). Begleitet wird diese Tagung von einer Ausstellung und einer Reihe von Vorträgen zum Thema Turmaline. Die Themen der eigentlichen Tagung mit den typischen Titeln wie "Erdenwirklichkeit und Geistessicherheit" umfassen auch biografische Berichte von Begegnungen mit Friedrich Benesch. Auch Beneschs Biograph Hans-Werner Schroeder tritt mit einem Vortrag auf, der gleichzeitig auch den ersten Band der Biographie Friedrichs Beneschs vorstellen soll. Selbst der Verleger dieser Biographie, Johannes M. Mayer, tritt als Vortragsredner auf. Was der Außenstehende bei diesem Vorhaben vielleicht vermissen könnte, ist ein dezenter Hinweis auf die fragwürdige Vergangenheit Beneschs als SS-Mann in seiner damals rumänischen Heimat. Hinweise darauf hatten wir (Frau Dr. Reinsperger und ich) in den letzten Monaten auf dieser Website gesammelt. Natürlich ist es möglich, dass Herr Schroeder diese Hinweise dennoch in seinem Vortrag behandeln wird- und dass ihnen auch, wie versichert wird, umfassend in der Biografie nachgehen wird.
Wie - wie man so sagt- aus "gut unterrichteten Kreisen" berichtet wird, wächst der Unmut innerhalb Kreisen der Priester der Christengemeinschaft darüber, dass bisher selbst intern kaum offene Worte zu diesem Problemkreis gefunden worden sind. Herr Schroeder hat, wie man hört, dieses Thema bisher durch Ausweichen und Relativieren zwar nicht geleugnet, aber sich auch nicht offen Fragen und Gesprächen dazu gestellt. So kann man gespannt erwarten, ob und wie diese Thematik nun endlich auf den Tisch kommt.
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Beneschs Bekenntnis zum Nationalsozialismus

Friedrich Benesch, der verstorbene anthroposophische Autor, Priester der Christengemeinschaft und Ausbilder, hat sich 1941 in seiner Dissertation im Rahmen einer Autobiografie selbst explizit zum Nationalsozialismus bekannt. Dieser mir bisher unbekannte Text wurde von Peter Staudenmaier entdeckt und von Hans-Jürgen Bracker übermittelt, der die weiteren Recherchen übernahm. Der Text war auch deshalb schwierig zu entdecken, weil er in der späteren (ebenfalls 1941) Drucklegung fehlte. Man kann ihn deshalb nur im Original einsehen. Der Text wird hier bei den Egoisten in Kopie des Originals veröffentlicht.

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Saalschlacht & Anthropotanten

Nein, wir sind ausnahmsweise nicht beim Thema Benesch (in dieser Hinsicht ist ziemliche Funkstille, weil alle auf ein Erscheinungsdatum der "offiziellen" Biographie warten); nein, die Saalschlacht fand ausnahmsweise bei uns, in unserem kleinen Sender statt. Ausgangspunkt war der unten stehende Bericht über das neue Blog von Sebastian Gronbach, der den Bloggern dieser Szene und einigen weiteren Beteiligten teils heftige Kommentare entlockte. Terra Canaillo nahm die Angelegenheit zum Anlass, mal wieder eine Rundumschau auf die anthroposophische Bloggerszene zu werfen. Was uns betrifft, sei der humoristische, aber ziemlich atemlose Kommentar ungekürzt wiedergegeben:

"..zurück zur bloggerszene. interessant sind in diesem zusammenhang auch die nebenschauplätze der auseinandersetzung. da hat es den egoisten hart getroffen! stellen wir uns das ganze bildlich vor, sagen wir lieber, in der realen welt: herr eggert betreibt seine kunstgalerie und kunstzentrum (an den wänden hängen überdimensionale leuchtkasten mit seinen bildern, musik klingt auf, da wo man gerade hinschaut, alles ist voller bewegung und farbe, etc. - eine tolle high-tech installation). jetzt hat er gronbach eingeladen, der neben ihm ein neues redaktionsbüro eröffnet hat. gleich strömen die besucher herbei, in der einen ecke sitzen die reginas, die gronbach sofort seinen angeblichen deutsch-nationalen tendenzen unter die nase reiben. in der anderen ecke sitzt die truppe der andreasse, die dieses deutsch-nationale und anti-basis-demokratische hierarchiegehabe auch noch tiefenpsychologisch zu interpretieren wissen (irgendwo scheinen andie und bastie sich vom waldorfkindergarten her zu kennen). es wird immer lauter, eggert versucht die gemüter zu besänftigen, und auch wenn er zugibt, dass seinen heutigen sprecher manchmal daneben hauen kann, es hilft nix. die fetzen fliegen, die teure installation wird in mitleidenschaft gezogen, das ganze wirkt wie ein rolling stones konzert in den frühen sechzigern. es wird einen richtigen saalschlacht daraus. gronbach kann noch gerade durch die hintertür verschwinden, da ruft regina laut: 'anthropotante!'. für einen moment is es still - dieses meist gefürchtete, unaussprechliche, hässliche wort klang soeben durch diesen räumen: 'anthropotante'. die anwesenden schauen sich gegenseitig an, haben wir da richtig gehört? hat sie wirklich 'anthropotante' gesagt? gronbach eine anthropotante? für unser geistesauge belehren und besserwissern uns reihenweise, mit lila-violetten dreiviertelröcken bekleidete, barettierte damen, die haare streng nach hinten gezogen. aiaiai. wir haben da ein viel besseres wort! doch nicht anthropotante, mensch, regina!
aber zu spät: die blogzpolizei, dieses mal in der gestalt des goys tritt auf und beruhigt die gemüter. der goy: 'sebastian gronbach ist ein mündungsmensch!' mündungsmensch? haben Sie das wort schon einmal gehört? wir noch nie. 'mündungsfeuer' kennen wir, in englisch: muzzle flash. sebastian gronbach ist also ein mündungs-mensch, a muzzle-man! ein muselman, der es nicht lassen kann?? war das eine geheime botschaft? haben wir es hier mit muslim-unterwanderung zu tun? ausgerechnet vom gronbach und dem goy? wo wird das enden? eine moschee auf dem dornacher hügel? und was ist mit diesem herrn geiss? nachdem er mit regina die galerie kurz und klein geschlagen hat, lobt er den egoisten noch für dessen bilder! was ist mit regina: sie besaß 38 jahre lang die rosa karte, besaß auch eine blaue karte - wenn regina jetzt die mutter von gronbach ist, die ihn mit der milch die basis-demokratie eingeflößt hat?? kann das alles wahr sein, liebe leser?"

Wow. Was war denn das für ein Auswurf, TC? Hast Du zwischendurch mal Luft geholt?
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"Machtkampf und Kirche"

Wir haben uns nun doch entschlossen, diese an sich unbedeutende Schrift von 1937 von  Pfarrer Friedrich Benesch wieder zu veröffentlichen. Zeigt sie doch, wie sehr der Autor den Gedankengängen des 3. Reiches verhaftet war und wie flüssig die demagogischen Sprachformen dieser Zeit von ihm benutzt werden und in welch unverschämter und verletzender Tonart er als 30jähriger junger Mann eine polemische Diskussion führt.  Interessant ist auch seine Machtanspruch: er beansprucht Macht für seine Partei, damit diese die notwendige „Volkserneuerung“ durchsetzen kann. Er spricht  vom „Volk“ mit „ewigen Lebensbedürfnissen“, in einer Art und Weise, als ob das Volk nicht aus einzelnen Menschen bestünde.  Andere Ansichten werden als „reaktionär“ einfach abgetan. Der „Naturwissenschaftler“ und  evangelische Theologe Benesch beansprucht für sich „Wahrheit“ und „klare Erkenntnis“, nicht nur in der Politik.  Für Zweifler:  Fritz Benesch ist eindeutig mit Dr. Friedrich Benesch identisch, im Text spricht er von seiner Gemeinde Birk  und wer Benesch in späteren Jahren sprechen gehört hat, findet auch in Methodik, Wortwahl und Satzbau bekanntes.
(Vorbemerkung von Regina Reinsperger)
Hier zum Originaltext..
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SS-Angehöriger Friedrich Benesch?

Nachdem Johannes Mayer vom gleichnamigen Verlag, der zur Zeit den ersten Band der Benesch-Biographie vorbereitet, uns gegenüber hatte verlauten lassen, dass "nach vorliegendem Kenntnisstand eben nicht so ohne weiteres mit abschließender Sicherheit der Schluss zu ziehen (ist), dass ein Beitritt in die SS auch faktisch erfolgt ist", antwortet Regina Reinsperger in einem Aufsatz, warum sie sehr wohl der Ansicht ist, dass Benesch Mitglied der SS gewesen sei. Es wären auch nur formale Gründe gewesen (nämlich seine rumänische Staatsangehörigkeit), die dies erschwert oder verhindert hätten.
Dass Benesch Kreisleiter gewesen ist, Nationalsozialist und Antragsteller bei der SS in Sachen Mitgliedschaft, ist meines Wissens unstrittig. Den traurigen Rest behandelt Regina Reinsperger
in ihrem Artikel..
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Jugendbewegungen

und Friedrich Beneschs Sicht auf sie stellt Regina Reinsperger in einem neuen Artikel vor. Viele der zahlreichen Jugendbewegungen des 20 Jahrhunderts werden umrissen.



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Hirnwurst und schwarz-braune Haselnüsse

Friedrich Beneschs Weihnachtsfest in Birk. Wie genau sah die Realität aus, das Alltagsleben? Das fragt man sich immer, wenn man historische Fakten studiert. Das Problem ist das Studium, das Problem sind wir selbst: Wir neigen dazu, die Historie aus unserem Blickwinkel zu betrachten.
Unser Studienobjekt war der verstorbene Autor und Pfarrer der Christengemeinschaft, Friedrich Benesch. In einem früheren Leben in seinem Leben war er evangelischer Pfarrer und überzeugter Nationalsozialist. Die Mischung von Priesteramt und Waffen-SS-Propaganda wäre an jedem Ort seltsam genug gewesen- in einem kleinen Dorf Deutschstämmiger im damaligen Rumänien gedieh dieses Gewächs ungemein gut und führte zu einem umfassenden und gefährlichen Regime. Ich möchte daher den Blick nicht auf Benesch allein, sondern auf diese seine langjährige Umgebung richten. Nur daraus erklärt sich der erhebliche Einfluss von Benesch auf das Dorf Birk und die Umgebung. Nur so waren die selbst von Bischof Glondys gefürchteten „Schlägertrupps“, die bei Beneschs Anhörungen von Seiten seiner Kirchenoberen auftraten, zu erklären.


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Regina Reinsperger: Friedrich Benesch und sein Dorf Birk

Regina Reinsperger berichtet in ihrem Artikel über das Dorf Birk, in dem Friedrich Benesch bis 1944 als evangelischer Pfarrer und SS-Mann tätig war. Die Stimmung des abgeschotteten deutschstämmigen Grossteils der Bevölkerung, in der die nationalsozialistische Propaganda ihres Pfarrers auf fruchtbaren Boden fiel, wird in den Schilderungen und den Daten deutlich. Frau Reinsperger hat mit diesem Artikel auch die bisher unzugänglichen Jahre 41-44, in denen es keine Informationen über Benesch gab, aufgeklärt oder zumindest Licht hinein gebracht. Die Verbindung auch zu SS- Männern wie dem inzwischen verurteilten Aufseher in Mauthausen, Leprich, wird durch die intensiven Recherchen Frau Reinspergers deutlich.
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Benesch und Leprich, ein KZ-Wächter aus Mauthausen

Im Verlauf der Recherchen zu Friedrich Benesch, dem ehemaligen Priester der Christengemeinschaft, ergeben sich merkwürdie Querverbindungen. Im Fall Leprich, einem gerade 18 Jahre alten KZ- Aufseher, sind die Verbindungen nicht mehr als wahrscheinlich. Dieselbe deutschstämmige Abstammung, dasselbe Dorf, dieselben jüdischen Nachbarn, eine zeitlich versetzte Mitgliedschaft in der Waffen-SS. Dazu die Mitteilungen des Bischofs Glondys, wie die von Benesch so romantisierten Bauern und ihre Kinder in Wahrheit agierten: Als gewaltbereite, unerschrockene Schläger, die unliebsame Versammlungen (wie diszipliarische Maßnahmen der Kirchenleitung gegen Benesch) gern mit Überfällen sprengten, um wohl kalkuliert den Zeitpunkt der Machtüberahme durch die nationalsozialistischen Schergen abzuwarten und bis dahin die Bevölkerug hinter sich zu bringen.
Die jüdischen Bewohner um sie herum müssen von diesen antisemitischen Banden terrorisiert worden sein. Es hat bereits 1939 erste Pogrome durch rumänische Truppen, aber auch durch die Bevölkerung gegeben. Die Opfer sind heute nur in ganz geringem Ausmaß zu erfassen. Es hat sie aber auch im Dorf Birk gegeben, in dem Benesch einen beängstigenden Einfluss gehabt haben muss. Dieser Baustein in den Materialien zu Beneschs nationalsozialistischer Vergangenheit kann also nicht mhr sein als eine Anhäufung von Wahrscheinlichkeiten. Leprich ist gerade, 81-jährig, aus der Haft entlassen worden. Er war sein Leben lang auf der Flucht, pendelnd zwischen illegalem Aufeinhalt in den USA und einem Holzverschlag in seinem Haus in Kanada, wo er sich mit Gemüseanbau beschäftigte. So unterschiedlich der Grad der Schuld sein mag- Benesch war ein überaus willensstarker, ideologisch extrem orientierter NS- Ideologen im provinziellen Umfeld seiner siebenbürgischen Heimat- Leprich dagegen ein junger Mörder in Mauthausen, so ähnlich war der Ursprung Beider.

Unterschiedlich waren auch die Strategien des Verschwindens nach dem Krieg. Der Eine ging als spirituell- christologisches Vorbild in die Unangreifbarkeit einer anderen Existenz, der Andere wand sich heraus, floh und versuchte, unsichtbar zu werden.
Alles, was ich im folgenden schreibe, ist also mit Vorsicht zu geniessen. Vielleicht hat der Redner, Dorfpfarrer und Karrierist Benesch seinen Dörflern im siebenbürgischen Provinznest in Sachen Ideologisierung und Fanatisierung etwas mitgegeben, das gerade die ganz jungen Leute, die offensichtlich stark unter seinem Einfluss standen, in die furchtbaren Untaten mit hinein getrieben hat.

Solange die rumänischen Kriegsakten aus guten Gründen (wegen der eigenen Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung) für Historiker unzugänglich bleiben, werden Fragen offen bleiben.
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"An meiner nationalsozialistischen Weltanschauung hat sich nicht das Geringste geändert"

In einem neuen Artikel von mir zum Fall des bedeutenden Pfarrers der "Christengemeinschaft", Friedrich Benesch, werden eine ganze Reihe von zum Teil bisher kaum bekannten Dokumenten verarbeitet. Dabei werden die Aktivitäten Beneschs als evangelischer Pfarrer von 1936- 1940, sein Eintritt in die Waffen-SS und seine darauf folgenden Karriereabsichten innerhalb der SS in Rumänien beleuchtet. Die aggressive Opposition Beneschs gegen seine eigene Kirchenleitung, seine politischen Umtriebe und die Gefahr, die für provinzielle Landstriche von ihm und seinen auch als Schlägern auftretenden "Bauern" ausging, wird aus diesen Dokumenten ebenso deutlich wie sein scheinbar unumstössliches Credo bezüglich seines "Glaubens" an die nationalsozialistische Ideologie. Benesch war zweifellos kein Mitläufer. In den Dokument erscheint er mir vielmehr als ein gewissenloser Karrierist und Opportunist, der sich in der SS nicht nur mit allen Mitteln persönliche, aber auch von ihm unterstützte politische Ziele versprach.
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Die tanzenden Dörfler aus Siebenbürgen



Eine Selbstbeschreibung Beneschs aus der Zeit unmittelbar nach dem Weltkrieg, die seine Selbststilisierung, seine deutschtümelnden Klischees und eine gewisse Selbstüberschätzung deutlich machen. Gegenüber der „Christengemeinschaft“ und der Öffentlichkeit stellt diese Darstellung seine Strategie der Verschleierung der Tatsachen doch deutlich heraus. Dazu eine sehr persönliche Einleitung von von Frau Dr. med. Reinsperger . Hier wird auch bereits angedeutet, dass weitere Veröffentlichung an dieser Stelle folgen werden.
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Friedrich Benesch und die Christengemeinschaft

In einem privaten Mail- Austausch hat nun Hans-Werner Schroeder, ebenfalls Priester, ehemaliger Oberlenker und Leiter der Freien Hochschule der Christengemeinschaft, aber auch Autor und Biograf Friedrich Beneschs, zu der Frage Stellung genommen, inwiefern die nähere Umgebung Friedrich Beneschs, aber auch die Christengemeinschaft selbst, von dessen nationalsozialistischer Vergangenheit gewusst habe. Diese Vermutung hatte ich nach Lektüre eines biographischen Porträts Hans-Werner Schroeders aus den 80ern angestellt. Sie war - wie Hans-Werner Schroeder feststellt - reine Spekulation.
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