Vergoogelt

Wie das Blog von Google Mail heute berichtet, ändert Google seine Technik in Bezug auf Einblenden von Werbung beim Erhalt von Emails. Auch vorher waren die Werbeeinblendungen „Zielpersonen- orientiert“, da sich der Inhalt der Werbung an dem der Mail orientierte. Viele im Internet verschickte Emails enthielten aber offensichtlich keinerlei für Werbung relevante Informationen. Wir sind eben viel exotischer als Werbeleute glauben.
Jetzt wird diese Funktion erweitert auf schon archivierte Emails: „When you open a message in Gmail, you often see ads related to that email. Let's say you're looking at a confirmation email from a hotel in Chicago. Next to your email, you might see ads about flights to Chicago. But sometimes, there aren't any good ads to match to a particular message. From now on, you'll sometimes see ads matched to another recent email instead.“

Bei diesem Prozedere ist vielen Nutzern unwohl. Denn immerhin werden Inhalte von ihren privaten und geschäftlichen Korrespondenzen dabei analysiert. ,Im Google- Blog wird daher auch eilig versichert, dass da nichts wirklich gelesen wird, sondern „nur“ digital gefiltert: „The process is entirely automated: no humans are involved in selecting ads, and no email or personal information is shared with advertisers.“

So weit, so gut. Ich glaube ohne weiteres, dass da tatsächlich keine Armee von heimlichen Mit-Lesern sitzt, die sich durch Milliarden Emails arbeitet. Das Problem ist ein ganz anderes: Die technische Kommunikation vergoogelt zunehmend. Seit langem verfolgt man die Neigungen Googles zum digitalen Monopol. Ob in Sachen Suchmaschine, Nachrichten, Fotografie, Blogs, Office, Datenspeicherung, Landkarten oder Email: Die Krake wächst, und zwar auf innovationsfreudige Art und Weise. Google wächst eben vor allem deshalb, weil es so gut ist und weil es etablierten analogen Medien das Wasser abgräbt. Nachdem sich Google in einem Geschäftszweig etabliert hat, zieht dann - wie das aktuelle Beispiel von Googlemail zeigt- die Werbemaschine erst richtig los.

Es gibt aber noch ein anderes Problem. Das ist in meinen Augen die Neigung von Google zu Gadgets und Plugins. Manche Anwendungen sind trotz der simplen optischen Anmutung mit Funktionen überfrachtet. Ich will auch gar nicht die All-in-One-Informationsportale wie iGoogle nutzen, die mir Mails, Fotos, News, YouTube- Filme, Börse und Wetterbericht auf einen Blick liefern. Wahrscheinlich überfordert mich das. Mein Gehirn blockiert eher in einem Blitzlicht gleichzeitiger Informationen. Zugleich werden die Funktionen - auch die von Googlemail - den für mich nicht transparenten Filtern von Google gegenüber geöffnet, die vielleicht nur den Werbeeinblendungen dienen sollen, aber womöglich auch zu kapern sind*. Macworld berichtete jedenfalls, dass auch Googlemail- Konten ausländischer Journalisten in China umgelenkt und kopiert worden sind- aller Voraussicht nach von regierungseigenen Hackern: „The hijacked Gmail accounts used by the journalists in Beijing had been set to forward all e-mails to a stranger’s address, the Foreign Correspondents’ Club of China said in an e-mail to members. The group did not name the news organizations hit by the attack or say when the hijacking occurred. “We remind all members that journalists in China have been particular targets of hacker attacks in the last 2 years,” the group’s e-mail said.“
Vielleicht sind es Googles offene Tore, die zur Spionage geradezu einladen.

* Ich bin da etwas vorsichtig, weil gerade selbst meine Kreditkarte gehackt worden ist, mit Abbuchungen von interessanten Vereinen wie der „Katzennothilfe Grossbritannien“.
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