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Die innere schwierige Situation am Anfang der Meditation____________________________________________________
von Athys Floride aus: Stufen der Meditation. Dornach 1987

Die frappierende Erfahrung, die man am Beginn der Meditation macht, sobald man anfängt sich zu konzentrieren, sei es auf ein Wort, einen Satz, ein Mantram, kurz auf einen meditativen Inhalt, ist, dass sofort eine Menge von Gedanken, Worten, inneren Geräuschen auftritt, die sich in unser Bewusstsein stürzt, oder im Gegenteil, es nach allen Seiten auseinander zieht. Um diese als erstes auftretende Schwierigkeit zu charakterisieren, sei ein Bild gewählt.

Eine Wolke von Fliegen oder ein Schmetterlingsschwarm sind ein ziemlich gutes Bild für das, was den Geistesschüler zu umgeben beginnt, wenn er meditiert. Wir wissen, wie die Fliegen in der Luft herumschwirren. Beobachten wir sie genauer: wir sehen, wie sie im Zickzack in alle Richtungen, oft unerwartet einen Weg in der Luft verfolgen, sich irgendwo setzen, dann plötzlich den richtungslosen Flug wieder aufnehmen. Auch die Schmetterlinge bewegen sich ähnlich, etwas langsamer, zurückhaltender. Aber ihr flatternder Flug ist verhältnismäßig unvorhersehbar in jähen Kurven.

Bleiben wir jedoch nicht bei diesen beiden Insektenarten stehen, um das «Umherflattern» der Gedanken am Anfang des Meditierens zu charakterisieren. Die Ameisen bieten uns ein ebenso entsprechendes Bild. Von oben beobachtet, eilen sie in chaotischem Hin-und-Her, kreuzen sich, halten an, mit unbekanntem Ziel rennen sie wieder los, kehren zurück, um sich wie im stummen Gespräch zu berühren. Man hat den Eindruck bei all dieser Aktivität, dass sie «geschäftig» sind. Die Bienen und ihr Schwarm vermitteln denselben Eindruck einer lebenden Wolke. Doch beschränken wir uns nicht auf die Insekten. Gehören nicht ebenso die Katzen dazu, auf den Dächern mit ihrer üblichen Schnelligkeit springend, laufend, miauend, spielend? Und die Hunde, sich krümmend, um ihren Schwanz zu erfassen, zappelig vor ihrem Herrn bellend? Und alle Arten von Vögeln, die Schwalben, schwebend oder über den Boden sausend, ihren Flug wie durch kühne Wendungen umbrechend, die Adler in den blauen Himmelshöhen, die Falken und Sperber, die langsam kreisen, still stehen und plötzlich auf die erspähte Beute zu Boden stürzen, die vibrierende Lerche, die zur Sonne aufsteigt, ihre Triller in die Abendluft jauchzend, dann langsam und still herunterfliegend in die schutzgebende Ackerfurche.

Können wir nicht noch andere, mächtigere Tiere zu dieser Aufzählung dazufügen? Den brüllenden Löwen, abends in der Dämmerung auf Beutesuche; den Tiger im Sprung, zornig und gewalttätig, am Boden dahinsausend, um die Antilope zu reißen; den Elefanten, offensichtlich plump, aber doch geschickt und rasch im Lauf; das Nilpferd mit klaffendem Maul, versteckt im blaugrünen Flusswasser, glatt und schimmernd wie ein Felsen; das Krokodil mit hervorquellenden Augen.

Dann die schnellen Tiere, die springenden Gazellen, Antilopen, in der Herde zusammen oder vor Gefahr fliehend in pfeilschnellern Lauf; Kängurus in komisch federnder Art hüpfend; ja, alle diese Tiere können uns vorbildlichen, was geschieht, wenn uns unsere Gedanken entgleiten, in alle Richtungen verschwinden; sie suchen das Weite, sind zerstreut. Wir können jedoch diesen Vergleich, der zuerst überrascht, ja, schockiert, noch präzisieren, verfeinern. Alle diese geschilderten Wesen sind im Grunde genommen organisiert, um so zu handeln. Sie werden von ihrem Instinkt geführt und in harmonischer Weise in die Naturreiche eingegliedert. Was gibt es weisheitsvolleres als einen Ameisenhaufen, einen Bienenstock? Alles kommt und geht in offenbarer Unordnung, aber das ist nur Schein. Eine große Weisheit regelt ihr Handeln. Kann man dieses denn eigentlich den chaotischen, vor der Aufmerksamkeit des Meditierenden und seiner Macht in alle Richtungen gleitenden Gedanken vergleichen?

Um diese Analogie, die übrigens mehr als eine bloße Analogie ist, zu rechtfertigen, können wir folgendes hinzufügen. Auch unsere Gedanken sind gestaltet, um harmonisch abzulaufen. Sie sind ganz selbstverständlich von einer versteckten Logik, einer großen Weisheit getragen - würde dies nicht so sein, wären wir verrückt. Die Gedanken sind miteinander verbunden, sie verlaufen, ohne sich zu beeinträchtigen, ein Begriff «ruft» den anderen, wie in einem wohlorganisierten Bienenvolk. Es ist das assoziative Denken, der Gedankenstrom, welchen wir gut kennen und den der Ausdruck «seinen Gedanken nachhängen» gut kennzeichnet.

Aber sobald wir mit bewusstem Entschluss in diesen Prozeß eingreifen, sobald wir entscheiden, bestimmen, welche Gedanken wir denken wollen, kurz, wenn wir ins Zentrum unseres Bewusstseins einen mantrischen Inhalt stellen und ihn vertiefen wollen, wenn wir selbst uns entschließen zu bestimmen, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, wenn wir also meditieren, d. h. wenn wir den ohne uns dahinfließenden Gedankenstrom anhalten, um Beherrscher des Prozesses zu werden, dann ist es so, als schlügen wir mitten in einen Ameisenhaufen, einen Bienenschwarm oder ein Wespennest; als würfen wir einen Stein in eine Antilopenherde, stießen einen Schrei gegen die auf dem elektrischen Draht wie aufgereiht sitzenden Schwalben. Die Ameisen hasteten in alle Richtungen, die Bienen würden wild und suchten den Eindringling schlimm zu stechen, die verängstigten Antilopen nähmen in großen Sprüngen Reißaus; die Schwalben flögen in raschelndem Rauschen davon.

Unsere Gedanken sind verkleidete Tiere, die wir zu zähmen lernen müssen. Dass der Löwe ruhig werde und unbeweglich auf der Erde liege; der Tiger sanft, seine Lefzen leckend; die Elefanten gehorsam, die Vögel wohlgeordnet, die Insekten beherrscht, nur den von uns bezeichneten Weg benützend.

Können wir keine Hilfe erhalten, um dies zu erreichen? Welcher innere Weg ist einzuschlagen? Weiche Lösung ist zu suchen?

Wenn wir zu meditieren beginnen, stellen wir unmittelbar fest, dass wir, auf dieser ersten Stufe, wo wir den meditativen Inhalt aufbauen, ihn ins Zentrum unseres Bewusstseins stellen, die Verbindungen mit der Außenwelt, der Welt der Sinneswahrnehmungen, besser, mit den Objekten der uns umgebenden Welt, «auslöschen». Diese erste Erfahrung ist schmerzvoll. Eine subtile Aufmerksamkeit läßt sie uns empfinden. Denn, wollen wir ehrlich mit uns selbst sein, müssen wir erkennen, dass es die äußeren Gegenstände sind, seien es die äußerlich wahrgenommenen Gegenstände oder die Objekte der Sinneswahrnehmungen innerlich vorgestellt, die anfangs unsere Gedanken dirigieren. Diese rasch erreichbare und jedem Menschen zugängliche Selbsterkenntnis bringt uns zu dem Schluss, dass wir, wenn wir von diesen Gegenstände getrennt sind, ohne Anhaltspunkt treiben...