Die spirituellen Impulse Saint-Germains

saint-germain3




Der rosenkreuzerische Impuls Saint-Germains wurde bereits – nicht nur im Sinne einer Mitgliedschaft in einer freimaurerischen Rosenkreuzervereinigung und im Wirken als deren Lehrer - , sondern auch in seinem spirituellen alchemistischen Impuls deutlich. Von vielen Seiten wird bezeugt, in welchem Maße Saint-Germain geistig und wissenschaftlich über jeden Zweifel erhaben war. Besonders seine Kenntnisse in Chemie haben immer wieder Bewunderung hervorgerufen. In seinen alchemistischen Bemühungen arbeitete er an einer Durchgeistung der Natur und gleichzeitig an einem spirituellen Übungsweg.

In welchem Sinne dies gemeint sein kann, schildert
Rudolf Steiner: "Der mittelalterliche Rosenkreuzer nahm selber in seinem Laboratorium diese Prozesse vor, und dann ergab sich der Experimentierende der Betrachtung dieser Bildungen von Salz, der Auflösungen und der Verbrennungen, bei denen er sich stets tief religiösen Empfindungen hingab, und er fühlte den Zusammenhang mit allen Kräften im Makrokosmos. Diese Seelenvorgänge reifen bei ihm hervor: erstens Göttergedanken, zweitens Götterliebe, drittens Götteropferdienst. Und dann entdeckte dieser mittelalterliche Rosenkreuzer, dass, wenn er einen Salzbildungsprozess vornahm, in ihm selber solche reinen, läuternden Gedanken aufstiegen. Bei einem Auflösungsprozess fühlte er sich angeregt zur Liebe, wurde er von der göttlichen Liebe durchdrungen, im Verbrennungsprozess fühlte er sich entfacht zum Opferdienst, dazu gedrängt, sich auf dem Altar der Welt zu opfern. Das war es, was der Experimentierende erlebte. (...) Und die Folge war, dass derjenige, der so etwas durchgemacht hatte, der ein solches Experiment wirklich erlebte, von göttlicher Liebe ganz durchdrungen wurde. Also ein von Reinheit, Liebe und Opferwille durchdrungener Mensch kam dabei heraus, und durch diesen Opferdienst bereiteten die mittelalterlichen Theosophen ein gewisses Hellsehen vor".

Offensichtlich stellten diese spirituellen "Experimente" und Schulungen, wie sie Graf von Saint-Germain auch mit vielen Gästen durchführte - auch am französischen Hof in Anwesenheit des Königs - ein "offenes Geheimnis" dar. Denn die, die von der eigenen Gier befangen waren, konnten zum inneren Kern des Tuns nicht innerlich durchdringen. Sie hofften nur auf die Herstellung künstlicher Diamanten, Perlen oder anderer Pretiosen. Immer wieder wurde kolportiert, der Graf habe das Geheimnis gelüftet, Blei in Gold zu verwandeln. Für andere aber, wie etwa den tiefsinnigen Prinzen Ferdinand von Lobkowitz, der ab 1745 Premierminister der österreichisch-ungarischen Monarchie war, stellten diese Versuche wahrscheinlich Wege zur inneren Reife in dem von Rudolf Steiner geschilderten Sinne dar.

 

Der karmische Hintergrund des Grafen von Saint-Germain


Aus den Umständen des Lebens von Saint-Germain, seinen Äußerungen, seiner unerschöpflichen und umfassenden Wirkenskraft und seiner - in Sinne der Alchemie – spirituellen Lehrerschaft gegenüber Einzelnen, aber auch großen Teilen der damaligen Freimaurer wird deutlich, dass er eine ganz außerordentliche Persönlichkeit gewesen sein muss, ein "Eingeweihter", der in ganz exoterischer Weise wirkte – auch um konkret politische Anstöße zu geben. Rudolf Steiner geht hier aber sehr viel weiter, indem er konkret sagt: "Der Graf von Saint-Germain ist im achtzehnten Jahrhundert die exoterische Wiederverkörperung von
Christian Rosenkreutz gewesen". Rudolf Steiner erklärt und bestätigt dabei auch die Vermutung, verschiedene Doppelgänger müssten dabei – wie wir wissen, in förderlicher wie in gegnerischer Absicht – am Werk gewesen sein, denn anders ließen sich biografische Widersprüche überhaupt nicht aufklären: "Nur wurde dieser Name auch andern Personen beigelegt, so dass nicht alles, was in der äußeren Welt da oder dort über den Grafen von Saint-Germain gesagt wird, auch für den wirklichen Christian Rosenkreutz gelten kann". Übrigens sagt Rudolf Steiner in diesem Zusammenhang auch, 1911, "heute ist Christian Rosenkreutz wiederverkörpert".

Ein weiteres Rätsel ergibt sich, wenn man immer wieder von Auftritten und Erklärungen des Grafen von Saint-Germain hört und liest, die dieser erst nach seinem Ableben getan haben kann. So ist er 1784 und 1785 angeblich unter dem Namen Chef de Bien in Paris bei der Vorbereitung und Durchführung eines Freimaurerkongresses gesehen worden. Eine viel zitierte Äußerung von ihm stammt aus dem Jahr 1790 (in Wien), wobei er gesagt haben soll: "Ich werde gegen Ende des Jahrhunderts aus Europa verschwinden und mich in die Regionen des Himalaja begeben. Ich werde mich ausruhen, ich muss ruhen. Man wird mich in 85 Jahren Tag für Tag sehen"

Man muss sehen, in wie tiefem und ergriffenem Sinne Rudolf Steiner in diesen Tagen von Christian Rosenkreutz spricht, wenn er etwa sagt, dass man sich bewusst werden müsse, dass "der Geist des Christian Rosenkreutz fort und fort besteht. Und je mehr wir uns diesem großen Geist nähern, desto mehr Kraft wird uns zukommen". Er stellt auch vielleicht die angebliche Äußerung des Grafen von Saint-Germain in anderen Zusammenhang, wenn er sagt, dass bei den Rosenkreuzern festgesetzt war, "dass alle Entdeckungen, die sie machten, hundert Jahre lang als Geheimnis bei den Rosenkreuzern bleiben müssten und dass erst dann, nach hundert Jahren, diese Rosenkreuzer- Offenbarungen der Welt gebracht werden dürften. Erst nachdem hundert Jahre darüber gearbeitet worden war, durfte in entsprechender Weise darüber gesprochen werden". Allerdings bestätigt er im Vortrag vom 27. September 1911 auch, dass "in jedem Jahrhundert die rosenkreuzerische Inspiration so gegeben wird, dass niemals der Träger der Inspiration bezeichnet wurde" – aus Gründen, keinen Autoritätsglauben heranzuzüchten, aber auch spirituellen Gegnern keinen Angriffspunkt ihrer "okkulten astralen Attacken" zu bieten.

 

Zum Buch von Peter Krassa

1392375
Bild: Eines dieser unsäglichen New-Age-Anbetungs-Bildchen von Saint-Germain

Dieses Buch stellt einen Wust von Spekulationen und Mutmaßungen dar, wobei Peter Krassa den umgehenden New-Age-Fantasien noch seine eigenen, durch nichts als durch Assoziation und Suggestion begründeten Theorien noch beimengt. Das macht die Mischung nicht bekömmlicher. Seine Bekanntschaft mit Herrn von Däniken, aber auch die spekulative Verkaufsabsicht trugen wohl ihren Teil dazu bei, dass Peter Krassa einerseits die üblen Machenschaften intriganter Kräfte am französischen Hofe aufdeckt, vieles klarstellt, aber andererseits den verrücktesten Äußerungen eine Seite später hinterjagt, weil sie so sensationell klingen. Das ist bedauerlich, denn das Leben des Grafen von Saint-Germain ist sensationell genug. Man muss sich durch das Buch eine Schneise schlagen, aber es bietet auch genügend Material, das neu ist, gut recherchiert erscheint und einen Grundton wiedergibt, der mit diesem großen Mann Saint-Germain kongruent geht.

Peter Krassas Äußerungen muss man manchmal einfach übersetzen, weil er im Sinne treuer Ufologen alle Phänomene platt materialistisch interpretiert. So kommt er zu einer grotesken Vorstellung, der Graf sei ein "Zeitreisender" gewesen. Dennoch bleibt bei der Fülle von geschichtlichen Daten aufgrund der häufigen Identitätswechsel des Grafen selbst bei nachgewiesenen Ereignissen der Zweifel, ob er selbst dabei war oder ob es sich dabei um einen der Doppelgänger gehandelt haben könnte.

welldone
Echte Unterschrift Saint-Germains als "Welldone"