Neue Ausgabe über Rudolf Steiners esoterische Schulung in niederländischer Sprache

Ein Jahr vor ihrem Tod im Jahr 1948 entschied sich Marie Steiner, einige wichtige Texte aus der Esoterische Schule, die Rudolf Steiner 1904-1914 leitete, erst im Rahmen der Theosophischen, später der Anthroposophischen Gesellschaft, zu veröffentlichen. Sie erschienen in drei Teilen in kleinen Publikationen 1947, 1948 und 1951. 1961, hundert Jahre nach der Geburt Rudolf Steiners, fing die Herausgabe der lange vorbereiteten Gesamtausgabe Rudolf Steiners an. Fünf Jahre später erschien als GA 245 „Anweisungen für eine esoterische Schulung. Aus den Inhalten der «Esoterische Schule»“. Dieses 175-seitige Buch erlebte fünf Neuauflagen, die letzte im Jahr 1979.

Inzwischen war viel mehr Material aus dieser esoterischen Schule, aus Nachlässen und so weiter, in die Welt gekommen, und in die Hände der Nachlassverwaltung Rudolf Steiners. So wurde eine völlige Neuausgabe vorbereitet. 1984 erschien „Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 1904 bis 1914“ (GA 264), 1987 gefolgt durch „Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule 1904 bis 1914“ (GA 265). Damit war eine neue Situation geschaffen, mit neuen Fragen: war es wohl erlaubt, solche schwerwiegende und schwerverständliche Inhalte zu veröffentlichen?

Das war um so mehr die Frage, als im Fortsetzung dieser Begebenheiten 1992 die „Esoterische Unterweisungen für die erste Klasse der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum 1924“ veröffentlicht wurden, vier grosse Bände in einer Kassette (GA 270, I-IV). Dies betraf keine abgeschlossene, wie die Esoterische Schule 1904-1914, sondern eine noch bis heute gepflegte Schule. Dieser Ausgabe war in Zusammenarbeit mit der Leitung der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft entstanden.
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Nach dieser wichtigen Ausgabe wurde die Arbeit an der Herausgabe von dem Material der Esoterischen Schule fortgesetzt. Jetzt waren, um das umfangreiche Material besorgen zu können, fünf weitere Bänden geplant. Von 1995 bis 1998 erschienen die esoterische Stunden in drei dicken GA’s: „Aus den Inhalten der esoterischen Stunden“ (GA 266/I, 266/II und 266/III). Für die reinen Meditationsinhalte wurden 1997 und 1999 zwei weitere Bände benötigt: „Seelenübungen Band I“ (GA 267) und „Mantrische Sprüche. Seelenübungen Band II“ (GA 268). Im Ganzen (die sieben Bände GA 264 bis 268, nur GA 265 wurde weggelassen) fast viertausend Seiten.

Als für die Herausgabe der Rudolf Steiner Vertalingen in den Niederlanden den Wunsch entstand, auch ein Buch zu veröffentlichen über „Esoterische scholing“, mit den schwer zu übersetzenden Inhalten aus der esoterische Schule, war die Frage: Welche Inhalte sollte dieses Buch bekommen? Ein Buch mit Spruchgut, auch aus den esoterischen Schule, war schon 1991 erschienen (‘Gedichten, spreuken, meditaties’). Beschlossen wurde, diese Meditiationsinhalte auszuklammern, und sich nur zu konzentrieren auf die überlieferten Dokumente Rudolf Steiners und den erläutertenden esoterischen Stunden. Um aber die Entwicklung sichtbar machen zu können, wurde auch der Briefwechsel mit esoterischen Schüler herbeigezogen. Die Aufgabe für die Redaktion war allerdings, den Rahmen von dreihundert Seiten nicht zu sprengen. Ein solches spezialisiertes Buch hätte in den Niederlanden sonst schwer oder sogar nicht verkauft werden können.

Vor einer Woche ist dieses Buch „Esoterische scholing“ nun erschienen. Es kostet nur € 24,50. Das Interessanteste für die deutschsprachigen Leser könnte der gewählte Inhalt sein. Der Band ist völlig chronologisch geordnet. So ist der Entwicklung am Besten zu folgen. Diese setzt im Februar 1903 an, als Mathilde Scholl Rudolf Steiner eine Frage über esoterische Schulung stellt. Nur der Briefwechsel mit ihr ist aufgenommen, als Beispiel für die private Unterweisung, die Rudolf Steiner im Briefverkehr gab. Es folgen einige schriftlichen Dokumente von Rudolf Steiners Hand, die er im Beginne seiner Esoterischen Schule für seine Schüler geschrieben hat. Der zweite Teil dieses Buch ist reserviert für eine Auswahl aus seinen esoterischen Stunden. Von den hundertfünfzig durch Hella Weisberger und Maria Martina Sam zusammen gestellten esoterischen Stunden, wovon die Hälfte mehrere, von zwei bis sieben, Varianten haben, sind ungefähr zweiundzwanzig aufgenommen (in nur einer Version). Ungefähr, weil nicht immer ein Vortrag auch wirklich im Rahmen der Schule gehalten wurde. Und ausserdem sind auch die Stiftung einer Gesellschaft für theosophische Kunst 1911 und die Grundsteinlegung des Ersten Goetheanums 1913 als Beispiel für Steiners esoterisches Sprechen und Handeln aufgenommen worden. Die Auswahl ist sehr gut gelungen. Sie gibt eine Übersicht über Steiners esoterische Lehrtätigkeit. Die Leser in den Niederlanden können sich jetzt viel leichter in dieser Sache orientieren, als die deutschsprachigen Nachbarn!

Auf der Website des Rudolf Steiner Vertalingen ist schon als PDF-Download (http://www.christofoor.nl/srsv/v559esot.pdf) der ganze Band zu bekommen, nur der Hauptteil mit Texten Rudolf Steiners ist ausgeklammert. Aber man kann an Hand der Inhaltsangabe sehr gut unterscheiden, welche Ausahl getroffen ist. Und wenn Niederländisch lesen kann, hat man auch ein schönes Vorwort und Nachwort, die die ganze Entwicklung 1904-1914 nachzeichnen und auch einen Vergleich mit der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft erlauben.

Michel Gastkemper