von Regina Reinsperger

Werben wir also auch wieder einmal für diese Biographie: heute lag in meiner Post der neue Jahreskatalog 2009 „Die Welt in Worten“ des Johannes Mayer-Verlages Stuttgart. (Nebenbei: das stilisierte Y im Wort Meyer (www.verlag-mayer.de) erinnert an die germanische Weltenesche Ygdrasil oder die Irminsul.) Auf Seite 9 des Kataloges wirbt Mayer ganzseitig mit Zitaten aus einer Rezension des Institutes für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas e.V. an der Ludwig-Maximilian-Universität München. Darin wird die Arbeit Schroeders gelobt:
„Benesch hinterließ keine unmittelbare Erklärung seines frühen nationalsozialistischen Engagements und seiner abrupten Abkehr von diesem. Sein Biograf war somit auf Andeutungen und Schlussfolgerungen des Proträtierten angewiesen. Er löste die heikle Aufgabe…mit der um Lückenlosigkeit bemühten Leidenschaft des Forschens bis ins Detail.“ Und: „Dass Hans-Werner Schroeder neben der charismatischen Benesch Gestalt ohne Scheu deren problematische Seite sichtbar macht, gibt seinem Werk Gediegenheit und Zuverlässigkeit.“
Dass ein Verlag mit solch einer Rezension wirbt, die sich den Anschein „objektiver Wissenschaftlichkeit“ gibt, ist legitim. Der normale Leser ist angetan von einer Rezension eines „Universitäts-Institutes“ und übersieht, dass dieses „Institut“ lediglich mit der Universität zusammenarbeitet, rechtlich ist es ein eingetragener Verein, wie auch z.B. der FC Bayern. Wie kommt es nun zu dieser äußerst positiven Einschätzung dieses Buches, bei dem wir schon sehr viele Ungenauigkeiten und sogar einen eklatanten Fehler (s. Artikel „Beneschs Tabakregie“) entdeckt und hier bei den Egoisten besprochen haben.
Auf der Website dieses Institutes (http://www.ikgs.de/) findet sich unter „Spiegelungen/Vierteljahresblätter“ der Hinweis, dass die von rund 600 Abonnenten bezogene Kulturzeitschrift Spiegelungen/Vierteljahresblätter mit einer Auflage von 750 Exemplaren seit 1952 erscheint und von Hans Bergel, Johann Adam Stupp und Anton Schwob herausgegeben wird. Über Hans Bergel schreibt Klaus Popa in seiner Rezension des Schroeder Buches in der von Johann Böhm herausgegebenen „Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik“ Heft 1/2008, Seite 70 ff.:
„Schwer nachvollziehbar sind die Auswahlkriterien des Verfassers (Anm.: H.W. Schroeder) hinsichtlich mancher Quellenbelege. Dass er Hans Bergel, den er als großen siebenbürgischen Erzähler und Essayist bezeichnet, bei Naturbeschreibungen heranzieht ist verständlich, allerding nicht die Einarbeitung von insgesamt vier „Beiträgen“ aus einer nicht weiter ausgewiesenen Schrift Bergels (Im Literaturabschnitt (S.504 – 507) wird Bergel mit keinem einzigen Titel nachgewiesen.) Alles spricht dafür, dass Bergel Schroeders Benesch-Buch dazu missbraucht, seine inzwischen stark angeschlagene Glaubwürdigkeit aufzupolieren. So verfasste er vier ominöse Passagen (S.24f, 122-125, 143-145, 393), die konsequent nach seinem bekannten Muster der Irreleitung und des geschichtsrevisionistischen Verwirrspiels in Verbindung mit der NS-Umtriebigkeit der Rumäniendeutschen, vor allem der Siebenbürger Sachsen gestrickt sind.“ Später im Text erläutert Klaus Popa noch: „…als sowohl Benesch, wie auch Hans Bergels Vater, Erich Bergel, und Hans Bergels Taufpate Wilhelm Roth nachweislich radikale Nationalsozialisten waren.“
Über die Siebenbürger Sachsen sagte Heinrich Himmler in einer Rede am 6.10.1943 vor den Reichs- und Gauleitern (zwei Tage nach seiner berüchtigten „Geheimrede“ auf der SS-Gruppenführer–Tagung in Posen am 4.10.1943) ebenfalls in Posen : „Es wird Sie weiter interessieren, wenn ich Ihnen sagen kann, dass wir in den Reihen der Waffen-SS 130.000 Volksdeutsche aus den Ländern außerhalb Deutschlands, aus der Slowakei, Serbien, Banat, Kroatien, Rumänien und Siebenbürgen haben. Diese Volksgruppe ist die weitaus hervorragendste. Sie hat einen Menschenbestand von 550.000 und hat bei uns 52.000 Freiwillige, sie hat in der rumänischen Armee außerdem noch 8000 und hat ungefähr 4 bis 5000 Gefallene. Diese Volksgruppe hat durch freiwilligen Einsatz ungefähr 13 bis 14 Prozent ihres Bestandes als Soldaten für Deutschland hergegeben.“ - An dieser Anwerbung für die Waffen-SS haben sich Friedrich Benesch und sein Vorgesetzter Robert Gaßner intensiv beteiligt (siehe Artikel: „Gebietsführer Robert Gaßner“).
Dass die von Himmler als „hervorragendste Volksgruppe“ gelobten Siebenbürger Sachsen mit ihren offiziellen Vertretungen (bis auf wenige Ausnahmen) ihre NS-Verstrickung auch 63 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges nicht ordentlich und sachlich aufgearbeitet haben, ist bekannt. Dass ein Verlag Werbung braucht, ist legitim, dass aber ein Verlag und ein Autor, die „Erneuerung“ auf ihre Fahne geschrieben haben, sich solcher Art verstricken, ist einfach nur traurig.
Quellen:
Hans-Werner Schroeder: „Friedrich Benesch – Leben und Werk 1907 – 1991“, Mayer-Verlag Stuttgart 2007, 510 Seiten, 36,--Euro
Halbjahresschrift für südosteuropäische Literatur und Politik, herausgegeben von Dr. Johann Böhm, AGK-Verlag, Dinklage 2008, 20. Jahrgang, Heft 1, darin: Seite 70 ff., Klaus Popa: „Hans-Werner Schroeders (unter Mitarbeit von Johannes Mayer): Friedrich Benesch. Leben und Werk 1907-1991“
„Heinrich Himmler – Geheimreden 1933 bis 1945 - und andere Ansprachen“ herausgegeben von Bradley F. Smith und Agnes F. Peterson mit einer Einführung von Joachim C. Fest, Propyläen Verlag mit Ullstein Verlag, Frankfurt 1974, Seite 162 ff.
Die Website des Historikers Klaus Popa
Wikipedia-Lexikon: Weltenesche Ygdrasil und Irminsul