
Da es ein privater Briefwechsel ist haben wir die Schreiber anonymisiert und ohne den Inhalt zu verfälschen leicht modifiziert.
Brief 1 - vom 26.4.2007
Lieber Freund,
ich schicke Dir zum Fall Benesch noch einige Internetseiten aus dem Blog Terra Canaillo: „anthro cyber home 8: Kronstadt am Seminar: die karma – waschmaschine“ und „dr.benesch und kamerad fritz“ . Aus dem Blog „egoisten“ lege ich Dir die Kommentare zu „Beneschs Bekenntnisse zum Nationalsozialismus“ bei.
Brief 2 - vom 20.05.2007
Lieber Freund,
ich danke Dir für Deine Zusendung. Da ich, wie du ja weißt, privat für Internet keine Verwendung habe, bin ich Dir sehr dankbar, dass Du mich auf diesem Wege unterrichtet hast. Welchen historischen bzw. menschenkundlichen Wert die meist sehr gefühlsbetonten Ansichten haben, sei dahingestellt, aber ich wundere mich schon, mit welch geringem Hintergrundwissen operiert wird. Die Mindestanforderungen ausgewogener historischer Betrachtung, die selbstverständlich auch noch einige andere Perspektiven zu beachten hat, sind nach meinem Eindruck kaum erfüllt. Ich fand in diesem Zusammenhang ein Wort von Notker Hammerstein, Professor für neuere deutsche Geschichte an der Goethe – Universität in Frankfurt richtungsweisend, das er bezüglich der Debatte über die Zeit des Nationalsozialismus ausgesprochen hat.
„Die Geschichte ist nichts uns fest Gegenüberstehendes, das mathematisch exakt ergründet werden kann. Sie existiert im Betrachter, der sie analysiert und zu erklären sucht. Sie ist ein wichtiger Teil von dessen Gegenwart und muss deshalb –weil jede Generation sie vor dem Hintergrund der eigenen Erfahrung betrachtet – immer wieder neu geschrieben werden. Das macht die historische Analyse nicht wertlos. Doch muss das Urteil nicht nur von Sachkenntnis getragen sein, sondern auch von einer gewissen Weltklugheit und Menschenkenntnis. Im Blick auf die in der Vergangenheit Handelnden nämlich ist davon auszugehen, dass sie, wie wir auch, entsprechend den in ihrer Zeit waltenden Vorstellungen agiert haben, dass sie weder dümmer noch schlechter als wir Heutigen gewesen sind. Sosehr das – in dieser allgemeinen Form – von vielen anerkannt wird, so häufig wird dagegen verstoßen.“
Brief 3 – vom 03.06.07
Lieber Freund,
habe vielen Dank für Deinen lieben Brief, der bei mir aber auch einigen Widerspruch auslöste. Da Du Dich privat nicht mit dem Internet beschäftigst, hast Du sicher noch nicht entdeckt, dass die Internetblogger ganz normale Leute sind, die ihre persönliche Meinung zu einem Thema im neuen Medium kundtun und mit anderen darüber diskutieren.
Es ist schon bemerkenswert, dass sie sich überhaupt noch für die NS – Zeit interessieren, als „Hintergrundwissen“ über diese Zeit haben sie ihr Schulwissen und das, was ihnen die Medien vermittelt haben. Michael Eggert hat einige Benesch – Seiten von Klaus Popa deswegen auf Richtigkeit gegenlesen lassen und der hat nur unwesentliche unrichtige Kleinigkeiten gefunden. Die anderen Benesch – Berichte sind natürlich subjektiv und emotional geschrieben, aber auch solche Berichte werden heute von Historikern als „Zeitzeugen“ geschätzt, siehe zum Beispiel Guido Knopp mit seiner ZDF –Serie oder der Zeitgut – Verlag, der nur von solchen Berichten lebt.
Dein „richtungsweisendes“ Hammerstein – Zitat ist keineswegs so allgemeingültig oder zeitlos, wie es auf den ersten Blick erscheint. Um es ganz korrekt einordnen zu können, fehlt der Kontext: Ort und ganz besonders das Jahr der Debatte, oder die genaue Quellenangabe des Zitates.
Brief 1 - vom 26.4.2007
Lieber Freund,
ich schicke Dir zum Fall Benesch noch einige Internetseiten aus dem Blog Terra Canaillo: „anthro cyber home 8: Kronstadt am Seminar: die karma – waschmaschine“ und „dr.benesch und kamerad fritz“ . Aus dem Blog „egoisten“ lege ich Dir die Kommentare zu „Beneschs Bekenntnisse zum Nationalsozialismus“ bei.
Brief 2 - vom 20.05.2007
Lieber Freund,
ich danke Dir für Deine Zusendung. Da ich, wie du ja weißt, privat für Internet keine Verwendung habe, bin ich Dir sehr dankbar, dass Du mich auf diesem Wege unterrichtet hast. Welchen historischen bzw. menschenkundlichen Wert die meist sehr gefühlsbetonten Ansichten haben, sei dahingestellt, aber ich wundere mich schon, mit welch geringem Hintergrundwissen operiert wird. Die Mindestanforderungen ausgewogener historischer Betrachtung, die selbstverständlich auch noch einige andere Perspektiven zu beachten hat, sind nach meinem Eindruck kaum erfüllt. Ich fand in diesem Zusammenhang ein Wort von Notker Hammerstein, Professor für neuere deutsche Geschichte an der Goethe – Universität in Frankfurt richtungsweisend, das er bezüglich der Debatte über die Zeit des Nationalsozialismus ausgesprochen hat.
„Die Geschichte ist nichts uns fest Gegenüberstehendes, das mathematisch exakt ergründet werden kann. Sie existiert im Betrachter, der sie analysiert und zu erklären sucht. Sie ist ein wichtiger Teil von dessen Gegenwart und muss deshalb –weil jede Generation sie vor dem Hintergrund der eigenen Erfahrung betrachtet – immer wieder neu geschrieben werden. Das macht die historische Analyse nicht wertlos. Doch muss das Urteil nicht nur von Sachkenntnis getragen sein, sondern auch von einer gewissen Weltklugheit und Menschenkenntnis. Im Blick auf die in der Vergangenheit Handelnden nämlich ist davon auszugehen, dass sie, wie wir auch, entsprechend den in ihrer Zeit waltenden Vorstellungen agiert haben, dass sie weder dümmer noch schlechter als wir Heutigen gewesen sind. Sosehr das – in dieser allgemeinen Form – von vielen anerkannt wird, so häufig wird dagegen verstoßen.“
Brief 3 – vom 03.06.07
Lieber Freund,
habe vielen Dank für Deinen lieben Brief, der bei mir aber auch einigen Widerspruch auslöste. Da Du Dich privat nicht mit dem Internet beschäftigst, hast Du sicher noch nicht entdeckt, dass die Internetblogger ganz normale Leute sind, die ihre persönliche Meinung zu einem Thema im neuen Medium kundtun und mit anderen darüber diskutieren.
Es ist schon bemerkenswert, dass sie sich überhaupt noch für die NS – Zeit interessieren, als „Hintergrundwissen“ über diese Zeit haben sie ihr Schulwissen und das, was ihnen die Medien vermittelt haben. Michael Eggert hat einige Benesch – Seiten von Klaus Popa deswegen auf Richtigkeit gegenlesen lassen und der hat nur unwesentliche unrichtige Kleinigkeiten gefunden. Die anderen Benesch – Berichte sind natürlich subjektiv und emotional geschrieben, aber auch solche Berichte werden heute von Historikern als „Zeitzeugen“ geschätzt, siehe zum Beispiel Guido Knopp mit seiner ZDF –Serie oder der Zeitgut – Verlag, der nur von solchen Berichten lebt.
Dein „richtungsweisendes“ Hammerstein – Zitat ist keineswegs so allgemeingültig oder zeitlos, wie es auf den ersten Blick erscheint. Um es ganz korrekt einordnen zu können, fehlt der Kontext: Ort und ganz besonders das Jahr der Debatte, oder die genaue Quellenangabe des Zitates.
Dein „richtungsweisendes“ Hammerstein – Zitat ist keineswegs so allgemeingültig oder zeitlos, wie es auf den ersten Blick erscheint. Um es ganz korrekt einordnen zu können, fehlt der Kontext: Ort und ganz besonders das Jahr der Debatte, oder die genaue Quellenangabe des Zitates. Der Satz: „....dass sie, wie wir auch, entsprechend den in ihrer Zeit waltenden Vorstellungen agiert haben...“beruht auf der „voluntaristischen Handlungstheorie“, deren Hauptvertreter der Soziologe Talcot Parsons (1902 – 1979) war. Diese Theorie besagte, dass das Individuum nur das Ergebnis von Vererbung, Erziehung und gesellschaftlicher Umwelt ist, ein Handlungsmodell, das in den 60 er und 70 er Jahren propagiert wurde, inzwischen aber auch von konservativen Soziologen, Pädagogen und Philosophen verlassen wurde. Hammerstein wird von einem Fachkollegen (mehr habe ich auf die Schnelle nicht gefunden) vorgeworfen, in seinem Buch über „Die Deutsche Forschungsgemeinschaft im 3. Reich“ bewährte analytische Grundsätze der Wissenschaftsgeschichte aufgegeben zu haben und „fragwürdige Werturteile transportiert zu haben“ um eine „retrospektive Ehrenrettung“ vorzunehmen.
(http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/REZENSIO/buecher/2000 - Haar über Hammerstein)
Friedrich Benesch stammt aus konservativem, deutsch – österreichisch – nationalem Elternhaus und einer ebensolchen Gesellschaft und begann sehr jung, mit 18 Jahren, sein Studium. Auch das Studentenwohnheim für die Auslandsdeutschen, die Marburger Burse war durch den Leiter, das Freicorps – Mitglied Mannhardt, erzkonservativ – deutschnational, sodass Benesch immer in den gleichen Kreisen verkehrte.
Benesch studierte aber, so gibt er es selbst immer wieder an und das war seine ureigene Entscheidung, im Rahmen seines Biologie- und Vorgeschichts- Studiums Rassenkunde und mit diesem damaligen „Modefach“ hatte die Deutschnationale Weltanschauung nichts zu tun, wohl aber die der Nationalsozialisten, zu der sich Professor Hahne, Beneschs Mentor und Schwiegervater, seit den 20 er Jahren als Parteimitglied bekannte. Ich kenne die Jahrgänge 1934 –1939 der „Zeitschrift für Rassenkunde und die gesamte Forschung am Menschen“ Herausgeber Professor Egon Freiherr von Eickstedt, Breslau, Enke Verlag Stuttgart, und in diesen Jahrgängen finden sich genügend Artikel , die die menschenverachtenden Forschungen und die für die Betroffenen tödlichen Folgen beschreiben. Aufgrund dieser in Folge der „Nürnberger Rassegesetze“ ermordeten Behinderten, Sinti und Roma, Juden, der Regimegegner, aber auch der Toten durch Kriegseinwirkungen, der Vertriebenen und was sonst noch an Grausamkeiten geschah, kann die Diskussion um die nationalsozialistische Weltanschauung nicht im theoretisch – weltanschaulichen Bereich geführt werden (das Strafgesetzbuch kennt auch die „Anstiftung zum Mord“). Insofern führt sich Dein Hammerstein – Zitat ad absurdum, da „Mord an Minderheiten“ nie zum gesellschaftlichen Konsens gehörte.
Ein evangelischer Theologe schrieb mir im November 2006 in einem Brief:
„Benesch war offensichtlich einer der vielen, die sich verführen ließen und hinterher nicht die Ehrlichkeit besaßen, sich dazu zu verhalten. Der Fall Günther Grass ist uns ja dieser Tage noch vor Augen, wenn auch im Umfange nicht vergleichbar. – Aber für einen Pfarrer und geistlichen Lehrer ist es nicht hinnehmbar und nimmt dem Lebenswerk nicht nur die Glaubwürdigkeit, sondern greift auch die Seele seiner Schüler an, die ihm vertrauten.“
Mir scheint, dieses Urteil eines Pfarrers der evangelischen Kirche beruht auf „Sachkenntnis“ im Umgang mit NS belasteten Pfarrern und deren Schriften und auf einer gewissen „Weltklugheit“ und „Menschenkenntnis“.
Brief 4 vom 05. 06. 2007-
Lieber Freund,
....diese Ausführungen in Deinem letzten Brief, erwecken bei mir nicht den geringsten Widerspruch einschließlich der im Kern zutreffenden Äußerungen Deines evangelischen Pfarrers.........
(http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/REZENSIO/buecher/2000 - Haar über Hammerstein)
Friedrich Benesch stammt aus konservativem, deutsch – österreichisch – nationalem Elternhaus und einer ebensolchen Gesellschaft und begann sehr jung, mit 18 Jahren, sein Studium. Auch das Studentenwohnheim für die Auslandsdeutschen, die Marburger Burse war durch den Leiter, das Freicorps – Mitglied Mannhardt, erzkonservativ – deutschnational, sodass Benesch immer in den gleichen Kreisen verkehrte.
Benesch studierte aber, so gibt er es selbst immer wieder an und das war seine ureigene Entscheidung, im Rahmen seines Biologie- und Vorgeschichts- Studiums Rassenkunde und mit diesem damaligen „Modefach“ hatte die Deutschnationale Weltanschauung nichts zu tun, wohl aber die der Nationalsozialisten, zu der sich Professor Hahne, Beneschs Mentor und Schwiegervater, seit den 20 er Jahren als Parteimitglied bekannte. Ich kenne die Jahrgänge 1934 –1939 der „Zeitschrift für Rassenkunde und die gesamte Forschung am Menschen“ Herausgeber Professor Egon Freiherr von Eickstedt, Breslau, Enke Verlag Stuttgart, und in diesen Jahrgängen finden sich genügend Artikel , die die menschenverachtenden Forschungen und die für die Betroffenen tödlichen Folgen beschreiben. Aufgrund dieser in Folge der „Nürnberger Rassegesetze“ ermordeten Behinderten, Sinti und Roma, Juden, der Regimegegner, aber auch der Toten durch Kriegseinwirkungen, der Vertriebenen und was sonst noch an Grausamkeiten geschah, kann die Diskussion um die nationalsozialistische Weltanschauung nicht im theoretisch – weltanschaulichen Bereich geführt werden (das Strafgesetzbuch kennt auch die „Anstiftung zum Mord“). Insofern führt sich Dein Hammerstein – Zitat ad absurdum, da „Mord an Minderheiten“ nie zum gesellschaftlichen Konsens gehörte.
Ein evangelischer Theologe schrieb mir im November 2006 in einem Brief:
„Benesch war offensichtlich einer der vielen, die sich verführen ließen und hinterher nicht die Ehrlichkeit besaßen, sich dazu zu verhalten. Der Fall Günther Grass ist uns ja dieser Tage noch vor Augen, wenn auch im Umfange nicht vergleichbar. – Aber für einen Pfarrer und geistlichen Lehrer ist es nicht hinnehmbar und nimmt dem Lebenswerk nicht nur die Glaubwürdigkeit, sondern greift auch die Seele seiner Schüler an, die ihm vertrauten.“
Mir scheint, dieses Urteil eines Pfarrers der evangelischen Kirche beruht auf „Sachkenntnis“ im Umgang mit NS belasteten Pfarrern und deren Schriften und auf einer gewissen „Weltklugheit“ und „Menschenkenntnis“.
Brief 4 vom 05. 06. 2007-
Lieber Freund,
....diese Ausführungen in Deinem letzten Brief, erwecken bei mir nicht den geringsten Widerspruch einschließlich der im Kern zutreffenden Äußerungen Deines evangelischen Pfarrers.........