Vogel-Strauß-Politik
Dr. Regina Reinsperger


Es ist doch immer wieder interessant nachzusehen, warum Hans-Werner Schroeder in seiner Benesch-Biographie Dokumente verschweigt. In diesem Fall fehlen im Werkverzeichnis von Friedrich Benesch zwei kleine Bücher:
Friedrich Benesch: „Das Religiöse der Anthroposophie“ (Verlag Die Pforte, Basel 1985) und
Friedrich Benesch: „Ideen zur Kultusfrage“ Band 2 (Verlag die Pforte, Basel 1986)

Hans-Jürgen Bracker, dem ein Vorabdruck der Benesch-Biographie zur Verfügung stand, hat nicht nur die Rezension des Buches für info 3 geschrieben, sondern auch Korrektur gelesen und den Verlag auf das Fehlen der o.a. Bücher in der Bibliographie aufmerksam gemacht. Während seine sonstigen Korrektur-Vorschläge in das Buch eingearbeitet wurden, unterblieb die Aufnahme der beiden Benesch-Bücher in die Bibliographie. Warum wohl?

Im erstgenannten Band gibt es ein kleines Kapitel: „Kurzer Lebenslauf und Bibliographie des Autors“. Dort nennt 1985, so vermute ich, Friedrich Benesch selbst seine Diplomarbeit, den Titel seiner Dissertation und seine kleine nationalsozialistische Streit – Schrift „ Machtkampf und Kirche (Kronstadt/Siebenbürgen 1938)“ – 1937 wäre richtig gewesen.

In seinem Lebenslauf von 1985 wird aus dem Studium 1925 -1931 mit den Fächern: „Vorgeschichte, Rassenkunde, Naturwissenschaften und Theologie“ (siehe Artikel: “Selbstbekenntnis“), wie er es im Lebenslauf der Dissertation angibt, dann das „1. Universitätsstudium: Theologie, Philosophie, Naturwissenschaft in Marburg/Lahn, Halle/Saale, Klausenburg/Siebenbürgen.“ In seinem 2. Universitätsstudium von 1932 bis April 1934 befasst er sich dann mit Theologie und Pädagogik und Geschichte, die letzten beiden Fächer erwähnt er in den 30er oder 40er Jahren nirgends.
1938 – 1941 studiert Benesch dann, so schreibt er 1985, „Archäologie, Anthropologie, und Medizin„ in Halle/Saale, das klingt natürlich besser als „Vorgeschichte, Rassenkunde und Volkskunde“ wie er seine Fächer am 6.9.1940 bei der Vorsprache bei der SS in Halle benennt.

Fazit: 1985 hat Friedrich Benesch selbst in seiner Bibliographie seine nationalsozialistische Streitschrift angegeben. Nur hat es keinen seiner Kollegen, und auch nicht Herrn Schroeder, interessiert, was Benesch da in den 30er und 40er Jahren verfasst hat. Oder doch?