Lebenslauf von
Friedrich Benesch
von Dr. Regina
Reinsperger
Geboren am 6. Juli 1907 im Elternhaus in
Sächsisch-Regen (Siebenbürgen/Rumänien). Gestorben am
16. Juni 1991 in Stuttgart.
Vater: Georg Benesch, geboren 1881, jüngster Sohn einer
einfachen, armen, bäuerlichen Familie mit kleinem
Anwesen bei Bistritz. Er wurde Gymnasiallehrer am
Deutschen Gymnasium und stellvertretender Bürgermeister
in Sächsisch-Regen.
Mutter: älteste Tochter von Friedrich Wagner, einem
angesehenen, wohlhabenden Guts- , Wald- und
Hausbesitzer in Sächsisch Regen, 13 Geschwister
Heirat der Eltern: 1906, - Kinder: Johann Friedrich,
geb. 6. Juli 1907, Gerhard-Georg 1910, Marie-Luise 1911
(später verheiratet mit dem Pfarrer Wilhelm Roth,
Obereidisch) Gertrud Hermine 1916, Erich Arthur Benesch
1919 geboren.
1913 1.Klasse der Volksschule, F.B. konnte bereits
lesen und schreiben (in Siebenbürgen begann das
Schuljahr im Herbst)
28. Juli 1914: Österreich-Ungarn, zu dem Siebenbürgen
gehörte, erklärt Serbien den Krieg: Beginn des 1.
Weltkrieges
1916/17 1. Klasse Gymnasium in Sächsisch-Regen. Das
Gymnasium hatte nur die ersten vier Klassen und bot
1920 einen anschließenden 2-jährigen Sonderkurs an.
Damit F.B. noch zwei Jahre zu Hause bleiben konnte,
lernte er in den Sommerferien den Stoff der 4. Klasse
und bestand im Herbst die Prüfung.
1918 im November : Ende des 1. Weltkrieges -- 10.
September 1919 : durch den Vertrag von Saint-Germain
wurde Österreich auf das heute bestehende
deutschsprachige Kernland reduziert. Siebenbürgen kam
zu Ungarn. –- 4. Juni 1920: die Alliierten schlossen in
Versailles den Friedensvertrag mit Ungarn: Ungarn
musste Siebenbürgen an Rumänien abtreten. In
Siebenbürgen wird Rumänisch offizielle Staatssprache,
statt bisher Deutsch.
1922 -1924 die letzten beiden Gymnasialklassen am
Gymnasium in Bistritz, F.B. wohnt bei einer Schwester
seines Vaters
1924 Abitur – Rumänisch war seit 1920 neben Deutsch
Unterrichtssprache
1924 – 1925 „Tätigkeit als Landwirt“ auf dem
großelterlichen Hof.
1925 – 1926 Drei Semester Studium in Marburg/ Lahn.
F.B. wohnt im Wohnheim für Auslandsdeutsche, der von
Prof. Johann Wilhelm Mannhardt geleiteten Deutschen
Burse, dem „Haus am Rotenberg“. F.B. wird Mitglied der
schlagenden Studentenverbindung „Germania“, diese war
politisch „völkisch, antisemitisch , antislawisch und
frauenfeindlich (gegen Frauenstudium etc.)
ausgerichtet. - Studienfächer Beneschs: Biologie
(Zoologie und Botanik) für das Lehramt an Gymnasien und
evangelische Theologie als Nebenfach (war in
Siebenbürgen durch den Schulträger, die Evangelische
Kirche, vorgeschrieben.) Erste Begegnung mit der
Anthroposophie durch den evangelischen Pfarrvikar
Gottfried Schmidt? (Siehe den Artikel „Marburg“ bei den
egoisten) Friedrich Benesch lernt Professor Hans Hahne,
Prähistoriker aus Halle, kennen, der mit Professor
Mannhardt befreundet ist und für eine Vorlesung im
Rahmen der „Marburger Sommerkurse“ mit Familie nach
Marburg kommt. Hahne kannte ebenfalls die
Anthroposophie und hat vermutlich 1919 mindestens einen
von Rudolf Steiner selbst gehaltenen Vortrag gehört, er
kannte die grundlegenden anthroposophischen Schriften:
„Geheimwissenschaft“, „Theosophie“, „Christentum als
mystische Tatsache“, „Die Mystik im Aufgange des
neuzeitlichen Geistesleben“ und die Oberuferer
Weihnachtsspiele, aufgeführt durch die Truppe von
Gottfried Haas-Berkow, die auf Anregung von Rudolf
Steiner durch die Lande zog (nach Ziehe).
1926 – 1927 Wintersemester und Sommersemester Studium
in Halle an der Saale. Fächer wie oben und zusätzlich:
Vorgeschichte, Volkskunde und Rassenkunde bei Professor
Hans Hahne (1875 – 1935). Mitglied im Jugendkreis Prof.
Hahnes , der die von Hahne selbst verfassten
„Jahreslaufspiele“ etc. meist im Hof des
Prähistorischen Museums aufführt (Museumsspiele).
Professor Hahne ist seit den 20er Jahren Mitglied der
NSDAP und der SA und wurde 1933 der erste NS-Rektor der
Universität Halle. Er war Mitarbeiter des Rasse- und
Siedlungs-Hauptamtes und ab 1934 im Reichsbauernthing
von Reichsbauernführer Darre´( Darre´: „Neuadel aus
Blut und Boden“, 1929). Professor Hahne kannte auch
Heinrich Himmler persönlich. Hahne verstirbt am 2.
Februar 1935 an den Folgen eines Schlaganfalles. -
Benesch wird Mitglied im „Bund der Artamanen“, der als
einziger Jugendbund bis 1934 korporativ in die
Hitlerjugend übernommen wurde ( er bildete später den
Kern des Landdienstes der HJ.) Benesch lernt seine
spätere Frau, eine Tochter von Professor Hahne, kennen:
Sunhilt Sandraudiga Hahne (geb. 1909).
1927 – 1931 Studium in Klausenburg
(Siebenbürgen/Rumänien) mit dem Ziel: Gymnasiallehrer
der Naturwissenschaften. Studiums-Schwerpunkt im ersten
Jahr: Grundlagen der Physik, Chemie, Geologie und
Mineralogie, im zweiten Jahr : Grundlagen der Botanik
und Zoologie und im dritten Jahr: Botanik und Zoologie
für Fortgeschrittene. Im vierten Jahr folgten die
Grundlagen der Physiologie, Anthropologie und der
allgemeinen Biologie. Ab dem 3. Jahr arbeitete F.B. als
vertretender Präparator des Zoologischen Institutes, er
durfte etwa 140-200 Studenten in Seminaren in Biologie,
Mikroskopie, Präparation und Theorie unterrichten und
übersetzte wissenschaftliche Arbeiten seines Direktors
vom Rumänischen ins Deutsche. Studienabschluss 1931 mit
der „Referendarprüfung“ (entspricht dem 1.
Staatsexamen) für das Lehramt an Gymnasien und einer
Biologie-Diplomarbeit über die „Speicherfunktion der
Blutegel“ . Am 1.3.1931 Kündigung der Stelle wegen
einer Infektionskrankheit: Lungen-Tuberkulose (dadurch
war er eventuell für den Schuldienst nicht mehr
geeignet, zu dieser Zeit gab es noch keine wirksamen
TB-Antibiotika, man wartete den natürlichen Verlauf der
Erkrankung ab.) Aufenthalt und Rekonvaleszenz in den
Karpaten (laut Selbstauskunft dort ein
„Christuserlebnis“).
1928 Mitglied der von Fritz Fabritius inaugurierten
nationalsozialistischen Erneuerungsbewegung ( 1932-33
„Nationalsozialistischen Selbsthilfebewegung der
Deutschen in Rumänien NSDR, nach dem Verbot vom
29.11.1933 neugegründet am 21.4.1934 als „Nationale
Erneuerungsbewegung der Deutschen in Rumänien“ NEDR ,
und wieder verboten am 4.7.1934. (Siehe den Beitrag
„
Der
Nationalsozialismus in Siebenbürgen“ bei den
„egoisten“)
1929/1930 Weltwirtschaftskrise: Oktober 1929
Börsenkrach in New York
1931 – 1932 F.B. ist politisch tätig als
Kreisjugendführer der Erneuerungsbewegung in
Sächsisch-Regen (lt. Selbstauskunft: „1931-1932
Landwirtschaftliche Leitung eines
Bauerngutes“—„Arbeitslager“?)
1933, 30. Januar: Hindenburg beruft Adolf Hitler zum
Reichskanzler, Machtergreifung nach den
Reichstagswahlen am 5. März durch das
Ermächtigungsgesetz am 24. März 1933: Ende der
parlamentarischen Demokratie in Deutschland
1932 -1934 erneut Studium in Marburg/Lahn: evangelische
Theologie als Hauptfach.
1933/34 Zwei längere grundsätzliche Aufsätze aus
nationalsozialistischer Überzeugung im „Rundbrief der
„Deutschen Burse“: „Der Nationalsozialismus in
Siebenbürgen“ (Schroeder, Seite 447ff. , „egoisten“
Artikel
s.o.)
und „Die religiöse Lage in Deutschland“
(Schroeder, Seite 453ff. und „egoisten“ – Artikel:
„
Das
nationalsozialistische „Deutsche Christentum“)
Professor Mannhardt, der Leiter der Marburger Burse,
ließ sich während seiner Auslandsreisen in der Burse
von jungen Dozenten vertreten, die wöchentliche
Vorlesungen in der Burse hielten. Die organisatorische
Geschäftsführung gab er zur Vertretung an ältere
Studenten ab: während seiner ersten Weltreise 1927/28
wurde er durch den Philologen Karl Kurt Klein
vertreten, während seinen zweiten Weltreise 1933/34
durch Friedrich Benesch
20. 4. 1934 Theologische Prüfung (2. Staatsexamen) vor
dem Konsistorium in Hermannstadt
(Siebenbürgen/Rumänien) mit allgemeiner Auszeichnung
bestanden: Kandidat für das evangelische Pfarramt (1.
Staatsexamen ( Licenciat ) am 10.7.1931).
2. August 1934 in Halle an der Saale Heirat mit Sunhilt
Hahne, Tochter von Professor Hans Hahne
5. 9. 1934 in Hermannstadt ordiniert,
trotz großer Bedenken von
Bischof Glondys aufgrund der
nationalsozialistischen Überzeugung Beneschs
11. September 1934: Einzug als Dorfpfarrer ins
Pfarrhaus in
Birk (rumänisch: Petelea) bei
Sächsisch Regen. Zum Pfarrhof gehört eine
Landwirtschaft: 16 Joch Kirchengrund (entspricht
ca. 7 Hektar Land, also ein kleiner Hof für den
Eigenbedarf gedacht), 3 Pferde, 4 Kühe, 2-3
Schweine, 80 Stück Geflügel und der nötige
Maschinen- und Fuhrpark.
Benesch bewirtschaftet den Hof
selbst mit Hilfe von zwei Knechten und einer
Magd. (Er kann jetzt die Ideen der Artamanen
praktisch umsetzen, auch durch Arbeitseinsatz der
Dorfjugend zu Arbeiten, u.a. auf Gemeindegrund.)
1935, Juni: Professor Mannhardt fällt beim
Stellvertreter des Führers, Rudolf Hess, in Ungnade,
verliert seine leitende Funktion im Volksbund für das
Deutschtum im Ausland (VDA) und seine Professur an der
Universität Marburg und muss auch die Leitung der Burse
abgeben. Er schlägt eine Professur an der Universität
in Breslau aus und arbeitet in der Folge für die
Wehrmacht als Sachverständiger für Volkstumsfragen im
Reichskriegsministerium in Berlin.
1935, Juli : Geburt des 1. Kindes: Tochter –- 14.7.1935
Gründung als Nachfolgeorganisation der verbotenen NEDR
– der „radikalnazistischen“ DVR unter der Führung von
Alfred Bonfert; Benesch wird Mitglied.
1936, Januar: Disziplinaruntersuchung durch Bischof
Glondys eingeleitet wegen Beneschs
nationalsozialistischen Engagements. Das Verfahren zur
Amtsenthebung zieht sich über eine vorläufige
Suspendierung bis zum 3-jährigen Amtsverlust bis Ende
1937 hin. Benesch wird Leiter der
Pfarrer-Arbeitsgemeinschaft innerhalb der
„Kampfgemeinschaft der enthobenen Angestellten der
evangelischen Kirche“ und organisiert eine
„Ordenswoche“ in Groß-Schenk, an der außer ihm noch
weitere 15 Pfarrer oder Pfarramtskandidaten teilnahmen
(die sog. 16 Apostel). Die Teilnehmer bekennen sich zur
„neuen Kirche“ im Sinne der nationalsozialistischen
Weltanschauung (siehe Artikel: „Das
nationalsozialistische Christentum“ von E. Reck-Kühn
und „Nationalsozialismus und Gewissenlosigkeit“ bei den
„egoisten“)
1936, September: Geburt des 2. Kindes: 1. Sohn
1937 Friedrich Benesch hält vor ca. 4000 Jugendlichen
beim „Tag der Deutschen Jugend“ in
Heldsdorf/Siebenbürgen die Eröffnungs-Ansprache.
1937 erscheint Beneschs nationalsozialistische
Kampfschrift: „Machtkampf und Kirche. Eine Antwort an
Dr. Konrad Möckel“ (siehe
Veröffentlichung bei
den „egoisten“)
1938 : ab Januar wohnt F.B. bei seiner Schwiegermutter
in Halle /Saale. Die Familie hat er in Sächsisch-Regen
zurückgelassen. Professor Walter Schulz, ein Schüler
und enger Mitarbeiter von Professor Hans Hahne, wurde
als dessen Nachfolger zum Direktor der Landesanstalt
für Vorgeschichte ernannt. Er verschafft Benesch eine
Stelle als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter in der
Landesanstalt und damit ein bescheidenes Einkommen für
sich und seine Familie. Benesch studiert Vorgeschichte,
Volkskunde und Rassenkunde (damals eine beliebte
Kombination für 150% überzeugte Karrieristen)
1938, April: Geburt des 3. Kindes: 2. Sohn
1938, 11. Juli : Brief Beneschs an das „Ahnenerbe“ in
Berlin (mit handschriftlichem Lebenslauf) mit der Bitte
um ein Stipendium, am 1.11.1938 Bittbrief der
Schwiegermutter Magdalena Hahne an Heinrich Himmler.
Trotzdem abschlägiger Bescheid im März 1939.
1938, 11. März : Anschluss Österreichs an das Deutsche
Reich; 29. September: Münchner Konferenz mit Hitler,
Mussolini, Chamberlain, Daladier: Hitler erhält das
Sudetenland. Oktober: 1.Wiener Schiedsspruch, Ungarn
erhält slowakisches Gebiet. 9 . November 1938: die
sogenannte „Reichskristallnacht“, ein durch SA und SS
organisiertes Pogrom. Die Synagogen wurden im gesamten
Deutschen Reich angezündet und jüdische Geschäfte und
Wohnungen zerstört, es starben etwa 400 Menschen, und
ab dem 10. November wurden ca. 30 000 jüdische Bürger
verhaftet und in die KZ eingeliefert. (Benesch ist zu
dieser Zeit in Halle/Saale.)
1939 , Juli: Benesch erklärt im Protokoll vom 6.9.1940
(Az.: SS Abschnitt XVIII (=Halle/Saale)
VI/Az.18a/6.9.40) dass er im Juli 1939 der SS
beigetreten ist. Bei der SS wird er zunächst als
„Bewerber“ geführt, da das Aufnahmeverfahren in die
„Allgemeine SS“ etwa ein Jahr dauerte, den Nachweis
arischer Abstammung des Antragstellers und seiner Frau
erforderte, eine körperliche Untersuchung zwecks
„rassischer Begutachtung“ und eine theoretische und
praktische Schulung beinhaltete.
1939, 1. September: Beginn des 2. Weltkrieges mit dem
deutschen Überfall auf Polen.
1940, Juli : „Doktorexamen“ (Rigorosum) bis zur
Veröffentlichung durch Drucklegung der Arbeit dauerte
es noch 1 Jahr bis zum 8. Juli 1941 : Friedrich Benesch
wird Dr. phil. - Dissertation: „Die Festung Hutberg –
eine jungnordische Mischsiedlung bei Wallendorf, Kreis
Merseburg“ erschienen in den „Veröffentlichungen des
Landesanstalt für Volkheitskunde zu Halle, 1941 .
30. August 1940: 2. Wiener Schiedsspruch:
Nord-Siebenbürgen kommt zu Ungarn, dadurch wird
Friedrich Benesch Ungarischer Staatsbürger.
September 1940: Geburt des 4. Kindes: 3. Sohn
6. September 1940: Benesch spricht bei der SS vor
(siehe o.a. Protokoll, bei den „egoisten“ unter
Material Benesch,
„Benesch und die
SS“ besprochen). Aus dem Protokoll geht
hervor, dass Benesch ursprünglich vor hatte, sich
beruflich im Reich zu etablieren und deutscher
Staatsbürger zu werden (Voraussetzung für den
Eintritt in die „Allgemeine-SS“) Der
Kriegsausbruch und die damit verbundene
Wehrpflicht, er war damals in bestem wehrfähigem
Alter, haben ihn, eventuell im Hinblick auf seine
Familie mit bereits 4 Kindern, hiervon abgebracht.
Die bessere Option schien somit, wieder als
nationalsozialistischer Pfarrer in Birk und im
Volksbund der Deutschen in Ungarn zu arbeiten.
7.9.1940: Vorsprache bei der Volksdeutschen
Mittelstelle (VOMI) in Berlin
2. Oktober 1940: Brief des Reichsführers- SS,
Persönlicher Stab, Tgb.Nr. A/2/123/40 Wa./C an das
„Ahnenerbe“: „Der Reichsführer der SS lässt auf Dr.
Benesch, der nach seiner Rückkehr aus Siebenbürgen
bestimmt auf Grund seines anständigen Verhaltens wieder
in die SS aufgenommen werden kann, aufmerksam
machen…..“
1941, Februar: erneute Amtseinführung Friedrich
Beneschs als Dorfpfarrer in Birk.
14. März 1941, Bistritzer Zeitung Nr. 12, Seite 3,
meldet: „Änderung in der Leitung des Volksbundes der
Deutschen in Ungarn (VDU) – Dr. Michael Prall trat vom
Amt des stellvertretenden Gebietsführers zurück und an
seine Stelle wurde Pfarrer Dr. Fritz Benesch, Birk,
ernannt. – Zum neuen Kreisleiter von Sächsisch-Regen
wurde ebenfalls Dr. Fritz Benesch ernannt.“
Gebietsführer zu dieser Zeit ist Robert Clemens. Am 15.
August 1941 teilt die Zeitung mit, dass Robert Gassner
am 10.8.1941 zum Gebietsführer von Nord-Siebenbürgen
ernannt worden ist und sein Amt am 1.9.41 antreten
wird. Gassner ernennt zum 10.10.41 Andreas Schell zum
Kreisleiter von Sächsisch-Regen.
1941 – 1944 Friedrich Benesch arbeitet als Dorfpfarrer
in Birk, bewirtschaftet seinen Pfarrhof mit Personal.
Er unterrichtet in der 1941 gegründeten deutschen
Lehrerbildungsanstalt in Sächsisch-Regen (ca. 110
Studierende) die Philosophischen Fächer und
unterrichtet in der nationalsozialistischen
Erziehungsanstalt „Stefan Ludwig Roth“ Biologie und
Rassenkunde. Als stellvertretender Gebietsführer ist er
„als graue Eminenz“ für die eigentliche
Geschäftsführung im Hintergrund zuständig, Robert
Gassner als Gebietsleiter für die Arbeit in der
Öffentlichkeit. Die „Deutsche Zeitung“ aus Klausenburg
bringt am 9.10.1942 einen Bericht von Robert Gassner
über die Arbeit der Gebietsführung: es wurden 2.663
Geschäftsnummern bearbeitet, ca. 10.000 Briefe
geschrieben und 14 Stellen vermittelt. Die „harmlosen“
Arbeitsgebiete führt Schroeder auf Seite 436/437 seines
Buches auf.
1941, Juni: Das Deutsche Reich greift die Sowjetunion
an, 8. Dezember USA und England erklären Japan nach dem
Überfall auf Pearl Harbor den Krieg. 11. Dezember 1941:
das Deutsche Reich und Italien erklären den USA den
Krieg, beide sind Verbündete Japans.
1942, Februar: Geburt des 5. Kindes, 4. Sohn
1943, Januar: die Rote Armee erobert Stalingrad
1943 die „Deutsche Zeitung“ aus Klausenburg meldet am
16.4.1943, dass Bruder Erich Benesch (geb. 1919) das EK
II mit der Beförderung zum SS-Unterscharführer
(Unteroffizier) erhielt, am 9.7.1943 wird seine
Beförderung zum Oberscharführer (Feldwebel) berichtet.
– Erich Benesch ist also Mitglied der Waffen-SS, das
war ab 1942 für einen Auslandsdeutschen aus Ungarn
möglich.
1943, Mai: das deutsche Afrika- Korps kapituliert – 10.
Juli 1943: die Alliierten landen in Sizilien – 6. Juni
1944 Invasion in der Normandie, 20.Juli 1944
gescheitertes Attentat auf Hitler durch von
Stauffenberg als Vertreter des militärischen
Widerstandes.
1944, Januar: Geburt des 6. Kindes, 2. Tochter
1944, April – Juli 1944 Errichtung von Ghettos und
Deportation der ungarischen Juden nach Auschwitz –
Birkenau
An der Verhaftung, Einweisung und der Lagerbewachung
der Juden in Bistritz und Sächsisch-Regen haben neben
dem ungarischen Militär, Gendarmerie und Pfeilkreuzlern
auch Angehörige der „Deutschen Mannschaft“ (DM = eine
paramilitärische Organisation innerhalb des Volksbundes
der Deutschen in Ungarn analog der SS aufgebaut) und
die „Deutsche Jugend“ teilgenommen. (Die DJ unterstand
als selbstständige Jugendorganisation der ungarischen
Staatsjugend Levente.) Es ist gesichert, dass die
Deutsche Mannschaft und Deutsche Jugend aus
Sächsisch-Regen, Deutsch-Zepling, Ober- und
Niedereidisch und Bistritz beteiligt war. Von ca. 6000
Menschen jüdischen Glaubens aus Sächsisch-Regen
überlebten nur ca. 200 Menschen. - Für eine direkte
Verstrickung Friedrich Beneschs als stellvertretender
Gebietsführer des VDU fanden sich bisher keine
Aktenbeweise.
August 1944: die Rote Armee erreicht Rumänien und
Ungarn –Siebenbürgen
12. September 1944 der deutsche Evakuierungstreck des
Dorfes Birk verlässt unter Führung von Pfarrer Benesch
die Heimat. Pfarrer Benesch trägt seine DVU-Uniform
(die der deutschen SS-Uniform ähnelte) und ist
bewaffnet. Er konnte treffend schießen – aus Birk
berichtete eine Zeitzeugin, dass Benesch „in der Frühe
am Sonntag vor dem Gottesdienst in den Wald zur Jagd
ritt und dann mit einem Hasen o.ä. zurückkam“. Benesch
ist für den gesamten Treck aus dem Nord-Siebenbürger
Gebiet verantwortlich und führt ihn nach Österreich zum
Neusiedler See (16. November). Dort wird der Treck
aufgelöst und die Menschen auf verschiedene
Reichsgebiete verteilt. Benesch meldet sich bei seiner
vorgesetzten reichsdeutschen Stelle: der VOMI und
erhält die Weisung einen Teil der Leute nach Thüringen
zu bringen. Am 18. Dezember ist die Familie in Halle
wieder vereint.
1945 Mai: Kriegsende, deutsche Kapitulation
Pfingsten 1945: Pfarrer Benesch tritt eine Pfarrstelle
in Neukirchen bei Halle an. Das geräumige Pfarrhaus hat
einen großen Obst- und Gemüsegarten, sodass Benesch
seine Schwester Gertrud Birthler, Kriegswitwe, und ihre
drei Töchter bei sich aufnehmen kann. Neukirchen liegt
in Sachsen–Anhalt, das Gebiet wurde zunächst von den
Amerikanern erobert und dann im Juli 1945 der
russischen Besatzungszone eingegliedert.
1946, 27. April: Franz Basch, oberster
Volksgruppenführer des Volksbundes der Deutschen in
Ungarn, wird nach einem Volksgerichtsprozess in
Budapest stellvertretend für den Volksbund und die
Volksgruppenführung hingerichtet.
Im August 1946 bittet Benesch das ev. Konsistorium
krankheitshalber um Urlaub und teilt dabei auch mit:
„Schließlich kommt noch hinzu, dass ich zu der meiner
früheren Gemeindemitglieder in Siebenbürgen so
entgegengesetzten Art der Menschen, unter denen ich zur
Zeit als Pfarrer wirken muss, sehr schwer oder fast gar
nicht in die so nötige Fühlung kommen kann.“
Im Februar 1947 wird Friedrich Benesch durch die
evangelische Kirche auf seinen Antrag hin von seinen
Amtspflichten endgültig entbunden.
Die Christengemeinschaft - Bewegung für religiöse
Erneuerung:
1947, Februar: Benesch ist als Student im
Priesterseminar der Christengemeinschaft in Stuttgart ,
für die Familie wird im Dorf Eschenstrud bei Murrhardt
(Remstal) ein leeres Dorfschulhaus gefunden.
Benesch lehrt am Priesterseminar bereits in seiner
eigenen Ausbildungszeit. Er wird am 30. November 1947
von Erzoberlenker Emil Bock zum Priester geweiht.
(Anmerkung: Auch der ehemalige SA- und SS-Mann Werner
Georg Haverbeck ( seit August 1931 in der
NSDAP-Reichsleitung) wird nach 1945 Priester der
Christengemeinschaft. Laut einem Bericht des
CG-Pfarrers Georg Blattmann offenbart Haverbeck dem
Erzoberlenker der CG seine Biographie in ausführlicher
Weise und verschweigt auch nicht seine Tätigkeiten im
„Dritten Reich“. Emil Bock daraufhin laut Blattmann:
„Es mag für Sie persönlich, lieber Freund, ja ganz
wichtig sein, das alles einmal ausgesprochen zu haben.
Für uns ist es weiterhin nicht von Interesse. Jetzt
gilt nur, welche Impulse uns gemeinsam in die Zukunft
führen.“
Quelle:
http://www.lohengrin-verlag.de/RezFerch.htm
)
1948 Januar: 1. Pfarrstelle Friedrich Beneschs in der
Christengemeinschaft in Coburg
1948, Mai: Geburt des 7. Kindes, 3. Tochter
9. Oktober 1948: Gemeindepfarrer in Kiel, erst im
Sommer 1950 kann die Familie ins neu erbaute
Gemeindehaus nachziehen.
2. Mai 1957 : Seminarleiter des Priesterseminars der
Christengemeinschaft in Stuttgart, zunächst mit
Gottfried Husemann und Arnold Goebel, ab 28. 4. 1958
verantwortlicher Leiter bis 1985.
Die weltweiten umfangreichen 28 Vortragsreisen (siehe
Hans-Werner Schroeder, Seite 416/417) wurden
überwiegend von der Gesamtbewegung der CG und den
einladenden Gemeinden finanziert.
Das von Schroeder auf Seite 414/415 angegebene
Werkverzeichnis ist nicht vollständig.
__________________
Quellen:
Archiv der
Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen Az.:
B7/5131-3, darin Lebenslauf Beneschs
Bundesarchiv Berlin, Bestand DIV, Fritz Benesch ,
geb.6.7.1907,
Lebenslauf Benesch in seiner Dissertation: „Die Festung
Hutberg, eine jungnordische Mischsiedlung bei
Wallendorf, Kreis Merseburg“, Halle Saale 1941
Lebenslauf Beneschs in seinem Buch: „Das Religiöse der
Anthroposophie“ Verlag Die Pforte Basel, 1985, Seite
122/12
Hans-Werner Schroeder, „Friedrich Benesch – Leben und
Werk – 1907 – 1991“ Verlag Johannes Mayer, Stuttgart
2007
Johann Böhm, „Hitlers Vasallen der Deutschen
Volksgruppe in Rumänien vor und nach 1945“ Peter Lang
Verlag, Frankfurt/M etc., 2006, Seite 128-141
„Friedrich Benesch“
„Erinnerungen an Sächsisch Regen“ von Helmut Czoppelt
unter Mitarbeit von Georg Benesch, Ingolstadt 1981
Susanne Dienesch, „Das Birker Heimatbuch“, Stadl-Paura
1996, Eigenverlag
D.Dr. Viktor Glondys, „Tagebuch – Aufzeichnungen von
1933 bis 1949“ Hrsg.: Johann Böhm und Dieter Braeg,
AGK–Verlag Dinklage, 1997
Hans Holzträger, „Kain, wo ist dein Bruder Abel?“ aus:
„Zugänge-Forum des Evangelischen Freundeskreises
Siebenbürgen, 3. Jahrgang, Nr.1 – Sept.1988, Seite
53-63
Tammo Luther, „Volkstumspolitik des Deutschen Reiches
1933 – 1988“, Franz Steiner Verlag,
Wiesbaden-Stuttgart, 2004
Klaus Popa: „ Akten um die Deutsche Volksgruppe in
Rumänien 1937 – 1945“ Verlag Peter Lang, Frankfurt/M
etc., 2005, Seite 52/53
Seminarbrief der freien Hochschule der
Christengemeinschaft Stuttgart, Weihnachten 2006,
Hans-Werner Schroeder: „ Eine Reise nach Rumänien“,
Seite 54
Norbert Spannenberger, „Der Volksbund der Deutschen in
Ungarn 1938 – 1944“, Oldenbourg Verlag München 2002
„Weltweite Wissenschaft vom Volk – Johann Wilhelm
Mannhardt zum 75. Geburtstag“ herausgegeben von Karl
Kurt Klein, Franz Hieronymus Riedl und Karl Ursinn im
Auftrag der Deutschen Burse zu Marburg, Rudolf M.
Rohrer Verlag , Wien – Wiesbaden 1958
Irene Ziehe, „Hans Hahne (1875-1935), sein Leben und
Wirken – Biographie eines völkischen Wissenschaftlers“
erschienen in der Reihe: Veröffentlichungen des
Landesamtes für archäologische Denkmalpflege
Sachsen-Anhalt, Landesmuseum für Vorgeschichte, Band
49, Hrsg.: Siegfried Fröhlich, Halle (Saale) 1996