Kritik der Kritik:
„Die Drei“ – Joachim von Königslöw und Friedrich
Benesch
Von Esther Reck-Kühn
In der anthroposophischen Monatszeitung „Die Drei“ vom
Dezember 2007 setzt sich Joachim von Königslöw, der
sein Buch: „Brücken - Mysterien des Überganges“
ebenfalls im Verlag Johannes Mayer veröffentlicht hat,
mit Hans-Werner Schroeders Benesch-Biographie
auseinander. - Herr von Königslöw nennt zwar die
kritischen Punkte in Beneschs Biographie: seine
Verstrickung in den Nationalsozialismus, sein Studium
der Rassenkunde in Halle und fragt, wieso Benesch „als
Christus-Sucher nicht das Menschenverachtende der
nationalsozialistischen Rassenkunde wahrgenommen hat“,
in der Folge verharmlost er dies jedoch wieder, indem
er Beneschs Umwandlungsprozess glorifiziert. Durch das
Verfahren der „Heiligsprechens“ gerät der Mensch
Benesch, wie er war, mit seiner Zerrissenheit und
seinen Abspaltungen (siehe z.B. Zitat aus Beneschs
Autobiographie im egoisten-Artikel: „
Was mir beim Lesen
so auffiel“) in Vergessenheit. Auch in seinem
Versagen, seiner Unfähigkeit, sich seinem eigenen
Lebenslauf zu stellen, ist er ein Mensch des
frühen 20. Jahrhunderts. Aber was veranlasst im
Jahr 2007 Autoren in anthroposophischen
Zeitschriften zu solch schönfärbender
Schwarzweißmalerei? Besonders peinlich ist auch,
wie aus Beneschs nationalsozialistischen
Propaganda-Texten, mit denen er sich damals völlig
identifiziert hat, ein „Keim der Anthroposophie“
herausgelesen wird; hier verwechseln die Autoren
ganz offensichtlich nationalsozialistisches und
anthroposophisches Gedankengut (siehe
egoisten-Artikel: „
Das
nationalsozialistische Deutsche Christentum“),
da ihnen die nationalsozialistischen Topoi (Topos
= ein sprachlicher Allgemeinplatz) offensichtlich
unbekannt sind.
Friedrich
Benesch – ein moderner Christopherus?
Königslöw charakterisiert die „Christopherus-Signatur“
in Beneschs Leben: „er war ein solcher Sucher nach der
göttlich-geistigen Welt, nach dem Christus“. - Beim
Lesen der Christopherus-Legende fällt auf, dass der
Wahrheitssucher Christopherus in jeder neuen Situation
seines Lebens die Menschen seiner Umgebung genau
beobachtet, ihre Handlungen hinterfragt und aufgrund
der eigenen genauen Beobachtung und Gedankenkraft an
deren Aussagen zweifelt, selbst als er sich dem Teufel
verdingt – Benesch hingegen übernimmt z.B. die
nationalsozialistische Rassenkunde mit ihren
Wertigkeitsabstufungen der Menschen (z.B. Behinderter =
unwertes Leben, da nur Kostenverursacher = Euthanasie).
Friedrich Benesch war in seiner gesamten ersten
Lebenshälfte, über 20 Jahre, überzeugter und
begeisterter Nationalsozialist (siehe egoisten Artikel:
„
Benesch und die
SS“). Erst nach dem äußeren Zusammenbruch des
3.Reiches konnte er in der zweiten Lebenshälfte
seine Überzeugungen aus dieser Zeit in seinem oft
zitiertem Gedicht als überwundenen Irrtum und
Illusion bezeichnen. Er hat sich also nicht aus
eigener Gedankenkraft von der
nationalsozialistischen Ideologie gelöst, sondern
wurde durch den Zusammenbruch von 1945 „vom
Zeit-Schicksal“ belehrt.
Friedrich
Benesch – ein Saulus-Paulus – Schicksal?
Vom Apostel Paulus wissen wir, dass er sich weiterhin
mit der jüdischen Gesetzes-Religion auseinander gesetzt
hat, die er als Pharisäer Saulus und führender
Ketzerrichter gegen die vom Glauben der Väter
abgefallenen Christen vertreten hatte. In seinen
Episteln hat er stets das Alte durch das Neue
beleuchtet und befruchtet - eben die Gesetzesreligion
durch die Gewissensreligion. (Deshalb lehnten die
Nationalsozialisten die Lehren des Apostel Paulus als
Aberglauben ab und forderten eine Rekonstruktion des
von den „jüdischen Überlieferungen“ gereinigten Neuen
Testament.) Analog zu Paulus hätten wir dann später von
Friedrich Benesch Aufklärung über die
Verführungsmechanismen der Ideologie der NS-Zeit
erwarten dürfen, oder wenigstens im Lichte der
Anthroposophie Aufklärung über Rassenlehre und
Blutsmystik: „Blut und Boden“ - stattdessen schwieg er.
War dies eine weitere Lebensaufgabe, die er nicht
ergriffen hat?
Paulus wandte sich nach seiner Bekehrung an die, die er
verfolgt hatte. Die Christen wussten, was er
verschuldet hatte und nahmen ihn dennoch unter sich
auf. Friedrich Benesch kannte nach 1945 nicht einmal
mehr seine Birker Bauern (siehe egoisten-Artikel:
„Australia“), die ihm über 3 Jahre nach seiner
Amtsenthebung 1937 die Treue gewahrt und für ihn
gekämpft hatten und deren „erster und erfahrenster
Bauer“ er nach Königslöw war.
Opfer
Wenn Friedrich Benesch in seinen Schriften von „Opfern“
spricht (z.B. in den Flensburger Heften Nr.46,
„Jugendideale“), meint er lediglich das „Opfer“ seiner
und der nachfolgenden Generation, die der „Verführung“
zum Opfer gefallen und dann im Kriege gefallen sind.
Dass er sich selbst wie auch sein Vorgesetzter,
VDU-Gebietsführer Robert Gassner, persönlich darum
bemüht hat, dass die jungen deutsch-ungarischen
Wehrpflichtigen der deutschen Waffen-SS beitraten
(siehe egoisten-Artikel: „Beneschs Vorgesetzter“ und
„Australia“), verschweigt er: er, selbst ein Verführer.
Die Opfer der Verfolgungen auf Grundlage seines
Studienfaches „Rassenkunde“, in den Nürnberger
Rasse-Gesetzen 1935 verankert, oder die Millionen der
zivilen Toten im Osten (z.B. durch den Kessel der
deutschen Wehrmacht um Leningrad) benennt er nie als
„Opfer“. Immerhin sieht Königslöw, dass Benesch sich
„aktiv in den Dienst des Bösen gestellt“ hat. Seine
Schuld als „Verführer“ und dass spätestens seit dem
Pogrom der „Reichskristallnacht“, das Benesch in Halle
an der Saale miterlebte, niemand über die
nationalsozialistische Vernichtungspolitik im Unklaren
sein konnte, blenden Schroeder und auch Königslöw in
ihrer Argumentation jedoch aus.
Paulus hingegen ließ seine Hörer nicht über seine
Vergangenheit im Unklaren (Apostelgeschichte Kapitel
22, Vers 3): „Ich habe Männer und Frauen gebunden und
den Gefängnissen überliefert…“ Ist es also eine
Nebensächlichkeit, wenn die Lebensgeschichte
schöngefärbt wird? – Wer wollte nach 1945 noch Nazi
sein? Benesch hatte für eine große Familie (12
Personen) zu sorgen, sein Handeln ist also menschlich
verständlich – aber vorbildlich?
Saulus hat sich nach seiner Bekehrung Zeit gegönnt,
bevor er als Paulus das Christentum verkündete: er
hielt sich etwa 3 Jahre in der Einsamkeit der
Arabischen Wüste auf. Friedrich Benesch lehrte schon in
seiner Zeit am Priesterseminar in Stuttgart und schon
nach neun Monaten predigte er wieder!
Nach Joachim von Königslöw war Friedrich Benesch wie
Saulus ein „hochentwickelter Wahrheitssucher“, wenn
auch irregeleitet. Ich kann aus Beneschs „Sauluszeit“
den „hochentwickelten Wahrheitssucher“ (gibt es auch
einen tiefentwickelten oder sonstwie gewickelten
Wahrheitssucher?) nicht erkennen. Aus seinen damaligen
Schriften spricht ein 150%-Überzeugter, dem Führer ganz
Ergebener, dem selbst die „Deutschen Christen“ zu lasch
sind (Schroeder, Benesch-Text Seite 453). Benesch war
ein Propagandist, ein Tatmensch, eine „mitreißende“
Persönlichkeit, er hatte alle Nazi-Modefächer studiert.
Wo erscheinen Zweifel oder sind selbstständige Gedanken
zu sehen? Nicht sein Idealismus und seine
Begeisterungsfähigkeit haben in der ersten Lebenshälfte
versagt, sondern seine Urteilskraft. Deshalb konnte er
damals wohl die Anthroposophie nicht aufnehmen. In
seiner Autobiographie von 1991 schildert Benesch diese
Tatsache anhand seiner Freunde: „Viele meiner
Jugendfreunde auf der Universität., aus dem Jugendkreis
um Vater Hahne, ja sogar Vater Hahne selbst gerieten in
den seelischen Sog rein rassistisch-völkischer Gedanken
und Impulse, die sie konsequent an ihrem Zugang sowohl
zur Anthroposophie wie zu einem erneuerten Christentum
vollständig verhinderten.“ Und er behauptet nach 1945,
wahrscheinlich um sich zu schützen, er sei schon immer
Anthroposoph gewesen (die Anthroposophische
Gesellschaft war ja schon am 1.11.1935 im Deutschen
Reich verboten worden) und schreibt folgerichtig 1991
in seiner Autobiographie die späte Einsicht den frühen
Jahren zu: „Ich konnte überhaupt und grundlegend
erkennen, dass in diesem Nationalsozialismus eine tief
unchristliche, ja antichristliche Strömung die Seelen
der Menschen ergriff, verführte und verdarb.“
Menschlich ist diese verleugnende Haltung verständlich,
aber ist sie Paulus ähnlich oder wie Christopherus ein
Mahn- und Trostbild? Der Apostel Paulus hatte nach
seiner Bekehrung bei Damaskus ständig Verfolgung zu
erdulden, schwebte in andauernder Lebensgefahr und
beschloss sein Leben mit dem Märtyrer-Tod. Ich denke,
selbst Friedrich Benesch würde den Vergleich mit Paulus
nur peinlich und vermessen finden, liegt er doch auf
derselben Ebene, die auch die Nationalsozialisten
betreten haben, als sie über Adolf Hitler sagten:
„unser Führer Adolf Hitler ist der größte Führer der
Menschheit seit Jesus Christus“ (siehe
egoisten-Artikel:
„Beneschs
Vorgesetzter“).
Die
„Offenheit für Anthroposophie“
Joachim von Königslöw schreibt: „1933 kehrte Benesch
nach Siebenbürgen zurück. Denn er sah es als seine
Mission an, die kraftvollen, aber verdumpften Wurzeln
des sächsischen Bauerntums durch einen „edlen“
Nationalsozialismus zu erneuern und sie zu -
verchristlichen.“ Königslöw kommentiert diese
selbstgestellte Aufgabe Beneschs mit keinem Wort und
nimmt somit diese nationalsozialistische Propaganda für
bare Münze. Die Birker Bauern waren arbeitsame Menschen
und treue evangelische Christen, die ihre Wurzeln
kannten und über die Jahrhunderte – auch ohne Pfarrer
Benesch - gepflegt hatten (siehe egoisten-Artikel:
„
Birk“ und „
Australia“). Königslöw fährt
fort: „Sein (Beneschs) von tiefer Naturfrömmigkeit
durchlebtes und womöglich schon von Anthroposophie
tingiertes Christentum mit der
nationalsozialistischen „Erneuerung“ zu verbinden,
war für ihn kein Widerspruch – für uns
Nachgeborene ist das kaum zu begreifen!“ Als
Beispiel für Beneschs „Offenheit für
Anthroposophie“ führt Königslöw Beneschs
Osterpredigt (Schroeder, Seite 132ff.) an. In
dieser Predigt sagt Benesch: „Brausendes
Osterlachen fegt mit dem Frühlingssturm über die
Erde. Sieghaftes junges Leben über alles Alte,
Verkrampfte, Verknöcherte dahin. …In Deutschland
haben die Menschen wieder lachen gelernt, sagt der
Führer (Adolf Hitler)“. „Das Alte, Verkrampfte,
Verknöcherte“ ist konkret ein Topos (= ein
sprachlicher Allgemeinplatz), der im 3. Reich
endlos wiederkehrt: es ist „der Jud“ damit
gemeint! Benesch predigt also nicht offen, sondern
mit einem Topos gegen die Juden und widerlegt
somit Schroeders Behauptung (Seite 182): „dass
sich in den Schriften Beneschs kein Wort gegen
Judentum und mosaischen Glauben finden lässt.“
Diese Osterpredigt ist in ihrem Kitsch und
gedanklicher Armseligkeit kaum zu überbieten, da
sie lediglich gängige NS-Klischees enthält.
Königslöw argumentiert daher, dass der heutige
Leser einen solchen Text nicht mehr aus dem
zeitgenössischen Kontext heraus beurteilen könne
und ihn sofort mit dem Nationalsozialismus kurz
schließe. Man kann aber getrost davon ausgehen,
dass Bischof Glondys, Beneschs kirchlicher
Vorgesetzter, dem Schroeder die geistige Enge
vorwirft, die Benesch in dieser Zeit zu eigen ist
(Seite 134), als viel gereister Mann mit Schweizer
Kontakten den Kontext und die geistigen Strömungen
seiner Zeit kannte. Er konnte sicher die
Anthroposophie vom nationalsozialistischen
„Neuheidentum“, das er Benesch anhand dieser
Predigt vorwarf, unterscheiden und kannte auch die
nationalsozialistischen Topoi und die „Blut- und
Boden-Romantik“. Rückblickend betrachtet kann man
nur bewundern, wie sicher er den
Nationalsozialismus einzuschätzen wusste und daher
Beneschs andauernde Grenzüberschreitungen
konsequent mit Amtsverlust ahndete.
Die anthroposophischen Betrachter hingegen werben
ständig um Verständnis für Friedrich Benesch, der nur
„das Beste gewollt habe“. In diesem Sinne waren viele
Nationalsozialisten idealistisch, edel und
„christlich“. Maßgebliche NS-Führer haben „christliche
Literatur“ verfasst. Goebbels verfasst einen
Tagebuch-Roman „Michael“, der 1929 im Partei eigenem
Verlag veröffentlicht wird. Er schreibt darin: „Nun
habe ich das Wort: Wir modernen Deutschen sind so etwas
wie Christussozialisten.“ Der Protagonist Michael
schreibt schließlich im Verlauf seiner Entwicklung zum
Nationalsozialisten ein Drama über Jesus Christus: „
Die Erleuchtung ist über mich gekommen. Ich schreibe
ein Drama. Der Held ist Jesus Christus.“ Zum „modernen
Deutschen“ gehöre auch „das neue Prinzip, das
bedenkenlose Aufgeben, sich Opfern, die Hingabe zum
Volke“. „Die Idee des Opfers gewann das erste Mal in
Jesus Christus Gestalt.“ – „Wieder komme ich zu
Christus. Die Deutsche Gottesfrage ist nicht von
Christus zu trennen. Wir haben unseren eigentlichen
Zusammenhang mit Gott verloren….Volk ohne Religion, das
ist so wie Mensch ohne Atem.“ Wohlgemerkt: diese Sätze
stammen vom nationalsozialistischen Propaganda-Minister
Joseph Goebbels – ist auch er „offen für
Anthroposophie“?
Der Treck
Königslöw schreibt über Benesch „ Als seine Heimat
geteilt und Nord-Siebenbürgen ungarisch wurde, kehrte
er im Triumpf in seine Gemeinde Birk zurück. Hier
wirkte er, bis er 1944 beim Anrücken der Russen die
ganze Gemeinde – man möchte sagen: wie ein
theokratischer Stammesfürst uralter Zeiten – in einem
neun Wochen langen Treck unter Lebensgefahr und
beispiellosen Strapazen in Sicherheit brachte.“ Auch
hier übernimmt Königslöw ohne sie zu hinterfragen
Schroeders Darstellung und überhöht sie noch durch den
„theokratischen Stammesfürsten aus uralter Zeit“ – ein
wohl unfreiwilliger Witz, wenn man an das Atavistische
des Nationalsozialismus denkt. Doch zu den Fakten:
Friedrich Benesch führte den Treck keineswegs heroisch
und aus eigenem Antrieb oder Entschluss gen Westen, wie
man aufgrund der Schilderung von Königslöw vermuten
könnte, Benesch war lediglich Befehlsempfänger. Der
Siebenbürgische General der Waffen-SS Arthur Phleps,
Kommandeur der SS-Gebirgsdivision „Prinz Eugen“, sollte
Siebenbürgen militärisch halten, was er aber nicht
konnte, sodass er am 2. September 1944 von Heinrich
Himmler den Befehl zur Teilevakuierung erhielt, der am
4. September durch den Führer-Befehl Adolf Hitlers:
„Alles zur Rettung der Deutschen in Siebenbürgen und
des Banats zu unternehmen“ ergänzt wurde. Aber erst am
9.September waren die Transportschwierigkeiten bei der
deutschen Heeresgruppe und die politischen Hindernisse
bei den Armeekommandos überwunden (die ungarische
Regierung war zunächst auch nicht mit der Evakuierung
ihrer deutsche Bevölkerung einverstanden), sodass
Phleps die Evakuierung der Nord-Siebenbürger frei geben
konnte. Die einzelnen Treck-Führer hatten genaue
Befehlsvorgaben, wie der Treck durchzuführen sei, schon
ab April 1944 erhalten, und bekamen jetzt auch die
Straßen genannt, die sie zu benutzen hatten, während
die restlichen deutschen Truppenverbände versuchten,
den Flüchtlingen den Rücken frei zu halten. Für die
Flüchtlinge selbst war im Reich die Volksdeutsche
Mittelstelle zuständig, bei der Benesch sich nach der
Flucht meldetet. Auch zu dieser Flucht kann man Fragen
stellen: im Gegensatz zu den Ostpreußen, Schlesiern
oder Egerländern hatten die Deutschen aus Ungarn keine
deutsche Staatsangehörigkeit, sie waren Ungarn. Die
Evakuierung wurde durch die Volksgruppenführung, die
sich aber selbst nicht einig war, zwangsweise
angeordnet und viele Familien, deren Söhne bei der
Waffen-SS dienten, hatten „Angst vor den Russen“, wie
auch die, die der nationalsozialistischen Propaganda
vom „Russischen Untermenschen“ geglaubt hatten. Aber
wäre es wirklich notwendig gewesen, insgesamt ca. 470
000 Deutsche aus dem Raum Südosteuropa zu evakuieren,
„in Sicherheit zu bringen“? Drohte wirklich die
Deportation der gesamten Volksgruppe wie Schroeder auf
Seite 188 behauptet? (In Ostpreußen und Schlesien war
die Lage anders, dort lebten deutsche Staatsangehörige
und deren Heimat war als Ausgleich für Polen gedacht,
das seine Ostgebiete an die Sowjetunion abtreten musste
und gerade dort verzichtete man auf eine staatlich
gesteuerte Evakuierung.) Ich möchte das Thema „Flucht“
aber hier nur als Frage stellen und keinesfalls
abschließend beurteilen. Durch die Flucht so vieler
deutschstämmiger Menschen erlosch jedenfalls die
deutsche Kultur in Südosteuropa beinahe vollständig.
Auch an der Entwurzelung so vieler Menschen ist
Friedrich Benesch also direkt beteiligt.
Wandlung ?
Professor Dr.med. Peter Petersen, emeritierter
Professor für Psychotherapie und Gründer des
Forschungsinstitutes für künstlerische Therapien,
schreibt in seinem Buch: „Der Therapeut als Künstler“,
das auch im Verlag Johannes Mayer erschienen ist (Seite
60): „Aber Wandlung kann niemals heißen: sich abkoppeln
vom verdrängten Leid. Zwar geht die Wandlung immer in
ein neues, unbekanntes Land. Aber das Neue kann immer
nur mit dem Alten werden, nicht losgelöst, nicht
absolut neu. Eine abgekoppelte Transformation ist keine
Wandlung leidverdrängender Kräfte – da steckt ein
verhängnisvoller Irrtum.“
______________
Quellen:
„die Drei“ – Zeitschrift
für Anthroposophie in Wissenschaft, Kunst und sozialem
Leben - Nr.12, Dezember 2007, Joachim von Königslöw:
„Friedrich Benesch – ein Jahrhundertschicksal“
Hans-Werner Schroeder: „Friedrich Benesch – Leben und
Werk 1907 – 1991“ Verlag Johannes Mayer, Stuttgart –
Berlin, 2007
Claus-Ekkehard Bärsch: „Die politische Religion des
Nationalsozialismus“, Wilhelm Fink Verlag, München 2002
Johann Böhm: „Die Gleichschaltung der deutschen
Volksgruppe in Rumänien und das „Dritte Reich“ 1941 –
1944“, Peter Lang Verlag Frankfurt /Main u.a. 2003,
Kapitel 5.3.1
D.Dr. Viktor Glondys, Bischof der Evangelischen
Landeskirche A.B. in Rumänien, „Tagebuch-Aufzeichnungen
von 1933 bis 1949“ heruagegeben von Johann Böhm und
Diter Braeg, AGK-Verlag, Dinklage 1997
Hermann Glaser: „Spiesser–Ideologie . Von der
Zerstörung des deutschen Geistes im 19. und 20.
Jahrhundert und dem Aufstieg des Nationalsozialismus“,
Ullstein-Verlag, Frankfurt/M u.a. 1979
Erna und Hans Melchers: „Das Grosse Buch der Heiligen
–Geschichte und Legende im Jahreslauf“, Cormoran im
Südwest Verlag, München 1996
Peter Petersen: „Der Therapeut als Künstler – Ein
integrales Konzept von künstlerischen Therapien und
Psychotherapien“ Johannes Mayer Verlag,
Stuttgart-Berlin 1987?
Außerdem: die in den zitierten egoisten-Artikeln
angegebenen Quellen