Adam Michaelis, "The Anatomy of Evil in our Time", Oktober 2005
Website von Adam Michaelis
Dies ist definitiv kein Buch, das man an einem Wochenende herunterlesen kann, nicht nur wegen der englischen Sprache, die der dänische Autor verwendet, sondern wegen der okkulten Inhalte, der zahlreichen Perspektivenwechsel und nicht zuletzt mancher zunächst nicht leicht zu verarbeitenden Inhalte.
Mit “okkultem Inhalt” ist gemeint, dass die Kernpunkte, an denen sich das Buch strukturiert, in Imaginationen bestehen, die der Autor aus eigener Erfahrung beschreibt. Diese werden nicht nur auf sehr plastische und lebendige Weise geschildert, sondern stets auch abgeglichen und überprüft durch eine Fülle von Träumen und eine sehr sorgfältige Analyse.
Schon mit dieser Methodik wird dem interessierten Leser ein Instrument an die Hand gegeben, das man mit geistiger Schulung beschreiben könnte. Dieses Buch - so autobiographisch es in vieler Hinsicht daherkommen mag - ist zugleich ein Lehrbuch. Die autobiographischen Inhalte werden häufig durchbrochen von einer tief gehenden Selbstanalyse, aber auch von Reflexionen über die Natur des Bösen, von einer begleitenden Referierung von Textstellen Rudolf Steiners und einer scharfen Kritik bestehender okkulter Strömungen wie dem Lamaismus und der New- Age- Bewegung.
Für Anthroposophen ist die knappe und prägnante Zusammenfassung von Texten Rudolf Steiners bestechend.
Der permanente Perspektivwechsel verhindert bereits einen rein autobiographischen Bericht. Der Weg der Erzählers durch eine jahrelange Mitgliedschaft in äußerst zwielichtigen buddhistisch- lamaistischen und tantrisch orientierten Organisationen wird nicht nur in romanartiger Weise geschildert, sondern wird dadurch ebenfalls zu einem Lehrstück für den Leser, dass der Erzähler die dunklen Seiten dieser Bewegung mit dem Leser zusammen Stück für Stück entdeckt, analysiert und schliesslich davon in vielfältiger Weise eingeholt wird: Nach der äußeren Befreiung aus und Distanzierung von den hierarchisch organisierten, manipulativen und menschenverachtenden Sekten wird der Erzähler angegriffen und in eine Art okkulte Gefangenschaft genommen - geistig, seelisch und körperlich zu einer Marionette gemacht.
Das Ergebnis dieser Kämpfe um die geistige Autonomie sind psychose- ähnliche Zustände des Erzählers, aus denen sich dieser nur dadurch befreien kann, dass er den Kernkräften dieser Absichten bewusst begegnet. In dieser Form geht Michaelis durch eine paralysierende Selbstanalyse hindurch auf eine innere Begegnung mit dem hin, das man als das Böse schlechthin bezeichnen kann.