Aber dann treten Metastasen des Krebses auf, Treya unterwirft sich weiteren schweren Operationen, Bestrahlungen und Chemotherapien. Der Krebs erweist sich als einer von der sehr aggressiven Art. Treya unterwirft sich aber auch merkwürdigen, masochistisch anmutenden Übungen, wie täglich das Wachstum der Zellen bildlich vorzustellen ("Visualisierungen"). Offensichtlich besteht bei den Beiden der rührende Aberglaube, dies werde das Wachstum stoppen. Dieser dauernd praktizierte Aberglaube führt das Paar mit der Zeit schließlich auch in die Arme des tibetischen Lamaismus. Das ist schließlich eine starke, dominante Hand.
Solche Hände sucht das Paar auch sonst unermüdlich- es geht im offensichtlichen Endstadium der Krankheit - während Treya für sich eine Art scheinbaren inneren Friedens zu finden glaubt- unermüdlich auf Welttournee, um in Deutschland Kliniken zu finden, die noch stärkere Chemotherapien verabreichen als in den USA zu gelassen sind. Am Ende geraten sie in die Fänge eines vollkommenen Quacksalbers, der mittels obskurer Pillen das Blaue vom Himmel verspricht- selbst als die Metastasen dieser sterbenden Frau in ihrem Wachstum praktisch explodieren. Ken ist fast die gesamte Zeit - insgesamt über nahezu fünf Jahre- in diesem Purgatorio dabei. Erst in den letzten Lebenstagen finden die Beiden - endlich daheim- zu einer Art Frieden, bis Treya stirbt.
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Ken Wilbers Buch ist anrührend, ergreifend, vollkommen ehrlich. Weder die Leiden noch die Krisen dieses Paares werden im Geringsten beschönigt. Vor allem auch nicht die Leiden aneinander. Aber auch nicht die tiefe Widersprüchlichkeit dieser Menschen, die unentwegt Sinn und höheren Zweck für ihr Leben herbei beschwören und inszenieren, und in der Realität an den schlichtesten Tatsachen scheitern, sich das Leben noch mehr zur Hölle machen, auf die hoffnungsloseste und verzweifeltste Weise, die man sich denken kann. Während Buch um Buch über spirituelle Vollendung aus Wilbers Feder fliessen, ist er darum bemüht, alles, was ihnen widerfährt, mit Bedeutsamkeit aufzuladen. Häufig werden nur Andeutungen gemacht, manchmal wird es biblisch. Als Treya sich entscheidet, ohne weiteren Widerstand zu sterben, weht eine Art Tornado durchs Dorf, und nur durch dieses Dorf, in dem sie leben. Das Leben ist gespickt von mystischen Zeichen, und Wilber wird nicht müde, sie aufzuzählen. Dennoch - trotz dieser verwinkelten Weltsicht- ist dies das Buch ein wunderbarer Versuch, einander in schweren und schwersten Zeiten zu tragen. Das Buch eines Esoterik- Profi- Paars, dem sich die denkbar größten Widerstände entgegen stellten, und das sich dem zu stellen versuchte. Man kann daran nur scheitern. Der Versuch, es dennoch gemeinsam zu versuchen, ist trotz allem ganz und gar heroisch.