
Anthroposophische Spiritualität auf andere Füße stellen-
Helmut Zander im Interview
Helmut Zander im Interview
In einem umfangreichen Interview in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (10.6.2007, Nr. 23, Seite 30) nimmt der in Berlin lehrende Dozent Helmut Zander zu seinem fast 2000 Seiten umfassenden Buch „Anthroposophie in Deutschland. Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884-1945“ Stellung. Mit diesem Buch - so die FAS- sei zum ersten Mal etwas gelungen, was „einen Dialog zwischen den Welten eröffnen könnte: Eine historisch- kritische Rudolf-Steiner-Lektüre, die auch unter den Anthroposophen für Aufregung sorgen wird“.
Im Interview äußert Zander seine Ansicht, Anthroposophen würden lieber dazu auffordern „kulturkreativ“ zu wirken als z.B. Tatkräftig nach Heiligendamm zu marschieren. Anthroposophie sei nun einmal vor allem „innere Erkenntnis einer geistigen Welt“. Auch das politische Wirken sei daher immer dem anthroposophischen Postulat unterworfen: „Die Rettung kommt von innen“. Staatliche Revolutionen seien für Anthroposophen daher irrelevant, sie zielten eher auf das Individuum. Daraus resultiere auch das unter Anthroposophen verbreitete Abschätzige gegenüber der Politik.
Nach dem 1. Weltkrieg allerdings habe, nachdem „diese Bohemewelt“ zusammen gebrochen war, auch ein Gegentrend eingesetzt: Steiner wandte sich „der Praxis zu“. Damit entstanden die bis heute tätigen Felder der Anthroposophie wie Landwirtschaft, Pädagogik, Christengemeinschaft.
Die Probleme der Anthroposophie rührten aber von der Haltung Steiners als „staatskritischer Denker“. Gesellschaftliche Bewegungen könnte von der Anthroposophie her motiviert werden - eine tatkräftige Mitarbeit im „parlamentarischen Bereich“ oder wenigstens eine echte Akzeptanz „staatlicher Institutionen“ könne man kaum erwarten. Insofern steckt Anthroposophie auch heute „in ihrer geistigen Provinz fest“. Das politische Alltagsgeschäft finde ohne Anthroposophie statt. Man erkenne das auch an der Geschichte der Grünen, die in ihrer Gründungszeit stark von Anthroposophen beeinflusst gewesen sei. Sie haben aber nicht durchgehalten, keine „institutionalisierten Positionen gefunden“. Otto Schily wiederum hat in seinem Amt zwar aus seinen Überzeugungen kein Hehl gemacht, hat diese aber auch in keiner Weise in seinem politischen Wirken einfließen lassen.
Anthroposophie unterliege eben ihrem „Dogma der Dogmenlosigkeit“ und sei religionsgeschichtlich „ein Abkömmling des Protestantismus mit rituellen, katholizierenden Neigungen“. Es sei in dieser seltsamen Mischung etwas wirklich Neues entstanden. Aber im Kern stünde ein „protestantischer Hintergrund“. Die Dogmenlosigkeit und das Suchen nach absolut individueller Erkenntnis sei ein wesentlicher Teil des Selbstverständnisses von Anthroposophen. Von außen betrachtet stelle sich das aber ganz anders dar. Von hier aus wirke Anthroposophie als „ein Lehrgebäude, das fast hermetisch abgeschlossen“ sei. Das inn ere Dogma der Dogmenlosigkeit sei allerdings ein Krampf, denn keine „Gemeinschaft kommt ohne Konsensbereiche aus“. Letztendlich habe Anthroposophie eine sehr lange, politisch und gesellschaftlich wirre Zeit „wider alle Zeit- und Modeströmungen“ ihre Identität beibehalten. Ihre Stärke sei es eben, trotz aller Trends in z.B. einer hochtechnisierten industriellen Landwirtschaft und Medizin an ihren Prinzipien festzuhalten. Das ist ihre Stärke und Schwäche zugleich. Sie steht damit auch in der Gefahr, „den Bezug zur Gegenwart zu verlieren“. Auch gerade die ureigene Esoterik der Anthroposophie sei eine Kraft gegenüber all den „Moden der Moderne“. Anthroposophie schaffe asich genau dadurch ein ganz eigenes Profil. Allerdings sei diese geistige Identität nach wie vor stark an die Person Rudolf Steiners angelehnt. Das entfremde Anthroposophie auch gleichzeitig, denn ihre Kritiker würden sie nach wie vor als autoritär und dogmatisch beschimpfen.
Wirklich problematisch aber sei, dass die Anthroposophen ihre „dunklen Seiten“ viel zu wenig thematisierten. „Es gibt bei ihnen massive Defizite in der Konfliktkultur: Wenn man keine Dogmen eingesteht, kann man auch nicht über Lehrinhalte streiten“. Gegenüber Anthroposophen stosse aber man nun einmal sehr schnell auf Inhalte, „die nicht verhandelbar sind“. Man müsse in Zukunft dazu kommen, Steiner nicht als sakrosankt zu verstehen. Auch seine „hellsichtige Einsicht“ sei eben keinesfalls der „Geschichte enthoben“. Die anthroposophische Spiritualität müsse „auf andere Füße“ gestellt werden.
Im Interview äußert Zander seine Ansicht, Anthroposophen würden lieber dazu auffordern „kulturkreativ“ zu wirken als z.B. Tatkräftig nach Heiligendamm zu marschieren. Anthroposophie sei nun einmal vor allem „innere Erkenntnis einer geistigen Welt“. Auch das politische Wirken sei daher immer dem anthroposophischen Postulat unterworfen: „Die Rettung kommt von innen“. Staatliche Revolutionen seien für Anthroposophen daher irrelevant, sie zielten eher auf das Individuum. Daraus resultiere auch das unter Anthroposophen verbreitete Abschätzige gegenüber der Politik.
Nach dem 1. Weltkrieg allerdings habe, nachdem „diese Bohemewelt“ zusammen gebrochen war, auch ein Gegentrend eingesetzt: Steiner wandte sich „der Praxis zu“. Damit entstanden die bis heute tätigen Felder der Anthroposophie wie Landwirtschaft, Pädagogik, Christengemeinschaft.
Die Probleme der Anthroposophie rührten aber von der Haltung Steiners als „staatskritischer Denker“. Gesellschaftliche Bewegungen könnte von der Anthroposophie her motiviert werden - eine tatkräftige Mitarbeit im „parlamentarischen Bereich“ oder wenigstens eine echte Akzeptanz „staatlicher Institutionen“ könne man kaum erwarten. Insofern steckt Anthroposophie auch heute „in ihrer geistigen Provinz fest“. Das politische Alltagsgeschäft finde ohne Anthroposophie statt. Man erkenne das auch an der Geschichte der Grünen, die in ihrer Gründungszeit stark von Anthroposophen beeinflusst gewesen sei. Sie haben aber nicht durchgehalten, keine „institutionalisierten Positionen gefunden“. Otto Schily wiederum hat in seinem Amt zwar aus seinen Überzeugungen kein Hehl gemacht, hat diese aber auch in keiner Weise in seinem politischen Wirken einfließen lassen.
Anthroposophie unterliege eben ihrem „Dogma der Dogmenlosigkeit“ und sei religionsgeschichtlich „ein Abkömmling des Protestantismus mit rituellen, katholizierenden Neigungen“. Es sei in dieser seltsamen Mischung etwas wirklich Neues entstanden. Aber im Kern stünde ein „protestantischer Hintergrund“. Die Dogmenlosigkeit und das Suchen nach absolut individueller Erkenntnis sei ein wesentlicher Teil des Selbstverständnisses von Anthroposophen. Von außen betrachtet stelle sich das aber ganz anders dar. Von hier aus wirke Anthroposophie als „ein Lehrgebäude, das fast hermetisch abgeschlossen“ sei. Das inn ere Dogma der Dogmenlosigkeit sei allerdings ein Krampf, denn keine „Gemeinschaft kommt ohne Konsensbereiche aus“. Letztendlich habe Anthroposophie eine sehr lange, politisch und gesellschaftlich wirre Zeit „wider alle Zeit- und Modeströmungen“ ihre Identität beibehalten. Ihre Stärke sei es eben, trotz aller Trends in z.B. einer hochtechnisierten industriellen Landwirtschaft und Medizin an ihren Prinzipien festzuhalten. Das ist ihre Stärke und Schwäche zugleich. Sie steht damit auch in der Gefahr, „den Bezug zur Gegenwart zu verlieren“. Auch gerade die ureigene Esoterik der Anthroposophie sei eine Kraft gegenüber all den „Moden der Moderne“. Anthroposophie schaffe asich genau dadurch ein ganz eigenes Profil. Allerdings sei diese geistige Identität nach wie vor stark an die Person Rudolf Steiners angelehnt. Das entfremde Anthroposophie auch gleichzeitig, denn ihre Kritiker würden sie nach wie vor als autoritär und dogmatisch beschimpfen.
Wirklich problematisch aber sei, dass die Anthroposophen ihre „dunklen Seiten“ viel zu wenig thematisierten. „Es gibt bei ihnen massive Defizite in der Konfliktkultur: Wenn man keine Dogmen eingesteht, kann man auch nicht über Lehrinhalte streiten“. Gegenüber Anthroposophen stosse aber man nun einmal sehr schnell auf Inhalte, „die nicht verhandelbar sind“. Man müsse in Zukunft dazu kommen, Steiner nicht als sakrosankt zu verstehen. Auch seine „hellsichtige Einsicht“ sei eben keinesfalls der „Geschichte enthoben“. Die anthroposophische Spiritualität müsse „auf andere Füße“ gestellt werden.
