
Das Verknalltsein meiner Eltern
Ich denke, Steiner legt das Thema sehr viel vielschichtiger an, als man dies vom Begriff her denken würde. Ich gehe mal davon aus, dass das, was durch Karma angelegt ist, von ihm vielfach geschildert wurde als eine Determinante für das individuelle Leben. Und er schildert ja auch, dass wir selbst an dieser Determinante im Leben vor dem Leben sehr aktiv mitwirken. Wir suchen sogar den Erbstrom aus, in den wir eintreten möchten. Wenn ich Steiner recht verstehe, wirken wir sehr aktiv beim Verliebtsein der Eltern mit. Dann gleichen wir eine Art Idealkörper mit einiger Mühe mit unserem persönlichen Modell ab, und ab gehts ins Leben. Einseitigkeiten sind immer vorhanden, bei jedem von uns. Selbst sie sie als Beeinträchtigung erheblich sind, kann die Umwelt in den ersten Jahren durch Erziehung ganz wesentlich einwirken. Karma erschöpft sich erst einmal in diesem Leib, den wir uns -nach Steiner- schaffen. Aber er steht nicht allein, wir verändern die in ihm angelegten Determinanten erheblich. Wenn allerdings das soziale Feedback ausbliebt, setzen sich die Determinanten voll durch.
Karma schaffen!
Dann gibt es noch die Sache mit den Freunden. Steiner sagt, man kennt sich, wenn es Beziehungen aus der ersten Lebenshälfte sind.Und wirklich fliegen einem die Kontakte in jungen Jahren ja nur so zu. Das wird im Alter immer schwieriger. Steiner meint dazu, nun, jetzt schaffe man eben Karma. Die neuen Freunde, die hat man sich geschaffen.
Verantwortung? Nun, die Freundschaften pflegen, damit sie nicht unter den Pflug kommen. Und ab und zu etwas Neues wagen, auch wenn wenig vernünftiges dafür spricht.

Karma ändern
Und in der Erziehung eben geben, was man kann, vor allem auch in der höchstmöglichen Authentizität und Aufmerksamkeit. Tolle Erziehungsmodelle sind es nicht, es ist der einfache persönliche Einsatz. Der kann auch etwas verhindern im Kind, was vielleicht auch eine tragische Komponente hat. Ich als Integrationspädagoge arbeite jedenfalls danach.
Jenseits des Personhaften
Was mich am Karmabegriff persönlich interessiert, ist zunächst einmal die Frage, was denn an mir sich reinkarnieren würde. Die Person als solche ist es offensichtlich nicht. Die Frage nach der Erfahrung einer Ebene in mir selbst, die in dieser Hinsicht "tragend" ist, ist ein Motiv, das in die geradezu klassische Mystik verweist.
„Wie man das Selbst immer definieren mag, so ist es etwas anderes als das Ich, und insofern eine höhere insicht vom Ich überleitet zum Selbst, so ist letzteres ein Umfänglicheres, welches die Erfahrung der Ich in sich schliesst und dieses überragt. Gleichwie das Ich eine gewisse Erfahrung meiner selbst ist, so ist das Selbst eine Erfahrung meines Ich, welche aber nicht mehr in Form eines erweiterten oder höhern Ich, sondern in Form eines Nicht-Ich erlebt wird“ (C.G. Jung, in: Einleitung zu „Die grosse Befreiung“ D.Z. Suzukis)
Die Suche nach dem musikalischen Thema
Als ob man in einem Lied das musikalische Thema sucht. Was an einer Person ist in dieser Hinsicht ein "Thema"? Man wird schon deshalb in eine gewisse meditative Praxis durch diese Fragestellung geführt, weil man sich von all diesen Eitelkeiten, Selbstbildern, Projektionen, Erwartungen und Definitionen Anderer befreien muss. Vielleicht kommt man an ein Nichts heran, das schwer erträglich ist. Vielleicht ist es sehr wenig, vielleicht ist man zu streng mit sich. In gewisser Weise begibt man sich in eine Welt der Paradoxien. Nicht ohne Grund arbeiten die Zenmeister gern mit paradoxen Aussagen. Wenn man in sich hinein sieht, sieht man gar nichts. Wenn man von sich absehen kann, erfährt man sich. So in etwa.
Die Frage nach dem Karma führt einen auf die Suche. Es ist ein provokativer Begriff. Wer daraus "Gesetzmässigkeiten", schlussfolgernde "Karmareihen", Schuldzuweisungen oder gar Tratsch und Denunziationen bastelt, verfehlt den Begriff.