Herbstakademie-Videos
01.Nov.2007 12:39 Uhr Abgelegt in:Anthroposophie

Teilnehmer der "Herbstakademie" - einem Dialog einer anthroposophischen Richtung mit Vertretern vor allem aus den Kreisen von Andrew Cohens Enlightenment-Movement - haben dankenswerterweise Videos von dem Verlauf ins Netz gestellt: 1/ 2/ 3/ 4/ 5. Man sieht und hört vor allem den Deutschland- Repräsentanten von EnlightenNext, Tom Steiniger einerseits und den vielfach kritisierten anthroposophischen Vertreter Sebastian Gronbach andererseits. Nach meinem Eindruck präsentieren sich Beide smart und professionell, aber inhaltlich mit geringer Tiefe. Steiniger gibt eloquent, aber breit und langatmig die allseits bekannten wenigen Grundlagen Cohens wider, ohne etwas Persönliches hinzuzusetzen. Die neuesten internen Umkehrmanöver, die mit "Seelenstärke", lamaistischen Disziplinarübungen und stundenlangen Liegestützen für die Adepten verbunden sind, deutet er natürlich im Gespräch nur an. "Seelenstärke" scheint für Steiniger ein Begriff zu sein, der für anthroposophische Ohren kompatibel erscheint. Ansonsten wird die zentrale Grundübung Cohens, aus dem monologisierenden "Ego" zu einer dialogischen Transzendenz zu gelangen, in immer neuen Anläufen verbal umrissen und dabei in der Art eines PKW- Verkäufers in leuchtenden Farben in Bezug auf ihre Bedeutung aufgeladen. Es handelt sich allerdings um eine in sämtlichen spirituellen Bewegungen aufzufindende Grundübung. Es ist daher auch kein Wunder, dass die Herren im Dialog zwischen EnlightenNext und Anthroposophie Berührungs- und Überschneidungspunkte finden. Hier gibt es sie zweifellos- und ebenso sicher enden sie hier auch schon. Denn in Bezug auf Steiner ist diese Grundübung meiner Meinung nach schon in seiner frühen "Philosophie der Freiheit" als "moralische Technik" hinreichend beschrieben. Von hier aus hat Steiner seine Anthroposophie 25 Jahre lang ununterbrochen auf- und ausgebaut.
Gronbach stellt diese anthroposophische Kompetenz keinesfalls dar, sondern macht sich anbiedernd über die anthroposophische "Bildwelt" voller Erzengel lustig. Für ihn sind die von Steiner entwickelten geistigen Erkenntnisse nur Symbole ohne weitere Bedeutung. Nebenbei erfährt man auch, woher Gronbach manche seiner "Erkenntnisse" bezieht, die er in seinem Blog preisgibt. Die vielfach kritisierten spirituellen "kämpfenden Spezialeinheiten" beispielsweise sind -wie er im Gespräch angibt- Formulierung, Vorstellungen und Begrifflichkeiten von Andrew Cohen. Es ist schon bezeichnend, dass wir inzwischen im anthroposophischen Kontext irritiert Vorstellungen diskutieren, die so offensichtlich aus einer ganz anderen Richtung kommen. Ansonsten erfährt man viel Banales und einiges, das wieder einmal zumindest in meinen Ohren schrill und schief klingt- so etwa die von Gronbach dargestellten Ziele der Waldorfpädagogik. Meiner Meinung ist es keinesfalls Ziel der Waldorfpädagogik, Fähigkeiten bei Schülern zu entwickeln, die einer Entfaltung der "höheren Erkenntnisorgane" dienen. So verstehe ich Gronbach wenigstens. Falls Gronbach Recht hätte, wären Rudolf-Steiner-Schulen wohl kaum in Deutschland als Ersatzschulen anerkannt.
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