Das Jahr magischen Denkens
07.Dez.2006 19:24 Uhr Abgelegt in:Bücher
Ich liebe dieses Buch, aber ich kann es nicht lesen. Ich taste mich drei oder vier Seiten voran, dann lege ich es beiseite. Es ist zu gut für mich. "Das Jahr magischen Denkens" von Joan Didion beschreibt den Zustand der Schriftstellerin bei und nach dem Tod ihres Mannes. Es ist ein beinah beiläufiger Tod. Ihr Mann - ebenfalls amerikanischer Schriftsteller- sackt tot auf der heimischen Couch zusammen- ein schlechter Scherz, wie Didion zunächst annimmt. Und dann geschieht ihr, der Analytikerin, der scharfen Beobachterin, in der "Bewältigung" dieses Todes trotz ihrer Rationalität, trotz ihres entschlossenen Handelns etwas für sie Unfassbares: Sie kann nicht aufhören zu denken, er kehre gleich zurück. Sie stimmt sofort einer Autopsie zu, um den Irrtum seines Todes aufzuklären. Sie verweigert Organentnahmen. Sie gibt seine Schuhe nicht weg. Er braucht diese ja, wenn er wieder kommt: "Oberflächlich gesehen, war ich vernünftig."
Die Liebe schimmert in fast jedem Moment schmerzlich: Beim Aufwachen, bei der die Kehle zugeschnürt ist wie nach einem gemeinsamen Streit. Jeden Morgen, monatelang muss sich Joan Didion vergegenwärtigen, dass dieser Streit nicht zu klären sein wird. Beim Aufräumen seiner T-Shirts, "die er trug, wenn wir frühmorgens durch den Central Park liefen. Wir taten das jeden Morgen. Wir gingen nicht immer zusammen, weil wir verschiedene Routen mochten, aber wir behielten die Route des anderen im Kopf, so daß sich beide Routen kreuzten, bevor wir den Park wieder verließen".
Wie kann man präziser und wunderbarer das gemeinsame Leben zweier Menschen beschreiben? "Wir gingen nicht immer zusammen, weil wir verschiedene Routen mochten.."
Ich werde noch eine Weile brauchen. Man kann sich das Buch selbst schenken. Und dann warten, bis man die Kraft dafür hat.

Foto Michael Eggert
Die Liebe schimmert in fast jedem Moment schmerzlich: Beim Aufwachen, bei der die Kehle zugeschnürt ist wie nach einem gemeinsamen Streit. Jeden Morgen, monatelang muss sich Joan Didion vergegenwärtigen, dass dieser Streit nicht zu klären sein wird. Beim Aufräumen seiner T-Shirts, "die er trug, wenn wir frühmorgens durch den Central Park liefen. Wir taten das jeden Morgen. Wir gingen nicht immer zusammen, weil wir verschiedene Routen mochten, aber wir behielten die Route des anderen im Kopf, so daß sich beide Routen kreuzten, bevor wir den Park wieder verließen".
Wie kann man präziser und wunderbarer das gemeinsame Leben zweier Menschen beschreiben? "Wir gingen nicht immer zusammen, weil wir verschiedene Routen mochten.."
Ich werde noch eine Weile brauchen. Man kann sich das Buch selbst schenken. Und dann warten, bis man die Kraft dafür hat.

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