Michaelisch
01.Nov.2007 12:38 Uhr Abgelegt in:Anthroposophie
Ich würde sicherlich nicht ohne weiteren Anlass auf einen anthroposophischen terminus technicus wie den "michaelischen Impuls" eingehen. Konkreter Anlass diesmal ist wiederum ein platter und verstellender Artikel von Sebastian Gronbach, der in seinem Blog schreibt: "Im Erzengel Michael hat Steiner das klassische Bild für den Krieger des Lichts aufgegriffen und neu belebt. Der Krieger, der die Tat liebt und aus der Einheit der Liebe handelt. Nicht als Wortführer, sondern als Schwertführer einer kämpfenden Spezialeinheit des Lichts."

Ich weiß nicht genau, aus welchem Film Gronbach seine Vorstellungen von einer "Spezialeinheit" bezieht und aus welchem Esoterikschmöker er seine Selbstbilder als "Krieger des Lichts" abkupfert- die von ihm geprägte Analogie von "Michaelisch" zu Gewalt und Krieg ist aus dem Werk von Rudolf Steiner sicherlich nur schwer heraus zu quetschen, bei aller Mühe um zusammenhanglose Assoziationen. Vielleicht bemüht Gronbach ja auch deshalb den von ihm geschätzten amerikanischen Guru Andrew Cohen in diesem Zusammenhang, indem er schreibt: "Worum geht es Cohen? Darum, "die Zukunft zu erschaffen. Ich habe festgestellt. Dass einer der besten Möglichkeiten dies zu übermitteln die Verwendung von Kreigs-Metaphern ist – Situationen, in denen sich Menschen auf dramatische und aussergewöhnliche Weise zusammenschließen, um sich selbst vor der Vernichtung zu schützen.""
Es mag ja sein, dass Herr Cohen Dinge so oder so sieht. Nur mit dem Begriff des Michaelischen haben solche Zuschreibungen gar nichts zu tun. Im übrigen haben die Leute außerhalb der Info3-Redaktion auch nicht mehr viel mit Cohen und seiner Organisation zu tun, wie ein schneller Blick in Google Trends zeigt: Seit einem kurzen Strohfeuer 2005 tendieren die Nachfragen aus aller Welt in den Suchmaschinen -dieses Thema betreffend- gegen Null. Kein Wunder, dass in dieser Not Kooperationen wie die mit Anthroposophen gesucht werden.

Aber zurück zum "Michaelischen". Seit alters her wird der Erzengel Michael mit zwei Bildern verbunden: Dem der Waage und dem des Sieges über die Schlange. Die Waage, die dieser Erzengel in der Hand hält, ist ein Bild für das innere Gleichgewicht. Ebenso ist es mit der "Bannung" der Schlange unter die Füße. Es ist ja eigentlich kein Kampf, kein Sieg und schon gar kein Töten damit verbunden. Es ist nur ein Bild für eine andere Art des Gleichgewichts- eine Balance zwischen "oberen" und "unteren" Kräften im Menschen. Es sind Bilder des emanzipierten Menschen, der seine individuelle Linie zwischen determinierenden Kräften im Inneren und Äußeren sucht. So nannte Rudolf Steiner diesen Impuls auch den "Menschentragenden" ("Wahrspruchworte Richtspruchworte. Zweite Folge." Dornach 1953), der im übrigen - was Gronbach auch bei dieser Gelegenheit gern unterschlägt- für Steiner in enger Verbindung mit dem Christentum steht. Denn in Michael sieht Steiner "sein Weisen zu Christus" (dito). Das "michaelische Wirken" ist also vor allem eine Bemühung um die Würde des Menschen, um seine innere und äußere Freiheit, um sein persönliches Ringen um innere Balance, allen inneren und äußeren Hindernissen zum Trotz. Dies wie Gronbach zu bezeichnen "als Schwertführer einer kämpfenden Spezialeinheit des Lichts" ist möglicherweise eine Comic- Version davon, entspricht aber weder der christlichen Tradition noch der Vorstellungswelt eines Rudolf Steiners.

Ich weiß nicht genau, aus welchem Film Gronbach seine Vorstellungen von einer "Spezialeinheit" bezieht und aus welchem Esoterikschmöker er seine Selbstbilder als "Krieger des Lichts" abkupfert- die von ihm geprägte Analogie von "Michaelisch" zu Gewalt und Krieg ist aus dem Werk von Rudolf Steiner sicherlich nur schwer heraus zu quetschen, bei aller Mühe um zusammenhanglose Assoziationen. Vielleicht bemüht Gronbach ja auch deshalb den von ihm geschätzten amerikanischen Guru Andrew Cohen in diesem Zusammenhang, indem er schreibt: "Worum geht es Cohen? Darum, "die Zukunft zu erschaffen. Ich habe festgestellt. Dass einer der besten Möglichkeiten dies zu übermitteln die Verwendung von Kreigs-Metaphern ist – Situationen, in denen sich Menschen auf dramatische und aussergewöhnliche Weise zusammenschließen, um sich selbst vor der Vernichtung zu schützen.""
Es mag ja sein, dass Herr Cohen Dinge so oder so sieht. Nur mit dem Begriff des Michaelischen haben solche Zuschreibungen gar nichts zu tun. Im übrigen haben die Leute außerhalb der Info3-Redaktion auch nicht mehr viel mit Cohen und seiner Organisation zu tun, wie ein schneller Blick in Google Trends zeigt: Seit einem kurzen Strohfeuer 2005 tendieren die Nachfragen aus aller Welt in den Suchmaschinen -dieses Thema betreffend- gegen Null. Kein Wunder, dass in dieser Not Kooperationen wie die mit Anthroposophen gesucht werden.

Aber zurück zum "Michaelischen". Seit alters her wird der Erzengel Michael mit zwei Bildern verbunden: Dem der Waage und dem des Sieges über die Schlange. Die Waage, die dieser Erzengel in der Hand hält, ist ein Bild für das innere Gleichgewicht. Ebenso ist es mit der "Bannung" der Schlange unter die Füße. Es ist ja eigentlich kein Kampf, kein Sieg und schon gar kein Töten damit verbunden. Es ist nur ein Bild für eine andere Art des Gleichgewichts- eine Balance zwischen "oberen" und "unteren" Kräften im Menschen. Es sind Bilder des emanzipierten Menschen, der seine individuelle Linie zwischen determinierenden Kräften im Inneren und Äußeren sucht. So nannte Rudolf Steiner diesen Impuls auch den "Menschentragenden" ("Wahrspruchworte Richtspruchworte. Zweite Folge." Dornach 1953), der im übrigen - was Gronbach auch bei dieser Gelegenheit gern unterschlägt- für Steiner in enger Verbindung mit dem Christentum steht. Denn in Michael sieht Steiner "sein Weisen zu Christus" (dito). Das "michaelische Wirken" ist also vor allem eine Bemühung um die Würde des Menschen, um seine innere und äußere Freiheit, um sein persönliches Ringen um innere Balance, allen inneren und äußeren Hindernissen zum Trotz. Dies wie Gronbach zu bezeichnen "als Schwertführer einer kämpfenden Spezialeinheit des Lichts" ist möglicherweise eine Comic- Version davon, entspricht aber weder der christlichen Tradition noch der Vorstellungswelt eines Rudolf Steiners.
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