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Archiv in Dornach geht das Geld aus

Der Aufruf des Archivs (nach 500 Menschen, die je 500 Franken spenden) klang ja schon beinahe verzweifelt:

"Um die aktuellen Forschungsarbeiten weiterführen und die vor der Veröffentlichung stehenden nächsten Bände der Gesamtausgabe in der vorgesehenen Zeit und auf bewährt hohem Niveau publizieren zu können, muss das Rudolf Steiner Archiv bis Ende dieses Jahres CHF 250.000.– aufbringen. Die finanzielle Situation ist so angespannt, dass zusätzlich zu den bereits eingeleiteten Sparmassnahmen auch Stellen abgebaut werden müssten. Das wäre aber ein substanzieller Eingriff in die Tätigkeit des Archivs, denn damit würde das Know-how von spezialisierten und mit dem Werk Rudolf Steiners bestens vertrauten Fachkräften verloren gehen. Was einer Grundsatzentscheidung gleichkäme, in wieweit die in der Zukunft noch anstehenden anspruchvollen Aufgaben bei der Herausgabe des Werks Rudolf Steiners überhaupt erfüllt werden können."

Wie inzwischen von Mitarbeitern zu hören ist, hat auch dieser Aufruf keine geeignete finanzielle Basis ergeben, um das derzeitige Defizit abzuwenden. Es soll Anfang 2011 auch Personal abgebaut werden. Wenn in Kernbereichen der Archivarbeit, der Bibliothek und der Herausgabe der Werke Rudolf Steiners die bisherigen Aufgaben nicht mehr erfüllt werden können, stellen sich nun endlich wirklich existentielle Fragen an den Betrieb des Goetheanum. Hier wird ja nun die Arbeit geleistet, hier werden die Grundlagen für die Freie Hochschule geschaffen. Der Scherbenhaufen deutet sich schon lange an- nicht zuletzt bei der Diskussion um Beteiligungsverkäufe in Bezug auf Weleda. Auch in der "Christengemeinschaft" ist die Finanzierung der Gehälter und Pensionen ihrer Pfarrer nicht hinreichend gesichert.

Nimmt man noch das Ausbluten der anthroposophischen Zeitschriften und früher vielfältigen Verlage hinzu, sieht man eine Krise, die keinesfalls nur ein Produkt aktueller Finanz- und Wirtschaftskrisen ist, sondern ein langjähriger Niedergang, der auch Bereiche wie z.B. die Goetheanumsbühne ergriffen hat. Ein strukturelles Problem, das eine grundlegende Neuaufstellung erfordern müsste. Aber es ist nicht einmal eine offene Diskussion darüber zu sehen und zu hören. Statt eine generelle und zentrale Diskussion anzustoßen, werden die defizitären Tochter- Institutionen offenbar mit ihren Problemen allein gelassen.

Noch eine Verdeutlichung: Das Archiv am Goetheanum mit der Bibliothek am Goetheanum beherbergt das Gesellschaftsarchiv und nicht den Nachlass von Steiner (mit Ausnahme einiger weniger Dokumente).
Es gibt zwar in der Nachlassveraltung auch eine Bibliothek, diejenige, die Steiner persönlich gehörte. Finanziell ist das Steiner Archiv unabhängig vom Goetheanum-Betrieb. Die Nachlassverwaltung ist sozusagen eine eigene "Strömung". Marie Steiner hat sich ja bekannterweise aus der Gesellschaft in den 40iger-Jahren mitsamt Steiners Nachlass herausgezogen und dies hat sich bis heute nicht geändert. (Danke für den Hinweis)

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