Regina Reinsperger: Otto Ohlendorf und Emil Bock
01.Feb.2008 22:14 Uhr Abgelegt in:Anthroposophie | Nationalsozialismus
Andreij Angrick hat in seinem umfangreichen Werk "Besatzungspolitik und Massenmord" die Verbrechen der Einsatzgruppe D aufgearbeitet. Er schreibt auf Seite 716: "Ohlendorfs Aufftritt in der Hauptverhandlung (des Nürnberger Prozesses) am 3. Januar 1946 für die Vertretung der Anklage war die Abrechnung des "Verkannten". Couragiert trat der eloquente Massenmörder an das Zeugenpult und fegte alle "möglichen Entschuldigungsgründe" der Verteidiger für ihre Mandanten hinweg. Diese konnten nur noch Schadensbegrenzung betreiben.... Neben dem erdrückendem Beweismaterial führten Aussagen wie die Ohlendorfs und von dem Bach-Zelewskis zu den Schuldsprüchen in Nürnberg." Ohlendorf legte sich später für seine eigene Verteidigung im "Einsatzgruppenprozeß" eine eigene Verteidigungsstrategie zurecht, Angrick schreibt (Seite 413): "Bis zuletzt , so erweckt es den Anschein, versuchte Ohlendorf dazulegen, dass nicht der Nationalsozialismus verkommen war, sondern die Männer, die ihn nach außen hin repräsentierten." -
Emil Bock, der ca. 9 Monate unter milden Sonderhaftbedingungen (keine Folter) im KZ Welzheim inhaftiert war, sagte auf einer Jugendtagung 1947 (Schroeder, Seite 119): "Der Enthusiasmus und die Begeisterung, die damals in der deutschen Jugend herrschten , waren doch in Ordnung!....Die Popanze jedoch, die als die sogenannten Führer diesen Idealismus auf sich zogen, die waren die eigentliche Katastrophe!" Da Bock Seelsorger Ohlendorfs war und somit dessen o.a. Verteidigungsstrategie kannte, bekommen diese Worte einen ganz neuen Klang trotz der Betetuerung von Hans-Werner Schroeder auf Seite 120: "Bock ist über jeden Verdacht nationalsozialöistischer Tendenzen erhaben." Man kann zumindest die Frage stellen, ob er als Theologe, der mit seiner Übersetzung des Neuen Testamentes und dem Schreiben seiner Büchern gedanklich absorbiert war, wohl den Nationalsozialismus in seinem vollen Ausmaß erkannt hat? Wie sonst lässt sich erklären, dass Werner Georg Haverbeck (siehe Wikipedia-Seite) und Friedrich Benesch als Pfarrer in der Christengemeinschaft arbeiten konnten? - Und noch ein Gedanke zum Schluss: das Warten auf die Vollstreckung eines Todesurteil ist gewiss eine der größten Belastungen, die ein Mensch ertragen muss. Ich sehe dies jedoch auf diesem Hintergrund: Ohlendorfs Opfer in den mobilen Gaswagen, meist Frauen und Kinder, für die die rationierten Kugeln zu teuer waren, mussten unsägliche 15 Minuten mit dem Tod kämpfen und jeder der insgesamt 90.000 grausam Ermordeten hatte sicher auch große Todesangst . Wo war da die "Menschlichkeit" der Täter? (Und um es ganz deutlich zu sagen, mir hätte ein "lebenslänglich" ohne vorzeitige Entlassung nach wenigen Jahren genügt.)
Quellen:
Andrej Angrick, "Besatzungspolitik und Massenmord - Die Einsatzgruppe D in der südlichen Sowjetunion 1941 - 1943 ", 795 Seiten, Hamburger Edition 2003, ISBN 3-930908-91-3
Hans-Werner Schroeder, "Friedrich Benesch - Leben und Werk", Verlag Johannes Mayer, Stuttgart - Berlin 2007
Internet: es sind diverse Seiten zu finden über die Einsatzgruppen, den Einsatzgruppenprozeß und Otto Ohlendorf und Werner Georg Haverbeck, insbesondere auch bei Wikipedia
und: http://www.buergervereinigung-landsberg.de "Kriegsverbrecher"
Emil Bock, der ca. 9 Monate unter milden Sonderhaftbedingungen (keine Folter) im KZ Welzheim inhaftiert war, sagte auf einer Jugendtagung 1947 (Schroeder, Seite 119): "Der Enthusiasmus und die Begeisterung, die damals in der deutschen Jugend herrschten , waren doch in Ordnung!....Die Popanze jedoch, die als die sogenannten Führer diesen Idealismus auf sich zogen, die waren die eigentliche Katastrophe!" Da Bock Seelsorger Ohlendorfs war und somit dessen o.a. Verteidigungsstrategie kannte, bekommen diese Worte einen ganz neuen Klang trotz der Betetuerung von Hans-Werner Schroeder auf Seite 120: "Bock ist über jeden Verdacht nationalsozialöistischer Tendenzen erhaben." Man kann zumindest die Frage stellen, ob er als Theologe, der mit seiner Übersetzung des Neuen Testamentes und dem Schreiben seiner Büchern gedanklich absorbiert war, wohl den Nationalsozialismus in seinem vollen Ausmaß erkannt hat? Wie sonst lässt sich erklären, dass Werner Georg Haverbeck (siehe Wikipedia-Seite) und Friedrich Benesch als Pfarrer in der Christengemeinschaft arbeiten konnten? - Und noch ein Gedanke zum Schluss: das Warten auf die Vollstreckung eines Todesurteil ist gewiss eine der größten Belastungen, die ein Mensch ertragen muss. Ich sehe dies jedoch auf diesem Hintergrund: Ohlendorfs Opfer in den mobilen Gaswagen, meist Frauen und Kinder, für die die rationierten Kugeln zu teuer waren, mussten unsägliche 15 Minuten mit dem Tod kämpfen und jeder der insgesamt 90.000 grausam Ermordeten hatte sicher auch große Todesangst . Wo war da die "Menschlichkeit" der Täter? (Und um es ganz deutlich zu sagen, mir hätte ein "lebenslänglich" ohne vorzeitige Entlassung nach wenigen Jahren genügt.)
Quellen:
Andrej Angrick, "Besatzungspolitik und Massenmord - Die Einsatzgruppe D in der südlichen Sowjetunion 1941 - 1943 ", 795 Seiten, Hamburger Edition 2003, ISBN 3-930908-91-3
Hans-Werner Schroeder, "Friedrich Benesch - Leben und Werk", Verlag Johannes Mayer, Stuttgart - Berlin 2007
Internet: es sind diverse Seiten zu finden über die Einsatzgruppen, den Einsatzgruppenprozeß und Otto Ohlendorf und Werner Georg Haverbeck, insbesondere auch bei Wikipedia
und: http://www.buergervereinigung-landsberg.de "Kriegsverbrecher"
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