Gesundheit & Medizin
Der autonome Zeitgenosse im Spannungsfeld von Initiative, Konflikt und Ausgebranntsein
18.Nov.2011 22:13 Uhr
Die grassierende Diagnose von Burnout und Depressionen wirft die Frage auf, ob die westlichen Kulturen viele ihrer Bürger in einer permanenten Überforderungssituation an innere Grenzen treibt oder welche Umstände sich eventuell grundlegend geändert haben könnten. Alain Ehrenberg, ein französischer Soziologe, ruft in seinem Buch „Das erschöpfte Selbst “(1) u.a. auch diese Frage auf: „Die Depression ist eine Krankheit, die sich außerordentlich für das Verständnis der zeitgenössischen Individualität eignet, das heißt der neuen Dilemmata, in denen sie steckt. In der Psychiatrie hat die Depression die Rolle eines vagen Sammelbegriffs, und das aus gutem Grund: Die Psychiater können sie nach wie vor nicht definieren. Daher kann der Begriff sehr flexibel verwendet werden.“ (2)
Die Krankheit erweist sich zu weiten Teilen daher auch als so schwer greifbar, weil sie die Schattenseite spezifischer neuer Anforderungen an das Individuum darstellt - eines Individuums, dessen gelungene Individuation heute in allen möglichen Rollen - beruflich, medial, privat- vorausgesetzt wird und dessen neue Norm vor allem darin besteht, sich flexibel an sich ständig und schnell wandelnde Umstände anzupassen. Diese Anpassung wird nicht nur in passivem Sinne verstanden, sondern so, dass diese einer persönlichen Initiative entspringen soll; neue Rollen, Aufgaben, Definitionen müssen erkannt und ausgefüllt werden, nicht nur erfüllt: „Die Karriere der Depression beginnt in dem Augenblick, in dem das disziplinarische Modell der Verhaltenssteuerung, das autoritär und verbietend den sozialen Klassen und den beiden Geschlechtern ihre Rolle zuwies, zugunsten einer Norm aufgegeben wird, die jeden zu persönlicher Initiative auffordert: ihn dazu verpflichtet, er selbst zu werden. Die Konsequenz dieser neuen Norm ist, dass die Verantwortung für unser Leben nicht nur in uns selbst liegt, sondern auch im kollektiven Zwischenmenschlichen.“ Die Depression wird so zu einer „Krankheit der Verantwortlichkeit“. (3) Der Depressive kann mit dem Tempo und dem Druck ständiger Wandelbarkeit, Verantwortlichkeit und Initiative nicht mehr mithalten, „er ist erschöpft von der Anstrengung, er selbst werden zu müssen.“ (4)
Dieses „Selbst-Sein“ hat aber wenig mit dem zu tun, was man noch im letzten Jahrhundert als „Persönlichkeit“ verstanden hat- eine in sich „gefestigte“ seelisch- geistige Formation. Aus der Sicht des den alten autoritären Normen folgenden Individuums ergibt sich heute ein nicht unerheblicher möglicher „Orientierungsverlust“, eine galoppierende „Privatisierung der Existenz“, ein „Niedergang des öffentlichen Lebens“ und nicht selten auch berufliche und soziale Isolation. In den Zeiten des „Massenindividualismus“ (sic!), in der Grenzen der persönlichen und nationalen Identität zerbrechen (oder überwunden werden), setzt auch, frei geworden aus dem „disziplinierenden Kerker der alten Gesellschaftsordnung“, eine neue Suchbewegung des Individuums ein, ein allgemeiner Hunger nach Sinnstiftung, der weniger religiös- normativ, sondern mehr aktiv- spirituell erfüllt werden soll- passend zu den allgemein geltenden neuen Normen, die in einer Individuation durch permanente Initiative bestehen: „Das Recht, sich sein Leben zu wählen, und der Auftrag, man selbst zu werden, verorten das Individuum in einer ständigen Bewegung. Damit stellt sich das Problem der regulierenden Grenzen zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung anders: Die Grenze zwischen dem Erlaubten und dem Verbotenen schwindet zugunsten der Spannung zwischen dem Möglichen und dem Unmöglichen.“ (5)
Der starre Kanon dessen, was man als „moralisch“, als integer und „reif“ ansieht, hat sich zugunsten der Entscheidungsfreude und Anpassungsfähigkeit in sozialen Kontexten gewandelt: „Die Person wird nicht länger durch eine äußere Ordnung (..) bewegt, sie muss sich auf ihre inneren Antriebe stützen, auf ihre geistigen Fähigkeiten zurückgreifen. (..) Das ideale Individuum wird nicht mehr an seiner Gefügigkeit gemessen, sondern an seiner Initiative.“ (6)
Depression oder - als eine Sonderform- Burnout sind in diesem Sinne nicht mehr „schuldhaft“ im Sinne der Verletzung von Konformismen im Denken und Handeln, sondern sie sind eher eine „Krankheit der Unzulänglichkeit“: Die Person ist in ihren eigenen Konformismen gefangen. Sie kann sich in dem Spannungsfeld zwischen den Anforderungen einer globalisierten Massengesellschaft und der Zumutung, auch im Älterwerden permanent initiativer Souverän zu sein, nicht mehr flexibel und anpassungsfähig zeigen; sie verholzt in einer abgegrenzten Selbstbezüglichkeit. In diesem Spannungsfeld zwischen Individualismus und Gesellschaftswesen gibt es keinen gegebenen Sinn mehr - diesen muss der moderne Souverän inmitten der Widersprüche selbst erschaffen-; wir „werden weder von einer Religion geführt, noch unterstehen wir einem Souverän, der für alle entscheidet.“ Es bleibt nicht aus, dass die Widersprüche, in denen wir uns bewegen, dass die Vielzahl von Rollen, die wir übernehmen müssen und die Selbstinszenierungen, die von uns abverlangt werden, nicht nur nicht ohne Konflikte, sondern eben gerade durch die Bewältigung von Konflikten erst aufgelöst werden können. Auf ein wie auch immer geartetes „Inneres“ im Sinne einer Seelenlandschaft kommt es weniger an, sondern auf die Konfliktfähigkeit, die Belastbarkeit und Lernfähigkeit, um jeweils „akzeptable Kompromisse“ (S. 21) aushandeln zu können. In diesem Sinne ist der „psychische Konflikt“ nicht mehr ein Tabu, sondern im Gegenteil „die Bedingung der Selbstbegründung, die die moderne Individualität auszeichnet“ (ebenda).
Der „Verstandessseelenmensch“, der sich durch Lebensklugheit, Persönlichkeit und gesunden rationalen Egoismus auszeichnet, hat schon im 20. Jahrhundert ein Waterloo nach dem anderen erlebt- die tatsächlichen politischen, wirtschaftlichen und moralischen Exzesse haben ihm den Boden unter den Füßen entzogen. Die Vernunft bestand zuletzt zumindest auch in einem Gleichgewicht des Schreckens, in einer atomaren erstarrten Dauerbedrohung, in Systemen der Massenvernichtung und in einer Krise der Ideologien, die sich selbst durch Extreme des Inhumanismus jede Legitimation entzogen. Die großen traditionellen Religionen konnten durch moralisierende Normen die Krise des Individuums, das sein eigener Souverän sein muss, nicht mehr erreichen- außer als Rückzugsort. Die „innere Unsicherheit“ dieses von eben diesen Normen befreiten Individuums erfordert neue Antworten, denn starre Normen behindern eher ein Individuum, bei dem „die persönliche Initiative zum Maß der Person“ (S. 24) geworden ist.
________
1 Alain Ehrenberg, Das erschöpfte Selbst. Depression und Gesellschaft in der Gegenwart. Frankfurt 2008
2 Ehrenberg, S. 14
3 Ehrenberg, S. 14 ff
4 Ehrenberg, S. 15
5 Ehrenberg, S. 19
6 Ehrenberg, S. 19
Die Krankheit erweist sich zu weiten Teilen daher auch als so schwer greifbar, weil sie die Schattenseite spezifischer neuer Anforderungen an das Individuum darstellt - eines Individuums, dessen gelungene Individuation heute in allen möglichen Rollen - beruflich, medial, privat- vorausgesetzt wird und dessen neue Norm vor allem darin besteht, sich flexibel an sich ständig und schnell wandelnde Umstände anzupassen. Diese Anpassung wird nicht nur in passivem Sinne verstanden, sondern so, dass diese einer persönlichen Initiative entspringen soll; neue Rollen, Aufgaben, Definitionen müssen erkannt und ausgefüllt werden, nicht nur erfüllt: „Die Karriere der Depression beginnt in dem Augenblick, in dem das disziplinarische Modell der Verhaltenssteuerung, das autoritär und verbietend den sozialen Klassen und den beiden Geschlechtern ihre Rolle zuwies, zugunsten einer Norm aufgegeben wird, die jeden zu persönlicher Initiative auffordert: ihn dazu verpflichtet, er selbst zu werden. Die Konsequenz dieser neuen Norm ist, dass die Verantwortung für unser Leben nicht nur in uns selbst liegt, sondern auch im kollektiven Zwischenmenschlichen.“ Die Depression wird so zu einer „Krankheit der Verantwortlichkeit“. (3) Der Depressive kann mit dem Tempo und dem Druck ständiger Wandelbarkeit, Verantwortlichkeit und Initiative nicht mehr mithalten, „er ist erschöpft von der Anstrengung, er selbst werden zu müssen.“ (4)
Dieses „Selbst-Sein“ hat aber wenig mit dem zu tun, was man noch im letzten Jahrhundert als „Persönlichkeit“ verstanden hat- eine in sich „gefestigte“ seelisch- geistige Formation. Aus der Sicht des den alten autoritären Normen folgenden Individuums ergibt sich heute ein nicht unerheblicher möglicher „Orientierungsverlust“, eine galoppierende „Privatisierung der Existenz“, ein „Niedergang des öffentlichen Lebens“ und nicht selten auch berufliche und soziale Isolation. In den Zeiten des „Massenindividualismus“ (sic!), in der Grenzen der persönlichen und nationalen Identität zerbrechen (oder überwunden werden), setzt auch, frei geworden aus dem „disziplinierenden Kerker der alten Gesellschaftsordnung“, eine neue Suchbewegung des Individuums ein, ein allgemeiner Hunger nach Sinnstiftung, der weniger religiös- normativ, sondern mehr aktiv- spirituell erfüllt werden soll- passend zu den allgemein geltenden neuen Normen, die in einer Individuation durch permanente Initiative bestehen: „Das Recht, sich sein Leben zu wählen, und der Auftrag, man selbst zu werden, verorten das Individuum in einer ständigen Bewegung. Damit stellt sich das Problem der regulierenden Grenzen zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung anders: Die Grenze zwischen dem Erlaubten und dem Verbotenen schwindet zugunsten der Spannung zwischen dem Möglichen und dem Unmöglichen.“ (5)
Der starre Kanon dessen, was man als „moralisch“, als integer und „reif“ ansieht, hat sich zugunsten der Entscheidungsfreude und Anpassungsfähigkeit in sozialen Kontexten gewandelt: „Die Person wird nicht länger durch eine äußere Ordnung (..) bewegt, sie muss sich auf ihre inneren Antriebe stützen, auf ihre geistigen Fähigkeiten zurückgreifen. (..) Das ideale Individuum wird nicht mehr an seiner Gefügigkeit gemessen, sondern an seiner Initiative.“ (6)
Depression oder - als eine Sonderform- Burnout sind in diesem Sinne nicht mehr „schuldhaft“ im Sinne der Verletzung von Konformismen im Denken und Handeln, sondern sie sind eher eine „Krankheit der Unzulänglichkeit“: Die Person ist in ihren eigenen Konformismen gefangen. Sie kann sich in dem Spannungsfeld zwischen den Anforderungen einer globalisierten Massengesellschaft und der Zumutung, auch im Älterwerden permanent initiativer Souverän zu sein, nicht mehr flexibel und anpassungsfähig zeigen; sie verholzt in einer abgegrenzten Selbstbezüglichkeit. In diesem Spannungsfeld zwischen Individualismus und Gesellschaftswesen gibt es keinen gegebenen Sinn mehr - diesen muss der moderne Souverän inmitten der Widersprüche selbst erschaffen-; wir „werden weder von einer Religion geführt, noch unterstehen wir einem Souverän, der für alle entscheidet.“ Es bleibt nicht aus, dass die Widersprüche, in denen wir uns bewegen, dass die Vielzahl von Rollen, die wir übernehmen müssen und die Selbstinszenierungen, die von uns abverlangt werden, nicht nur nicht ohne Konflikte, sondern eben gerade durch die Bewältigung von Konflikten erst aufgelöst werden können. Auf ein wie auch immer geartetes „Inneres“ im Sinne einer Seelenlandschaft kommt es weniger an, sondern auf die Konfliktfähigkeit, die Belastbarkeit und Lernfähigkeit, um jeweils „akzeptable Kompromisse“ (S. 21) aushandeln zu können. In diesem Sinne ist der „psychische Konflikt“ nicht mehr ein Tabu, sondern im Gegenteil „die Bedingung der Selbstbegründung, die die moderne Individualität auszeichnet“ (ebenda).
Der „Verstandessseelenmensch“, der sich durch Lebensklugheit, Persönlichkeit und gesunden rationalen Egoismus auszeichnet, hat schon im 20. Jahrhundert ein Waterloo nach dem anderen erlebt- die tatsächlichen politischen, wirtschaftlichen und moralischen Exzesse haben ihm den Boden unter den Füßen entzogen. Die Vernunft bestand zuletzt zumindest auch in einem Gleichgewicht des Schreckens, in einer atomaren erstarrten Dauerbedrohung, in Systemen der Massenvernichtung und in einer Krise der Ideologien, die sich selbst durch Extreme des Inhumanismus jede Legitimation entzogen. Die großen traditionellen Religionen konnten durch moralisierende Normen die Krise des Individuums, das sein eigener Souverän sein muss, nicht mehr erreichen- außer als Rückzugsort. Die „innere Unsicherheit“ dieses von eben diesen Normen befreiten Individuums erfordert neue Antworten, denn starre Normen behindern eher ein Individuum, bei dem „die persönliche Initiative zum Maß der Person“ (S. 24) geworden ist.
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1 Alain Ehrenberg, Das erschöpfte Selbst. Depression und Gesellschaft in der Gegenwart. Frankfurt 2008
2 Ehrenberg, S. 14
3 Ehrenberg, S. 14 ff
4 Ehrenberg, S. 15
5 Ehrenberg, S. 19
6 Ehrenberg, S. 19
Comments
Wunderbarer Frühling
22.Apr.2011 23:02 Uhr
Das wird offenbar kein gutes Jahr für Allergiker. Wenn man durch die heimatliche Natur schweift - gleichgültig ob in eher gebirgigen Gegenden oder dem platten Land-, hat man den Eindruck, als würde die Natur dieses Jahr geradezu bersten vor Kraft. Die Schösslinge jeder Art schiessen empor und entfalten sich breit im Blatt, satt vor Kraft. Bei uns spielt auch das Wetter mit. Es entfaltet sich in einer Ideallinie zwischen kalten, feuchten Nächten und einer klaren, intensiven Sonne am Tag- überraschend warm für die Jahreszeit. Was man neu ansetzt, gedeiht auf ungekannte Art, es gibt keinen Ausschuss, keine Kümmerlinge. Selbst die gestreuten Samen entfalten sich, als hätten sie es eilig. Das gibt ein Gefühl der Dankbarkeit und des Trostes- ist es doch, als sei die Natur bemüht, die schweren Verletzungen alles dessen, was lebt, die wir in der letzten Zeit erlebt haben, wenigstens im Vegetativen auszugleichen- ein Körper, der an einer Entzündung erkrankt ist und die Selbstheilungskräfte mobilisiert. Das macht niemanden lebendig, der gestorben ist und repariert nicht die für Jahrhunderte verseuchten Zonen. Es tut, was es kann. Es macht einen wunderbaren Frühling. Ein Frühling, gesättigt von österlichem Geist.
Neurodings
19.Apr.2010 19:37 Uhr
In einer Beilage der FAZ („Wohlsein“, 11.4.2010) fiel mir eine Anzeige von Weleda ins Auge. Es handelt sich um das Medikament „Neurodoron“. Die Werbung verspricht „natürliche Hilfe bei Stress und Erschöpfung“- ein wahres Wundermittel also für ungefähr die Hälfte der Bevölkerung: „Die
Komposition natürlicher Substanzen in Neurodoron, wie z.B. Bergkristall und Gold, stärkt das Nervensystem und regeneriert bei Erschöpfung, das Ganze natürlich „gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis“. Versprochen wird „Harmonisierung und Stabilisierung des Wesensgliedergefüges bei nervöser Erschöpfung und Stoffwechselschwäche, z.B. Nervosität, Angst- und Unruhezustände, depressive Verstimmung, niedriger Blutdruck, Rekonvaleszenz, Kopfschmerzen. Enthält Lactose und Weizenstärke.“
Laktose ist offenbar die Trägersubstanz für die Wirkstoffe. Es handelt sich um ein billiges Abfallprodukt der Milchindustrie, das gern und überaus häufig in der industriellen Fertigung von Lebensmitteln eingesetzt wird: „In der Lebensmittelindustrie spielt Laktose ebenfalls eine wichtige Rolle. Aufgrund seiner chemischen und technologischen Eigenschaften findet Laktose bei der Herstellung vieler industriell gefertigter Produkte wie Back-, Süß- und Wurstwaren, fettreduzierte Lebensmittel, Fertiggerichte, Gewürzmischungen und Süßstofftabletten Anwendung. Laktose dient als Bindemittel und Trägerstoff für Aromen. Sie bewirkt eine höhere Festigkeit und ein höheres Volumen. Zahlreiche Medikamente enthalten ebenfalls Laktose als Füllstoff oder zur Geschmackskorrektur. Da die Laktose oft nicht in Lebensmitteln deklariert wird, ist die Chance für den Patienten auf "versteckte Laktose" zu treffen recht groß.“ (Quelle)
Nun ist die Existenz des Enzyms Laktase, das im Dünndarm die Aufspaltung der Laktose und damit die Verdaubarkeit ermöglicht, je nach Alter und Lebensraum höchst unterschiedlich. In Asien besteht vielfach eine praktisch flächendeckende Laktoseintoleranz, in Deutschland und Österreich können etwa 15- 20% der Bevölkerung Laktose nicht verdauen. Das führt im Dickdarm der Betroffenen zu toxischen Abbauprodukten, die über die Darmwände bis ins Gehirn gelangen und eine Art Vergiftung hervorrufen. Die Auswirkungen reichen von schweren chronischen Durchfällen bis hin zu Chronischer Müdigkeit, Gliederschmerzen, Depressiven Verstimmungen, Innerer Unruhe, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Erschöpfungszuständen, Nervosität, Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen, Unreiner Haut, Konzentrationsstörungen und Abgeschlagenheit. Daher trat „am 25.11.05 (..) die EU-Richtlinie 2003/89/EG in Kraft, nach der Laktose im Zutatenverzeichnis ausgewiesen werden muss, was in vielen Fällen allerdings nicht geschieht.“ (Quelle)
Nun muss man noch erwähnen, dass die Nebenwirkungen dieses überflüssigen Füllstoffs seit 1945 bekannt sind. Man weiss auch, dass gerade bei älteren Menschen die Laktaseproduktion linear abnimmt, so dass im Alter von 60 Jahren nach manchen Schätzungen die Hälfte der Bevölkerung von dieser Unverträglichkeit betroffen ist. Bei den Discountern hat sich das herum gesprochen- vor allem bei Lidl deklariert man inzwischen nicht nur penibel, sondern ersetzt die Laktose auch flächendeckend- etwa durch die harmlose Dextrose. Bei Weleda allerdings gehen die Uhren anscheinend anders. Vielleicht liest man dort auch das Ärzteblatt nicht. So tritt das paradoxe Phänomen auf, dass ein Medikament, das Nervosität und viele andere schwer wiegende Störungen zu bekämpfen vorgibt, sie bei vielen Betroffenen erst hervor ruft.

Laktose ist offenbar die Trägersubstanz für die Wirkstoffe. Es handelt sich um ein billiges Abfallprodukt der Milchindustrie, das gern und überaus häufig in der industriellen Fertigung von Lebensmitteln eingesetzt wird: „In der Lebensmittelindustrie spielt Laktose ebenfalls eine wichtige Rolle. Aufgrund seiner chemischen und technologischen Eigenschaften findet Laktose bei der Herstellung vieler industriell gefertigter Produkte wie Back-, Süß- und Wurstwaren, fettreduzierte Lebensmittel, Fertiggerichte, Gewürzmischungen und Süßstofftabletten Anwendung. Laktose dient als Bindemittel und Trägerstoff für Aromen. Sie bewirkt eine höhere Festigkeit und ein höheres Volumen. Zahlreiche Medikamente enthalten ebenfalls Laktose als Füllstoff oder zur Geschmackskorrektur. Da die Laktose oft nicht in Lebensmitteln deklariert wird, ist die Chance für den Patienten auf "versteckte Laktose" zu treffen recht groß.“ (Quelle)
Nun ist die Existenz des Enzyms Laktase, das im Dünndarm die Aufspaltung der Laktose und damit die Verdaubarkeit ermöglicht, je nach Alter und Lebensraum höchst unterschiedlich. In Asien besteht vielfach eine praktisch flächendeckende Laktoseintoleranz, in Deutschland und Österreich können etwa 15- 20% der Bevölkerung Laktose nicht verdauen. Das führt im Dickdarm der Betroffenen zu toxischen Abbauprodukten, die über die Darmwände bis ins Gehirn gelangen und eine Art Vergiftung hervorrufen. Die Auswirkungen reichen von schweren chronischen Durchfällen bis hin zu Chronischer Müdigkeit, Gliederschmerzen, Depressiven Verstimmungen, Innerer Unruhe, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Erschöpfungszuständen, Nervosität, Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen, Unreiner Haut, Konzentrationsstörungen und Abgeschlagenheit. Daher trat „am 25.11.05 (..) die EU-Richtlinie 2003/89/EG in Kraft, nach der Laktose im Zutatenverzeichnis ausgewiesen werden muss, was in vielen Fällen allerdings nicht geschieht.“ (Quelle)
Nun muss man noch erwähnen, dass die Nebenwirkungen dieses überflüssigen Füllstoffs seit 1945 bekannt sind. Man weiss auch, dass gerade bei älteren Menschen die Laktaseproduktion linear abnimmt, so dass im Alter von 60 Jahren nach manchen Schätzungen die Hälfte der Bevölkerung von dieser Unverträglichkeit betroffen ist. Bei den Discountern hat sich das herum gesprochen- vor allem bei Lidl deklariert man inzwischen nicht nur penibel, sondern ersetzt die Laktose auch flächendeckend- etwa durch die harmlose Dextrose. Bei Weleda allerdings gehen die Uhren anscheinend anders. Vielleicht liest man dort auch das Ärzteblatt nicht. So tritt das paradoxe Phänomen auf, dass ein Medikament, das Nervosität und viele andere schwer wiegende Störungen zu bekämpfen vorgibt, sie bei vielen Betroffenen erst hervor ruft.
Regina Reinsperger: „Aufmerksamkeit“ oder Metamorphose der Sinnesorgane durch Erblindung
14.Jan.2010 20:55 Uhr
In einem der letzten Kommentare wurde gefragt, wie Blinde die Realität wahrnehmen können. Eine Antwort hierauf und wie sich durch eine Erblindung auch die anderen Sinnesorgane kompensatorisch verfeinern, gibt Jacques Lusseyran (1924-1971) in seinem Buch „Das wiedergefundene Licht – Die Lebensgeschichte eines Blinden im französischen Widerstand“ (DTV-Taschenbuch).

Ich selbst habe einen blind geborenen Mann kennengelernt, der die Erfahrungen von Lusseyran bestätigte, und der in einem ihm völlig fremden Raum Anordnung und Größe von Möbeln und Gegenständen und die Lage von Türen und Fenstern völlig korrekt beschrieb. Diese Phänomene, sind unter den Blinden selbst bekannt, sie sprechen jedoch meist mit Außenstehenden nicht darüber. Außerdem haben keineswegs alle Blinden diese Erfahrungen, besonders Menschen, die erst im Alter erblinden, stehen meist völlig hilflos im dunklen Raum und sind auf umfassende Hilfeleistungen angewiesen. - Auch die „gestützte Kommunikation“ (FC=Facilitated Communication), die erst seit Anfang der 90-er Jahre entwickelt wurde, brachte erstaunliche Innenansichten von Schwerstbehinderten zu Tage. Diese Berichte werden heute meist nur unkommentiert zur Kenntnis genommen. Auch Lusseyran ´s Beschreibung über seine Erblindung und das Wiederfinden des Lichtes ist ein Einzelbericht, jedoch so interessant, dass ich ihn selbst zu Wort kommen lassen will. Ich habe jedoch für diesen kleinen Artikel, um die Gedankengänge zu straffen, manchmal die Reihenfolge der Abschnitte aus dem zweiten und dritten Kapitel des Buches ein wenig verändert, nicht jedoch Lusseyran ´s Sätze. Lusseyran beschreibt die Erfahrungen, die er in der Anfangszeit der Erblindung machte. Durch einen Unfall wurde eine operative Entfernung des rechten Augapfels nötig, die Retina des linken Auges war mehrfach gerissen und ebenfalls zerstört. Er war zu dieser Zeit acht Jahre alt und es waren die 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts in Paris. Er beschreibt seine neue Situation in seinem Buch folgendermaßen:..
zum ganzen Text..

Ich selbst habe einen blind geborenen Mann kennengelernt, der die Erfahrungen von Lusseyran bestätigte, und der in einem ihm völlig fremden Raum Anordnung und Größe von Möbeln und Gegenständen und die Lage von Türen und Fenstern völlig korrekt beschrieb. Diese Phänomene, sind unter den Blinden selbst bekannt, sie sprechen jedoch meist mit Außenstehenden nicht darüber. Außerdem haben keineswegs alle Blinden diese Erfahrungen, besonders Menschen, die erst im Alter erblinden, stehen meist völlig hilflos im dunklen Raum und sind auf umfassende Hilfeleistungen angewiesen. - Auch die „gestützte Kommunikation“ (FC=Facilitated Communication), die erst seit Anfang der 90-er Jahre entwickelt wurde, brachte erstaunliche Innenansichten von Schwerstbehinderten zu Tage. Diese Berichte werden heute meist nur unkommentiert zur Kenntnis genommen. Auch Lusseyran ´s Beschreibung über seine Erblindung und das Wiederfinden des Lichtes ist ein Einzelbericht, jedoch so interessant, dass ich ihn selbst zu Wort kommen lassen will. Ich habe jedoch für diesen kleinen Artikel, um die Gedankengänge zu straffen, manchmal die Reihenfolge der Abschnitte aus dem zweiten und dritten Kapitel des Buches ein wenig verändert, nicht jedoch Lusseyran ´s Sätze. Lusseyran beschreibt die Erfahrungen, die er in der Anfangszeit der Erblindung machte. Durch einen Unfall wurde eine operative Entfernung des rechten Augapfels nötig, die Retina des linken Auges war mehrfach gerissen und ebenfalls zerstört. Er war zu dieser Zeit acht Jahre alt und es waren die 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts in Paris. Er beschreibt seine neue Situation in seinem Buch folgendermaßen:..
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Die Intentions- Wahrnehmungs- Behinderung
12.Jan.2010 20:47 Uhr
Er gilt von amtlicher Seite her als sprachbehindert, und man erwartet von ihm, dass er die normale Schullaufbahn mit ein wenig Unterstützung absolviert. Er spricht ganz normal, obwohl er mehrsprachig aufwächst. Und das Meiste versteht er eigentlich auch - so scheint es- normal. Er wird aber immer wieder von ausgeprägten Wutausbrüchen in seiner sozialen Akzeptanz zurück gestossen, ohne dass die Ursache für diese Wut sichtbar wäre. Er geht eigentlich gelegentlich hoch wie ein Vulkan, in blinder und bitterer Ekstase.
Zunächst fällt bei ihm in der pädagogischen Diagnostik auf, dass er Sprache zwar versteht, aber ohne deren Tiefe zu erfassen. Verbindungen von Begriffen im sprachlichen (und dann auch logischen) Kontext sind ihm nicht einsichtig- etwa Gegensätze, Entsprechungen, Ableitungen, Oberbegriffe. Er steht vor einer Welt von Einzelheiten, die auf rätselhafte und für den Jungen nicht einsehbare Weise miteinander verbunden sind. Ich nehme an, so etwas macht einen wütend, weil die Dinge so unerklärlich sind. Man fühlt sich nicht wohl in einer Welt, die zersplittert ist und immer uneinsehbar war.
Ich erinnere mich noch an die Äußerung meines damals 9jährigen Sohnes, der irgendwann, als er etwas verstand, ausrief, „Das Leben wird immer besser!“ Ja, es wird besser, weil man es besser versteht. Man wird in dieser Hinsicht - hoffentlich- im Laufe seines Lebens zum Fachmann. Diese Sicherheit und diese Freude bleibt dem Jungen, von dem ich schreibe, zu grossen Teilen verwehrt. Das grösste Problem ist aber vielleicht, dass dieser Junge die sprachlichen Intentionen nicht versteht. Eine Arbeitsanweisung versteht er den Worten nach, aber er begreift nicht, dass darin etwas wie eine Aufforderung enthalten ist. Er kann auch Inhalte solcher Sätze wieder geben, aber nicht, was damit gewollt ist. Das ist vermutlich etwas, was Rudolf Steiner stets mit dem „Gedankensinn“ bezeichnet hat: Der Sinn für sprachliche und gedankliche Intentionen- der Sinn für die Sinnhaftigkeit.
Darin aber schliesst sich das weitere Problem an, dass dieser Junge natürlich auch nicht die Intentionen von Menschen erkennt. Einmal war der Junge von einem grossen, sehr viel älteren Mitschüler bedroht. Ein anderer junger Mitschüler trat mutig dazwischen und ermahnte den Älteren: „Lass den Kleinen und Schwächeren hier in Ruhe!“. Der Junge, der doch akut bedroht war, ging außer sich vor Wut auf seinen Verteidiger los und schrie: „Ich bin nicht schwach!“ Er hatte die Intention, ihn zu verteidigen, überhaupt nicht erkannt, sondern fühlte sich angegriffen. Den Sinn für die Intentionen von Mitmenschen bezeichnete Rudolf Steiner als „Ich- Sinn“. Gemeint ist unsere alltägliche Grundlage für ein soziales, verstehbares Miteinander.
Zunächst fällt bei ihm in der pädagogischen Diagnostik auf, dass er Sprache zwar versteht, aber ohne deren Tiefe zu erfassen. Verbindungen von Begriffen im sprachlichen (und dann auch logischen) Kontext sind ihm nicht einsichtig- etwa Gegensätze, Entsprechungen, Ableitungen, Oberbegriffe. Er steht vor einer Welt von Einzelheiten, die auf rätselhafte und für den Jungen nicht einsehbare Weise miteinander verbunden sind. Ich nehme an, so etwas macht einen wütend, weil die Dinge so unerklärlich sind. Man fühlt sich nicht wohl in einer Welt, die zersplittert ist und immer uneinsehbar war.
Ich erinnere mich noch an die Äußerung meines damals 9jährigen Sohnes, der irgendwann, als er etwas verstand, ausrief, „Das Leben wird immer besser!“ Ja, es wird besser, weil man es besser versteht. Man wird in dieser Hinsicht - hoffentlich- im Laufe seines Lebens zum Fachmann. Diese Sicherheit und diese Freude bleibt dem Jungen, von dem ich schreibe, zu grossen Teilen verwehrt. Das grösste Problem ist aber vielleicht, dass dieser Junge die sprachlichen Intentionen nicht versteht. Eine Arbeitsanweisung versteht er den Worten nach, aber er begreift nicht, dass darin etwas wie eine Aufforderung enthalten ist. Er kann auch Inhalte solcher Sätze wieder geben, aber nicht, was damit gewollt ist. Das ist vermutlich etwas, was Rudolf Steiner stets mit dem „Gedankensinn“ bezeichnet hat: Der Sinn für sprachliche und gedankliche Intentionen- der Sinn für die Sinnhaftigkeit.
Darin aber schliesst sich das weitere Problem an, dass dieser Junge natürlich auch nicht die Intentionen von Menschen erkennt. Einmal war der Junge von einem grossen, sehr viel älteren Mitschüler bedroht. Ein anderer junger Mitschüler trat mutig dazwischen und ermahnte den Älteren: „Lass den Kleinen und Schwächeren hier in Ruhe!“. Der Junge, der doch akut bedroht war, ging außer sich vor Wut auf seinen Verteidiger los und schrie: „Ich bin nicht schwach!“ Er hatte die Intention, ihn zu verteidigen, überhaupt nicht erkannt, sondern fühlte sich angegriffen. Den Sinn für die Intentionen von Mitmenschen bezeichnete Rudolf Steiner als „Ich- Sinn“. Gemeint ist unsere alltägliche Grundlage für ein soziales, verstehbares Miteinander.
Regina Reinsperger: Autismus- Syndrom
08.Jan.2010 22:37 Uhr
Autistische Menschen haben auch Schwierigkeiten, die Gefühle und Stimmungen, die Meinungen, Wünsche und Absichten anderer Menschen zu erfassen und Schlüsse aus den Äußerungen anderer zu ziehen. Sie können daher nicht erkennen, wem sie vertrauen können und wem nicht. Dieser Komplex setzt voraus, ein Bewusstsein davon zu entwickeln, dass verschiedene Leute verschiedenes Wissen besitzen, je nachdem, was sie gesehen oder erlebt haben. Es setzt eine Vorstellung darüber voraus, dass andere etwas anderes wissen können als ich („theory of mind“ - Normalerweise entwickeln Kinder dies zwischen dem 4 und 7. Lebensjahr). - Viele haben trotz guter Sprachbegabung auch Probleme, die in verschiedenen Situationen sich ändernden Bedeutungen zu verstehen. Die Worte werden verstanden, aber nicht immer die Intention oder die Bedeutung für den Sprecher, da dies eine ganzheitliche Erfassung der Situation auf verbaler und nonverbaler Ebene voraussetzt.
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Das Sprießen der Synapsen
02.Jul.2009 21:51 Uhr

Mit einem wild wachsenden Gehirn kann man kaum das entwickeln, was wir unter Bewusstsein, Selbstbewusstsein und Erinnerung verstehen. Ich stelle mir das Bewusstsein des sehr kleinen Kindes wie ein Mitschwimmen in seiner Umwelt vor- etwa in den Klängen der gehörten Sprache. Das Baby lebt sich - auch die Sprachintentionen träumend mitvollziehend - in den umgebenden Sprachleib ein. Das „Pruning“ drängt nicht in der Umgebung benutzte sprachliche Modulationen zurück. Dementsprechend reagiert das Kleinkind bald nur noch auf bekannte Laute. Das Bewusstsein muss einen symbiotischen Charakter haben, die Sinne sind noch nicht differenziert, sondern werden synästhetisch erlebt. Das Baby trinkt und schmeckt ununterschieden mit dem ganzen Leib, seine Zehen wippen im schmeckenden Genuss mit, der ganze Körper und Mensch ist Schmecken.
Die Synaptogenese ist seit den 70er Jahren bekannt. Der ganze Prozess der Myelinisierung wird immer noch intensiv - aber doch erst relativ anfänglich- erforscht, da er offensichtlich essentiell mit der Reifung des Gehirns und mit Bewusstseinsfragen zusammen hängt. Heute nimmt man an, dass der Prozess sich bis zur Geschlechtsreife hinzieht.
Mit den neuen bildgebenden Hirnforschungsmethoden der neueren Zeit (z.B. MRI) wurde nun überraschend festgestellt, dass es einen neuen Schwung des Hirnwachstums auch in der Pubertät gibt. Die Untersuchungen haben nachgewiesen, dass es in der Region des Frontalkortex während der Pubertät einen „Einbruch im neuronalen Reifeprozess“ gibt. Die wuchernde „graue Substanz“ erlebt etwa im 12. Lebensjahr hinter der Stirn ihren Höhepunkt, um danach durch ein einsetzendes Pruning wieder zurück zu gehen. Dieses Ausjäten scheint - mitsamt dem damit verbundenen „Weißwerden“ dieser Region bis hin ins 30 Lebensjahr fortzuschreiten.
Die Funktion des Frontallappens besteht in der Fähigkeit, das Verhalten zu planen und an die Umgebung anzupassen, aber auch die Gedanken zu kontrollieren und mit dem Verhalten zu koordinieren. Genau diese Funktionen werden durch das zunächst ungehemmte Wachstum in der Hirnregion um das 12. Lebensjahr praktisch unmöglich gemacht. Das ist die Pubertät. Die Orientierung an den Vorbildern und den Eltern setzt aus; die Orientierung an der umgebenden Peergroup rückt an deren Stelle. Die Myelinisierung kann dann in dem Maß gelingen, wie die Selbstverantwortlichkeit, die Koordinierung von Denken, Fühlen und Verhalten geübt und praktiziert wird. Das Erwerben von Problemlösungskompetenzen ist aber offensichtlich ein mühsamer Prozess, der erst knapp vor dem 30. Lebensjahr - vielleicht- zu einem vorläufigen Ende kommt. Verständlicher wird durch die Forschungen die - auch kognitive- Krise in der Pubertät. Entwicklung verläuft nicht linear, sondern in Wellen, und vor allem nicht von selbst. Das Gehirn wird mehrfach im Leben tiefgehend reorganisiert.
Dämonen
02.Mai.2009 22:21 Uhr
Heute heißen die Dämonen H1N1.

Für die absoluten Paranoiker springt Google liebenswert in die Bresche. Per GoogleMaps kann man haargenau die Spur verfolgen, die das Virus - durch gemeldete Erkrankungsfälle markiert- nun nimmt. Man kann es praktisch auf einen zukommen sehen. Das gibt die Möglichkeit, sich rechtzeitig in den luftgereinigten unterirdischen Bunker zu verziehen, den man in weiser Voraussicht bereits gebaut hat.
(Nachts fiel der Strom zufällig aus, seine Luftturbine sprang nicht wieder an, und er erstickte im Schlaf. Man musste ihn dort unten lassen, da niemand die Sicherheitstür mit Luftschleuse aufbekam. Man könnte das als seinen Sarkophag bezeichnen, wenn man Metaphern mag. Von der Grippe hat man nichts mehr gehört.)

Für die absoluten Paranoiker springt Google liebenswert in die Bresche. Per GoogleMaps kann man haargenau die Spur verfolgen, die das Virus - durch gemeldete Erkrankungsfälle markiert- nun nimmt. Man kann es praktisch auf einen zukommen sehen. Das gibt die Möglichkeit, sich rechtzeitig in den luftgereinigten unterirdischen Bunker zu verziehen, den man in weiser Voraussicht bereits gebaut hat.
(Nachts fiel der Strom zufällig aus, seine Luftturbine sprang nicht wieder an, und er erstickte im Schlaf. Man musste ihn dort unten lassen, da niemand die Sicherheitstür mit Luftschleuse aufbekam. Man könnte das als seinen Sarkophag bezeichnen, wenn man Metaphern mag. Von der Grippe hat man nichts mehr gehört.)
Anthroposophische Pharmazeutik in der Krise?
06.Dez.2007 20:03 Uhr

Im letzten letzten Heft der "Zeitschrift für alle Gesundheitsberufe" Dr. med. Mabuse (Ausgabe Nr. 170) wurde in überarbeiteter und aktualisierter Version der Artikel "Anthroposophische Pharmazie in der Krise?" von mir publiziert. Dieser ist in anderer Form bereits in der Zeitschrift Info3 erschienen:
"Seit einiger Zeit häufen sich Berichte über Erfolge alternativer und ökologischer Produkte und Unternehmen. So greift Lidl nach der Ökoladen- Kette Basic, Arcandor hat sich den alternativen Bekleidungsversender Hess- Natur einverleibt, Dr. Hauschka- Pflegeprodukte werden in Frauenzeitschriften von Hollywoodstars zum wiederholten Male gepriesen, und selbst die deutschen Rudolf-Steiner- Schulen können sich vor Neuanmeldungen kaum retten. Entgegen all diesen Erfolgsmeldungen ist es um anthroposophische Medizin und Pharmazie bemerkenswert ruhig.
Um die Gründe für das Verharren dieser Branchen in ihren Nischen zu beleuchten, bietet sich ein Blick in die Jahresberichte der „Medizinischen Sektion“ am Goetheanum an (...)"
weiter..
ADS
01.Dez.2007 23:57 Uhr
Beruflich bedingt bin ich mit allen möglichen Formen des Aufmerksamkeits- Defizit- Syndroms beschäftigt, und zwar seit langem und in praktischem Sinne. Ich bin Förderlehrer, Diagnostiker, Gutachter- häufig gerade in Bezug auf dieses Syndrom. Es ist verbreitet; man muss etwa 4% eines Jahrgangs dazu zählen. Allerdings sind Ausmaß und Art breit gestreut. Außerdem liegen häufig Komorbiditäten zu anderen Problembereichen vor- etwa Lese-Rechtschreibschwäche oder Rechenschwäche (Dyskalkulie). Die gemeinsamen Probleme der Schüler liegen in der mangelhaften Zwischen- und Langzeitspeicherung jedweder Information. Sie weisen einen Flickenteppich von unverbundenen Informationsfeldern in ihrer inneren Landschaft auf. Zudem ist der "Zwischenspeicher", mit dem wir z.B. sinnliche Eindrücke in einer bewussten Gleichzeitigkeit festhalten können, sehr viel kleiner. Er läuft faktisch dauernd über. Zum Dritten ist die Aufmerksamkeit dieser Kinder nicht ausreichend fokussiert- sie lappt in das Umfeld hinein und grenzt sich nicht genügend -eine klar fokussierte, scharfe Lichtquelle- ab. Dadurch fliessen Hintergrundgeräusche in der Umgebung dieser Kinder gleichwertig neben Lerninhalte und überlagern diese schnell- die Kinder sind "abgelenkt". Schließlich besteht auch die Gemeinsamkeit, dass selbst gut gelernte Inhalte nicht adäquat aus dem Gedächtnis abgerufen werden können- es sind Rudimente. Manchmal ist die dauerhafte Speicherung zwar gelungen, aber gewissermaßen "auf flüssigem Grund". Die Schüler werden bei neu Gelerntem in Bezug auf ältere Inhalte unsicher oder vergessen diese dauerhaft, weil die neuen die alten Inhalte verdrängt haben. Schließlich besteht die Gemeinsamkeit, dass die Schüler stark assoziativ vorstellen- ein beliebiges Stichwort führt zu endlosen Assoziationsketten, in denen sich die Schüler verlieren und die ihnen den Ruf von "Träumern" eingebracht haben.
Dies betrifft eine erste Gruppe von ADS- Kindern. Jedenfalls vorrangig, weil bei ihnen diese kognitive Störung, als die man ADS bezeichnen kann, tatsächlich hauptsächlich im Kopf stattfindet. Sie kommen nur schwer in einem üblichen Klassenunterricht zurecht. Sie sind abgelenkt und denken endlos introvertiert in sich hinein- nur mit geringem Bezug zu ihrer Umgebung. Das "verträumte Kind" hat aber in Wirklichkeit ein kognitives Problem. Es ist in Panik, weil es das voll und ganz bemerkt. Manchmal ist es zutiefst deprimiert und pessimistisch. Es gibt regelrecht lethargische Formen,in denen der gesamte Muskeltonus reduziert erscheint- diese Kinder "hängen" herum, liegen auf den Tischen. Nein, es liegt nicht nur am schlechten Unterricht - es ist ein Dauerzustand.
Die zweite Gruppe ist die, die man als hyperaktiv bezeichnet (Hyperkinetisches Syndrom). Diese Schüler sind nicht lethargisch- depressiv, sondern unkontrollierbar unruhig. Sie sind die Nervosität in Person. Manchmal sind sie auch ungeschickt und verletzen sich schwer, riskieren aus motorischem Überschwang viel zu viel. Sie lieben das Rasen, und die Höhe. Manche schießen gern auf die Wipfel, und zwar im wörtlichen Sinn. Steiner bezeichnete diese "Nervosität" auch als ein nicht genügendes Verbundensein des Seelischen mit dem Leiblichen, wodurch ein innerer Saturn im Leib vagabundiere und das Seelische dauernd antreibe und anstosse. Diese Kinder haben (Saturn-Symbolik) häufig Probleme mit Grenzen. In manchen Fällen können sie vollkommen außer sich geraten. Sie können Regeln nicht nur schlecht merken (auch im Sinne der Rechtschreibung und Schrift überhaupt), sondern sie noch weniger akzeptieren. Sie rennen manchmal dagegen an. Der Sinn ihrer ungesteuerten Aktivitäten besteht darin, auch Aufmerksamkeit zu erregen. Die Kinder brauchen ein starkes Feedback. Sie akzeptieren auch lautstarken Widerstand in ihrer Umgebung- Hauptsache Aufmerksamkeit. Sie wollen spüren, dass sie s i n d, und benötigen eine ständige Bestätigung Anderer.
Die dritte Form wird von mir hinzugefügt. Ich sehe eine Gruppe mit den oben genannten kognitiven Problemen, die weder hyper- noch hypoaktiv reagiert, sondern vielmehr Wut in sich ballt. Was bei der einen Gruppe mehr im Kopf, bei der anderen mehr im Bewegungsapparat spielte, ballt sich hier seelisch als Faust zusammen. Diese Schüler - die doch selbst auf der Ebene des Gemüts wie hektische, schwankende Mimosen reagieren- piesacken ihre Umgebung mit aggressiven Spitzen und nervösen Einwürfen, aber nicht, um primär Resonanz zu bekommen, sondern um sie auf Authentizität abzuklopfen. Diese Schüler prüfen ihre Lehrer. Und wenn sie nicht finden, was sie suchen, klopfen sie weiter. Sie provozieren unaufhörlich. Aber ein einziges offenes Gespräch kann diesen Kreis durchbrechen. Diese Kinder können sehr offen und reflektiert sprechen. Sie sind vor allem Fachleute für die "innere Seite" ihrer Umgebung. Sie kennen die Schwächen und Stärken ihrer Lehrer und Eltern bis zu einem absolut un- kindgemäßen Grad, wie sie in der Beurteilung ihrer Umgebung überhaupt feinste Nuancen erkennen. Dass aber sie nicht in der ihnen entsprechenden Art und Weise angesprochen werden, entzündet die Wut, die diese Kinder umtreibt. Man sagt, sie hätten eine niedrige Frustrationstoleranz. Sie sind häufig auch in Gewalt jeder Art verwickelt. Manchmal sind auch sie die Opfer, weil sie ihre Umgebung wieder mit treffenden sarkastischen Provokationen außer Fassung gebracht haben. Im Kern aber sind diese Schüler nicht primär "verhaltensauffällig"- sie haben dasselbe kognitive Problem wie alle ADSler. Gerade diese Gruppe aber kann möglicherweise auch einmal in verzweifelten Wutexplosionen reagieren.
So sagte mir neulich ein Schüler (5. Klasse), er würde diese Lehrer, die ihr schulisches Zeug wie mit einem Eimer über ihm ausschütteten, ohne ihn dabei im geringsten zu beachten, am liebsten aus der Welt fegen. "Sie machen einen derart beschissenen Unterricht und verlangen auch noch Aufmerksamkeit dafür!" schrie er in die Klasse. Er selbst träumt sich häufig bewusst "weg", weil er diese Situation nicht ertrage. Er sei aber gleichzeitig derartig wütend, dass er es ohne Träumen wohl nicht unterdrücken könnte.
Bei fehlender Therapie und eventueller Medikamentengabe "wächst sich das Problem" all dieser Schüler in der Pubertät nicht aus. Viele dieser Menschen sind in Jugendstrafanstalten, viele begehen Verkehrsvergehen durch Rasen, viele machen den Versuch, sich mit starkem Drogengenuss selbst zu therapieren (Informationen: Symposion des Hartmannbundes). Außerdem ist der schulische Erfolg bei vielen von ihnen ausgeblieben- erhalten hat sich nur das tief sitzende Gefühl, nicht zu genügen und an seinem eigenen Leben vorbei zu leben. Viele brechen die Schule vorzeitig ab. Insgesamt werfen heute über 9% aller Schüler die Schule ohne jeden Abschluss hin.
Auch an diesem Punkt muss man anthroposophischen Ärzten häufig den Vorwurf machen, nicht ausreichend zu diagnostizieren, schulmedizinische Maßnahmen rundweg nicht einmal zu erproben und die Eltern mit Kupfersohlen und diversen Globuli abzuspeisen. Das nervöse Zeitalter hat seine Kinder. Sie sind in einer verzweifelten Lage- häufig isoliert und selbst von ihren eigenen Erinnerungen im Stich gelassen. In solch einer Lage sollte man keine ideologischen Scheuklappen aufziehen, und seien sie noch so anthroposophisch verbrämt.
Dies betrifft eine erste Gruppe von ADS- Kindern. Jedenfalls vorrangig, weil bei ihnen diese kognitive Störung, als die man ADS bezeichnen kann, tatsächlich hauptsächlich im Kopf stattfindet. Sie kommen nur schwer in einem üblichen Klassenunterricht zurecht. Sie sind abgelenkt und denken endlos introvertiert in sich hinein- nur mit geringem Bezug zu ihrer Umgebung. Das "verträumte Kind" hat aber in Wirklichkeit ein kognitives Problem. Es ist in Panik, weil es das voll und ganz bemerkt. Manchmal ist es zutiefst deprimiert und pessimistisch. Es gibt regelrecht lethargische Formen,in denen der gesamte Muskeltonus reduziert erscheint- diese Kinder "hängen" herum, liegen auf den Tischen. Nein, es liegt nicht nur am schlechten Unterricht - es ist ein Dauerzustand.
Die zweite Gruppe ist die, die man als hyperaktiv bezeichnet (Hyperkinetisches Syndrom). Diese Schüler sind nicht lethargisch- depressiv, sondern unkontrollierbar unruhig. Sie sind die Nervosität in Person. Manchmal sind sie auch ungeschickt und verletzen sich schwer, riskieren aus motorischem Überschwang viel zu viel. Sie lieben das Rasen, und die Höhe. Manche schießen gern auf die Wipfel, und zwar im wörtlichen Sinn. Steiner bezeichnete diese "Nervosität" auch als ein nicht genügendes Verbundensein des Seelischen mit dem Leiblichen, wodurch ein innerer Saturn im Leib vagabundiere und das Seelische dauernd antreibe und anstosse. Diese Kinder haben (Saturn-Symbolik) häufig Probleme mit Grenzen. In manchen Fällen können sie vollkommen außer sich geraten. Sie können Regeln nicht nur schlecht merken (auch im Sinne der Rechtschreibung und Schrift überhaupt), sondern sie noch weniger akzeptieren. Sie rennen manchmal dagegen an. Der Sinn ihrer ungesteuerten Aktivitäten besteht darin, auch Aufmerksamkeit zu erregen. Die Kinder brauchen ein starkes Feedback. Sie akzeptieren auch lautstarken Widerstand in ihrer Umgebung- Hauptsache Aufmerksamkeit. Sie wollen spüren, dass sie s i n d, und benötigen eine ständige Bestätigung Anderer.
Die dritte Form wird von mir hinzugefügt. Ich sehe eine Gruppe mit den oben genannten kognitiven Problemen, die weder hyper- noch hypoaktiv reagiert, sondern vielmehr Wut in sich ballt. Was bei der einen Gruppe mehr im Kopf, bei der anderen mehr im Bewegungsapparat spielte, ballt sich hier seelisch als Faust zusammen. Diese Schüler - die doch selbst auf der Ebene des Gemüts wie hektische, schwankende Mimosen reagieren- piesacken ihre Umgebung mit aggressiven Spitzen und nervösen Einwürfen, aber nicht, um primär Resonanz zu bekommen, sondern um sie auf Authentizität abzuklopfen. Diese Schüler prüfen ihre Lehrer. Und wenn sie nicht finden, was sie suchen, klopfen sie weiter. Sie provozieren unaufhörlich. Aber ein einziges offenes Gespräch kann diesen Kreis durchbrechen. Diese Kinder können sehr offen und reflektiert sprechen. Sie sind vor allem Fachleute für die "innere Seite" ihrer Umgebung. Sie kennen die Schwächen und Stärken ihrer Lehrer und Eltern bis zu einem absolut un- kindgemäßen Grad, wie sie in der Beurteilung ihrer Umgebung überhaupt feinste Nuancen erkennen. Dass aber sie nicht in der ihnen entsprechenden Art und Weise angesprochen werden, entzündet die Wut, die diese Kinder umtreibt. Man sagt, sie hätten eine niedrige Frustrationstoleranz. Sie sind häufig auch in Gewalt jeder Art verwickelt. Manchmal sind auch sie die Opfer, weil sie ihre Umgebung wieder mit treffenden sarkastischen Provokationen außer Fassung gebracht haben. Im Kern aber sind diese Schüler nicht primär "verhaltensauffällig"- sie haben dasselbe kognitive Problem wie alle ADSler. Gerade diese Gruppe aber kann möglicherweise auch einmal in verzweifelten Wutexplosionen reagieren.
So sagte mir neulich ein Schüler (5. Klasse), er würde diese Lehrer, die ihr schulisches Zeug wie mit einem Eimer über ihm ausschütteten, ohne ihn dabei im geringsten zu beachten, am liebsten aus der Welt fegen. "Sie machen einen derart beschissenen Unterricht und verlangen auch noch Aufmerksamkeit dafür!" schrie er in die Klasse. Er selbst träumt sich häufig bewusst "weg", weil er diese Situation nicht ertrage. Er sei aber gleichzeitig derartig wütend, dass er es ohne Träumen wohl nicht unterdrücken könnte.
Bei fehlender Therapie und eventueller Medikamentengabe "wächst sich das Problem" all dieser Schüler in der Pubertät nicht aus. Viele dieser Menschen sind in Jugendstrafanstalten, viele begehen Verkehrsvergehen durch Rasen, viele machen den Versuch, sich mit starkem Drogengenuss selbst zu therapieren (Informationen: Symposion des Hartmannbundes). Außerdem ist der schulische Erfolg bei vielen von ihnen ausgeblieben- erhalten hat sich nur das tief sitzende Gefühl, nicht zu genügen und an seinem eigenen Leben vorbei zu leben. Viele brechen die Schule vorzeitig ab. Insgesamt werfen heute über 9% aller Schüler die Schule ohne jeden Abschluss hin.
Auch an diesem Punkt muss man anthroposophischen Ärzten häufig den Vorwurf machen, nicht ausreichend zu diagnostizieren, schulmedizinische Maßnahmen rundweg nicht einmal zu erproben und die Eltern mit Kupfersohlen und diversen Globuli abzuspeisen. Das nervöse Zeitalter hat seine Kinder. Sie sind in einer verzweifelten Lage- häufig isoliert und selbst von ihren eigenen Erinnerungen im Stich gelassen. In solch einer Lage sollte man keine ideologischen Scheuklappen aufziehen, und seien sie noch so anthroposophisch verbrämt.
So ein Käse
14.Aug.2007 00:13 Uhr
Einem Asketen empfahl Rudolf Steiner: "Man kann sich nicht in den Himmel fasten. Die Nahrung muss mit dem Seelenzustand im Gleichgewicht sein. Essen Sie also viel Käse, je mehr er riecht, umso besser; essen Sie viel Wurzeln und vor allem- verkriechen Sie sich nicht!"
(in: Vögele, Der Andere Rudolf Steiner, S. 171.)
Der Tipp Steiners ist auch deshalb praktisch (neben der Wirkung, den etwas abgedrehten Ernst Wagner zu "erden"), dass stinkiger, alter Käse die in ihm befindliche Laktose abgebaut hat und von Zucker und Zuckeralkoholen mithin frei ist. Da ein erheblicher Teil auch der hiesigen Bevölkerung (mit zunehmendem Alter stark ansteigend) - meist ohne es zu wissen- unter mehr oder weniger schwerer Laktoseintoleranz leidet, ist der Hinweis sicherlich vernünftig. Überhaupt besteht ja erst seit relativ kurzer Zeit und vorrangig nur in unseren Breitengraden eine gewisse Möglichkeit, Milch zu verdauen. Im gesamten asiatischen Raum besteht Unverträglichkeit zwischen 80 und 100% (Thailand) in der Bevölkerung. .
(in: Vögele, Der Andere Rudolf Steiner, S. 171.)
Der Tipp Steiners ist auch deshalb praktisch (neben der Wirkung, den etwas abgedrehten Ernst Wagner zu "erden"), dass stinkiger, alter Käse die in ihm befindliche Laktose abgebaut hat und von Zucker und Zuckeralkoholen mithin frei ist. Da ein erheblicher Teil auch der hiesigen Bevölkerung (mit zunehmendem Alter stark ansteigend) - meist ohne es zu wissen- unter mehr oder weniger schwerer Laktoseintoleranz leidet, ist der Hinweis sicherlich vernünftig. Überhaupt besteht ja erst seit relativ kurzer Zeit und vorrangig nur in unseren Breitengraden eine gewisse Möglichkeit, Milch zu verdauen. Im gesamten asiatischen Raum besteht Unverträglichkeit zwischen 80 und 100% (Thailand) in der Bevölkerung. .
Erstens sind sie anders..
13.Mai.2007 20:41 Uhr
..und zweitens als man denkt. Nämlich Frauen und Männer. Natürlich meinen wir jetzt nicht gerade das Konsumverhalten, die berufliche Ungleichbehandlung, die Dominanz der Frauen im gesamten Erziehungsbereich. Nein, wir zielen direkt auf den Stoffwechsel. In einem Artikel im Wissenschaftsteil der FAZ (2.5.07, "Frau ist doch kein Versuchskaninchen") wird nämlich festgestellt, dass der Mann in der Medizin immer noch "das Maß aller Dinge ist", denn Medikamente werden vorwiegend an Männern getestet und dann allenfalls nach Körpergewicht variabel dosiert. Die Norm für die Dosisfindung ist also der männliche Patient. Petra Thürmann, die u.a. an der Universität Witten-Herdecke lehrt, hat geschlechtsspezifische Dosierungen verfolgt und bemerkt, dass Frauen aufgrund ihrer anderen Stoffwechsellage z.B. um etwa 40% überdosiert sein können, wenn sie Männern entsprechend blutdrucksenkende Medikamente einnehmen. Falls eine Frau zusätzlich die Pille einnimmt, kann das Substrat im Blut dreimal so konzentriert sein wie bei einem gleichaltrigen und -gewichtigen Mann. Das gleiche gilt für Chemotherapeutika. Überhaupt fliegen 80% aller Medikamente in der Erprobungsphase wegen unerwünschter Nebenwirkungen an Frauen heraus und werden nicht auf den Markt gebracht. Frauen sind nicht nur überdosiert, sondern reagieren auf die unterschiedlichsten Substanzen mit gefährlichen Veränderungen im EKG.
Selbst in der Schmerzbehandlung gibt es deutliche Unterschiede. Nach schweren operativen Eingriffen benötigen Männer etwa 40% mehr Morphin als Frauen. Die Rezeptoren reagieren völlig verschieden auf Schmerzmittel. Dagegen sprechen Frauen schlecht auf bestimmte Narkosemittel an. Diese Liste lässt sich fortsetzen. Es besteht Handlungsbedarf. Derart drastische Unterschiede in der nötigen und möglichen Dosierung alltäglicher und spezifischer Medikamente können tödliche Folgen haben, und zwar deutlich häufiger für Frauen als für Männer.
Selbst in der Schmerzbehandlung gibt es deutliche Unterschiede. Nach schweren operativen Eingriffen benötigen Männer etwa 40% mehr Morphin als Frauen. Die Rezeptoren reagieren völlig verschieden auf Schmerzmittel. Dagegen sprechen Frauen schlecht auf bestimmte Narkosemittel an. Diese Liste lässt sich fortsetzen. Es besteht Handlungsbedarf. Derart drastische Unterschiede in der nötigen und möglichen Dosierung alltäglicher und spezifischer Medikamente können tödliche Folgen haben, und zwar deutlich häufiger für Frauen als für Männer.
Kaspar- Hauser- Syndrom
04.Mär.2007 19:22 Uhr
Nein, keine Spekulation, kein Verschwörungs- Gemunkel. Dazu sind von interessierter anthroposophischer Seite - wie seit langem bekannt und publiziert- sogar Äußerungen von Rudolf Steiner offensichtlich gefälscht worden. Man brauchte so etwas anscheinend in den internen Grabenkämpfen nach Steiners Tod. So wie nach diesen angeblichen Äußerungen Steiners Kaspar Hauser zum 1a- Okkultisten gemacht wurde, der seit Adam & Eva nicht mehr inkarniert gewesen sein soll, wurde der tatsächliche damalige anthroposophische Vorstandsvorsitzende okkult in den Dreck gezogen. "Hat der Doktor das wirklich gesagt?" wird also noch lange Zeit ein interessantes Studienobjekt bleiben.
Mich interessiert das momentan nicht besonders- mir geht es um die wirklichen Menschen in meinem privaten und beruflichen Umfeld. Es sind ganz normale Leute jeden Alters, denen einfach plötzlich der Boden unter den Füssen weggezogen wird. Nehmen wir eine von vielen Möglichkeiten: Diagnose Brustkrebs. Die moderne Apparatemedizin ist in der Lage, millimetergrosse Tumoren festzustellen. Es wird operiert, es wird bestrahlt, es wird der Organismus mit chemischen Giften überschwemmt. Es werden Metastasen festgestellt, es wird noch einmal operiert. Von nun an wird sehr eng überwacht. Das heisst, die betroffene Person wird alle 6 oder 8 Wochen erneut in den Scan geschickt, um festzustellen, ob diese kleinen, feinen Schatten in der Lunge sich nicht vielleicht doch als neue Metastasierungen heraus stellen.
Kaspar- Hauser- Syndrom bedeutet für mich der Umstand, dass die Person nun in einiger Ausschliesslichkeit auf diese Termine hinlebt. Das ganze Gefühlsleben wird in diesen Rhythmus eingespannt. Euphorie eine Woche lang nach glücklich ausgegangenem Scan. Ernüchterung. Dann steigende Angst vor dem nächsten magischen Datum. 6mal jährlich Euphorie. 6mal jährlich wochenlang Todesangst. In diesen Rhythmen gliedert sich das Leben.
Natürlich ist die moderne Medizin grossartig. Natürlich ist die Überlebenschance gegenüber früheren Generationen erhöht. Aber um welchen Preis für den Einzelnen?
Mich interessiert das momentan nicht besonders- mir geht es um die wirklichen Menschen in meinem privaten und beruflichen Umfeld. Es sind ganz normale Leute jeden Alters, denen einfach plötzlich der Boden unter den Füssen weggezogen wird. Nehmen wir eine von vielen Möglichkeiten: Diagnose Brustkrebs. Die moderne Apparatemedizin ist in der Lage, millimetergrosse Tumoren festzustellen. Es wird operiert, es wird bestrahlt, es wird der Organismus mit chemischen Giften überschwemmt. Es werden Metastasen festgestellt, es wird noch einmal operiert. Von nun an wird sehr eng überwacht. Das heisst, die betroffene Person wird alle 6 oder 8 Wochen erneut in den Scan geschickt, um festzustellen, ob diese kleinen, feinen Schatten in der Lunge sich nicht vielleicht doch als neue Metastasierungen heraus stellen.
Kaspar- Hauser- Syndrom bedeutet für mich der Umstand, dass die Person nun in einiger Ausschliesslichkeit auf diese Termine hinlebt. Das ganze Gefühlsleben wird in diesen Rhythmus eingespannt. Euphorie eine Woche lang nach glücklich ausgegangenem Scan. Ernüchterung. Dann steigende Angst vor dem nächsten magischen Datum. 6mal jährlich Euphorie. 6mal jährlich wochenlang Todesangst. In diesen Rhythmen gliedert sich das Leben.
Natürlich ist die moderne Medizin grossartig. Natürlich ist die Überlebenschance gegenüber früheren Generationen erhöht. Aber um welchen Preis für den Einzelnen?
Nahrungsmittel- Unverträglichkeiten
20.Jan.2007 21:25 Uhr
Zu den vielen Zivilisationskrankheiten der westlichen Kultur haben sich seit langer Zeit und in steigendem Maße Nahrungsmittel- Unverträglichkeiten gesellt. Manche sind bereits seit dem 2. Weltkrieg bekannt. Obwohl Millionen Menschen darunter leiden, werden sie erst in den letzten Jahren systematisch erforscht- in den Arztpraxen aber ist das Wissen über die Wirkungsweisen und die teilweise verheerenden Auswirkungen nur zum geringsten Teil angekommen. Die Glutenunverträglichkeit (Getreide) und Laktoseunverträglichkeit (Milchzucker) sind noch die bekanntesten. Probleme mit Fruktose oder Histamin gesellen sich dazu. Wer unter Bauch- und Darmproblemen ungeklärter Ursache, Migräne, Angstzuständen aufgrund des plötzlich absackenden Blutdrucks, chronischer Schlaflosigkeit oder in begrenzten Zeiträumen auftretenden Depressionen leidet, sollte den in der rechten Leiste aufgeführten Links folgen, um in den grossen Internetforen ein wenig zu recherchieren. Man weiß inzwischen, dass mit dieser Gruppe von Unverträglichkeiten, Allergien und Pseudoallergien keineswegs zu spassen ist. Untersuchungen zeigen z.B., dass das Darmkrebsrisiko bei diesen Erkrankungen ganz erheblich steigt. Ganz abgesehen davon sinkt nicht nur die Lebenserwartung, sondern auch die Lebensfreude, wenn jedes Essen Qualen umfassender Art zur Folge hat. Viele Patienten - so auch ich - werden viele Jahre lang falsch behandelt und erhalten Medikamente, die die Probleme immer weiter verschärfen. Am Ende stehen für viele Patienten diffuse, wenig hilfreiche Diagnosen wie "Reizdarmsyndrom" oder sie werden in die Psychoecke gestellt. Dabei helfen Vermeidung des auslösenden Nahrungsmittels und/oder simple anti-allergische Medikamente innerhalb weniger Tage, eine wesentlichen Teil der Lebensqualität und Gesundheit wieder zu erlangen.
Haschisch für die Haut
17.Okt.2006 20:19 Uhr
Wie die FAZ am 9.10.2006 (Seite 38) berichtete, gibt es Hoffnung für Patienten, die an dauerndem Juckreiz leiden. Eine rezeptfrei erhältliche Creme ("Physiogel A.I.") hat bei der Hälfte der als "austherapiert" aufgegebenen Patienten den quälenden Juckreiz vollständig aufgelöst. Solche quälenden Zustände treten häufig bei Nierenkranken auf- insbesondere, wenn diese sich regelmäßiger Blutwäsche unterziehen müssen. Aber auch bei Neurodermitis besteht endlich Hoffnung auf Besserung. Das Hautpflegemittel enthält eine Substanz, die chemisch eng mit den Wirkstoffen in Haschisch verwandt ist. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die völlig neue Entdeckung, dass es in der Haut überhaupt Cannabisrezeptoren gibt. Diese hatte man bisher nur im Gehirn nachgewiesen. Die in der Haut entdeckten speziellen Rezeptoren sitzen genau an der Stelle, die auch für die Entstehung von Juckreiz verantwortlich gemacht wird. Die weitere Entwicklung stärkerer Wirkstoffe und Medikamente erscheint als sehr hoffnungsvoll. Ein dann vermutlich verschreibungspflichtiges neues Hautpräparat ist bereits in der Vorbereitung. Auch die anthroposophisch orientierte Weleda entwickelt übrigens neue Medikamente auf der Basis von Haschisch- Wirkstoffen. Sie sollen lindernd bei durch Muliple Sklerose hervorgerufenen Muskelverspannungen wirken. Näheres dazu im kommenden November- Heft von Info3.
Grüsse vom Saturn
20.Aug.2006 17:51 Uhr

Die NASA ist so freundlich, die jeweils aktuellen Fotos ihrer unbemannten Weltraummissionen ins Netz zu stellen. Die Cassini-Mission stellt z.B. vor allem Bilder vom Saturn und seiner Monde zur Verfügung. Für Astrologen interessant: Vor 14 Tagen (7.8.2006) fand die jährliche Konjunktion von Saturn und Erde im Verhältnis zur Sonne statt. In der Sicht der Astrologen hat diese Konjunktion -je nach individueller Disposition- erhebliche Auswirkungen z.B. auf die Gesundheit. Via Raumsonden sind solche Ereignisse auch ohne weitere Bedeutung quasi "live" auf den NASA-Seiten zu beobachten - und zwar aus der Perspektive des Saturn. Einen Überblick über die Fotos gibt es hier.
Weleda gay
04.Aug.2006 13:07 Uhr
Im Rahmen eines geplanten Artikels war ich in Kontakt mit der Firma Weleda und habe mir auch -ganz privat- erlaubt, neue Badeessenzen und anderes am eigenen Leib zu testen. Wunderbar! Vom Duft und der Qualität her in meinen Augen unschlagbar. Nur das Design ist in meinen Konsumentenaugen immer noch etwas gewöhnungsbedürftig. Ich nehme mal z.B. ein Bild aus dem Internet:

Das hat doch etwas von Bioladen und Reformhaus. Dieser klobige Verschluss lässt mich an Gesundheitslatschen denken. An den Seiten der Glasflasche sind geriffelte Flächen. Wahrscheinlich ganz praktisch gedacht: Damit die Flasche nie, nie aus der Hand fällt. Das hat den Charme von Hosenträgern, die ja auch den Sinn haben, dass Onkel sich nie, nie versehentlich enthüllt. Oder man könnte die gebrauchte Flasche einem neuen Zweck zuführen, beispielsweise als Knoblauchreibe.
Ich habe mir dann mal erlaubt, der Firma eine eigenhändig designte neue Linie zukommen zu lassen, um ihr Profil und Image gründlich zu überarbeiten: Die Gay-Produktlinie, speziell für lesbische und schwule Konsumenten. Theo Stepp hat mir versprochen, den Vorschlag hausintern an die Vertriebsabteilung weiterzuleiten. Da bisher fast 100% der Käufer dieser Produkte heterosexuelle Frauen sind, erwarte ich natürlich das ganz grosse Geschäft :-)

Über den weiteren Fortgang dieser egoistischen Geschäftsidee werde ich an dieser Stelle natürlich berichten.

Das hat doch etwas von Bioladen und Reformhaus. Dieser klobige Verschluss lässt mich an Gesundheitslatschen denken. An den Seiten der Glasflasche sind geriffelte Flächen. Wahrscheinlich ganz praktisch gedacht: Damit die Flasche nie, nie aus der Hand fällt. Das hat den Charme von Hosenträgern, die ja auch den Sinn haben, dass Onkel sich nie, nie versehentlich enthüllt. Oder man könnte die gebrauchte Flasche einem neuen Zweck zuführen, beispielsweise als Knoblauchreibe.
Ich habe mir dann mal erlaubt, der Firma eine eigenhändig designte neue Linie zukommen zu lassen, um ihr Profil und Image gründlich zu überarbeiten: Die Gay-Produktlinie, speziell für lesbische und schwule Konsumenten. Theo Stepp hat mir versprochen, den Vorschlag hausintern an die Vertriebsabteilung weiterzuleiten. Da bisher fast 100% der Käufer dieser Produkte heterosexuelle Frauen sind, erwarte ich natürlich das ganz grosse Geschäft :-)

Über den weiteren Fortgang dieser egoistischen Geschäftsidee werde ich an dieser Stelle natürlich berichten.