Web & Kultur
Michael Eggert: Nicht im luftleeren Raum
15.Jan.2012 17:24 Uhr
Im Gegensatz zu "statischen" Internetseiten, die Informationen oder Links bereit halten, arbeiten Blogs wochen-, wenn nicht tagesaktuell. Sie sollten, wenn sie erfolgreich arbeiten wollen, mehr als nur den persönlichen Standpunkt des Betreibers widerspiegeln und in Form von Kommentaren ein Forum für die Besucher bereit halten. Im Idealfall bildet sich eine Blog- Community, ein Kreis von Lesern, die regelmäßig kommentieren und praktisch täglich hinein schauen; das Blog wird zur Basis für ein anthroposophisches Gespräch, das über Wochen oder Monate, ja über Jahre geführt werden kann. Dieser dauernde Diskurs, der ja von jedem Besucher nachgelesen werden kann, ist heute die eigentliche Attraktion. Es geht nicht darum, dass ein Autor seine Meinung in die Welt posaunt, sondern um eine gemeinschaftliche Meinungsbildung - durchaus im konträr geführten Gespräch. Im Idealfall wird dieses Forum vom Blogbetreiber so weit offen gehalten, dass er nur bei offensichtlichen Störern, Spammern, bei ungewollter Werbung und bei Spinnern eingreift. Letzteres ist schon deshalb notwendig, weil Blogbetreiber juristisch auch für die bei ihnen publizierten Kommentare haften.
Das alles erfordert eine ständige Präsenz des Bloggers - im Idealfall mit mobilen Geräten wie Smartphones, um sowohl aktuelle Posts zu veröffentlichen als auch entgleisende Kommentar- Threads unterwegs kontrollieren zu können. Der Blogger sollte - wenn er sich breit aufstellen möchte - auch verschiedene Funktionen ausfüllen; d.h. bei einem Beitrag mehr journalistisch, bei einem anderen eher essayistisch aufzutreten, persönlich in Beiträgen sichtbar zu werden, ohne ins Allzu-Persönliche abzugleiten. Die Erfahrung lehrt, dass die Zeiten des kunstvoll komponierten, mehrseitigen Essays eher zuende gehen - die Leser wollen angeregt werden, sich einbringen, aktiv ein Thema mit ausgestalten, sie wollen nicht kunstvoll aufgeschichtete Informations- und Belehrungsaufsätze. Informiert sind über das Internet alle ohnehin, ein "Vorsprung" des Bloggers und Autoren kann nur marginal sein.
Der in sich abgeschlossene, "runde" essayistische Aufsatz hat kaum dialogische Anteile, er zeigt seine geschliffene Oberfläche, reizt aber selten zum Diskurs an. Die Zeiten stehen auf Diskurs, auf eine "waagerechte" gleichwertige Gesprächsebene; die "senkrechte" - belehrende- Ebene mag in Einzel- und Spezialfällen passend sein, ein Publikumsmagnet wird das aber zumeist nicht.
Die Wucht mancher öffentlichen Auseinandersetzungen erschreckt manchen Blogger, bringt sogar manche ganz zum Verstummen. In der anthroposophischen Szene liegt diese Wucht sicherlich auch an der Zersplitterung der anthroposophischen Bewegung selbst. Es finden sich Gruppierungen und partikulare Interessen- und Ketzergruppen wie Sand am Meer. Unaufgearbeitete Konflikte und jahrzehntelanges Verschweigen von Konflikten und Widersprüchen kochen heute in aktuellen Blogs hoch, obwohl manche dieser Problemfelder ein oder zwei Generationen früher begründet sind. Nehmen wir als Beispiel die nationalsozialistische Vergangenheit des längst verstorbenen Priesters der Christengemeinschaft, Friedrich Benesch oder die gesellschaftsinternen Konflikte zwischen Marie Steiner und Ita Wegman. Heute mit dem Thema Anthroposophie zu bloggen bedeutet, mit den chronisch unaufgearbeiteten Problemfelder neu konfrontiert zu werden.
Aber auch in der Breite des anthroposophischen Themenfeldes finden sich ausgeprägte Minenfelder, sei es politisch, weltanschaulich oder auch in der spirituellen Ausrichtung. Gerade Autoren mit spirituellen Neigungen scheitern häufig schnell als Blogger oder werden gnadenlos zur Lächerlichkeit verdammt, weil sie sich selbst und ihr Anliegen zu ernst nehmen. Manche spirituelle Erfahrung führt beim Autoren offenbar zu einer Zementierung des eigenen Standpunkts statt zu einer Öffnung. Wenn ein Eifer im Sinne einer Verkündung und Offenbarung eigener Gewissheiten aufkommt, stellt man sich quer zum herrschenden Mainstream, der Meinungsbildung an Stelle von selbstherrlichen Bekenntnissen bevorzugt.
Wenn all diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann ein Blog allerdings mit erheblichen Leserzahlen rechnen, selbst wenn technisch keine aufwändige, teure und komplexe Plattform gewählt worden ist. Die Zugriffe liegen bei reinen Blogs (wenn sie erfolgreich sind) bei etwa 10000 pro Monat, bei Blogs mit angeschlossenen Archiven und breit angelegten Inhalten bei einem Vielfachen davon. Es ist also davon auszugehen, dass das Medium heute - wie andernorts auch - in der anthroposophischen Szene mehr und umfassender genutzt wird als die klassischen Printmedien.
Gerade bei breit angelegten Internetseiten geht es allerdings dann doch um die Technik, nämlich um die so genannte Usability. Niemand hangelt sich durch x Unterverzeichnisse hindurch, um an einen gesuchten Text zu kommen. Es erfordert einigen Aufwand, die Inhalte einer Internetpräsenz mit Hunderten von Seiten so zu präsentieren, dass sie auf einen Blick erreichbar sind. Dabei sollten nicht schlechte Layouts, blinkende Werbebanner und eine verzwickte Navigation stören. Falls der Blogger in Suchmaschinen gefunden werden möchte, sollte er originäre und originelle Inhalte möglichst tagesaktuell bringen, auf möglichst vielen anderen Websiten erwähnt und verlinkt werden und an soziale Netzwerke wie Facebook oder Google+ angebunden sein. Junge Autoren überprüfen das heute, bevor sie einem Blog ihre Beiträge anbieten.
Bei bestimmten Themen im Ranking der Suchmaschinen oben auf zu sein, ist ein wesentliches Kriterium zur Gewinnung von Autoren, denn nur so wird man in der Informationsflut unserer Zeit von Journalisten und anderen Bloggern gefunden. Heute ist das Posten eines wichtigen Blogbeitrags, der Eintrag in Google und der sofortige Anstieg von Besucherzahlen eher eine Sache von Minuten, nicht von Tagen oder Wochen.
Inzwischen kommt eine weitere technische Hürde hinzu - wegen der wachsenden Zugriffe durch Tablets und Smartphones sollte die Website auch für kleine und kleinste Displays gut lesbar sein. Dazu generiert z.B. Blogspot von Google automatisch eigene Versionen für das bestehende Blog, die erkennen, mit welchem Gerät ein Leser zugreifen möchte. Bei traditionellen Websites muss eine solche Funktion hinzu gekauft oder mühsam programmiert werden, wenn das überhaupt möglich ist. Sehr viele Leser abonnieren auch Inhalte eines Blogs oder Kommentarthreads per RSS und lesen dann in ihrem Email-Programm mit. In meinem Blog sind das allein etwa 1000 Abonnenten.
Bei einer gelungenen Vernetzung eines Blogs trägt sich dieses inhaltlich teilweise fast von selbst, da aus den Kontakten, der Leserschar und den sozialen Netzwerken laufend Anstösse und Beiträge folgen; der Diskurs ist nicht aus der Luft gegriffen, sondern bildet den Stand der Diskussion ab, fokussiert, bündelt und bewertet tatsächliche Ereignisse und aktuelle Themen. Der Blogger bildet einen realen Diskurs ab, gestaltet ihn mit und führt ihn weiter. Er schreibt nicht im luftleeren Raum.
__________
Beitrag auch erschienen bei Themen der Zeit
Das alles erfordert eine ständige Präsenz des Bloggers - im Idealfall mit mobilen Geräten wie Smartphones, um sowohl aktuelle Posts zu veröffentlichen als auch entgleisende Kommentar- Threads unterwegs kontrollieren zu können. Der Blogger sollte - wenn er sich breit aufstellen möchte - auch verschiedene Funktionen ausfüllen; d.h. bei einem Beitrag mehr journalistisch, bei einem anderen eher essayistisch aufzutreten, persönlich in Beiträgen sichtbar zu werden, ohne ins Allzu-Persönliche abzugleiten. Die Erfahrung lehrt, dass die Zeiten des kunstvoll komponierten, mehrseitigen Essays eher zuende gehen - die Leser wollen angeregt werden, sich einbringen, aktiv ein Thema mit ausgestalten, sie wollen nicht kunstvoll aufgeschichtete Informations- und Belehrungsaufsätze. Informiert sind über das Internet alle ohnehin, ein "Vorsprung" des Bloggers und Autoren kann nur marginal sein.
Der in sich abgeschlossene, "runde" essayistische Aufsatz hat kaum dialogische Anteile, er zeigt seine geschliffene Oberfläche, reizt aber selten zum Diskurs an. Die Zeiten stehen auf Diskurs, auf eine "waagerechte" gleichwertige Gesprächsebene; die "senkrechte" - belehrende- Ebene mag in Einzel- und Spezialfällen passend sein, ein Publikumsmagnet wird das aber zumeist nicht.
Die Wucht mancher öffentlichen Auseinandersetzungen erschreckt manchen Blogger, bringt sogar manche ganz zum Verstummen. In der anthroposophischen Szene liegt diese Wucht sicherlich auch an der Zersplitterung der anthroposophischen Bewegung selbst. Es finden sich Gruppierungen und partikulare Interessen- und Ketzergruppen wie Sand am Meer. Unaufgearbeitete Konflikte und jahrzehntelanges Verschweigen von Konflikten und Widersprüchen kochen heute in aktuellen Blogs hoch, obwohl manche dieser Problemfelder ein oder zwei Generationen früher begründet sind. Nehmen wir als Beispiel die nationalsozialistische Vergangenheit des längst verstorbenen Priesters der Christengemeinschaft, Friedrich Benesch oder die gesellschaftsinternen Konflikte zwischen Marie Steiner und Ita Wegman. Heute mit dem Thema Anthroposophie zu bloggen bedeutet, mit den chronisch unaufgearbeiteten Problemfelder neu konfrontiert zu werden.
Aber auch in der Breite des anthroposophischen Themenfeldes finden sich ausgeprägte Minenfelder, sei es politisch, weltanschaulich oder auch in der spirituellen Ausrichtung. Gerade Autoren mit spirituellen Neigungen scheitern häufig schnell als Blogger oder werden gnadenlos zur Lächerlichkeit verdammt, weil sie sich selbst und ihr Anliegen zu ernst nehmen. Manche spirituelle Erfahrung führt beim Autoren offenbar zu einer Zementierung des eigenen Standpunkts statt zu einer Öffnung. Wenn ein Eifer im Sinne einer Verkündung und Offenbarung eigener Gewissheiten aufkommt, stellt man sich quer zum herrschenden Mainstream, der Meinungsbildung an Stelle von selbstherrlichen Bekenntnissen bevorzugt.
Wenn all diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann ein Blog allerdings mit erheblichen Leserzahlen rechnen, selbst wenn technisch keine aufwändige, teure und komplexe Plattform gewählt worden ist. Die Zugriffe liegen bei reinen Blogs (wenn sie erfolgreich sind) bei etwa 10000 pro Monat, bei Blogs mit angeschlossenen Archiven und breit angelegten Inhalten bei einem Vielfachen davon. Es ist also davon auszugehen, dass das Medium heute - wie andernorts auch - in der anthroposophischen Szene mehr und umfassender genutzt wird als die klassischen Printmedien.
Gerade bei breit angelegten Internetseiten geht es allerdings dann doch um die Technik, nämlich um die so genannte Usability. Niemand hangelt sich durch x Unterverzeichnisse hindurch, um an einen gesuchten Text zu kommen. Es erfordert einigen Aufwand, die Inhalte einer Internetpräsenz mit Hunderten von Seiten so zu präsentieren, dass sie auf einen Blick erreichbar sind. Dabei sollten nicht schlechte Layouts, blinkende Werbebanner und eine verzwickte Navigation stören. Falls der Blogger in Suchmaschinen gefunden werden möchte, sollte er originäre und originelle Inhalte möglichst tagesaktuell bringen, auf möglichst vielen anderen Websiten erwähnt und verlinkt werden und an soziale Netzwerke wie Facebook oder Google+ angebunden sein. Junge Autoren überprüfen das heute, bevor sie einem Blog ihre Beiträge anbieten.
Bei bestimmten Themen im Ranking der Suchmaschinen oben auf zu sein, ist ein wesentliches Kriterium zur Gewinnung von Autoren, denn nur so wird man in der Informationsflut unserer Zeit von Journalisten und anderen Bloggern gefunden. Heute ist das Posten eines wichtigen Blogbeitrags, der Eintrag in Google und der sofortige Anstieg von Besucherzahlen eher eine Sache von Minuten, nicht von Tagen oder Wochen.
Inzwischen kommt eine weitere technische Hürde hinzu - wegen der wachsenden Zugriffe durch Tablets und Smartphones sollte die Website auch für kleine und kleinste Displays gut lesbar sein. Dazu generiert z.B. Blogspot von Google automatisch eigene Versionen für das bestehende Blog, die erkennen, mit welchem Gerät ein Leser zugreifen möchte. Bei traditionellen Websites muss eine solche Funktion hinzu gekauft oder mühsam programmiert werden, wenn das überhaupt möglich ist. Sehr viele Leser abonnieren auch Inhalte eines Blogs oder Kommentarthreads per RSS und lesen dann in ihrem Email-Programm mit. In meinem Blog sind das allein etwa 1000 Abonnenten.
Bei einer gelungenen Vernetzung eines Blogs trägt sich dieses inhaltlich teilweise fast von selbst, da aus den Kontakten, der Leserschar und den sozialen Netzwerken laufend Anstösse und Beiträge folgen; der Diskurs ist nicht aus der Luft gegriffen, sondern bildet den Stand der Diskussion ab, fokussiert, bündelt und bewertet tatsächliche Ereignisse und aktuelle Themen. Der Blogger bildet einen realen Diskurs ab, gestaltet ihn mit und führt ihn weiter. Er schreibt nicht im luftleeren Raum.
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Beitrag auch erschienen bei Themen der Zeit
Comments
Eine Facebook- Biografie
11.Nov.2010 22:30 Uhr
Spuren des Lebens bei Facebook- oder ein Leben in Facebook? Dieses visuelle Essay wurde wieder einmal bei den Netzpiloten präsentiert.
In apokalyptischer Zeit
02.Okt.2010 14:17 Uhr
Die Essenz des Waldes
09.Sep.2010 18:16 Uhr
Dein Blog gehört dir nicht
02.Apr.2010 22:21 Uhr
Kerstin Hoffmann aka „PR-Doktor“ und Kommunikationsberaterin, denkt in ihrem „Kommunikationsblog“ laut und vernehmlich über die Frage nach, welche Rechte Nutzern auf sozialen digitalen Plattformen wie Twitter, Facebook oder Blogger an den von ihnen eingebrachten Beiträgen eigentlich verbleiben: „Wir alle – oder jedenfalls viele von uns – publizieren fleißig im Netz. Für uns selbst oder als Teil der Kommunikationsstrategie unserer Kunden. Was wir dabei gerne vergessen: Wir veröffentlichen zu großen Teilen auf fremden Plattformen.“
So gibt es schon mal keine Garantie, „dass dieser Content morgen noch dort stehen wird. Dass es das Social Network noch geben wird.“ Jederzeit ist es möglich, „die Teilnahmebestimmungen so zu ändern, dass wir damit nicht mehr einverstanden sind und uns freiwillig verabschieden.“ Aber generell ist uns nicht bewusst, „welche umfassenden Rechte sich viele Betreiber auf das geistige Eigentum der Teilnehmer vorbehalten.“ Bislang verzichtet Facebook noch darauf, mit den von mir eingestellten Fotos oder Grafiken Werbung zu produzieren, die sich an meine Kontakte oder bestimmte Interessengruppen wenden könnte. Meine Frau war immerhin sehr erstaunt, bei einem völlig anderen System und Provider (Gmx) per Werbeeinblendung dazu aufgefordert zu werden, Facebook beizutreten, um endlich „Freund“ von mir werden zu können. Das ist doch schon mal personenspezifische Werbung, die sich offensichtlich aus meinen bei Facebook hinterlegten Personendaten speist. Hoffmann hat auch rechtliche Bedenken in Bezug auf die Inhalte von Blogs „auf einer fremdgehosteten Plattform wie Blogger.de oder Wordpress.com.“ Die Rechte sind eindeutiger, wenn man auf derlei Dienste verzichtet und lieber unter fester Internet-Adresse auf eindeutig gemietetem Webspace hostet: „Was auf meinem Webspace liegt, gehört mir.“
Zumindest ansatzweise. Ich habe schon Artikel von mir übersetzt in italienischen Zeitschriften entdeckt, ein amerikanischer Chor ist - unentgeltlich- mit einer Grafik von mir als Bühnenhintergrund auf Tournee gegangen, gelegentlich lese ich einen Artikel, der mir von Anthroposophen empfohlen wird, der inhaltlich völlig auf einem Text von mir basiert, meine Fotos finden sich überraschend auf fremden Wänden. Es gibt keine besonders ausgeprägte Kultur der Achtung von geistigem Eigentum. Man kann den Gedanken natürlich auch aufgeben, dass es etwas wie geistiges Eigentum überhaupt geben würde. Ich fände ein paar anthroposophische Argumente für diesen Standpunkt. Das blanke Abkupfern hinterlässt aber schon einen bitteren Nachgeschmack, einfach, weil man es als respektlos empfindet. Wenigstens ein Verweis auf den Urheber sollte schon möglich sein.
Zugespitzt könnte man auch fragen, ob es etwas wie Identität im digitalen Zeitalter noch gibt. Man sollte die Persona, die man z.B. bei Facebook gibt, heute ebenso kontrollieren wie sich bewusst sein, dass digitale Identität immer eine Art von Inszenierung ist und sein sollte. Das naive Sich-Ausschütten sollte spätestens dann eingestellt werden, wenn einem bewusst wird, dass die preis gegebenen persönlichen Informationen stetig ausgelesen werden. Man kann die von einem selbst gesammelten Informationen nicht kontrollieren- z.B. nicht wissen, inwiefern sie weiter verkauft und mit weiteren im Netz befindlichen Daten zusammen geführt und abgeglichen werden. Das Netz ist eben nicht nur ein öffentlicher Ort, sondern einer, der sorgfältig gemäht, gemolken, abgehorcht und der Verwertung zugeführt wird.
_____
Buzz
So gibt es schon mal keine Garantie, „dass dieser Content morgen noch dort stehen wird. Dass es das Social Network noch geben wird.“ Jederzeit ist es möglich, „die Teilnahmebestimmungen so zu ändern, dass wir damit nicht mehr einverstanden sind und uns freiwillig verabschieden.“ Aber generell ist uns nicht bewusst, „welche umfassenden Rechte sich viele Betreiber auf das geistige Eigentum der Teilnehmer vorbehalten.“ Bislang verzichtet Facebook noch darauf, mit den von mir eingestellten Fotos oder Grafiken Werbung zu produzieren, die sich an meine Kontakte oder bestimmte Interessengruppen wenden könnte. Meine Frau war immerhin sehr erstaunt, bei einem völlig anderen System und Provider (Gmx) per Werbeeinblendung dazu aufgefordert zu werden, Facebook beizutreten, um endlich „Freund“ von mir werden zu können. Das ist doch schon mal personenspezifische Werbung, die sich offensichtlich aus meinen bei Facebook hinterlegten Personendaten speist. Hoffmann hat auch rechtliche Bedenken in Bezug auf die Inhalte von Blogs „auf einer fremdgehosteten Plattform wie Blogger.de oder Wordpress.com.“ Die Rechte sind eindeutiger, wenn man auf derlei Dienste verzichtet und lieber unter fester Internet-Adresse auf eindeutig gemietetem Webspace hostet: „Was auf meinem Webspace liegt, gehört mir.“
Zumindest ansatzweise. Ich habe schon Artikel von mir übersetzt in italienischen Zeitschriften entdeckt, ein amerikanischer Chor ist - unentgeltlich- mit einer Grafik von mir als Bühnenhintergrund auf Tournee gegangen, gelegentlich lese ich einen Artikel, der mir von Anthroposophen empfohlen wird, der inhaltlich völlig auf einem Text von mir basiert, meine Fotos finden sich überraschend auf fremden Wänden. Es gibt keine besonders ausgeprägte Kultur der Achtung von geistigem Eigentum. Man kann den Gedanken natürlich auch aufgeben, dass es etwas wie geistiges Eigentum überhaupt geben würde. Ich fände ein paar anthroposophische Argumente für diesen Standpunkt. Das blanke Abkupfern hinterlässt aber schon einen bitteren Nachgeschmack, einfach, weil man es als respektlos empfindet. Wenigstens ein Verweis auf den Urheber sollte schon möglich sein.
Zugespitzt könnte man auch fragen, ob es etwas wie Identität im digitalen Zeitalter noch gibt. Man sollte die Persona, die man z.B. bei Facebook gibt, heute ebenso kontrollieren wie sich bewusst sein, dass digitale Identität immer eine Art von Inszenierung ist und sein sollte. Das naive Sich-Ausschütten sollte spätestens dann eingestellt werden, wenn einem bewusst wird, dass die preis gegebenen persönlichen Informationen stetig ausgelesen werden. Man kann die von einem selbst gesammelten Informationen nicht kontrollieren- z.B. nicht wissen, inwiefern sie weiter verkauft und mit weiteren im Netz befindlichen Daten zusammen geführt und abgeglichen werden. Das Netz ist eben nicht nur ein öffentlicher Ort, sondern einer, der sorgfältig gemäht, gemolken, abgehorcht und der Verwertung zugeführt wird.
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Buzz
Gefahr der Computer
01.Apr.2010 20:32 Uhr
Bevor es in die Osterpause geht, möchte ich noch ein Zitat von den Blogpiloten einbringen, eine wahrhaft universelle Interpretation unserer vagen Positionierung (manchmal von Bedenken getragen, aber eher theoretisch) gegenüber der modernen Technik: „Die Gefahr der Computer besteht nicht darin, dass sie eines Tages so klug werden wie die Menschen, sondern darin, dass wir bereit sind, ihnen bis dahin auf halbem Wege entgegenzukommen.”
(Bernard Avishai)
(Bernard Avishai)
Hans-Peter Dieckmann: Und die Nilpferde kochten in ihren Becken
01.Apr.2010 20:32 Uhr
Seit den 1970er Jahren begleiten mich von Zeit zu Zeit Bücher von Jack Kerouac und William S. Burroughs, wobei ich mir zu den Romanen von Burroughs etwa seit “Naked Lunch“ immer eher nur ein Lesen von Abschnitten zugemutet habe. Wer in abscheuliche Höllenwelten hineinschauen möchte, gewinnt dafür bei ihm auf tausenden von Seiten viele Gelegenheiten; sicher: sie sollen auch verdrängte persönliche, gesellschaftliche und archetypische Realitäten aufdecken, leisten das nach meinen Eindrücken teils sogar wirklich, doch … Burroughs arbeitete nach seinem bekannten “Naked Lunch“ oft mit der so genannten Cut-up-Methode: Texte oder auch Tonbandaufzeichnungen werden bei ihr zerschnitten und zufällig zusammengesetzt, was laut ihm zu sehr interessanten Nebeneinanderstellungen führen kann, von denen aber nur einige literarisch verwertbar sind. Einem Interviewer erläuterte er: „Sie fragen sich, wie sich die Sequenzen und Rhythmen ordnen, nun, sie tun es überhaupt nicht. Die Cut-ups ergeben neues Material, aber sie sagen einem nicht, was man damit tun soll.“
Das ist der springende Punkt. Wenn Burroughs über seine Bücher reflektierte, ist er für mich immer noch viel spannender und manchmal anregender als in seinen Romanen; zum Teil nahm er dabei einen bemerkenswert nüchternen Beobachterstandpunkt ein, der seine Höllenwelten vergleichsweise hell kontrastiert.
weiter..
Das ist der springende Punkt. Wenn Burroughs über seine Bücher reflektierte, ist er für mich immer noch viel spannender und manchmal anregender als in seinen Romanen; zum Teil nahm er dabei einen bemerkenswert nüchternen Beobachterstandpunkt ein, der seine Höllenwelten vergleichsweise hell kontrastiert.
weiter..
Der Todestag Rudolf Steiners
24.Mär.2010 20:21 Uhr

Der Beitrag der Autorin Helene Pawlitzki wird am besagten Tag um 9.05 Uhr im WDR5 zu hören sein. Ein wenig hat Rudolf Steiners manchmal eigensinnige Sprachwahl auch schon auf den WDR abgefärbt, der in der Anthroposophie eine der „wirkmächtigsten“ esoterischen Richtungen sieht. In normalem Deutsch sagt man vielleicht „einflussreich“.
Für die, die den WDR nicht empfangen können, bietet sich der Podcast an - oder ein Mithören im Internet (für Windows).
Dank an Ute Reifenberg für den Hinweis!
museum kunst palast düsseldorf
03.Mär.2010 00:05 Uhr

Interessante Fotografier- Digital- Filter wurden auch hierbei angewendet. So waren die Fotofarben etwa in den 70ern. Der Spiegel vor dem Kunstpalast ist dagegen echt. Link zum Bild
Dekade der Stagnation
22.Feb.2010 19:15 Uhr
Im Rahmen der Transmediale gab der frühere Science- Fiction- Autor und Medientheoretiker Bruce Sterling der Zeitschrift de:bug ein interessantes Interview. Er spricht darin von gesellschaftlichen Sieben- Jahres- Rhythmen, in denen sich die westliche Welt -keineswegs kongruent - entwickele:
„Es wird in absehbarer Zukunft nicht weniger Kapitalismus geben. Kapitalistische Systeme durchlaufen aber immer verschiedenartige Phasen, die etwa sieben Jahre lang sind. Wir hatten den DotCom-Boom in den 1990ern, darauf folgte der “war on terror” der Bush-Administration. Wie wir die nächste Phase nennen werden, ist mir noch unklar, aber da sie noch bis in die Mitte des nächsten Jahrzehnts reichen wird, ist noch viel Zeit, um sich darüber Gedanken zu machen. Vielleicht “Stagnation” oder “Depression”, denn die Historiker werden die jetzige Dekade wohl eher mit “Terrorismus” verbinden. Die Finanzkrise beendet diese Phase, wird aber ihre Auswirkungen erst in den nächsten Jahren zeigen.“
Wohin geht es also bis 2015? Nach dem Ende des Kalten Krieges ist die westliche Welt offensichtlich orientierungslos in eine Fülle von illusionären Blasen getappt. Das so lange determinierende Ost-West- Feind- Schema wurde durch einen dämonisierten Terrorismus ersetzt, der durch schwere strategische, wirtschaftliche und politische Fehler des Westens erst zu der Bedeutung aufgeblasen worden ist, die er in und nach der Bush- Ära erlangte. Die völlig überzogenen Erwartungen an die Technik des Internet - die „DotCom-Blase“ führte zu schweren wirtschaftlichen Verwerfungen, die nahtlos durch obskure Finanzmanipulationen ergänzt wurde. Als Konsequenz aus diesen globalen Illusionen, die nacheinander zerplatzten, ohne dass sich etwas wie Lerneffekte gezeigt hätten, hat sich eine globale Wirtschaftskrise entwickelt, die zumindest die USA und Europa in erheblichem Maß durch extreme Schulden in ihrem politischen Spielraum lähmt. Gesellschaftliche Verwerfungen im Sinne einer zugespitzten Spaltung sind die Folge und werden weiter zunehmen. Der Gestaltungsspielraum ist gering, ohne dass Rezepte zum Gegensteuern sichtbar wären. Im Gegenteil. Heute schlägt eher die Stunde der Populisten, die in der schwelenden Krise ihr eigenes Süppchen kochen.
Aber selbst in simplen technologischen Fragen wie der Überwindung des klimatisch bedenklichen Verbrennungsmotors zeigen sich nicht einmal ansatzweise produktive Ideen. Statt tatsächlich bahnbrechender Neuerungen baut man weiter auf eine mehr als hundert Jahre alte Technik und laviert damit vor sich hin- wohl wissend, dass die Klima- Bedingungen sich stetig verschlechtern. Das Lavieren ist,wenn man der Wikipedia- Definition vertraut („das taktische, berechnende Abwägen von Vor- und Nachteilen zwischen u.U. widerstreitenden Interessen bzw. das Ausweichen vor Entscheidungen gegenüber potentiellen Verbündeten und/oder Gegnern“) geradezu generell das Herzstück etwa Merkelscher Politik.
An diesen Beispielen zwischen Geistlosigkeit und Illusion lässt sich meines Erachtens erkennen, dass Sterling mit seiner Diagnose einer „Dekade der Stagnation“ völlig richtig liegt. Rezepte hat auch er nicht.
„Es wird in absehbarer Zukunft nicht weniger Kapitalismus geben. Kapitalistische Systeme durchlaufen aber immer verschiedenartige Phasen, die etwa sieben Jahre lang sind. Wir hatten den DotCom-Boom in den 1990ern, darauf folgte der “war on terror” der Bush-Administration. Wie wir die nächste Phase nennen werden, ist mir noch unklar, aber da sie noch bis in die Mitte des nächsten Jahrzehnts reichen wird, ist noch viel Zeit, um sich darüber Gedanken zu machen. Vielleicht “Stagnation” oder “Depression”, denn die Historiker werden die jetzige Dekade wohl eher mit “Terrorismus” verbinden. Die Finanzkrise beendet diese Phase, wird aber ihre Auswirkungen erst in den nächsten Jahren zeigen.“
Wohin geht es also bis 2015? Nach dem Ende des Kalten Krieges ist die westliche Welt offensichtlich orientierungslos in eine Fülle von illusionären Blasen getappt. Das so lange determinierende Ost-West- Feind- Schema wurde durch einen dämonisierten Terrorismus ersetzt, der durch schwere strategische, wirtschaftliche und politische Fehler des Westens erst zu der Bedeutung aufgeblasen worden ist, die er in und nach der Bush- Ära erlangte. Die völlig überzogenen Erwartungen an die Technik des Internet - die „DotCom-Blase“ führte zu schweren wirtschaftlichen Verwerfungen, die nahtlos durch obskure Finanzmanipulationen ergänzt wurde. Als Konsequenz aus diesen globalen Illusionen, die nacheinander zerplatzten, ohne dass sich etwas wie Lerneffekte gezeigt hätten, hat sich eine globale Wirtschaftskrise entwickelt, die zumindest die USA und Europa in erheblichem Maß durch extreme Schulden in ihrem politischen Spielraum lähmt. Gesellschaftliche Verwerfungen im Sinne einer zugespitzten Spaltung sind die Folge und werden weiter zunehmen. Der Gestaltungsspielraum ist gering, ohne dass Rezepte zum Gegensteuern sichtbar wären. Im Gegenteil. Heute schlägt eher die Stunde der Populisten, die in der schwelenden Krise ihr eigenes Süppchen kochen.
Aber selbst in simplen technologischen Fragen wie der Überwindung des klimatisch bedenklichen Verbrennungsmotors zeigen sich nicht einmal ansatzweise produktive Ideen. Statt tatsächlich bahnbrechender Neuerungen baut man weiter auf eine mehr als hundert Jahre alte Technik und laviert damit vor sich hin- wohl wissend, dass die Klima- Bedingungen sich stetig verschlechtern. Das Lavieren ist,wenn man der Wikipedia- Definition vertraut („das taktische, berechnende Abwägen von Vor- und Nachteilen zwischen u.U. widerstreitenden Interessen bzw. das Ausweichen vor Entscheidungen gegenüber potentiellen Verbündeten und/oder Gegnern“) geradezu generell das Herzstück etwa Merkelscher Politik.
An diesen Beispielen zwischen Geistlosigkeit und Illusion lässt sich meines Erachtens erkennen, dass Sterling mit seiner Diagnose einer „Dekade der Stagnation“ völlig richtig liegt. Rezepte hat auch er nicht.
Das Slow Media Manifest
01.Feb.2010 22:56 Uhr
Auf der Suche nach einer zeitgenössischen Konzeption für nachhaltige Internet- Medien (zum Beispiel ein Blog) ist das „Slow Media Manifest“ entstanden. Für Webmaster und aufmerksame Nutzer ist das ein interessantes Instrument, um für die Qualität von Blogs Massstäbe zu entwickeln. Implizit enthalten ist auch ein Blick auf den mündigen Netzbürger. Nehmen wir als Beispiel dafür mal einige Punkte des Manifests heraus:
„6. Slow Media sind diskursiv und dialogisch: Sie suchen ein Gegenüber, mit dem sie in Kontakt treten können. Die Wahl des Mediums ist dabei zweitrangig. Das Zuhören ist bei Slow Media ebenso wichtig wie das Sprechen. “Slow” bedeutet hier: aufmerksam und zugewandt sein und auch eigene Positionen aus einer anderen Perspektive betrachten und hinterfragen zu können.
7. Slow Media sind soziale Medien: Um Slow Media bilden sich lebendige Gemeinschaften oder Stämme, gleich ob es sich um einen lebenden Autor handelt, der mit seinen Lesern in den Austausch tritt, oder einen verstorbenen Musiker, um dessen Musik sich eine aktive Deutungsgemeinschaft bildet. So fördern Slow Media die Vielfalt und respektieren kulturelle und lokale Besonderheiten.
8. Slow Media nehmen ihre Nutzer ernst: Slow Media treten ihren Nutzern selbstbewusst-freundschaftlich gegenüber und haben ein gutes Gespür dafür, für wieviel Komplexität und Ironie ihre Nutzer bereit sind. Slow Media sehen weder belehrend auf ihre Nutzer herab noch begegnen sie ihnen unterwürfig-anbiedernd.“
Ein solches humanistisches Manifest ist auf dem Hintergrund der heutigen Bedeutung des Internet, was die Masse der Kommunikation betrifft, zu betrachten. 2009 gab es 234 Millionen Websites insgesamt, aber 47 Millionen waren allein in diesem Jahr neu entstanden. 1,73 Milliarden Menschen der Weltbevölkerung nutzen das Internet, was einer Steigerung von 18% in diesem Jahr entspricht. Es existieren 1,26 Millionen Blogs. 4 Milliarden Fotos sind bei Flickr gespeichert.
So wird es Zeit, angesichts eines wuchernden Mediums über Qualitätskriterien nachzudenken.
„6. Slow Media sind diskursiv und dialogisch: Sie suchen ein Gegenüber, mit dem sie in Kontakt treten können. Die Wahl des Mediums ist dabei zweitrangig. Das Zuhören ist bei Slow Media ebenso wichtig wie das Sprechen. “Slow” bedeutet hier: aufmerksam und zugewandt sein und auch eigene Positionen aus einer anderen Perspektive betrachten und hinterfragen zu können.
7. Slow Media sind soziale Medien: Um Slow Media bilden sich lebendige Gemeinschaften oder Stämme, gleich ob es sich um einen lebenden Autor handelt, der mit seinen Lesern in den Austausch tritt, oder einen verstorbenen Musiker, um dessen Musik sich eine aktive Deutungsgemeinschaft bildet. So fördern Slow Media die Vielfalt und respektieren kulturelle und lokale Besonderheiten.
8. Slow Media nehmen ihre Nutzer ernst: Slow Media treten ihren Nutzern selbstbewusst-freundschaftlich gegenüber und haben ein gutes Gespür dafür, für wieviel Komplexität und Ironie ihre Nutzer bereit sind. Slow Media sehen weder belehrend auf ihre Nutzer herab noch begegnen sie ihnen unterwürfig-anbiedernd.“
Ein solches humanistisches Manifest ist auf dem Hintergrund der heutigen Bedeutung des Internet, was die Masse der Kommunikation betrifft, zu betrachten. 2009 gab es 234 Millionen Websites insgesamt, aber 47 Millionen waren allein in diesem Jahr neu entstanden. 1,73 Milliarden Menschen der Weltbevölkerung nutzen das Internet, was einer Steigerung von 18% in diesem Jahr entspricht. Es existieren 1,26 Millionen Blogs. 4 Milliarden Fotos sind bei Flickr gespeichert.
So wird es Zeit, angesichts eines wuchernden Mediums über Qualitätskriterien nachzudenken.
Das Wabern im globalen Dorf
01.Feb.2010 22:55 Uhr

Quelle des Bildes
Vielleicht ist es Zeit, sich einmal wieder mit dem frühen Theoretiker Marshall McLuhan zu beschäftigen, der klug, aber etwas drastisch angesichts der neuen elektronischen Medien über deren Einfluss auf den Menschen gedacht hat. Für ihn fand die elektronische Revolution schon in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts statt, eine Revolution („For the past 3500 years of the Western world, the effects of media — whether it’s speech, writing, printing, photography, radio or television — have been systematically overlooked by social observers.“), die eine schockartige, unkontrollierte und unmittelbare Erweiterung der menschlichen Sinne und Kommunikation mit sich bringen würde, aber auch die Gefahr einer kollektiven und globalen Gleichschaltung.
Das Ganze ist inzwischen - 50 Jahre später- zwar tatsächlich eingetreten- einschließlich der Gleichschaltung via globaler kultureller Events, TV- Shows und Internet- Medien, hat aber doch nicht zu dem kollektiven Identitätsverlust geführt, den McLuhan befürchtet hatte: „In the past, the effects of media were experienced more gradually, allowing the individual and society to absorb and cushion their impact to some degree. Today, in the electronic age of instantaneous communication, I believe that our survival, and at the very least our comfort and happiness, is predicated on understanding the nature of our new environment, because unlike previous environmental changes, the electric media constitute a total and near-instantaneous transformation of culture, values and attitudes. This upheaval generates great pain and identity loss, which can be ameliorated only through a conscious awareness of its dynamics. If we understand the revolutionary transformations caused by new media, we can anticipate and control them; but if we continue in our self-induced subliminal trance, we will be their slaves.“
Aber die Abhängigkeit des Menschen von diesem Medium ist- auch in wirtschaftlicher Hinsicht- heute mehr und mehr eine Tatsache. Die Grundgedanken McLuhans sind hier in einem Interview mit dem Playboy nachzulesen- eine Vision aus dem Jahr 1969.
Natürlich ist die Erweiterung der Sinne und des Leibes durch diese Medien heute festzustellen, die McLuhan so beschrieb: „Alle Medien sind Ausdehnung menschlicher Fähigkeiten – seien sie psychisch oder physisch. – Das Rad ist eine Ausdehnung des Fußes. Das Buch ist eine Ausdehnung des Auges, Kleider sind eine Ausdehnung der Haut, die Medien unserer Zeit sind eine Ausdehnung des Zentralnervensystems. Indem Medien die Umwelt verändern, schaffen sie in uns eine ganz bestimmte Konstellation sinnlicher Wahrnehmung. Die Ausdehnung nur eines Sinnes verändert die Art, wie wir denken und handeln, die Art, wie wir unsere Körper wahrnehmen. Wenn diese Verhältnisse sich wandeln, wandelt sich der Mensch.“ (Quelle Blogpiloten) Aber der Mensch wandelt sich nicht nur, er integriert auch die neuen Fähigkeiten. Vor allem ändert sich auch die Verantwortlichkeit des Einzelnen. Die aktuelle Katastrophe in Haiti mobilisiert durch die Medien ein globales Gefühl dafür, verantwortlich zu sein. Das gilt aber nicht unbedingt für den Obdachlosen, der Tag für Tag vor dem Bäcker sitzt, bei dem ich meine Brötchen hole. Der ist halt noch nicht medial präsentiert und vermarktet.
Es sind nicht nur die integren Berichte über Katastrophen in aller Welt, nicht nur die musikalischen Mega- Events, nicht nur die grassierenden Gerüchte und albernen Verschwörungstheorien, die durchs Internet wabern, was in diesem Zusammenhang auch einen Bezug zu Rudolf Steiner herstellt. Ich finde dieses seltsame - von Regierungen uniform gepuschte - Angstsyndrom so auffällig, sei es nun vor Klimakatastrophen oder vor Hühner-, Schweine- und Ziegengrippe- Epidemien. Gerne und breit werden Untergangsszenarien aller Art verbreitet. Vielleicht illustriert so etwas Rudolf Steiners mehrfach und drastisch geäußerte Bedenken vor der von ihm so genannten „Öffentlichen Meinung“: „Die öffentliche Meinung ist weniger wert, als was sich der einzelne als Meinung, wenn er fortschreitet, erringen kann. Sie ist untermenschlich.“ (GA 141, Seite 134).
Hier, meint Steiner, sind die Dämonen der heutigen und künftigen Zeit wirksam. Das „globale Dorf“ (ein Begriff von McLuhan) wird heute von Szenarien durchwabert, deren negative Energien er „luziferische“ nennt: „Und sie wirken in einer verschwommenen, durcheinanderflutenden Gedankenmacht der öffentlichen Meinung. Man versteht auch die Funktion der öffentlichen Meinung nur, wenn man weiß, dass sie in dieser Art in die Menschheit hineinkommt.“ (GA 141, Seite 128). So weit muss man natürlich nicht gehen. Man kann es durchaus dabei belassen, die drohende Uniformität im globalen Dorf, die durch weltweite, manchmal gut gemeinte Kampagnen angestossen wird, mit Interesse und einiger Verwunderung als die Schattenseite des heute technisch möglichen globalen Dialogs zu betrachten.
Vergoogelt
21.Jan.2010 20:57 Uhr
Wie das Blog von Google Mail heute berichtet, ändert Google seine Technik in Bezug auf Einblenden von Werbung beim Erhalt von Emails. Auch vorher waren die Werbeeinblendungen „Zielpersonen- orientiert“, da sich der Inhalt der Werbung an dem der Mail orientierte. Viele im Internet verschickte Emails enthielten aber offensichtlich keinerlei für Werbung relevante Informationen. Wir sind eben viel exotischer als Werbeleute glauben.
Jetzt wird diese Funktion erweitert auf schon archivierte Emails: „When you open a message in Gmail, you often see ads related to that email. Let's say you're looking at a confirmation email from a hotel in Chicago. Next to your email, you might see ads about flights to Chicago. But sometimes, there aren't any good ads to match to a particular message. From now on, you'll sometimes see ads matched to another recent email instead.“
Bei diesem Prozedere ist vielen Nutzern unwohl. Denn immerhin werden Inhalte von ihren privaten und geschäftlichen Korrespondenzen dabei analysiert. ,Im Google- Blog wird daher auch eilig versichert, dass da nichts wirklich gelesen wird, sondern „nur“ digital gefiltert: „The process is entirely automated: no humans are involved in selecting ads, and no email or personal information is shared with advertisers.“
So weit, so gut. Ich glaube ohne weiteres, dass da tatsächlich keine Armee von heimlichen Mit-Lesern sitzt, die sich durch Milliarden Emails arbeitet. Das Problem ist ein ganz anderes: Die technische Kommunikation vergoogelt zunehmend. Seit langem verfolgt man die Neigungen Googles zum digitalen Monopol. Ob in Sachen Suchmaschine, Nachrichten, Fotografie, Blogs, Office, Datenspeicherung, Landkarten oder Email: Die Krake wächst, und zwar auf innovationsfreudige Art und Weise. Google wächst eben vor allem deshalb, weil es so gut ist und weil es etablierten analogen Medien das Wasser abgräbt. Nachdem sich Google in einem Geschäftszweig etabliert hat, zieht dann - wie das aktuelle Beispiel von Googlemail zeigt- die Werbemaschine erst richtig los.
Es gibt aber noch ein anderes Problem. Das ist in meinen Augen die Neigung von Google zu Gadgets und Plugins. Manche Anwendungen sind trotz der simplen optischen Anmutung mit Funktionen überfrachtet. Ich will auch gar nicht die All-in-One-Informationsportale wie iGoogle nutzen, die mir Mails, Fotos, News, YouTube- Filme, Börse und Wetterbericht auf einen Blick liefern. Wahrscheinlich überfordert mich das. Mein Gehirn blockiert eher in einem Blitzlicht gleichzeitiger Informationen. Zugleich werden die Funktionen - auch die von Googlemail - den für mich nicht transparenten Filtern von Google gegenüber geöffnet, die vielleicht nur den Werbeeinblendungen dienen sollen, aber womöglich auch zu kapern sind*. Macworld berichtete jedenfalls, dass auch Googlemail- Konten ausländischer Journalisten in China umgelenkt und kopiert worden sind- aller Voraussicht nach von regierungseigenen Hackern: „The hijacked Gmail accounts used by the journalists in Beijing had been set to forward all e-mails to a stranger’s address, the Foreign Correspondents’ Club of China said in an e-mail to members. The group did not name the news organizations hit by the attack or say when the hijacking occurred. “We remind all members that journalists in China have been particular targets of hacker attacks in the last 2 years,” the group’s e-mail said.“
Vielleicht sind es Googles offene Tore, die zur Spionage geradezu einladen.
* Ich bin da etwas vorsichtig, weil gerade selbst meine Kreditkarte gehackt worden ist, mit Abbuchungen von interessanten Vereinen wie der „Katzennothilfe Grossbritannien“.
Jetzt wird diese Funktion erweitert auf schon archivierte Emails: „When you open a message in Gmail, you often see ads related to that email. Let's say you're looking at a confirmation email from a hotel in Chicago. Next to your email, you might see ads about flights to Chicago. But sometimes, there aren't any good ads to match to a particular message. From now on, you'll sometimes see ads matched to another recent email instead.“
Bei diesem Prozedere ist vielen Nutzern unwohl. Denn immerhin werden Inhalte von ihren privaten und geschäftlichen Korrespondenzen dabei analysiert. ,Im Google- Blog wird daher auch eilig versichert, dass da nichts wirklich gelesen wird, sondern „nur“ digital gefiltert: „The process is entirely automated: no humans are involved in selecting ads, and no email or personal information is shared with advertisers.“
So weit, so gut. Ich glaube ohne weiteres, dass da tatsächlich keine Armee von heimlichen Mit-Lesern sitzt, die sich durch Milliarden Emails arbeitet. Das Problem ist ein ganz anderes: Die technische Kommunikation vergoogelt zunehmend. Seit langem verfolgt man die Neigungen Googles zum digitalen Monopol. Ob in Sachen Suchmaschine, Nachrichten, Fotografie, Blogs, Office, Datenspeicherung, Landkarten oder Email: Die Krake wächst, und zwar auf innovationsfreudige Art und Weise. Google wächst eben vor allem deshalb, weil es so gut ist und weil es etablierten analogen Medien das Wasser abgräbt. Nachdem sich Google in einem Geschäftszweig etabliert hat, zieht dann - wie das aktuelle Beispiel von Googlemail zeigt- die Werbemaschine erst richtig los.
Es gibt aber noch ein anderes Problem. Das ist in meinen Augen die Neigung von Google zu Gadgets und Plugins. Manche Anwendungen sind trotz der simplen optischen Anmutung mit Funktionen überfrachtet. Ich will auch gar nicht die All-in-One-Informationsportale wie iGoogle nutzen, die mir Mails, Fotos, News, YouTube- Filme, Börse und Wetterbericht auf einen Blick liefern. Wahrscheinlich überfordert mich das. Mein Gehirn blockiert eher in einem Blitzlicht gleichzeitiger Informationen. Zugleich werden die Funktionen - auch die von Googlemail - den für mich nicht transparenten Filtern von Google gegenüber geöffnet, die vielleicht nur den Werbeeinblendungen dienen sollen, aber womöglich auch zu kapern sind*. Macworld berichtete jedenfalls, dass auch Googlemail- Konten ausländischer Journalisten in China umgelenkt und kopiert worden sind- aller Voraussicht nach von regierungseigenen Hackern: „The hijacked Gmail accounts used by the journalists in Beijing had been set to forward all e-mails to a stranger’s address, the Foreign Correspondents’ Club of China said in an e-mail to members. The group did not name the news organizations hit by the attack or say when the hijacking occurred. “We remind all members that journalists in China have been particular targets of hacker attacks in the last 2 years,” the group’s e-mail said.“
Vielleicht sind es Googles offene Tore, die zur Spionage geradezu einladen.
* Ich bin da etwas vorsichtig, weil gerade selbst meine Kreditkarte gehackt worden ist, mit Abbuchungen von interessanten Vereinen wie der „Katzennothilfe Grossbritannien“.
Erklärung von Google
15.Jan.2010 22:00 Uhr
Die Erklärung von Google (in deutscher Sprache, im Google- Produkt- Blog) zu den Attacken auf Mail- Accounts in China und der darauf folgenden schwer wiegenden Entscheidung von Google, die Firmenpolitik in China zu ändern, lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig:
„Die Angriffe und die groß angelegten Überwachungsaktivitäten, die wir bei unserer Untersuchung aufgedeckt haben, in Verbindung mit den Versuchen, die Meinungs- und Redefreiheit im Internet im Laufe des vergangenen Jahres weiter zu beschränken, haben uns zu der Entscheidung veranlasst, unser Engagement in China neu zu bewerten. Wir haben beschlossen, dass wir nicht länger bereit sind, unsere Suchergebnisse auf Google.cn zu zensieren.“
Das nennt man eine Flucht nach vorne im ganz grossen Stil.
„Die Angriffe und die groß angelegten Überwachungsaktivitäten, die wir bei unserer Untersuchung aufgedeckt haben, in Verbindung mit den Versuchen, die Meinungs- und Redefreiheit im Internet im Laufe des vergangenen Jahres weiter zu beschränken, haben uns zu der Entscheidung veranlasst, unser Engagement in China neu zu bewerten. Wir haben beschlossen, dass wir nicht länger bereit sind, unsere Suchergebnisse auf Google.cn zu zensieren.“
Das nennt man eine Flucht nach vorne im ganz grossen Stil.
Blasen
19.Nov.2009 23:44 Uhr
Blasen gibt es nicht nur im Finanz- oder Kunstmarkt. Man findet sie ebenso in der anthroposophischen Szene, allerdings geht es nicht um Spekulations-, sondern um Wortblasen. Nach meinen höchst persönlichen Eindrücken wächst die Zahl der verblasenen Hülsenprodukte- sei es als Artikel, Buch oder Vortrag- in den letzten zehn Jahren. Es ist eine Zumutung, derartige Bücher zu lesen. Aber gehen wir nicht ins Detail.
Es gibt aber auch richtig giftige Gewächse, die nicht nur eine Zumutung sind, sondern an der absolut letzten Geschmacksgrenze operieren. So die durchgeknallte, ultrarechte Website Gralsmacht. Verantwortlich für die merkwürdigen Schriftstücke ist Herwig Duschek. Die Definition für „Gralsmacht“ lautet: „Der Begriff „Gralsmacht“ bezeichnet die Avantgarde der Menschheit, die über eine völlig neue Technik (Äther-Technik, Grals-Technik, „Vril“) verfügt und zwischen ca. 1942 und ca. 1945 – aus Mitteleuropa kommend – weltweit Basen mit derzeit ca. 3 Millionen Menschen aufgebaut hat. Die „Gralsmacht“ steht im Zeichen der Kulturauferstehung – während unsere Zivilisation immer mehr dem Abgrund zusteuert.“ Ah, eine Avantgarde mit okkulten Fähigkeiten! Eine Art Supermenschen, verborgen unter uns! Wie krank ist das denn?
Schauen wir auf den dieswöchigen Artikel, der sich anbietet, in einer sehr bestimmten Situation gemachte Äußerungen Rudolf Steiners nach dem Ersten Weltkrieg bezüglich des „deutschen Volkstums“ auf die zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zu beziehen: „R. Steiner prophezeite am 3. 10. 1919, also vor 90 Jahren den Tod des Deutschtums in Mitteleuropa: Für Mitteleuropa stehen die Dinge so, dass es sich handelt um Leben und Tod des Volkstums. Damit ist die Trennung des Volkes von seinen geistigen Impulsen und Aufgaben gemeint. Diese Trennung ist dann ca. 1946 eingetreten..“ Nein, das ist eine Lüge. Die deutsche Entfremdung hat nicht nach der Überwindung der nationalsozialistischen Ära begonnen- der Faschismus w a r diese Entfremdung- genau dann war Deutschland auf das entschiedenste „von seinen geistigen Impulsen und Aufgaben“ getrennt.
Unvermittelt wird in dem Artikel nun umgeschwenkt auf den Selbstmord von Robert Enke: „Betrachtet man den „Selbstmord-Kult“ um Robert Enke, der einen Tag nach der „Mauerfall- Jubelfeier-Show“ am 10. 11. 2009 begann und in dem Logen-„Volkstrauer“-Fest am 15. 11. 2009 im Hannoverschen Stadion kulminierte, dann erscheint dies wie ein abgespultes Programm. Gleichzeitig stellt sich die Frage: wurde Robert Enke ge-selbstmordet?“ „Gralsmacht“ behauptet nun, weiterhin zusammenhanglos, Robert Enke sei mittels „Mind- Control“ ferngesteuert gewesen, ja seine Depression sei eine „induzierte“ gewesen. Nun folgen Ausführungen über ein obskures Gerät, das „drahtlos aus der Entfernung die Gehirnwellen eines Menschen messen, analysieren, verändern und dann wieder ins Gehirn zurückspeichern kann.“: „Es zeigte sich nämlich, dass das Einspeisen von Emotionsclustern in das Gehirn ein viel machtvolleres Instrument ist als das übertragen bloßer verbaler Suggestionen.“ Erzeugt würden mit solchen Geräten Phänomene wie „Verdummung bis zur Debilität“. Auch das Problem mit der „Erzeugung innerer Stimmen und anderer akustischer Halluzinationen“ deutet uns nun an, dass sich hiermit die Probleme der Autoren dieses ganzen Artikels mehr als nur andeuten.
Die wirre, psychisch kranke „Gralsmacht“ ist ein giftiges Gewächs für und von verwirrten Zeitgenossen. Die hier konstruierten Zusammenhänge auch zu Äußerungen Rudolf Steiners entspringen weniger der Einsicht als reiner Paranoia.
Es gibt aber auch richtig giftige Gewächse, die nicht nur eine Zumutung sind, sondern an der absolut letzten Geschmacksgrenze operieren. So die durchgeknallte, ultrarechte Website Gralsmacht. Verantwortlich für die merkwürdigen Schriftstücke ist Herwig Duschek. Die Definition für „Gralsmacht“ lautet: „Der Begriff „Gralsmacht“ bezeichnet die Avantgarde der Menschheit, die über eine völlig neue Technik (Äther-Technik, Grals-Technik, „Vril“) verfügt und zwischen ca. 1942 und ca. 1945 – aus Mitteleuropa kommend – weltweit Basen mit derzeit ca. 3 Millionen Menschen aufgebaut hat. Die „Gralsmacht“ steht im Zeichen der Kulturauferstehung – während unsere Zivilisation immer mehr dem Abgrund zusteuert.“ Ah, eine Avantgarde mit okkulten Fähigkeiten! Eine Art Supermenschen, verborgen unter uns! Wie krank ist das denn?
Schauen wir auf den dieswöchigen Artikel, der sich anbietet, in einer sehr bestimmten Situation gemachte Äußerungen Rudolf Steiners nach dem Ersten Weltkrieg bezüglich des „deutschen Volkstums“ auf die zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zu beziehen: „R. Steiner prophezeite am 3. 10. 1919, also vor 90 Jahren den Tod des Deutschtums in Mitteleuropa: Für Mitteleuropa stehen die Dinge so, dass es sich handelt um Leben und Tod des Volkstums. Damit ist die Trennung des Volkes von seinen geistigen Impulsen und Aufgaben gemeint. Diese Trennung ist dann ca. 1946 eingetreten..“ Nein, das ist eine Lüge. Die deutsche Entfremdung hat nicht nach der Überwindung der nationalsozialistischen Ära begonnen- der Faschismus w a r diese Entfremdung- genau dann war Deutschland auf das entschiedenste „von seinen geistigen Impulsen und Aufgaben“ getrennt.
Unvermittelt wird in dem Artikel nun umgeschwenkt auf den Selbstmord von Robert Enke: „Betrachtet man den „Selbstmord-Kult“ um Robert Enke, der einen Tag nach der „Mauerfall- Jubelfeier-Show“ am 10. 11. 2009 begann und in dem Logen-„Volkstrauer“-Fest am 15. 11. 2009 im Hannoverschen Stadion kulminierte, dann erscheint dies wie ein abgespultes Programm. Gleichzeitig stellt sich die Frage: wurde Robert Enke ge-selbstmordet?“ „Gralsmacht“ behauptet nun, weiterhin zusammenhanglos, Robert Enke sei mittels „Mind- Control“ ferngesteuert gewesen, ja seine Depression sei eine „induzierte“ gewesen. Nun folgen Ausführungen über ein obskures Gerät, das „drahtlos aus der Entfernung die Gehirnwellen eines Menschen messen, analysieren, verändern und dann wieder ins Gehirn zurückspeichern kann.“: „Es zeigte sich nämlich, dass das Einspeisen von Emotionsclustern in das Gehirn ein viel machtvolleres Instrument ist als das übertragen bloßer verbaler Suggestionen.“ Erzeugt würden mit solchen Geräten Phänomene wie „Verdummung bis zur Debilität“. Auch das Problem mit der „Erzeugung innerer Stimmen und anderer akustischer Halluzinationen“ deutet uns nun an, dass sich hiermit die Probleme der Autoren dieses ganzen Artikels mehr als nur andeuten.
Die wirre, psychisch kranke „Gralsmacht“ ist ein giftiges Gewächs für und von verwirrten Zeitgenossen. Die hier konstruierten Zusammenhänge auch zu Äußerungen Rudolf Steiners entspringen weniger der Einsicht als reiner Paranoia.
Slumdogs
07.Nov.2009 20:54 Uhr
"Gesetze erlassen ist für Politiker das gleiche wie Wasser lassen", erwiderte Narayan. "Beides geht den Gully runter."
Am Wahltag stellten sich die Wahlberechtigten vor dem Wahllokal auf. Wie üblich kontrollierte Thakur Dharamsi die Stimmenabgabe. Sein System, unterstützt von den anderen Grundbesitzern, hatte schon seit Jahren reibungslos funktioniert. Der Wahlbeamte wurde beschenkt und fortgeführt, um den restlichen Tag mit Speisen und Getränken bewirtet zu werden. Die Türen öffneten sich, und die Wahlberechtigten marschierten durch. "Streckt eure Finger aus", sagte der Aufseher, der die Warteschlange beaufsichtigte.
Die Wähler gehorchten. der Sekretär am Schreibtisch schraubte eine kleine Flasche auf und markierte jeden ausgestreckten Finger mit wasserunlöslicher schwarzer Tinte, um Betrug zu verhindern.
"Und jetzt macht eure Daumenabdrücke hier drauf", sagte der Sekretär.
Sie drückten ihre Daumen auf das Register, um zu bestätigen, daß sie gewählt hatten, und gingen dann wieder heim.
Anschließend wurden die leeren Stimmzettel von den Männern des Grundbesitzers ausgefüllt. Nach Schließung kehrte der Wahlbeamte zurück, um den Transport der Wahlurnen zur Abzählunsstelle zu überwachen und zu bezeugen, daß die Wahl auf faire und demokratische Weise verlaufen war."
Wer Slumdog Millionär geliebt hat, wird auch dieses Buch lieben. Es ist allerdings wesentlich detaillierter und breiter angelegt, und es wird natürlich auch nicht von Gewinnshows und musikalischen Tanzeinlagen unterbrochen. Auf etwa 850 Seiten wird das Schicksal zweieri Unberührbarer - beide Schneider- geschildert, die aus den Dörfern um Mumbai herum in die Stadt fliehen müssen, um sich in der gigantischen Metropole durch zu schlagen. Sie leben in einem dieser wuchernden Slums, aber das ist die einzige ihnen verbliebene Chance. "Charme und die Tragödie eines ganzen Kontinents" (Klappentext) werden auf wunderbar lebendige Weise aufgerollt. Etwas für lange Winterabende.
Rohinton Mistry: Das Gleichgewicht der Welt
Am Wahltag stellten sich die Wahlberechtigten vor dem Wahllokal auf. Wie üblich kontrollierte Thakur Dharamsi die Stimmenabgabe. Sein System, unterstützt von den anderen Grundbesitzern, hatte schon seit Jahren reibungslos funktioniert. Der Wahlbeamte wurde beschenkt und fortgeführt, um den restlichen Tag mit Speisen und Getränken bewirtet zu werden. Die Türen öffneten sich, und die Wahlberechtigten marschierten durch. "Streckt eure Finger aus", sagte der Aufseher, der die Warteschlange beaufsichtigte.
Die Wähler gehorchten. der Sekretär am Schreibtisch schraubte eine kleine Flasche auf und markierte jeden ausgestreckten Finger mit wasserunlöslicher schwarzer Tinte, um Betrug zu verhindern.
"Und jetzt macht eure Daumenabdrücke hier drauf", sagte der Sekretär.
Sie drückten ihre Daumen auf das Register, um zu bestätigen, daß sie gewählt hatten, und gingen dann wieder heim.
Anschließend wurden die leeren Stimmzettel von den Männern des Grundbesitzers ausgefüllt. Nach Schließung kehrte der Wahlbeamte zurück, um den Transport der Wahlurnen zur Abzählunsstelle zu überwachen und zu bezeugen, daß die Wahl auf faire und demokratische Weise verlaufen war."
Wer Slumdog Millionär geliebt hat, wird auch dieses Buch lieben. Es ist allerdings wesentlich detaillierter und breiter angelegt, und es wird natürlich auch nicht von Gewinnshows und musikalischen Tanzeinlagen unterbrochen. Auf etwa 850 Seiten wird das Schicksal zweieri Unberührbarer - beide Schneider- geschildert, die aus den Dörfern um Mumbai herum in die Stadt fliehen müssen, um sich in der gigantischen Metropole durch zu schlagen. Sie leben in einem dieser wuchernden Slums, aber das ist die einzige ihnen verbliebene Chance. "Charme und die Tragödie eines ganzen Kontinents" (Klappentext) werden auf wunderbar lebendige Weise aufgerollt. Etwas für lange Winterabende.
Rohinton Mistry: Das Gleichgewicht der Welt
Puschel
05.Nov.2009 20:39 Uhr
Vor Jahren habe ich einmal auf einem Waldorfbasar in Trier seltsame Roben bewundert, die der Werkstatt einer anthroposophischen Kleider- Manufaktur entsprungen waren. Man wagt es nicht, dafür den Begriff "Mode" zu verwenden. Denn diesen schweren, lila- und bordeauxfarbenen Gewändern entströmte der Geruch des 19. Jahrhunderts. In Anthropotantenkreisen war so etwas, wie man alten Fotos entnehmen kann, auch noch am Anfang des 20. Jahrhunderts chic. Man trug dazu schwere goldfarbene Broschen mit der Form von Planetensiegeln und auf dem Kopf gelegentlich eine Art Turbane. Ich bewunderte so ein Ding in Trier, das in dunkelstem Lila gehalten war, dazu eine Art - farblich abgesetzter- Schal, der vorne genau dort, wo man den Schambereich vermuten könnte (wenn es einen gäbe) in einem wollenen Puschel zusammen geführt wurde. Das gab dem Ganzen unfreiwillig eine bizarr erotische Note, machte aber auch klar, dass Modemachern wie Trägerinnen jede Selbstironie fremd war.
Die Damen und Herren, die Auren und Ätherleiber via Kleidung visualisieren möchten (aus welchen Gründen auch immer), gibt es erstaunlicherweise noch immer. Sie hatten, wie die Nachrichtenagentur NNA berichtet, gerade ihre Tagung in Dornach: "Kulturtagung am Goetheanum machte Zusammenhänge zwischen dem Ich und seinen Hüllen deutlich". Der Text von Wolfgang G. Voegele hat etwas von Realsatire, ist aber sicherlich so nicht gemeint. Was aber genau meint er, wenn er tiefschürfend schreibt "Die Veranstaltung machte deutlich, wie sich in der Bekleidung menschliches Bewusstsein spiegelt oder gegebenenfalls auch verhüllt"? Verhüllte Körper kennen wir, mehr oder weniger, aber verhülltes Bewusstsein? Klingt wie eine Art Drogenwirkung.
Dann aber geht es im Text gleich ans Eingemachte, nämlich um Ost und West und um (in diesen anthroposophischen Augen) hüllenlose "Ich Kerne": "Anthroposophie versöhne die gegensätzlichen Auffassungen: im Osten Geist als Widersacher der (sinnlichen, materieverhafteten) Seele; im Westen ein materialistisches Menschenbild, das keinen Ich-Kern mehr, nur noch Hüllen kenne.". Oh, wie furchtbar. Gut, dass wir Dornach haben, wo die Ich-Kerne nur so ins Kraut schiessen. Ersaunlicherweise wird in der Folge anscheinend ein Loblied auf Tattoos gesungen, zumindest wenn man zufällig ein Angehöriger eines "Naturvolkes" ist: "Die Bekleidungskunst habe zu allen Zeiten versucht, die naturgegebenen übersinnlichen Hüllen fantasievoll abzubilden oder neu zu gestalten. Körperbemalung und Tätowierung der Naturvölker machten die visionären Klänge und Muster der menschlichen Aura sichtbar."
Dornacher schätzen solche Körperbemalungen eher weniger, sondern setzen mehr auf die Aura- ähnlichen Roben mit Wollpuschel: "Ausgehend von Steiners Annahme, dass das aurische Farbenerleben in Zukunft wieder möglich sein werde, prognostizierte Speckner eine zunehmende Individualisierung der Mode und Bekleidungskunst: „Je mehr unter den Menschen das aurische Farbensehen wieder Platz greift, umso mehr werden schreiende Gegensätze zwischen der Aura eines Menschen und seiner Kleidung wieder wahrnehmbar. Geschmackvolle Menschen werden sich aus wohlverstandenem Eigeninteresse davor hüten, deplatzierte Missverhältnisse in ihrer Hülle zu zeigen (…) Während die Pariser Modeßene jedes Jahr der Welt ihre Vorstellungen eines einheitlichen „Look“ diktiert, werden die aurischen Unterschiede, die ja zu den physischen noch hinzukommen, ein starker Anreiz zu individueller Bekleidungskunst sein“, so Speckner."
Anscheinend hat sich die "Bühnenkostümabteilung des Goetheanum" während dieser Vorträge auf der Bühne als Model verdingt und historische und hypermoderne Kleidungsstücke für Aura- Sehende dargeboten: " vier Personen - zwei Paare- ließen sich mit ägyptischen beziehungsweise griechischen Gewändern bekleiden, die ausnahmslos nach historisch gesicherten Vorbildern angefertigt waren. Dadurch konnte die Entstehung der einzelnen Faltenwürfe, aber auch die in diesen Gewändern mögliche Beweglichkeit nachvollzogen werden. Eine selten zu sehende Demonstration, die mit viel Beifall bedacht wurde." Das glauben wir unbesehen. Es muss sehr komisch gewesen sein. Auf mich wirkt die Schilderung eher wie ein DDR- Parteitag unter Einwirkung halluzinogener Substanzen.
Die Damen und Herren, die Auren und Ätherleiber via Kleidung visualisieren möchten (aus welchen Gründen auch immer), gibt es erstaunlicherweise noch immer. Sie hatten, wie die Nachrichtenagentur NNA berichtet, gerade ihre Tagung in Dornach: "Kulturtagung am Goetheanum machte Zusammenhänge zwischen dem Ich und seinen Hüllen deutlich". Der Text von Wolfgang G. Voegele hat etwas von Realsatire, ist aber sicherlich so nicht gemeint. Was aber genau meint er, wenn er tiefschürfend schreibt "Die Veranstaltung machte deutlich, wie sich in der Bekleidung menschliches Bewusstsein spiegelt oder gegebenenfalls auch verhüllt"? Verhüllte Körper kennen wir, mehr oder weniger, aber verhülltes Bewusstsein? Klingt wie eine Art Drogenwirkung.
Dann aber geht es im Text gleich ans Eingemachte, nämlich um Ost und West und um (in diesen anthroposophischen Augen) hüllenlose "Ich Kerne": "Anthroposophie versöhne die gegensätzlichen Auffassungen: im Osten Geist als Widersacher der (sinnlichen, materieverhafteten) Seele; im Westen ein materialistisches Menschenbild, das keinen Ich-Kern mehr, nur noch Hüllen kenne.". Oh, wie furchtbar. Gut, dass wir Dornach haben, wo die Ich-Kerne nur so ins Kraut schiessen. Ersaunlicherweise wird in der Folge anscheinend ein Loblied auf Tattoos gesungen, zumindest wenn man zufällig ein Angehöriger eines "Naturvolkes" ist: "Die Bekleidungskunst habe zu allen Zeiten versucht, die naturgegebenen übersinnlichen Hüllen fantasievoll abzubilden oder neu zu gestalten. Körperbemalung und Tätowierung der Naturvölker machten die visionären Klänge und Muster der menschlichen Aura sichtbar."
Dornacher schätzen solche Körperbemalungen eher weniger, sondern setzen mehr auf die Aura- ähnlichen Roben mit Wollpuschel: "Ausgehend von Steiners Annahme, dass das aurische Farbenerleben in Zukunft wieder möglich sein werde, prognostizierte Speckner eine zunehmende Individualisierung der Mode und Bekleidungskunst: „Je mehr unter den Menschen das aurische Farbensehen wieder Platz greift, umso mehr werden schreiende Gegensätze zwischen der Aura eines Menschen und seiner Kleidung wieder wahrnehmbar. Geschmackvolle Menschen werden sich aus wohlverstandenem Eigeninteresse davor hüten, deplatzierte Missverhältnisse in ihrer Hülle zu zeigen (…) Während die Pariser Modeßene jedes Jahr der Welt ihre Vorstellungen eines einheitlichen „Look“ diktiert, werden die aurischen Unterschiede, die ja zu den physischen noch hinzukommen, ein starker Anreiz zu individueller Bekleidungskunst sein“, so Speckner."
Anscheinend hat sich die "Bühnenkostümabteilung des Goetheanum" während dieser Vorträge auf der Bühne als Model verdingt und historische und hypermoderne Kleidungsstücke für Aura- Sehende dargeboten: " vier Personen - zwei Paare- ließen sich mit ägyptischen beziehungsweise griechischen Gewändern bekleiden, die ausnahmslos nach historisch gesicherten Vorbildern angefertigt waren. Dadurch konnte die Entstehung der einzelnen Faltenwürfe, aber auch die in diesen Gewändern mögliche Beweglichkeit nachvollzogen werden. Eine selten zu sehende Demonstration, die mit viel Beifall bedacht wurde." Das glauben wir unbesehen. Es muss sehr komisch gewesen sein. Auf mich wirkt die Schilderung eher wie ein DDR- Parteitag unter Einwirkung halluzinogener Substanzen.
Schon wieder das Ende der Zeitung?
04.Okt.2009 20:55 Uhr
"We think that over a long enough period of time, most people will have personalized news-reading experiences on mobile-type devices that will largely replace their traditional reading of newspapers. Over a decade or something. And that that kind of news consumption will be very personal, very targeted", wird der Google-Chef Schmidt in dem bemerkenswerten Blogbeitrag von "Indiskretion Ehrensache" zitiert. Es geht dabei um die Frage, wie der Kampf zwischen Internet- News und den traditionellen Zeitschriften ausgehen wird. Schmidt setzt natürlich auf personalisierte digitale Newspapers- ein Beispiel dafür mag in den Augen Schmidts iGoogle sein, bei dem man beliebige Quellen wie Nachrichten, Mails, RSS-News, Flickr- Lieblingsfotografen und Youtube-Videos auf einer einzigen Startseite stimmig kombinieren kann. Angeheizt wird die Debatte durch die Erwartung an ein bald erscheinendes digitales Tablett der Firma Apple. Die Tastatur ist in den berührungsempfindlichen Bildschirm integriert, das Gerät wird aber auch durch vielfältige Fingerbewegungen gesteuert. Wie das (gut) funktionieren kann, haben wir bereits am iPhone schätzen gelernt. Nun also soll Apple, Gerüchten zufolge, vor dem Erscheinen des Geräts mit Verlagen verhandeln, um ein professionelles digitales Newspaper auf dem Tablett präsentieren zu können. Wird das das oft prophezeite Ende der klassischen Zeitung sein?

Eine andere Frage ist, wie ein anthroposophisches Internet- Medium aussehen könnte, das den Potentialen der kommenden Technik entspricht. Ich stelle mir ein vernetztes News- Blog vor, mit angeschlossenem Diskussions- Forum. In dem Blog werden zeitnah News aus dem anthroposophischen Umfeld präsentiert, unter auswählbaren Kategorien. Vorträge kann man sich ansehen und im Forum diskutieren. Persönlichkeiten werden interviewt, Initiativen vorgestellt. Entscheidend wäre eine Mischung aus Redaktion, freien vor Ort tätigen Mitarbeitern und einem lebendigen Forum. Bei all dem kommt es auf eine ansprechende und User- freundliche Technik der Präsentation an. Zumindest die grossen Verlage werden in diesen Tagen darüber grübeln, wie die digitale Plattform der Zukunft aussehen kann. Das für alle Seiten Fragliche an der Sache ist und bleibt ja, wie sich so etwas im Internet finanzieren lässt.
Dazu hier ein weiterer Beitrag von netzpolitik.org.

Eine andere Frage ist, wie ein anthroposophisches Internet- Medium aussehen könnte, das den Potentialen der kommenden Technik entspricht. Ich stelle mir ein vernetztes News- Blog vor, mit angeschlossenem Diskussions- Forum. In dem Blog werden zeitnah News aus dem anthroposophischen Umfeld präsentiert, unter auswählbaren Kategorien. Vorträge kann man sich ansehen und im Forum diskutieren. Persönlichkeiten werden interviewt, Initiativen vorgestellt. Entscheidend wäre eine Mischung aus Redaktion, freien vor Ort tätigen Mitarbeitern und einem lebendigen Forum. Bei all dem kommt es auf eine ansprechende und User- freundliche Technik der Präsentation an. Zumindest die grossen Verlage werden in diesen Tagen darüber grübeln, wie die digitale Plattform der Zukunft aussehen kann. Das für alle Seiten Fragliche an der Sache ist und bleibt ja, wie sich so etwas im Internet finanzieren lässt.
Dazu hier ein weiterer Beitrag von netzpolitik.org.
Mephisto positioniert sich neu
12.Sep.2009 20:52 Uhr
„Mitra war ein hagerer, hochgewachsener junger Mann mit stechendem Blick, hauchdünnem Oberlippenbärtchen und einem Goatie. Er hatte etwas von einem Mephisto, aber als Upgrade: ein Dämon auf der Höhe der Zeit, der den archaischen Dienst am Bösen aufgegeben hat und den Weg des Pragmatismus beschreitet, auch das Gute nicht scheut, wenn man damit schneller zum Ziel kommt.“
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Viktor Pelewin, Das fünfte Imperium, Luchterhand
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Viktor Pelewin, Das fünfte Imperium, Luchterhand
Hans-Peter Dieckmann: Der Integrale Yoga von Sri Aurobindo
06.Sep.2009 17:49 Uhr

In seinem „Überblick mit Anmerkungen aus meiner anthroposophischen Sicht“ bemüht sich Hans-Peter Dieckmann darum, den Entwickler des „Integralen Yogas“ in einer Biografie vor-, aber auch die spezifischen Entwicklungsschritte dieses Schulungsweges in konkreten Schritten und mittels Zitaten Aurobindos darzustellen. Abschließend wird diese Lehre aus anthroposophischer Sicht betrachtet. Dieckmann sieht dabei „viele unmittelbare Bezüge zu den Stufen des anthroposophischen Schulungsweges (..), bis hinauf zur Arbeit auf der Ebene des (anthroposophisch formuliert) Geistmenschen, auf der es neben der Entwicklung der Intuition ganz ähnlich wie bei Aurobindo zum anderen Pol hin um Umwandlungen bis in den physischen Leib geht. Aurobindos zum Teil recht konkrete Schilderungen machen mir etwas von einer Seinsweise deutlich, die für die meisten Menschen noch in ferner Zukunft liegt. Was er mit vielen und keineswegs immer gelösten Problemstellungen vorweggenommen hat, erwuchs aus seiner Biographie: bei aller Beispielhaftigkeit unverwechselbar – und ist so gesehen auch im anthroposophischen Sinne ein moderner Einweihungsweg.“
Zum Text als PDF- Download
Mein iPhone und sein Dämon
02.Jul.2009 21:52 Uhr
Nun ja, zu Rudolf Steiners Zeiten beeindruckte Technik vor allem durch Grösse, Schnelligkeit und reine Effizienz am industriellen Arbeitsplatz. In einer sehr fernen Zukunft, meint Steiner, werden wir noch auf ganz andere Weise für diese Technik zu zahlen haben: Sie wird sich, „lebendig“ geworden, gegen uns wenden:
„Schaut Euch die riesenhaften Maschinen an, welche die menschliche Technik heute mit allem Scharfsinn konstruiert! In ihnen schafft sich der Mensch die Dämonen, die in Zukunft gegen ihn wüten werden. Alles, was der Mensch heute an technischen Apparaten und Maschinen sich erbaut, wird in Zukunft Leben gewinnen und sich dem Menschen in furchtbarer Weise feindlich entgegenstellen.“

„Riesenhaft“ ist mein iPhone nicht gerade, wenn man es für sich betrachtet. Es ist ein etwas fettes und schweres Handy mit zahlreichen Organizer- Funktionen. Es ermöglicht mir, Termine, Adressen, Fotos, Musik, Lieblingsfilme, Dokumente, Navigation, Wecker und was noch zu meinem Alltag gehören mag, mit mir herum zu tragen. „Riesenhaft“ ist es dennoch aus zwei Gründen. Zunächst ist es durch „Apps“ (Mini- Applikationen) auf denkbar leichte Weise zu erweitern. Es gibt Zehntausende davon. Praktisch ist z.B. eine App wie AroundMe, die sofort und überall Apotheken, Parkplätze, Restaurants usw. um mich herum anzeigt und mich auf einer Karte auch hinführt. Das iPhone ist eine wunderbare Allrounder- Maschine, die auf denkbar kleinstem Raum ziemlich beliebig erweiterbar ist.
„Riesenhaft“ ist das iPhone aber auch deshalb, da es ja Teil des globalen Netzwerks ist und überall Zugang zu Emails und Internet hat. Es ist insofern nur eines von Millionen Endgeräten, die an diesem Netzwerk partizipieren. Die Maschine, der Apparat ist eigentlich nicht das iPhone, sondern das Netz zwischen den Geräten- seien es Computer, Handys, Navigationsgeräte oder eben ein Zwitter wie das iPhone.
Die Apparate, von denen Rudolf Steiner sprach, waren Dinosaurier der Mechanik. Was wir heute vor uns haben, ist eine Art weltweites neuronales Netzwerk, eine mechanisierte, dynamische, globalisierte Intelligenz. Natürlich hat mein iPhone z.B. auch einen direkten Zugang zu Wikipedia. Es hat Zugriff auf das wachsende lexikalische Wissen. Der kleine Dämon in meiner Hand hat eben einen mächtigen Schatten.
Im Gegensatz zu Steiners Vorstellung von Technik als etwas, was nur „nach dem Nutzen“ entwickelt wird und keinesfalls danach, ob „etwas schön und edel“ ist, erscheint mir das iPhone als das alles zugleich. Es ist sicherlich auch ein schönes und edles Gerät. Das Bedürfnis, am wachsenden globalen „Mind“, einer technischen Weltmaschine teilzuhaben, aber auch selbst aktiv daran mitzuwirken, wird durch dieses angenehme und praktische Gerät eben auch auf ästhetische Art befriedigt. Heute entzünden sich rationale Zweifel an dieser Technik an konkreten Fragen danach, ob und wie weit man dann auch überall zu orten ist und in wie weit man seine persönliche Daten, die man mit sich herum trägt, denn auch noch schützen kann. Es gibt auch noch einige Zweifel, was man alles, wenn man die Dinge technisch löst, selbst verlernt. Meine Generation ist z.B. noch mit Karten aufgewachsen. Meine Generation hat sich in Bezug auf die Orientierung Vorstellungen gebildet. Wer nur diese winzigen Ausschnitte auf einem iPhone-Display und die verbalen Anweisungen der Navigationssysteme kennt („Halten Sie sich rechts“), entwickelt solche Orientierung natürlich nicht mehr. Die entsprechenden Hirnareale werden faktisch arbeitslos. Wie abhängig wollen wir uns machen?
„Schaut Euch die riesenhaften Maschinen an, welche die menschliche Technik heute mit allem Scharfsinn konstruiert! In ihnen schafft sich der Mensch die Dämonen, die in Zukunft gegen ihn wüten werden. Alles, was der Mensch heute an technischen Apparaten und Maschinen sich erbaut, wird in Zukunft Leben gewinnen und sich dem Menschen in furchtbarer Weise feindlich entgegenstellen.“

„Riesenhaft“ ist mein iPhone nicht gerade, wenn man es für sich betrachtet. Es ist ein etwas fettes und schweres Handy mit zahlreichen Organizer- Funktionen. Es ermöglicht mir, Termine, Adressen, Fotos, Musik, Lieblingsfilme, Dokumente, Navigation, Wecker und was noch zu meinem Alltag gehören mag, mit mir herum zu tragen. „Riesenhaft“ ist es dennoch aus zwei Gründen. Zunächst ist es durch „Apps“ (Mini- Applikationen) auf denkbar leichte Weise zu erweitern. Es gibt Zehntausende davon. Praktisch ist z.B. eine App wie AroundMe, die sofort und überall Apotheken, Parkplätze, Restaurants usw. um mich herum anzeigt und mich auf einer Karte auch hinführt. Das iPhone ist eine wunderbare Allrounder- Maschine, die auf denkbar kleinstem Raum ziemlich beliebig erweiterbar ist.
„Riesenhaft“ ist das iPhone aber auch deshalb, da es ja Teil des globalen Netzwerks ist und überall Zugang zu Emails und Internet hat. Es ist insofern nur eines von Millionen Endgeräten, die an diesem Netzwerk partizipieren. Die Maschine, der Apparat ist eigentlich nicht das iPhone, sondern das Netz zwischen den Geräten- seien es Computer, Handys, Navigationsgeräte oder eben ein Zwitter wie das iPhone.
Die Apparate, von denen Rudolf Steiner sprach, waren Dinosaurier der Mechanik. Was wir heute vor uns haben, ist eine Art weltweites neuronales Netzwerk, eine mechanisierte, dynamische, globalisierte Intelligenz. Natürlich hat mein iPhone z.B. auch einen direkten Zugang zu Wikipedia. Es hat Zugriff auf das wachsende lexikalische Wissen. Der kleine Dämon in meiner Hand hat eben einen mächtigen Schatten.
Im Gegensatz zu Steiners Vorstellung von Technik als etwas, was nur „nach dem Nutzen“ entwickelt wird und keinesfalls danach, ob „etwas schön und edel“ ist, erscheint mir das iPhone als das alles zugleich. Es ist sicherlich auch ein schönes und edles Gerät. Das Bedürfnis, am wachsenden globalen „Mind“, einer technischen Weltmaschine teilzuhaben, aber auch selbst aktiv daran mitzuwirken, wird durch dieses angenehme und praktische Gerät eben auch auf ästhetische Art befriedigt. Heute entzünden sich rationale Zweifel an dieser Technik an konkreten Fragen danach, ob und wie weit man dann auch überall zu orten ist und in wie weit man seine persönliche Daten, die man mit sich herum trägt, denn auch noch schützen kann. Es gibt auch noch einige Zweifel, was man alles, wenn man die Dinge technisch löst, selbst verlernt. Meine Generation ist z.B. noch mit Karten aufgewachsen. Meine Generation hat sich in Bezug auf die Orientierung Vorstellungen gebildet. Wer nur diese winzigen Ausschnitte auf einem iPhone-Display und die verbalen Anweisungen der Navigationssysteme kennt („Halten Sie sich rechts“), entwickelt solche Orientierung natürlich nicht mehr. Die entsprechenden Hirnareale werden faktisch arbeitslos. Wie abhängig wollen wir uns machen?
King of Pop
02.Jul.2009 21:52 Uhr
Es ist schlimm genug, wenn Männer nicht erwachsen werden können und ihr Leben in einer Rummelplatzattrappe wie der Neverland- Ranch, zwischen Sauerstoffgeräten, Affen und kleinen Jungen verbringen. Eigentlich nicht einmal nicht erwachsen, sondern vollkommen infantil.
Aber wenn sie auch noch mit der Rolle, die sie auf der Bühne darstellen, rettungslos verwachsen, und im Bemühen, sich durch zahllose Schönheitsoperationen dem Fake ihrer selbst immer weiter anzunähern, allmählich zur Maske erstarren, deren sämtliche Gesichtsmuskeln wie mit Beton ausgegossen wirken, sind sie schließlich wie nicht von diesem Planeten. Michael Jackson, dessen „Herzinfarkt“ sich am Ende wahrscheinlich als euphemistische Bezeichnung für ein toxisches Bewusstseinsexperiment heraus stellen wird, war am Ende - wenn auch auf in der Erscheinung andere Art- so grotesk wie Elvis Presley. Gerade die völlige Verzeichnung macht Beide zu ewigen Pop- Ikonen. Denn von grotesken Verzeichnungen im Stil einer Comic- Welt lebt eben dieses Business.
Vermutlich wird in den nächsten Monaten jeder, der eine Klampfe tragen kann, Michael Jackson- Lieder klimpern. Keine Gartenparty ohne Peter Pans Oldies. Er wird auf ewig König seiner Seifenblase bleiben.
Steiner online
20.Jun.2009 00:19 Uhr
Es fällt auf, dass in letzter Zeit immer mehr Seiten kommen, in denen Teile oder nahezu das ganze Werk Steiners online verfügbar gemacht werden. Nehmen wir mal die umfangreiche Scan- Arbeit Rudolf Saackes, anthroposophieonline: „Die Initiative zur freien Verwaltung des literarischen und künstlerischen Nachlasses des Begründers der Anthroposophie, Rudolf Steiner, lädt Sie ein, die Früchte der Anthroposophie zu genießen. Damit wir der Welt Hefe werden mögen.“ Die Initiative sitzt jetzt anscheinend in Dänemark.
Das Rudolf Steiner Online Archiv dagegen wird bei der Brigham Young University präsentiert: „Das Rudolf Steiner Online Archiv möchte eine wachsende Sammlung kostenloser und frei zugänglicher, zugleich aber lesbarer und möglichst fehlerfreier Versionen der Texte Rudolf Steiners zur Verfügung stellen. Jeder soll, unabhängig von materiellen oder geographischen Umständen, in die Lage versetzt werden, sich selbst ein Bild vom „Ereignis Rudolf Steiner“ zu machen und der geistigen Herausforderung, welches das „Abenteuer Anthroposophie“ darstellt, in individueller und schöpferischer Weise zu begegnen. Das Archiv möchte so zu einem Organ jenes Freien Geisteslebens werden, dessen Bedeutung Steiner so nachhaltig herausgestellt hat.“ Wie dem auch sei, Steiner wird immer leichter erreichbar, und zwar durchaus nicht nur in dürftigen Kompilationen, sondern im vollen Original. Mir persönlich ist ein gediegenes Buch angenehmer..
Barbara weist noch auf eine Seite namens Uranos-Archiv hin, auf der manche seltenen und bislang unveröffentlichten Vorträge Rudolf Steiners angeboten werden - teilweise von mitgeschriebenen, aber nicht autorisierten Texten.
Das Rudolf Steiner Online Archiv dagegen wird bei der Brigham Young University präsentiert: „Das Rudolf Steiner Online Archiv möchte eine wachsende Sammlung kostenloser und frei zugänglicher, zugleich aber lesbarer und möglichst fehlerfreier Versionen der Texte Rudolf Steiners zur Verfügung stellen. Jeder soll, unabhängig von materiellen oder geographischen Umständen, in die Lage versetzt werden, sich selbst ein Bild vom „Ereignis Rudolf Steiner“ zu machen und der geistigen Herausforderung, welches das „Abenteuer Anthroposophie“ darstellt, in individueller und schöpferischer Weise zu begegnen. Das Archiv möchte so zu einem Organ jenes Freien Geisteslebens werden, dessen Bedeutung Steiner so nachhaltig herausgestellt hat.“ Wie dem auch sei, Steiner wird immer leichter erreichbar, und zwar durchaus nicht nur in dürftigen Kompilationen, sondern im vollen Original. Mir persönlich ist ein gediegenes Buch angenehmer..
Barbara weist noch auf eine Seite namens Uranos-Archiv hin, auf der manche seltenen und bislang unveröffentlichten Vorträge Rudolf Steiners angeboten werden - teilweise von mitgeschriebenen, aber nicht autorisierten Texten.
Wind
04.Mai.2009 20:33 Uhr
„Gilgamesch öffnet seinen Mund und spricht, er sagt zu Enkidu: (...)
Die Tage der Menschen sind gezählt,
all das, was sie tun, ist nichts weiter als Wind.“
Gilgamesch, Übersetzung Stefan M. Maul, C.H. Beck 2007
Rudolf Steiner dazu: „Aber so klar es für diese Persönlichkeit in der damaligen Zeit war, dass sie gewissermaßen die Doppelheit ist zwischen dem Geistig-Seelischen, in das die Götter hereinragen, und dem Physisch-Ätherischen, in das die Erden- und Kosmossubstanzen, die physischen und die ätherischen Substanzen hineinragen, so sehr ist auch dieses eine Tatsache, dass in der Zeit, in der diese Persönlichkeit, von der das Gilgamesch- Epos spricht, lebte, gerade die charakteristischen Menschen, die repräsentativen Menschen bereits in einer Übergangsepoche zur späteren Menschheitsentwickelung standen.
Und dieser Übergang bestand darinnen, daß das Ich-Bewusstsein, das verhältnismäßig kurz vorher beim Geistig-Seelischen oben war, wenn ich mich so ausdrücken darf, hinuntergesenkt sich hatte in das Leiblich-Ätherische, so daß also Gilgamesch gerade unter denen war, die anfingen, nicht zu seinem Geistig-Seelischen, in dem die Götter gefühlt wurden, Ich zu sagen, sondern zu dem, was irdisch-ätherisch an ihm war. Das war diese neue Seelenverfassung.
In dieser Persönlichkeit waren zugleich noch jene alten Gewohnheiten, vorzugsweise dasjenige nur gedächtnismäßig zu erleben, was im Rhythmus erlebt wurde, und es war jene innere Empfindung da, welche fühlte, man muß mit den Kräften des Todes bekannt werden, weil eigentlich nur die Kräfte des Todes dasjenige ergeben, was den Menschen zur Besonnenheit bringt. Die Berechtigung sozusagen der Eroberergewohnheiten und des rhythmischen Gedächtnisses fingen an, nicht mehr für die Erde zu gelten.“
GA 233

Das Windige im Verhalten der Menschen, das Gilgamesch beklagt, ist wohl ein Charakteristikum von Zeitenwenden: Windig ist das Verhalten deshalb, weil Menschen in ihren Gewohnheiten und Sichtweisen determiniert sind von einer ganz bestimmten Ära und noch nicht wirklich bemerken, dass der Zeitgeist sich gedreht hat. Oder sie bemerken es schon, haben aber keine Werkzeuge, keine Verhaltensmaßregeln zur Hand, ja nicht einmal Maßstäbe für das Neue. Umbruch ist immer, sagen Manche, und, natürlich, ja, das stimmt. Aber manchmal sitzt es tiefer.
Die Tage der Menschen sind gezählt,
all das, was sie tun, ist nichts weiter als Wind.“
Gilgamesch, Übersetzung Stefan M. Maul, C.H. Beck 2007
Rudolf Steiner dazu: „Aber so klar es für diese Persönlichkeit in der damaligen Zeit war, dass sie gewissermaßen die Doppelheit ist zwischen dem Geistig-Seelischen, in das die Götter hereinragen, und dem Physisch-Ätherischen, in das die Erden- und Kosmossubstanzen, die physischen und die ätherischen Substanzen hineinragen, so sehr ist auch dieses eine Tatsache, dass in der Zeit, in der diese Persönlichkeit, von der das Gilgamesch- Epos spricht, lebte, gerade die charakteristischen Menschen, die repräsentativen Menschen bereits in einer Übergangsepoche zur späteren Menschheitsentwickelung standen.
Und dieser Übergang bestand darinnen, daß das Ich-Bewusstsein, das verhältnismäßig kurz vorher beim Geistig-Seelischen oben war, wenn ich mich so ausdrücken darf, hinuntergesenkt sich hatte in das Leiblich-Ätherische, so daß also Gilgamesch gerade unter denen war, die anfingen, nicht zu seinem Geistig-Seelischen, in dem die Götter gefühlt wurden, Ich zu sagen, sondern zu dem, was irdisch-ätherisch an ihm war. Das war diese neue Seelenverfassung.
In dieser Persönlichkeit waren zugleich noch jene alten Gewohnheiten, vorzugsweise dasjenige nur gedächtnismäßig zu erleben, was im Rhythmus erlebt wurde, und es war jene innere Empfindung da, welche fühlte, man muß mit den Kräften des Todes bekannt werden, weil eigentlich nur die Kräfte des Todes dasjenige ergeben, was den Menschen zur Besonnenheit bringt. Die Berechtigung sozusagen der Eroberergewohnheiten und des rhythmischen Gedächtnisses fingen an, nicht mehr für die Erde zu gelten.“
GA 233
Das Windige im Verhalten der Menschen, das Gilgamesch beklagt, ist wohl ein Charakteristikum von Zeitenwenden: Windig ist das Verhalten deshalb, weil Menschen in ihren Gewohnheiten und Sichtweisen determiniert sind von einer ganz bestimmten Ära und noch nicht wirklich bemerken, dass der Zeitgeist sich gedreht hat. Oder sie bemerken es schon, haben aber keine Werkzeuge, keine Verhaltensmaßregeln zur Hand, ja nicht einmal Maßstäbe für das Neue. Umbruch ist immer, sagen Manche, und, natürlich, ja, das stimmt. Aber manchmal sitzt es tiefer.
Der Ring (frei nach Tschuang-Tse)
04.Mai.2009 18:54 Uhr
Abends saß der verwitwete Fürst gern allein in seinem winzigen Boot auf dem See. Er liebte den Blick auf sein Haus am Ufer, er liebte es, den kühlen Abendwind in den Blättern der Pappeln rauschen zu hören. Dann war es ihm, als wäre er seiner geliebten Frau nahe.
Das Einzige, was ihm von ihr geblieben war, war ein goldener Ring an seinem Finger. Aber als er mit der Hand beiläufig am Rand des Bootes durchs Wasser strich, löste sich der Ring vom Finger und verschwand im Wasser des Sees.
Der Fürst war außer sich. Er ruderte augenblicklich an Land, holte sein Fischernetz und fischte damit im trüben Wasser, das an keiner Stelle sehr tief war. Erst als es vollkommen dunkel war, gab er auf.
Den ganzen Sommer über unternahm der Fürst zahllose Tauchgänge, um den Ring zu entdecken, doch es war umsonst.
Im folgenden Sommer engagierte er zwölf Taucher, die den ganzen See mit Metalldetektoren absuchten. Es war umsonst.
Im dritten Sommer verkaufte er seinen ganzen Besitz, um das Wasser des Sees abpumpen und den Schlick durchsuchen zu lassen. Der Ring blieb unauffindbar.
Am Ende dieses Sommers gab der Fürst auf. „Es ist sinnlos“, dachte er, „so sinnlos, wie eine beliebige Hand voller Schlamm aus dieser Masse zu nehmen und anzuschauen!“. Er griff mit der Hand in den Schlick, und da sah er darin den Ring glitzern.
Philippe Jaroussky
02.Mai.2009 22:20 Uhr

Ja, ich weiss, es ist so etwas wie Händeljahr, und natürlich macht die Website der Deutschen Grammophon darum ein ordentliches Getöse. Bei mir ist schon seit drei Jahren Händeljahr, quer durch eine Reihe von Opern. Digitalisierte Fernsehauftritte, Konzerte, Reportagen, Biografien. In Frankreich scheint ein regelrechter Barockmusik-Boom ausgebrochen zu sein, wenn man Auftritte des dortigen Barock- Countertenor- Stars Philippe Jaroussky ansieht. Empfehlenswert finde ich den neuen Download- Service von Amazon- man installiert ein Ladeprogramm, und dann hat man die Aufnahmen schon in iTunes oder Mediaplayer. Bezahlt wird wie üblich, Preise auch. Aber die Qualität ist überzeugend, wenn sie auch nicht an die der Deutschen Grammophon heran reicht. Dafür hält die DG sämtliche Einkäufe zum späteren erneuten Download ständig online zur Verfügung- ich habe das ein Jahr lang beobachtet. Das ist ein guter Service.
Aber kehren wir zurück zum Countertenor- Star Jaroussky. Es gibt ja in den letzten 10 Jahren eine immer grössere Breite in der Art der Interpretation von Händel. Die stark in den Vordergrund geschobenen, ätherischen oder auch dynamischen Frauenstimmen können ebenso wie vernuschelte Chöre und transusige Stardirigenten auf Dauer in Ermüdung versetzen. Da ist so eine Aufnahme von Rolando Villazon, den man sonst eher in seichten Gewässern an der Seite von Netrebko vermutet, schon erfrischend. Seine Händel- Aufnahme ist momentan zu Recht ein Klassik- Hit, auch wenn man sonst nicht viel von ihm hält.
Also greifen wir in Sachen Stimmen doch tatsächlich mal zu einem fantastischen Countertenor wie Philippe Jaroussky. Der steht stimmlich zwischen den Höhen der Damen und dem Dean Martin des Händelvortrags, Villazon. Besonders empfehlen für Anthroposophen & andere Hartgenossene kann ich „Beata Vergine“-früh- barocke Preisungen der Jungfrau. Hört man „Stabat mater dolorosa“, ist man in einer anderen Welt. Oder nehmen wir seine Monteverdi- Duette zu dessen Theater der Liebe. Das eine oder andere sollte man gehört haben, bevor man stirbt. „Beata Vergine“ würde ich bei denen vorziehen, die gerade nicht der Frühlingshafer sticht.
Esoterische Übungen Teil 3
11.Mär.2009 23:30 Uhr
Sebastian Gronbachs neues Blog anschauen und sich vorstellen, Horst Köhler würde daraus vorlesen: „Menschen haben Sex. So machen Menschen das eigentlich seit es Menschen gibt und wenn ich mich so umsehe, ist das bisher doch eigentlich ganz gut gelaufen. Also: Goethe, Mutter Teresa, Rudolf Steiner... ohne Sex wären sie nicht. Aber Sex ist ja nicht nur eine Reproduktionsmethode. Sex ist ja mehr. Wie kommen wir zu diesem Mehr? Ich denke, wir kommen über eine Frage dahin, der sich eine zweite Frage anschließt.“
Die Geschichte der Autobombe
17.Jan.2009 22:05 Uhr

Auch der Krieg globalisiert und individualisiert sich- vor allem aber wendet er sich gegen die Zivilisten, deren Tod als eine Art Fanal benutzt werden soll. Je ziviler die Opfer und je mehr es sind. desto besser. Auch wenn der erklärte Krieg zwischen Staaten oder staatlichen Enklaven ständig geführt wird, wird der zum Terror miniaturisierte Krieg zum global gegenwärtigen Phänomen. Mike Davis, über dessen großartiges Buch „Planet der Slums“ hier bereits berichtet wurde, geht in „Eine Geschichte der Autobombe“ auf eben diesen Terror, der sich im 20. Jahrhundert entwickelte, ein.
Davis, der häufig aus einer gewissen politischen und gesellschaftlichen Emphase heraus schreibt, hält sich bei diesem Thema persönlich weitgehend zurück und entwickelt einfach eine gewisse Chronologie des schrecklichen Phänomens. Das Entsetzliche dieser Attentate benötigt nicht nur nichts neben seiner reinen Faktizität- jede einseitige Kommentierung, Instrumentalisierung, Kontextualisierung wäre geradezu obszön.
In Sri Lanka - so Davis- hielt man die dort bombenden „Tamil Tigers“ „für übermenschlich grausam und gerissen - für allgegenwärtig wie böse Geister.“ Diese Allgegenwärtigkeit erinnert an ein globales Phänomen, das Rudolf Steiner den „Krieg aller gegen alle“ nannte. Rudolf Steiner schrieb: „Man weiss, daß auf dem Grunde der menschlichen Seele durch Verkehrung der edelsten Opferwilligkeit der Wunsch entstehen kann, den Mitmenschen zu töten.“ (Gesamtausgabe 145, Seite 144 f). Das weist auf die Doppelbödigkeit des Terrorismus hin: Denn im Sinne ihrer Angelegenheiten sind die Terroristen natürlich ganz und gar idealistisch. Diesem schrecklichen Idealismus unterliegen wir prinzipiell alle. In Steiners Ansicht liegt nur eine Art Schleier, eine „Betäubung“ über dem „Wunsch (..), den anderen zu töten“, über „Wünsche(n), die auf Vernichtung, auf Zerstörung des menschlichen und sonstigen auf dem physischen Plan wirkenden Zusammenseins hingehen.“ (dito)
Die Gründe für die Verirrungen des Idealismus in den Terror sieht Steiner vor allem in einer wachsenden Individualisierung im Sinne einer inneren Verhärtung: „Wenn die Menschen immer mehr und mehr voneinander isoliert werden, ein jeder sich immer mehr in seinem eigenen Ich verhärtet, wenn die Trennungslinien, die Seele von Seele scheiden, immer stärker werden, so dass sich Seele und Seele immer weniger verstehen kann, dann werden die Menschen in der äußeren Welt immer mehr zu Streit und Hader kommen, der Streit aller gegen alle auf der Erde wird an die Stelle der Liebe treten.“ (Gesamtausgabe 112, S. 206). Vom zeitlichen Rahmen sagt Rudolf Steiner auch ganz konkret: „Wenn man die Dinge so weiter laufen läßt, so werden wir am Ende des 20. Jahrhunderts stehen vor dem Krieg aller gegen alle! Da mögen die Menschen noch so schöne Reden halten, noch so viele wissenschaftliche Fortschritte gemacht werden, wir würden stehen vor diesem Krieg aller gegen alle. Wir würden eine Menschheit heran rücken sehen, welche keine sozialen Instinkte mehr hat, um so mehr aber reden würde von sozialen Dingen.“ (Gesamtausgabe 206, Seite 92)
Der Beginn des hier angesprochenen Terrors lag bereits zu Lebzeiten Steiners. Der erste Anschlag ereignete sich - als Rache für die Verhaftung der Anarchisten Sacco und Vanzetti - im September 1920 in der Wall Street in New York, direkt gegenüber von J.P. Morgan & Company. Es handelte sich um einen mit Sprengstoff beladenen Pferdewagen. Die Explosion tötete und verletzte zahlreiche Menschen. Auch damals strömten entsetzte New Yorker aus den Hochhäusern und flohen. Auch damals wurde der nationale Notstand erklärt. Es war bis dahin undenkbar gewesen, dass ein einzelner Mensch mit wenigen möglichen Mittätern einen derartig verheerenden Anschlag ins Zentrum einer Stadt und eines Staates würde tragen können. Auch die Absicht, nationale Symbole zu treffen, klang bereits in diesem ersten Anschlag dieser Art an.
Die eigentliche Geschichte der Autobombe aber setzte nach diesem Fanal erst 1947 ein, und zwar bereits in Palästina. Der Anschlag wurde von einer „rechtszionistische(n) Guerilla“ mit de Namen „Stern Gang“ gegen eine britische Polizeistation in Haifa verübt. Neben den Briten war die palästinensische Bevölkerung Ziel der Terroristen. Palästinensische Extremisten nahmen die Technik in der Folge auf und nutzten sie ihrerseits. Vietnam und Algerien waren die nächsten Haupteinsatzorte. Von da an wanderte diese Variante des Terrors praktisch dauernd um den Planeten. Die Stationen werden von Davis akribisch aufgeführt. Er spricht in diesem Zusammenhang von einer „unumkehrbare(n) Globalisierung“, von einem Phänomen „wie ein hartnäckiger Virus“, das dazu neigt, „sich unendlich zu vermehren.“ So gab es alleine zwischen 1992 und 1999 bereits 25 grosse Anschläge in 22 verschiedenen Städten. Weit über 1000 Menschen wurden getötet, weit über 10000 verletzt. Vielleicht erscheint die Formel Rudolf Steiners vom „Krieg aller gegen alle“ als übertrieben. Er ist aber ohne Zweifel ein ganzes Stück näher gerückt.
Palm Beach Country Club
13.Dez.2008 20:34 Uhr
Nein, nicht die Sonne bringt es an den Tag, sondern die so genannte Finanzkrise, die einem Tsunami gleich die virtuellen Grundmauern eines globalen kapitalistischen Traumschlosses bloß legt. Darunter werden die eigentlichen Akteure im Zockerspiel sichtbar. In Deutschland ist es der scheinbare Biedermann Merckle, der sich beim milliardenschweren Jonglieren im eigenen Steuersparmodell verfangen hat und nun den Banken und dem Staat unverfroren droht, „die mit geschätzten drei bis fünf Milliarden Euro verschuldete Beteiligungsgesellschaft VEM Vermögensverwaltung in die Insolvenz gehen (zu) lassen“ und damit Zehntausende von Arbeitsplätzen aufs Spiel zu setzen. Der „schwäbische Milliardär Adolf Merckle (Ratiopharm, Phoenix)“ hat sich mit Krediten, die durch Aktien gesichert waren, nun aber kaum noch etwas wert sind, verzockt, aber auch durch wüste Spekulationen auf den VW- Kurs, mit denen er „einen dreistelligen Millionenbetrag verloren hat.“ (dito) Nun geht es ihm anscheinend vor allem darum, bei den zur Zeit nicht gerade liquiden Banken Überbrückungskredite in Milliardenhöhe heraus zu quetschen, um nicht an sein Privatvermögen heran zu müssen.
In den USA ist das Rad, an dem gedreht wird, natürlich etwas grösser. Wie die FAZ heute (13.12.2008, Nr. 292, Seite 21, „Der 50-Milliarden-Dollar-Schwindel“) berichtet, ist der „prominente Wertpapierhändler und ehemalige Verwaltungsratsvorsitzende der elektronischen Börse Nasdaq, Bernhard Madoff“ gerade vom FBI verhaftet worden. Er soll Kunden in einem „atemberaubenden Betrug“ um 50 Milliarden Dollar betrogen haben. Sein Betrugsmodell auf höchstem Niveau war eine Art Schneeballsystem, in dem es lediglich darum ging, mit dem Geld immer neuer Investoren die nicht existierenden Investitionsgewinne vorzutäuschen. Sein Unternehmen zählte bis jetzt „zu den größten Maklern an der elektronischen Börse Nasdaq und beschäftigte Hunderte von Wertpapierhändlern“, und zwar bereits seit 1960. Neue Kunden akquirierte Madoff gerne im exklusiven Palm Beach Country Club beim Golfen. Einer dieser Kunden benötigte in der Folge der Finanzkrise 7 Milliarden Dollar, worauf das Traumschloss Madoffs zusammen brach.
Man fragt sich wieder, ob die Grundlagen der Wertschöpfung der kapitalistischen Systeme eigentlich von dieser Welt sind, wenn einer der grössten und angesehensten Strippenzieher zu seinen Geschäften der letzten 50 Jahre lediglich zu sagen hat: „Es ist alles eine große Lüge.“ (FAZ)
In Bezug auf das, was wir vielleicht einmal euphemistisch als „Altersvorsorge“ bezeichnet haben oder auch als „Wertanlage“, lässt sich dieser Tage vielleicht auch mit Rilke sagen:
„Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.“
(Link)
In den USA ist das Rad, an dem gedreht wird, natürlich etwas grösser. Wie die FAZ heute (13.12.2008, Nr. 292, Seite 21, „Der 50-Milliarden-Dollar-Schwindel“) berichtet, ist der „prominente Wertpapierhändler und ehemalige Verwaltungsratsvorsitzende der elektronischen Börse Nasdaq, Bernhard Madoff“ gerade vom FBI verhaftet worden. Er soll Kunden in einem „atemberaubenden Betrug“ um 50 Milliarden Dollar betrogen haben. Sein Betrugsmodell auf höchstem Niveau war eine Art Schneeballsystem, in dem es lediglich darum ging, mit dem Geld immer neuer Investoren die nicht existierenden Investitionsgewinne vorzutäuschen. Sein Unternehmen zählte bis jetzt „zu den größten Maklern an der elektronischen Börse Nasdaq und beschäftigte Hunderte von Wertpapierhändlern“, und zwar bereits seit 1960. Neue Kunden akquirierte Madoff gerne im exklusiven Palm Beach Country Club beim Golfen. Einer dieser Kunden benötigte in der Folge der Finanzkrise 7 Milliarden Dollar, worauf das Traumschloss Madoffs zusammen brach.
Man fragt sich wieder, ob die Grundlagen der Wertschöpfung der kapitalistischen Systeme eigentlich von dieser Welt sind, wenn einer der grössten und angesehensten Strippenzieher zu seinen Geschäften der letzten 50 Jahre lediglich zu sagen hat: „Es ist alles eine große Lüge.“ (FAZ)
In Bezug auf das, was wir vielleicht einmal euphemistisch als „Altersvorsorge“ bezeichnet haben oder auch als „Wertanlage“, lässt sich dieser Tage vielleicht auch mit Rilke sagen:
„Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.“
(Link)
Obamas nicht privates Privatleben
08.Nov.2008 00:28 Uhr

Nun hat also auch Barack Obama ein Flickr- Album, das öffentlich zugänglich ist. Die Fotos aus der Wahlnacht wirken auf mich vollkommen surreal. Dieses Sofa, diese Füße auf dem Tisch, dieses ganze Interieur! Zudem zeigt sich der Mann vollkommen fertig- sehr unpräsidial. Ob es sich um eine spezielle PR- Aktion oder um eine Orgie von Photoshop- Montagen handelt, ist mir noch nicht ganz klar. Ersteres wäre eine ganz neue Aufstellung als privater Mensch- der Gegenentwurf zu Bush Junior auf seiner Ranch. SPIEGEL online hält die Seite für echt.
Mantren & Blogs
04.Sep.2008 19:01 Uhr
Im aktuellen Programmheft des Goetheanums, herausgegeben von der Anthroposophischen Gesellschaft, findet sich auch ein Interview mit Heinz Zimmermann, einem ehemaligen Vorstandsmitglied, der sich insbesondere mit „Meditation, Gesprächskultur und geisteswissenschaftlichem Studium“ beschäftigt. Das Bedürfnis nach meditativer Vertiefung des Lebens kommt - so Zimmermann - insbesondere an „Wendestellen der Biographie“ auf, also in Krisen, in denen man nach Neuorientierung sucht. Allerdings gilt heute seiner Meinung nach, dass diese „Wendestellen“ häufig nicht mehr wirklich erlebt, sondern „durch Entertainment, die Einflüsterungen der Konsumwelt“ zugedeckt werden.
Da ist er wieder, der alte anthroposophische Reflex. Das Zurückzucken vor Technik und Zeitgeist, die Schuldzuschreibungen. Seitdem Rudolf Steiner in der Schallplatte den Untergang des Abendlandes zu entdecken glaubte, wird dieser Reflex in jeder zweiten anthroposophischen Ansprache neu zelebriert.
Man solle - so Zimmermann- die „Wirkung nicht unterschätzen“- nicht nur in Bezug auf die „Bilderflut durch TV, Printmedien und Kino“, sondern auch in Bezug auf die „Unverbindlichkeit des Wortes in e-mails und Blogs“. Eigentlich glaube heute „fast jeder Mensch an die Existenz einer übersinnlichen Welt“ - dieses Gefühl aber „durch ein geschultes Denken auf eine solide Basis zu stellen“, daran mangele es. Die mediale Überflutung mache es so schwierig, „in der Meditation Bilder durch eigene Anstrengung“ aufzubauen. Das Arbeiten an Meditationsmantren ist für Zimmermann ein konkreter Gegenpol zu den Zerstreuungen der Gegenwart.
Nun sind Mantren - wenn man sie in Gegensatz zum Bloggen stellt- keinesfalls in sich verbindlich. „Denkend empfinde ich mich eins mit dem Strom des Weltgeschehens“ ist ein Mantram, das geradezu typisch zeigt, dass es auf der gegenständlichen Ebene nicht nur unverbindlich, sondern sogar widersinnig erscheint: Man „empfindet“ nicht, wenn man denkt, und schon gar nicht einen „Strom“ jedweder Art. Auf der Alltagsebene ist ein Mantram weniger als nichts- es enthält keine impliziten Informationen. Ein Mantram ist ein Hinweisschild, nicht mehr. Auf der Ebene, auf die es hinweist dagegen beginnt es sich zu enthüllen. Es ist insoweit „wahr“, wie man es wahr macht.
Vergleicht man die Informationsflut, die Zimmermann beschwört, mit dem Charakter eines Mantrams, würde ich Zimmermanns Beurteilungen also ganz anders sehen: Die Medien füttern uns mit Informationen und haben daher einen hohen Grad von Verbindlichkeit. Sie binden uns. Das Mantram sticht gerade durch seine Unverbindlichkeit hervor. Daran ist nichts fertig. Es ruft uns allenfalls auf, seinen Sinn nicht nur zu entschlüsseln, sondern im Sinne einer Dynamik zu realisieren.
In dieser Hinsicht folgt diese Tätigkeit den Worten des Neuen Testaments (1. Kor. 4, 20) „Gottes Reich steht nicht in Worten, sondern in Kraft“. Georg Kühlewind* macht darauf aufmerksam, dass diese „Kraft“ (dynamis) auch noch eine andere Bedeutung hat, denn dynamis hat auch den Sinn von Bedeutung.
Wenn man sich auf der Bedeutungsebene bewegt, hat man die Unverbindlichkeit der Zeichen zeitweise überwunden. Man ist selbst ein Teil der Aletheia, der Unverborgenheit geworden. Aber das Mantram selbst - in dieser Hinsicht möchte ich Zimmermann widersprechen- enthält diese Bedeutung nur dann, wenn man sie realisiert. Die „geistige Erfahrung“ entspringt diesen Zeichen durchaus nicht von selbst.
* Georg Kühlewind, Das Reich Gottes
Da ist er wieder, der alte anthroposophische Reflex. Das Zurückzucken vor Technik und Zeitgeist, die Schuldzuschreibungen. Seitdem Rudolf Steiner in der Schallplatte den Untergang des Abendlandes zu entdecken glaubte, wird dieser Reflex in jeder zweiten anthroposophischen Ansprache neu zelebriert.
Man solle - so Zimmermann- die „Wirkung nicht unterschätzen“- nicht nur in Bezug auf die „Bilderflut durch TV, Printmedien und Kino“, sondern auch in Bezug auf die „Unverbindlichkeit des Wortes in e-mails und Blogs“. Eigentlich glaube heute „fast jeder Mensch an die Existenz einer übersinnlichen Welt“ - dieses Gefühl aber „durch ein geschultes Denken auf eine solide Basis zu stellen“, daran mangele es. Die mediale Überflutung mache es so schwierig, „in der Meditation Bilder durch eigene Anstrengung“ aufzubauen. Das Arbeiten an Meditationsmantren ist für Zimmermann ein konkreter Gegenpol zu den Zerstreuungen der Gegenwart.
Nun sind Mantren - wenn man sie in Gegensatz zum Bloggen stellt- keinesfalls in sich verbindlich. „Denkend empfinde ich mich eins mit dem Strom des Weltgeschehens“ ist ein Mantram, das geradezu typisch zeigt, dass es auf der gegenständlichen Ebene nicht nur unverbindlich, sondern sogar widersinnig erscheint: Man „empfindet“ nicht, wenn man denkt, und schon gar nicht einen „Strom“ jedweder Art. Auf der Alltagsebene ist ein Mantram weniger als nichts- es enthält keine impliziten Informationen. Ein Mantram ist ein Hinweisschild, nicht mehr. Auf der Ebene, auf die es hinweist dagegen beginnt es sich zu enthüllen. Es ist insoweit „wahr“, wie man es wahr macht.
Vergleicht man die Informationsflut, die Zimmermann beschwört, mit dem Charakter eines Mantrams, würde ich Zimmermanns Beurteilungen also ganz anders sehen: Die Medien füttern uns mit Informationen und haben daher einen hohen Grad von Verbindlichkeit. Sie binden uns. Das Mantram sticht gerade durch seine Unverbindlichkeit hervor. Daran ist nichts fertig. Es ruft uns allenfalls auf, seinen Sinn nicht nur zu entschlüsseln, sondern im Sinne einer Dynamik zu realisieren.
In dieser Hinsicht folgt diese Tätigkeit den Worten des Neuen Testaments (1. Kor. 4, 20) „Gottes Reich steht nicht in Worten, sondern in Kraft“. Georg Kühlewind* macht darauf aufmerksam, dass diese „Kraft“ (dynamis) auch noch eine andere Bedeutung hat, denn dynamis hat auch den Sinn von Bedeutung.
Wenn man sich auf der Bedeutungsebene bewegt, hat man die Unverbindlichkeit der Zeichen zeitweise überwunden. Man ist selbst ein Teil der Aletheia, der Unverborgenheit geworden. Aber das Mantram selbst - in dieser Hinsicht möchte ich Zimmermann widersprechen- enthält diese Bedeutung nur dann, wenn man sie realisiert. Die „geistige Erfahrung“ entspringt diesen Zeichen durchaus nicht von selbst.
* Georg Kühlewind, Das Reich Gottes
Esoterik- Star Tolle oder Mr. Spock in Oprahs Spirit Channel
09.Jul.2008 22:12 Uhr

Der Mann mit dem Mausgesicht im Foto (und dem starken deutschen Akzent) ist der Esoterik- Star Eckhart Tolle, der sich mit seinem Bestseller „Jetzt!“ nicht nur in die Esoterik- Charts geschossen hat, sondern sich sogar in der Show der US- Moderatorin Oprah Winfrey wiederfand, und zwar nicht nur einmal, sondern in einer zehnteiligen Serie. Oprahs unglaubliche Karriere kann man nachlesen, die Show mit Eckhart Tolle („Oprah´s Spirit Channel“ ) aber sogar wahlweise hören oder sehen, für den iPod oder den grossen Bildschirm. Dieser so genannte Podcast ist in allen möglichen Formaten hier zu haben. Sie und Tolle sprechen geschlagene 10 Stunden live miteinander, nicht gerechnet die zahlreichen öffentlichen Meditationsrunden und -anweisungen. Während der Esoterik- Show konnten sich Zuschauer weltweit per Skype- Bild- Telefon einwählen und meist dümmliche Fragen stellen- so wie auf dem Bildschirmfoto oben zu sehen.
Tolle wirkt - auf dem Höhepunkt seiner Karriere- wie eine Maus, die sich im Raumschiff Enterprise verlaufen hat („An der Seite des draufgängerischen Captain Kirk stehen Mr. Spock, Erster Offizier sowie Wissenschaftsoffizier, und der Schiffsarzt Dr. Leonard McCoy. Mr. Spock, Halbvulkanier, gilt nicht nur aufgrund der spitzen Ohren und Augenbrauen als Exot auf dem sonst von Menschen bevölkerten Raumschiff: Das wesentliche Merkmal der Rasse der Vulkanier ist deren streng logische Denkweise. Im Gegensatz dazu vertritt der manchmal mürrische aber herzliche Dr. McCoy ein humanistisches Weltbild“ ) und nun Rede und Antwort stehen muss. Oprah neigt dazu, ihn in Grund und Boden zu reden. Erleuchtet hin oder her: Tolle sagt immer dasselbe. Wer ein Buch von ihm gelesen hat, braucht die Sendung nicht zu sehen. wer ihn dort gesehen hat, will ihn wahrscheinlich sowieso nicht mehr lesen.
Für Menschen mit Schlafstörungen ist der Podcast durchaus zu empfehlen.
Trostkultur
17.Mai.2008 19:28 Uhr

Unsere beliebte Achse des Guten - den Duft des politisch Korrekten verbreitend- ruft, wir folgen: Nämlich einem Link zur TAZ, der uns zu einem Artikel von Barbara Dribbusch ("Heiliger Dunstabzug") führt. Darin geht es, kurz gesagt, um alberne westliche Touristen, die sich in ihren Hightech- Klima- Goretex- Klamotten im Himalaja auf Berge quälen und in ihrer Eigentumswohnung die "Free- Tibet"- Fahne hissen. Da bekommt der ordinäre deutsche Alltagsort einen "sakralen Touch", während Himalaja- Trekking- Touren den Charakter einer Lourdes- Wallfahrt annehmen. Frau Dribbusch sieht die westliche Sucht, im Hochgebirge zu klettern, als Ausdruck des Wunsches, einerseits "näher bei Gott" zu sein, andererseits aber selbst einen "Hauch von Unsterblichkeit" abzubekommen. Die spirituellen Sehnsüchte sind für Dribbusch (politisch korrekt!) nichts als eine Form von "Trostkultur", und zwar in dem Fall der Himalaja- Besteigungen eine, die mit einem gewissen Mangel an Sauerstoff und Komfort in der Höhenluft zusammen hängt: "Vielleicht ist die im Westen oft bewunderte Spiritualität der Einwohner im Himalaja gar nicht in erster Linie Zeichen besonderer Religiosität, sondern nur eine angepasste Introvertiertheit, mit der sich in extremen Höhenlagen gut überleben und zusammenleben lässt. Zivilisationsmüde Trekker ziehen ihren spirituellen Mehrwert gerade aus den Unwirtlichkeiten der Himalajaregionen, die den dort lebenden Menschen so zu schaffen machen - das ist das Paradox der Trostkulturen, die sich der Westen baut."
Nun hat jede religiöse und spirituelle Regung in ihren Untergründen den Charakter eines gewissen Trostes. Das gilt sicherlich auch für viele Anthroposophen, die sich gern in Trutzburgen ihrer eigenen argumentativen Kurzschlüsse einbunkern, sich auf "Missionen" zur spirituellen Erweckung begeben oder einfach irrtümlich Aussagen von Rudolf Steiner wie "Ja, aus dem Göttlichen ist dieser Mensch geboren*" persönlich nehmen. Und so hat mancher Zweigabend durchaus etwas, bei dem man den "Hauch von Unsterblichkeit" Einzelner ebenso wahrnehmen kann wie gewisse Symptome der Höhenkrankheit, die man sonst nur im Himalaja erlebt. Um Zivilisationsmüdigkeit, "angepasste Introvertiertheit" und verquere Selbstbilder zu erleben, muss man nicht weit reisen.
Hinzufügen muss man allerdings auch, dass "Trostkultur" nicht nur ein Kennzeichen spirituell orientierter Randgruppen ist. Getröstet werden auch die Extremen, die politisch Korrekten, die ewig Renitenten. Der Sinn dieser Tröstungen ist offensichtlich die Selbstvergewisserung. Insofern betreibt Frau Dribbusch, praktisch gesehen, genau das selbst, worüber sie sich lustig macht.
*Rudolf Steiner, "Inneres Wesen des Menschen", Wien, 9.4.1914
Apples und andere Besucher
19.Apr.2008 12:14 Uhr

In unseren Blog hinein finden zur Zeit nur etwa 7,5% Apple- Benutzer. Von den Windows- Usern dagegen benutzen immer noch sehr viele den berüchtigten Internet- Explorer 6. Das sind dann die, die bei mir anrufen, weil die Seitenleiste in der Darstellung verschwunden ist, die gesamte Komposition der Website zerstört erscheint oder ein Ausdruck unmöglich ist. Allerdings sind die Firefox- Nutzer bereits in der Mehrzahl. Auch auf Macs, übrigens. Das hauseigene Safari wird kaum genutzt. Es gibt tatsächlich auch damit spezifische Probleme- so sind eine Reihe von Markierungen nicht sichtbar. Das bedeutet, dass die Links als solche nicht zu erkennen sind. Seit Wochen haben wir treue Besucher mit einer IP- Adresse, die sie als Angehörige der amerikanischen Streitkräfte ausweisen. Seit einem kleinen China- Olympia Beitrag vom 1.4. in diesem Blog darf ich wöchentlich auch einige chinesische Besucher verzeichnen. Ist da der chinesische Zensor auf digitalem Kontrollgang oder haben wir dort tatsächlich anthroposophische Fans?
Wer mit dem Gedanken spielt, das System endlich zu wechseln und sich in die Riege der Macianer einzureihen, aber noch von den Kosten der Anschaffung zurückschreckt, könnte einmal einen Blick in den firmeneigenen Trödelmarkt Apples zu werfen. Dort finden sich die Rückläufer von aktuellen Bestellungen, die allesamt von Technikern generalüberholt sind. Daher haben diese Geräte volle Garantie, sind aber teilweise erheblich preiswerter. Die momentane Fülle von Angeboten weist aber auch darauf hin, dass bei Apple eine ganz neue Linie von Geräten kurz vor der Markteinführung steht- es sieht nach Ausverkauf aus.
Die Olympische Farce
01.Apr.2008 00:00 Uhr

Canaillo hat in seinem Blog noch schnell dieses überaus treffende Logo für die diesjährigen Spielchen bereit gestellt, um uns auf die Farce des Jahres einzustimmen. Nun sind wir ja durchaus dankbar, dass die Kalte-Kriegs-Antagonismen wie Links- Rechts, Demokratie-Diktatur, Osten-Westen, ja selbst SPD-CDU nicht mehr stimmig sind. Das neue Jahrtausend verschwimmt in seinen Kategorien - vor allem in den moralischen - bis zur Unkenntlichkeit. So reiht sich zwischen Demokratie und Diktatur zum Beispiel seit längerem der Begriff der gelenkten Demokratie- ein Euphemismus dafür, dass man ein offensichtlich diktatorisches Regime aus Opportunitätsgründen nicht mehr so deutlich benennen mag (schließlich zählen doch wirtschaftliche Interessen) und daher eben auf schwammige Nomenklatur ausweicht.
So schwammig reagiert vor allem das Internationale Olympische Komitee (IOC), mag China nicht ins Körbchen zu den Diktaturen legen, keilt aber in ganz unerwartete Richtungen aus. In der FAZ (26.3.2008, Seite 30, Sport) eiert der Vizepräsident Bach herum, die Olympische Charta schreibe "die politische Neutralität" vor. Die Athleten könnten sich zu China äußern wie sie wollten- allerdings: "Die olympischen Stätten müssen frei von jeder politischen Betätigung sein". Aha. Sollen die Athleten vor den Stadien demonstrieren? Wir sind da sehr gespannt auf die Reaktion der chinesischen Obrigkeit. Über Pressekonferenzen und die Möglichkeit, sich darin zu äußern, mag Bach nicht spekulieren. Er hält dies für "hypothetische Einzelfälle". Einschränkungen der Meinungsfreiheit und der Berichterstattung von Journalisten nennt Bach "bedauernswert". Das IOC mag Länder generell nicht gern "in Gut und Böse" einteilen. Das mögen wir alle nicht. Daher haben wir ja den Begriff der gelenkten Demokratie erfunden. Was nun die Menschenrechte betrifft, keilt Bach aus, gäbe es ja noch andere Kandidaten, die ein theoretischer Bann des IOC treffen könne: "Wie gehen sie dann mit einem Land um, das auf einem fremden Kontinent einen nicht von den Vereinten Nationen legitimierten Krieg führt, das die Todesstrafe verhängt und auf dessen Territorium aufgrund ausdrücklicher Intervention seines Präsidenten der Geheimdienst foltern darf?"
Herr Bach, solch ein Land würden wir boykottieren.
Kinder, Glauben, Waldorfschule: Alles Birkenstock?
02.Mär.2008 23:50 Uhr
Ingo Bading präsentiert in seinem Blog umfangreiche Daten von Befragungen ehemaliger Waldorfschüler und Mitgliedern der Christengemeinschaft. Dabei kommen dann solche Interpretationen heraus: "Alle Daten deuten darauf hin, daß diese Menschengruppe der der Anthroposophie und den Waldorf-Schulen Nahestehenden viel weniger durch ein bestimmtes "Lehrgebäude" oder etwas ähnliches definiert ist, sondern eher durch ein Lebensgefühl, eine Welthaltung. Und zwar ist das eine Gemeinsamkeit, die eben doch eindeutig überkonfessionell ist. Ich kennzeichnete es schon ziemlich platt - aber, wie ich finde, immer noch treffend mit den Worten: "Öko, Öko, Öko, Birkenstock, Birkenstock, Birkenstock.""
Aber das ist ja nicht alles. Der Besuch von Waldorfschulen scheint dazu zu führen, später lieber selbst Kinder haben zu wollen: "Eine leicht überdurchschnittliche Geburtenrate insgesamt jedoch bei einem so überdurchschnittlich großen Anteil von Konfessionslosen muß mehr oder weniger zwangsläufig heißen, daß auch die Konfessionslosen unter den Waldorf-Schul-Absolventen eine Geburtenrate aufweisen, die deutlich über der sonstiger Konfessionsloser liegt und sich fast an konfessionell Gebundene annähert - -".
40% der Waldorfschüler werden später als Eltern zu Religionslosen: "Von den 692, die Kinder haben, gehören 60 % einer Religions- oder Glaubensgemeinschaft an und 40 % keiner." Aber die Verbundenheit zu Anthroposophie ist ein weiteres Kapitel: "In ihrer Verbundenheit gegenüber der Anthroposophie unterscheiden sich konfessionslose Ex-Waldorf-Schüler und christliche Ex-Waldorf-Schüler kaum. (1, S. 137) Aber die Daten dazu scheinen nicht sehr genau ausgebreitet zu sein. Einzige deutlichere Ausnahme: Die Mitglieder der Christengemeinschaft, die in der Regel eine hohe Verbundenheit mit der Anthroposophie aufweisen. Es muß also derzeit für mich noch ungeklärt bleiben, ob gerade diese Gruppierung - im Vergleich zu allen anderen Ex-Waldorf-Schülern - noch einmal besonders betont Christen oder nicht doch viel eher besonders betont Anthroposophen sind."
In dieser Manier sammelt und interpretiert Bading weitere dieser Daten. Wen´s interessiert..
Aber das ist ja nicht alles. Der Besuch von Waldorfschulen scheint dazu zu führen, später lieber selbst Kinder haben zu wollen: "Eine leicht überdurchschnittliche Geburtenrate insgesamt jedoch bei einem so überdurchschnittlich großen Anteil von Konfessionslosen muß mehr oder weniger zwangsläufig heißen, daß auch die Konfessionslosen unter den Waldorf-Schul-Absolventen eine Geburtenrate aufweisen, die deutlich über der sonstiger Konfessionsloser liegt und sich fast an konfessionell Gebundene annähert - -".
40% der Waldorfschüler werden später als Eltern zu Religionslosen: "Von den 692, die Kinder haben, gehören 60 % einer Religions- oder Glaubensgemeinschaft an und 40 % keiner." Aber die Verbundenheit zu Anthroposophie ist ein weiteres Kapitel: "In ihrer Verbundenheit gegenüber der Anthroposophie unterscheiden sich konfessionslose Ex-Waldorf-Schüler und christliche Ex-Waldorf-Schüler kaum. (1, S. 137) Aber die Daten dazu scheinen nicht sehr genau ausgebreitet zu sein. Einzige deutlichere Ausnahme: Die Mitglieder der Christengemeinschaft, die in der Regel eine hohe Verbundenheit mit der Anthroposophie aufweisen. Es muß also derzeit für mich noch ungeklärt bleiben, ob gerade diese Gruppierung - im Vergleich zu allen anderen Ex-Waldorf-Schülern - noch einmal besonders betont Christen oder nicht doch viel eher besonders betont Anthroposophen sind."
In dieser Manier sammelt und interpretiert Bading weitere dieser Daten. Wen´s interessiert..
Für Sternengucker
13.Feb.2008 21:11 Uhr

Die NASA hat nicht nur ihre Website gründlich renoviert, aufgeräumt und erweitert, sondern bietet auch für Sternengucker und Weltraumfans eine Reihe von attraktiven Services an. Dazu gehören vor allem die vielen speziellen Features, die man per RSS mit geeigneten (d.h. einigermaßen aktuellen) Browsern, RSS- Readern und den meisten Mailprogrammen abonnieren kann. Die NASA hat dazu eine eigene Website eingerichtet. So erhält man - umsonst- täglich ein neues Foto von Mond- oder Mars- Erforschungsunternehmen, einfach vom Sonnensystem, von der Erde aus Sicht der sie umkreisenden Satelliten oder aber vom weiteren Universum. Daneben gibt es auch Video- und Audiofeeds. Wen speziell die aktuellen Entdeckungen durch das Hubble- Teleskop interessieren, wird auch durch eine eigene Website umfassend informiert. Es gibt dort sogar eine eigene Rubrik "Cosmic Images in Braille", um diese Bilder auch Blinden - zumindest in Buchform- zugänglich zu machen. Die wunderbaren, ja atemberaubenden Bilder aus fernen Galaxien findet man - auch als Bildschirm- Hintergrund- hier. An anderer Stelle findet man bisher 313 "Porträts" solcher Galaxien, die teilweise an Schönheit einfach nicht zu überbieten und von Hubble aus erstellt worden sind.
Liebe, Krach & Monteverdi
15.Dez.2007 00:01 Uhr

Nein, das ist nicht, wie vielleicht zu vermuten, eine Live- Übertragung von unserer Weihnachtsfeier, sondern vielmehr eine höchst interessante DVD von Naxos. Zwar stammt Monteverdis Viertes Buch der Madrigale aus dem Jahr 1603. Hier aber wird es entschlüsselt als das, was es ist: Ein einziges Geflecht leidenschaftlicher Liebeswirren. Die Sänger und Schauspieler performen diese alte Musik, während sie in einem exklusiven Restaurant sitzen. In Blenden und Rückblicken werden die Dramen, die hinter diesen Paaren liegen - oder in die sie gerade hinein rutschen - allmählich enthüllt. Es fällt kein Wort, es wird nur gesungen. Es gibt auch keine musikalische Begleitung. Und so enthüllen sich in dieser scheinbar so abgeklärten Renaissance- Musik, entkleidet von allem Überflüssigen, allmählich die wirklichen Geschichten, in denen wir alle leben, die uns erfüllen und entsetzen zugleich, wenn wir die ganze Geschichte sehen. Das Ergebnis beim Geniessen dieser DVD liegt wohl in dem Zeitlosen unserer Lieben und Leiden
Netterweise ist die DVD nicht geschützt. Man kann sie problemlos auf den iPod übertragen. Für mich ein Kaufargument. Allerdings ist die schöne DVD nicht unbedingt geeignet, falls man damit den oder die intellektuelle/n Freund/in angraben möchte: Die Paare trennen sich zum Schluss.
Kids with Camera
12.Okt.2007 00:40 Uhr
Das ist ein Projekt mit Kindern aus Kalkutta, deren Eltern Nutten, Zuhälter oder Dealer sind. Sie alle entstammen einem der Rotlichtmilieus von Kalkutta und haben keine Lebensperspektive.

Die Fotografin Zana Briski ist im Laufe ihrer Reportagen in diesen Milieus bei diesen Kindern hängen geblieben, hat eine TV-Reortage gemacht - und sie hat diese Kinder Fotografieren gelehrt. Auf dieser Website sieht man einige dieser Aufnahmen, aber auch die Kinder selbst. Die Fotos stammen aus der Wirklichkeit dieser Kinder. Zana Briski hat ihnen aber im Laufe der Zeit nicht nur internationale Ausstellungen geboten, sondern für einige auch eine reguläre Schulausbildung vermitteln können.

Die Fotografin Zana Briski ist im Laufe ihrer Reportagen in diesen Milieus bei diesen Kindern hängen geblieben, hat eine TV-Reortage gemacht - und sie hat diese Kinder Fotografieren gelehrt. Auf dieser Website sieht man einige dieser Aufnahmen, aber auch die Kinder selbst. Die Fotos stammen aus der Wirklichkeit dieser Kinder. Zana Briski hat ihnen aber im Laufe der Zeit nicht nur internationale Ausstellungen geboten, sondern für einige auch eine reguläre Schulausbildung vermitteln können.
Blogs
07.Jun.2007 23:37 Uhr

Blogs gehören natürlich zum Internet inzwischen dazu, und nicht nur das: Sie sind zu einer Kulturform geworden.
"Eine Studie des Singapore Internet Research Centre unter etwa 1200 englischsprachige Bloggern (Koh et al. 2005, S. 2ff) teilte die Blogs in zwei Kategorien ein: 73 Prozent der Befragten führten ein so genanntes personal Blog, 27 Prozent ein non-personal Blog. Die Blogger der zweiten Gruppe schreiben vor allem, um „zu kommentieren“ und „Informationen zu liefern“. Ihr Ziel ist zudem, ein möglichst großes Publikum zu erreichen. Auch soziodemographisch unterscheiden sich die beiden Gruppen: Non-personal-Blogger sind zum Großteil Männer, die eine höhere formale Bildung als Personal-Blogger haben. Außerdem haben sie im Schnitt mehr Leser, aktualisieren ihr Blog häufiger und verbringen mehr Zeit damit."Wikipedia
Wie auch in dem Artikel beschrieben wird, sind Blogs keineswegs einheitlich; ja, der Begriff ist eine rein technische Bezeichnung und trifft die zahlreichen Varianten kaum. Es kommt eben immer auf das an, auf was sich die Blogs fokussieren. Die einen dienen lediglich als Visitenkarte, konzentrieren sich auf eine Familie oder auch auf einen Ort. Es gibt manche, die richten ihr Interesse auf eine Firma oder eine Aufgabe, auf Organisationen und Institutionen. Und manche richten ihr Interesse eben auf Anthroposophie. Wenn ich ein Bild finden wollte dafür, würde ich diese Blogs als Putzerfische bezeichnen. Sie sind klein und unbedeutend, fressen dem Grossen, den sie umgeben, aber die Schmarotzer und das Ungeziefer vom Leib. Man möchte denken, so ein Blog sei unangenehm und seine Tätigkeit schädige den Grossen. Ihre Tätigkeit mag manchmal unangemessen wirken, aber im Grunde retten sie ihren Wirtsfischen das Leben, ermöglichen ihnen die Weiterentwicklung. Man sollte Putzerfische vielleicht nicht zu gering achten. Sie schwimmen im Schatten, sie rudern im Dunkel der Flossen ihres Herrn, sie schwimmen im Kielwasser. Ihre Funktion aber ist nützlich.
In unserem kleinen Blog ging es in zahlreichen kleinen Putzaktionen keineswegs um Ungeziefer. Insofern hinkt der Vergleich. Sehr wohl aber um Themen, die nach meiner Ansicht "in der Luft lagen" und die es verdienten, aufgegriffen zu werden. Am Anfang stand zum Beispiel die Atlantishistorie von Uehli (inzwischen staatsanwaltlich indiziert) mit hanebüchenen, rassismus- verdächigen Textstellen. Dann gab es etwa m die seltsame Physiognomik von Norbert Glas mit ihren noch seltsameren Aussagen über Mulatten und Nägelbeißer. Wir haben den anthroposophischen Sexdoktor, der in die Niederungen des Kleinen Männleins herunter steigt. Schließlich ging es längere Zeit auch um den Pfarrer Benesch und dessen unschöne SS- Vergangenheit. Nie aber hat ein Artikel so viel Polemik auch in thematisch verwandten Blogs hervor gerufen wie die um den amerikanischen Guru Cohen, von der sich erstmals eine Reihe von anthroposophischen Persönlichkeiten betroffen fühlte und auf die eine oder andere Weise ausdrückte, ich werfe lediglich mit Dreck. Bedenkenswert daran ist der persönliche Tenor der Vorwürfe einerseits. Bemerkenswert aber auch, dass die Aufregung gerade an einem nicht- anthroposophischen Autor so heftig entsprang. Vergleichbar nur mit dem Aufruhr, der durch einen polemischen Artikel über Aleister Crowley entstand. Die damaligen Kritiker entstammten allerdings absolut nicht anthroposophischem Kontext, sondern bestanden durchweg aus Personen und Gruppierungen, mit den man lieber keinen "integralen Dialog" führen möchte. Aus anderen Gründen wünsche ich für mich dies auch nicht mit Andrew Cohen zu tun. Nicht mehr als dies sagt ja ein Blog: Das gilt für mich, das ist meine Sicht. Dass man daran erinnern muss, ist auch bemerkenswert.
Mythos der totalen Erleuchtung
06.Jun.2007 21:33 Uhr
Wer Cohen und Wilber einmal live - per Internetstream - schauen möchte, der klicke hier
Außerdem noch ein interessanter Bericht über Cohen, ein biografischer Abriss und auch ein langes Interview. Der Artikel stammt von John Horgan, einem Wissenschaftsjournalisten: "The Myth of the Totally Enlightened Guru". Horgan hat bereits über viele bedeutende "esoterische" Persönlichkeiten berichtet. Er geht an Cohen ziemlich unvoreingenommen heran, kommt aber zum Schluss zu dem Ergebnis, dass Cohen eben nichts für ihn ist. Horgan schildert Cohen als einen Menschen mit einem Kindheitstrauma, der nach dem Tod seines geliebten Vaters (Hirntumor) als Pubertierender zu seiner Mutter ziehen muss, die er sehr wenig schätzt. Kurz danach hat Cohen in Anwesenheit seiner Mutter sein bekanntes "Erweckungserlebnis", als 16jähriger. In der Folge wird die Mutter Schülerin und Anhängerin ihres eigenen Sohnes, bis sie sich endlich entzweit. Sie ist es, die in einem Buch als erste ihren Sohn mit dem Vorwurf angreift, ein machtbesessener "Faschist" zu sein. Man könnte das schon als das neurotische Grundschema bei Cohen sehen: Er hat mittels seiner "Einweihung" seine ungeliebte Mutter zu kontrollieren gelernt. Sie hat ihm das gegeben, was ihm im Verhältnis zu ihr fehlte: Verehrung, zum Beispiel. Allerdings nur eine Zeitlang.
Von Horgan erfährt man auch, dass Cohen bei seinen Retreats zwischenzeitlich in eine Art schamanistischer Verzückung gerät: "His eyes often seemed glazed, or focused on an invisible object a few feet in front of him. Occasionally his eyelids fluttered and his eyes rolled back into his head, so that only the whites showed. The first time this happened, I glanced around to see how others were reacting, but no one seemed surprised." In Horgans Augen ist Cohen in mancher Hinsicht ein besonderer Fall: "a spectacular case of the "I’m enlightened, and you’re not"" einerseits (also diese Gurus mit der narzisstischen Störung), andererseits aber schon ein aktiver spiritueller Forscher. Außerdem tritt Cohen persönlich sehr freundlich und umgänglich auf, man sollte nicht denken, dass er ein Mann wäre mit "psychic powers—or even an interest in paranormal phenomena". Nach einem langen Gespräch (auf der Website protokolliert) verabschieden sich die Beiden: "As soon as this lunch was over I would walk away from him, free to be my flawed, foolish self."
Außerdem noch ein interessanter Bericht über Cohen, ein biografischer Abriss und auch ein langes Interview. Der Artikel stammt von John Horgan, einem Wissenschaftsjournalisten: "The Myth of the Totally Enlightened Guru". Horgan hat bereits über viele bedeutende "esoterische" Persönlichkeiten berichtet. Er geht an Cohen ziemlich unvoreingenommen heran, kommt aber zum Schluss zu dem Ergebnis, dass Cohen eben nichts für ihn ist. Horgan schildert Cohen als einen Menschen mit einem Kindheitstrauma, der nach dem Tod seines geliebten Vaters (Hirntumor) als Pubertierender zu seiner Mutter ziehen muss, die er sehr wenig schätzt. Kurz danach hat Cohen in Anwesenheit seiner Mutter sein bekanntes "Erweckungserlebnis", als 16jähriger. In der Folge wird die Mutter Schülerin und Anhängerin ihres eigenen Sohnes, bis sie sich endlich entzweit. Sie ist es, die in einem Buch als erste ihren Sohn mit dem Vorwurf angreift, ein machtbesessener "Faschist" zu sein. Man könnte das schon als das neurotische Grundschema bei Cohen sehen: Er hat mittels seiner "Einweihung" seine ungeliebte Mutter zu kontrollieren gelernt. Sie hat ihm das gegeben, was ihm im Verhältnis zu ihr fehlte: Verehrung, zum Beispiel. Allerdings nur eine Zeitlang.
Von Horgan erfährt man auch, dass Cohen bei seinen Retreats zwischenzeitlich in eine Art schamanistischer Verzückung gerät: "His eyes often seemed glazed, or focused on an invisible object a few feet in front of him. Occasionally his eyelids fluttered and his eyes rolled back into his head, so that only the whites showed. The first time this happened, I glanced around to see how others were reacting, but no one seemed surprised." In Horgans Augen ist Cohen in mancher Hinsicht ein besonderer Fall: "a spectacular case of the "I’m enlightened, and you’re not"" einerseits (also diese Gurus mit der narzisstischen Störung), andererseits aber schon ein aktiver spiritueller Forscher. Außerdem tritt Cohen persönlich sehr freundlich und umgänglich auf, man sollte nicht denken, dass er ein Mann wäre mit "psychic powers—or even an interest in paranormal phenomena". Nach einem langen Gespräch (auf der Website protokolliert) verabschieden sich die Beiden: "As soon as this lunch was over I would walk away from him, free to be my flawed, foolish self."
Smells like Teen Spirit
19.Mai.2007 23:23 Uhr
Ja, Patti Smith hat eine neue Platte, "Twelve", die ausschließlich aus Cover-Versionen besteht. Sie stimmt nur beim ersten Hören nostaligisch. Smiths Interpretationen sind doch zu eigenwillig. Und das nicht ohne Grund. Smith covert nämlich nicht nur vor sich hin, sie bezieht die Jahre, die verflossen sind, mit ein. So hört man bei dem tausendmal gecoverten "Smells like teen spirit" (Nirvana, natürlich) Patti Smith, die als Sechzigjährige auf diese Jahre zurück blickt. Es ist lange her. Natürlich ist die emphatische, traurige Attitüde einer lang zurück liegenden Rebellion nicht mehr da. So marschiert sie ein wenig müde, aber heiter durch diesen Song. Und nach und nach erwacht schon Leidenschaft, falls es eine abgeklärte Leidenschaft geben sollte. Etwas ähnliches zumindest..
Die Platte des Monats
18.Mai.2007 00:44 Uhr
Aus seinen Depressionen im letzten Jahr erholt -erwacht - entwischt (das Album "Loveheart" habe ich dennoch dauernd gehört) präsentiert sich Merz jetzt beschwingt und befreit. Nicht mehr traurige Mondsüchtige und Sonderlinge, die sich auf einen fernen schwarzen Stern wünschen, sind seine Themen, sondern eine heitere, manchmal sarkastische Stimmung. Merz nennt die Platte einfach Merz. Zum Reinhören empfehle ich "Lotus".

Merz heisst übrigens Conrad Lambert (im richtigen Leben) und ist ein sehr weitgereister Mensch, um es gelinde auszudrücken. Hier etwas biografisches und hier die wunderbaren Texte.

Merz heisst übrigens Conrad Lambert (im richtigen Leben) und ist ein sehr weitgereister Mensch, um es gelinde auszudrücken. Hier etwas biografisches und hier die wunderbaren Texte.
Mutti
17.Mai.2007 22:30 Uhr
Ich bin immer noch mit Mircea Eliades* Schilderungen von den Pubertätsriten archaischer Völker beschäftigt. Welcher Aufwand damals betrieben wurde, den Jungen von seiner Mutter zu trennen! Nehmen wir die "rituelle Verkleidung" von Jungen als Mädchen und umgekehrt während der Initiationszeremonien. Die Absicht war es, die "Ganzheit" als Mann-Frau erlebbar zu machen. Das bedeutete auch die Trennung von der Mutter. Manchmal sollen die dabei verabreichten Drogen und "bewusstseinserweiternden" und schreckerfüllten so heftig gewesen sein, dass die Initianten ihr Gedächtnis verloren. Sie wussten nachher wirklich nicht mehr, wer ihre Mutter war. Bei australischen Ureinwohner musste der Initiant sein eigenes Blut trinken- um sich von dem seiner Mutter, dem "Erbkörper" endgültig zu trennen und sich zu reinigen. Es ging darum, das "schlechte Blut" auszutreiben. Das Zerreissen der Blutsbande war ein Urmotiv in den Völkern der ganzen Welt; die Methoden gingen bis dahin, den Jugendlichen schwere Wunden zuzufügen. Diese Pubertätsriten haben "die Tendenz..., immer dramatischer zu werden". Warum nur dieser Aufwand, den jungen Menschen von seiner Mutter zu trennen? Ein von unseren heutigen Idealen weit entferntes Motiv. Wir bemerken allerdings schon mit Sorge, dass Verhaltensauffälligkeiten aller möglichen Art sich heute bei Jungen in weit stärkerem Ausmass zeigen als bei Mädchen. Überhaupt wirken Jungen in der ersten Schulzeit infantiler. Ist das Muttis Einfluss bzw. die fehlende Abnabelung?
Im "Heilpädagogischen Kurs" beschreibt Rudolf Steiner die Muttermilch als die "gute Mumie": "Die ganze Mutter lebt in der Muttermilch." Die Kräfte der Milch sind lediglich "in der Organisation um eine Etage höher" gerutscht. Er sagt es nicht, aber meint offensichtlich den Uterus. Er meint also, die nährenden und gestaltenden Uterus-kräfte wirkten sich nun in der Milchbildung aus. Ein schönes Bild. Er meint auch, dass in diesen Kräften das Seelische der Mutter lebe (der "astralische Inhalt"). Leider tendieren diese Kräfte aber dazu, noch "eine Etage höher" zu steigen, nämlich "bis zum Kopf" der Mutter. Dann kommen die von ihm nicht näher spezifizierten "abnormen Erscheinungen" bei einer Mutter zu Tage. Dieses Klammern und Heften, diese Fernsteuerung der Kleinen, diese unaufhörliche Sorge, dieses Verfolgen in Gedanken. Ich vermute mal, dass Steiner dies meint. Das "das-Kind-nicht-erwachsen-werden-lassen-können".

Wir brauchen also dringend Initiationsriten, scheint es.
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* "Das Mysterium der Wiedergeburt"
Im "Heilpädagogischen Kurs" beschreibt Rudolf Steiner die Muttermilch als die "gute Mumie": "Die ganze Mutter lebt in der Muttermilch." Die Kräfte der Milch sind lediglich "in der Organisation um eine Etage höher" gerutscht. Er sagt es nicht, aber meint offensichtlich den Uterus. Er meint also, die nährenden und gestaltenden Uterus-kräfte wirkten sich nun in der Milchbildung aus. Ein schönes Bild. Er meint auch, dass in diesen Kräften das Seelische der Mutter lebe (der "astralische Inhalt"). Leider tendieren diese Kräfte aber dazu, noch "eine Etage höher" zu steigen, nämlich "bis zum Kopf" der Mutter. Dann kommen die von ihm nicht näher spezifizierten "abnormen Erscheinungen" bei einer Mutter zu Tage. Dieses Klammern und Heften, diese Fernsteuerung der Kleinen, diese unaufhörliche Sorge, dieses Verfolgen in Gedanken. Ich vermute mal, dass Steiner dies meint. Das "das-Kind-nicht-erwachsen-werden-lassen-können".

Wir brauchen also dringend Initiationsriten, scheint es.
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* "Das Mysterium der Wiedergeburt"
Initiationsriten
12.Mai.2007 13:54 Uhr
Ich lese gerade mal wieder in Mircea Eliades "Das Mysterium der Wiedergeburt" (Insel-Verlag). In diesem Buch geht es dem Ethnologen und Religionshistoriker Eliade um Praktiken der Einweihung- sei es als Initiationsritus in eine prämoderne Gesellschaft oder in ein bestimmtes Amt wie der Schamane, Medizinmann, etc. Typisch dabei sind in allen möglichen Gesellschaften Riten, die "mit einer bestimmten Anzahl von Prüfungen" verbunden sind, mit "zahlreichen Tabus und Nahrungsverboten".
Ich bin ja überzeugt, dass eines der wichtigsten Riten der Initiationsrituale in unserer Gesellschaft die Führerscheinprüfung darstellt. Auch hiermit sind eine ganze Reihe von Prüfungen verbunden. Man darf keinen Alkohol trinken und muss sich masochistisch einem aufgeblasenen Fahrlehrer unterwerfen, der maliziöse Kommentare über einen abgibt ("Wenn Sie mich umbringen wollen, junge Dame, dann sagen Sie das doch vorher"). Hat man den Schein, gehört man zur Gesellschaft der Erwachsenen. Falls man ihn zeitweilig wieder verlieren sollte, indem man einige spezifische Tabus im Strassenverkehrt wissentlich, dämlich oder beides verletzt hat, wird man wieder in den unmündigen Zustand zurück versetzt, muss entweder Bahn fahren oder liebe Freunde um eine Transportmöglichkeit fragen.
In Bezug auf den Eintritt in die Anthroposophische Gesellschaft fragt man sich, ob auch nicht bei einem solchen Schritt einige kleine Rituale dazu gehören sollten. Das wäre vielleicht würdevoller als das einfache Überreichen einer Mitgliedskarte. Wenn man bei Eliade allerdings die historischen Riten z.B. im alten Australien anschaut, bekommt man auch wieder Zweifel. Schließlich waren mit der Initiation auch bestimmte "Operationen" verbunden wie "Beschneidung, das Ausschlagen eines Zahns, die Subinzision, aber auch die Skarifikation oder das Ausreißen der Haare". Keine Ahnung, was Skarifikation und Subinzision sein sollen. Die Vorstellung, dass im Nebenzimmer des örtlichen Zweigs allen Novizen von einem Dornacher Abgesandten Haare ausgerissen, Zähne ausgeschlagen oder gar Vorhäute demontiert werden, wirkt irgendwie doch wenig attraktiv :-)

Ich bin ja überzeugt, dass eines der wichtigsten Riten der Initiationsrituale in unserer Gesellschaft die Führerscheinprüfung darstellt. Auch hiermit sind eine ganze Reihe von Prüfungen verbunden. Man darf keinen Alkohol trinken und muss sich masochistisch einem aufgeblasenen Fahrlehrer unterwerfen, der maliziöse Kommentare über einen abgibt ("Wenn Sie mich umbringen wollen, junge Dame, dann sagen Sie das doch vorher"). Hat man den Schein, gehört man zur Gesellschaft der Erwachsenen. Falls man ihn zeitweilig wieder verlieren sollte, indem man einige spezifische Tabus im Strassenverkehrt wissentlich, dämlich oder beides verletzt hat, wird man wieder in den unmündigen Zustand zurück versetzt, muss entweder Bahn fahren oder liebe Freunde um eine Transportmöglichkeit fragen.
In Bezug auf den Eintritt in die Anthroposophische Gesellschaft fragt man sich, ob auch nicht bei einem solchen Schritt einige kleine Rituale dazu gehören sollten. Das wäre vielleicht würdevoller als das einfache Überreichen einer Mitgliedskarte. Wenn man bei Eliade allerdings die historischen Riten z.B. im alten Australien anschaut, bekommt man auch wieder Zweifel. Schließlich waren mit der Initiation auch bestimmte "Operationen" verbunden wie "Beschneidung, das Ausschlagen eines Zahns, die Subinzision, aber auch die Skarifikation oder das Ausreißen der Haare". Keine Ahnung, was Skarifikation und Subinzision sein sollen. Die Vorstellung, dass im Nebenzimmer des örtlichen Zweigs allen Novizen von einem Dornacher Abgesandten Haare ausgerissen, Zähne ausgeschlagen oder gar Vorhäute demontiert werden, wirkt irgendwie doch wenig attraktiv :-)

Kulturtage bei "dm"
29.Apr.2007 18:08 Uhr
Alle Jahre wieder rotieren in den bald 900 Filialen der Drogeriekette dm die Auszubildenden: Die Aufführungen im Rahmen der internen "Kulturtage" werden durchgeführt. Viele Auszubildende in allen drei Lehrjahren, die nicht zufällig früher eine Waldorfschule besucht hatten, werden nun zum ersten Mal mit dem Theaterspiel konfrontiert. Die Nervosität vor der Aufführung ist vollkommen berechtigt. Die (professionellen) Regisseure mögen sich ebenso unterscheiden wie Stück und Ort der Aufführung, aber dieser obligatorische Teil der Ausbildung wird stets höchst aufmerksam von den Vorgesetzten beobachtet, die von der untersten bis nahezu höchsten Hierarchiestufe in der ersten Reihe im Publikum sitzen und sich ihre jungen und jüngsten Mitarbeiter interessiert betrachten.

In der Düsseldorfer Aufführung "Die Totenfeier" führten die Regisseure Donata Teichert und Stefan Preiss die Auszubildenden an eine lange Tafel. Die fiktive Feier nach dem Selbstmord einer gemeinsamen Bekannten wurde mit sehr persönlichen Stellungnahmen, mit fiktiven verbalen Angriffen gegeneinander umgesetzt, wobei nicht nur Texte von Baudelauire, Goethe, Wilde, Rilke und Moliere Teil der Dialoge waren, sondern auch ironische Zitate aus der Feder des obersten Chefs, Werner. Diese Spitzen wurden vielleicht nicht von allen Darstellern als solche verstanden, den zahlreichen Leitungspersönlichkeiten, die anwesend waren, waren sie Anlass zur Erheiterung. Der Sinn des ganzen kulturellen Unternehmens lag einerseits im Teamgeist, in der Überwindung von inneren Widerständen bei den Darstellern, sicherlich aber auch darin, den Geist des Unternehmens als solchen zu beschwören und einen intimen Einblick ins Innenleben der Auszubildenden zu geben. Wer sich drei Jahre lang darstellend vor den Augen seiner Vorgesetzten bewähren kann, ohne einzuknicken, den kann so schnell nichts mehr erschüttern. Wer hier Stärke und Teamgeist beweist, der wird sich auch vor den Kunden beweisen. So liegt das Kalkül dieser Unternehmung sicherlich nicht nur im kulturellen Bereich.

Mancher der regionalen Leiter und insbesondere der zuständigen Filialleiter(innen) erschien daher auch noch deutlich angespannter als die Darsteller selbst. Es handelt sich offensichtlich um eine Inspektion der besonderen Art, mit einer internen Aufarbeitung aller Leiter im Anschluss an die Aufführung. Anscheinend werden genau hier die unternehmensinternen Positionierungen zugeteilt und eingenommen. So dominant kann Theater für die Unternehmenskultur sein.

In der Düsseldorfer Aufführung "Die Totenfeier" führten die Regisseure Donata Teichert und Stefan Preiss die Auszubildenden an eine lange Tafel. Die fiktive Feier nach dem Selbstmord einer gemeinsamen Bekannten wurde mit sehr persönlichen Stellungnahmen, mit fiktiven verbalen Angriffen gegeneinander umgesetzt, wobei nicht nur Texte von Baudelauire, Goethe, Wilde, Rilke und Moliere Teil der Dialoge waren, sondern auch ironische Zitate aus der Feder des obersten Chefs, Werner. Diese Spitzen wurden vielleicht nicht von allen Darstellern als solche verstanden, den zahlreichen Leitungspersönlichkeiten, die anwesend waren, waren sie Anlass zur Erheiterung. Der Sinn des ganzen kulturellen Unternehmens lag einerseits im Teamgeist, in der Überwindung von inneren Widerständen bei den Darstellern, sicherlich aber auch darin, den Geist des Unternehmens als solchen zu beschwören und einen intimen Einblick ins Innenleben der Auszubildenden zu geben. Wer sich drei Jahre lang darstellend vor den Augen seiner Vorgesetzten bewähren kann, ohne einzuknicken, den kann so schnell nichts mehr erschüttern. Wer hier Stärke und Teamgeist beweist, der wird sich auch vor den Kunden beweisen. So liegt das Kalkül dieser Unternehmung sicherlich nicht nur im kulturellen Bereich.

Mancher der regionalen Leiter und insbesondere der zuständigen Filialleiter(innen) erschien daher auch noch deutlich angespannter als die Darsteller selbst. Es handelt sich offensichtlich um eine Inspektion der besonderen Art, mit einer internen Aufarbeitung aller Leiter im Anschluss an die Aufführung. Anscheinend werden genau hier die unternehmensinternen Positionierungen zugeteilt und eingenommen. So dominant kann Theater für die Unternehmenskultur sein.
Buddhas Atemlehre
01.Mär.2007 21:23 Uhr
Ich möchte gern auf eine ungewöhnliche Hör- CD aufmerksam machen: Auf Thich Nhat Hanhs "Wunder des bewussten Atmens". Gelesen wird der Text, der eine Interpretation von Buddhas 16 Lehrsätzen über das Atmen darstellt, von Robert Atzorn. Er macht das ganz hervorragend. Hanh, ein vietnamesischer Mönch und Friedensforscher, betreibt eine eigene Schule und eine Art Ashram in Südfrankreich. Offensichtlich ist eine ganze Reihe bekannter deutscher Künstler seit langem von ihm angetan, unter anderem auch Doris Dörrie. Die Hör- CD stellt auf angenehme Weise einen ganzen Kanon von meditativen Übungen dar, der aufeinander aufbaut. Werden am Anfang zunächst in etwas harmloser Weise einfache Atemübungen vorgestellt, steigert sich die Intensität, Weite und Tiefe der Übungen im Laufe des Hörens ganz erheblich, bis hin zu einer nicht ohne weiteres auslotbaren Dimension. Der Text bleibt aber stets in einer kompakten Leichtigkeit und vermeidet jeden Überschwang, jedes überflüssige Dramatisieren und jedes Insider- Vokabular. Diese Mystik hat Hand und Fuss. Ich habe selten eine solche knapp- realistische Darstellung solcher Themen kennen gelernt. Sehr empfehlenswert.


Das Selbstmitleid des alternden Mannes
15.Dez.2006 18:48 Uhr
"Leid", schreibt Joan Didion in "Das Jahr Magischen Denkens", "ist ein Ort, den von uns niemand kennt, solange wir nicht dort sind". So ist es wohl auch mit dem Alter. Für wen das Alter wann und womit einsetzt oder deutlich wird, ist schwer zu bestimmen; damit geht jeder notgedrungen auf seine Weise um. Für eine Bekannte war es der Moment, als sie im Kreis gleichaltriger Männer plötzlich bemerkte, dass diese zum ersten Mal in ihrer Gegenwart Frauenwitze erzählten. Ihre Gegenwart hätte sie früher daran gehindert; jetzt wurde sie anscheinend als Frau nicht mehr wahr- oder ernstgenommen. Ein Schock. Man verschwindet als geschlechtliches Wesen vor den Augen der Anderen; es ist, als würde einem ein Stück seiner Identität nicht einfach genommen; es ist, als wäre es einfach verdunstet.
Hellmuth Karasek, der Literaturkritiker, wurde in dieser Woche (14.12.2006) in der ZEIT befragt, ob das Alter für ihn auch schöne Seiten habe. Nun ja, er ist immerhin 72. Er ist schlaflos, deprimiert und desillusioniert. Er meint, dass selbst die früheren Vorzüge der Alten, etwas "Weisheit" zu besitzen, durch die "Wissensbeschleunigung" im Internet obsolet geworden seien. Für ihn ist das Alter im Allgemeinen nichts als ein Mangel an Jugend. Im Privaten dagegen steigert sich der allgemeine Verfall bis hin zur reinen Peinlichkeit: Alte Menschen "mag man sich beim Sex nicht gerne vorstellen". Und er selbst hat in seinen Erinnerungen die demütigende Erfahrung geschildert, als alter Mann in eine junge Frau verliebt zu sein und von dieser auf kränkende Weise abgewiesen worden zu sein.
Karasek lässt es zu, dass der Interviewer in den Wunden dieser seiner Demütigung und Dünnhäutigkeit bohrt.
Lieber Herr Karasek, ich denke, das Demütigende an einer vergeblichen, vergebenen oder vergangenen Liebe ist dann da, wenn man sie zu Markte trägt und die Grenze zwischen privatem Selbstmitleid und öffentlicher Zurschaustellung verschwimmt. Wenn man sich als Freak präsentieren möchte wie in einem alten Fellini-Film, ist man in den Gazetten und Talkshows natürlich immer willkommen. Karasek macht aus seinem Selbstmitleid - frei nach Joan Didion- einen "Ort, den jeder kennt". Das ist die Entwürdigung, nicht das Alter an sich.
Zu Karasek und seinem unpraktischen Hantieren mit Ohrenstäbchen noch ein Verriss in der TAZ
Hellmuth Karasek, der Literaturkritiker, wurde in dieser Woche (14.12.2006) in der ZEIT befragt, ob das Alter für ihn auch schöne Seiten habe. Nun ja, er ist immerhin 72. Er ist schlaflos, deprimiert und desillusioniert. Er meint, dass selbst die früheren Vorzüge der Alten, etwas "Weisheit" zu besitzen, durch die "Wissensbeschleunigung" im Internet obsolet geworden seien. Für ihn ist das Alter im Allgemeinen nichts als ein Mangel an Jugend. Im Privaten dagegen steigert sich der allgemeine Verfall bis hin zur reinen Peinlichkeit: Alte Menschen "mag man sich beim Sex nicht gerne vorstellen". Und er selbst hat in seinen Erinnerungen die demütigende Erfahrung geschildert, als alter Mann in eine junge Frau verliebt zu sein und von dieser auf kränkende Weise abgewiesen worden zu sein.
Karasek lässt es zu, dass der Interviewer in den Wunden dieser seiner Demütigung und Dünnhäutigkeit bohrt.
Lieber Herr Karasek, ich denke, das Demütigende an einer vergeblichen, vergebenen oder vergangenen Liebe ist dann da, wenn man sie zu Markte trägt und die Grenze zwischen privatem Selbstmitleid und öffentlicher Zurschaustellung verschwimmt. Wenn man sich als Freak präsentieren möchte wie in einem alten Fellini-Film, ist man in den Gazetten und Talkshows natürlich immer willkommen. Karasek macht aus seinem Selbstmitleid - frei nach Joan Didion- einen "Ort, den jeder kennt". Das ist die Entwürdigung, nicht das Alter an sich.
Zu Karasek und seinem unpraktischen Hantieren mit Ohrenstäbchen noch ein Verriss in der TAZ
Bei Kim ists ausgeIPODet
01.Dez.2006 23:55 Uhr

Ja, nun ist es so weit. Das Embargo gegen unseren Lieblings- Schurkenstaaten beginnt zu greifen, wie das Handelsblatt berichtet. Und zuerst einmal werden keine iPods mehr nach Nordkorea geliefert werden. Aber wahrscheinlich toppt Kim noch locker den Spleen von Karl Lagerfeld, eigene Koffer mit Extra-Einschüben für seinen Mengen von iPods anfertigen zu lassen; Herr Lagerfeld bevorzugt für jede musikalische Richtung einen eigenen iPod. Herr Kim möglicherweise einen pro Song. Man weiss es natürlich nicht. Aber hart treffen wird es den Staat schon, wenn der Diktator außer seinen Frauen und seinem Fressen keinen Spass mehr hat. Was ist noch verboten? Cognac, Basketbälle, Caviar, teure Füller und Plasma- Fernseher. Alles Dinge, die in jeder Reisbauernhütte dort zum Standard gehören. Ein Volksaufstand ist bei diesem Embargo jedenfalls nicht auszuschliessen.
Pluto reloaded
28.Aug.2006 23:48 Uhr
Die Blog-Kultur wächst und gedeiht. Nein, sie wuchert. Nehmen wir mal -nur so zum Beispiel- die ziemlich aktuelle Nachricht vom Verstossenwerden unseres doch irgendwie ans Herz gewachsenen Planeten Pluto. Nicht, dass wir darüber etwas sagen wollen. Wir wollen vielmehr darüber schweigen und nur still in der Blog- Suchmaschine Technorati einmal nach dem Stichwort Pluto nachschauen. Und siehe da: Nur in den Blogs dieser Welt ist über den betrüblichen Fall fast 150000mal berichtet worden. Die revolutionäre Forderung "Free Pluto" (nach "Free Willy", dem ebenso bedauernswerten Wal) ist dabei nicht nur einmal erhoben worden. Dabei zeigt eine Recherche in Google Trends (hier werden die Suchanfragen von Nutzern des Webs aus aller Welt gemessen), dass das Thema eigentlich niemanden besonders interessiert. Und wenn, dann besonders Menschen aus Neuseeland. Die Blogger stürzen sich also auf Themen, die niemanden besonders interessieren. Deshalb berichten wir ja auch nicht darüber. Kein Wort.

Armer Kerl.

Armer Kerl.
Unser Grass
17.Aug.2006 19:09 Uhr
"Ist das noch unser Grass?" titelt DIE ZEIT überflüssigerweise am 17.8.2006. "Mein" Grass war er jedenfalls nie. Ich habe auch nie verstanden - Nobelpreis hin oder her- warum dieser nölende, penetrant politisch korrekt zeigefingernde Schriftsteller, dessen Namen jeder kennt und den niemand liest, als der deutsche Schriftsteller schlechthin dargestellt wurde. "Die Blechtrommel" kennt natürlich jeder, aber die Meisten kennen den Titel doch eher als Film. Nun entpuppt er sich auch noch als Karrierist, der erst 60 Jahre lang seine Mitgliedschaft in einem eindeutig doch nicht politisch korrekten Club verschwieg und jetzt, unmittelbar vor Erscheinen seines Lebensrückblicks, eben damit eine Art Sensation produzieren möchte. Selbst das glättet und verharmlost er wieder und wieder in zahllosen Interviews und geriert sich als Betroffener im Angesicht der internationalen Enttäuschung. Es ist zum Totgähnen.
Die Grasssche Windmacherei ist im Angesicht von 60 Jahren Schweigen ein letztes Aufbäumen vor seinem Verschwinden in der Bedeutungslosigkeit. Der mahnende Zeigefinger bleibt uns von nun an erspart. Denn sein Schweigen ist von einer derart gewöhnlichen deutschen Durchschnittlichkeit, dass sich alle Konturen zwischen Mitläufern, Leugnern und Tätern unwiederruflich verwischen. Dass einige eifrige Leser der Egoisten mich nun mahnen, auch die Mitgliedschaft des Priesters der Christengemeinschaft, Friedrich Benesch, neu zu bewerten, finde ich allerdings unangebracht. Erstens hat sich Benesch nie zu seiner Mitgliedschaft in der Waffen-SS bekannt, zweitens waren seine Bemühungen um das Jahr 1939 eine völlig andere Sache. Und drittens hat sich Benesch nach den verfügbaren Quellen auch als nationalsozialistischer Propagandist betätigt. Das sind zwei paar Schuhe, die nicht zueinander passen. Nicht in der Größe und nicht im Geruch.
Und so liegt Henryk M. Broder in seinem SPIEGEL-Kommentar sicherlich richtig, wenn er schreibt: "Aber Grass, der große wortgewaltige GG, der Nobelpreisträger, die moralische Instanz, die Stimme der Entrechteten und Gedemütigten, der Mann für alle Jahreszeiten des Feuilletons, die Quersumme aus Thomas Mann, Frantz Fanon und Popeye, Grass ist erledigt."
Die Grasssche Windmacherei ist im Angesicht von 60 Jahren Schweigen ein letztes Aufbäumen vor seinem Verschwinden in der Bedeutungslosigkeit. Der mahnende Zeigefinger bleibt uns von nun an erspart. Denn sein Schweigen ist von einer derart gewöhnlichen deutschen Durchschnittlichkeit, dass sich alle Konturen zwischen Mitläufern, Leugnern und Tätern unwiederruflich verwischen. Dass einige eifrige Leser der Egoisten mich nun mahnen, auch die Mitgliedschaft des Priesters der Christengemeinschaft, Friedrich Benesch, neu zu bewerten, finde ich allerdings unangebracht. Erstens hat sich Benesch nie zu seiner Mitgliedschaft in der Waffen-SS bekannt, zweitens waren seine Bemühungen um das Jahr 1939 eine völlig andere Sache. Und drittens hat sich Benesch nach den verfügbaren Quellen auch als nationalsozialistischer Propagandist betätigt. Das sind zwei paar Schuhe, die nicht zueinander passen. Nicht in der Größe und nicht im Geruch.
Und so liegt Henryk M. Broder in seinem SPIEGEL-Kommentar sicherlich richtig, wenn er schreibt: "Aber Grass, der große wortgewaltige GG, der Nobelpreisträger, die moralische Instanz, die Stimme der Entrechteten und Gedemütigten, der Mann für alle Jahreszeiten des Feuilletons, die Quersumme aus Thomas Mann, Frantz Fanon und Popeye, Grass ist erledigt."
Scene from my life
22.Apr.2006 17:33 Uhr

Ein weltweit agierender Foto-Blog ist "Scene from my life". Täglich postet ein Fotograf - meist keineswegs Profis - aus seiner Lebensumgebung, was ihm fotografisch publikationswürdig erscheint. Nach einer Woche wechseln Standort und Fotograf. So kann man Woche für Woche mit dieser Website ein anderes Land, einen anderen Kontinent, ein anderes Alltagsleben miterleben.
Landscape
22.Apr.2006 16:04 Uhr
Neben den weiteren Rubriken sind jetzt noch Landschaftsbilder und Porträts in unserer Downloadseite hinzugekommen. Dazu gehören momentan Fotos an der Nordsee, am Düsseldorfer Hafen und von einer Kirmes. All das wird im Laufe dieses Jahres sicherlich ergänzt und vieles auch wieder ausgetauscht werden.


Flower Power
20.Apr.2006 00:50 Uhr
Eine kleine Dia- Flashshow mit Fotografien, ausschliesslich von Blumen bzw deren Blüten. Also nix besonderes.


Genauer gehts noch nicht
10.Apr.2006 22:44 Uhr
..bei Google Earth, jedenfalls was unser Dorf betrifft. Das Haus kann man kaum erkennen. Sehr wohl aber den Feldweg, auf dem ich immer mit dem Hund gehe. Etwas gespenstisch finde ich das schon: Dass man in der über oder über-übernächsten Version von Google Earth damit rechnen muss, im Garten mit der Zeitung fotografiert zu werden, wahrscheinlich mit bödem Gesichtausdruck und einem Fleck auf dem T-Shirt. Oder mit dem Hintern in der Luft beim Unkrautjäten. Unangenehme Vorstellung.


Yo Punk Ass Bitch
05.Apr.2006 22:27 Uhr
Ursula Rucker, italo-amerikanische Mutter, promovierte Historikerin zum Thema Afrika und Journalistin, ist eine ungewöhnliche Sängerin. Sie ist Feministin und zugleich Sängerin ausgesprochen erotischer Songs. Sie ist vor allem Dichterin, die in der Musik nur ein willkommenes Transportmittel für ihre Gedichte bietet, denen sonst die Publizität fehlen dürfte. So spricht sie auf ihren Platten und in ihren Konzerten mehr als dass sie sänge. Ihre Lieder schrecken vor keinem politischen Thema, vor Rassismus, Sex oder dem Missbrauch von Kindern zurück. Süss ist hier gar nichts. weiter..


Music for Anthros
20.Mär.2006 21:38 Uhr
Tulipan
07.Mär.2006 22:11 Uhr
Die Grosszügige mit dem naiven Touch.
Die Grazile.
Raumfassend, aber zugleich transparent.
Das transzendierte Grün ihrer lappigen Blätter.
Die Bauernkönigin.

Download unter Grafiken.
Die Grazile.
Raumfassend, aber zugleich transparent.
Das transzendierte Grün ihrer lappigen Blätter.
Die Bauernkönigin.

Download unter Grafiken.
Auf, du froher Wandersmann
01.Mär.2006 19:58 Uhr
Heute wandert man ja nicht mehr unbedingt durch Wald und Wiesen oder durch schnödes alpines Hochgebirge (wenn schon, dann dort bitte mit Mountainbike Murmeltiere erschrecken), sondern es sollte schon eine Himalaja- Tour sein. Zur Einstimmung und Vorbereitung bieten sich erfahrene Reiseunternehmer, aber auch Foren im Internet an.
Im Nepal- Board z.B. fragt eine gewisse Shivaratri: „Habt ihr auch gestern an Schiva gedacht und ein dicke Chillum mit Ganja geraucht?“
Nein, Shivaratri, haben wir nicht. Wir haben Vodka getrunken und an gar nichts gedacht. Ich weiss eigentlich auch nur, dass am 28.2. Losar gefeiert wird, das tibetische Neujahr. Man wünscht sich herzlich „Tashi Delek“ und gut. Und selbst das ist mir nur durch freundliche Hinweise von Exil- Tibetern bekannt, die in der Schweiz eine Trekking- Reise- Agentur betreiben.

Im Nepal- Board erfährt man alles Wissenswerte für solche Reisen: Über Vorbereitung, Ausrüstung, Land und Leute. Im Forum gibt es aktuelle News z.B. über die politische Situation, die zwischen Putsch, Königsterror und maoistischen Überfällen schwankt. Über das grottige Design schweigt man höflich- der Informationsgehalt für Reisende aber ist hoch.
Im Nepal- Board z.B. fragt eine gewisse Shivaratri: „Habt ihr auch gestern an Schiva gedacht und ein dicke Chillum mit Ganja geraucht?“
Nein, Shivaratri, haben wir nicht. Wir haben Vodka getrunken und an gar nichts gedacht. Ich weiss eigentlich auch nur, dass am 28.2. Losar gefeiert wird, das tibetische Neujahr. Man wünscht sich herzlich „Tashi Delek“ und gut. Und selbst das ist mir nur durch freundliche Hinweise von Exil- Tibetern bekannt, die in der Schweiz eine Trekking- Reise- Agentur betreiben.

Im Nepal- Board erfährt man alles Wissenswerte für solche Reisen: Über Vorbereitung, Ausrüstung, Land und Leute. Im Forum gibt es aktuelle News z.B. über die politische Situation, die zwischen Putsch, Königsterror und maoistischen Überfällen schwankt. Über das grottige Design schweigt man höflich- der Informationsgehalt für Reisende aber ist hoch.
Schweini im Rheinland unterwegs
27.Feb.2006 00:30 Uhr
Darüber hätten wir vielleicht einfach schweigen sollen. Ich hatte eigentlich auch keine Lust, schon gar nicht auf alkoholische Eskapaden. Aber, meine Güte, es ist eben Karneval. Ich trage ein Schweini- Kostüm, und der Abend plätschert ein wenig vor sich hin, während nebenan der rheinische Bär tobt. Nach einer Anstandszeit stehen die Fässchen einfach auf den Tischen. In der Küche dagegen wird ein edler Ouzo mit Eis in Wassergläsern gereicht. Ich trinke das wirklich auch nur, weil es so schön kühl schmeckt. Und weil es der Völkerverständigung mit einigen bayrischen Gästen zugute kommt. So kommt es dann, wie es kommen musste. Die Reue setzt am frühen Morgen ein, als das Bett Achterbahn zu fahren beginnt. Der Magen auch. Den Rest verschweigen wir beschämt. Ach, jedes Jahr das gleiche!


Abend vor Altweiber in Düsseldorf
22.Feb.2006 22:25 Uhr

Claudia wacht fast einsam über der abendlichen Königsallee. Die Strassen und Geschäfte fast leer, bis auf kleine Pulks von Geschäftsleuten, die aus den Büros strömen. Die U-Bahnstation: Fast verlassen. Düsseldorf sammelt sich für die kommenden karnevalistischen Tage.
Bild in grossem Format hinterlegt in den Grafiken.
Gefühlvolle Balladen
15.Feb.2006 21:39 Uhr
Ich habe ja sehr lange überlegt, ob ich etwas über ihn bringe. Manche Songs von ihm gehen mir einfach auf die Nerven, manche finde ich belanglos, manche schnulzig. Wenn man es aber folkig mag, kommt man an den Balladen von Sufjan Stevens nicht vorbei. Denn dazwischen sind - auch auf seiner letzten CD - so gefühlvolle Perlen, dass man sogar seine etwas krampfig -rockigen Eskapaden verzeiht.

Ich finde es ja auch etwas geschmacklos, über den Massenmörder Gacy gefühlig zu singen, aber dafür entschädigen das fröhliche Casimir Pulaski Day oder die wunderbaren "Seer Towers". Auf seiner Website (leider zur Zeit nicht erreichbar) erzählt er die sehr merkwürdige Geschichte, wie er als Findelkind von Hippieeltern aufgezogen wurde: "Sufjan Stevens was found in a milk crate on the doorstep of Mr. and Mrs. Stevens, in Detroit, MI, on Canada Day, July 1, 1975. He was wrapped in cellophane, and tagged on the wrist with the mysterious note: "I love you." Mr. and Mrs. Stevens had three other children: Jo-Jo, Zukey-Dukey, and Jam-Jam. Mrs. Stevens crocheted afghans for the flea market. Mr. Stevens was the custodian at the hospital. They had very little money, but very big hearts. They decided to keep the baby (using the milk crate to hold their National Geographics). They named him Sufjan Stevens, after Abu Sufjan Muhammad, the great Armenian Sufi warrior who slew ten thousand dragons to save the Fairy Princess. Despite his despondent looks, Sufjan was a good kid. Mr. and Mrs. Stevens did the best they could. They fed him carrots, they read him parts of the Bhagavad Gita, they combed his hair, they sang songs and tap-danced in the living room. Things were looking good!"
Und so sehen sie auch jetzt aus. Sein neues Album ist angekündigt.

Ich finde es ja auch etwas geschmacklos, über den Massenmörder Gacy gefühlig zu singen, aber dafür entschädigen das fröhliche Casimir Pulaski Day oder die wunderbaren "Seer Towers". Auf seiner Website (leider zur Zeit nicht erreichbar) erzählt er die sehr merkwürdige Geschichte, wie er als Findelkind von Hippieeltern aufgezogen wurde: "Sufjan Stevens was found in a milk crate on the doorstep of Mr. and Mrs. Stevens, in Detroit, MI, on Canada Day, July 1, 1975. He was wrapped in cellophane, and tagged on the wrist with the mysterious note: "I love you." Mr. and Mrs. Stevens had three other children: Jo-Jo, Zukey-Dukey, and Jam-Jam. Mrs. Stevens crocheted afghans for the flea market. Mr. Stevens was the custodian at the hospital. They had very little money, but very big hearts. They decided to keep the baby (using the milk crate to hold their National Geographics). They named him Sufjan Stevens, after Abu Sufjan Muhammad, the great Armenian Sufi warrior who slew ten thousand dragons to save the Fairy Princess. Despite his despondent looks, Sufjan was a good kid. Mr. and Mrs. Stevens did the best they could. They fed him carrots, they read him parts of the Bhagavad Gita, they combed his hair, they sang songs and tap-danced in the living room. Things were looking good!"
Und so sehen sie auch jetzt aus. Sein neues Album ist angekündigt.
Melancholische Katze
25.Jan.2006 20:41 Uhr
Keine Ahnung, warum Cat Power ihre neue, in Memphis aufgenommene Platte (hier der Link zu iTunes) "The Greatest" betitelt. Das ist ein wenig missverständlich bei einer derart minimalistischen Sängerin, die sich meist lediglich mit monotonen Klavier- und Gitarrentönen begleitet, aber auch in der Hinsicht, dass man bei diesem Titel zunächst erschrocken an ein "Greatest Hits". Album denkt. Auf dem neuen Album sind aber Band, Streicher und leider auch einige Countryklänge präsent. Ihre tiefe, brüchige Stimme ist dennoch das vorherrschende Stilmittel. Ehrlich gesagt finde ich sie auf früheren Alben konsequenter, denn dieses nun manchmal fast poppig daherplätschernde musikalische Gemisch verwässert das, was ich persönlich an ihr seit Jahren schätzte.

Dennoch, wie ein Kritiker eines ihrer Konzerte in Australien schreibt: "Fuck the business shit, this girl is bringing back the art." Cat Power heisst übrigens Chan Marshall und ihr erstes Album erschien vor neun Jahren. Mein Lieblingslied, "Red Apples" stammt von dem 2000 erschienenen Cover- Album "The Covers Record". Eindringlich, monoton, bestechend. Eine melancholische Katze mit ganz eigener Kraft.

Dennoch, wie ein Kritiker eines ihrer Konzerte in Australien schreibt: "Fuck the business shit, this girl is bringing back the art." Cat Power heisst übrigens Chan Marshall und ihr erstes Album erschien vor neun Jahren. Mein Lieblingslied, "Red Apples" stammt von dem 2000 erschienenen Cover- Album "The Covers Record". Eindringlich, monoton, bestechend. Eine melancholische Katze mit ganz eigener Kraft.
Gonzalez
07.Dez.2005 22:09 Uhr
Dass dieser ausgewachsene Melancholiker, nur mit seiner Stimme und einer klassischen Gitarre vor dem Mikrophon, ausgerechnet ein Schwede ist, würde man kaum vermuten. Hier eine Hörprobe. Der Sänger ist 27 Jahre alt, und dieses ist sein Debutalbum. Er siedelt sich in die Tradition zwischen Cat Power und Elliot Smith ein, mit einer ordentlichen Prise Nick Drake. Sicherlich ist seine Gitarrentechnik herausragend, aber ein wenig Abwechslung zwischen den Klampfenklängen hätte doch gut getan. Als im letzten Lied seiner CD dann mal eine Trompete erklingt, ist man ja erstaunt. Dennoch eine sehr schöne Platte, die ich mir gleich beim Erscheinen bei iTunes gekauft habe. Wer ihn auf seiner Website - die übrigens schön zeigt, wie überflüssig Flash. Website- Programmierung sein kann - besuchen möchte, de schau mal hier.

Ach ja, Birkenstockträger und Sozialarbeiterinnen werden ihn auch mögen. Die Platte ist trotzdem schön.

Ach ja, Birkenstockträger und Sozialarbeiterinnen werden ihn auch mögen. Die Platte ist trotzdem schön.
Antony and the Johnsons
19.Nov.2005 00:52 Uhr
Ich bin nicht einmal sicher, ob ich diese Musik empfehlen kann, so sehr fällt sie aus allen Mainstreams hinaus. Soll man das Pop oder Folk zuordnen, oder nicht viel besser der Klassik? Ist es nicht vielmehr Soul? Schwere Entscheidung. Aber andererseits, wo und wann sang jemand mit solcher unverstellter Inbrunst von seiner Angst, allein zu sein, wenn er stirbt? Hier ein Ausschnitt aus diesem Lied.

Natürlich ist nicht nur die musikalische Zuordnung, die es so schwer - aber auch interessant macht, über diese Band irgendein Urteil zu bilden. Es ist auch diese Stimme, die so unbekümmert männlich und weich zugleich ist. Eine sehr starke Stimme, mit unvermuteten Modulationen und einem erheblichen Umfang. Dazu irritieren noch die Inhalte, wenn der Sänger trotzt, dass er heute mal ein Junge ist und von jemandem sehnsüchtig wünscht, er möge sein Ehemann sein. Man muss Antony einfach hören. Daher hier noch ein paar Beispiele. Für die Fans des iTunes-Music-Stores moch ein weiterer Link, der iTunes auf Ihrem Rechner öffnen sollte.
Ich hör übrigens schon den ganzen Tag. Passt in den November.

Natürlich ist nicht nur die musikalische Zuordnung, die es so schwer - aber auch interessant macht, über diese Band irgendein Urteil zu bilden. Es ist auch diese Stimme, die so unbekümmert männlich und weich zugleich ist. Eine sehr starke Stimme, mit unvermuteten Modulationen und einem erheblichen Umfang. Dazu irritieren noch die Inhalte, wenn der Sänger trotzt, dass er heute mal ein Junge ist und von jemandem sehnsüchtig wünscht, er möge sein Ehemann sein. Man muss Antony einfach hören. Daher hier noch ein paar Beispiele. Für die Fans des iTunes-Music-Stores moch ein weiterer Link, der iTunes auf Ihrem Rechner öffnen sollte.
Ich hör übrigens schon den ganzen Tag. Passt in den November.
Bart unterwegs
28.Okt.2005 22:49 Uhr
Bart Pogoda aus Warschau reist einen erheblichen Teil des Jahres und macht Fotos dabei. Ich bin mir nicht sicher, ob er ein Reisender ist, der fotografiert- oder umgekehrt. Dennoch gelingen Pogoda vor allem auf seinen Reisen im Fernen Osten wunderbare Aufnahmen mit grosser Ausdruckskraft. Zumindest ab und zu.


Ziboy spinnt
25.Okt.2005 14:52 Uhr
Ich weiss nicht, was ihn neuerdings reitet. Seit langer Zeit ist Ziboy einer meiner Lieblingsfotografen, da er ständig ungeschminkte, unkommentierte und unkonventionelle Fotos aus seiner Stadt Peking ins Netz stellt.

Zwischen Punks, Arbeitern, Studenten und militärischen Aufmärschen blitzt der chinesische Alltag auf wie wohl kaum irgendwo sonst. Leider sind die Seiten, die stets eine ganze Reihe von aktuellen Fotos enthalten, kaum noch zu laden, weil die Bilder mit 300 dpi ins Netz gestellt werden. Oder haben die chinesischen Zensurbehörden seinen Traffic beschränkt? Jedenfalls ist das Blättern in den Archiven zur Geduldsprobe geworden.

Zwischen Punks, Arbeitern, Studenten und militärischen Aufmärschen blitzt der chinesische Alltag auf wie wohl kaum irgendwo sonst. Leider sind die Seiten, die stets eine ganze Reihe von aktuellen Fotos enthalten, kaum noch zu laden, weil die Bilder mit 300 dpi ins Netz gestellt werden. Oder haben die chinesischen Zensurbehörden seinen Traffic beschränkt? Jedenfalls ist das Blättern in den Archiven zur Geduldsprobe geworden.
Nordlichter
25.Okt.2005 10:10 Uhr
Norio Matsumoto- Japaner, 33 Jahre alt- ist ein ungewöhnlicher Mann. Er zieht mit einem Zelt und einem Schlauchboot monatelang im Sommer wie im Winter in die Wildnis Alaskas, um dort Naturaufnahmen zu machen- teilweise in arktischen Regionen. Dabei gelingen ihm ganz ungewöhnliche fotographische Naturaufnahmen von Wäldern, Schneelandschaften, Bergen, Walen- vor allem aber von Nordlichtern. Leider werden diese berührenden Bilder auf der Website etwas klein formatig präsentiert. Dennoch: "touching".


Jeden Tag ein Bild aus dem Kosmos
10.Okt.2005 19:54 Uhr


