Ewigkeit und Zeitlosigkeit | EgoBlog | Die Egoisten

Ewigkeit und Zeitlosigkeit

In „Presence: The Art of Peace and Happiness“, schreibt Rupert Spira wiederum einen kühlen, klaren, gleichwohl imaginativ wirksamen Führer zur zeitgenössischen meditativen Erfahrung. „Imaginativ wirksam“ meint dabei, dass das Studium des Buches selbst in dieser Hinsicht für den Leser wegweisend ist; das Denken über Identität, Denken, Zeitlosigkeit führt in den Bereich, um den es geht. Wir mögen es nennen, wie wir wollen, aber es geht um das leere Denken, das inhaltsfreie, rein vom Willen getragene Denken, das sich als flexibel, beweglich, lebendig erweist. Die Fixierung auf Inhalte, auf Mechanismen und Automatismen, auf suggestive Gewohnheiten und Assoziationen wird dabei überwunden. Der Status Quo unseres Alltagsbewusstseins ist nach Spira doch dieser: „We have forgotten our essential identity of pure aware being and allowed it to become mixed up with the characteristics and qualities that define the body and mind. Most people live almost constantly in this state of amnesia and their lives are a reflection of this simple forgetting.“ An die Dimension unserer „essentiellen Seinserfahrung“ kommen wir aber nur über die Befreiung des Bewusstseinspols heran, d.h. über die Arbeit am Denken selbst.

Erste Erfahrung des Seins bedeuten eine Loslösung vom Subjekt- Objekt- Verhältnis, von der üblichen Art unserer Informationsverwertung: „Only an object, such as a body or a mind, could appear and disappear or be subject to birth, growth, evolution, decay and death. Our self, aware presence, knows these changes but is not itself subject to them.“ Dabei rühren wir an eine Ebene der Ewigkeit und treten schließlich, in vielen kleinen Schritten und kit über Jahre andauernden Anläufen vollends in sie hinein:

Our self did not appear at a particular time and will not disappear at a particular time. There is no time present in our actual experience in which something could appear or disappear. There is just this ever-present now and this now is not a moment in time; it is timeless awareness, our true nature. Our culture has lost this knowledge and therefore equates the eternal with the everlasting. However, these two belong to completely different realms, one real and one imaginary. ‘Everlasting’ is related to time and denotes something that supposedly lasts forever. ‘Eternal’ is related to the timeless and denotes that which is ever-present now. It is not about life everlasting. It is about eternal life.

Diese Erfahrung, die ja deutlich an die Christus- Worte „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ erinnert, ist aber doch insofern eine der „Zeitlosigkeit“, als man im Vergleich zum Alltagsbewusstsein jedes Zeitgefühl verliert; erst an diesem Punkt setzt wirkliche Meditation an. Was bis an diesen Punkt geführt hat, waren Vorbereitungen. Aber der Anklang des Ewigen ist etwas, was weiter und weiter vertieft werden kann; es vollzieht sich von nun an, ohne dass man daran „arbeiten“ würde: Es arbeitet selbst. Man hat dabei keinerlei „mystische“ Empfindung, aber sehr wohl lebhafte Gefühle- im Grunde erlebt man puren Realismus. Dies ist die Ebene, in der das Reale ansetzt, das in sich Transparente, das Ungebrochene jenseits des illusionären Selbstbetrugs. Aber es ist zugleich immer ein Anfang, da sich die Perspektiven weiter verschieben und man immer weiß, dass dies ein Anfang ist. In der unendlich möglichen Vertiefung ist man immer am Anfang.

ich habe ein langes Interview mit Spira zu dem Buch auf meiner Egoistenblog- Site eingestellt.
blog comments powered by Disqus