Egoistische Gedankenkontrolle
01.Aug.2008 03:15 Uhr Abgelegt in:Meditation

Als Replik, Weiterspinnen des Fadens oder auch als individuelle Interpretation der Artikelserie bei Oleander über Gedankenkontrolle, meditative Anfangs- und Konzentrationsübungen möchte ich das Beispiel des Stuhls nehmen.
Man bewegt den Stuhl in Gedanken, wägt mögliche Konstruktionsprinzipien ab, mögliche Materialien. Man macht sich bewusst, wie vielfältig die Ausgestaltungen dieses Begriffs sind. Man konstruiert denkbare Stühle mit allen möglichen Beinen, man grenzt den Stuhl gegen benachbarte Begriffe wie Sessel oder Hocker ab. Man spürt sehr deutlich, dass es eine nicht-visuelle Ur- Begrifflichkeit geben muss, die all diese Erscheinungsformen eint. Diese Begrifflichkeit ist nicht einmal worthaft. Man kann sich ihr nur annähern- sie umkreisen.
Gehen wir heran mit der „Orthaftigkeit“ des Stuhls. Die Lage eines Stuhl markiert einen Ort auf der Erde. Und er gibt durch die Sitzfläche und Lehne sogar eine Richtung der Betrachtung vor. Der Stuhl befreit den Menschen von der Schwere des Körpers. Der Körper wird dem Stuhl übergeben, damit der Mensch frei und in seiner Aufmerksamkeit fokussiert wird. Er schaut, er spricht, er hört, er macht eventuell etwas mit den Händen. Der Stuhl vermittelt Orthaftigkeit, Fokussierung und Freiheit von der Schwere: Er ist ein Synonym für das Gegenstandsbewusstsein. Er ist die in Form gegossene Entsprechung von einer bestimmten menschlichen Entwicklungsstufe, einem geistigen Schritt.
Zunächst war dieses Bewusstsein - als Thron- nur den Priestern und Königen vorbehalten. Später profanisierte der Stuhl zu recht, da ja nun alle dieses Gegenstandsbewusstsein haben.
Man erlebt den Stuhl als eine bestimmte Bewusstseinskonstellation. Das ist gewissermaßen die „Innenseite“ des Stuhls.