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Michaelisches Gestalten und Wirken

Auf den Spuren Michaels gibt es keine gefühlige, sensationelle oder nur intellektuelle Zerrform, keine "Esoterik" im Sinne des zeitgenössischen Verständnisses, sondern stets etwas, was man nur was essentiell und wesenhaft erlebt, im Sinne einer höheren Vernunft, einer Rationalität, die in sich und sich heraus moralisch ist; einer Intelligenz, die praktikabel wird. Der Beginn kann nur im kraftvollen Denken liegen, da an diesem Punkt die höchst entwickelte Autonomie des Individuums vorliegt. Es gibt allerdings in dieser Hinsicht, wenn man tatsächlich den eigenen Denkmeditationen geduldig nachgeht, viele Phasen und Aspekte der eigenen Korruption des Denkens, durch die man durchgeht, da wir es gewöhnt sind, passiv aufzufassen. Man muss die ablenkenden, bedürftigen, aber auch die sich elitär abgrenzenden Elemente, die dem Nur- Seelischen, den Selbstbildern, dem Haftenden, dem Anerzogenen, den genetischen Problemfeldern entspringen, im Sinne einer allmählichen Klärung ablegen, um in absolut reiner Konzentration Sein zu erfahren.

Man ist es nicht gewöhnt, ohne an irgend etwas anzustoßen, ohne Inhalte, ohne Spur, rein aus sich selbst heraus bewusst zu sein. Normalerweise schläft man in einem solchen Zustand ein. Eine der schwierigeren Übung in dieser Willensschulung (und aus dieser besteht natürlich real praktizierte Anthroposophie) ist das Haften (im buddhistischen Sinne) an irgendwelchen sensorischen und körperlichen Rückmeldungen. Wenn man an dem Punkt ankommt, sich davon situativ lösen zu können, ist das Seelisch- Bedürftige bereits zu guten Teilen geklärt, beruhigt, transparent- zumindest in der meditativen Situation. Aber der michaelische Mut besteht dann darin, über die Körperrückmeldungen hinaus weiter zu gehen, den Willen nochmals zu verstärken, um die Absolutheit des willentlichen Aus- Sich- Selbst- heraus- Existierens weiter und weiter zu führen. Es gibt da kein Ende, nur immer weitere überraschende Tiefen, da sich das Bewusstsein immer noch einen Schritt dafür erweitert. In der Tiefe dieser Stille gibt es kein Ende.

Wir gehen in die absolute - zeitlose - Essenz hinein, der sich an diesem Punkt mächtig anbrandende Kräfte und Bilder offenbaren können. Es gibt Neigungen und Schulungselemente in dieser Region, die nicht anders erklärbar sind als aus früheren Mysterien stammend. Man erlebt für sich „Typisches“; man ist hier nicht zum ersten Mal; es ist aus vielen Gründen vertrautes Gebiet. Man hat hier und da Winke und Hinweise bekommen, Angebote zur Schulung und zur Unterweisung. Vieles war nett, manches anregend, aber letztlich blieb immer ein Rest im Inneren unbefriedigt. Das war es nicht. Es ist nicht lehrbar. Man muss seinen eigenen Schlüssel finden, seine eigene Art des Zugangs. Letztlich ist dies, wenn es dann einmal erschlossen ist, die Existenzform, in der wir in viel mächtigerer und umfassenderer Art zwischen den körperlichen Inkarnationen leben- wir alle. Man ist, von Michael nicht gewiesen, aber angenommen, in der Realität des Menschseins angekommen, das sich in vielen Formen und Gestalten offenbart, aber doch einer individuellen, in seiner Essenz gleichen Form- und Zeitlosigkeit entspringt. Die einzelne körperliche Existenz ist eine jeweilige Ausdrucksform dieses reinen Seins- eine Form, in der wir uns "Wort" sind, Geschaffenes, in der das Schaffen, der reine, zeitlose Wille, sich verliert, ja sich sogar selbst vergisst.

Der michaelische Wille ist, dass wir uns nicht nur erinnern, sondern als Wesen realisieren- im Körper, aber tatsächlich erschaffend. Das ist zugleich das Überwinden des "Haftenden" im buddhistischen Sinn. Aber natürlich wollen wir nicht in dieser Sphäre verbleiben, sondern aus ihr heraus wirken. Michael sucht keine individuelle Erlösung von den Lasten, sondern die Freude am Tun, am Mitgestalten. Das ist es, worin Michael das Antlitz Christi darstellt - Christus, der erdzugewandt, erlösend wirken will.

Der reine, erlöste Wille, in der wir aus unserer Essenz schaffend sind, findet sich selbst, aber findet sich selbst auch auch im Willen Michaels und Christi. Der reine Wille des schaffenden Seins, das Individuum, das aus sich selbst heraus, ohne an irgend etwas anzustoßen, lebt, ist in diesem Sinne erfüllt und von den Göttern angeschaut. Daher wird der Wille in dieser Reinheit strahlend, schaffend, wesenhaft:

"Was er aber heute noch nicht hat, das wird ihm die Zukunft bringen: Sein Wille wird immer mächtiger werden, bis er sein großes Ziel erreicht haben wird, welches man in der Geisteswissenschaft das große Opfer nennt. Dieses besteht in jener Macht des Willens, wo das Wesen, das da will, imstande ist, sich ganz hinzugeben, nicht nur das Wenige hinzugeben, was der Mensch mit seinen schwachen Gefühls- und Willensmächten hinzugeben vermag, sondern das ganze Sein hinzugeben, als eine bis ins Stoffliche hineingehende Wesenheit sich ausfließen zu lassen."
(Rudolf Steiner, GA 96, S. 209)
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