"Die Mitglieder sollten das Goetheanum nicht als Bürde betrachten" | EgoBlog | Die Egoisten

"Die Mitglieder sollten das Goetheanum nicht als Bürde betrachten"

In der anthroposophischen Nachrichtenagentur NNA berichtet Christian von Arnim von der diesjährigen Mitgliederversammlung. Immerhin hat es einen Versuch gegeben, den Vorstand der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft zum Rücktritt zu zwingen. Der Antrag wurde auch von Götz Werner unterstützt. Mit diesem Antrag wurde dem Vorstand deshalb das Vertrauen entzogen, weil eine „zu große Veräusserlichung im Wirken des Vorstands zu bemerken (sei), weiter sei das Goetheanum ein Ort „spiritueller Dienstleistungen“ geworden an dem keine „originären Impulse“ mehr erarbeitet würden, „um in die Welt aus-zustrahlen.““ Damit ist eine Phrase, die meines Wissens von Sebastian Gronbach stammt (wobei dieser sich selbst so kennzeichnet) offenbar zu einem generalisierten Vorwurf geworden- ein Synonym für ausbleibende innere Wirksamkeit und Veräußerlichung.

Sergej Prokofieff verteidigte sich im Namen des Vorstands mit seinen üblichen pseudo- esoterischen Behauptungen, etwa, im heutigen Vorstand seien „alle karmischen Strömungen des ursprünglichen von Rudolf Steiner berufenen Vorstands vertreten“. Abgesehen vom fragwürdigen Wahrheitsgehalt stellt sich die Frage, ob eine solche Behauptung irgend eine andere Relevanz haben kann als den Versuch zu starten, sich unabhängig von der erbrachten Leistung eine Art exterritorialer Selbstrechtfertigung zu basteln- eine Unart von Unangreifbarkeit zu schaffen. Auch seine Behauptung, der Antrag sei ein „politischer“ Ansatz besagt an sich nichts, ist in diesem Umfeld aber als Herabwürdigung zu betrachten. Bodo von Platos Replik auf den Antrag dagegen („Das Goetheanum habe einen Forschungs- und Lehrauftrag, aber auf Basis der Anthroposophie. Dazu werde das Goetheanum gebraucht und die Mitglieder sollten das Haus nicht als eine Bürde betrachten sondern als ein Vermächtnis.“) spricht wenigstens ehrlich aus, wie tief die innere Zerrüttung doch fortgeschritten ist. Paul Mackay dagegen zielte mit seiner Antwort weniger auf die innere Zerrüttung, sondern auf die finanzielle. Das Goetheanum ist seit langem - nun aber nicht mehr zu leugnen - finanziell schwer angeschlagen: „Die Diskrepanz zwischen Einnahmen und Ausgaben gebe es schon seit mindestens den achtziger Jahren und könne nicht mehr getragen werden. Wie könne damit umgegangen werden, fragte Mackay.“ In der Tat, diese Frage stellt sich, vor allem wenn die Misswirtschaft bereits seit etwa 30 Jahren besteht.

Am Ende enthielt sich ungefähr ein Drittel der Mitglieder der Stimme oder stimmte für den Antrag. Der bestehende Vorstand wurde einerseits bestätigt, erhielt aber ein Misstrauensvotum. Man sollte vielleicht bedenken, dass der Protest nicht aus identischen Motiven gespeist wird und keinesfalls, wie behauptet, „politischer“ Natur ist. Es drückt sich darin ein Widerwille in Bezug auf die finanziellen Probleme aus - vor allem die Veräußerung an Anteilen von Weleda-, aber wohl auch ein einflussreicher Kreis von „neo- okkultistischen“ Strömungen. Hätten sich diese durchgesetzt, hätte dies möglicherweise diese Kreise in grösseren Einfluss gebracht, denen man eine Reform noch weniger zutraut.
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