Abschied von Hans-Peter Dieckmann | EgoBlog | Die Egoisten

Abschied von Hans-Peter Dieckmann

Es wird einsamer bei den Egoisten. Einer unserer langjährigen Autoren, Hans-Peter Dieckmann, ist am 6. Januar verstorben. Seine Aufsätze, die sich vor allem mit dem Thema anthroposophische Meditation beschäftigten, können auf einer für ihn eingerichteten persönlichen Seite gelesen werden. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit, die er auch auf einer eigenen Website und in zahlreichen Seminaren, die er gab, zum Ausdruck brachte, war sein Interesse für den west- östlichen Grenzgänger Sri Aurobindo. Hans-Peter war vor allem 2009 und 2010 aktiver Autor bei den Egoisten; er legte dabei gern längere Pausen ein, weil, wie er schrieb: „Ich möchte kein Internet-Mensch sein.“ Als er sich 2011 immer noch nicht gemeldet hatte, schrieb ich ihn an und erfuhr von seiner gerade ausgebrochenen schweren Erkrankung. Diese war im September 2010 entdeckt worden. Er war willens, sich einer gefahrvollen und radikalen Chemo- Therapie und weiteren Behandlungen zu unterwerfen, denn es gab keine Alternative: „Die Folge wäre mein Tod. Ohne Behandlung hätte ich nur noch ungefähr ein halbes Jahr zu leben.“ Seine Beanspruchung war zu groß, um weiter Artikel schreiben zu können, aber er hoffte: „Aber später, so hoffe ich, kommt wieder mal ein Artikel von mir, dann wohl so ab Januar 2012.“ Am Anfang der Behandlung schlug sich Hans-Peter herum mit Fragen nach persönlicher Schuld, aber auch mit den ihm verbleibenden Perspektiven, aber er wusste auch in den schwersten Momenten: „Durch mein Meditieren gewinne ich immer wieder Aufbauendes, mit meinem Lösen.“

Die Perspektive der gemeinsamen Arbeit blieb ihm wichtig: „Dabei lag und liegt mir an den Egoisten: an der Aufklärung zum Beispiel zu Benesch und zum Nationalsozialismus überhaupt sowie zu Scaligero; an den vielen Beiträgen zur Meditation aus eigenem Erleben und u.a. mit positiven Bezügen auf Kühlewind, den meditativen Scaligero und zu buddhistischen Elementen: wo im Internet wird sonst so offen über eigene spirituelle Erfahrungen berichtet, obwohl das ganz gewiss dran ist?; aber mir lag und liegt auch an Deinen Geschichten aus dem Leben wie jetzt “Radiologische Mysterien“ und an Deiner Folge “Karls Jahr“; selbstverständlich vieles davon als im Prozess verstanden, ja teils als Versuch und damit entwicklungsfähig, individuell, aber zugleich bei einer klaren Wertschätzung von Steiners geisteswissenschaftlicher Methodik als Grundrüstzeug – und was mir noch sehr wichtig ist: bei einem freien Geistesleben: Wolfgang Garvelmann etwa konnte und kann sich ausführlich für Judith von Halle einsetzen, während Du sie recht kritisch behandelst. Für mich war es außerdem reizvoll, auf meine Artikel ein vielfältiges Feedback zu erhalten und ich freue mich, dass sie inzwischen sogar verstärkt gelesen werden.“ Aber trotz dieser Bindungen und Bezüge, trotz der meditativen Arbeit, die er immer und immer intensiver fortführte, trotz der engen familiären und freundschaftlichen Bindungen, gab es auch für ihn diese bodenlose Augenblicke: „.. allerdings habe ich dunkle Tiefen erlebt: die erste Krebsnachricht traf mich so heftig, dass ich das Krankenhaus wie ein Toter unter Lebenden verließ.“ Durch seine meditative Arbeit konnte er sich immer wieder neu diesen emotionalen Tiefen entziehen: „Dass ich einen Boden in mir aufrechterhalten und neu bauen konnte und kann, verdanke ich – wie erwähnt - stark meinem Meditieren: in der Tat im Stehen vor der geistigen Welt, wahrhaftig, so gut mir das jeweils gelingt und deshalb in gewisser Weise wirklich freier als im Alltag, denn so bin ich auch mehr aus meinem Eigentlichen orientiert. Ich schaffe oder empfange dann besser Einsichten und helfende Imaginationen, zu einem Meditationsthema oder in innerer Stille.“

Im August letzten Jahres wurde klar, dass es - trotz der hochdosierten Chemotherapie nicht einfach werden würde: „..durch die zwei neuen Chemos ist mein Krebs zwar deutlich zurückgegangen, aber nicht weit genug. Es steuert also auf die Transplantation von fremden Stammzellen zu.“
Hans-Peters Naturell war trotz der immer wieder erfolgenden Rückschläge so positiv gestimmt, wie unter diesen Umständen nur möglich, denn so war er einfach und so fühlte er sich auch selbst: „Doch trotz der Chemos, was Du als Frische und Zukunftsorientiertheit meiner letzten Mail erfährst, fällt mir meistens eher leicht: es entspricht mir einfach und wird ja obendrein von mir besonders meditativ bestärkt. Du musst Dir meine positive Gestimmtheit nur eben im Zusammenhang mit anderen Stimmungen im Hinter- und ab und zu auch im Vordergrund vorstellen.“ Spirituell bemühte er sich, die Rosenkreuz- Meditation Rudolf Steiners zu praktizieren, in der er erlebte, dass dabei ein schützender Raum gebildet wurde. Das „Erfühlen des Übersinnlichen“ und lebhafte Imaginationen wurden ihm ein stetiger Begleiter. Trotz deutlicher Erfolge in den ständigen therapeutischen Maßnahmen gab es deutliche Rückschläge, auch nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus. Er hielt an vielen Initiativen fest, die er 2012 beginnen wollte und wünschte auch, einiges an Persönlichem zu klären. Dazu ist es nicht mehr gekommen.
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