Das Erwecken des inneren Lichtorgans | EgoBlog | Die Egoisten

Das Erwecken des inneren Lichtorgans

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chakra
ines der älteren Bücher (1966), die sich vor anthroposophischem Hintergrund mit Chakras beschäftigen- Werner Bohms „Die Wurzeln der Kraft“- hat mich zeitweilig etwas ratlos zurück gelassen. Hans-Hasso von Veltheim-Ostrau schreibt im Vorwort, dass dieses Buch in einer Sprache abgefasst sei, die nicht Berufenen unverständlich bleiben müsse- dies ergebe sich von selbst. Das sei der „diesen Dingen eigene Selbstschutz vor Unberufenen“. Zudem wendet sich Veltheim-Ostrau heftig gegen die „Geheimnis- und Wichtigtuerei westlicher Pseudo-Okkultisten“, bringt aber der sorgfältigen Arbeit vieler indologischer und sinologischer Übersetzer Sympathie entgegen. Meine Ratlosigkeit entspringt der überquellenden Fülle von Bohms Mixtur aus allen möglichen Kulturbausteinen- vor allem solchen der indischen und asiatischen Welt. Konkret bezieht er sich stark auf tantrische Literatur und orientiert sich am Yogasutra des Patanjali- eine Yogi- Schulung, die immerhin zwischen 400 vor bis 400 nach Christus entstand und aufgrund ihrer Sprachform starker Interpretation bedarf. Bohm nimmt eine Strukturierung der Schulung vor, ohne diese als seine Interpretation kenntlich zu machen, bedient sich aber zugleich der darin (und anderswo) vorherrschenden Bilderwelt. Seine Zusammenschau z.B. zwischen Stufen dieses Yoga und Phasen des christlichen Einweihungsweges erscheint mir z.T. doch etwas erzwungen. Zudem interpretiert Bohm immer wieder anthroposophisch- problematisch, Tausende von Jahren alte okkulte Bilderfolgen ohne Übergang auf die Seelenwelt des modernen Menschen zu beziehen. Zudem leitet Bohm Anweisungen ab, die stimmen mögen - oder auch nicht; sie haben für mich dennoch dogmatischen Charakter. So dürfe man auf keinen Fall im Liegen meditieren, da dies die Haltung des Tieres sei. Andererseits solle die Sitzhaltung nicht nur artistisch im Sinne des artifiziell aufgefassten Yoga sein. Der westliche Mensch habe eine andere „Konstitution“ als der östliche. Zeitgebunden sind auch Bohms ständige Abgrenzungen gegenüber einer technisierten Zivilisation, die vor der Katastrophe stehe und sich in völligem moralischem Verfall befinde. Im Vergleich dazu bekommt die östliche Zivilisation bei Bohm einen schwärmerisch vorgetragenen, idealisierenden Anstrich. Im Nachwort der Buchauflage aus dem Jahre 1974 stellt Bohm allerdings resignierend fest, dass selbst in Indien die junge Generation Tradition und Bhagavad Gita beiseite gelegt und sich den Aufgaben „dieser Welt“ zugewandt habe.

Sei´s drum. Bohm ist sicherlich kein esoterischer Theoretiker, und man kann vor allem in der zweiten Hälfte des Buches einige konkrete Entdeckungen machen. Es geht immer mehr im engeren Sinne um die Chakren- ihre Lage, Entwicklung, Beziehung zu physischen Organen, Zusammenhänge mit dem natürlichen und kosmischen Umfeld. Bohm ordnet jedes Chakra planetarischen Sphären (im antiken Sinne) zu. So sieht er den 4blättrigen Lotos „innermenschlich“ im Zusammenhang mit dem Mond, den 6blättrigen mit Merkur, den 10blättrigen mit Venus, den 12blättrigen mit der Sonne, den 16blättrigen mit dem Mars, den 2blättrigen mit Jupiter und schließlich den 1000blättrigen mit Saturn. Das ist meditativ nachvollziehbar. Im letzten - umfangreichsten- Teil des Buches stellt er jedes einzelne Chakra in seinen Charakteristika vor, wobei ein Schwergewicht auf symbolisch- vedischen, kulturhistorischen, sakralen und lautlich- mantrischen Bezügen liegt. An anderen Stellen fließen zweifellos eigene meditative Erfahrungen des Autors ein. Bohm geht auch auf einige Neben- Chakren ein- so etwa auf das für das Herzdenken so elementare 8blättrige: „Unter dem 12blättrigen ist auch noch ein kleiner 8blättriger roter Lotos, der zur Herzregion gehört und auch innerhalb derselben erschaut werden kann. Er ist ein Nebenorgan. In ihm ist der juwelengeschmückte Altar mit dem Schutzdach, einem Baldachin, darüber. Hier stehen die „heiligen Bäume“ des heiligen Hains. Es ist der innere Ort einer geistigen Gottesverehrung. Im Herzen soll sie erfolgen.“ Im Vergleich dazu erscheint in der 12blättrigen Blüte einerseits die seelische Wärme, andererseits die „Stimme der Stille“; eine Region, „wo die Sonnen- und Sphärenharmonie erlebt wird“. Das Beispiel mag zeigen, wie konkret, persönlich und imaginativ Bohm an einigen Punkten auch wird. Daraus kann man viel Gewinn ziehen. Einen Satz wie „Das Herzorgan ist jener Ort, wo der Mensch von außen das geistige Lichtorgan entfacht“ kann man tatsächlich in sich bewegen. Es wird durchaus auch noch konkreter, worauf ich in weiteren Beiträgen noch eingehen werde.

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Werner Bohm, Die Wurzeln der Kraft. Chakras- die Kraft der Lotosblumen. Wilhelm Barth 1982
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