Erkenntniswege - Jostein Saether




Ich lese gerade noch einmal- diesmal mit Zeit und Muße- Jostein Saethers Autobiografie „Wandeln unter unsichtbaren Menschen- Eine karmische Autobiographie“. Wie weich, wie vage sich dieses Leben anfühlt. Sein erwachsenes Leben bis zum 42. Jahr scheint Jostein wie von verborgenen Strömungen im Meer bewegt zuzubringen- ganz unbürgerlich. Eine neue Liebe, ein Auftrag, ein Studium- alle möglichen Anstöße scheinen ihn immer wieder umzutreiben, aus der Heimat in Norwegen erst zu den skandinavischen Nachbarn, dann immer weiter durch Europa. Manchmal sind es nur Stippvisiten, manchmal feste Beziehungen, Lebens- und Arbeitsverhältnisse, die dann aber doch scheinbar undramatisch an einen Wendepunkt kommen. Dieses weiche, wie umspülte Leben bringt ihn zu verschiedenen Aufgaben als Künstler, aber auch an Mysterienstätten des Mittelalters und Altertums. Und es bringt ihn sehr früh in eine anthroposophische Vita, in der er zahlreiche Arbeitsstätten und auch Persönlichkeiten kennen lernt. Dieses sanfte Getriebenwerden stellt sich natürlich nur von außen als angenehm dar. Als ob er mit einem Köcher durch Erfahrungen ginge. Von innen gesehen werden es Mal um Mal auch Lebenskrisen gewesen sein.

Das Krisenhafte spitzt sich in den Vierzigern dann so zu, dass er selbst von einem Burn- Out- Syndrom spricht. Man könnte es auch eine handfeste Depression nennen- ein buchstäbliches Zum- Stillstand-Kommen.
Genau an diesem Punkt setzen seine Imaginationen ein, in denen die Erfahrungen, die erlebten Orte, das Gelesene, Studierte sich kraftvoll zu sammeln scheinen und zu einem geistigen Erleben führen, das von nun an Saethers Fixpunkt wird. Von nun an beginnt er sich intensiv mit Karma zu beschäftigen und setzt somit sein sanftes Bewegtsein auf einer höheren Ebene fort. Aber eine feste Spur ist eben doch gefunden. Es ist, als könnte er das in seinem Köcher Aufgesammelte nun innerlich bearbeiten und sich davon leiten lassen.
In seinen Augen wird kein Zufall im biografischen Zeitpunkt liegen, da das 21. Jahr in seinen Augen einen biografischen Scheitelpunkt beinhaltet, an dem man im Fortgang bis 42 innerlich biografisch zurück wandert bis zur eigenen Geburt. Das 42. Jahr ist in dieser Sicht ein Nullpunkt, durch den man hindurch muss. Das Krisenhafte aber kann – wie man an seinem Beispiel sieht- auf einer höheren Ebene zu einer neuen Perspektive und zu neuen Aufgaben führen.

Übrigns auch zu neuen Krisen, da der offenherzige Umgang Saethers mit Karma - auch dem persönlichen- ihn in den Augen vieler Anthroposophen fast aller Fraktionen (der modernistisch wie der fundamentalistisch orientierten) unmöglich macht. Die öffentlichen Aussetzer eines Platzhirschen wie Keimeyer sind zwar mehr als exotisch- im Kern gehört aber nach wie vor viel Mut dazu, sich heute so zu positionieren, wie es Saether tut.
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