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Dieses Leben das wir haben

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Lionel Shrivers Buch „Dieses Leben, das wir haben“ ist eine Zumutung für den Leser- eine Zumutung der bestmöglichen Art.

Shep, der Ehemann in diesem Buch, ist ein moderner Hiob. Seine Frau Glynis, mit ihrer unausstehlichen, allzu offenen Art, hat die Diagnose Krebs gerade dann erhalten, als Shep, auf die Fünfzig zugehend, sich endlich entschieden hat, sein bisheriges Leben aufzugeben und auszuwandern. Shep wollte nun seinen lang gehegten Traum verwirklichen. Aber- so zeigt sich- ein Träumer ist er nicht. Er stellt sich dem, was nötig ist. Das ist keinesfalls nur die letztlich tödliche Krankheit seiner Frau, die angesichts der Diagnose auf Rache an allen sinnt, die sie überleben werden. Sheps Vater wird zugleich pflegebedürftig, ein Freundin ist schwer erkrankt, die Schwester erweist sich als extrem egozentrisch, der beste Freund ist ein Bankrotteur, der die merkwürdigsten Dinge unternimmt, um sich und seine Ehe zu ruinieren. Und auch die Freunde, das ganze soziale Netzwerk und Umfeld schrumpft:

„“Eine Zeitlang“, sagte Shep, als die Besuche immer weniger wurden, hat sie noch relativ viele E-Mails bekommen. Wir drücken dir die Daumen, wir denken an dich, solche Sachen. Ich persönlich halte das Internet für ein Medium für Feiglinge. Aber diese Zweizeiler waren immer noch besser als gar nichts.“

Shep wächst angesichts der niederschmetternden Umstände. Er begleitet all diese Menschen, die da mit ihm verbunden sind- selbst als es ihn finanziell ruiniert, als die hoch bezahlten Therapeuten sich als Scharlatane erweisen, die nicht nur um Geld, sondern auch um Lebensqualität betrügen. Trotz des nahenden Todes, der Unausweichlichkeiten und Nackenschläge gelingt es Shep am Ende, dem Leben ein radikale Wende zu geben.

In diesem Buch wird sicher nichts beschönigt. Für Jeden, der Ehrlichkeit zu schätzen weiss und den Fragen des Lebens und Sterbens nicht ausweichen mag, wird dieses Buch ein Gewinn sein.
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Wer mehr davon erfahren möchte, sollte die Rezension von Felicitas von Lovenberg lesen.
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