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Der verpackte Zorn

brotwein

Wenn man dem Klopfen der Herztöne zu folgen beginnt, dem Wimpernschlag der Pappeln an einem schönen Frühlingstag wie heute, wenn man den Quellen nötigen Respekt erweist und ein Lufthauch vom Meer einen gastfreundlichen Nachmittag bereitet, dann überblickt man erstmals das Ausmaß der eigenen Kollateralschäden. („Der militärische Fachbegriff Begleitschaden oder Kollateralschaden (von englisch collateral damage; aus dem Lateinischen collateralis für seitlich oder benachbart) bezeichnet in der räumlichen Umgebung eines Ziels entstehende Schäden aller Art durch ungenauen oder überdimensionierten Waffeneinsatz bei nicht-zivilen Aktionen.“)

Das und das und das, man riecht förmlich an den sich stapelnden Paketen um einen herum, wie sich in ihnen der Schmerz sammelt. Man ist im untersten Stockwerk angekommen, beim zurück gelassenen Gepäck, in Haus des Schmerzes.

Der Schmerz ist lebendig, er bebt von innen, aus sich heraus, wir haben ihn mit Leben gefüllt, ein Berg von Abbildern, Zerrbildern unserer selbst, als wären es Voodoo- Püppchen. Zweifellos geht von diesem bebenden, bewegten und vielfältigen Schmerz ein Zauber aus.

Hier bin ich gebannt und gefangen, fühlt man. Hier endet vorerst meine Kraft. Ich bin das nicht, das sind die abgelegten Bilder meines Lebens, Schuppen, Häute, Panzer. Aber wirksam sind sie doch.

Den besten und einzigen Ausblick auf den abgelegten Zorn hat man, wenn man im Haus der Liebe steht. Vielleicht steht man da, für einen Augenblick. Man isst das Brot, man trinkt den Wein. Man weiß, der Wind, der weht, er ist größer als ich, aber er ist mit mir verwandt.
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