Anthroposophische Säulenheilige revisited

Ich ergehe mich gerade in Nostalgie und lese einige alte Spitzen & Glossen von mir selbst. Das passt zu beschaulichen warmen Sommerabenden. Ich würde die Dinge wohl heute „anders formulieren“. Vielleicht merkt man daran, dass man älter wird.


„Viele der wirklich harten Fälle zementieren ihren Katechismus durch konsequenten Ausschluss jeder Informationsquellen - seien es Zeitungen, Fernsehen oder Bücher mit zeitgenössischem Bezug. Ihr Umgang schränkt sich auf die wenigen verbliebenen Rechtgläubigen ein und nimmt häufig immer skurrilere Züge an. Lebenspartner suchen das Weite und die eigenen Kinder sind mit der ersten Gelegenheit auf und davon. Ich kenne Fälle, in denen der Betreffende immer weiter vereinsamte, sich mit einem abenteuerlichen alchemistischen Labor forschend zurückzog und als radikaler Homöopath von den Zahlungen weniger Kunden in Armut mehr vegetierte als lebte. Ich kann nicht beurteilen, ob er irgendeine Art von Glück darin fand. Er wirkte auf mich vollkommen verbissen. Ab und zu besuchte er den örtlichen anthroposophischen Zweig und beschimpfte die bedauernswerten anwesenden älteren Damen lauthals. Er war der Ansicht, sie hätten den anthroposophischen Geist verraten und mit Füssen getreten.

So ähnlich müssen Säulenheilige gewesen sein. Auch bei ihnen wusste man nie genau, ob sie eine göttliche Vision gehabt hatten, professioneller Hilfe bedurften oder beides zusammen. Katharer, Heilige oder Verrückte - wer will das entscheiden ?“


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