Meine Schwierigkeiten mit Judith von Halle
01.Mär.2009 17:53 Uhr Abgelegt in:Anthroposophie
Meine Schwierigkeiten möchte ich an einem Beispiel erläutern. Seit einigen Monaten geht Judith von Halle in öffentlichen Auftritten auf Lazarus ein. In ihrer Darstellung handelte es sich bei dem Vorgang der Erweckung des Lazarus keineswegs um einen Einweihungsprozess im Sinne alter Mysterien, wie Rudolf Steiner es darstellte. Vielmehr äußert sie das bei ihr so häufige Konglomerat von kaum verständlichen „übersinnlichen“ Prozessen: Es handele sich um einen „Wesensgliederaustausch“, um eine „Opferung des ätherischen Leibes“ des Johannes, jedenfalls um einen tatsächlichen Tod, dem dann eine rätselhafte Auferstehung folgte, bei der die von Jesus auferweckte Person nicht identisch mit der verstorbenen war.
Rudolf Steiner selbst kommt in dieser Hinsicht ohne derartig komplizierte Prozesse aus. Bei ihm liest man: „Einweihungsgeschichten werden uns zu allen Zeiten unter Verhüllung erzählt. Das Lazarus-Wunder ist nichts anderes als die wunderbare und gewaltige Darstellung, wie der Christus den ersten Eingeweihten des Neuen Testamentes geschaffen hat, wie der Eingeweihte bei seinem Schüler, der dreieinhalb Tage in einem todähnlichen Zustande lag, die Seele wieder zurückrief in den Leib, nachdem sie die Wanderung durch die geistige Welt gemacht hatte, um nachher durch den Christus selbst erweckt zu werden.“ (GA 57, Seite 134)
Die rätselhafte „Auferweckung“ wird bei Steiner also („todähnlicher Zustand“) in ihrer Bildhaftigkeit enthüllt; es handelt sich nicht um ein Wunder, sondern um einen Prozess, der im Sinne der klassischen Mysterien gang und gäbe war und seine Besonderheit dadurch gewann, dass er noch einmal von Christus selbst durchgeführt wurde. Steiner löst die Wunderbilder, die im Neuen Testament „unter Verhüllung“ geschildert wurden, auf. Judith von Halle macht das gerade Gegenteil. Bei ihr kann es nicht wundersam genug sein. Sie besteht auf tatsächlichen Todesvorgängen und einer deplatzierten Auferweckung. Das ist genau das Element, das sie typischerweise herein bringt. Sie macht die Bildhaftigkeit der geschilderten Vorgänge nicht transparent, sondern bleibt in der irrationalen Bildhaftigkeit stecken und lädt diese weiter auf durch hinzu gedichtete Vorgänge, die sie angeblich „schaut“.
Es ist genau das, was ich bei verschiedenen Gelegenheiten als die Katholizisierung der Anthroposophie durch Judith von Halle und ihre wortgläubigen Anhänger bezeichnete. Jostein Saether macht mir das zum Vorwurf: „Das belächelnde Verharmlosen ihres Versuchs, aus der Anthroposophie mit den Stigmata zu leben, das abscheuende Nichterkennen Judith von Halles als eine anthroposophische Geistesforscherin und die arrogante Ablehnung ihrer Forschungsergebnisse führt nur zu einer weiteren Verschärfung der Fronte und zu einer Verharren im karmischen Cliquenwesen, von der die anthroposophische Bewegung trotz Steiners dezidierten Warnungen in dieser Richtung schon genug gelitten hat. U. a. das Pilatusartige des Hände-Waschens, das Lächerlich-Machen und das Verwerfen ins Katholische, das ich in den Beiträgen von Michael Eggert, Jens Heisterkamp und Holger Niederhausen lese, führen nicht weiter.“
In meinen Augen stellt aber die eigentümliche Reaktivierung der Wundergläubigkeit durch Judith von Halle eine reaktionäre, irrationale Positionierung dar, die weit hinter Rudolf Steiner, hinter das 20. Jahrhundert und jede Art der individuellen Spiritualisierung des Denkens zurück fällt und nichts als eine fantastische Gläubigkeit reaktivieren möchte. So etwas ist in meinen Augen ein Sammelbecken für frustrierte Anthroposophen, die sich vergeblich nach Spiritualität verzehren und nun in der Person Judith von Halles nach dem nächst liegenden Strohhalm greifen: Nur leider greifen sie zu kurz und geraten in ein Fahrwasser, mit dem man eine kirchliche Splittergruppe begründen könnte. Nicht nur die katholische Kirche hat offenbar Probleme mit reaktionären Tendenzen und Gruppierungen.
Nun soll die Interessengruppe um Judith von Halle, wenn man den kursierenden Gerüchten glaubt, nicht nur kurz vor der Vollendung einer eigenen Fortbildungsstätte in der Nähe des Goetheanums stehen, sondern längst auch Unterstützung durch prominente Anthroposophen und vor allem potente Geldgeber gefunden haben. Die Namen, die kursieren, gehen von Götz Werner (DM) über Götz Rehn (Alnatura) bis zu Wolfgang Gutberlet (tegut). Wenn sich das bewahrheiten sollte, steht die anthroposophische Bewegung vor ernsthaften Problemen. Es würde sich dann nicht nur um eine innere Zerreißprobe handeln, sondern um eine gewaltige Verschiebung des inneren Gewichts der Bewegung. Denn die genannten Personen sind tatsächlich in vieler Hinsicht bedeutsam- auch in der Öffentlichkeitswirkung.
Rudolf Steiner selbst kommt in dieser Hinsicht ohne derartig komplizierte Prozesse aus. Bei ihm liest man: „Einweihungsgeschichten werden uns zu allen Zeiten unter Verhüllung erzählt. Das Lazarus-Wunder ist nichts anderes als die wunderbare und gewaltige Darstellung, wie der Christus den ersten Eingeweihten des Neuen Testamentes geschaffen hat, wie der Eingeweihte bei seinem Schüler, der dreieinhalb Tage in einem todähnlichen Zustande lag, die Seele wieder zurückrief in den Leib, nachdem sie die Wanderung durch die geistige Welt gemacht hatte, um nachher durch den Christus selbst erweckt zu werden.“ (GA 57, Seite 134)
Die rätselhafte „Auferweckung“ wird bei Steiner also („todähnlicher Zustand“) in ihrer Bildhaftigkeit enthüllt; es handelt sich nicht um ein Wunder, sondern um einen Prozess, der im Sinne der klassischen Mysterien gang und gäbe war und seine Besonderheit dadurch gewann, dass er noch einmal von Christus selbst durchgeführt wurde. Steiner löst die Wunderbilder, die im Neuen Testament „unter Verhüllung“ geschildert wurden, auf. Judith von Halle macht das gerade Gegenteil. Bei ihr kann es nicht wundersam genug sein. Sie besteht auf tatsächlichen Todesvorgängen und einer deplatzierten Auferweckung. Das ist genau das Element, das sie typischerweise herein bringt. Sie macht die Bildhaftigkeit der geschilderten Vorgänge nicht transparent, sondern bleibt in der irrationalen Bildhaftigkeit stecken und lädt diese weiter auf durch hinzu gedichtete Vorgänge, die sie angeblich „schaut“.
Es ist genau das, was ich bei verschiedenen Gelegenheiten als die Katholizisierung der Anthroposophie durch Judith von Halle und ihre wortgläubigen Anhänger bezeichnete. Jostein Saether macht mir das zum Vorwurf: „Das belächelnde Verharmlosen ihres Versuchs, aus der Anthroposophie mit den Stigmata zu leben, das abscheuende Nichterkennen Judith von Halles als eine anthroposophische Geistesforscherin und die arrogante Ablehnung ihrer Forschungsergebnisse führt nur zu einer weiteren Verschärfung der Fronte und zu einer Verharren im karmischen Cliquenwesen, von der die anthroposophische Bewegung trotz Steiners dezidierten Warnungen in dieser Richtung schon genug gelitten hat. U. a. das Pilatusartige des Hände-Waschens, das Lächerlich-Machen und das Verwerfen ins Katholische, das ich in den Beiträgen von Michael Eggert, Jens Heisterkamp und Holger Niederhausen lese, führen nicht weiter.“
In meinen Augen stellt aber die eigentümliche Reaktivierung der Wundergläubigkeit durch Judith von Halle eine reaktionäre, irrationale Positionierung dar, die weit hinter Rudolf Steiner, hinter das 20. Jahrhundert und jede Art der individuellen Spiritualisierung des Denkens zurück fällt und nichts als eine fantastische Gläubigkeit reaktivieren möchte. So etwas ist in meinen Augen ein Sammelbecken für frustrierte Anthroposophen, die sich vergeblich nach Spiritualität verzehren und nun in der Person Judith von Halles nach dem nächst liegenden Strohhalm greifen: Nur leider greifen sie zu kurz und geraten in ein Fahrwasser, mit dem man eine kirchliche Splittergruppe begründen könnte. Nicht nur die katholische Kirche hat offenbar Probleme mit reaktionären Tendenzen und Gruppierungen.
Nun soll die Interessengruppe um Judith von Halle, wenn man den kursierenden Gerüchten glaubt, nicht nur kurz vor der Vollendung einer eigenen Fortbildungsstätte in der Nähe des Goetheanums stehen, sondern längst auch Unterstützung durch prominente Anthroposophen und vor allem potente Geldgeber gefunden haben. Die Namen, die kursieren, gehen von Götz Werner (DM) über Götz Rehn (Alnatura) bis zu Wolfgang Gutberlet (tegut). Wenn sich das bewahrheiten sollte, steht die anthroposophische Bewegung vor ernsthaften Problemen. Es würde sich dann nicht nur um eine innere Zerreißprobe handeln, sondern um eine gewaltige Verschiebung des inneren Gewichts der Bewegung. Denn die genannten Personen sind tatsächlich in vieler Hinsicht bedeutsam- auch in der Öffentlichkeitswirkung.
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